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Raritäten der Kinowoche vom 1. Juli bis zum 7. Juli

von Elisabeth Maurer, am 30.6.10


Copyright: Cinema Quadrat 
CALIGARI FILMBÜHNE Wiesbaden

Hommage an Pina Bausch:
Habla Con Ella / Sprich mit ihr (Pedro Almodovar, 2002)
Do., 1. Juli um 17:30 Uhr undSo., 4. Juli um 20 Uhr
SPRICH MIT IHR gilt als besonderes Meisterwerk Almodóvars. Zu Beginn dieses kunstvollen Melodrams, welches sich aus Doppelspiegelungen, schicksalshaften Zufällen, Mythisierungen und Seelenverwandtschaften zusammensetzt, steht eine ergreifende Ballettaufführung von Pina Bausch.
Damen und Herren ab 65 (Lilo Mangelsdorff, 2007)
Fr., 2. Juli um 20 Uhr und Sa., 3. Juli um 18 Uhr
1998 suchte Pina Bausch per Zeitungsannonce nach Laiendarstellern ab 65 Jahren für eine Neuinszenierung ihres Tanztheaterstückes „Kontakthof“ aus dem Jahre 1978. Vorwiegend ohne jegliche Bühnenerfahrung erarbeiteten sich die 26 Damen und Herren im Alter von 60 bis 80 Jahren unter Anleitung von Pina Bausch und ihren Tänzern eine hochkomplizierte Choreographie zum Thema Beziehungen.

L'America (Gianni Amelio, 1994)
Mo., 5. Juli um 17:30 Uhr
Europäischer Filmpreis, vier Preise beim Filmfest in Venedig und zahlreiche weitere Auszeichnungen: Völlig zurecht zählte L’AMERICA im Jahr 1994 zu den großen Gewinnern, verbindet der Film doch episches großes Kino mit einem realitätsnahen Roadmovie, fließen poetische und emotional intensive realistische Momente nahtlos ineinander.

Die Vögel (Alfred Hitchcock, 1963)
Mo., 5. Juli um 20 Uhr
Anlässlich des 100. Geburtstags von Oskar Sala, des am 18.7.1910 in Greiz geborenen deutschen Komponisten und Physikers, zeigen wir in unserer Alfred Hitchcock Reihe einen der populärsten Filme des Meisters der Hochspannung, in dem eine Kleinstadt an der kalifornischen Küste von Vögeln bedroht wird.
Die Novelle von Daphne du Maurier wurde von Hitchcock zu einer hintergründigen Vision von Weltuntergangsstimmung ausgeweitet und lebt stark von den angsterregenden Vogelschreien, die Musikpionier Oskar Sala mit seinem Trautonium schuf.

Die Einsamkeit der Krokodile (Jobst Oetzmann, 2000)
Di., 6. Juli um 18 Uhr
Günther, studierter Fleischersohn aus Ostwestfalen, gilt in seinem Heimatdorf nicht nur wegen seiner musischen Begabung als Sonderling. Er bringt seine Eltern gegen sich auf, weil er nachts mit den Schweinen des Bauern spazieren geht, um ihnen etwas anderes zu zeigen als die Schlachtbank, und er reizt seine Altersgenossen zum Spott, weil er sich nicht für die Mädchen im Dorf interessiert.
Doch ist diese sanfte, schüchterne Schrulligkeit wirklich Grund genug, um freiwillig aus dem Leben zu scheiden? Dem jungen Hamburger Journalisten Elias erscheint der angebliche Freitod seines entfernten Cousins als allzu glattes Ende eines skurrilen Einzelgängers.

MURNAU FILMTHEATER Wiesbaden

Tabu (Friedrich Wilhelm Murnau, 1931)
Fr., 2. Juli um 18 Uhr
Der Film, den Murnau gemeinsam mit dem legendären Dokumentarfilmpionier Robert Flaherty begann, wurde seine letzte Regiearbeit. Das Lexikon des internationalen Films urteilt: „Eine ungewöhnlich poetische und stimmungsstarke Mischung von Spielfilm und ethnografischer Studie, die in die Filmgeschichte einging.“

MAL SEH'N KINO Frankfurt

Psychoanalyse und Film:
Long Night's Journey Into Day (Deborah Hoffmann, Frances Reid, 2000)
Mi., 7. Juli um 20 Uhr
Dokumentarfilm über die südafrikanische "Truth and Reconciliation Commission", die geschaffen wurde, um die Differenzen zu überbrücken, die Jahrzehnte der Apartheit hinterlassen hatten.
Die amerikanischen Filmemacherinnen Frances Reid und Deborah Hoffmann hielten die TRC für ein faszinierendes Sujet. Sie reisten achtmal nach Südafrika, lernten zahlreiche Kommissare der TRC kennen und beschlossen, vier Fälle auszuwählen, die die Perspektiven sowohl von Opfern als auch von Tätern wiedergaben.
Psychoanalytische Interpretation: Dr. med. Norbert Spangenberg.
In Kooperation mit dem Institut für Psychoanalyse der DPG

FILMFORUM HÖCHST Frankfurt-Höchst

Aquele querido mês de Agosto - Our Beloved Month Of August (Miguel Gomes, 2008)
Do., 1. Juli, So., 4. Juli und Mi., 7. Juli um 18:30 Uhr
sowie Fr., 2. Juli, Sa., 3. Juli, Mo., 5. Juli und Di., 6. Juli um 20:30 Uhr
Regisseur Miguel Gomes verknüpft in seinem zweiten Spielfilm Geschichten aus dem ländlichen Portugal entlang der Veränderungen in traditionell geprägten Dorfstrukturen mit ihren Ritualen, Geheimnissen und Besonderheiten der regionalen Lebensverhältnisse mit Fragen der Repräsentation jener Verhältnisse im Rahmen der Filmproduktion. Dabei gelingt ihm jenseits der folkloristischen Klischees pittoresker Landidylle eine unterhaltsame filmische Reflektion über einen Mikrokosmos im Umbruch fern der Metropolen.


CINEMA QUADRAT Mannheim

17. Afrikatage Heidelberg-Mannheim:
TGV-Express - Der schnellste Bus nach Conakry (Moussa Touré, 1997)
Do., 1. Juli, Fr., 2. Juli und Sa., 3. Juli um 19:30 Uhr
Hotel Sahara (Bettina Haasen, 2008)
Mo., 5. Juli, Di., 6. Juli und Mi., 7. Juli um 19:30 Uhr

Thema Macht/Missbrauch:
La Mala Educación (Pedro Almodovar, 2004)
Do., 1. Juli, Fr., 2. Juli und Sa., 3. Juli um 21:30 Uhr

Film und Analyse:
Stay (Marc Forster, 2005)
So., 4. Juli um 19:30 Uhr
Mit Einführung und Analyse von Dr. Peter Bär.

DVD: New York, I love You

von Rebecca Kos, am 30.6.10



Wenig bietet sich mehr an, als einen Episodenfilm über eine Großstadt und ihre Menschen zu drehen. Ein gutes Beispiel dafür sind Filme wie Short Cuts, L.A. Crash, Night on Earth oder Paris, je t'aime. Hier greift auch New York, I love you den Faden auf. Erneut konzipierte Drehbuchautor Emanuelle Benbihy einen Episodenfilm rund um New York und seine Stadtteile. Verbunden ist alles lose mit zufälligen Begegnungen und Taxifahrten.

Gemeinsam mit Benbihy realisierten 11 Regiesseure unter ihnen Fatih Akin, Yvan Attal, Allen Hughes, Natalie Portman und Randall Balsmeyer die 11 Episoden rund um die Liebe in und zu einer der aufregendsten Städte der Welt. (Die 12. Episode und das Regiedebut von Scarlett Johansson schaffte es nur auf ins Bonusmaterial der DVD.) Auch von bekannten Schauspielern wimmelt es geradezu. So spielt Hayden Christensen einen Taschendieb und Andy Garcia sein gewieftes Opfer, Natalie Portman spielt eine Diamantenhändlerin an ihrem Hochzeitstag und Orlando Bloom einen Musiker, der den Auftrag bekommt, ein Buch zu lesen. Weder stören die großen Namen und bekannten Gesichter, noch lenken sie vom Geschehen ab, denn im Vordergrund steht der wahre Star der Geschichte: New York.



