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gamescom 2010: Arcania - Gothic 4

von Oliver Schmitt, am 23.8.10


Vier lange Jahre sind seit der Veröffentlichung von Gothic 3 vergangen, vier Jahre in denen sich in der wirklichen Welt der Entwicklerstudios eine Menge verändert hat. Nach Piranha Bytes stellt sich nun erstmals das Entwicklerstudio Spellbound der Aufgabe neues Leben in das Franchise zu bringen. Auch die fantastische Welt des namenlosen Helden wird sich erwartungsgemäß in völlig neuem Glanz dem Publikum präsentieren. Publisher Jowood verspricht im kommenden Teil der Gothic Reihe, Arcania: Gothic 4, deutlich mehr Tiefe in der Erzählung und wählt dafür einen neuen Ansatz für die bekannt ruppige Heldenreise durch die raue Welt der traditionsreichen Serie.

Ein neuer namenloser Held wird dem Spieler an die Hand gegeben, der seine ersten Prüfungen in beschaulicher Umgebung auf der heimeligen grünen Insel Feshyr als Schafhirte bestehen muss. Bevor die im Genre übliche und unvermeidliche Katastrophe über ihn hereinbricht, ist sein Ziel in ganz bodenständigen Absichten formuliert: der Schafhirte ist auf Freiersfüßen und möchte seine Auserwählte ehelichen. Was in der realen Welt schon mit dem ein oder anderen Hindernis behaftet ist, formuliert sich in der Gothicwelt erwartungsgemäß schwierig, so wird der potentielle Brautvater auf eine Familientradition bestehen, die dem Helden eine Prüfung auferlegt, die den Brautwerber in sein erstes Abenteuer führt.



Hier vermittel das Spiel gleich zu Beginn den moralischen Zwiespalt, der so typisch ist für Gothic und immer wieder für die besondere Atmosphäre sorgt. Der Auftrag handelt etwa nicht davon strahlende Heldentaten zu vollbringen, die sich findige Brautväter des Genres ausknobeln um den potentiellen Schwiegersohn auf Tauglichkeit zu prüfen. Es geht schlicht und ergreifend darum einen unbequemen Gast auf der Insel loszuwerden, der für Gothic Fans ein alter Bekannter ist. Es handelt sich um Diego, der auch hier wieder die Rolle eines Mentors des Namenlosen übernimmt und ihn nach bestem Wissen in die Kunst des Kampfes eingewiesen hat. Grundsätzlich hat man versucht sehr viele Figuren und Elemente aus den Vorgängern zu übernehmen um den Effekt der Wiedererkennung zu fördern, dem Spieler das Gefühl des Bekannten zu geben, aber alleine schon durch die weiterentwickelten Grafiken wird das Bekannte in völlig anderem Licht erscheinen. Im Übrigen hat man hier schon different gearbeitet, so gibt es die Möglichkeit das Spiel in einer amerikanisch freundlich – bunten Fassung oder in der klassischen Dark Ages Atmosphäre zu erleben, wie viele andere Features (Questhelfer etc.) auch per Option wählbar. Einsteiger freundlich und trotzdem auch für Langzeit Fans zugänglich, diese Gratwanderung will man mit Gothic 4 meistern. Kampf und Zaubersystem ist noch einmal überarbeitet worden und soll trotz zunächst simpler Handhabung variantenreiche Kämpfe ermöglichen, allzu schwere Kampferlebnisse wie in den ersten Teilen, die oft in Panik und Flucht für den durchschnittlichen Spieler endeten sollen der Vergangenheit angehören.


Mit der mittelalterlichen White Fence Idylle wird es aber auf der Insel recht bald vorbei sein. Die Bedrohung kommt von außen und beendet das beschauliche Tutorial. Ein Krieg ist es, der Leid und Schrecken bringen wird, geführt von König Rhobar III dessen Häscher verantwortlich sein werden für die Katastrophe. Der König ist fatalerweise auch noch der vorhergehende Held der bisherigen Teile der Geschichte. Brandschatzung, Raub und Mord kommen über das kleine Dorf und am Ende verliert der Held alles und nichts als seine Rache bleibt, ein klassisches Szenario des High Fantasy. Von da an führt die Reise nach Argaan in noch unbekannte Teile der Welt. Die Entwickler werden dabei auf eine kleinere Welt zugreifen als in Gothic 3, was löblicherweise der Qualität der Landschaften zu Gute kommen soll. Besonders stolz ist man derzeit auf das zufällige Wettersystem, das in realistischer Weise kleine Pfützen entstehen lässt wenn es regnet. Auch der bewährte Tag/Nacht Modus kommt zum Einsatz und bestimmt die Tagesabläufe der zahlreichen Spielfiguren sowie der 40 Monster und deren Unterarten. Darüber hinaus werden Landschaft und Wetter auch als dramaturgisches Element eingesetzt werden um emotionale Momente zu verstärken. Allerdings ist ein Schadensmodell für bspw. brennende Vegetation, in Folge von Zaubern, wie etwa den opulent animierten Feuerbällen, als bleibenden Auswirkung in der Umgebung, noch nicht vorgesehen.


So wird die Spielwelt mit ihren weitläufigen Landschaften sehr schnell zum heimlichen Star des Spiels, es bleibt abzuwarten wie sehr sich die Handlung mit der Welt verbindet und eine wirkliche Atmosphäre auch auf erzählerischer Ebene schafft. Die Handlung erzählt sich weitgehend über Dialoge und die Vergangenheit der elektronischen Rollenspiele zeigt, dass es genau hier immer wieder zu anstrengenden Längen kommt, wegklicken und im schlimmsten Fall weglegen des Titels kann schnell die Folge sein. 35 bis 40 Stunden Spielzeit wollen gefüllt sein und möglichst mit spannenden Erlebnissen und diese sollen bitte mit Überraschungen aufwarten, reine Grafikpracht reicht nicht aus um einen nachhaltig erfolgreichen Titel zu produzieren. Arcania: Gothic 4 scheint auf einem guten Weg zu sein und geht dem Trend nach, bisherige Elemente neu einzuordnen. Es erwarten den Spieler in diesem Teil freundlich gesinnte Orks und man wird sich einer neuen Bedrohung dunkler Mächte stellen müssen, die noch nicht enthüllt sind. Auch wird es erstmals eine weibliche Figur geben die entscheidenden Anteil an der Geschichte haben wird. Es ist von einer (selbstverständlich) wunderschönen, geheimnisvollen Dame die Rede, was in dieser bisher eher männlich dominierten Spielwelt ein Novum wäre.

Titel: Arcania: Gothic 4
Publisher: Jowood
Entwickler: Spellbound
RPG - Solo
PS3, XBOX 360 und PCVeröffentlichung: 12.10.2010











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