-->

.

Ich - Einfach unverbesserlich

von Ciprian David, am 26.9.10



Eine gnadenlos überzeichnete U.S.-amerikanische Familie steigt aus einem Touristenbus aus, um sich die Cheops-Pyramide anzuschauen. Und weil jeder der drei Mitglieder seine Rolle perfekt spielt, kommt es nicht zum tollen Gruppenfoto. Dafür ist Ich - Einfach unverbesserlich nach einer Minute Spielzeit in vollem Gange: die Pyramide platzt, das Wunder der antiken Welt entpuppt sich als Luftkissen-Attrappe.

Wer steckt aber dahinter? Zeit für Gru im Bild aufzutauchen: altmodischer Schurke, mit guten Manieren und Ödipus-Komplex, dezentem russisch-spanischem Akzent, wohnhaft in einem idyllischen Vorstadtviertel, und vor allem: böse. So böse, dass er Kindern Luftballons schenkt, nur um sie danach mit einer Nadel zum Platzen zu bringen, dass er mit seiner Gefrier-Pistole die beim Coffeeshop Schlange stehenden Menschen einfriert, um nicht warten zu müssen. Ein Geheimlabor unter seinem expressionistisch dekorierten Haus ist die Basis aller bösen Coups, die die Welt nach Atem ringen lassen. Doch Gru ist der konventionelle, sichtbare Schurke, derjenige, der die Kinder von Anfang an auf sich gefasst macht.

Der wirklich böse Schurke ist Vektor, der perfide Nerd, eingenistet in seiner sterilen, glanzvollen hi-tech Burg, und umgeben von elektronischen Lösungen zu allen denkbaren Bedürfnissen des Berufs. Er ist derjenige, der die Pyramide gestohlen hat, und sie auf seinem Gelände als getarntes wolkiges Himmelbild aufgestellt hat. Zu schnell, zu schlau, zu lässig, ist Vektor für Gru unanfechtbar.

Doch er hat einen Schwachpunkt und das sind Kekse. Und die Kekse verkaufenden Mädchen vom Waisenhaus könnten Gru den Zugang in Vektors Festung verschaffen. Also werden sie adoptiert. Von da an entwickelt sich die klassische Geschichte des Schurken, der seine Gefühle findet, und dazu es noch über die Bühne bringt, den Mond zu stehlen. Natürlich nicht alleine, denn an seiner Seite gibt es eine Armee von Minions (sprich ein- oder zweiäugige, überdimensioniert-pillenförmige Wesen, mit eigener Sprache, Einfallsreichtum und optimaler Funktionalität in der Masse).

Für Unterhaltung ist ebenfalls von der technischen Ebene gesorgt: die 3D-Animation wird nur behutsam und situationsabhängig eingesetzt, was den Film im Nachhinein aus dieser Perspektive umso besser abschneiden lässt. Beeindruckend ist ebenfalls die Gestaltung der Kulissen, die, für Grus Welt leicht an Retrofuturismus angelehnt, während für Vectors Festung sehr aktuell das minimalistische Design der digitalen Welt der letzten Jahre nachgeahmt wird, die Dramaturgie ironisch unterstreicht. Ebenso angenehm lässt sich Pharrel Williams Debut als Soundtrack-Komponist als Begleitung zum Geschehen anhören.

Ich - Einfach unverbesserlich ist Universals Eintritt in die Welt des Animationsfilms und, auch wenn er sich nicht mit Innovationen rühmen kann, es darf ihm ein ehrenhafter Platz im Ranking der erfreulichen Beiträge des Genres gegönnt sein. Schuld daran ist in erster Linie niemand anderer als Gru, denn er trägt, gepaart mit den hier und da für den Family-Lacher sorgenden Minions, auf seine linkisch-unsympathische, aber dennoch durch und durch charmante Art den Humor des Films fast alleine auf den gebeugten Schultern.



Ich - Einfach unverbesserlich / Despicable Me

R: Pierre Coffin, Chris Renaud
D: (Synchronstimmen) Oliver Rohrbeck, Jan Delay, Peter Groeger

USA, 2010, 94 Min.

Copyright: Universal Pictures Germany
FSK: ohne Alterseinschränkung
Kinostart: 30.09.2010






blog comments powered by Disqus
 

NEGATIV Gestaltet von Ciprian David und Christian Alt // Log in