DVD: #9
Der Himmel ist verdunkelt. Eine unheimliche Ruhe liegt über der Welt, als eine kleine Puppe in einer verlassenen Wohnung erwacht. Ihre etwas ungeschickten Bewegungen sind das einzige, was weit und breit zu hören ist. Sprechen kann sie nicht, denn sie wurde nicht völlig fertiggestellt. Auf dem Boden des Zimmers liegt regungslos ein grauhaariger Mann. Auch wenn die Menschen von der Erde verschwinden, soll das Leben doch weitergehen, so sein letztes Ziel, das er zu Filmbeginn in traurigen Worten vor sich her spricht. Die Puppe scheint eine seiner Maschinen zu sein, eine Ansammlung liebevoll arrangierter Schaltkreise und Zahnräder, die nur von etwas Stoff zusammengehalten werden. Durch ihre großen, ausdrucksstarken Augen erblickt sie eine zerstörte Stadt und dahinter eine Wüste, die viel zu groß ist, um sie zu verstehen.
#9 betrachtet die Apokalypse aus einer ungewöhnlichen Perspektive. Nicht die Menschen sind es, die nach dem Ende ihrer Zivilisation Reue entwickeln und neu beginnen, sondern für sie ist jede Hoffnung bereits verloren. Die Helden des Films sind eine kleine Gruppe von neun fußgroßen Maschinen, die sich über ihre Rolle zunächst überhaupt nicht im Klaren sind. Sie wurden als Hoffnungsträger des Lebens erschaffen, während die Menschheit sich im Krieg gegen eine übermächtige Maschinenarmee befand und brutal dezimiert wurde. Nummer 9, der Protagonist des Films, erwacht erst am Ende der Kämpfe, als bereits Ruhe eingekehrt ist. Als einziger hat er das Ende des Krieges nicht miterlebt und muss sich nun auf die Angaben seiner Artgenossen verlassen, die sich in einer halb zerstörten Kathedrale verstecken.
Die Grundsituation des Films ist unklar und liefert eine ähnlich vieldeutige Momentaufnahme, wie sie bereits in Shane Ackers gleichnamigem Kurzfilm von 2005 vorlag. Warum treten neun Maschinen auf? Wieso besitzen sie eine Art Seele und völlig unterschiedliche Persönlichkeiten? Was ist ihre Aufgabe? Und weshalb werden sie von einem unheimlichen Maschinenwesen gejagt? Vom ersten Moment an gelingt es dem Regisseur, im Publikum die gleiche Neugierde zu wecken, die auch Nummer 9, den zuletzt erwachten, kleinen Roboter antreibt. Mit jeder neu auftauchenden Figur wächst die Komplexität seiner Welt und seiner Ziele. Immer wieder werden die Figuren des Films gezwungen, ihre Konflikte und Machtgefälle beizulegen, um sich für ihr gemeinsames Überleben in Gefahr zu begeben. Das miteinander ist hier der Schlüssel für eine neue Hoffnung.
#9 ist ein überraschend dynamischer Film, der nach seinem atmosphärischen Beginn bald eine ungewisse Spannung aufbaut und diese über seine ganze Laufzeit hinweg aufrechterhält. Sowohl das Szenario als auch die unkonventionellen Helden wirken dabei angenehm erwachsen und ausgereift – nicht zuletzt durch ihre hervorragenden Synchronsprecher, wie etwa Elijah Wood oder Christopher Plummer. Eine zunächst nur angedeutete Bedrohung nimmt bald Gestalt an und eröffnet eine dramatische, teils sehr actiongeladene Jagd durch die Ruinen der Vergangenheit. Zunächst wirkt es im Hinblick auf das Figurendesign etwas befremdlich, dass so viele Actionpassagen auftreten, man gewöhnt sich daran allerdings schnell und weiß zu schätzen, dass man es nicht mit klischeehaften Superrobotern, sondern kleinen zerbrechlichen Gestalten zu tun hat, die nur mit viel Geschick den übermächtigen Angriffen ihrer Feinde widerstehen können. Das Spektakel auf inhaltlicher Ebene wird dabei immer wider durch die tristen Kulissen und das sehr fantasievolle Figurendesign bereichert, das jeden Ausflug der Maschinen in ihre Welt zu einem großen visuellen Abenteuer macht. Neben Spektakel bietet #9 ein durchdachtes und konsequent umgesetztes inhaltliches Konzept, das seine Maschinenthematik eng mit dem Motiv der Spiritualität verbindet. Eine Verbindung, die lange nach Frankenstein zweifellos nicht wirklich revolutinär ist, die aber hier sehr interessant neu interpretiert wird und so dem Genre des Endzeitfilms eine überaus interessante Facette hinzufügt.
Universal weiß um die Qualität des Films und spendiert ihm eine hervorragend ausgestattete DVD, sowie eine Bluray-Veröffentlichung, die seine stimmungsvolle Optik noch eindrucksvoller zur Geltung bringt. Als Extra auf den Scheiben findet sich neben Standards wie unveröffentlichten Szenen und Details zum Look des Films auch der Kurzfilm. Sowohl die Langfassung, als auch die Vorlage bekamen einen Audikommentar des Regisseurs und weiterer Verantwortlicher spendiert, zusätzlich findet sich ein Feature, das beide Versionen des Stoffs miteinander vergleicht. Fans können sich also über ein recht umfangreiches Packet freuen, das zusätzlich mit einem Wendecover begeistern kann. Alle die den Film im Kino verpassen mussten, erhalten nun die Gelegenheit, dieses Versäumnis nachzuholen.
Zum DVD-Start verlosen wir in unserem Gewinnspiel noch bis zum 22. September zwei Exemplare des Films sowie ein Plakat.
Wer ein wenig sucht, kann Ackers bereits sehr gelungenen Kurzfilm bei Youtube entdecken. Einen ersten Eindruck vermittelt allerdings auch der Trailer:
#9
R: Shane Acker
S: Elijah Wood (#9), Alan Oppenheimer (Wissenschaftler), Christopher Plummer (#1), Martin Landau (#2), John C. Reilly (#5), Crispin Glover (#6), Jennifer Connelly (#7), Fred Tatasciore (#8 / Radiosprecher)
USA 2009, 79 Min.
Vertrieb: Universal Home Entertainment
Veröffentlichungsdatum: 22.07.2010
Sprache: Deutsch, Englisch, Spanisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Spanisch
Bonusmaterial: Unveröffentlichte Szenen, #9 - Der Original-Kurzfilm mit Audiokommentar von Shane Acker und Joe Ksander, Der Look von #9, Auftritt des CGI-Animation Teams, #9 - Spielfilm und Kurzfilm, Audiokommentar zum Hauptfilm von Shane Acker, Joe Ksander, Ryan O'Loughlin und Nick Kenway












