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DVD: Die große Liebe meines Lebens / An Affair to Remember

von Elisabeth Maurer, am 22.9.10



Die große Liebe meines Lebens ist einer der Meilensteine des Liebesfilms. Davon zeugt natürlich das Zitat des Films in Nora Ephrons Schlaflos in Seattle genauso wie sein, nach allgemeiner Meinung leider nicht so geglücktes, Remake aus dem Jahr 1994 unter dem Titel Perfect Love Affair mit Warren Beatty und Annette Benning. Doch ist der Erfolg des Films keineswegs dadurch zu begründen, daß er etwas sehr originelles und noch nie gesehenes zeigen würde, vielmehr steht er in direkter Tradition der Screwball-Comedies der 1930er und 1940er Jahre. Genauso verhält es sich mit den oftmals als Sex-Komödien bezeichneten Liebeskomödien der 1950er und 1960er Jahre, wie etwa den Zusammenarbeiten von Doris Day und Rock Hudson. Doch bei Die große Liebe meines Lebens ist die Verwandtschaft mit den frühen Tonfilm-Liebesgeschichten deutlicher. Dies liegt zuallererst daran, daß er selbst ein Remake eines Films aus dem Jahr 1939 ist. Regisseur Leo McCarey drehte sogar selbst die erste Version Ruhelose Liebe / Love Affair mit Irene Dunne und Charles Boyer in den Hauptrollen. Zudem verbindet Die große Liebe meines Lebens aber auch inhaltlich viel mit den Screwballs. Beispielsweise steht der Liebe des Paares zunächst ihr fehlendes Vermögen im Weg, ein Thema, das sich in beinahe allen Screwball-Comedies findet, die ja unter Einfluß der Wirtschaftskrise entstanden, und wodurch Die große Liebe meines Lebens an Filme wie Liebe im Handumdrehen / Hands Across the Table erinnert. Dennoch ist der Film keine Screwball-Comedy, dazu wird die Liebesgeschichte viel zu melodramatisch weiterentwickelt. In dieser Hinsicht ist der Film auch auf jeden Fall zeitlos, schwanken doch die sehr beliebten Romantic Comedies, die den Großteil der sich an ein Massenpublikum richtenden Liebesfilme ausmachen, als Beispiele seien Notting Hill und Wenn Liebe so einfach wäre genannt, prinzipiell immer zwischen Komödie und Melodram.

So kann der Film beinahe in zwei Teile aufgeteilt werden: den sehr temporeichen, äußerst amüsanten ersten Teil und den zweiten, der die Frage behandelt, ob aus der Affäre mehr werden kann. Zunächst lernen sich der Lebemann und Frauenheld Nickie Ferrante (Cary Grant) und die ehemalige Nachtclubsängerin Terry McKay (Deborah Kerr) auf einem Kreuzfahrtschiff kennen. Obschon beide in festen Händen sind - Nickie verlobte sich gerade mit einer sehr reichen Erbin, während Terry mit dem Mann liiert ist, der sie aus dem Nachtclub holte und ihr das Leben in einem Penthouse ermöglichte - können sie in dieser Weltabgeschiedenheit langsam zärtliche Bande knüpfen. Freilich wäre Nickie wesentlich schneller zu mehr bereit, doch Terry wehrt sich zuerst schlagfertig gegen seine Avancen. Nach einem Ausflug zum französischen Festland, bei dem die beiden Nickies Großmutter besuchen, schlagen die Neckereien und Spielchen zwischen den beiden plötzlich in tiefen Ernst um. Sehr geschickt versteht es der Film, dies nicht durch lange Dialoge erklären zu lassen, sondern macht dem Zuschauer die Erkenntnis, daß zwischen diesen beiden eine große Liebe entstanden ist, ebenso abrupt klar wie sie sich auch in den Gedanken des Paares schlagartig manifestiert. So wird das Verlieben als so rätselhaft entlarvt, wie es sich in der Realität auch meistens gibt, und nicht direkt durch irgendwelche bestimmten Charaktermerkmale oder Verhaltensweisen der geliebten Person erklärt, wie dies in aktuellen Liebesgeschichten gerne geschieht.


