SWR-Literaturnacht in Mainz
Fr, 27. August, ab 18.00 h
SWR-Literaturnacht
Der SWR präsentiert im CinéMayence herausragende Schriftstellerporträts
Der Südwestrundfunk veranstaltet zum zweiten Mal eine Literaturnacht und lädt dazu die Mainzer Bevölkerung und die aus der Umgebung herzlich ein. In mehreren Gebäuden am Schillerplatz gibt es ein attraktives Angebot mit meist kostenlosen Veranstaltungen. Im Mittelpunkt steht ein Spiegelzelt vor dem Osteiner Hof, in dem „Literatur im Foyer“-Sendungen aufgezeichnet werden.
Rund ums Spiegelzelt präsentiert die SWR-Literaturredaktion nicht nur die Highlights der SWR-Bücherbestenliste, sondern auch viele berühmte Klassiker, die es dank aktueller Übersetzungen neu zu entdecken gilt. Lesungen und Diskussionen, Live-Lyrik, Filme, Szenisches und eine literarische Weltreise in einer historischen Straßenbahn – gemeinsam mit den Gastgeberinnen Thea Dorn, Felicitas von Lovenberg und Anja Höfer gilt es, Literatur nicht nur zu lesen, sondern zu sehen, zu hören und zu erleben.
Im CinéMayence zeigt der SWR sechs herausragende Schriftstellerporträts.
Egal ob als Schriftsteller, Dramatiker, Theaterregisseur oder Maler, sie haben das Geistesleben im Nachkriegsdeutschland geprägt, die Menschen wachgerüttelt, provoziert, Denkanstöße geliefert. Ihre Kunst ist der Kunst gewidmet und doch ihrer Künstlichkeit enthoben. Sie steht in einem politisch-gesellschaftlichen Diskurs, der alle Menschen betrifft: Elias Canetti, Walter Jens, Peter Handke, Heiner Müller, Claus Peymann und Peter Weiss.
Die Filme folgen den Spuren und Stationen ihrer Protagonisten, ohne dabei eine Biographie schlicht abzuarbeiten. Sie beobachten den Menschen, sammeln Material und hören zu: der Familie, den Freunden und Weggefährten, Bewunderern und Wissenschaftlern und natürlich den Menschen selbst.
Die Filme (Videoprojektion) beginnen ab 18 Uhr zu jeder vollen Stunde. Der Eintritt ist frei!
18:00 Uhr
»Peter Weiss – der Unzugehörige«
Regie: Ullrich Kasten,
Autor: Jens-Fietje Dwars,
RBB/SWR 2003,
60 Min.
Mit Gunilla Palmstierna-Weiss
(Adolf Grimme Sonderpreis 2004)
Das Gefühl der Unzugehörigkeit, der Entwurzelung und Isolierung – es scheint angeboren, das Außenseitertum, bis er es in seiner Kunst kanalisieren kann. Er malt, schreibt, dreht experimentelle Filme, gerät in den Strudel einer sich politisierenden Welt und begreift seine Kunst schließlich als Sprachorgan aller nach Selbstbestimmung verlangenden Menschen. Der Film zeigt ihn als Aufgeriebenen und Hoffnungsvollen, der sich schreibend aus der Isolation befreien konnte, den Dialog zwischen Individualismus und sozialen Sehnsüchten führte.
19:00 Uhr
»Walter Jens – der gute Mensch von Tübingen«
Regie: Andreas Ammer,
SWR 2006,
45 Min.
Das Leben von Walter Jens ist die Geistesgeschichte Deutschlands im 20 Jahrhundert. Demokrat und Pazifist, Altphilologe und Zeitkritiker, Rhetorikprofessor und Medienprofi. Anhand der Stationen seines Lebens folgt der Film auch vielen wichtigen Eckpunkten in der Geschichte der Bundesrepublik: die Gruppe 47, die Mondlandung, die Studentenauftstände. Walter Jens kommentiert und kritisiert, will sich einmischen, ist ein „bürgerlicher Demokrat, der sich nicht an den Karren fahren lässt“.
20:00 Uhr
»Elias Canetti – der Ohrenzeuge«
Regie: Thomas Honickel,
arte/SWR 2004,
59 Min.
Eigentlich wollte er 300 Jahre alt werden, sich das gesamte Weltwissen ansammeln und literarisch verarbeiten: Elias Canetti, der Menschenerklärer und Weltenbeobachter. Polygott, multiethnisch und mehrsprachig wächst er in Bulgarien auf, bevor ihn das Leben nach Frankfurt, Manchester, Wien, London und Zürich führt. Der Film folgt diesen Stationen und mit ihnen dem Ziel, den Charakter und das Genie Canettis zu ergründen und begreifen.
21:00 Uhr
»Claus Peymann - mein Leben«
Regie: Johanna Schickentanz,
SWR 2009, Erstsendung 2010,
45 Min.
"Eigentlich wäre ich am liebsten Romancier geworden", sagt Claus Peymann von sich selbst. Es war, laut eigener Aussage, der Zufall, der ihn zum Theater brachte. Heute kann man sich die deutschsprachige Theaterwelt nicht mehr ohne ihn vorstellen: 111 Inszenierungen seit 1962, davon 40 Uraufführungen, Regisseur in Stuttgart und Bochum, Intendant am Burgtheater in Wien, Leiter des legendären Berliner Ensembles. Claus Peymann selbst erzählt und kommentiert die Stufen seines Aufstiegs, den Umgang mit Skandalen und die Öffentlichkeit der Kunst. So entsteht das Selbstportrait eines Regisseurs, der "Beobachter, Verführer und Zauberer" sein will und ist.
22:00 Uhr
»Heiner Müller – Kommt Zeit, kommt Tod«
Buch und Regie: Gabriele Conrad und Gabriele Denecke,
2001,
60 Min.
„Von wem ist die Rede, wenn von mir dir Rede geht?“ fragt Heiner Müller in einem seiner Texte. Er lebte von 1929 bis 1995 und gehört zweifelsohne zu den Geistesgrößen der deutschen Nachkriegsliteratur. Und dennoch ist er vielen als Mensch unbekannt. „Hamletmaschine“, denkt man, aber wer steckt dahinter? Um dies zu ergründen kommen im Film unter anderem seine Geschwister, der Schauspieler Ulrich Mühe, der Theaterkritiker Frank Raddatz, der Regisseur Adolf Dresen und natürlich Heiner Müller selbst zu Wort.
23:00 Uhr
»Peter Handke – der schwermütige Spieler«
Regie: Peter Hamm;
mit Peter Handke, Claus Peymann, Wim Wenders;
SWR 2002,
60 Min.
Der österreichische Schriftsteller Peter Handke ist so gefeiert wie umstritten. Als Theaterprovokateur und „Publikumsbeschimpfer“ evozierte er in den 60er Jahren einen Skandal. Aber es gibt auch den Dichter Handke, den Übersetzer und Vermittler, den bis heute bedeutenden Dramatiker, dessen Theaterstücke fast immer von Claus Peymann uraufgeführt werden. In diesem Film spricht Handke selbst. Er präsentiert sich schonungslos und genau in einer spannenden, bekenntnishaften Selbstanalyse seines Lebens und Schreibens.
Redaktion/Leitung der SWR-Literaturnacht: Bernhard Foos, Frank Hertweck, Alexander Wasner (SWR Fernsehen Kultur)
Das komplette Programm der SWR-Literaturnacht finden Sie im Internet unter:









