Wie verarbeitet man eine Begebenheit wie die, die zur Entstehung dieses Films führte?
Ohne das direkte, sensationelle, das pointiert Politische zu suchen, intendiert Xavier Beauvois einen Film für die Opfer der Ereignisse im Jahr 1996. Sie starben stellvertretend für die Namenlosen, für alle unschuldig Ermordeten, die die Welt nicht wahrnimmt, hatte einer von ihnen, den Tod ahnend, geschrieben. Doch nicht das Martyrium suchend, ebenso wenig einem religiösen Fatalismus nacheifernd, sondern aus Liebe - für ihre Bestimmung, für ihren Glauben, für den Glauben der Menschen, mit denen sie zusammenlebten, und der ihnen genauso wichtig war wie der eigene.
Um zu diesen Schluss zu kommen, um diesen Mönchen als Menschen und als Diener ihres Gottes gerecht zu werden, um sie aber gleichzeitig im Kontext ihres Todes zu situieren, wurde der Film um die Leben dieser Klosterbrüder konstruiert. Angefangen wird im Raum des Unmittelbaren, der Menschen um sie herum, während des Gebets am frühen Morgen. In wenigen Einstellungen werden die Mönche in einer Gesellschaft eines anderen Glaubens verankert, mit diesem in ein Netz praktischer und spiritueller Beziehungen gebracht, woraus sich nach und nach eine Aussage herausbildet: Die Brüder und die Dorfbewohner um sie herum sind ein Gemeinde, sie leben mit- und füreinander.
Der politische Raum des Films bleibt ein impliziter. Wie Schachfiguren sind die Mönche gefangen im Konflikt zwischen den radikalen Islamisten und der Militärjunta. Ihre symbolische Bedeutung, durch ihren Glauben und durch die Beziehung zur Bevölkerung bestimmt, bleibt ambivalent, ebenso wie das Geheimnis, das heute noch um die wahren Entführer und Mörder der Trappisten besteht. Doch dieser Wert ist die Voraussetzung für diese oben erwähnte stellvertretende Natur des Sterbens, für die Bereitschaft, sich im Rahmen der zeitgenössischen weltlichen Umwälzungen aufzuopfern, es ist das, was sie zu Märtyrern macht.
Es ist der individuelle Raum jedes Einzelnen, der dieses Potential des Märtyrers, das den Protagonisten anhaftet, demontiert. Im Inneren des Klosters, unter sich, vor allem aber alleine, leidet jede der Hauptfiguren im Konflikt zwischen dem eigenen Interesse und den Implikationen der Berufung. Dabei wird, dem Blickwinkel entsprechend, der Glauben nie in Frage gestellt. Er ist ein Fakt, der als Liebe beschrieben wird, der ausgelebt wird, Tag für Tag, gemeinsam wie alleine. Er ist das, was in ihren Leben an der ersten Stelle kommt, das ritualisiert ausgelebt wird, aus dem sie Kraft schöpfen, das alle dazu führt, beim letzten Abendmahl ihrem bevorstehenden tragischen Schicksal in Seligkeit zu begegnen.
Die unmittelbare Nähe und gegenseitige Bedingung dieser drei Ebenen des Films bringt Xavier Beauvois von ihrem Zentrum aus zum Ausdruck. Er bringt die Menschen und die Götter in das kleine Kloster hinein, bewaffnet oder in Frieden, stark oder verzweifelt, aber immer nah an der alltäglichen Umsetzung des Ideellen und fern von Pathos und beweist dabei, dass diese Reduktion auf das Unmittelbare, auf das Primäre des Lebens die einzige Herangehensweise ist, die dem Ereignis, den Opfern und der politischen Dimension gerecht wird. So sind es nur die wenigen artifiziell geratenen, zusätzlich erklärenden, oder die Figuren aus ihrem Alltag herausreißenden Szenen, die verhindern, das dieser Film als Meisterwerk betrachtet werden kann.
Von Menschen und Göttern / Des hommes et des dieux
R: Xavier Beauvois
D: Lambert Wilson, Michael Lonsdale, Olivier Rabourdin, Philippe Laudenbach, Jacques Herlin, Loïc Pichon, Xavier Maly
Wie verarbeitet man eine Begebenheit wie die, die zur Entstehung dieses Films führte?
