DVD: Firefly


Das Internet hat im letzten Jahrzehnt nicht nur die Art, wie wir miteinander kommunizieren, verändert, sondern auch die gesamte Medienlandschaft auf- und durchgerüttelt. Die Serie Firefly erlebte durch das neue Medium ihre wundersame Wiederauferstehung. Nach einer Staffel vom Network Fox im Jahr 2003 fallen gelassen, brauchte es nur eine rege Community von tausenden Fans und die digitale Vernetzung, um die Serie zu einem frühen Kult der DVD-Kultur werden zu lassen. Ein Kult, der sogar dazu führte, dass im Jahr 2005 ein Firefly-Spielfilm namens Serenity in die Kinos kam.

Sieht man sich die Serie heutzutage an, kann man den Kult schnell nachvollziehen. Anders als in anderen Science-Fiction-Serien wird der Zuschauer hier nicht mit einem auf Hochglanz polierten High-Tech-Universum konfrontiert. Das namensgebende Schiff der Firefly-Klasse ist schon mehrere Jahrhunderte alt, sämtliche sind Armaturen abgegriffen und kurz vor dem Verrosten. Hochtechnologie existiert zwar, aber nur für die von der Allianz kontrollierten Planeten, in den äußeren Systemen herrscht das Faustrecht und ein erbitterter Kampf um das eigene Überleben. In dieser deutlichen, antithetischen Gegenüberstellung zeigt sich der interessante Genremix des Firefly-Schöpfers Joss Whedon. Alle neuen Impulse, die die Serie zu bieten hat, speisen sich aus dem Gegensatz von Science-Fiction und Westernromantik. Die Föderation, die bei Star Trek positiv konnotiert war, wandelt sich hier zur bösen Fratze der Autokratie. Die Helden der Serie sind dann auch dementsprechend Separatisten und Freiheitskämpfer, die ihren Lebensunterhalt mit Schmuggel und Diebstahl verdienen. Captain Malcolm Reynolds (Nathan Fillion) gleicht viel eher Robin Hood denn Captain Kirk. Des weiteren zeichnet sich die Serie durch eine außergewöhnliche Kameraästhetik aus, die eben jene Unsterilität des Weltraums auch in Bilder zu fassen versteht. Ein Konzept, das andere Serien wie Battlestar Galactica auch auszeichnete.

Dort, wo die Serie es schafft, einem alternden Genre neue Facetten abzugewinnen, setzt Whedon bei der Charakterzeichnung auf Konventionelles. Die gesamte Crew besteht, bis auf die Edelprostiuierte Inara (Morena Baccarin), aus neu zusammengewürfelten Rollenklischees. Der ehrenhafte Captain, der tapsige Pilot, der tumbe Söldner, usw. Und auch die ständigen Verweise auf die Westernkultur, einem der zentralen Gründungsmythen der USA, verlieren im Laufe der Zeit an ihrem ursprünglichen Reiz. Allerdings waren das nicht die Hauptgründe, die es im Jahr 2010 schwer machen, sich in diese Serie wieder einzufinden. Gerade in der letzten Dekade hat sich das Genre Fernsehserie so grundlegend gewandelt wie noch nie zuvor. Besonders durch die Pay-TV-Kanäle vorangetrieben, hat sich die Serie von starren Programmformatierungen gelöst und eine Erzählform entwickelt, die sehr große Ähnlichkeit zum Roman hat. Erstmals konnten Geschichten ihren eigenen Spannungsbogen entwickeln und waren nicht auf den unausweichlichen Cliffhanger vor der Werbepause angewiesen. In diesem Sinne ist Firefly schon beinahe anachronistisch. Ebenfalls anachronistisch ist die Aufmachung der gesamten DVD-Box, die eine Produktionsqualität aufweist, die vor fünf Jahren schon niemanden mehr vor dem Ofen hervor gelockt hätte.

Dabei kann die Serie ja eigentlich nichts dafür, dass wir sie heute noch einmal sehen wollen – auffällig ist die Trendwende dennoch. Wofür sie dann allerdings etwas kann, ist die manchmal mangelnde Charakterzeichnung. Whedons Versuch, jedem der Charaktere eine ausreichende Tiefenschärfe zu verpassen, misslingt leider. Auch die Schauspielerleistung lässt zu wünschen übrig, die schwarzhumorigen Dialoge klingen nicht selten hölzern und verstockt. Kindheitsfehler zwar, die bei einer zweiten Staffel hätten ausgebügelt werden können, doch fallen sie auf.

Ist der Kult also nachvollziehbar? Jein. Man kann sich Firefly schon mit großem Genuss ansehen, wenn man über einige Macken hinwegsehen kann. Aber allein wegen der großartigen Musik sollte man einen Blick in die Pilotepisode wagen.


Firefly – Aufbruch der Serenity
R: Joss Whedon
D:Nathan Fillion, Morena Baccarin, Gina Torres, Adam Baldwin
USA 2002-2003
20th Century Fox
Audio: Englisch, Deutsch
Untertitel: Englisch
Extras:
Audio-Kommentare, 3 Featurettes, 4 bisher unveröffentlichte Szenen, Gag Reel, Alan Tudyks Probeaufnahmen, Easter Egg

  • Florian Hoffmann

    Jawoll! Und jetzt bitte noch die Rezension der beiden Staffeln "Dollhouse" von Joss Whedon hinterher!!!

  • Elisabeth Maurer

    Das Lied ist wirklich toll:)! Ich stimme Dir auch was die Charaktere betrifft vollkommen zu, aber ich glaub auch, daß sich das in einer weiteren Staffel etwas hätte beheben lassen können. Ist ja immer so, daß nicht alle Charaktere bis zum letzten ausgearbeitet werden können, aber einige der Figuren bieten schon Potential.
    Wo ich Dir nicht hundertprozentig zustimmen kann, ist das mit der Episodenstruktur. Also ich verstehe, daß die Serie dadurch in gewisser Weise altmodisch wirkt. Allerdings muß ich sagen, daß ich Probleme habe mit Serien, die im Prinzip nur aus episodenübergreifenden Handlungssträngen bestehen. Ich hab nicht prinzipiell was dagegen, aber oftmals vergeht mir die Lust, wenn man wirklich jede Folge gesehen haben und parat haben muß, um das Geschehen nachzuvollziehen. Ehrlich gesagt, find ich das Altmodische gar nicht sooo schlecht. Da hat man dann immer eine Gruppe von defnierten Charakteren, die sich angesichts einer neuen Herausforderung beweisen müssen. Es ist dann auch einfacher, sich irgendwann einfach mal eine Folge noch einmal anzusehen, bei vielen zeitgenössischen Serien macht das wenig Sinn. Ich kann auch die Vorteile dieser Serien sehen, aber die altmodischere Erzählvariante hat auch was für sich.