Die Regisseure konnten sich das Thema ihres Segments frei auswählen, allerdings gab es strenge Vorgaben was die Form der Episoden anging. So sollte die Balance zwischen den Geschichten gewahrt werden. Jeder der 8-minütigen Filmteile musste mit einem New Yorker Stadtteil verbunden sein und das Thema Liebe enthalten. Und jede Episode musste in zwei Tagen gedreht und innerhalb einer Woche geschnitten sein. Dieses Regelwerk macht die Episoden miteinander kombinierbar, was einen weiteren Reiz des Films ausmacht. Sie werden teils in mehreren Teilen erzählt, teils an einem Stück. So wirkt der Film mehr als ein Ganzes und nicht wie wahlweise aneinander geklatschte Kurzfilme.

New York, I love you erzählt keine neue Geschichte. Aber es ist eine Geschichte, die man gerne wieder und wieder sehen möchte, denn sie zeigt liebevoll und voller Sympathie, was diese Stadt besonders macht, und das ohne ein einziges Mal die Skyline zu zeigen. Natürlich tauchen ab und an die typischen New York-Clichées auf, aber die sind so nett verpackt, dass es nicht weiter stört. Und wem bei der letzten Episode trotz, oder gerade wegen der Clichées nicht das Herz aufgeht, ist selbst schuld.

Freunde des Episodenfilms können sich freuen: Benhiby arbeitet bereits an Shanghai, I love you, Jerusalem, I love you und Rio, Eu Te Amo.



New York, I Love You
R: Fatih Akin, Yvan Attal, Allen Hughes, Shunji Iwai, Jiang Wen, Shekhar Kapur, Joshua Marston, Mira Nair, Natalie Portman, Brett Ratner, Randall Balsmeyer
D: Hayden Christensen, Rachel Bilson, Irrfan Khan, Natalie Portman, Orlando Bloom, Andy Garcia, Christina Ricci, Ethan Hawke, Maggie Q, Robin Wright Penn, Chris Cooper, James Caan, Anton Yelchin, Olivia Thirlby, Drea de Matteo, Bradley Cooper, John Hurt, Julie Christie, Shia LaBeouf, Carlos Acosta, Ugur Yücel, Shu Qi, Eli Wallach, Cloris Leachman, Emilie Ohana
F/ USA, 2008, 99 Min.
Copyright: Concorde Home Edition
 
Veröffentlichung: 01.07.2010
Sprache: Deutsch DD 5.1/ DTS 5.1, Englisch DD 5.1
Bildformat: 1,85:1
Untertitel: Deutsch
Bonus: 2 zusätzliche Episoden, original und deutscher Kinotrailer

exgorund 2010 - Call for Entries

von Ciprian David, am 30.6.10



Am 1. August 2010 endet die Einreichfrist für das exground filmfest 23 in Wiesbaden

Gesucht: Jede Menge Filme – und Preisstifter für Internationalen ON-VIDEO-Wettbewerb
exground filmfest kommt zwar langsam in die Jahre, wirkt aber frisch wie eh und je.

2010 feiert das renommierte Festival für den internationalen Independent Film 20. Geburtstag und findet zum 23. Mal statt (in den beiden Anfangsjahren 1990 und 1991 gab es jeweils zwei Festivaltermine). Vom 12. bis 21. November 2010 werden in der Wiesbadener Caligari FilmBühne und weiteren Spielstätten die Höhepunkte aus dem aktuellen Angebot von unabhängig produzierten Kurz- und Langfilmen zu sehen sein. Insgesamt wird exground filmfest rund 300 Filme aus aller Welt zeigen.

Ein besonderer Programmschwerpunkt liegt dieses Jahr auf dem aktuellen Filmschaffen aus Lateinamerika. Einsendeschluss für Filmeinreichungen ist der 1. August 2010. Die entsprechenden Einreichformulare lassen sich von der Homepage www.exground.com herunterladen. Filmemacher können ihre Arbeiten aber auch über www.reelport.com einreichen und hochladen: Die Internetplattform ermöglicht die Festivalanmeldung per Mausklick. Die Filmeinreichungen sind gebührenfrei. Detaillierte Informationen zur Filmeinreichung in Deutsch und Englisch enthält das Einreichformular.
Weitergehende Fragen werden unter info@exground.com beantwortet.

Neben Filmen in den Kategorien American Independents, News from Asia, internationale Lang- und Kurzfilme und Fokus Lateinamerika präsentiert exground filmfest eine Reihe von Wettbewerben: Deutscher Kurzfilm-Wettbewerb – Publikumspreis Regie, dotiert mit insgesamt 6.000 EUR; Internationaler ON-VIDEO-Wettbewerb – Jurypreis Regie, dotiert mit 1.500 EUR; youth days – Internationaler Jugendfilm-Wettbewerb/Jurypreis Regie Langfilm, dotiert mit 2.500 EUR, und Wiesbaden-Special – Kurzfilm-Wettbewerb/Publikumspreis Regie, dotiert mit 500 EUR. Das Kulturamt der Landeshauptstadt Wiesbaden unterstützt den Deutschen Kurzfilm-Wettbewerb von exground filmfest mit insgesamt 4.000 EUR für den Sieger und den Drittplatzierten des Publikumspreises und stiftet die 2.500 EUR für den youth days – Internationalen Jugendfilm-Wettbewerb. Das Preisgeld von 2.000 EUR für den zweiten Platz im Deutschen Kurzfilm-Wettbewerb stiftet wie 2009 die Wiesbadener Filmproduktion BEWEGTE ZEITEN. Der mit 500 EUR dotierte Preis „Wiesbaden Special – Kurzfilm-Wettbewerb“ wird zum sechsten Mal vom Wiesbadener Kurier bereitgestellt.

Stifter gesucht werden noch für die 1.500 EUR Preisgeld des Internationalen ON-VIDEO-Wettbewerbs – im Jahr 2009 hatte erstmals der exground-Freundeskreis die Dotierung übernommen.

Weitere interessierte Förderer sind stets willkommen und wenden sich bitte an

exground filmfest
c/o Wiesbadener Kinofestival e. V.
Ernst-Göbel-Straße 27
65207 Wiesbaden
Telefon (06 11)1 74 82 27
info@exground.com.

Empfehlungen für die Kinowoche (1. Juli)

von Sascha Eggers, am 30.6.10



Und auch diese Woche stellen wir ihnen wieder die Neuheiten der Kinowoche vor und dieses Mal sind sie besonders zahlreich. Schreiben Sie uns ihre eigene Meinung zu den Filmen auch gerne als Kommentar.

Highlights:
Deutsche Seelen - Leben nach der Colonia Dignidad von Martin Farkas und Matthias Zuber
Dokumentarfilm über psychische und physische Folter in einer deutschen Siedlung in Chile

Gordos - Die Gewichtigen von Daniel Sánchez Arévalo
Komödie, die in einer Therapiegruppe für Übergewichtige spielt


Pippa Lee von Rebecca Miller
Drama, in dem eine Frau an ihrer Beziehung mit einem viel älteren Mann zweifelt



Für Fans:
Für immer Shrek von Mike Mitchell
4. und (angeblich) letzter Film der beliebten Animationsreihe 
The Doors: When You're Strange von Tom DiCillo
Doku über die legendäre Band The Doors


Lieber auf die DVD warten:
Jedem Kind ein Instrument - Ein Jahr mit vier Tönen von Oliver Rauch
Dokumentation über ein Musikprojekt an deutschen Schulen
Jungs bleiben Jungs von Riad Sattouf
Französische Jugendkomödie
Women without Men von Shirin Neshat und Shoja Azari
Visuell beeindruckendes Drama über protestierende Frauen im Iran


Nicht anschauen:
Der Andere von Richard Eyre
Vefilmung einer Erzählung von Bernard Schlink [zur Kritik von Christian Alt] 
Our Family Wedding von Rick Famuyiwa
Hochzeitskomödie über die Unvereinbarkeit der beiden Familien
Sorority Row - Schön bis in den Tod von Stewart Hendler
Unser Autor Dennis Vetter hat "ein belangloses Remake eines Horrorfilms aus den 80er Jahren" gesehen

