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Eröffnung der 56. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen

von Elisabeth Maurer, am 30.4.10


Copyright: Gunvor Nelson
Die 56. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen eröffnen heute mit einem Programm, das von 1902 bis in die digitale Zukunft des Kurzfilms reicht.
Festivalleiter Lars Henrik Gass stellt ein neues Internetprojekt des Festivals vor.

Mit ihrem Internetprojekt wollen die Kurzfilmtage in Kooperation mit onlinefilm.org neue Verwertungsmöglichkeiten im Internet erschließen. Filmemacher, deren Filme im Festival gezeigt werden, sollen dabei die Möglichkeit erhalten, ihre Arbeiten über die Kurzfilmtage und andere Festivals im Selbstvertrieb zu verbreiten. Dabei bestimmen die Filmemacher im Gegensatz zu herkömmlichen Verwertungsmodellen selbst, wie und zu welchem Preis die Arbeiten gesehen werden können. Gleichzeitig soll die Marke "Kurzfilmtage" für Qualität und Orientierung in der Masse der bewegten Bilder im Internet sorgen. "Was in der Fülle des Angebots im Internet fehlt, das sind Orientierung und Qualitätsstandards. Wir wollen daher unsere Arbeit und unsere Marke künftig auch auf die digitale Welt ausdehnen, so dass unser Festival auch dann besucht werden kann, wenn man nicht nach Oberhausen reist", sagt Gass.


Die 56. Kurzfilmtage zeigen bis zum 4. Mai 2010 über 500 kurze Filme in rund 90 Programmen und erwarten über 1.000 Fachbesucher aus 45 Ländern.
Weitere Informationen auf der Website des Festivals.

TV-Tipps zum Wochenende 29.4. - 2.5.

von Elisabeth Maurer, am 29.4.10


 


Leider mußte unsere Fernsehwoche dieses Mal aus organisatorischen und vor allem technischen Gründen ausfallen. Nächste Woche wird aber alles wieder normal sein.
Da jedoch das Wochenend-Wetter wohl nicht so schön werden wird, lassen wir es uns nicht nehmen, ein paar Tipps für das Fernsehwochenende auszusprechen:

Freitag, der 30.4.

Das Geheimnis der falschen Braut (Francois Truffaut, 1969)
ARTE um 14:45 Uhr
Erotischer Krimi mit Jean-Paul Belmondo und Catherine Deneuve.

Lucky Number Slevin (Paul Mc Guigan, 2006)
Pro7 um 22:30 Uhr
Thrillergroteske mit vielen Stars.

Hotel New Hampshire (Tony Richardson, 1984)
ZDF um 3:00 Uhr
Tragikkomödie mit Jodie Foster.

Between the Devil and and the Wide Blue Sea (Romuald Karmakar, 2005)
3sat um 4:15 Uhr
Dokumentation über die elektronische Musikszene.

Samstag, der 1.5.

Ich denke oft an Piroschka (Kurt Hoffmann, 1955)
ARD um 14:50 Uhr

Star Trek - Der Film (Robert Wise, 1979)
Kabel1 um 17:50 Uhr
Im Anschluß folgen die zwei nächsten Filme der Reihe und Kabel1 zeigt im Mai die gesamten Star-Trek-Filme.
Für die weitere Empfehlung mit Star Trek empfehlen wir Dr. Andreas Rauschers Buch Das Phänomen Star Trek: Virtuelle Räume und metaphorische Weiten, das fernab von Fanliteratur das Star-Trek-Universum von philosophischer, filmwissenschaftlicher und politischer Seite, aber trotzdem gut verständlich, durchleuchtet.

Die Monster-AG (Peter Docter, David Silvermann, 2001)
Sat.1 um 20:15 Uhr

"Die Hand Gottes" - Emir Kusturica trifft Diego Maradona (Emir Kusturica, 2008)
Bayern um 22:00 Uhr

Die Abenteuer des Sherlock Holmes (Alfred L. Werker, 1939)
ZDF um 1:30 Uhr

Die letzte Fahrt nach Memphis (Arthur Ripley, 1958)
ARD um 3:00 Uhr

Sonntag, der 2.5.

Twins (Ivan Reitmann, 1988)
ZDF um 15:20 Uhr

Auf Wiedersehen Kinder (Louis Malle, 1987)
ARTE um 20:15 Uhr


Hamburger Hill (John Irvin, 1987)
Tele5 um 23:00 Uhr

Der Auslandskorrespondent (Alfred Hitchcock, 1940)
3sat um 0:20 Uhr

Frenzy (Alfred Hitchcock, 1972)
ARTE um 0:40 Uhr

Die 39 Stufen (Alfred Hitchcock, 1935)
MDR um 1:00 Uhr

goEast: Schwarze Katze, weißer Kater

von Simon Frauendorfer, am 29.4.10

Matko schuldet dem angeberischen Gangster Dadan eine große Summe Geld. Da er jedoch nicht in der Lage ist, seine Schulden zu begleichen, muss er Dadans Vorschlag akzeptieren: Die Vermählung seines Sohnes Zare mit Dadans  Schwester Afrodita. Die Betroffenen und zukünftigen Eheleute sind von der Entscheidung natürlich alles andere als begeistert und suchen nach Fluchtmöglichkeiten aus dieser verhängnisvollen Situation.

Emir Kusturica vermag es mit seiner Komödie Schwarze Katze, weißer Kater das Leben und Treiben der Zigeuner am Rande der Donau einzufangen. Die stark überspitzten Charaktere verleihen dem Gesamtkonstrukt selbstverständlich keine dokumentarische Dimension, zeugen jedoch von einem profunden Respekt vor diesen Menschen, die zu keinem Zeitpunkt der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Durch die Transposition einer etwas redundanten Hollywood-Fabel in den Balkan-Kontext präsentiert sich der Film erstaunlich unverbraucht, denn im Gegensatz zu der manchmal Brechreiz erregenden Perfektion der kalifornischen Mimen haben die Figuren in Kusturicas Film sogenannte „Ecken und Kanten“. Gerade dieser Umstand scheint maßgeblich dafür verantwortlich zu sein, dass der Zuschauer die Figuren ins Herz schließt und sich von gegebenenfalls vorhandenen Vorurteilen entledigt. Aufgrund der Aneignung gewisser amerikanischer Manierismen und Symbole durch die Bewohner dieses Zigeunerdorfes entsteht eine groteske Wirkung, die zugleich die überstrapazierten westlichen Klischees entlarvt und auf die Kollision von Tradition und Umbruch verweist. Die etwas konfuse Narration – der ich in diesem Rahmen nicht gerecht werden kann – ermöglicht eine Fülle überraschender Wendungen, die sogar mirakulöse Züge Annehmen können.  Schwarze Katze, weißer Kater verlässt man mit einem ausgesprochen sonnigen Gemüt und selbst das angreifbare happy-end gepaart mit phrasenhaften Dialogen desavouiert nicht das zuvor Gezeigte.

Crna macka, beli macor/Black Cat, White Cat/Schwarze Katze, weißer Kater
R: Emir Kusturica
D: Bajram Severdzan, Srdjan Todorovic, Branka Katic
Frankreich/Deutschland/Jugoslawien/Österreich/Griechenland/USA, 1998, 127 Min.

DVD: Gigante

von Christian Alt, am 29.4.10

Einsamkeit schien eine Weile aus dem Fokus der Gesellschaft geraten zu sein: Wir twittern, sammeln tausende Freunde bei Facebook und wenn wir alleine sind können wir eine ganze digitale Welt aufschließen und uns in ihr verlieren. Aber auch wenn wir all das tun können, bleibt die Einsamkeit weiterhin für uns bestehen.

Auch in Adrián Biniez' erstem Film geht es primär um die Einsamkeit. Der Protagonist Jara (Horacio Camandule) ist Wachmann in einem Supermarkt und sitzt dort die Nachtschichten ab. Dort sitzt er stundenlang vor flimmerndne Monitoren, lässt den ein oder anderen Ladendiebstahl, der von den Putzfrauen verübt wird, durchgehen und löst Kreuworträtsel. Auch zuhause spricht er mit beinahe niemanden, Gesprächen geht er aus dem Weg. Eines Tages verliebt er sich doch in die junge Putzfrau Julia (Leonor Svarcas). Nachdem er Julia eine Zeitlang nur über die Überwachungskameras beobachtet hat, beginnt er ihr auch nach Dienstende zu folgen - ohne den Mut zu haben, sie anzusprechen. Nachdem ihrer Entlassung muss Jara sich nun entscheiden, ob er sie anspricht oder nicht.

Gigante hat viele Momente, die durchaus auch für einen Horrorfilm taugen würden und nicht unbedingt für eine romantische Komödie. Dass Jara dennoch als verträumter Liebender beziehungsweise Beschützer und eben nicht als verquerer Stalker gesehen wird, liegt an der exzellenten Charakterzeichnung Biniez'. Bevor die eigentliche Geschichte losgeht, bringt Biniez den Zuschauer ganz nah an diesen "Giganten" und nimmt so die Bedrohung, die durchaus in der Rolle angelegt ist: Man sieht Jara beim Spielen mit seinem Neffen, schlafend vor dem Fernseher oder gelangweilt im Bus. Aus diesen ersten zehn Minuten speist sich der gesamte Rest des Films, das merkwürdige Verhalten Jaras wird hingenommen. Unter der harten Schale und dem Biohazard-Shirt verbirgt sich ein weicher Kern und diesem ist Biniez auf der Spur.

Hinter der Fassade einer romantischen Komödie finden sich aber auch gesellschaftskritische Anklänge, die allerdings nie zu sehr in den Vordergrund drängen und von dem Regisseur lakonisch festgehalten werden: Julia und Jara haben einfache Jobs an dem unteren Ende des Lohnniveaus, weshalb die Gewerkschaft des Supermarktes auch streiken möchte. Davon lässt sich Jara allerdings nicht beeindrucken. Stoisch bleibt er sitzen, völlig unpolitisiert. Dies ist auch ein Sinnbild für den Umgang Biniez' mit gesellschaftskritischen Themen: sie werden wahrgenommen und treffend präsentiert, aber nicht weiter thematisiert.

