Es ist das Jahr 1937, Hauptfigur Richard Samuels drückt noch die Schulbank, träumt allerdings davon, irgendwie ein Teil der faszinierenden Welt bestehend aus den populären Künsten Musik, Theater, Film und Literatur zu sein. Besetzt wurde die Rolle dann auch mit einem der beliebtesten Jungschauspieler unserer Zeit, nämlich Zac Efron, der durch seine Auftritte in der von Disney Channel produzierten Highschool Musical-Reihe berühmt wurde. Doch braucht der Zuschauer nicht zu fürchten, dass Linklater ihm eine Teeniekomödie vorsetzt. Vielmehr vermag Efron die Rolle des selbstbewußten und willensstarken, dennoch manchmal verunsicherten jungen Mannes perfekt auszufüllen. Dazu ist seine Rollengeschichte nicht hinderlich, sondern eher von Vorteil und mit seinem leichten Silberblick erinnert er an Jared Leto – insgesamt läßt sein Auftritt auf eine erfolgreiche Karriere hoffen.
So wie der Zuschauer ohne große Einleitung in das Geschehen geworfen wird, so findet sich Richard plötzlich in einer Theaterproduktion von Orson Welles wieder, wo er eine Nebenrolle in Ceasar übernehmen soll. Diesem nun versucht Christian McKay Leben einzuhauchen und schafft es überaus überzeugend. Nur war er mit 36 Jahren bei Zustandekommen des Films ganze 14 Jahre älter als der damals erst 22-jährige Orson Welles, was schon ein bißchen die Wirkung des Charakters verändert. So erscheint er mehr wie ein erfahrener Theatermann und Regisseur und weniger wie der rebellische, geniale, hitzige und über alle Maßen von sich überzeugte junge Wilde. Dies beeinflußt selbstverständlich auch die Dynamik zwischen Richard und Welles. Für den jungen Laien ist Welles das Genie, in dessen Gegenwart zu sein eine kaum zu erwartende Ehre bedeutet. Obschon weniger nah an der Realität, ist es der eigentlichen Geschichte um Richards ersten wirklichen Kontakt mit der Welt, in die er sich träumt, wohl zuträglich.
Im Finale des Films werden einige Szenen aus Welles Ceasar-Inszenierung eingebaut, die weltweiten Ruhm erlangte und als eine der bedeutendsten Aufführungen eines Shakespeare-Stücks auf amerikanischem Boden gilt. Auch erhält der Zuschauer einen Eindruck von Welles' Schaffen und seiner mitunter schwierigen Persönlichkeit. Dennoch liegt der Fokus ganz klar auf Richards Charakter und der Film will gar keine minutiöse Rekonstruktion der Entstehung des legendären Ceasars sein. Linklater legt größeren Wert darauf, den Film zu einem kurzweiligem Period Film zu machen, mit schönen Kostümen, einem sehr gelungenem und eingängigem Soundtrack und natürlich einer nicht zu kleinen Portion Nostalgie. Dadurch überträgt er Richards Faszination auf den Zuschauer. Wenn er am Ende, soviel darf verraten werden, auch noch kein landesweit gefeierter Schauspieler ist und sich noch nicht für eine Richtung in dem großen Bereich der Kulturindustrie zu entscheiden vermag, so steht ihm doch alles offen. Das Publikum kann nachempfinden, wie sich junge Menschen, vielleicht besonders in der damaligen Zeit, in der sich die Welt am Rande von ganz großen Veränderungen befand, zu Beginn ihres Erwachsenenlebens fühlten. Und welche belebende Wirkung die Kunst auf einen jungen Geist haben kann.
Ich und Orson Welles / Me and Orson Welles
R: Richard Linklater
D: Zac Efron, Christian MacKay, Claire Danes, Ben Chaplin
Großbritannien 2009, 109 Min.
Copyright: Farbfilm
Kinostart: 26.8.2010
Es ist das Jahr 1937, Hauptfigur Richard Samuels drückt noch die Schulbank, träumt allerdings davon, irgendwie ein Teil der faszinierenden Welt bestehend aus den populären Künsten Musik, Theater, Film und Literatur zu sein. Besetzt wurde die Rolle dann auch mit einem der beliebtesten Jungschauspieler unserer Zeit, nämlich Zac Efron, der durch seine Auftritte in der von Disney Channel produzierten Highschool Musical-Reihe berühmt wurde. Doch braucht der Zuschauer nicht zu fürchten, dass Linklater ihm eine Teeniekomödie vorsetzt. Vielmehr vermag Efron die Rolle des selbstbewußten und willensstarken, dennoch manchmal verunsicherten jungen Mannes perfekt auszufüllen. Dazu ist seine Rollengeschichte nicht hinderlich, sondern eher von Vorteil und mit seinem leichten Silberblick erinnert er an Jared Leto – insgesamt läßt sein Auftritt auf eine erfolgreiche Karriere hoffen.