Ohne das direkte, sensationelle, das pointiert Politische zu suchen, intendiert Xavier Beauvois einen Film für die Opfer der Ereignisse im Jahr 1996. Sie starben stellvertretend für die Namenlosen, für alle unschuldig Ermordeten, die die Welt nicht wahrnimmt, hatte einer von ihnen, den Tod ahnend, geschrieben. Doch nicht das Martyrium suchend, ebenso wenig einem religiösen Fatalismus nacheifernd, sondern aus Liebe - für ihre Bestimmung, für ihren Glauben, für den Glauben der Menschen, mit denen sie zusammenlebten, und der ihnen genauso wichtig war wie der eigene.
Um zu diesen Schluss zu kommen, um diesen Mönchen als Menschen und als Diener ihres Gottes gerecht zu werden, um sie aber gleichzeitig im Kontext ihres Todes zu situieren, wurde der Film um die Leben dieser Klosterbrüder konstruiert. Angefangen wird im Raum des Unmittelbaren, der Menschen um sie herum, während des Gebets am frühen Morgen. In wenigen Einstellungen werden die Mönche in einer Gesellschaft eines anderen Glaubens verankert, mit diesem in ein Netz praktischer und spiritueller Beziehungen gebracht, woraus sich nach und nach eine Aussage herausbildet: Die Brüder und die Dorfbewohner um sie herum sind ein Gemeinde, sie leben mit- und füreinander.
Der politische Raum des Films bleibt ein impliziter. Wie Schachfiguren sind die Mönche gefangen im Konflikt zwischen den radikalen Islamisten und der Militärjunta. Ihre symbolische Bedeutung, durch ihren Glauben und durch die Beziehung zur Bevölkerung bestimmt, bleibt ambivalent, ebenso wie das Geheimnis, das heute noch um die wahren Entführer und Mörder der Trappisten besteht. Doch dieser Wert ist die Voraussetzung für diese oben erwähnte stellvertretende Natur des Sterbens, für die Bereitschaft, sich im Rahmen der zeitgenössischen weltlichen Umwälzungen aufzuopfern, es ist das, was sie zu Märtyrern macht.
Es ist der individuelle Raum jedes Einzelnen, der dieses Potential des Märtyrers, das den Protagonisten anhaftet, demontiert. Im Inneren des Klosters, unter sich, vor allem aber alleine, leidet jede der Hauptfiguren im Konflikt zwischen dem eigenen Interesse und den Implikationen der Berufung. Dabei wird, dem Blickwinkel entsprechend, der Glauben nie in Frage gestellt. Er ist ein Fakt, der als Liebe beschrieben wird, der ausgelebt wird, Tag für Tag, gemeinsam wie alleine. Er ist das, was in ihren Leben an der ersten Stelle kommt, das ritualisiert ausgelebt wird, aus dem sie Kraft schöpfen, das alle dazu führt, beim letzten Abendmahl ihrem bevorstehenden tragischen Schicksal in Seligkeit zu begegnen.
Die unmittelbare Nähe und gegenseitige Bedingung dieser drei Ebenen des Films bringt Xavier Beauvois von ihrem Zentrum aus zum Ausdruck. Er bringt die Menschen und die Götter in das kleine Kloster hinein, bewaffnet oder in Frieden, stark oder verzweifelt, aber immer nah an der alltäglichen Umsetzung des Ideellen und fern von Pathos und beweist dabei, dass diese Reduktion auf das Unmittelbare, auf das Primäre des Lebens die einzige Herangehensweise ist, die dem Ereignis, den Opfern und der politischen Dimension gerecht wird. So sind es nur die wenigen artifiziell geratenen, zusätzlich erklärenden, oder die Figuren aus ihrem Alltag herausreißenden Szenen, die verhindern, das dieser Film als Meisterwerk betrachtet werden kann.
Von Menschen und Göttern / Des hommes et des dieux
R: Xavier Beauvois
D: Lambert Wilson, Michael Lonsdale, Olivier Rabourdin, Philippe Laudenbach, Jacques Herlin, Loïc Pichon, Xavier Maly