Stattdessen durchzieht Gigante eine ständige Sprachlosigkeit: Jara und Julia reden nie miteinander, obwohl es durchaus Situationen gäbe. Jaras einziger Zugang zur Wirklichkeit ist das Beobachten, ob als Wachmann oder zuhause vor dem Fernseher. Er hat noch nie das Wort ergriffen und sich in seiner Sprachlosigkeit eingerichtet. Julia geht es nicht anders: Sie verabredet sich für ein Blinddate über das Internet, geht alleine ins Kino und zum Karate. Hier schafft Biniez das, was einen guten Liebesfilm ausmacht, nämlich das Mitfiebern des Zuschauers. Der Zuschauer ist der einzige, der weiß, dass Julia und Jara wie für einander geschaffen sind, und hofft natürlich auf ein Happy End.

Nicht umsonst hat Gigante auf der letztjährigen Berlinale den silbernen Bären gewonnen. Der karg anmutende Film aus Uruguay ist eines der Highlights des letzten Jahres und zeigt deutlich, welches Potential in der romantischen Komödie steckt; ganz abseits von Massenware wie Er steht einfach nicht auf dich oder Valentinstag. Gigante ist herzerwärmendes Kino mit wohl dosierten gesellschaftskritischen Untertönen, die den lakonisch erzählten Plot aber nie überstrahlen.



Gigante
R: Adrián Biniez
D: Horacio Camandule, Leonor Svarcas, Néstor Guzzini
Uruguay 2009, 84 Min.
Good!Movies

Tonformat: Dolby Digital 2.0 & 5.1
Bildformat: 1,85:1 in 16:9
Sprachen: Deutsch, Spanisch
Untertitel: Deutsch, Französisch

Extras: Interviews mit dem Regisseur Adrián Biniez (07:50 min) und der Hauptdarstellerin Leonor Svarcas (07:35 min), Kino-Trailer, Good!Movies-Trailershow

Raritäten der Kinowoche vom 29.4. bis zum 5.5.

von Ciprian David, am 28.4.10



MAL SEH'N KINO, Frankfurt

Herrenkinder (Christian Schneider, 2009)
Mi., den 5.5. um 20:00 Uhr
In Anwesenheit von Christian Schneider und Protagonist Werner Gusted mit anschließender Diskussion. Eine Kooperation mit dem Fritz-Bauer-Institut.



CINEMA QUADRAT, Mannheim

In der Reihe "Faszination Korea" (26.4. - 02.5.):

Bangmunja (Shin Dong-Il, 2005)
Do, den 29.04. und So, den 02.05. um 19:30 Uhr
Chugyeogja (Na Hong-Jin, 2008)
Do, den 29.04. und So, den 02.05. um 21:30 Uhr
Milyang (Lee Chang-dong, 2007)
Fr, den 30.4. und Sa, den 01.05. um 19:30 Uhr
Bakjwi (Park Chan-wook, 2009)
Fr, den 30.4. und Sa, den 01.05. um 22:00 Uhr


CALIGARI FILMBÜHNE, Wiesbaden

Do Sanh - der Letzte Film (Hans-Dieter Grabe, 1998)
Fr, den 30.4. um 20:00 Uh.
35 Jahre seit Ende des Vietnam-Kriegs, in Anwesenheit des Regisseurs und der Cutterin (Karla Sperber).

Jabberwocky (Terry Gilliam, 1977)
Mo, den 3.5. um 17:30 Uhr.
in der Reihe "Auteurs des phantastischen Films", gezeigt vom DIF und dem Institut für Filmwissenschaft Uni Mainz.

Twelve Monkeys (Terry Gilliam, 1995)

Mo, den 3.5. um 20:00 Uhr.
in der Reihe "Auteurs des phantastischen Films", gezeigt vom DIF und dem Institut für Filmwissenschaft Uni Mainz.

Bei Anruf Mord (Alfred Hitchcock, 1954)
Di, den 4.5., um 20:00 Uhr.

Danton (Dimitri Buchowetzki, 1921)
Di, den 4.5., um 18:00 Uhr.
Stummfilm mit Musik.


REX KINO, Darmstadt

Zulu Love Letter (Ramadan Suleman, 2004)
Mo, den 3.5. um 20:15 Uhr.
Alle Welt Kino.


PUPILLE UNI-KINO, Frankfurt

Das große Fressen (Marco Ferreri, 1973)
Di, den 4.5. um 20:30 Uhr.

Region: Regisseur Lukas Schmid anwesend beim Kinostart von "Auf der sicheren Seite" in Frankfurt

von Ciprian David, am 28.4.10



zum Kinostart seines Dokumentarfilms AUF DER SICHEREN SEITE wird der Regisseur Lukas Schmid am 29. April zu Gast im Mal Seh´n Kino in Frankfurt sein.

Zum Film:
Seit 2007 lebt die Mehrheit der Menschen weltweit in Städten. Auf allen Kontinenten wachsen immer mehr Städte zu Megacities heran. Die Privatisierung des städtischen Raumes wird immer häufiger zum Ausweg aus den ungelösten Problemen zwischen den verschiedenen Gesellschaftsschichten. Die Auflösung der städtischen und sozialen Gemeinschaft schreitet voran: hohe Mauern, Elektrozäune, Videoüberwachung und bewaffnete Sicherheitskräfte sind eine Antwort der höheren Einkommensklassen auf diese Entwicklung. In sogenannten "Gated Communities" wird ihnen ein Leben "auf der sicheren Seite" garantiert.
Der Dokumentarfilm von Corinna Wichmann und Lukas Schmid zeigt Innenansichten von drei Gated Communities auf drei Kontinenten:
Wir treffen die Immobilienmaklerin Brenda in ihrer Community DAINFERN, in Johannesburg / Südafrika, einer Stadt mit den höchsten Mordraten der Welt.
Wir begleiten Mr. Misra durch seine Community PALM MEADOWS in der überbevölkerten und chaotischen Stadt Bangalore / Indien.
In Las Vegas lernen wir Stacy kennen, der in seiner exklusiven Community SPANISH TRAIL nach wahren Freunden sucht.
Der Film zeichnet ein komplexes Bild der Gated Communities. Durch das detaillierte Porträt von Bewohnern und Bediensteten, von Lebensumständen inner- und außerhalb der privatisierten Areale bietet der Film eine selten mögliche Innenansicht des Lebens AUF DER SICHEREN SEITE.

Bundesweiter Kinostart: 29. April 2010

Region: Filme im Schloss - The Hurt Locker

von Ciprian David, am 28.4.10



FILME IM SCHLOSS
FBW, Schloß Biebrich am Rhein, Ostflügel

Freitag, 7. Mai 2010, 18.15 und 20.45 Uhr
Filme von Kathryn Bigelow (5)

THE HURT LOCKER
Ausgezeichnet mit sechs Oscars,
u.a. als bester Film, für Regie und Originaldrehbuch

Ein Team von US-Bombenentschärfern in Bagdad steht im Zentrum des Films von Kultregisseurin Kathryn Bigelow (Blue Steel, Point Break, Strange Days). Sie müssen unter Todesgefahr hochexplosive Ladungen unschädlich machen. “Die Intensität, die den Film zu einem erschütternden Erlebnis macht, ist seinem Charakter als ein Independent-Film und dem ’Guerilla-Stil’ von Regie und Produktion geschuldet ... Kathryn Bigelow verbindet Gegensätzliches zu herausragendem Kino: Einerseits ist ihr Film die dokumentarisch präzise Beobachtung eines nervenzerreißenden, harten Alltags unter Lebensgefahr, zugleich aber arbeitet gerade diese Akkuratesse den Wahnsinn eines Lebens heraus, das ... Teil unserer Wirklichkeit ist.“ (Film-Dienst.)
“Es ist ein Film, der im Mainstreamkino wie eine Bombe mit Zeitzünder wirkt: in der Rigidität seiner Form und in der Nüchternheit seines Tons, die zugleich etwas Klassisches haben. ... The Hurt Locker gibt dem Kino seine physische Intensität zurück. Kathryn Bigelow erinnert einen zwei Stunden lang, daß wir einen Film nicht nur mit den Augen wahrnehmen.“ (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung.)

The Hurt Locker erhielt neben den sechs Oscars über 70 weitere Auszeichnungen, darunter ebenfalls sechs Preise bei den British Academy Film Awards.

USA 2007. Regie: Kathryn Bigelow. Mit Jeremy Renner, Anthony Mackie. Deutscher Titel: Tödliches Kommando. Laufzeit: 131 Min. Originalversion mit deutschen Untertiteln.

Karten zum Preis von 4 € an der Abendkasse in der FBW, Ostflügel Schloß Biebrich, Eingang Parkseite, und im Vorverkauf in der Gaststätte “Ludwig“, Wiesbaden, Wagemannstr. 33, Tel. 0611 / 3 60 36 71 (werktags ab 12 Uhr). Reservierungen unter www.filme-im-schloss.de sowie Tel. 0611 / 84 07 66 und 31 36 41 (zu Bürozeiten). Reservierte Karten sind bis 15 Minuten vor Vorstellungsbeginn an der Abendkasse abzuholen.

Nächster Film im Schloß: “Soul Power“ am Freitag, 28.5.2010, 18.30 und 20.45 Uhr, Originalversion

Region: Vortrag von Matthias Luthardt in Mainz

von Ciprian David, am 28.4.10



Matthias Luthardt ist Autor und Regisseur von Spiel- und Dokumentarfilmen ("Pingpong", 2006); er wird unter dem Titel "Öffnet die Augen!" von seiner Filmarbeit in Afrika berichten. Im Mittelpunkt der Diskussion wird der medienpraktische Umgang mit dem entwicklungspolitischen Auftrag "Hilfe zur Selbsthilfe" stehen.

Termin: 
Donnerstag, den 06.05, um 20:00 Uhr, im Hörsaal des Medienhauses. (Wallstraße 11, 55122 Mainz)

goEast: Border

von Amos Borchert, am 28.4.10





Es gab beim im kalten Februar stattgefundenen 60. Geburtstag der Berlinale zwei Filme, die mich besonders tief getroffen haben: der brasilianische Os Famosos e os Duendes da Morte (The Famous and the Dead), der in einer äußerst einfühlsamen Weise die Themen Erwachsenwerden und Suizid behandelt und der rumänische Portretul luptatorului la tinerete (Portrait of the Fighter as a Young Man), dessen ungeheuerliche Schönheit mich den politischen Impetus (fast) völlig vergessen ließ.
Nun, auf dem 10. Geburtstag des goEast scheinen sich die Ereignisse zu wiederholen. Zwei Filme stechen unter den von mir Gesehenen heraus. A Hetedik Kör (The Seventh Circle) nimmt sich ebenfalls den Schwierigkeiten der Jugend und der Komplexität von Leben und (selbstgewähltem) Vergehen an.