DVD: Das Kabinett des Doktor Parnassus

von Rebecca Kos, am 30.6.10


In London erscheint vor einer Diskothek eine skurrile Wander-Show, die sich wie von Geisterhand von selbst aufbaut: das Kabinett des Doktor Parnassus (Christopher Plummer). Der junge Artist Anton (Andrew Garfield) versucht gemeinsam mit Parnassus, dessen Tochter Valentina (Lily Cole) und dem kleinwüchsigen Percy (Verne Troyer) vergeblich, Publikum für das Kabinett anzulocken. Was die desinteressierten Zuschauer nicht wissen: Dr. Parnassus ist in Besitz eines Spiegels, der einer Person, die durch ihn tritt ihre ideale Fantasiewelt zeigt. Dort wird sie vor die Wahl gestellt, ihrem größten Laster nachzugehen oder zu entsagen. Verzichten sie, können sie, um viele fantastische Eindrücke reicher, in die Realität zurückkehren. Tut sie das jedoch nicht, sterben sie und werden Mr. Nick alias dem Teufel (Tom Waits) überlassen. Dieser hat eine ganz spezielle und uralte Beziehung zu Dr. Parnassus, der es nicht sein lassen kann mit ihm zu wetten.

Nach einem Tumult machen sich die Schausteller aus dem Staub. auf einer Brücke finden Anton, Valentina und Percy einen Toten, der an einem Strick von einer Brücke hängt. Nachdem sie ihn abgehängt haben, stellen sie fest, dass Tony (Heath Ledger) noch lebt und packen ihn in den Kofferraum ihrer Kutsche. Anton misstraut Tony, der sein Gedächtnis verloren hat und Valentinas ganze Aufmerksamkeit bekommt. Parnassus hält ihn für einen Komplizen von Mr. Nick. Tony verhilft dem Kabinett jedoch zu nicht geahntem Erfolg, indem er zahlreiche Zuschauer anlockt. Aber wer ist er?






Die Tragödie um Heath Ledgers Tod (er starb währen der Dreharbeiten) führte dazu, dass Regisseur Terry Gilliam das Drehbuch umschreiben musste. Die meisten Heath Ledger-Szenen, die in der Realität spielen, waren abgedreht. Also entschloss er sich, ihn bei Tonys Besuchen in der Fantasiewelt durch drei unterschiedliche Darsteller (Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell) zu ersetzen. Dies verleiht dem Film einen zusätzlichen Spin, den er dringend nötig hat. Zwar hat er, gerade zu Beginn, visuell einiges zu bieten, was jedoch im Verlauf immer weniger wird. Schuld daran ist vor allem die mangelnde Story. Gilliam scheint sich so auf die visuelle Gestaltung zu konzentrieren, dass ihm entgeht, dass die Geschichte nicht genug Substanz für zwei Stunden hat. Sie ist schnell durchschaut und bietet wenig Überraschendes. Nebenplots, wie Parnassus' Erzählungen und die Romanze zwischen Valentina und Tony sind zwar visuell ansprechend gestaltet, tragen aber wenig zum Fortschreiten der Geschichte bei und verlängern den Plot künstlich. Jude Law und Colin Farrell bleiben farblos und langweilig und Johnny Depps Interpretation von Tony erinnert sehr an Capt'n Jack Sparrow. Auch hier wäre weniger mehr gewesen. Ein Beispiel hätte sich Depp an Tom Waits nehmen sollen, der als Mr. Nick eines der wenigen Highlights des Films ist. Hoch anzurechnen ist Gilliam allerdings, dass er nach Ledgers Tod nicht der Versuchung erlegen ist, den Film in ein „Heath-Ledger-Memorial“ umzugestalten, um aus dessen Tod Profit zu schlagen. Alles in allem ein netter Film, den man sich gut ansehen kann, von dem man aber nicht allzu viel erwarten sollte.



Das Kabinett des Dr. Parnassus / The Imaginarium of Doctor Parnassus
R: Terry Gilliam
D: Heath Ledger, Christopher Plummer, Verne Troyer, Andrew Garfield, Lilly Cole, Tom Waits, Johnny Depp, Jude Law, Colin Farrell
USA 2009, ca 117 min.
Cine Collection

Veröffentlichung: 01.07.2010
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: deutsch, deutsch für Hörgeschädigte
Audio: Deutsch: DD 5.1/ DTS 5.1/ Englosch: DD 5.1
Bildformat: 1,85:1
Specials: Audiokomentar Terry Gilliam, Entfernte Szenen, Kostümprobe mit Heath Ledger, Der Blick hinter den Spiegel, Entstehung des Klosters, Szenenaufbau - Vom Storyboard zur finalen Sequenz, Heath Ledger und seine Freunde, Interview mit Heath Ledger, Das Kabinett des Terry Gilliam, Cast & Crew, Doktor Parnassus Weltweit

DVD: Duelist (Intro Edition Asien)

von Dennis Vetter, am 30.6.10




Hin und wieder begegnen uns Filme, die uns innerlich zutiefst spalten, bei denen es förmlich spürbar wird, dass Inhalt und Form einer Geschichte nicht immer die gleichen Wege gehen und man gezwungen wird, sich für eine Gewichtung zu entscheiden. Der koreanische Filmemacher Lee Myung-Se hat mit Nowhere to Hide (1999) einen Film geschaffen, der dieses Verhältnis auf die Spitze treibt. Zwischen abstoßender Gewalt und überwältigendem Ästhetizismus, zwischen Slapstik und Thriller bringt der Film den Zuschauer in ein Dilemma, das es ihm enorm schwierig macht, Stellung zu dem Film zu beziehen. Sein nachfolgender Film Duelist ist inhaltlich weitaus weniger provokant, allerdings auch weniger gelungen.

Duelist handelt von einem etwas chaotischen Polizeiinspektor Ahn (Ahn Seong-gi) und seiner Kollegin Namsoon (Ha Ji-won), die während der Chosun-Dynastie zusammen auf der Suche nach einem Geldfälscherring sind. Durch ihre Ermittlungen stellen sie fest, dass die kriminellen Machenschaften der gesuchten Übeltäter in Regierungskreisen angesiedelt sind. Außerdem treffen sie dabei auf einen mysteriösen, schwarz gekleideten Schwertkämpfer (Kang Dong-won), der in die verbrecherischen Kreise verstrickt zu sein scheint. Namsoon will den Fremden stellen, doch je näher ihr finales Duell mit ihm rückt, desto stärker wird ihre Faszination ihm gegenüber.



Lee Myung-Se legt für Duelist wie schon bei Nowhere to Hide eine recht metafilmische Vorgehensweise an den Tag, die in großem Maße ästhetische Gestaltung und inhaltliche Aspekte aufeinander treffen lässt. Visuelle und konzeptionelle Standards des Martial Arts Genres werden thematisiert und gebrochen, beispielsweise durch das extrem maskuline Auftreten der weiblichen Protagonistin im Kontrast zu der zarten Inszenierung des namenlosen Schwertkämpfers. Ebenso wechselt ständig die Stimmung: Geradezu penetrant humoristische Szenen, für die Lee Myung-Se bereits eit seinem ersten Film Gagman (1989) ein Fable zu haben scheint, wechseln sich immer wieder mit ernsten Passagen und vor allem intensiven, romantischen Momenten ab. Was sich dabei leider nicht abstreiten lässt: Dem Regisseur gelingt es nie, ein harmonisches Gleichgewicht zwischen den Schwerpunkten seines Films zu finden – ob dies beabsichtigt ist, sei dahingestellt. Die stärksten Momente von Duelist werden früher oder später durch störende oder mittelmäßige Passagen beeinträchtigt oder gehen in seine Handlung über, die nicht über die ganze Laufzeit des Films fesseln kann. Das schmerzt bei jedem Mal und wirft gelegentlich die Frage auf, ob man den Film weiter sehen möchte. Genügen seine Stärken, oder überwiegen seine Schwächen? Ein Frage, die seine Illusion des öfteren auf traurige Weise bricht, die viel seines Potenzials zunichte macht – und die doch ihren Reiz besitzt.


