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Shahada

von Ciprian David, am 30.9.10



Regiedebut, Abschlussfilm, gleich im Berlinale-Wettbewerb dieses Jahres aufgenommen, Burhan Qurbanis Shahada ist der Film, von dem die meisten jungen deutschen Regietalente träumen. Darüber hinaus ist er ein Film mit poltischer Relevanz, denn er ist, so der Regisseur, ein Beitrag zum deutschen Islam-Diskurs.

Dieser Beitrag ist entsprechend strukturiert: in fünf Kapitel gegliedert, nach den fünf Säulen des Korans, mit dramaturgischem Ausgangspunkt bei der titelgebende Shahada, die Entscheidung für den Weg, verflechtet der Film mehr oder weniger lose drei Geschichten um drei Muslime, die ursprünglich aus Asien und Afrika stammen, aber jetzt in Deutschland leben. Zentral dabei als Verbindung zwischen den Geschichten ist die Kollision zwischen Individuum als Teil einer nicht-muslimischen, sich rasant entwickelnden und vor allem nicht religiösen Gesellschaft und dem durch Religion strukturierten Glauben. Die als Ausgangspunkte der Geschichten festgelegten Konfliktsituationen zwingen die Charaktere, und implizit den Regisseur als politischer Autor zur Stellungnahme, zu Thesen. Hier kommt der Films ins Schwanken: Die Anfangs aufgestellten Positionen werden im Film zunächst durch Gegenpositionen gekontert, mit der Schlussfolgerung, dass am Ende beide Facetten jedes Konflikts negiert, eine allgemeine Versöhnung der Charaktere stattfindet. Mit sich selbst oder mit den Vertretern der anderen Position. So würde Shahada als dokumentarische, unparteiische Bestandsaufnahme, entstanden der Darstellung zuliebe, viel mehr Sinn machen als ein zum Diskurs anregender Film.

Man könnte soweit gehen und behaupten, eine Digitalisierung eines komplexen Phänomens wird durchgeführt, eine Reduktion auf Messbares: Im Mittelpunkt steht für jeden der Hauptcharaktere die Entscheidung, und diese darf nur positiv oder negativ ausfallen, einen Mittelweg gibt es nicht. Und genau dieser Mittelweg wäre vielleicht ein relevanter Beitrag des Regisseurs, wie die eher am Rande thematisierte räumliche Verbindung der Großstadt-Ausgestoßenen verbildlicht. Denn es ist die Gemeinde und ihr Imam, die sich schließlich bemühen, durch Flexibilität in der Einstellung gegenüber diesem Zwang zur Wahl, ihrer Mitglieder ein Gefühl von Zugehörigkeit zu vermitteln. Viel motivierter wirkt dieses Motiv der Gemeinde im Vergleich zu den einzelnen Wendungen und Entwicklungen in den episodischen Erzählsträngen um die Protagonisten.

Technisch ist Shahada eine Tour de Force. Die Videooptik lädt ein in die Dynamik des Großstadtgeschehens. Die zersplitterten, leider sehr grob skizzierten Portraits und inneren Konflikte der Protagonisten werden konsequent, auch wenn vielleicht etwas zu eifrig durch die Kamera verbildlicht. Und nicht zuletzt bleibt zu bemerken, dass Carlo Ljubek, Jeremias Acheampog, Maryam Zaree, Marija Skaricic, aber auch alle anderen Nebenrollen eine hervorragende Leistung abgeben und die etwas dürftigen Dialoge und sonstigen Schwäschen im Drehbuch mit Bravur kaschieren. Auch wenn etwas inkonsequent, unsicher und an der für die deutschen Filme definitorischen Überstilisierung leidend, ist Shahada ein sehenswerter, spannender Film, der auf Burhan Qurbanis weitere Arbeiten neugierig macht.



Shahada

R: Burhan Qurbani
D: Carlo Ljubek, Jeremias Acheampog, Maryam Zaree, Marija Skaricic

Deutschland, 2010, 92. Minuten
Copyright: 3 Rosen

Kinostart: 30.09.2010
FSK: 12







 

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