Sahman (Border) nun hat ähnlich wie Popescus Portrait of the Fighter as a Young Man eine derart eigenständige Herangehensweise und überwältigende Ästhetik, dass ich auch hier versucht bin, die Ethik der Kunst unterzuordnen. Vollgemerkt versucht, denn eine endgültige Position kann und werde ich zu diesem Zeitpunkt nicht einnehmen. Was bei Portrait... über die geschichtliche Sensibilität des Widerstandes gegen die kommunistischen Machthaber und dessen streitbare Verarbeitung zu diskutieren wäre, ist hier (wie bei so unzähligen weiteren Beispielen) der Umgang mit Tieren...

Border von Harutyun Khachatryan lief bei goEast in der Sektion „Signatur / Prädikat: eigenwillig." Die Geschichte spielt in einer Grenzregion zwischen Armenien und Aserbaidschan. Ein Gebiet, das gezeichnet ist durch gewaltsame Konflikte und dessen harte Wirklichkeit den Menschen einiges abverlangt. Der sehr dokumentarisch gehaltene Stil erinnert an Werner Herzogs essayistische Versuche, eine Präsenz des Magischen innerhalb der alltäglichen Dinge exotischer Welten zu suchen. Eine genaue Klassifizierung in Spiel- oder Dokumentarfilm scheint überflüssig (zumal auch eine „reine“ Doku kaum ohne inszenatorische Mittel auskommt), wir bewegen uns in einer Schnittstelle.

Die teilweise recht langen Einstellungen von Totalen schwenken über den kargen Raum und eröffnen uns den Film zurückgenommen und kontemplativ. Langsam tauchen wir in dessen Energie ein, werden durch verwackelte Handkamera in die Details dieses Universums eingeführt. Khachatryans Werk kommt so gut wie ohne gesprochenes Wort aus (einige wenige, nicht untertitelte Fetzen erreichen uns) und bleibt trotzdem nicht stumm. Die Laute der Tiere, der Menschen, der Arbeit, lassen Ahnungen hochkommen, doch man wird sich gleichzeitig bewusst, dass der Filter des Kinos „nur“ eine Intensität leisten kann, deren Niveau eine Dimension berührt, die abstrahiert und künstlich ist. Besonders das Fehlen der Gerüche von Essen, Schweiß, Ziege, Hund und Kuh verzerren die Wesenheiten der Dinge. Die Phänomenwelt wird uns poetisch verlagert und gleichzeitig eindringlich geschildert. Der untypische, extradiegetische Sound und vereinzelte Episoden - etwa der Kampf der angebundenen Hunde – bringen eine ungewisse Spannung, ein Gefühl der Bedrohung, der Aggression hinein.

Diese Welt, so bietet es uns der Film an, soll vor allem durch den Blick unseres nichtmenschlichen Protagonisten aufgenommen werden. Immer wieder sehen wir im Gegenschnitt dessen Augen: sie scheinen mal müde, mal forschend, sogar traurig (Kuleshov lässt grüßen) - bei den Tötungen seiner Artgenossen, beim Versuch dieser morbiden Realität zu entkommen. Der Körper und das Gesicht des Büffels sowie das Zeichen seiner Knechtschaft (die metallene Kette mit Glocke um seinen Hals) ergründet die Kamera aufs Genauestes. Wir hören sein Scharren, sein Schnauben. Selten war Sympathie und Identifikation so notwendig und doch so schwierig. Wir sind Wesen, die durch Sehen und Hören nachvollziehen wollen, wie es ist, jemand zu sein, dessen Wahrnehmung wir nicht kennen, dessen Stoffwechsel wir nicht leben, dessen Reich wir nicht angehören. Auch wenn es oft gegenteilig verlautet wird: Angst ist keine universell austauschbare Konstante. Leid ist nicht adäquat übertragbar. Das Sterben wird in Border ausgespart. Wir sehen die Folgen des Todes, wie sie sich auf der Ebene der Materie einschreiben. Wir sehen Misshandlungen, die Alltag sind. Unser Held wird mit einem Stock verprügelt, weil er sich angemaßt hat, seinem Wunsch nach Unversehrtheit Ausdruck zu verleihen. Die Frage, wie weit Kunst gehen darf, sollte nicht als erstes auf dem Feld der Prothesen, des Kunstblutes und der Effekte problematisiert werden, sondern im Umgang mit den realen Qualen und dem instrumentalisierten Sterben schmerzempfindlicher Wesen. Denn auch wenn wir die Identifikationsleistung nicht in ihrer ganzen Universalität führen können, sind diese Fragen für unser Menschsein bedeutsam. Und Vorsicht: eine richtige Antwort gibt es nicht.

Die Geschichte des Büffels, der seinen gewaltsamen Tod kommen sieht und ihm wieder und wieder zu entkommen trachtet, endet in einer stilisierten Todeslandschaft: nachdem ein Brand in den Ställen während einer Hochzeitsfeier Rauchschwaden über das morgendliche Land treibt, liegt eine tote Kuh (ich neige dazu zu behaupten, dass es nicht DER Büffel ist, was auf der Ebene der Narration und Illusion unerheblich erscheint, aber bei der Einordnung des Charakters der Inszenierung hinter „der Lüge der Leinwand“ bedeutsam wird) im Stacheldraht der Grenzanlagen, flankiert vom einem Kalb, das sich mit seinem Fuß ebenfalls darin verfangen hat. Dieses bildgewaltige, hochsymbolische Ende schmettert nieder. Unsere Geschichte schlägt den Weg des Pessimismus ein; Mensch und Tier blicken in das Antlitz der Auflösung. Ich sehe mich (wiedereinmal) mit der Frage konfrontiert, ob man ein Werk gänzlich ohne ethisches Urteil lesen kann (oder sollte) und wenn nicht, wie stark dann der Widerstand gegen ein seinem (momentanen) Wertesystem entgegenlaufenden Werk sein kann (oder sollte). 

Border provoziert viele Gedanken der unterschiedlichsten Richtungen und ist im Hinblick auf seinen Umgang mit Gewalt gegen Tiere bei weitem nicht der problematischste Vertreter (der Film ist keine Aneinanderreihung von Greueltaten!), es lohnt sich an ihm aber besonders die Reflexion über die scheinbare Authentizität von Film (besonders semi-dokumentarisch arbeitender) und die in der physischen Welt dafür vorgenommenen Handlungen.

Dass es für Tiere wahrscheinlich ziemlich unerheblich ist, ob sie nun für die Beschichtung des Fotomaterials oder für die darauf gebannte Erzählung ihr Leben lassen (bzw. ihr Tod "nüchtern" beobachtend aufgezeichnet wird), ist ein Punkt über den man sich ebenso Gedanken machen kann. Trotzdem halte ich es nicht für unerheblich, welche Intentionen und Herangehensweisen der Filmschaffende hat (die Frage, ob es vertretbarer ist, wenn ein Werk künstlerisch „wertvoll" erscheint, wäre auch zu stellen): Le Sang des bêtes von Georges Franju bewerte ich moralisch anders als Michael Hanekes Anliegen, mir etwas über die Unkonsumierbarkeit von Gewalt erzählen zu wollen und dabei fühlenden Wesen die Kehle aufschneiden oder den Kopf abschlagen zu lassen.

Border / Grenze / Sahman
R: Harutyun Khachatryan
Armenien / Niederlande, 2009, 82 Min.

goEast: Chameleon

von Sven Safarow, am 28.4.10




Der letzte Film des zehnten goEast-Filmfestivals ist Chameleon, den Ungarn 2010 als offiziellen Oscar-Kandidaten ins Rennen schickte. Regisseurin Krisztina Goda erzählt die Geschichte von Gábor (Ervin Nagy), einem sympathischen Betrüger und Schwindler, der (vorwiegend gutsituierte) Frauen ausnimmt, indem er sich an sie ranmacht, sie umgarnt, und sie soweit dazu bringt, ein gemeinsames Konto zu eröffnen, welches er dann leer räumt.
Dasselbe hat er auch mit der Balletttänzerin Hanna (Gabriella Hámori) vor. Er gibt sich als Arzt aus, und gewinnt sie für sich, doch je länger er mit ihr zusammen ist, desto mehr empfindet er für sie. Sein Gewissen meldet sich, zum ersten Mal. Gábor möchte ihr eine Beinoperation bezahlen, damit sie wieder tanzen kann, doch dazu braucht er 40.000 €, und bis er die hat, muss noch eine Menge gelogen werden.

Chameleon zeigt uns einen charismatischen con man, perfekt verkörpert von Ervin Nagy. Sein Gábor erinnert uns an andere „hinreißend verdorbene“ Schurken wie Steve Martin und Michael Caine aus Dirty Rotten Scoundrels oder Leonardo DiCaprio aus Catch Me If You Can. Auch er stammt aus bescheidenen Verhältnissen, die ihn auf alles Materielle fixiert haben. Der Traum des im Waisenhaus aufgewachsenen Gábor ist es, ein Haus zu haben, denn „wenn du ein Haus hast, bist du jemand“. Das Sein bestimmt das Bewusstsein.

Die Tatsache, dass Gábor im Verlauf der Handlung sein Gewissen entdeckt, verleiht seinen weiteren Betrügereien zwar einen noblen Anstrich, doch das rettet ihn nicht vor den unausweichlichen Konsequenzen. Um für Hanna das Geld aufzutreiben baut er ein Lügengebilde auf, das früher oder später zusammenbrechen muss. So wird der Zuschauer im letzten Drittel des Films Zeuge von Gábors quälendem Untergang. Es scheint, als würde das ganze Leid, das er Anderen in der Vergangenheit beschert hat, zu ihm zurückkommen.

Und erst am Ende, wenn er selbst betrogen wird, wenn er feststellt, dass auch er benutzt wurde, da stellt sich ein Moment der Selbsterkenntnis ein. Und Gábor verschwindet, wie der Held in Edgar Ulmers Detour, in die Nacht, mit dem Wissen, das erste Mal in einen Spiegel gesehen zu haben.



Chameleon/Kaméleon
R: Krisztina Goda
D: Ervin Nagy, Gabriella Hámori, Zsolt Trill
Ungarn, 2008, 105 Min.

