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DVD: The Book of Eli

von Oliver Schmitt, am 22.9.10




"Und ich sah einen andern Engel fliegen mitten durch den Himmel, der hatte ein ewiges Evangelium zu verkündigen denen, die auf Erden wohnen, allen Nationen und Stämmen und Sprachen und Völkern. Und er sprach mit großer Stimme: Fürchtet Gott und gebt ihm die Ehre; denn die Stunde seines Gerichts ist gekommen! Und betet an den, der gemacht hat Himmel und Erde und Meer und die Wasserquellen!" (Offb14,6.7)

Worte der Offenbarung, geschrieben in einem Buch, das wie kein anderes das Schicksal der Menschheit beeinflusst hat. Diese Worte der Offenbarung scheinen dem Film von Albert und Allen Hughes eine richtungsweisenden Leitlinie gewesen zu sein. The Book of Eli ist ein Film am Ende der Zeit, die Postapokalypse ist reale Lebenswelt von Eli (Denzel Washington), einem Wanderer, der durch die Überreste menschlicher Zivilisation zieht. Die Welt ist im Chaos versunken, steht auch an der Schwelle eines Neubeginns, auch wenn das noch weit entfernt scheint.
Was ihn vorantreibt ist Hingabe, Durchhaltevermögen, Glaube und Hoffnung, wo um ihn herum Dunkelheit und Verzweiflung herrschen. Eli ist nicht der Erlöser, er ist nicht der Heilsbringer, der die Menschheit ins gelobte Land führen wird. Er ist kein Krieger, kein Held, er handelt nur nach einem einfachen Muster, das ihn dazu veranlasst zu tun, was getan werden muss, um sein Ziel zu erreichen. Eli bringt die Dinge auf den Pfad, das ist die Mission, die ihm seine Menschlichkeit bewahrt. Dreißig Jahre nach dem großen Knall durchstreift der geradlinige Mann Amerika im Jahr 2044, im Gepäck ein mysteriöses Buch, das Gegenstand seiner Mission ist. Das Buch soll einem Ort zugeführt werden, der irgendwo im Westen liegt, eine innere Stimme hat es verlangt und schickt Eli auf die Reise. Die Produktion zeigt dabei beeindruckende Bilder in grauschattierten Landschaften, die zwischen urbanen und ländlichen Sets wechseln. Es mutet fast so an, wie wenn diese monochrome Welt all ihrer Farben beraubt wurde, genau wie das Leben aus ihr gewichen ist. Die Motivation des Reisenden wird zunächst im Dunkel bleiben, seine Taten aber werden Menschen verändern, auch wenn dies eher unfreiwillig geschieht. Die schon fast obsessive Verfolgung der Mission steht über allem.


Schon von Anfang an erinnert die Figur stark an die einsilbigen Western-Helden vergangener Tage. Kommt es zu Gewalt, die in dieser abgründigen Welt allgegenwärtig ist, ist sie ebenso schnell und zielgerichtet ausgeführt wie Eli seinem Wesen nach bestimmt ist. Auch wenn er immer versucht, physische Auseinandersetzungen zu vermeiden, hat er gelernt zu kämpfen. Wenn er die Machete zieht, fließt Blut, Eli ist sich dessen bewusst, erinnert dabei fast an einen traditionsbehafteten Samurai. Denzel Washington spielt die Figur mit unglaublicher Gelassenheit. Er wirkt ruhig, konzentriert und ist sehr beherrscht. Washington spielt hier einen Figurentypus, den er noch nie zuvor in seiner Karriere gespielt hat und zeigt dabei deutlich die Klasse eines Oscar-Preisträgers. Kraftvoll und mit intensiver Leidenschaft lässt er Eli zu einem wahrhaft beeindruckenden Menschen werden. Man kann die Begeisterung deutlich sehen, die der Schauspieler in das Projekt gesteckt hat. Nicht umsonst ist er zu einem Teil des Produzenten-Teams geworden und bringt dabei seinen Hang zu Perfektion nachdrücklich mit ein. Auf sein Bestreben hin wird Gary Oldman mit der Figur des skrupellosen Carnegie betraut, der zu einem wunderbar antagonistischen Charakter wird und damit die Eli-Figur noch einmal unterstreicht.