Und so werden die wenigsten den Film vorzeitig beenden. Und am Ende feststellen, dass sie Duelist trotz seiner Ungereimtheiten nicht wieder vergessen können.

Zu stimmungsvoll sind seine Bilder, zu perfekt deutet er Gewaltausbrüche um und präsentiert sie als hypnotische Momente der Romantik, als in sich ruhende Stillleben. Duelist baut mit wunderschön ausgeleuchteten Aufnahmen tanzhafter Martial Arts-Performances in regelmäßigen Abständen eine Bildgewalt und Atmosphäre auf, die von seinen inhaltlichen Schwächen letztlich nie vollends überschattet werden kann. Es scheint hier kaum möglich, Gesehenes nach Filmende nicht nochmals zu betrachten, nicht nochmals in den visuellen Rausch einzutauchen, den die virtuose Kamera von Hwang Ki-seok beschert. Hinzu kommen eine überaus gelungene Soundkulisse sowie ein Soundtrack, der prägnanter kaum sein könnte.

Bereits im Menü der neuen DVD der Intro Edition Asien sorgen die Klänge des Films für große Erwartungen, die im Laufe des Films auch eingelöst werden. Dankenswerter Weise geschieht dies in gelungener Ton- und Bildqualität, wie auch schon bei der zuvor erschienenen Veröffentlichung von Rapid Eye Movies. Als Mehrwert zu den bisherigen Veröffentlichungen von Duelist beschert das Re-Release ein neues Coverdesign, ein Booklet sowie den gewohnten Preisvorteil der Reihe. Neben Trailern zu anderen Veröffentlichungen finden sich keine Extras auf der DVD. Diese sind lediglich auf der kostspieligeren Special Edition DVD von Rapid Eye Movies vorhanden.




Duelist
R: Lee Myung-se
D: Ha Ji-won, Kang Dong-won, Ahn Seong-gi, Song Yeong-chang, Yoon Joo-sang, Do Yong-goo, Bae Joong-sik, Park Myeong-sin, Kim Joon-bae, Park Soo-young
KOR 2005, 107 Min.
Vertrieb: Alive
Veröffentlichungsdatum: 01.07.2010
Sprache: Deutsch (DTS 5.1 & Dolby Digital 5.1), Koreanisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Trailer, Booklet

Sorority Row: Schön bis in den Tod - Langweilig ab dem ersten Bild

von Dennis Vetter, am 30.6.10



Niemand ist perfekt. So auch nicht Steward Hendler, ein bis dato eher unbekannter Regisseur, der bisher nur wenige, aber dafür sehr gelungen inszenierte Dramen und Horrorgeschichten vorweisen kann. Unter anderem zeichnet er sich verantwortlich für den Film Whisper (Trailer), sein Langfilmdebüt oder den wunderschön bebilderten Kurzfilm One.

Was ist denn da passiert? Eine Frage, die man sich des öfteren stellt, wenn man sich in die Nähe seines neusten Filmes Sorority Row – Schön bis in den Tod begibt. Denn was man selbst beim besten Willen mit viel Optimismus und triefender Blutgier vorfindet, ist bitter: Ein belangloses Remake eines Horrorfilms aus den 80er Jahren, der nie ein großes Publikum begeisterte. The House on Sorority Row von Mark Rosman versuchte, auf die von Halloween und Freitag der 13. losgetretene Welle von Slasherfilmen aufzuspringen und scheiterte unspektakulär.



Die „Story“ des Films reicht für einen Satz. Eine Gruppe von Schwestern der Studentenverbindung Theta Pi bringt bei einem Streich versehentlich eine Freundin ums Leben, versteckt ihre Leiche und wird Monate später von einem gar unheimlichen Killer brutal heimgesucht. Was damals im Original Programm war, ist es auch heute: Leichtbekleidete Damen, etwas Blut und ein vorhersehbarer Plot ohne interessante Überraschungen. Das klingt konventionell, banal oder gar langweilig? Ist es auch. Was bei Ich weiß was du letzten Sommer getan hast noch perfide und wesentlich atmosphärischer inszeniert war, ödet hier als uninspirierter Aufguss bloß noch an. Bis auf (sehr) wenige Momente, wo das Geschehen für einen Moment des Aufatmens humorvoll gebrochen wird, rettet den Film schlichtweg nichts vor dem Vergessen: nicht seine durch und durch klischeehaften Figuren, nicht seine für heutige Verhältnisse bescheidene Gewaltdarstellung, nicht seine permanente Zurschaustellung von Weiblichkeit, mit Sicherheit nicht ein erbärmlich unkreativer Killer und nicht einmal die Tochter von Bruce Willis.

Schockierend!



Sorority Row – Schön bis in den Tod
R: Steward Hendler
D: Briana Evigan, Leah Pipes, Rumer Willis, Jamie Chung, Margo Harshman, Teri Andrzejewski, Julian Morris
Deutschland 2009, 101 Min.
Copyright: Concorde Filmverleih
Kinostart: 01.07.2010

DVD: Perfect Blue (Intro Edition Asien)

von Dennis Vetter, am 30.6.10



Millennium Actress, Tokyo Godfathers, Paranoia Agent, Paprika. Wer sich heute für anspruchsvolle Animationsfilme aus Japan interessiert, wird kaum an einem der interessantesten Regisseure in diesem Bereich vorbeikommen: Satoshi Kon. Ein Filmemacher, der bisher mit jedem Baustein seines filmischen Werks die darstellerischen Möglichkeiten und Eigenheiten dieser Filmgattung nutzte, um damit reife, komplexe und fantasievolle Geschichten zu erzählen, deren Qualitäten bereits mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt wurden.

Sein Debütfilm Perfect Blue von 1998 ist der neuste Titel in der Edition Asien von Intro und Rapid Eye Movies. Ein Film, der sich geschickt mit Stereotypen von Animes und der Popkultur Japans sowie deren Fans auseinander setzt, diese Bereiche ins Abgründige führt und zu einem ausgefeilten Spiel um Schein und Sein verbindet. Im Zentrum stehen hier nicht bloß Bilder, sondern eine vielschichtige Erzählstrategie und eine ausgereifte Charakterzeichnung. Mima Kirigoe, die Protagonistin des Films, ist einer der beliebtesten Popstars Japans und wird von Fans hysterisch verehrt. Als sie beschließt, ihrer Gesangskarriere ein Ende zu setzen, um ins Schauspielfach zu wechseln, schockiert sie viele ihrer Anhänger aufs Tiefste. Umso mehr, als sie für ihre erste Rolle in einer Pinkfilm-Produktion landet. Schnell folgen Drohungen, die sich immer weiter steigern, bis schließlich eine mysteriöse Mordserie einsetzt und Mimas Alltag völlig aus der Bahn zu werfen scheint. Gefangen zwischen ihrem scheiternden Traum von einem neuen Selbstbild und den Geistern ihrer bisherigen Karriere beginnt sich ihr Realitätsbewusstsein nach und nach aufzulösen: Ist sie die Serienkillerin, die Menschen in ihrem Umfeld brutal mit einem Eispickel abschlachtet? Wer ist der mysteriöse Mann, der sich permanent in ihrer Nähe aufzuhalten scheint und sie mit seelenlosem Blick anstarrt?





Satoshi Kons erste Regiearbeit zeigt bereits, dass seine Interessen sich abseits der Schwerpunkte vieler seiner Kollegen im Anime-Bereich bewegen. Während dort häufig eine ziellose Melange aus spektakulären Oberflächen, Science-Fiction-Szenarien oder überdeutlichem Humor vorliegt, schafft Satoshi Kon zumeist realistisch verankerte, psychologische Dramen und Thriller für ein anspruchsvolles Publikum, Fantasy für Erwachsene. Er erforscht die verborgenen Seiten seiner Figuren, dringt in ihr Unterbewusstsein ein und legt sie in ihrer Verwundbarkeit offen. Seine Geschichten drehen sich nicht um souveräne Helden, sondern um alltägliche Menschen, die zumeist von äußeren Zwängen geplagt und oft von tiefgreifenden Komplexen geprägt sind. Menschen, deren Charakter, Persönlichkeit und Identität immer wieder hinterfragt und gebrochen werden. Dieses Konzept zieht sich durch das gesamte Werk des Regisseurs und schlägt sich dabei auch immer mehr in seinen Bildern nieder. Als ein formaler Höhepunkt seiner eindrucksvollen Karriere kann in dieser Hinsicht sicherlich Paprika gelten, wo Realität und Psyche bzw. Traum visuell eine derart starke Symbiose eingehen, dass sie kaum noch voneinander zu trennen sind.