Empfehlungen für die Kinowoche (29. April)

von Sascha Eggers, am 28.4.10

goEast: Die Gewinner

von Ciprian David, am 28.4.10




Im Angesicht der schon vor der Preisverleihung losgeschickten Pressemitteilung mit den Gewinnern, die wir bequem auch übernommen haben, bleiben uns noch die Erwähnungen der großen Nichtgewinner übrig.
Die vielen Preise und Erwähnungen erreichten (bedauernswerterweise für Film als Kunstform) meiner Ansicht nach eher sponsoren- oder gesellschaftsrelevante Werke. Dafür durfte aber das Festival ein hervorragendes Treffen für Cineasten und eine Plattform für außergewöhnlich qualitatives Kino sein.

Im Wettberb liefen neben den Gewinnern filmisch sehr gewagte, innovative und meisterhaft inszenierte Filme. Darunter sind Transmission und Tale in the Darkness ein Muss für Filmliebhaber.
Hervorstehend im Programm waren neben dem Wettbewerb die Filme aus der Signatur (darunter The Forest, Police, adjective und Border ), ausgewählt von der künstlerischen Leiterin des Festivals, Swetlana Sikora und nicht zuletzt die Filme, die im Rahmen des von Prof. Dr. Oksana Bulgakowa zusammengestellten Symposium gezeigt wurden.

Wir gratulieren den Preisträgern und bedanken uns bei der Festivalleitung für die sehr angenehme Zusammenarbeit!

Und nun, die Gewinner:
Filme aus Georgien, Ungarn, Israel und Russland gewinnen bei der zehnten Ausgabe von goEast. Mit der feierlichen Preisverleihung endete das zehnte Festival des mittel- und osteuropäischen Films am heutigen Dienstagabend in Wiesbaden. „Das aktuelle Kino unserer östlichen Nachbarn und Freunde ist im Kommen und in der Filmwelt kein Exot. Die bei goEast gezeigten Filme zeugen von einem vielseitigen und ästhetisch anspruchsvollen Kino. Das verheißt einen Boom auch außerhalb von internationalen Filmfestivals: Es ist für die Zukunft noch viel zu erwarten!", so Festivalleiterin Nadja Rademacher.

Zehn Spiel- und sechs Dokumentarfilme wetteiferten um die mit insgesamt 29.500 Euro dotierten Festival-Preise, die von der international besetzten goEast-Jury unter Vorsitz des russischen Filmkritikers Andrej Plachow vergeben wurden.
Der Škoda-Preis „Die Goldene Lilie" für den Besten Film (10.000 Euro), gestiftet von Škoda Auto Deutschland, geht an Levan Koguashvili, der mit AUF DER STRASSE / QUCHIS DGEEBI (Georgien 2010) die beste Tradition des georgischen neo-realistischen Kinos wiederbelebe, so die Jury.
Der ungarische Regisseur József Pacskovszky erhält für TAGE DER SEHNSUCHT / A VÁGYAKOZÁS NAPJAI (Ungarn 2009) den Preis der Landeshauptstadt Wiesbaden für die Beste Regie (7.500 Euro). Die im Film geschilderte Auseinandersetzung des Individuums mit den Erwartungen in einer sich rasant verändernden Gesellschaft überzeugte die Jury.
Der Dokumentarfilmpreis „Erinnerung und Zukunft" (10.000 Euro) der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" geht an OJ MAMA / OY MAMA (Israel 2009) von Orna Ben Dor und Noa Maiman für das laut Jury „zärtliche Porträt" der Großmutter Maimans, einer Holocaust-Überlebenden.

Alexej Popogrebski konnte mit HOW I ENDED THIS SUMMER / KAK JA PROVEL ETIM LETOM (Russland 2010) gleich zwei Jurys überzeugen: Er erhält aufgrund der herausragenden visuellen Kraft den Preis des Auswärtigen Amts für einen Wettbewerbsbeitrag von „künstlerischer Originalität, die kulturelle Vielfalt schafft" (2.000 Euro). Außerdem vergibt die FIPRESCI-Jury den Preis der Internationalen Filmkritik (FIPRESCI-Preis) an diesen Film.

Lobend erwähnt die Festivaljury die herausragende Leistung des Schauspielers Victor Rebengiuc in EHRENMEDAILLE / MEDALIA DE ONOARE (Rumänien, Deutschland 2009). Lobend erwähnt wird außerdem der Dokumentarfilm PROVINZ 35 x 45 / GLUBINKA 35 x 45 (Russland 2009).

Mit dem Filmförderpreis für Koproduktionen von Nachwuchsfilmemachern aus Deutschland und Osteuropa zeichnet die Robert Bosch Stiftung im Rahmen von goEast drei vielversprechende Filmvorhaben in den Kategorien Kurzspielfilm, Animationsfilm und Dokumentarfilm aus. Der Preis ist mit insgesamt bis zu 210.000 Euro dotiert. Sieger in der Kategorie Kurzspielfilm ist die moldawisch-deutsche Koproduktion PANIHIDA der Regisseurin Ana-Felicia Scutelnicu und des Produzenten Jonas Weydemann. Das Team überzeugte die Jury mit einer herausragenden Präsentation von der Geschichte eines absurd anmutenden Beerdigungszugs durch ein moldawisches Dorf. In der Kategorie Animationsfilm gewann das bulgarisch-kroatisch-deutsche Projekt FATHER der Regisseure Asparuh Petrov (Bulgarien), Dim Yagodin (Russland), Moritz Mayerhofer (Deutschland), Rosita Raleva (Bulgarien) und Veljko Popovic (Kroatien) sowie der Produzenten Maria Stanisheva (Bulgarien), Vanja Andrijevic (Kroatien) und Christian Müller (Deutschland). Die jungen Regisseure illustrieren in dem fünfteiligen Episodenfilm ihre Sicht auf die Beziehung von Vater und Kind in dramatischer, aber auch humorvoller Weise. Das kasachisch-deutsche Filmvorhaben SEATOMORROW der Regisseurin Katerina Suvorova sowie der Produzenten Stephan Grobe und Anna Hoffmann gewinnt in der Kategorie Dokumentarfilm. Es geht um Menschen, die in der zerstörten und doch bildgewaltigen Landschaft des Aralsees um die Rückkehr des Wassers kämpfen.

Im Hochschulwettbewerb geht der Förderpreis der BHF-BANK-Stiftung an den besten Beitrag einer teilnehmenden osteuropäischen Hochschule. Die dreiköpfige Förderpreis-Jury verleiht die Auszeichnung an Rok Bicek (UL AGRFT Ljubljana) für seinen Film DUCK HUNTING / LOV NA RACE. Die Dramaturgie des Kurzspielfilms sei voller Überraschungen, so die Jury. Eine Lobende Erwähnung erhielt der Animationsfilm THE ONE WHO WAS DIFFERENT / DRUGAYA. Der Regisseurin Anna Shepilova (VGIK, Moskau) gelingt es nach Ansicht der Jury, ohne Sprache die Emotionen der Charaktere in ihrer Ambivalenz eindrucksvoll zu zeichnen.

Der goEast-Preis im Gedenken an Reinhard Kämpf (1.000 Euro) geht an den Dokumentarfilm OSADNÉ / OSADNÉ (Slowakei, Tschechische Republik 2009) von Marko Škop.

go East: Der Regisseur Peter Călin Netzer. Zusammenfassung eines Gesprächs

von Ciprian David, am 27.4.10



Sein Film Medalia de Onoare wurde im Wettbewerb des goEast-Festivals positiv aufgenommen. Der Regisseur war so freundlich, sich mit uns über sein eigenes Filmschaffen und über die Lage der Filmproduktion in Rumänien, vor allem vor dem Hintergrund der populären Filme der Neuen Rumänischen Welle, zu unterhalten.
Hier die Zusammenfassung des Gesprächs:


Filme als Koproduktionen drehen
Beide Langfilme von Peter Călin Netzer (Maria und Medalia de Onoare) entstanden als deutsch-rumänische Koproduktionen. Dazu kam es, nachdem sich der deutsche Produzent Karl Baumgartner (Pandora Film) für einen Kurzfilm des rumänischen Regisseurs interessiert hatte. Dieser Kurzfilm wurde zu Maria ausgearbeitet.
Auch andere rumänische Regisseure haben Einladungen bekommen, mit Produktionsfirmen aus anderen Ländern zusammen zu arbeiten. Die meisten sind ihnen nicht nachgegangen, in der Hoffnung, die rumänische Filmindustrie von innen aufzubauen.
Auch wenn man als Filmemacher wie Peter Călin Netzer etwas nomadisch zwischen zwei Ländern lebt, leiden darunter die Beziehungen zu der „Familie“ von Filmemachern aus Rumänien nicht. Ebensowenig die Subventionierung der eigenen Filme aus dem staatlichen Filmfonds.

Zum Stil der Rumänischen Neuen Welle
Karl Baumgartner äußerte sich besorgt zur Rumänischen Neuen Welle. Solange sie ihren Stil nicht weiterentwickeln, werden die Filmemacher aus Rumänien in einigen Jahren nicht mehr die Öffentlichkeit erreichen können. Peter Călin Netzer distanziert sich mit seinen Filmen vom kalten, durch lange statische Einstellungen geprägten, sehr realistischen Stil der Neuen Welle. Seiner Meinung nach ist die Strömung sehr geeignet für eine gemeinsame Basis, jedoch sollte jeder Regisseur daraus seine eigene Patine entwickeln. Zurzeit sieht es stilistisch in den Filmen oft so aus, als wären, je nachdem, zwei bis drei Regisseure eine einzige Person.

Publikum
Alle rumänischen Filmemacher leiden darunter, dass das Publikum im Inland ihre Filme nicht besucht. Erstens liegt es an der finanziellen Lage, die rumänische Gehälter europäischen Eintrittspreisen gegenüberstellt, zweitens am Internet, das sich vor allem im Kontext dieser finanziellen Lage für die meisten Jugendlichen als die erste Option Filme anzuschauen (natürlich gesetzeswidrig) anbietet. Drittens ist die rumänische Infrastruktur was Kinos betrifft so gut wie nicht vorhanden. So sind Festivals immer eine willkommene Gelegenheit für den Filmemacher, seinen letzten Film möglichst vielen Menschen zu zeigen.