Wenn Eli seine Wanderung in einer postapokalyptischen Westernstadt zu einem vorläufigen, unfreiwilligen Halt bringt, wird mehr als deutlich sein, dass hier die letzte Grenze der Menschheit erreicht ist. Eben jener Carnegie ist der ortsansässige Despot einer Gesellschaft, die er durch geschickte Beeinflussung und durch Gewalt mit Hilfe seiner marodierenden Motoradbanden beherrscht. Als Carnegie von dem Buch erfährt, das Eli bei sich trägt, kommt es zur Auseinandersetzung - seit einiger Zeit versucht dieser schon in den Besitzt einer Ausgabe zu kommen und lässt seine Häscher danach suchen. Denn er weiß um die Macht von Glauben und wenn seine Position und Zukunft bestand haben soll, muss er diese festigen, die Worte der Bibel sind dafür, bei geschickter Nutzung, das perfekte Werkzeug. Oldmans Figur ist kein üblicher genretypischer Schurke, es wird durchaus Zeit verwendet ihm Raum zu geben um auch menschliche Seiten zu zeigen. Wie er sich anfänglich hingebungsvoll um seine blinde Frau Claudia (Jennifer Beals) kümmert, macht die Figur zu einem wesentlich komplexeren Charakter und gibt ihm Gelegenheit die Grenze, die er überschreitet, noch klarer zu zeigen. Eli aber gelingt die Flucht durch die Hilfe der jungen Solara (Mila Kunis), Carnegies Tochter und wird fortan von Carnegie und seinen Männern auf seiner Reise nach Westen gejagt. Solara folgt Eli und dieser erkennt nun, dass er nicht nur das Buch beschützen muss, sondern seine Aufgabe auch darin besteht, den Inhalt zu teilen und seine Faszination zu vermitteln.


Von diesem Zeitpunkt an steht der Wettkampf um das Buch im Vordergrund, aber auch der Kampf um Überzeugung. Es geht darum, wie es eingesetzt werden soll, zum Guten oder ob man damit böswillige Absichten verfolgt. Damit steht der Film in einer langen assoziativen Kette von Fragen, die unsere Gegenwart beschäftigt. Was bedeutet Religion in unserer Zeit? Wie gehen wir damit um und welchen Stellenwert hat diese? Können wir uns als aufgeklärte Gesellschaft noch mit spirituellem Ballast beschäftigen oder sind die Dinge, die den Glauben ausmachen, notwendig um uns auf dem rechten Pfad wandeln zu lassen? Sind Werte einer Religion überholt? Wenn Religion, eine Grundfeste der menschlichen Zivilisation ist, was ist daran gut und wann ist sie schädlich? Ist die Bibel und ihr Wort wichtiger als wir denken, oder ist sie nur ein Buch unter vielen, das am Ende die Regale einer gewaltigen Bibliothek menschlicher Erkenntnis füllt? The Book of Eli lässt Fragen auf seine Art offen und verweist auf vielschichtiges Gedankengut. Unter dem Strich findet sich eben nicht nur ein Film über Religion, sondern er reflektiert unsere Gegenwart und stellt diese in Frage, wenn beispielsweise Eli sagt, dass in der Welt vor der Apokalypse Dinge, die wir hatten, als selbstverständlich angesehen wurden, und dass wir nicht wussten wie wertvoll sie waren.

The Book of Eli ist ein Film, der facettenreich in Bild, Ton und Plot zum Grübeln anregt. Die umfangreiche Ausstattung der DVD zollt dem Erklärungsbedarf Rechnung. Hier wird nicht nur das übliche Making of präsentiert, sondern neben ausführlichen Interviews und Specials erhält man auch Einblick in die Vorgeschichte der beiden Rivalen in Form von Comic Strips, die von den Hughes Brüdern und dem Zeichner und Style Guide Tommy Lee Edwards (Batman Begins, Men in Black 2) entwickelt wurden.

hier geht es zu unserer Kritik anlässlich des Kinostarts






THE BOOK OF ELI
R: Albert & Allen Hughes
D: Denzel Washington, Gary Oldman, Mila Kunis
USA 2010, 118 Min, TOBIS FSK: 16

Ton: 5.1 Dolby Digital Bild: Anamorph, Widescreen
Sprachen: D, GB Untertitel: D, GB für Hörgeschädigte
Bonusmaterial: Ein Neuanfang, Lost Talents, Elis Reise, Entfernte Szenen, Die Musik von "The Book of Eli", Making Of, Interviews


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