Perfect Blue ist mit seiner Protagonistin Mima Kirigoe, die wie auch ihre Nachfolgerin in Millenium Actress, dem Showbusiness entstammt, als herausragend inszenierter, exemplarischer Anfangspunkt seines Schaffens zu sehen und enthält bereits alle wegweisenden Motive späterer Filme: Der Film schildert vor der Kulisse eines verstörenden Psychothrillers, wie ein fiktiver Charakter Besitz von einer realen Persönlichkeit ergreift und kritisiert so die bitteren Konsequenzen, welche eine mediendominierte Gesellschaft für das Individuum mit sich bringen kann.





Ein Glücksfall ist, dass seine Kritik wohl berechtigt ist und in unserer technisierten Welt alle seine Filme mittlerweile leicht auf DVD zugänglich sind. Perfect Blue wurde bei Rapid Eye Movies bereits in einer edlen, limitierten Special Edition veröffentlicht und erscheint nun im Rahmen der bisher überaus umfangreich bestückten Intro Edition Asien nochmals zum Schnäppchenpreis. Die DVD wird von einem ansehnlichen Papp-Case geziert, in das ein 16-seitiges Booklet schön eingearbeitet ist. Das sieht nicht nur schnittig aus, sondern liest sich auch gut und bietet so eine gelungene Ergänzung zu den umfassenden Extras in digitaler Form. Die neue Edition des Films macht die humorvolle Perfect Blue-Vorlesung, die sich angenehm vom Einheitsbrei vieler Bonusmaterialien abhebt und dazu das erfreulich informative und umfangreiche Making Of des Films nun auch außerhalb der limitierten Special Edition verfügbar und löst somit die vorhandene Standard-Edition ab. Echte Fans werden wohl nach wie vor nicht auf die REM-Luxus-Ausführung im Pappschuber mit Poster verzichten wollen. Alle anderen können hier allerdings bedenkenlos zugreifen.



Perfect Blue
R: Satoshi Kon
J 1998, 81 Min.
Vertrieb: Alive
Veröffentlichungsdatum: 04.06.2010
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Japanisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial (ca. 86 Min.): 16-seitiges Booklet, Perfect Blue-Vorlesung, Into the Blue, Kinotrailer (Deutsch & OmU), Trailer zu weiteren REM-Titeln,

Die Band Anvil auf Tour in Deutschland

von Ciprian David, am 29.6.10

 

Zur DVD-Veröffentlichung von „Anvil! Die Geschichte einer Freundschaft (VÖ 16 Juli/ Alive) in Deutschland kommen ANVIL für sechs Clubshows nach Deutschland:


29.06.10 München / 59:1
02.07.10 Berlin / C-Club
03.07.10 Aschaffenburg / Colos Saal
04.07.10 Hamburg / Knust
05.07.10 Köln / Luxor
14.07.10 Münster / Gleis 22

Wenn man im allmächtigen Handbuch des Heavy Metal den Begriff „Ausdauer“ nachschlagen würde, wären die kanadischen Metalisten von ANVIL mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit mit Bild abgedruckt. Mit 14 schworen sich die Schulfreunde Steve "Lips" Kudlow und Robb Reiner, für immer zusammen zu rocken. Seit ihrem Debütalbum Hard N‘ Heavy aus dem Jahre 1981 gelten ANVIL für die meisten der Szene als Protagonisten des Trash- / Speed-Metal-Genre, unterstrichen wurde dies noch von den beeindruckenden Genre-Klassikern Metal on Metal von 1982 sowie Forged in Fire aus dem Jahre 1983.


Schlechte Plattenverträge, schlechtes Management und einfach nur pures Pech sorgten dafür, dass ANVIL leider auf dem Rücksitz der New Wave of Metal Bands Platz nehmen sollten – Metal Bands, die ANVIL als maßgeblichen Einfluss nannten. Wie auch immer, ANVIL haben nie aufgehört zu rocken und ihren großen Traum bis heute nicht aufgegeben. Mit der Veröffentlichung der preisgekrönten Dokumentation „ANVIL! DIE GESCHICHTE EINER FREUNDSCHAFT von Sacha Gervasi ist die Band wieder dort angekommen wo sie hingehört – in die vorderste Reihe des Heavy Metal!

Sacha Gervasis Dokumentation begleitet die beiden Freunde bei ihren unermüdlichen Versuchen, nach 30 Jahren endlich den Durchbruch zu schaffen: auf eine Europa-Tournee voller Pannen und bei den aufreibenden Aufnahmen zu ihrem mittlerweile 13. Album. Eine ebenso unterhaltsame wie rührende Geschichte über Freundschaft, die Kunst des würdevollen Scheiterns und das leidenschaftliche Festhalten an Träumen.

Kinder-Medienpreis 2010

von Ciprian David, am 29.6.10


Im Rahmen des Münchner Filmfestes wurde gestern zum neunten Mal der Kinder-Medien-Preis "DER WEISSE ELEFANT" verliehen. Jeweils eine Auszeichnung ging an WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER und HIER KOMMT LOLA.

Die junge Darstellerin Meira Durand sowie Produzentin Uschi Reich und Regisseurin Franziska Buch wurden für den Kinofilm HIER KOMMT LOLA, einer Produktion der Bavaria in Co-Produktion mit Constantin Film, geehrt. Ebenso begeistert wie die Jury zeigten sich auch die Kinder, die im Rahmen der Verleihung zu einer Vorführung in den Münchner Gasteig geladen wurden.

Den Preis in der Kategorie "Bester Darsteller Junge" erhielt Jonas Hämmerle für seine Rolle als "Wickie" in WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER. Die Christian Becker Produktion der Rat Pack Filmproduktion in Co-Produktion mit herbX Film und Constantin Film von Regisseur Michael "Bully" Herbig ist erfolgreichster deutscher Kinofilm 2009 und lockte bisher knapp 5 Millionen Zuschauer in die Kinos.
HIER KOMMT LOLA und WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER starteten im Verleih der Constantin Film in den deutschen Kinos.

Der Kinder-Medien-Preis ist eine Initiative des Medien-Club München e.V. und wird unterstützt von der Bayerischen Sparkassenstiftung, der Bayerischen Staatskanzlei, der Firma Kinderbutt und weiteren Sponsoren. Schirmherr des insgesamt mit 6000 Euro dotierten Preises ist der Bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon.

Howard Shore gewinnt den BR-Filmmusikpreis

von Christian Alt, am 29.6.10

 (c) Stefan Servos

Howard Shore hat den ersten BR-Filmmusikpreis gewonnen. NEGATIV stellt das Schaffen dieses außergewöhnlichen Komponisten vor.


Gangs of New York (2002):







Das Schweigen der Lämmer (1991) :





Crash (1996):





eXistenZ (1999):



Der Soundtrack zu eXistenZ klingt schon wie die Bewerbung zu Der Herr der Ringe und war bei weitem nicht seine letzte Zusammenarbeit mit David Cronenberg. Shore lieferte die Musik zu allen seinen Filmen.



The Fly (1986):






Ed Wood (1994):




The Twilight Saga: Eclipse (2010):





Und zu guter letzt natürlich auch noch Shores berühmtestes Werk:

Der Herr der Ringe (2001):



 

Region: Vortrag über das Vokabular der Musikkritik: Zarter Schmelz und Hohes C

von Elisabeth Maurer, am 28.6.10


Copyright: Simon Blakely
Am Dienstag, dem 29. Juni, findet ein weiterer Vortrag in der Reihe Die Stimme im Medienhaus, Wallstraße 11 in  Mainz, statt. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr und ist kostenlos. Dr. Peter Moorman aus Berlin beschäftigt sich darin mit Musikkritik:
Um dem Publikum ihr subjektives Hörerlebnis nahe zu bringen, vergleichen Kritiker es mit anderen Sinneswahrnehmungen und sprechen vom „sahnigen Tenor“ oder dem „kristallklaren Sopran“. Anhand von ausgewählten Rezensionen untersucht der Vortrag diese Begriffe.
Peter Moormann arbeitet an der FU Berlin und ist Autor von „Die Spielberg Variationen – Steven Spielberg und sein Komponist John Williams“. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Musik in den Medien und Filmmusik.