Vertrieb
Rumänien unterscheidet sich, was den Filmvertrieb angeht, stark von andern Ländern. Filmemacher müssen sich meistens selbst darum kümmern, dass ihre Filme das Publikum erreichen. In diesem Sinne sind die Initiativen von Tudor Giurgiu und Ada Solomon (eine der Produzenten von Medalia de Onoare) mehr als willkommen, die nicht nur einige Programmkinos zu solchen Zwecken auf die Beine gestellt haben, sondern sich auch sehr engagiert in der Gestaltung des Filmfördergesetzes zugunsten der Filmemacher zu beteiligen versuchen.

Nächstes Projekt
Obwohl Medalia de Onoare sich noch mitten auf seiner Festivaltour befindet, arbeitet Peter Călin Netzer bereits an einem neuen Projekt, dessen Drehbuch gerade in Entstehung ist und nach aller Wahrscheinlichkeit zusammen mit Karl Baumgartner  realisiert wird.

goEast: The Days of Desire

von Ciprian David, am 27.4.10




Das kleine Universum einer Familie ist nach dem Verlust der Tochter zerstört. Während der Vater (Zsolt László) in Alkoholsucht versinkt und deswegen auf Entziehungskur fern von zuhause muß, versteckt sich die Mutter (Catherine Wilkening) vor dem Schmerz in promiskuitivem Sex. In diese Welt tritt Anna ein, ein stummes Mädchen (Orsolya Schefcsik), das als Zimmermädchen bei der Familie arbeiten soll. Im gleichen Alter wie die verstorbene Tochter, bietet sie der Familie durch ihr Dasein eine neue Chance an, wieder als Familie zu funktionieren.

Ihre erste Liebe lernt Anna auch gerade kennen, in Miklos, der ihr von Kevin Costner in Bodyguard erzählt, von der im Film durch die Rettung entstehenden Liebe. Er scheitert selber, diese Rolle für Anna zu erfüllen.

Genauso wie Anna durch ihre Stummheit, wird der Zuschauer durch den Film einer seiner Sinneswahrnehmungen beraubt, nämlich des Sehens von Farbe. So stehen dem Zuschauer kontrastreiche, klare, mit Requisite expressionistisch beladene und sehr ästhetisch fotografierte schwarz-weiß Bilder gegenüber, in denen das Sehen Stück für Stück zum Scheitern verurteilt ist. In einer verhältnismäßig karussellartigen Abfolge von Kamerabewegungen, die Annas Starrheit in einem Maß betonen, dass sogar der alte „slow Joe in the last row“ auf ihre Augen seinen Blick richtet, entfaltet sich das Versagen der Filmcharaktere über Annas Schönheit, oder wie sie explizit in einer Szene kadriert wird, über Anna als Schmuckstück hinauszusehen. Ständig versucht sie, auf ihre Art, durch den Blick, mit allen zu kommunizieren. Doch dass ihre Augen notgedrungen nicht nur aufnehmen, sondern auch ausstrahlen bleibt allen ein Rätsel.

The Days of Desire erzählt eine sehr gute Geschichte. Leider geht diese Geschichte unbemerkt unter gegenüber den überbordenden Stilisierungen und Formalismen, die den Film vielmehr zu einem mittelmäßigen, um Arthouse mit dem Preis seiner Subtilität bemühten Werk machen, anstatt seine Qualitäten als guter Genrefilm herauszustellen.

The Days of Desire / Tage der Sehnsucht / A vágyakozás napjai
R: József Pacskovszky
D: Zsolt László, Catherine Wilkening, Orsolya Schefcsik
Ungarn, 2009, 104 Min.

goEast: Tale in the Darkness

von Ciprian David, am 27.4.10




Zwischen Polizeirevier, Tanzkurs, ehemaligen und neuen Freunde sucht die einsame Polizistin Gelya (Alisa Khazanova) nach einem Partner, nach einem Mitmenschen, dem sie sich auf ihre natürliche, ehrliche Art anvertrauen kann, als Mensch und als Frau.

Nikolay Khomerikis Film blickt auf eine Gesellschaft, in der ehrliche Beziehungen zwischen Menschen nicht möglich sind. Alle ehrlichen Kommunikationsversuche Gelyas werden von ihren Kollegen auf dem Polizeirevier durch möglichst bunt mit Schimpfwörtern bespickte Beleidigungen gekontert. Nach und nach wird deutlich, dass die ganze Gesellschaft unter dem, was man vor einige Jahrhunderte Etikett nannte, leidet, die aber eine sehr zeitgenössische Form durch die Beleidigungen erhält und Kommunikation unmöglich macht. Alles natürlich viel verbunden mit der Sexualität, die im Verlauf des Films möglichst groteske verbale Gestalten annimmt.

Nikolay Khomeriki lässt Gelya bei einer ganzen Reihe von Menschen Zuneigung suchen. So versucht sie immer wieder während des Films, ihren Kollegen Dimych (Boris Kamorzin) zu überzeugen, mit ihr einen Tanzkurs zu besuchen. Doch seine Reaktionen zeugen nur von Frauenverachtung und animalischen Trieb, die jede Möglichkeit der Annäherung verbarrikadieren. Als Metapher der Zukunft steht ein Waisenkind, um dessen Verbleib sich Gelya beruflich bemüht. Doch ein mütterlicher Annäherungsversuch Gelyas wird von dem Kleinen mittels einem, durch das Prisma seines Alters umso schockierenderen Vokabular zurückgewiesen.

Gelyas melancholische Einsamkeit erreicht mit jeder Erniedrigung und Abweisung zunehmend existenzialistischere Dimensionen. Sie sucht die Nähe eines Unbekannten, der durch seine Einfachheit und Ehrlichkeit die Illusion einer Besserung entstehen lässt. Wenige Stunden später soll es zur sexuellen Begegnung kommen, wobei er aber daran scheitert von der Objektivierung Gelyas abzulassen, und sie, wie die anderen, alleine lässt.

So begibt sich Gelya auf ihrer Liebesodyssee weiter, in ihrem alten Freundeskreis nur noch als Polizeiuniform wahrgenommen, von einem Dichter nur als unantastbarer nackter Körper auf ein Objekt der Betrachtung reduziert, im Tanzkurs einsam unter bedrückend intimen Paaren Schritte übend, ja sich sogar sich auf eine Wette um die Impotenz eines Kollegen mit den anderen Polizistinnen einlassend.

Doch der Moment der Versöhnung wartet auf sie am Ende dieser Reise. Dimych geht endlich mit ihr tanzen und plötzlich entsteht in den einfachen, mühsam aneinander geübten Tanzschritten eine Kommunikationsmöglichkeit zwischen den beiden. Glücklich fragt ihn Gelya nach der Tanzstunde, ob er nochmal mitkommen möchte, und er bejaht. Aber er scheitert wieder an die Kommunikation, er wagt den Schritt nicht über die Schimpfbarriere hinaus, so muss sie fort, eine der traurigsten und schönsten „Ich liebe dich“s des Kinos hinterlassend.

Tale in the Darkness / Das Märchen der Dunkelheit / Skazka pro temnotu
R: Nikolay Khomeriki
D: Alisa Khazanova, Boris Kamorzin, Yuriy Safarov
Russland, 2009, 76 Min.

goEast: Transmission

von Ciprian David, am 27.4.10




Mit Transmission lädt der ungarische Regisseur Roland Vranik zu einer Dystopie ein, zu einer moralisierenden Studie über die Primitivität der menschlichen Natur.

Die Ausgangssituation ist so absurd wie einfach, gleichzeitig aber genial pointiert: In der vorgestellten Filmwelt funktionieren die Bildschirme nicht mehr. Die Menschen haben keinen Zugang mehr zu Fernsehen und Computer, aber nach und nach wird klar, dass alle zivilisierten Organisationen, von Polizei bis Industrie, auch lahmgelegt sind.

Im Mittelpunkt des Films steht die Künstlichkeit des menschlichen Lebens. Wie von Apparaten zur Lebenserhaltung sind wir von einem Netz von Organisationen, Dienstleistungen und Geräten umgeben, die dafür sorgen, dass sich die Gesellschaft weiter in einem rasanten Rhythmus entwickelt und die meisten von uns ihren Platz in der Gesellschaft auch besetzen, aber auch dafür, dass sich die Natur des Menschen verändert, dass sie den Zugang zur Wirklichkeit nur noch über diese Maschinerie finden, dass das, was einmal Menschen ausmachte, durch eine ausgeklügelte, sterile Künstlichkeit ersetzt wurde.

Der Film hat drei Brüder im Mittelpunkt und lässt sie exemplarisch leiden, um seine Ideen klarzustellen. Der jüngste, Otto (Károly Hajduk), ist der Fürsorger der anderen beiden. Er zeugt von einem außergewöhnlichen Altruismus und von Integrität. Doch eine Reihe von unglücklichen Ereignissen im Zusammenhang mit dem Ausfall der Bildschirme verschafft ihm erst den Zugang zu einem anderen Menschen, zu Julia (Kata Wéber). Ihre Beziehung ist so natürlich, dass sie in den künstlichen Bedingungen der Welt der funktionierenden Bildschirme nicht zustande kommen konnte.

Der mittlere Bruder, Vilmos (Zoltán Rátóti), ist der einzige der eine Familie gegründet hat. Alles hat gut funktioniert, bis die Bildschirme ausgefallen sind. Dann war plötzlich eine Leere da, die Zeit, die früher mit Fernsehschauen gefüllt war, ließ sie nun auf einer Couch sitzen, dem schwarzen Bildschirm gegenüber, und langsam feststellen, dass sie nicht zueinander passen.

Der ältere Bruder, Henrik (Sándor Terhes), scheint von der Abwesenheit des Fernsehens am meistens getroffen zu sein. Das Gerät diente ihm früher als Schlaflied-Surrogat, nun kann er nicht mehr schlafen. Lethargisch und selten bei Sinnen verbringt er jetzt die ganzen Tage vor dem Fenster, abwesend und sehnsüchtig mit dem Blick nach dem vermissten Geflimmer suchend. So ist er nicht imstande, etwas dagegen zu tun, als Julia, zu dem Zeitpunkt noch eine Fremde für die drei Brüder, mitten auf der Straße von einer Bande Kinder angegriffen wird. Zu sehr ähnelt das der Gewalt in den Medien, die man vom Sessel aus im Fernsehen apathisch anschauen konnte. Ebenso ist es mit dem versehentlichen Mord Vilmos an seiner Frau, worauf Henrik mit der erwähnten, ihm eigenen Apathie gleich mit einem Plan aufkommt, die Tat zu vertuschen.

