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Toy Story 3

von Dennis Vetter, am 6.8.10



1995 wurde mit Toy Story der erste komplett im Computer animierte Langfilm fertiggestellt. Seither hat sich in diesem Bereich einiges getan und diese Art von Film hat sich unter anderem durch die Arbeiten von der Pixar Animation Studios ein sehr großes Publikum erschlossen. Intertextualität, Abwechslungsreichtum und ausgefeilter Humor zählten bisher zu den Stärken der meisten, sorgfältig designten Filme. Nun, 15 Jahre nach dem ersten Abenteuer von Cowboy Woody und Weltall-Superheld Buzz Lightyear ist es faszinierend zu sehen, dass den bisherigen Stärken des CGI-Filmes durch seine wachsende Tradition allmählich ein neues Potenzial hinzukommt: Beim Sehen von Toy Story 3 entfaltet sich bei der adoleszenten Publikumsgeneration erstmals ein Gefühl, das bisher nur bei alten Zeichntrickserien aus der Kindheit aufkam – Nostalgie.

Zusammen mit den Zuschauern von damals ist auch Andy gealtert, der Junge, dessen Spielzeuge damals in Teil eins und zwei ein so spannendes Eigenleben an den Tag legten. Er ist 17 und steht kurz vor dem College, daher hat seit geraumer Zeit denkbar wenig für seine alten Actionfiguren, Sparschweine, Dinos und Kartoffelköpfe übrig. Woody und seine Truppe fristen seit Jahren ein ödes Dasein in einer großen Truhe. Als der Tag seiner Abreise naht, zwingt Andys Mutter ihn, seinen alten Krempel zu sortieren. Das tut er auch, packt Woody nach einem kurzen, verträumtem Blick in seine Reisekiste und tütet den Rest für den Dachboden ein. Jedoch landen seine Spielzeuge durch einen ungünstigen Zufall nicht dort, sondern werden zunächst als Müll aussortiert und nach etwas Eigeninitiative an einen Kindergarten gespendet. Im Grunde ein Paradies für Spielzeuge, doch hinter der bunten Fassade lauern fanatische Kleinkinder sowie die Unterdrückung durch ein brutales Spielzeugregime.

Da sie Macher der Prequels in fast identischer Besetzung auch an Toy Story 3 arbeiteten und sich selbstverständlich über die lange Tradition der Reihe sehr bewusst sind, ist dieser Aspekt im Film sehr präsent und eindrucksvoll umgesetzt. Die späte Fortsetzung der Reihe nimmt das bei Teil eins noch kindliche Publikum mit einigen hervorragend umgesetzten Motiven direkt bei der Hand und mit auf eine sehr durchdachte Reise. So thematisiert der Film schon zu Beginn das Verhältnis zwischen kindlicher Vorstellungskraft und verlorenen Träumen. Später kehrt es dann in einem verlassenen, verbitterten Spielzeug wieder, das ein diktatorisches Folterregime im Rahmen des Kindergartens betreibt. In überraschender Deutlichkeit reihen sich dabei politische und filmästhetische Anknüpfungspunkte en masse aneinander, die Geschichte liefert sogar Seitenhiebe auf das Horrorgenre und das bei dem damaligen Toy Story Publikum heute so beliebte Terrorkino.

Trotz all der genannten Elemente funktioniert der Film auf seiner rein erzählerischen Ebene auch für ein kindliches Publikum. Ein beeindruckender Spagat, welcher die Macher bei Pixar seit ihrem ersten Film ganz besonders auszeichnet. Trotz seiner Reichhaltigkeit, lebt Toy Story 3 wie auch schon seine Vorgänger durch temporeiche, nuanciert inszenierte und dabei fast völlig klischeefreie Abenteuer voller glaubhafter Figuren. In seiner Gesamtheit betrachtet, übertrifft er seine Vorgänger letztlich bei weitem und schafft es spätestens in seiner starken Schlusszene, nicht nur die Kinder im Publikum anzusprechen, sondern ohne jede Naivität vor allem das Kind in denjenigen Zuschauern zu wecken, die es längst verloren glaubten.


Toy Story 3
R: Lee Unkrich
S (OV): Tom Hanks, Tim Allen, Joan Cusack, Don Rickles, Blake Clark, Wallace Shawn, John Ratzenbeger
S (Dt.): Michael Herbig, Walter von Hauff, Karin C. Tieze, Hartmut Neugebauer, Christian Tramitz
USA 2010, 103 Min.
Copyright: Walt Disney Studios
Kinostart: 29.07.2010


2 Kommentare zu "Toy Story 3"

Ingo hat gesagt…

Ich kann mich dieser Meinung zu dem Film leider nicht ganz anschließen. Natürlich ist Toy Story 3D gut gemacht und er hat mit Sicherheit auch einige tolle Stellen, doch der Funke ist bei mir einfach nicht übergesprungen. Was mir hier am meisten fehlte, waren die richtig witzigen Stellen, die einen herzhaft zum Lachen bringen!

Dennis Vetter hat gesagt…

Sie meinen Toy Story 33D? Aber quatsch beiseite. Ja, es stimmt durchaus, dass der Humor des Films sehr viel mehrdeutiger funktioniert, als es bei manch anderem aktuellen Film des Genres der Fall ist - *ähem*...der banale Ice Age 3 lässt grüßen - und dadurch unbeschwertes Lachen hin und wieder gegen ein angenehmes Grinsen eintauscht. Bei Toy Story 3 begegnet dem Zuschauer immer wieder ein wohl platziertes Augenzwinkern unter Filmfans.

Stellen wie die spanisch angehauchte Passage sind aber schlichtweg herrlich albern und liegen hier zweifelos auch keineswegs selten vor. Bei allem Diskutieren gilt aber wie immer bei Humor: Letztlich entscheidet natürlich schlichtweg der Geschmack des Zuschauers.

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