Highlights der Fernsehwoche 28.06 - 04.07

von Simon Frauendorfer, am 27.6.10


Montag, 28.06.2010

Red Durst (Thomas Hooper, GB/Südafrika 2004)
Justizdrama
Arte, 20.15 Uhr

The Host (Joon-ho Bong, Südkorea 2006)
Monstergroteske
Arte, 22.55 Uhr

TAGESTIPP  Luftschlacht um England (Guy Hamilton, GB 1969)
Kriegsdrama
MDR, 22.50 Uhr

Die außergewöhnlichen Abenteuer des Saturnino Farandola (Marcel Perez, I./F. 1913)
Abenteuer
Arte, 01.10 Uhr


Dienstag, 29.06.2010

Stilles Chaos (Antonello Luigi Grimaldi, I. 2008)
Drama
BR, 22.00 Uhr

TAGESTIPP  Wenn der Postmann zweimal klingelt (Bob Rafelson, USA 1981)
Thrillerdrama
ARD, 00.35 Uhr


Mittwoch, 30.06.2010

Kika (Pedro Almodovar, Span./F. 1993)
Mediensatire
ARD, 00.35 Uhr

Sleepy Hollow (Tim Burton, USA 1999)
Horror
SAT1, 22.55 Uhr

Der Panther (José Pinheiro, F. 1985)
Krimi
RBB, 23.00 Uhr

TAGESTIPP  Ich bin, wie ich bin (Tinto Brass, I./F. 1967)
Krimidrama
HR, 00.25 Uhr

Drei Vaterunser für vier Halunken (Giancarlo Santi, I./F./BRD 1972)
Italowestern
WDR, 00.25 Uhr


Donnerstag, 01.07.2010

TAGESTIPP  Zurück in die Zukunft (Robert Zemeckis, USA 1985)
Science-Fiction-Komödie
VOX, 20.15 Uhr

American Graffiti (George Lucas, USA 1973)
Tragikomödie
Arte, 20.15 Uhr


Freitag, 02.07.2010

Studio 54 (Mark Christopher, USA 1998)
Drama
3SAT, 22.25 Uhr

TAGESTIPP  Gegen die Wand (Fatih Akin, D. 2004)
Drama
ARD, 23.30 Uhr

Das Blut der roten Python (Hsueh Li Pao, HK 1977)
Fantasyaction
Arte, 00.35 Uhr


Samstag, 03.07.2010

Die toten Augen von London (Alfred Vohrer, BRD 1961)
Gruselkrimi
BR, 21.50 Uhr

TAGESTIPP  Wächter des Tages (Timur Bekmambetow, Russl. 2006)
Fantasyaction
RTL, 23.35 Uhr

Nimm´s leicht - Nimm Dynamit (Georges Lautner, F. 1965)
Gangsterkomödie
WDR, 23.10 Uhr

Nevada Smith (Henry Hathaway, USA 1966)
Western
RBB, 23.45 Uhr

Das Ding aus dem Sumpf (Wes Craven, USA 1982)
Monsterfilm
MDR, 01.00 Uhr

Flammendes Inferno (John Guillermin, USA 1974)
Katastrophenfilm
RTLII, 00.25 Uhr


Sonntag, 04.07.2010

Mein Name ist Nobody (Tonino Valerii, BRD/I./F. 1973)
Western
Kabel1, 16.10 Uhr

Nobody ist der Größte (Damiano Damiani, BRD/I./F. 1975)
Western
Kabel1, 18.10 Uhr

Apollo 13 (Ron Howard, USA 1995)
Drama
3SAT, 20.15 Uhr

TAGESTIPP  The Blues Brothers (John Landis, USA 1980)
Musikkomödie
Arte, 20.15 Uhr

Die Wildgänse kommen (Andrew V. McLaglen, GB/CH 1977)
Söldneraction
TELE5, 20.15 Uhr

Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran (Francois Dupeyron, F. 2003)
Tragikomödie
ARD, 23.55 Uhr

Empfehlungen für die DVD-Woche (28. Juni-04. Juli 2010)

von Sven Safarow, am 27.6.10


Eric Rohmer - Erzählungen der vier Jahreszeiten, von Eric Rohmer (bei ARTHAUS)

Vier Filme des französischen Meisters.








New York, I love you, von Fatih Akin, u.a. (bei Concorde Home Entertainment)

Episodenfilm mit 12 Geschichten rund um den großen Apfel.








Che - Teil 1: Revolución / Teil 2: Guerrilla, von Steven Soderbergh (bei Senator Home Entertainment)

Soderberghs enigmatisch nüchterner Zweiteiler über die kubanische Revolution entzieht sich jeder Stellungnahme, was nicht ohne Reiz ist.






Die letzten Zwei vom Rio Bravo, von Mario Caiano (bei Koch Media Home Entertainment)

Man muss diesem Label einfach dankbar sein für all die ausgegrabenen Western-Perlen.






Für eine Handvoll Italo-Western, von Tinto Brass, u.a. (bei Koch Media Home Entertainment)

Box mit drei Western mit den Großen des Genres, u.a. mit Gordon Mitchell, und Klaus Kinski, sowie Tinto Brass’ einzigem Western Yankee!






Duelist, von Lee Myung-se (bei Rapid Eye Home Entertainment)

Ein Actionfeuerwerk des Über-Stilisten aus Südkorea.








Public Enemy No. 1 – Mordinstinkt, von Jean-François Richet (bei Universum Film)

Vincent Cassel als der Star-Kriminelle Jacques Mesrine, ohne Frage die Rolle seines Lebens.






Public Enemy No. 1 – Todestrieb, von Jean-François Richet (bei Universum Film)

Das Finale der Gangstersaga.

DVD: Perhaps Love

von Elisabeth Maurer, am 27.6.10


Im Musicalgenre wird die Filmrealität durch die Tanz- und Gesangsszenen überschritten. Somit sind schon grundsätzlich Übergänge hin zu Innen- oder Traumwelten enthalten. Perhaps Love ist ein solches Musical, das jedoch diese Eigenart des Genres bewußt verwendet, um sein Thema zu unterstreichen. Die Metaebene ist ebenfalls auch schon in der Filmhandlung mitinbegriffen, da der Film von dem Dreh eines Musicals erzählt. Anläßlich dieses Films des Regisseurs Nen Wie (Jacky Cheung) begegnen sich die früheren Liebenden, Sun Na (Xun Zhou), nun Geleibte des Regisseurs, und Lin Jian-dong (Takeshi Kaneshiro) wieder, weil sie die Stars der Geschichte sind. Die dritte Hauptrolle übernimmt Nen Wie selbst. Das Liebesgeflecht innerhalb und außerhalb des Films im Film gleicht sich stark. Nen Wies Film handelt von einer jungen Frau aus armen Verhältnissen, die ihr Gedächtnis verliert. Ein Zirkusdirektor, den Nen Wie spielt, nimmt sich ihrer an und gibt ihr ein komfortables Leben als Tänzerin. Allerdings findet ihr ehemaliger Geliebter sie wieder und versucht ihre verschollenen Erinnerungen an ihre Liebe zu wecken. Auch Lin trauert seiner Liebegeschichte mit Sun hinterher, während sie nicht an ihr früheres Leben in Armut erinnert werden will, zu dem er gehört.