Doch die zwei Töchter von Vilmos bekommen es mit und fliehen daraufhin von Zuhause. So lernt der Zuschauer während Vilmos Suche einerseits die postzivilisierte Gesellschaft kennen, in der eine große Anzahl von Menschen flieht oder verschwindet. Viele davon ziehen sich auf das Land zurück, um Landwirtschaft zu betreiben. Die meisten Stadtbewohner haben aber keinen Bezug mehr dazu und leben vom im Meer geangelten Fisch, der am Strand verkauft wird. Zweitens bekommt man anhand der Polizei zu verstehen, dass fast keine Institution nach dem Ausfall noch funktionieren.

Allein in der Natur des Menschen liegt es, Institutionen durch Werte zu ersetzen, wie es der ehemalige Mitarbeiter von Vilmos Frau macht, indem er seine Integrität durch das Anziehen seiner alten Piloten-Uniform nach außen verlagert, sie wie ein Wappen trägt. Dieser wird auch derjenige sein, der Vilmos für seine Mordtat nach der Regel des Alten Testaments bestraft.

Und wenn Institutionen nicht durch Werte ersetzbar sind, wie Henriks Fernsehen als Schlafhilfe, dann ist eben Instinkt gefragt. So geht Henrik beispielhaft den geschichtlichen Weg der Entstehung des Fernsehens noch einmal nach: zuerst, durch Beobachtung der Realität, Fernbedienung in der Hand und Augen auf das Fenster gerichtet, stellt sein Unterbewusstsein fest, dass ein Fenster auch ein Fernsehen ist, bloß im falschen Format. So baut er zunächst eine Mauer um seinen Rasen herum und schafft sich so das erste metaphorische Haus nach der Medienapokalypse. Es folgen ein Tisch, Stühle, ein gemeißelter Hund, und doch scheint es nicht richtig zu sein. Bis die Musen ihn besuchen und er auf das Fenster im 16:9-Format kommt, das er gleich in die Mauer einschlägt. Nun hat er ein bewegtes Bild in einem richtig proportionierten Rahmen, nun kann er schlafen.

Doch was befindet sich auf der anderen Seite? Natürlich wir, die Zuschauer, wie die letzte Einstellung des Films moralisierend zeigt, und wir haben die mediale Apokalypse noch nicht hinter uns.

Transmission / Adás
R: Roland Vranik
D: Károly Hajduk, Kata Wéber, Zoltán Rátóti, Sándor Terhes
Ungarn, 2009, 90 Min.

goEast: Oana Stupariu über den Film in Rumänien

von Ciprian David, am 26.4.10



Die einzige rumänische Journalistin, die für goEast nach Wiesbaden gekommen ist, offenbart uns in einem Interview ihre Perspektive der rumänischen Welt des Films. Hier die Zusammenfassung des freundlichen Gesprächs:

Über Journalismus und Film
Filmzeitschriften gibt es in Rumänien nicht. Besprochen werden Filme eher im kleinen Rahmen in Zeitungen. Ein existierendes, aber nicht ehrwürdiges Forum für Schriften über Film in Print sind vor allem Mode- und Lifestylezeitschriften.

Über Kritiker
Das große Problem mit den rumänischen Filmkritikern ist die Lüke zwischen den Generationen. So stehen auf der einen Seite Kritiker der „alten Schule“, die das klassische Kino als Maßstab nehmen und die Neue Welle nicht zu schätzen wissen. Die Erfolge des Neuen Rumänischen Kinos auf Prestige-Festivals sind für diese eine Art persönliche Niederlage. Auf der anderen Seite befinden sich die jungen Filmkritiker, die explizit gegen die älteren ideologisch und im Schreibstil rebellieren. Geschrieben wird in diversen Zeitungen und nichtprofilierten Zeitschriften.

Über Filmförderung
Ursprünglich gab es überhaupt keine Förderung. Doch die Erfolge der neuen rumänischen Regisseure im Ausland standen als Argument dafür, dass Filmförderung eine profitable kulturelle Investition sei. Trotzdem war es nötig, dass sie als Interessengruppe für die zuerst jährlich gegönnten 20 Millionen Euro kämpften. Eine zweite Petition der Filmschaffenden war ihren Interessen jedoch eher abträglich und führte dazu, dass sich das Filmfördergesetz änderte. Nun sind es nur noch 11 Millionen pro Jahr. Davon bekommt ein Film bis zu 500.000€. Das aktuelle Gesetz favorisiert jedoch durch das ihm zu Grunde liegende Punktesystem zur Bewertung der eingereichten Drehbücher keineswegs Anfänger der Branche. So sind es meistens immer die gleichen Regisseure, die Zuspruch auf Finanzierung erhalten.


Über den Vertrieb von Filmen
Die Filmemacher müssen in Rumänien den Weg des Films von der Anfangsidee bis zum Publikum kontrollieren. So gibt es Produktionsfirmen, die eigene Kinos besitzen, um ihre Firme zu vertreiben, ein System, das an die alten Hollywood-Verhältnisse um die großen Studios erinnert. Unabhängige Filmemacher haben es unter diesen Umständen entsprechend schwer ein Publikum zu finden. Leider werden auch von Publikum meistens Hollywood-Filme besucht. Um Besucher im Inland anzuziehen, müssen rumänische Filme sehr im Ausland mediatisiert sein. Wie dieses Jahr Eu când vreau să fluier, fluier, der sogar The Bounty Hunter übertroffen hat.

Über Festivals
Festivals sind in einem Land wie Rumänien sehr nötig um Publikum in rumänische Filme zu locken. Fast jeder Filmemacher ist in der Organisation eines Festivals beteiligt, es gehört eben zur Vermarktung des Films.

Oana Stupariu schreibt über Auslandspolitik für die Tageszeitung Telegraf aus Constanţa. Sie ist eine große Ausnahme unter den rumänischen Journalisten, denn durch das Verbinden von Film und Politik darf sie bei internationalen Filmfestivals in Amsterdam, Berlin oder Ljubljana als Journalistin anwesend sein. Oana beteiligt sich an der Organisation des Romania International Film Festival, das zuerst in Bukarest und danach in Arad stattgefunden hat.

Oanas Filmempfehlungen:
Corneliu Porumboiu

goEast: The Old School of Capitalism

von Sven Safarow, am 26.4.10



Der serbische Dokumentarfilmer Želimir Žilnik präsentiert definitiv ein Highlight des Wettbewerbs, die Realsatire The Old School of Capitalism. Eine Polit-Groteske im Dokumentarstil, mit improvisierten Dialogen, und Laiendarstellern (zum Teil ehemalige Arbeiter; auch Dokumentarfilmer) vor einem realen Hintergrund, den Massenprotesten der serbischen Arbeiter in Belgrad.

Wir sehen wütende Arbeiter, die aufgrund der Schließung der Fabrik entlassen wurden, und jetzt nach Schuldigen suchen. Sie suchen nach ihrem Chef, suchen sogar sein Haus auf, wo seine verängstigte Ehefrau versucht, sie durch die Geigerei ihrer Tochter und mit Lebensmitteln loszuwerden.
Als sie endlich ihren Chef treffen, trägt der eine kugelsichere Weste zum Schutz, was die Arbeiter nur noch mehr provoziert. Schließlich wird der Chef "enteignet", indem die Arbeiter seine antiken Möbel mitnehmen.

Doch der Konflikt hat gerade erst begonnen. Der Chef bespricht mit anderen "Bonzen", was zu tun ist. Doch die Anderen entschließen sich zur Flucht, sie campieren an der Bundesstraße, wo sie jedoch von Anarchisten gefunden und gekidnappt werden. Jene Anarchisten haben die Arbeiter auf ihre Seite, und proklamieren einen neuen marxistischen Staat.

In Žilniks Film gibt es keine Helden- alle Figuren sind nichts weiter als Marionetten in einem undurchdringlichen Geflecht aus organisierten Streiks, Privatisierung, schmutzigem Geld, und internationalen Einflüssen (die Anarchisten werden von Amerikanern unterstützt; die Bonzen haben einen russischen Berater von Gazprom). Zwei extreme Pole (Arbeiter vs. Herrschende Klasse) werden gegeneinander ausgespielt, und nur durch billige Kompromisse wieder angenähert. Das Ende bietet keine Gewinner, und könnte unversöhnlicher nicht sein.
Žilnik gibt uns Einblick in einen Zustand, der nicht nur den Balkan, sondern auch und im Besonderen die westliche Welt angeht. Extreme Zeiten ziehen extreme Ideologien an, egal ob diese Marx oder dem Kapital verpflichtet sind. Das Einzige, was am Ende noch Bestand hat, ist Chaos.
The Old School of Capitalism zeigt Serbien als Pulverfass (vor allem die dokumentarischen Streikszenen sind von einer drängenden Unmittelbarkeit), und doch dirigiert Žilnik den Plot mit minimalistisch lockerer Hand, nur selten verliert der Film seine Leichtigkeit, entstanden aus spottender Anklage.



The Old School of Capitalism/Stara Škola Kapitalizma
R: Želimir Žilnik
D: Živojin Popgligorin, Robert Paroci, Zoran Paroški, Lazar Stojanović Serbien, 2009, 122 Min.

goEast: Francesca

von Ciprian David, am 26.4.10



Als vorletzte Vorführung beim goEast-Festival wird derjenige rumänische Film gezeigt, der in erster Linie für seine Skandalträchtigkeit berühmt wurde. In Rumänien selber war seine Entstehungsphase von Vorurteilen von allen Seiten begleitet. Regisseur Bobby Pǎunescu gehört eben zu den Menschen, die nicht nur viel Geld haben, sondern auch aus einer Familie stammen, die zumindest medial als berüchtigt gilt. Die Hauptdarstellerin ist Monica Bârlǎdeanu, die als Freundin des Regisseurs, Fotomodel und Schauspielerin ein Klischee ergänzte. Nicht zuletzt kommt die Tatsache hinzu, dass nach der Premiere auf dem Filmfestival in Venedig die weiteren Vorführungen des Films in der Stadt zuerst verboten wurden. Schuld dafür sind die harten Äußerungen eines Charakters über Alessandra Mussolini und den Bürgermeister von Verona.

