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Humpday - Rosige Zeiten für Comedyfans

von Dennis Vetter, am 11.9.10



Eine liebenswerte Frau, gesichertes Einkommen, ein eigenes Haus. The American Dream come true. Was bereits in American Beauty als Höllenvision der Langeweile und als Todespunkt jeder Lebensfreude stilisiert wurde, bietet auch Lynn Shelton für ihren Film Humpday ein reichhaltig interpretierbares Setting. Während American Beauty jedoch nur ein etwas verklärtes Konzept von Lebenslust aufbaut und einen recht konservativen Protagonisten bietet, geht Humpday erheblich weiter und thematisiert vor dem Hintergrund des bürgerlichen US-Lebensstils explizit die sexuelle Identität seiner Protagonisten. Dabei ist der Film keineswegs weniger humorvoll als American Beauty, ganz im Gegenteil: Humpday gehört wohl zu den spaßigsten Filmen des Jahres 2009 und hat nun den Weg ins Kino gefunden.

Schon die Grundsituation des Films ist weit weniger pessimistisch als bei Sam Mendes. Ben lebt seit einiger Zeit mit seiner Frau zusammen, beide genießen das Leben, die Familienplanung läuft ohne Tücken, er fühlt sich wohl. Die Beziehung wirkt recht locker, Raum für Spontanität scheint vorhanden, man ist ja schließlich noch jung. Als jedoch eines Abends Andrew, Bens bester Freund aus seiner College-Zeit, vor der Tür steht, beginnt sein gesichertes Lebenskonzept nach und nach zu bröckeln. Andrew ist im Gegensatz zu Ben nie zur Ruhe gekommen, reist permanent umher, ist ein erfolgloser Künstler und recht chaotisch veranlagt. Er bittet um eine Bleibe für ein paar Tage und eröffnet so den Raum für ein Aufleben der alten Freundschaft zwischen den beiden.






Ben bewundert Andrews ungebundenen Lebensstil, während dieser seinen alten Kumpel unterschwellig als zunehmend konservativ einordnet. Als sie zusammen auf einer Künstlerparty hängen bleiben, wollen sie sich beweisen, dass sie noch immer fähig sind, über ihren Schatten zu springen. Sprüche werden geklopft, Behauptungen werden aufgestellt. Das Ergebnis: Sie beschließen, für ein Amateur-Kunstporno-Festival einen Film zu drehen, bei dem sie sich als heterosexuell präsentieren und anschließend miteinander Sex haben. Eine Geste der Freundschaft, der Subversion, der Selbstüberwindung – und der Trunkenheit. Am nächsten morgen sehen sie sich mit der Frage konfrontiert, ob sie voreinander tatsächlich ihren Mann stehen werden.

Humpday erhielt den Spezialpreis der Jury des Sundance Film Festivals. Betrachtet man die erfrischende Komödie, kann man diesen Preis absolut nachvollziehen. In einer recht dokumentarisch anmutenden Handkamera-Ästhetik lernt man nicht Figuren, sondern durch und durch glaubwürdige  Menschen kennen, die keine unüberwindbaren Hollywood-Katastrophen überstehen müssen, sondern die ganz beiläufig mit unerwarteten Emotionen und den Grenzen ihrer Sozialisation konfrontiert werden. Aus einem spontanen, völlig skurrilen Spaß entwickelt sich eine zwischenmenschliche Dynamik, die letztlich beide Charaktere zutiefst aufwühlt. Unter der Regie von Lynn Shelton, die selbst lange Jahre als Schauspielerin Erfahrung sammeln konnte, liefern Marc Duplass (Ben) und Joshua Leonard (Andrew) eine urkomische und sehr bewegende Leistung ab. Vor allem Leonard regt mit seinem Auftreten immer wieder zum Schmunzeln an. Kurz gesagt, Humpday macht durch und durch Laune.



Während der Film über seine ganze Laufzeit hinweg großartige Dialoge bzw. Situationen bietet und dadurch enorm viel Spaß macht, entfaltet er zum Ende hin mit kleinen Gesten eine große Intensität, der man sich kaum entziehen kann und die über den Film hinaus ihre Wirkung nicht verfehlt. Das einzigartige Potenzial von Humor, ernste Themen einfach zugänlich zu machen, ist immer wieder faszinierend und scheint im Independentfilm glücklicherweise noch zu existieren. Humpday ist Lynn Sheltons dritter Spielfilm. Auf weiteres darf man gespannt sein.

Aber was kann Text schon ausdrücken? Der Trailer zum Film vermittelt einen sehr treffenden Eindruck:






Humpday
R:
Lynn Shelton
D: Mark Duplass, Alycia Delmore, Joshua Leonard, Lynn Shelton
USA 2009, 94 Min.
Copyright: Fugu-Filmverleih
Kinostart: 09.09.2010



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