Interessant ist der Film vor allem deshalb, weil er sehr geschickt die Musicalszenen, die verschiedenen Zeitebenen und Erinnerungen und die Handlungsstränge ineinander verwebt. Nur in ihrer Gesamtheit ergeben die einzelnen Szenen einen Sinn, erklären sich gegenseitig. So kristallisiert sich die Aussage heraus, dass ein jeder seine ganz eigene Version der Welt und des Ablaufs der Geschehnisse herausbildet. Dabei ist nicht unbedingt entscheidend, was er alles erlebt hat, sondern was er sich davon als identitätsstiftend aussucht. Für jeden sind andere Momente der Vergangenheit wichtig und es ist unmöglich, sich in die Erinnerungen eines anderen hineinzuzwingen. Sun und Jin haben in ihrem Inneren die Momente gespeichert, über die sie ihre Persönlichkeit definieren, doch passen diese nicht zusammen. Schon zu Beginn wird die Parallele zwischen dem Erinnern der Menschen und dem Zusammenfügen von Filmszenen gezogen. Jeder montiert die Geschehnisse so, wie es ihm richtig erscheint und andere können nicht bestimmen, was hinausgeschnitten wird.


Die Musicalaufnahmen, die teilweise auch aufgrund ihrer ausstattungsreichen Zirkussets an Moulin Rouge erinnern, wurden vom Kameramann Peter Tau (Tiger and Dragon) gedreht und in eine weiche und warme Lichtatmosphäre getaucht. Dahingegen zeichnet sich für die Aufnahmen der Erinnerungen Christopher Doyle, Wong Kar Wais langjähriger Kameramann, verantwortlich. Durch die Montage werden die unterschiedlichen Bilder aber zu einer sehr stimmigen Einheit geschmiedet, in der Vergangenes, Träume, Film- und Menscheitsgeschichte gegenwärtig sind. So wie die Figuren aus allem ihren eigenen Film bauen und sich definieren, was aber dazu führt, dass die Liebe manchmal verloren geht.

Es bleibt zu sagen, dass ein ähnlich raffiniertes Spiel mit der Musicalform selten zu sehen ist und auch die einzelnen Songs, die ebenfalls zu der Verwebung der Stränge beitragen und sich eher auf eine westliche Musicaltradition gründen, sehr eingängig und auch auf Mandarin schön anzuhören sind.



Die DVD beinhaltet zwei ausführliche Making Ofs, eines über die Musik, eines über den Film, daneben Trailer.




Perhaps Love / Ru guo - Ai
R: Peter Chan
D: Xun Zhou, Takeshi Kaneshiro, Jacky Cheung
China, Malaysia, Hongkong 2005, 108 Min.
Copyright: Rapid Eye Movies
Veröffentlichung: 25.6.2010
Sprache: Mandarin DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bildformat: 1,85:1
Extras: Making Of Musik, Making of Drama, Trailer

DVD: Gestern, Heute und Morgen

von Ciprian David, am 26.6.10


Die Frau fängt an, sich erotisch ihrer Kleidung zu entblößen. Der Mann sitzt brav auf dem Bett, fast in der Hocke, wie ein Hündchen, und lässt von sich nur ab und an einem Bewunderungston hören. Die Frau läuft schräg durch den Raum auf die Kamera zu, diese schwenkt mit, die Frau setzt sich auf einen Sessel. Der Bewunderer ist aus dem Bild verschwunden, die Frau bleibt für einige Augenblicke alleine mit dem Zuschauer.

Drei nicht miteinander zusammenhängende Geschichten durfte der Zuschauer vor dieser Szene sehen, immer eine Facette des Liebesspiels zwischen Mann und Frau im Mittelpunkt, immer dieselben Schauspieler in unterschiedlichen Rollen, nur um festzustellen, dass die Frau die Stripszene unterbricht. Sie hat ein Gelübde abgelegt. Eine Woche ganz ohne. Sie verstehen: ganz ohne. Und doch bleibt der Mann schließlich bei ihr, obwohl er um diesen Beischlaf seit Tagen kämpft und überzeugt ist, dass er das, was er möchte nie bekommen wird.

Den Oscar® für den besten ausländischen Film haben diese drei Geschichten bekommen, und sie stehen unter der Regie von niemand anderem als Vittorio de Sica, einem der Väter des italienischen Neorealismus, und somit Teil eines Epizentrums der Filmgeschichte, dessen Resonanz heute noch in den überall auf der Welt immer wieder entstehenden Wellen zu spüren ist, von der französischen Nouvelle Vague bis hin zu den zeitgenössischen Neuen Wellen aus Rumänien, der Türkei und sogar aus Südkorea.


Gestern, Heute und Morgen ist jedoch kein neorealistisches Werk. Vielmehr zeugt er von der Vielseitigkeit des berühmten Regisseurs, der neben den über 30 Regiearbeiten als Schauspieler mehr als hundert Mal für Filme vor der Kamera stand. Die drei Episoden von Gestern, Heute und Morgen zeigen eins der großen Paare der europäischen Filmgeschichte als Protagonisten: Marcello Mastroianni und Sophia Loren. Die Feder der zwei von den drei zugrunde liegenden Drehbücher gehört dem langjähriger Mitarbeiter de Sicas, Cesare Zavattini. Das Ergebnis: drei wunderbar geschriebene, gespielte und choreographierte Geschichten, die über fast zwei Stunden grandiose Screwball-Unterhaltung liefern.

Die erste Episode spielt in einem armen Milieu. Die zwei, Mann und Frau, haben aus Liebe geheiratet. Doch das reicht nicht. Er ist arbeitslos und sie verdient das Geld durch Verkauf von importierten Zigaretten auf dem Schwarzmarkt, was zu einer Strafe führt, die die beiden nicht bezahlen können. Das Gefängnis droht, doch der Ausweg ist bald gefunden: während der Schwangerschaft und den ersten sechs Monaten nach der Geburt darf die Frau nicht inhaftiert werden. So machen sich die zwei fleißig an die Arbeit und zeugen eins, zwei, drei, nein, sieben Kinder. Die Wohnung wird voll, die ganze Nachbarschaft muss sich mit Hilfe beteiligen, aber die Familie lebt glücklich weiter und Zigaretten werden auch weiter verkauft. Die Liebe versagt aber dann doch, er ist unterernährt und übermüdet und kann der Liebsten die Freude nicht zum achten Mal gönnen. So muss sie ins Gefängnis. Und wieder lassen sich alle was einfallen: im ganzen Viertel wird bei jedem Warenverkauf eine inoffizielle Steuer aufgeschlagen, die Sophia Loren freikaufen soll. Es geht sogar soweit, dass die Angelegenheit zur Staatsangelegenheit wird: sie wird begnadigt. Die Liebesbeziehung durchquert alle sozialen Grenzen und bekommt in jedem erdenklichen Bereich der gesellschaftlichen Organisation einen Sonderstatus, der ihr die Existenz gewährt.

Anders sieht es in der zweiten Episode aus. Sophia Loren spielt die reiche, gelangweilte Frau eines Industriellen, die nach wahren Gefühlen und Bauchkribbeln sucht. So hat sie ein Abenteuer mit Marcello Mastroianni. Sie fahren mit ihrem Rolls Royce aus der Stadt, weg von einer durch die Spuren des Reichtums ihres Mannes gekennzeichneten Gesellschaft. Sie unterhalten sich über Ausbruch, über Reichtum und dessen Effekte. Eine einzige Autofahrt ist diese Geschichte, das Auto hält nur an, um die Unmöglichkeit einer Beziehung zwischen den zwei zu verdeutlichen. Denn, im Gegensatz zum verliebten armen Paar in der ersten Geschichte, steht zwischen den Protagonisten der zweiten die undurchdringbare Mauer des Materialismus. Reichtum ist ein Monstrum, ein Ungeheuer, das sich in die Mentalität einnistet und Gefühle unmöglich macht.

Die dritte Geschichte führt die angerissene Linie fort: Sie ist eine reiche Prostituierte, er der sexuell hörige Sohn eines Ministers. Ihr Charme geht so weit, dass der angehende Priester aus der Nachbarschaft sich nach einem einzigen Gespräch mit ihr verliebt und von seinem angeschlagenen Weg ablassen will. Die Vernunft außer Kraft, bleibt nur übrig, dass sich alle Fronten zusammentun um ihn zum Glauben zu bekehren. Natürlich ist der Ministersohn dabei der Verlierer. Die Liebe ist nur noch in blasser Form als Trostspender da.

