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FFF 2010: Rubber

von Amos Borchert, am 4.9.10

Erst die Aura um Enter the Void als singuläres Filmerlebnis, welches man so noch nicht auf der Leinwand zu sehen bekam und nun Rubber, sein Cannes-Hype und das Versprechen, an etwas Besonderem teilzuhaben und sei es auch nur als Zuschauer (wobei das „nur“ eben nicht so ganz auf Rubber zutrifft).
Doch was wären schon aufgescheuchte Kritiker und wortreiche Fangesänge wert, wenn das Endprodukt im Kino sich letztlich als ein flaues Lüftchen erweisen und der Traum verpuffen würde, sobald unsere geschürte Erwartungshaltung unbarmherzig auf das Leinwandgeschehen trifft?

Rubber enthält jede Menge Luft! Fulminant schleudert er uns in kinematografischen Emanzipationsschüben ein Fest für Auge, Zwerchfell und Denkerstirn entgegen. Ein mordendes Stück Hartgummi auf Selbstfindungstrip, das erkennen muss, dass die Welt grausam und zugleich äußerst begehrenswert ist. Ich gehe mal davon aus, dass Robert der Reifen in seinem jungen Leben in der Wüste noch keine Catherine Breillat-Filme gesehen hat und so ist es wohl Liebe auf den ersten Blick, als Roxane Mesquida ihren roten Caprio über den launigen Asphalt feuert.
Das unerwiderte Begehren führt jedoch zu Frustration und Gewaltorgien, Verfolgungsjagd und einem nervenzerfetzenden Finale, in dem Robert sein junges Leben lassen wird...




Ein (post hoch n) modernes Stück Kino. Filmische Selbstreflexion und platzende Köpfe. Stilsicher mit Fotoapparat gedreht. Stimmungsvoll unterlegt vom Sound aus der Feder des Regisseurs (als Mr. Oizo zusammen mit Kollege Gaspard Augé). Ohnehin kann sich Quentin Dupiex noch so manch Anderem rühmen: Schnitt, Kamera, Drehbuch, Regie.

Und so sind Staub, Blut, Exzentrik und Absurdität nur einige der Zutaten, welche die telekinetischen Metzel-Eskapaden dieses beängstigend unausgeglichenen Reifens begleiten und Rubber zu einem intelligenten Reißer machen, der seine subversiven Untertöne dezent platziert, die metafilmische Faust dafür aber um so rabiater schwingt.

Erfreulich, dass zumindest die via Gehirnströme zersplatterten Tiere wohl Attrappen waren.

Robert ist ein Gefangener unserer Zeit: ohne Wurzeln aus dem Nichts in diese Welt geworfen, sich in fatalistischem Existentialismus seinem Sexualtrieb unterwerfend, ist er hedonistisch und lebensfroh, dem Fernsehen verfallen und dazu noch ein klein bisschen sadistisch. Wie ein verzogenes Gör, das erwartet, seinen Willen ohne Umschweife erfüllt zu bekommen und im Falle einer Enttäuschung sich nicht scheut, eine Szene zu machen.

Und ja, er ist tatsächlich schwarz...

Rubber
R: Quentin Dupiex
D: Stephen Spinella, Roxane Mesquida, Jack Pltnick, Wings Hauser, Thomas F. Duffy
Frankreich, 2010, (leider nur) 84 Min.
Verleih: capelight pictures




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