Die Schuld gehört zu den ewigen Themen der Kunst, genau wie Tod und Liebe. Für den Philosophen Martin Heidegger gehört das Schuldigsein zur Seinsverfassung des Menschen. Nicht durch unsere Taten, sondern allein durch unsere Existenz sind wir schuldig. Genau hier setzt Erik Poppes Film Troubled Water an und stellt die Frage nach Schuldvergebung, Sühne und begibt sich auf die Suche nach der Wahrheit.
Acht Jahre saß Jan Thomas Hansen (Pal Sverre Valheim Hagen) im Gefängnis, weil er für den Tod eines Kindes verantwortlich ist. Nach der Verbüßung seiner Strafe findet er unter Angabe eines falschen Namens eine Stelle als Organist in eine kleinen Kirche. Dort verliebt er sich in die Pastorin Anna (Ellen Dorrit Petersen), die die Mutter eines Vierjährigen ist. Qualvoll verbinden sich die Bilder von Annas Sohn mit denen des toten Kindes. An der Orgel tut er Buße, Tag für Tag, Note für Note. Als die Mutter (Trine Dyrholm) des toten Jungen ihn aufspürt, muss er sich mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen.
Hansens Schuld ist eben jene existenzielle Schuld, die Heidegger beschreibt, nur hat er sie sich selbst aufgeladen. So oft er auch versucht Buße zu tun und mit Anna ein neues, freies Leben zu beginnen, die Schuld ist das unsichtbare Gefängnis aus dem er nicht entlassen werden kann. Dabei ist der Filmtitel durchaus programmatisch zu verstehen. So wie ein Stein Wellen wirft, wenn er ins Wasser fällt, so beinflusst die eine falsche Entscheidung vor acht Jahren Hansens ganzes weiteres Leben. Die Wassermetaphorik wird sich durch gesamten Film ziehen und ist zugleich Leitmotiv für Sünde, als auch für den christlichen Glauben an eine bessere Zukunft. Poppe spielt ziemlich offensichtlich mit der überlieferten Symbolik und nutzt sie auch in erzählerischer Hinsicht. So wird Hansen beispielsweise während er „Bridge over troubled Water“ spielt, von der Mutter des toten Jungen enttarnt – seine Hoffnung und sein Glaube zerstört.
Poppe beherrscht allerdings auch das dramaturgische Handwerk. Troubled Water ist multiperspektivisch erzählt, die erste Stunde aus Hansens Sicht, die zweite aus der Sicht der Mutter. Es ist ihm hoch anzurechnen, dass man sich hierbei als Zuschauer nicht nur die Perspektive, sondern auch die Emotionen zu eigen macht. Beide Sichtweisen sind absolut gleichwertig präsentiert, die Suche nach der Wahrheit wird zur Aufgabe des Zuschauers. Diese Suche ist so intensiv, dass man stellenweise von den eigenen Gefühlen erdrückt wird. Das liegt vor allen Dingen an den fantastischen Hauptdarstellern Pal Sverre Valheim Hagen und Trine Dyrholm. Die Katharsis findet der Zuschauer dann erst in der traumhaften Musik, die von Hansen auf der Orgel gespielt wird.
Man kann Koolfilm nur danken, diesen Film nun endlich auf DVD herauszubringen. Beim Kinostart hatte er leider viel zu wenige Kopien, als dass er wirklich von vielen gewürdigt werden konnte. Dennoch ist Troubled Water eine der absoluten filmischen Ausnahmeerscheinungen des Jahres. Durch das DVD-Release bleibt die Hoffnung, dass Troubled Water das Echo findet, das er verdient.
Troubled Water stellt Fragen, ohne sie auszusprechen. Im Kammerspiel der Gefühle werden gesellschaftliche Probleme diskutiert ohne Antworten zu finden. Auf Schuld muss eben nicht gleich Vergebung folgen. Oder um Anna zu zitieren: „Es ist nicht wichtig, dass alle einem vergeben. Gott vergibt allen“. Die Hoffnung bleibt also.
Troubled Water / DeUnsylige
R: Erik Poppe
D: Pal Sverre Valheim Hagen, Trine Dyrholm, Ellen Dorit Petersen
Norwegen 2008, 121 Min.
Kool Filmdistribution
Extras: Entfallene Filmszenen, Trailershow, Diashow
Ton: Deutsch, Norwegisch
Untertitel: Deutsch, Französisch