Doch die Liebe hält für Nickie und Terry große Schwierigkeiten bereit und somit beginnt der schwermütigere Teil des Films. Da beide ohne ihre derzeitigen Partner keine materielle Lebensgrundlage haben, versprechen sie sich, sich nach Ankunft des Schiffes in New York um Arbeit zu bemühen. Gelingt ihnen dies und bleibt ihre Verliebtheit erhalten, wollen sie sich nach Ablauf eines halben Jahres auf der Aussischtsplattform des Empire State Buildings treffen. Beide bemühen sich redlich, trennen sich von ihren Partnern und sind nach sechs Monaten auf dem Weg zum Treffen. Da geschieht jedoch ein Unglück, das ihr beider Glück für immer verhindern könnte.

Wie schon eingangs erwähnt, erzählt der Film nichts Neues. Überhaupt scheinen im Bereich des Liebesfilms Originalität und Innovation nicht maßgeblich zu sein. Das bekannte Thema wird vielmehr ideenreich variiert ohne jedoch zu sehr an den Grundfesten einer klassischen Liebesgeschichte zu rühren. Es kommt darauf an, daß die Liebe glaubhaft wirkt, daß sie berührt. Dazu tragen besonders die Schauspieler und vor allem ihr Zusammenspiel bei. Verliebt in eine Hexe kann zum Beispiel trotz anderer Schwächen einfach deshalb schon als gescheitert betrachtet werden, weil der wunderbaren Nicole Kidman ein, in anders ausgerichteten Filmen durchaus sehr überzeugender, Will Ferrell zur Seite gestellt wurde, der nun einfach mal nicht als romantischer Held und Kidmans Partner durchgehen kann. Bei Cary Grant und Deborah Kerr ist die Anziehungskraft hingegen sehr spürbar. Daß Die große Liebe meines Lebens einen derartigen Stellenwert in der Genregeschichte einnimmt, hängt aber auch damit zusammen, daß sich die Leben der Darsteller mit der Filmgeschichte vermischte, allen voran die von Cary Grant. Der Film entstand zu einer Zeit, als der zum dritten Mal verheiratete Grant hoffnungslos in Sophia Loren verliebt war, die nach einer kurzen Liaison mit ihm jeden weiteren Annäherungsversuch abblockte und ihn damit in jahrelange Sehnsucht stürzte. Also war Grant genauso einer Affäre verfallen wie sein Charakter im Film.


Die Verbindung zum realen Leben - das der Zuschauer auf der einen Seite, das der Stars auf der anderen - spielt bei Liebesfilmen ein besondere Rolle, da gerade diese Liebesgeschichten mit dem eigenen Leben und seinen Wunschvorstellungen von der großen Liebe in Beziehung gesetzt werden und diese oftmals mitbestimmen. Dies thematisiert Schlaflos in Seattle, wenn er seine Figuren die Handlungen von Nickie und Terry imitieren läßt. Und so kann Die große Liebe meines Lebens auch heute noch die Zuschauer zum Lachen und Weinen bringen. Heutzutage kommt ihm außerdem zugute, daß die Kostüme und die Ausstattung die Zuschauer in eine modisch völlig fremdartige Lebens- und Kinokultur entführen.

Die DVD-Neuveröffentlichung von Winklerfilm bietet einen guten Anlaß zum Kennenlernen und Wiedersehen, vor allem wegen des umfangreichen Bonusmaterials. Besonders interessant ist ein Special zu dem Film, das die Hintergründe seiner Entstehung und der Stars beleuchtet. Dazu gibt es Schauspieler- und Regisseurporträts, ein Featurette zum Look des Films, einen alten Fernsehbericht zu seiner Premiere, Trailer und eine Bildergalerie.

Hier der schöne altmodische Trailer:

Hier der zum Original aus dem Jahr 1939:

Und hier der vom Remake aus dem Jahr 1994, in dem Katharine Hepburn übrigens ihre letzte Leinwandrolle spielte:

Dann noch eine Szene aus Schlaflos in Seattle, die viel von der Bedeutung von Die große Liebe meines Lebens verrät, allerdings Spoiler enthält, falls man den alten Film noch nicht kennt:

Zum Schluß noch das Titellied (Marni Nixon als Gesangsdouble von Deborah Kerr):



Die große Liebe meines Lebens / An Affair to Remember
R: Leo McCarey
D: Cary Grant, Deborah Kerr
USA 1957, 110 Min.
Copyright: Winklerfilm und 20th Century Fox

Bildformat: 16:9
Sprachen: Deutsch DD 2.0 Mono, Englisch DD 2.0 Stereo
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: Featurette, Porträts (Deborah Kerr, Cary Grant, Leo McCarey, Jerry Wald), Das Aussehen des Films, Movietone Wochenschau (Schiff-Premiere), Trailer, Bildergalerie
FSK: 12
Veröffentlichung: 10.9.2010


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