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TV-Tipp: Die Liebe in Zeiten der Cholera

von Elisabeth Maurer, am 31.8.10


Die Liebesgeschichte aus der Feder des Literaturnobelpreisträgers Gabriel Garcia Márquez wurde von Drehbuchautor Ronald Harwood für die Leinwandversion adaptiert. Harwood gewann 2003 den Oscar für den von Roman Polanski inszenierten Der Pianist. Auch war er verantwortlich für die Drehbücher von Schmetterling und Taucherglocke und Australia. Er ist also durchaus als Experte für großes Gefühlskino zu bezeichnen. Die Inszenierung seines Buches wurde dann von dem britischen Regisseur Mike Newell übernommen. Dieser verzeichnete dieses Jahr einen großen Erfolg im Kino mit der sehr unterhaltsamen Videospielverfilmung Prince of Persia. Zu seinen bekanntesten Werken gehören zudem die sehr erfolgreiche Komödie Vier Hochzeiten und ein Todesfall, Mona Lisas Lächeln und der vierte Teil der Harry-Potter-Reihe. So versteht sich der Regisseur also durchaus auf das Ausdrücken von Emotionen, wenn bei seinen Filmen auch oft Tempo, Witz und Action eine große Rolle spielen.

Die Entscheidung für diese beiden Verantwortlichen der Literaturverfilmung ist natürlich als Vorausdeutung auf den Ton zu verstehen, den der Film anschlagen wird. Bei der Vorlage, in der ja das Verstreichen der vielen Jahre ein Zentralthema ist, und auch die Veränderungen im Land und der Natur durch den Wandel der Welt behandelt werden, hätte sich sicher auch eine andere Art der Adaption angeboten. Doch hier liegt das Augenmerk sicher auf der Liebesgeschichte und auch auf den sicherlich vielen humorvollen Episoden von Marquez Werk.


In sehr jungen Jahren lernen sich die reiche Tochter Fermina Daza (Giovanna Mezzogiorno) und der Telegraphenbote Florentino Ariza kennen. Vom ersten Augenblick an sind sie einander verfallen, schreiben sich daraufhin Briefe und wollen bald heiraten. Doch Ferminas Vater ist dagegen und schickt daher seine Tochter für mehrere Jahre auf's Land. Als sie zurückkehrt, trifft sie wieder auf Florentino (nun dargestellt von Javier Bardem), der die gesamte Zeit über an ihrer Liebe festgehalten hat. Fermina allerdings stellt nun fest, daß Florentino nicht mehr für sie in Frage kommt. Kurz darauf heiratet sie den Arzt Juvenal. Nun ziehen viele Jahre ins Land, in denen Fermina versucht, eine Dame der Gesellschaft und eine gute Ehefrau zu sein. Florentino hört nie auf sie zu lieben, erst nach vielen Jahren wendet er sich anderen Frauen zu. Doch nie spürt er wirkliche Liebe zu seinen Gefährtinnen und sucht auch gar nicht danach, vielmehr beschäftigt er sich mit dem körperlichen Aspekt und den dazugehörigen Liebesspielen, so daß er es auf unglaubliche 622 Geliebte schafft, die er akribisch in einem Buch festhält. Beruflich wird er immer erfolgreicher und schließlich sogar Besitzer der karibischen Schifffahrtslinie seines Onkels. Daher kann er Fermina nach dessen Tod als statthafter Mann entgegentreten und ihr seine nun schon über ein halbes Jahrhundert anhaltende Liebe erklären.

Die Landschaft Kolumbiens und das Szenario in den Jahrzehnten um 1900 mitsamt den schönen Kostümen werden in sehr beeindruckende Aufnahmen gefaßt. Auch die kurzen Episoden um Florentinos Liebschaften sind amüsant und kurzweilig inszeniert. Doch leider vermag es der Film nicht richtig, die Tiefe der Liebesgeschichte und ihre Bedeutung für die zwei Hauptfiguren zu transportieren. Ein Hauptproblem scheint das relativ schnelle Tempo zu sein, durch das die beiden Liebenden im Prinzip so gut wie keine Zeit miteinander verbringen. So wirkt Florentinos Liebe zu Fermina fast eher wie eine Besessenheit. Überhaupt erinnert Javier Bardem in seiner Darstellung des Liebhabers leider oft fast an die Figur des Killers, die er in No Country For Old Men spielte, obschon er in anderen Filmen, zum Beispiel Vicky Christina Barcelona, bewiesen hat, daß er auch in der Rolle eines Verführers glänzen kann. Insgesamt fehlt es wohl einfach an Glaubhaftigkeit der Figuren und ihrer Geschichte, was dann leider auch an einigen Stellen zu unfreiwilliger Komik führt.


Dennoch, wer sich an Marquez Werk erinnern will, und vor allem schöne Bilder und einige stimmungsvolle Momente erleben will, sollte sich Die Liebe in Zeiten der Cholera am Donnerstag im ARD Sommerkino ansehen, das mit diesem Film seinen Abschluß findet.


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