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DVD: Baarìa - Eine italienische Familiengeschichte

von Ciprian David, am 9.9.10


Ob eine Fliege in einer Holzkugel am Leben bleibt, nachdem das Loch, in dem sie sich befindet, mit einem Nagel zugehämmert wurde? Ob sich die Erde bei den drei Felsen auftut um einen Schatz zu lüften, wenn jemand es schafft mit einem einzigen Stein diese Felsen zu treffen? Was wohl Reformisten sind? Das sind die Fragen, die Giuseppe Tornatores semi-autobiographisches Heimatepos definieren.

Denn Baarìa erzählt nicht nur die Geschichte der gleichnamigen sizilianischen Stadt von den 30ern bis in die 70er, sondern auch die einer ganz besonderen Familie, der eigenen. Selbst aus Bagheria (Baarìa ist der Name der Stadt im sizilianischen Dialekt) stammend, überträgt der Regisseur die Perspektive der eigenen Kindheit auf die Person und Lebenszeit seines Vaters. Als Peppino Torrenouva nimmt uns dieser auf seine Lebensreise mit, über Kindheit, Jugend, das Treffen auf die große Liebe, bis hin zur politischen Aktivität und würdigem Alter.

So wird Baarìa zu einer viel persönlicheren Neuauflage des berühmtesten Films des italienischen Regisseurs, Cinema Paradiso. Und mit dem gleichen leichten, unschuldigen Blick erzählt Tornatore in Baarìa die Schönheit Siziliens in Filmbildern. Armut, Kommunismus, Familie und soziale Aspekte der geschilderten Epochen werden durch den betrachtenden, gleichzeitig aber doch sehr vor Leben sprudelnden Stil auf der Leinwand zum Epos.

Der ganze Film ist ein Traum. Der Traum eines Kindes von seinem Mittelpunkt der Erde, von seiner Heimatstadt, ein Traum, in dem das Leben wirr durch Jahrzehnte jagt, unkommentiert, aber umso näher an Poesie, an ihrem Ursprung, am Mysterium des eigenen Daseins, der eigenen unerklärten Wege, durch mehrmals sich wiederholende Motive in sehr intensiven Filmmomenten erzählt.

Beflügelt wird der Film nicht nur durch die aufwändigen Kulissen und Kamerafahrten, durch die Schönheit der kargen sizilianischen Landschaft, sondern auch durch die pathosgeladene Musik von niemand anderem als Ennio Morricone, und von den charismatischen Darstellern, darunter Francesco Scianna (auch in Marco Bellocchios Il Regista di Matrimoni), Margareth Madè und Angela Molina (Zerrissene Umarmungen).

Baarìa ist sehr fragmentiert und rasant erzählt, vielleicht ein bisschen inkonsistent, aber genau das macht ihn so kurzweilig und gibt ihm, so wie in Cinema Paradiso, die Tornatore-spezifische Vitalität. Ein deutsches Making-of erzählt über die Entstehung des Films und einige entfallene Szenen ergänzen das Ganze auf der DVD um einige Nuancen.





Baarìa - Eine italienische Familiengeschichte / Baarìa - La porta del vento
R: Giuseppe Tornatore
D: Francesco Sciann, Margareth Madè, Angela Molina
Frankreich, Italien, 2009 (2010), 145 Min.
Universal Pictures Home Entertainment.


Veröffentlichung: 9. September 2010
Bildformat: Widescreen (2.35:1 - anamorph)
Sprache: DD 5.1 Deutsch, Sizilianisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Making of (Deutsch), entfallenen Szenen, Trailer, TV-Spots
FSK: 12


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