S.A.D. Home Entertainment veröffentlicht das Meisterwerk zum ersten Mal in DVD Form auf dem deutschen Markt und konkretisiert somit eine eigene Politik der Wiederbelebung von Filmen, die, leicht Abseits des Kanons, in Vergessenheit zu geraten drohen.



Gestern, Heute und Morgen / Ieri, oggi, domani
R: Vittorio de Sica
D: Marcello Mastroianni, Sophia Loren
Italien, 1963, 114 Min.
S.A.D. Home Entertainment
Veröffentlichung: 25.6.2010
Sprache: Dolby Digital 2.0 (Mono) Deutsch, Dolby Digital 2.0 (Mono) Italienisch
Bild: Widescreen (2.35:1)
FSK: 12
Extras:
-Copy-to-go
-Originaltrailer
-Biografien
-Bildergalerie

Frank Giering ist tot

von Christian Moises, am 24.6.10

"Weißt du was ich manchmal denke? Es müsste immer Musik da sein. Bei allem was du machst. Wenn’s so richtig scheiße ist, dann… ist wenigstens noch die Musik da. Und an der Stelle, wo… wo’s am allerschönsten ist, müsste die Platte springen und du hörst immer nur diesen einen Moment."

Diese Sätze begleiten viele noch heute, zumindest die, die wie ich vor mittlerweile fast elf Jahren unvermutet und ohne vielleicht allzu große Erwartungen Sebastian Schippers Regiedebüt Absolute Giganten (1999) im Kino gesehen haben.

Der, der darin diese Sätze gesprochen hat, war Frank Giering in der Rolle des Floyd, der mit seinen besten Kumpels eine letzte Nacht in Hamburg verbringt, um am nächsten Morgen auf ein Schiff zu steigen und in der Ferne sein Glück zu suchen - nicht ohne jedoch bereits zuvor einen Moment höchsten Glücks zu erleben. Denn das, was einem im wirklichen Leben verwahrt bleibt, gönnt Sebastian Schipper seinem Protagonisten: während auf der Tonspur "If only" von Sophia einsetzt, gleitet die Kamera von Frank Griebe über Floyds schlafende Freunde hinweg und erfasst schließlich Floyd, der mit einer Reisetasche in der Hand offenbar tatsächlich betstrebt scheint, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Am Ende dieser Bewegung (eine der magischsten Plansequenzen des deutschen Kinos der 1990er Jahre, in einem an magischen Momenten reichen Film, man denke nur an die legendäre "Kickersequenz") gleitet die Kamera nach oben, während Floyd, an das Auto gelehnt, nach oben, in den Himmel blickt. Und in diesem Moment, "wo's am allerschönsten ist", springt die Platte, wiederholen sich die selben Takte mehrmals. If only...

Zwei Jahre zuvor war Giering, wie es so schön heißt, "über Nacht" durch eine ganz andere Rolle bekannt geworden: in Michael Hanekes Funny Games (1997) spielte er den Peter, einen der beiden weißgewandeten Folterknechte, die in Hanekes umstrittenem Lehrstück im Auftrag des Zuschauers (so zumindest Hanekes Konzeption) grausam foltern und morden. Davor hatte er Giering bereits in seiner Kafka-Adaption Das Schloss (1997) besetzt, nachdem er ihn in einer Fernsehproduktion entdeckt hatte, in der dieser einen Rechtsradikalen gespielt hatte. Auch die Rolle des Peter war ob ihrer diabolischen Qualitäten nicht wirklich die optimale Grundlage, um darauf eine große "Bilderbuch-Karriere" aufzubauen. So kehrte er bis zu Absolute Giganten - und auch danach - immer wieder zum Fernsehen zurück, spielte kleinere Rollen in größeren Filmen, größere Parts in kleineren Filmen. Fast immer aber haftete seinen Figuren ein melancholischer, zuweilen auch dämonischer Grundzug an, und immer wieder schien hinter der unscheinbaren Oberfläche eine existenzielle Einsamkeit - oder der Abgrund zu lauern, wie zuletzt in Keine Angst (2009) von Aelrun Goette.

So entschied sich auch seine Darstellung des Baader im gleichnamigen Film von Christopher Roth aus dem Jahr 2002 grundlegend etwa von der Darstellung Moritz Bleibtreus, der sechs Jahre später die gleiche Rolle im Baader Meinhof Komplex (2008) spielte. Obwohl Roth weitaus freier, weniger verbissen als Eichinger/Edel an und mit der Historie arbeitete, in einem "spielerisch angelegten historischen Vexierbild" (Lexikon des Internationalen Films) Verbürgtes, Anekdoten und Fiktion mischt und seinem Protagonisten in einem Showdown mit der Polizei einen heroischen Abgang gönnt, wirkt Gierings Baader - trotz aller Stilisierung und "Fiktionalisierung" - weitaus introvertierter und selbstzweiflerischer als der bei Eichinger/Edel.

Frank Giering. Foto: dpa

Danach war Giering leider nur hin und wieder auf der Leinwand zu sehen, etwa als Paul in Hans Steinbichlers Hierankl (2003) oder als "der junge Mann" in Romuald Karmakars Die Nacht singt ihre Lieder (2004) - fast immer aber Rollen, die nachhaltig im Gedächtnis blieben. In den letzten Jahren war er nahezu ausschließlich in TV-Produktionen zu sehen, vorwiegend in Krimireihen (Tatort und Polizeiruf 110) und Krimiserien wie SOKO Leipzig - oder zuletzt in Der Kriminalist, als Kriminalkommissar Henry Weber. Am Mittwochabend ist er nun mit gerade mal 38 Jahren in Berlin gestorben. Ein Verlust, der zumindest für mich - und vielleicht auch viele andere meiner Generation - nicht weniger schwer wiegt, nicht weniger betroffen macht als etwa das ebenfalls viel zu frühe Ableben Heath Ledgers vor zwei Jahren.

"If only... If only i could believe that tomorrow / When i wake from my sleep / That you'll still be with me" lautet der Chorus im Song von Sophia - schwer vorzustellen, dass Frank Giering morgen und die Morgen danach nicht mehr da sein wird, um weiteren Kino- und TV-Figuren seine melancholischen Gesichtszüge zu leihen. Hoffen wir, dass da wo er jetzt ist, tatsächlich immer Musik läuft...

Raritäten der Kinowoche vom 24.6 bis 30.6

von Ciprian David, am 23.6.10


CAPITOL UND PALATIN, Mainz

Hans Christian Schmid - Immer wieder Anders
vom 24.6 bis 30.6 je ein Film pro Tag
Am 29.6 ist der Regisseur sogar für ein Filmgespräch anwesend.


MAL SEH'N KINO, Frankfurt

Mi. 30.06. 20:00
Dokumentarfilm über die südafrikanische "Truth and Reconciliation Commission", die geschaffen wurde, um die Differenzen zu überbrücken, die Jahrzehnte der Apartheit hinterlassen hatten.
Psychoanalytische Interpretation: Dr. med. Norbert Spangenberg.
In Kooperation mit dem Institut für Psychoanalyse der DPG (Wdh. am 07.07.)

CINEMA QUADRAT, Mannheim

Frida (Julie Taymor, 2002)
Do, 24.6,19:30

Grindouse Nacht:
Terrifying Girls' Highschool: Lynch Law Classroom + Überraschungsfilm
Sa, 26.6, 21:30

1900- Gewalt, Macht, Leidenschaft (Bernardo Bertolucci, 1976)
Di, 29.6, 19:30

1900- Kampf, Liebe, Hoffnung (Bernardo Bertolucci, 1976)
Mi, 30.6, 19:30




Der Garten (Martin Sulik, 1995)
Fr,25.6, 20:00

Verlorenen Liebesmüh (Kenneth Branagh, 2000)

Mo, 28.6, 17:00

Moon (Duncan Jones, 2009)
Mi, 30.6, 20:00




Es lebe die Liebe (Erich Engel, 1943)
Fr, 25.6, 18:00

Affaire Blum (Erich Engel, 1948)
Fr, 25.6, 20:00

Frau über Bord (Wolfgang Staudte, 1944)
Mi, 30.6, 15:30


PUPILLE, Frankfurt


Deutscher Kurzfilmpreis unterwegs (Ausgezeichnete Kurzfilme)
Di, 29.6, 20:30

 

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