Eben diese harte, sehr natürliche Sprache macht den Film zunächst aus und führt durch ihre Farbigkeit und Schonungslosigkeit einen rohen Naturalismus ein, der jede Idee von Märchen verbannt. Und genau so ein Märchen wünscht sich Francesca, stellvertretender Exponent der sozialen Orientierungslosigkeit in Rumänien. Ein italienisches Märchen, in dem sie emigrieren möchte, um einen Kindergarten für rumänische Minoritäten zu gründen. Ihre Chance solle das sein, sagt ihre Mutter, die einzige Person, die sie in ihrem Vorhaben unterstützt, anstatt, wie die anderen, bei denen sie sich Rat holt (in ihrer Suche nach Halt), immer zu ihrem Vorhaben passendere Gruselgeschichten über Rumänen in Italien aufzutischen. Die Wahrheit dahinter wird sie aber nie erleben können, Italien wird für sie ein fernes Land bleiben.

Nicht nur diese Geschichten kündigen das düstere Ende des Films an. Wie in einem Film Noir schnallen sich die Probleme aus Francescas Umfeld um sie herum wie ein Gürtel, vor allem ihr Freund, selber ein Immigrant aus Moldau, hat sich in obskuren Geschäften und Schulden verwickelt und die schon am Anfang des Films drohenden Geldeintreiber werden immer unheimlicher.

Der Film beeindruckt durch die Sprache und die Qualität der Dialoge, aber auch durch die meist langen Einstellungen (typisch für die rumänische Neue Welle), die den Schauspielern die Gelegenheit bieten, mit ihrer Leistung das Publikum zu begeistern. Die Szenen zeugen von einer natürlichen Direktheit und von inszenatorischen Einfällen, die selten im Kino zu sehen sind und aus fast jedem dramaturgischen Zwischenraum ein köstliches Ereignis machen. So etwa das Leeren des sich in dem Zahnbecher gesammelten Wassers beim Zähneputzen, oder die Begegnungen zwischen Francescas Freund, Mițǎ (Doru Boguta, Moartea domnului Lǎzǎrescu), und den Geldeintreibern, in denen Körpergewalt formell durch ihr Gegenteil (Umarmungen) ersetzt wird oder auf psychische Gewalt verlagert wird und doch hautnah zu spüren ist.

Francesca ist Bobby Pǎunescus erster Langfilm und entstand in Zusammenarbeit mit Cristi Puiu (Moartea domnului Lǎzǎrescu), welcher sich als Produzent beteiligt hat.



Termine:
Wiesbaden, Dienstag, 27.04, 18:00, Alpha


Francesca
R: Bobby Pǎunescu
D: Monica Bârlǎdeanu, Doru Boguta, Luminiţa Gheorghiu
Rumänien, 2009, 94 Min.

goEast: Sexmission

von Simon Frauendorfer, am 25.4.10

Zwei Wissenschaftler wollen sich für drei Jahre einfrieren lassen. Aus unerfindlichen Gründen schlägt das Experiment fehl und sie erwachen im Jahre 2044. Alle Männer sind ausgestorben und die Frauen haben ein totalitäres System errichtet. Um der drohenden Naturalisierung und Eliminierung zu entkommen, ergreifen die letzten Phallokraten die Flucht.

Sexmission ist eine frivole Komödie im Science-Fiction Gewand, die sich an ein breites Publikum richtet. Der massenkompatibele Humor driftet zu keiner Zeit in allzu geschmacklose Gefilde ab und verleiht dem Film somit trotz vielversprechender Dispositionen eine seichte Note. Es besteht kein Vergleich zu dem puren Wahnsinn eines La Bestia nello spazio von Alfonso Brescia, der ebenfalls eine stark erotisierte Zukunftsvision inszeniert, sie jedoch mit völlig selbstzweckhaften Szenen voller Nuditäten und Perversionen bestückt. Möglicherweise wurde auf eine allzu massive Ausreizung der schmutzigen Facetten aus zwei Gründen verzichtet; um die ohnehin rigide Zensur nicht weiter zu zürnen und um die politisch-gesellschaftliche Dimension des Gezeigten nicht alibihaft erscheinen zu lassen. Denn hinter der vordergründigen Fassade der Albernheit verbirgt sich eine Reflexion über den Geschlechterkampf und totalitäre Systeme, die ihren obsoleten Traum von Autarkie und Abgeschiedenheit demonstrativ frönen. Die beiden Männer bilden das subversive Potenzial, die Infiltratoren einer grausamen Maschinerie, die das sexuelle Verlangen nur mithilfe medikamentöser Behandlungen unterdrücken kann. Der Kulminationspunkt der Geschehnisse ist das äußerst kuriose Ende, das gleichzeitig einen Einblick in das verkommene Innenleben und die Hypokrisie diktatorischer Strukturen gewährleistet. Nur fünf Jahre später brach auch in der Realität die hermetische Zone jenseits des Eisernen Vorhangs in sich zusammen. Implosion des Verdorbenen.



Seksmisja/Sex Mission/ Sexmission
R: Juliusz Machulski
D: Olgierd Lukaszewicz, Jerzy Stuhr, Bozena Stryjkowna
Polen, 1984, 120. Min.

goEast: Vasha

von Simon Frauendorfer, am 25.4.10


Der naive Tom rettet dem Tschetschenen Artur das Leben. Zwischen den beiden unterschiedlichen Figuren entwickelt sich eine Freundschaft, die so manche Hürde passieren muss. Geschickt inszeniert Regisseur Hannu Salonen den Zusammenprall zweier konträrer Welten. Für Tom bedeutet die Begegnung mir Artur vor allem das Ende der Kindheit und das Abstreifen einer gutgläubigen Sicht der Dinge. Er begibt sich in eine Welt, die sich um eine ungewisse Zukunft,  schmerzhafte Erinnerungen und Rachegelüste konstituiert.

Der Film präsentiert sich wie eine Melange divergierender Genres. Elemente des Polizeifilms und des Roadmovies dienen als Rahmen. Damit deutet der Regisseur schon grundsätzlich an, dass auf stringenten Realismus verzichtet wird. Die Eskapaden der beiden Protagonisten lassen sich zu keinem Zeitpunkt als glaubhaft beschreiben. Doch dies schmälert nicht die Qualität von Vasha, der sich ganz unverblümt als „Film“ kennzeichnet, um somit die aufgeblasenen, intellektualistischen Herangehensweisen an Themen wie Freundschaft oder Erinnerung  zu konterkarieren.

Vasha scheitert jedoch in seinem Versuch dem Gezeigten noch eine gewisse seriöse Dimension zu verleihen. Die Transparenz des Films wirkt äußerst erfrischend; die politischen Implikationen dagegen aufgesetzt. Vielleicht hätte man sich gänzlich auf den Unterhaltungsaspekt konzentrieren müssen, da der Film in diesem Rahmen solide funktioniert.   

„This is not Charles Bronson movie“  sagt  Artur. Vom Anspruch her ist er das aber auf jeden Fall. Und das soll an dieser Stelle nicht pejorativ konnotiert werden. Ich bezweifele hingegen, dass es so intendiert war.

Vasha
R: Hannu Salonen
D: Andrus Kasepuu, Mehmet Kurtulus, Einar Kuusk, Tim Seyfi
Estland, Finnland, Irland, Deutschland 2009, 100 Min.

goEast: The Body

von Sven Safarow, am 25.4.10



Einer der erfolgreichsten polnischen Filme der letzten Jahre ist The Body von Tomasz Konecki und Andrzej Saramonowicz, und das sagt eine Menge aus, wenn man bedenkt, wie stark westlich orientiert die Krimi-Komödie ist.

Es geht um große und kleine Gangster, eineiige Zwillinge, Fallschirmjäger, zynische Polizisten, Nonnen, eine Sniper-Oma mit ihrer altklugen Enkelin, sie alle stecken in ihren Sub-Plots, die lediglich von einer Konstante zusammengehalten werden: einer Leiche.

Die Idee ist hinreichend bekannt (The Trouble with Harry, Weekend at Bernie’s), und bietet unzählige Vorlagen für derben schwarzen Humor. Und amüsant ist der Film, keine Frage, aber vergeblich sucht man nach Eigenständigkeit.
Schon der Titelvorspann ist im Stile der Pink Panther-Filme animiert (mit Sarg statt Panther), die Struktur (und der Humor) wurde Filmen wie Pulp Fiction und 11:14 entlehnt. Ganz schlimm sind die typischen Tarantinoismen, wie Gespräche über Nichtiges (wer treibt es mit wem bei Winnie Pooh?) oder Pseudo-schlüpfriges (Penisgrößen), die über den gesamten Film verteilt sind.

Natürlich ist auch alles temporeich inszeniert, und wird mit flotter Funkmusik unterlegt, filmisches Fast Food durch und durch. Doch erst die Tatsache, dass The Body ein Opfer des Kulturimperialismus ist, eine Imitation einer Imitation, macht den Film und seinen Erfolg umso bitterer.

Verglichen mit anderen Filmen des Symposiums „Das befreiende Lachen“ (wie dem großartigen Sexmission) stellt The Body leider nur einen ideenlosen Anbiederungsversuch dar, dem deutschen Der Eisbär von Til Schweiger nicht unähnlich, einem weiteren Tarantino-Epigonen.



The Body/Cialo
R: Tomasz Konecki, Andrzej Saramonowicz
D: Rafal Królikowski, Tomasz Karolak, Maja Hirsch, Cezary Kosinski
Polen, 2003, 98 Min.

goEast: Constantin și Elena

von Ciprian David, am 25.4.10




Zwei alte, kranke und arme, aber überwältigend glückliche Menschen stehen im Zentrum dieses Films, sagte Regisseur Andrei Dăscălescu während der Filmbesprechung. Zwei Menschen, die in ihrer Lebensart nicht einfacher sein könnten, die es aber geschafft haben, Publikum und Jury auf über 40 Festivals weltweit zu begeistern.

Seit 54 Jahren sind Constantin und Elena verheiratet. Ein perfektes Paar waren sie nicht. Und schwere Zeiten haben sie auch hinter sich, besonders schlimm der Verlust des eigenen Sohnes. Doch eine wunderbare Poesie eines einfachen Alltags, zwischen Tieren, Garten, Feldarbeit, Teppichweben und der Kirche, wo Constantin im Chor singt, strahlen die zwei Protagonisten des Films von der Leinwand aus. Manchmal zanken sie sich, meistens singen sie, aber immer sind sie mit einer Aura von Optimismus und gegenseitiger Achtung umgeben.

Die Faszination des Films entsteht aber auch durch die Weltsicht der beiden Charaktere, die es schaffen, den eigenen Tod und das Leben harmonisch und vor allem durch eine berührende Einfachheit in die Ewigkeit der Natur einzubinden. Mit denselben Gefühlen blicken sie nach hinten wie nach vorne, und gehen ihrer Arbeit mit dem gleichen Eifer nach, egal ob sie noch einige Tage oder eine Ewigkeit weiterleben sollen.

