60 Sekunden Albtraum. Eigentlich als Traninig zum Spiel gedacht, war für viele Spieler des allerersten Driver schon die erste Mission zu schwer. Es galt in 60 Sekunden eine Reihe von Aufgaben zu erledigen, unter anderem Slalom und 360°-Wende. Der Teaser zu Driver: San Francisco kommentiert die Geschichte des Franchise reichlich selbstironisch, macht dabei jedoch unmissverständlich klar, dass sich das neuste Spiel der Reihe sich stark an den ersten Teil der Serie anlehnen wird.
Der neue Entwickler Ubisoft Reflections setzt ganz auf die Stärke des ersten Teils, nämlich ausgedehnte Fahrten ohne Außenmissionen. Um diese möglichst spannend zu gestalten wurden die Rechte von 100 Lizenzfahrzeugen eingekauft, darunter beinahe alle Klassiker der Automobilgeschichte. Auch das befahrbare Areal ist mit mehr als 330 Kilometern Fahrstrecke eines der größten der Videospielgeschichte. Neben bekannten Sehenswürdigkeiten wie der Golden Gate Bridge oder Fisherman’s Wharf ist San Fransisco auch mit der angrenzenden Bucht direkt ins Spiel übertragen worden. Mit seinem 70er Jahre Soundtrack erinnert das gesamte Gameplay stark an Bullitt oder Die Straßen von San Francisco. Auch mit der Entscheidung, den Protagonist des ersten Teils, John Tanner, zu reaktivieren und ihm den Gegenspieler aus dem zweiten Teil, Charles Jericho, gegenüberzustellen, zeigen die Entwickler, dass sie ihrer Wurzeln gedenken.
Allerdings bietet Driver: San Francisco auch eine weitreichende Neuerung. Zum ersten Mal ist es möglich im laufenden Spiel zwischen den auf der Straße befindlichen Autos hin und her zu schalten und die Kontrolle über diese zu übernehmen. Dieser neue, „Shift“ genannte Modus, birgt in sich ungeahnte spielerische Möglichkeiten, es wirkt beinahe so, als wären die Entwickler von Will Wright beeinflusst. In der uns gezeigten Mission soll ein flüchtiges Fahrzeug aufgehalten und zerstört werden. Die Lösung des Problems ist es, in einen großen LKW zu schalten und diesen frontal mit dem Wagen kollidieren zu lassen. Die Shift-Fähigkeit muss sich allerdings durch fahrerische Tricks oder bestandene Missionen erarbeitet werden und steht nicht ständig zur Verfügung. Auch die ästhetische Umsetzung lässt staunen. Wird der Shiftmodus aktiviert, zeigt die Kamera das Geschehen aus der Höhe der Häuser, um eine bessere Übersicht zu gewähren, die Zeit wird auf Zeitlupentempo gestreckt. Im Laufe des Spiels lassen sich noch zwei weitere Kameraperspektiven freischalten, die das Areal des Shiftmodus vergrößern. In der letzten Perspektive wird dann das Wechseln von Autos in ganz San Francisco möglich sein. Der Eindruck, dass sich hinter Shift eine Art Gottmodus verbirgt, wird von den Entwicklern noch weiter forciert. Denn durch das Shiften in fremde Autos wechselt man auch in das Leben des Autoeigentümers und kann Missionen annehmen, die dieser erledigen müsste.
Driver: San Francisco ist eine der Überraschungen der Messe. Wenn die Entwickler den Shiftmodus noch tiefer in das Spiel integrieren und es nicht bei einer simplen Handlungsoption belassen, dann kann Driver: San Francisco ein großes, innovatives Rennspiel werden.