So wie der Zuschauer ohne große Einleitung in das Geschehen geworfen wird, so findet sich Richard plötzlich in einer Theaterproduktion von Orson Welles wieder, wo er eine Nebenrolle in Ceasar übernehmen soll. Diesem nun versucht Christian McKay Leben einzuhauchen und schafft es überaus überzeugend. Nur war er mit 36 Jahren bei Zustandekommen des Films ganze 14 Jahre älter als der damals erst 22-jährige Orson Welles, was schon ein bißchen die Wirkung des Charakters verändert. So erscheint er mehr wie ein erfahrener Theatermann und Regisseur und weniger wie der rebellische, geniale, hitzige und über alle Maßen von sich überzeugte junge Wilde. Dies beeinflußt selbstverständlich auch die Dynamik zwischen Richard und Welles. Für den jungen Laien ist Welles das Genie, in dessen Gegenwart zu sein eine kaum zu erwartende Ehre bedeutet. Obschon weniger nah an der Realität, ist es der eigentlichen Geschichte um Richards ersten wirklichen Kontakt mit der Welt, in die er sich träumt, wohl zuträglich.
Im Finale des Films werden einige Szenen aus Welles Ceasar-Inszenierung eingebaut, die weltweiten Ruhm erlangte und als eine der bedeutendsten Aufführungen eines Shakespeare-Stücks auf amerikanischem Boden gilt. Auch erhält der Zuschauer einen Eindruck von Welles' Schaffen und seiner mitunter schwierigen Persönlichkeit. Dennoch liegt der Fokus ganz klar auf Richards Charakter und der Film will gar keine minutiöse Rekonstruktion der Entstehung des legendären Ceasars sein. Linklater legt größeren Wert darauf, den Film zu einem kurzweiligem Period Film zu machen, mit schönen Kostümen, einem sehr gelungenem und eingängigem Soundtrack und natürlich einer nicht zu kleinen Portion Nostalgie. Dadurch überträgt er Richards Faszination auf den Zuschauer. Wenn er am Ende, soviel darf verraten werden, auch noch kein landesweit gefeierter Schauspieler ist und sich noch nicht für eine Richtung in dem großen Bereich der Kulturindustrie zu entscheiden vermag, so steht ihm doch alles offen. Das Publikum kann nachempfinden, wie sich junge Menschen, vielleicht besonders in der damaligen Zeit, in der sich die Welt am Rande von ganz großen Veränderungen befand, zu Beginn ihres Erwachsenenlebens fühlten. Und welche belebende Wirkung die Kunst auf einen jungen Geist haben kann.
Ich und Orson Welles / Me and Orson Welles
R: Richard Linklater
D: Zac Efron, Christian MacKay, Claire Danes, Ben Chaplin
Großbritannien 2009, 109 Min.
Copyright: Farbfilm
Kinostart: 26.8.2010
Ich und Orson Welles
1 Kommentare zu "Ich und Orson Welles"
Anonym
hat gesagt…
Eine Komödie ist der Film weniger, es sei denn das Leben ist die Komödie ( in diese Richtung äussert sich Orson im Film einmal). Ein kleines happy end wird draufgesetzt, sonst wäre es ein richtiger ernster Film.Sicher die Reifeprüfung durch das Leben. Der Zynismus der Schauspieler-Kollegen, deren Realismus, sie wissen ,wie es läuft, ihre Ängste und dann auf der anderen Seite die Kunst. Für mich ist es überwiegend ein Film über Orsaon. Sein Machtgehabe, zugleich seine unbedingte Hingabe an die Kunst. Prophetisch sagt er im Film, was kann jetzt noch kommen. Sie man die lange Liste seiner Mißerfolge, erfüllt sich ja " fast" die Prophetie. Als Fil über die Macht nicht so bös-brilliant wie Man trägt Prada. Aber das wird dem Regisseur ja ohnehin vorgeworfen, ein wenig drüber weg zu spielen.
1 Kommentare zu "Ich und Orson Welles"
Eine Komödie ist der Film weniger, es sei denn das Leben ist die Komödie ( in diese Richtung äussert sich Orson im Film einmal).
Ein kleines happy end wird draufgesetzt, sonst wäre es ein richtiger ernster Film.Sicher die Reifeprüfung durch das Leben. Der Zynismus der Schauspieler-Kollegen, deren Realismus, sie wissen ,wie es läuft, ihre Ängste und dann auf der anderen Seite die Kunst.
Für mich ist es überwiegend ein Film über Orsaon.
Sein Machtgehabe, zugleich seine unbedingte Hingabe an die Kunst. Prophetisch sagt er im Film, was kann jetzt noch kommen. Sie man die lange Liste seiner Mißerfolge, erfüllt sich ja " fast" die Prophetie.
Als Fil über die Macht nicht so bös-brilliant wie Man trägt Prada. Aber das wird dem Regisseur ja ohnehin vorgeworfen, ein wenig drüber weg zu spielen.
Ich habe mich jedenfalls gut unterhalten.
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