Constantin und Elena wollen auch nach ihrem Tod in Erinnerung bleiben. So weben sie, wenn sie nicht anders beschäftigt sind, Teppiche, die bei ihrer Beerdigung verteilt werden sollen, damit die Menschen sich die Teppiche anschauen und wissen, dass die zwei etwas hinterlassen haben. So betrachtet Andrei Dăscălescu seinen Film als einen dieser Teppiche. Einem, bei dem er mitgemacht hat und womit er seinen beiden Helden geholfen hat, in der Erinnerung von Tausenden Menschen zu bleiben.

Andrei Dăscălescu ist beruflich Cutter und arbeitet unabhängig (Filmlab). Constantin și Elena ist sein erster Film, der Ausdruck seines Bedürfnisses, eine andere Art von Liebesgeschichte und zwei wunderbare Menschen zu zeigen. Seine Methode ist das einfache Filmen des Alltags seiner Großeltern. Von seiner Leidenschaft für Fotografie beeinflusst, suchte er sich die Einstellungen aus, und ließ die Kamera unbewegt. Fünf Jahre lang sammelte er über 60 Stunden Rohmaterial, in den ersten drei ohne das Vorhaben, einen Dokumentarfilm daraus zu machen. Nun läuft sein Film auf bis zu neun Filmfestivals pro Monat.

Andrei Dăscălescus Empfehlungen:
Alexandru Tatos
Lucian Pintilie

Weitere Termine:
Wiesbaden: Sonntag, 25.04, 18:00, Bellevue-Saal.


Constantin and Elena / Constantin und Elena / Constantin și Elena
R: Andrei Dăscălescu
D (Mitwirkende): Constantin Vinca, Elena Vinca
Rumänien, 2009, 102 Min.

goEast: Erste Preise vergeben

von Elisabeth Maurer, am 25.4.10


Gestern Abend gab es schon die ersten Preise beim diesjährigen goEast. Das Publikum wählte die besten Beiträge aus dem Hochschulwettbewerb:
Das Wiesbadener Publikum hat entschieden: In drei Kategorien sind am späten Samstagabend die drei Publikumspreise im goEast Hochschulwettbewerb vergeben worden. Als bester Dokumentarfilm beim Festival des mittel- und osteuropäischen Films wurde NINE FORGOTTEN SONGS / DEWJAT SABYTYCH PESEN von Galina Krasnoborowa ausgezeichnet (Staatliche Russische Universität für Kinematografie benannt nach Sergej Gerassimow - VGIK, Moskau, Russland). Die Dokumentation erzählt von den Komi-Permjaken, einer westlich des Urals lebenden finno-ugrischen Volksgruppe.

In der Kategorie Animations- und Experimentalfilm gewann ebenfalls ein Film der VGIK den Publikumspreis: Alexandra Lukina erzählt in DOTSCHKI-MATERI / LIKE MOTHER, LIKE DAUGHTER eine kurze Geschichte über eine Tochter, die die Verhaltensmuster ihrer Mutter kopiert und deswegen in der Liebe scheitert.

Zum besten Kurzspielfilm wählte das Publikum den Film BES über einen jungen Kosovaren in Deutschland, der abgeschoben werden soll. Regie führte Daniela Roos von der KHM Köln. Die mit je 1.000 Euro dotierten Preise werden von der BHF-BANK-Stiftung ausgelobt. Der mit 1.500 Euro dotierte Förderpreis der BHF-BANK-Stiftung für einen herausragenden Beitrag einer mittel- und osteuropäischen Hochschule wird bei der großen goEast-Preisverleihung am Dienstag, 27. April, um 19 Uhr bekannt gegeben. Dann werden auch die Publikumspreise an die Gewinner überreicht.
Weitere Nachwuchspreise bei goEast: 
In enger Kooperation mit goEast verleiht zudem die Robert Bosch Stiftung im Rahmen des Festivals Förderpreise für gemeinsame Projektvorhaben an junge Filmemacher aus Ost und West - in den drei Sparten Animation, Dokumentation und Kurzspielfilm. In Anwesenheit der Filmschaffenden stellt goEast am heutigen Sonntag, 25. April, um 18 Uhr realisierte Filmprojekte der Gewinner von 2007 bis 2009 in der Caligari FilmBühne vor.

Die diesjährigen prämierten Filmvorhaben werden ebenfalls bei der goEast-Preisverleihung am Dienstag, 27. April, bekannt gegeben. In diesem Jahr führt der Berliner Autor und DJ Wladimir Kaminer durch den Abend in der Caligari FilmBühne und lädt nach dem Empfang der Landeshauptstadt Wiesbaden im Rathaus zur großen goEast-Abschlussparty mit „Russendisko“ in den Wiesbadener Kulturpalast ein.

goEast: Bogdan Craciun über den Film in Rumänien

von Ciprian David, am 25.4.10




GoEast ist eine wunderbare Gelegenheit, mit Filmemachern aus Osteuropa in Dialog zu kommen. Der rumänische Produzent von Dokumentarfilmen Bogdan Craciun besucht das Festival um Kontakte mit anderen Produzenten zu knüpfen. Freundlicherweise hat er uns einiges über das Rumänien der Filmemacher verraten. Hier sind einige Auszüge aus dem Gespräch:


Produzieren von Dokumentarfilmen

Als Produzent von Dokumentarfilmen hat man wenig mit dem Filminhalt zu tun. Der Regisseur hat meistens eine sehr genaue Vision einer konkreten Geschichte, die er filmisch umsetzten möchte, so dass wenig Raum für Kreativität bei der Umsetzung für die Mitglieder des Teams möglich ist.
Dokumentarfilme in Rumänien werden nur aus den Fonds des Centrul National al Cinematografiei unterstützt, private Institutionen haben nie Interesse an diesem Genre.


Filmemacher als Beruf
Um in Rumänien vom Filmemachen leben zu können, muss man in erster Linie mit allen Mitteln sicher stellen, dass man einen guten Film macht. Damit hört es jedoch nicht auf. Die Werbung ist ein wichtiger Bestandteil des Erfolges. Meistens wird das über Festivals gemacht, besonders über die im Ausland. Dazu ist es sehr wichtig, sich um den Vertrieb des eigenen Films zu kümmern.
Es gibt nicht sehr viele Filmemacher in Rumänien, deswegen sind die Verhältnisse unter ihnen wie die einer großen Familie. Obwohl viele von ihnen in der Provinz drehen, ist das cineastische Zentrum Rumäniens Bucharest. Dort kommt man zusammen, dort werden Pläne geschmiedet.

Festivals
Festivals gibt es in Rumänien viel zu viele. Alleine in der Hauptstadt sind es über 20. Und das in einem Land, das so gut wie keine Industrie besitzt. Anstatt, dass sich die Veranstalter auf wenige, dafür aber gut organisierte, und, vor allem, funktionierende Festivals konzentrieren, entstehen jedes Jahr neue, kleine Veranstaltungen ohne Zukunft.

Publikum
Rumänische Filme werden vom inländischen Publikum so gut wie nicht angeschaut. Die Besucherzahlen pro Film kreisen um wenige Tausende landesweit. Viel mehr Erfolg haben sie im Ausland. In Rumänien werden stattdessen US-amerikanische Blockbuster angeschaut.


Bogdan Craciun hat Jura studiert und arbeitet seit drei Jahren als ausführender Produzent bei Libra Film Productions in Bucuresti. Zu seinen Projekten gehören Nunti muzici si casete video, Copii Uraniului und Nunta lui Oli. Außerdem ist er beteiligt an der Organisation von Tiff, dem Transilvania International Film Festival in Cluj.

Bogdans Filmempfehlungen:
Pescuit Sportiv (Adrian Sitaru, 2007)
Cealaltă Irina (Andrei Gruzsniczki, 2009)

Empfehlungen für die DVD-Woche (26. April - 2. Mai 2010)

von Elisabeth Maurer, am 25.4.10


The Harp of Burma / Biruma no tategoto von Kon Ichikawa (bei Eye See Movies)

Der Klassiker aus Japan war 1957 für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert. Das Anti-Kriegsdrama erzählt die Geschichte einer Freundschaft und über die Macht der Musik.










Das Vaterspiel von Michael Glawogger (bei Alamode Film)


Ein Anruf, und am anderen Ende eine Stimme aus lange vergangenen Tagen: Mimi. Sie will, dass ihr Jungendfreund Ratz nach New York kommt - sie braucht seine Hilfe. Für Mimi war Ratz immer bereit gewesen, vieles zu tun, und in Wien macht ihm sowieso einiges zu schaffen: Der übermächtige Vater, die verquere Liebe zu seiner Schwester und sein autistisches Dasein vor dem Computer - es ist gar nicht so schlecht, einmal weg zu kommen. Doch auch New York stellt Fragen von der dunklen Seite: Wer ist der alte Mann im Keller? Mit welchen virtuellen Morden darf man sein Geld machen und wie echt sind Mimis Gefühle?
Unsere Rezension folgt in Kürze.

Gigante von Adrian Biniez (bei Neue Visionen)

Einsamkeit schien eine Weile aus dem Fokus der Gesellschaft geraten zu sein: Wir twittern, sammeln tausende Freunde bei Facebook und wenn wir alleine sind können wir eine ganze digitale Welt aufschließen und uns in ihr verlieren. Aber auch wenn wir all das tun können, bleibt die Einsamkeit weiterhin für uns bestehen.

Auch in Adrián Biniez' erstem Film geht es primär um die Einsamkeit. ...mehr




Nokan - Die Kunst des Ausklangs von Yojiro Takita (bei Koolfilm)

Sowie beim Cellospielen die Bewegung des Bogens nicht ruckartig abgebrochen werden darf, damit der Ton vollständig ausklingen kann und genügend Raum hat, seine Fülle und Wirkung ganz entfalten zu können, so muß auch das Lebensende gefühlvoll und würdevoll gestaltet werden. ...mehr







Nostalghia von Andrei Tarkovsky (bei Alamode)


Tarkowskijs erstes im Ausland gedrehtes Werk besticht durch eine einzigartig mystische Atmosphäre mit gemäldeartigen Bildkompositionen und brachte ihm in Cannes den Preis für die beste Regie ein.

Unsere Rezension folgt in Kürze.

 

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