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Twilight: Eclipse - Bis(s) zum Abendrot

von Oliver Schmitt, am 31.7.10


Was macht die Faszination der Geschichte um Bella Swan (Kristen Stewart) und Edward Cullen (Robert Pattinson) aus? Nach zwei Wochen auf der Leinwand stellt der Besucherstrom zum dritten Teil der Reihe immer noch alles in den Schatten, was sich derzeit in den Kinos findet. Seit 2008 ist nun der Vampir gesellschaftsfähig geworden und liegt als romantische Figur im Trend des Fantastischen, das sich längst als feste Größe im Mainstream Kino etabliert hat.

Es scheint im Wechsel der Perspektive in der Vampir-Figur zu liegen, die im Werk von Stephenie Meyer noch deutlicher vollzogen wird, als in der bisherigen fortschreitenden Modernisierung der Vampir-Thematik, die in den Neunzigern mit Filmen wie Stephen Norringtons Blade begonnen hat. Einerseits finden sich Elemente der Vampir-Erzählung neueren Datums, wie das Umherwandeln der Untoten im Tageslicht, ihre Eingliederung in das normale Leben und Lösung der Frage des Blutdurst usw., andererseits rückt aber der romantische Aspekt so stark in den Focus, dass sich die Untoten in einem völlig untypischen Genre finden, dem Liebesfilm. Die filmische Umsetzung der Twilight-Reihe nimmt diese Marschrichtung wie in den vorangegangenen Teilen als zentrales Element ihres Ausdrucks und man findet sich in der kuschelweichen Traumwelt wieder, die so ganz anders ist als alles was den Mythos Vampir ausmacht.

Edward ist ein Vampir und Gentleman, er ist gebildet, höflich und, völlig unpopulär, die ikonographisch verbürgerlichte Version eines Vampirs. Er ist ein Rebel with a Cause, der von sich selbst sagt, er sei altmodisch, wie sehr das zutrifft, wird im neusten Teil der Reihe noch deutlicher als zuvor. Seine Werte und Vorstellungen sind radikal und konsequent konservativ, sie formulieren sich aus allem was die Gegenwartsgesellschaft im Zuge einer liberalen Haltung längst abgelegt zu haben scheint. Gebissen wird erst mit Trauschein, Edward verlangt von Bella ihn erst zu heiraten, bevor er einwilligt, sie zu einem Vampir zu machen. Sein Motiv war und ist die Liebe, in ihrer reinsten und ehrbarsten Form. Dem Vampir wird also in der Popkultur einmal mehr ein inhaltlicher Wechsel verpasst, von der aristokratischen Bestie zum Mittelstands-Vorzeige-Romeo. Die Frage, die sich stellt, ist, ob die realitätsferne Haltung Edwards ein, wenn auch unausgesprochenes, gesellschaftliches Traumbild, insbesondere weiblicher Vorstellungswelt, formuliert. Blickt man auf weitere literarische Produkte, so stellt man sehr schnell fest, dass Fangzähne nach wie vor Hochkonjunktur haben und in der Regel aus der Feder weiblicher Autoren stammen, die sich auffällig am romantisch männlichen Vampir bedienen, wie Lisa J. Smith (Vampire Diarys) oder Charlaine Harris (Sookie Stackhouse Serie), beide mit einer TV-Umsetzung geadelt. Visionen männlicher Autoren, wie Joss Whedons TV Serie Buffy the Vampire Slayer, scheinen sich nicht mit der femininen Variante zufrieden zu geben. Mit dem Vampir Angel (David Boreanaz), wurde ein prototypischer moderner Vertreter geschaffen, der aber noch, ganz anders als Edward, an der Tragik seiner Natur scheitert und keine dauerhafte Beziehung mit der Protagonistin eingehen kann. Eine blutsaugende weibliche Heldin dagegen scheint auf der Leinwand bisher eher unterrepräsentiert und weniger erwünscht zu sein, findet sich aber in einzelnen Fällen, wenn auch weniger in der gefühlsbetonten Form, wie zuletzt in der Underworld -Trilogie mit der Vampirin Selene (Kate Beckinsale).

Es mag also ein, vorwiegend weiblicher, Wunsch in die Waldlandschaften um Forks, der Wahlheimat der Cullen-Familie, eingeschrieben sein, durch die uns die nach wie vor ansehnlichen Naturbilder der Serie führen. Der sehnliche Wunsch nach der wahren, reinen Liebe, die sich nicht in den Straßen der großen Städte findet sondern dort im unberührten, idyllischen Wald zu finden ist, weit weg von der Zivilisation mit ihren Zwängen und Verlockungen. Schon das Setting der Reihe gewährt dem Mythos der wahren Liebe Raum, macht Forks zu einem magischen Ort, an dem diese Wunschvorstellung auf ihre Art eine Berechtigung findet. Der Film führt uns in das Herz der Zweisamkeit der Liebenden und inszeniert dies zum Anfang und zum Ende auf blumigen Lichtungen in goldenem Schein. Wenn Edward dann mit glitzernder Haut nichts weiter als einen Kuss von seiner Geliebten einfordert oder ihr einen Antrag macht, erfüllen sich Vorurteil und Wunsch gleichermaßen, je nach Geschlecht und Ungeduld des Kinobesuchers. Wer es denn möchte, der darf gerne von einer moralischen Anstalt sprechen oder eben doch von einer sehr langatmigen Verführung. Vampire, bekanntermaßen unsterblich, haben neben großer Moral nun auch mal sehr viel Zeit fürs Vorspiel.



Die Romanze der beiden ersten Teile geht in die Phase der Entscheidung über, die Frage nach der Zukunft des Paares. Die Highschool endet und für Bella wird es Zeit zu wissen, was sie will. Aber bis das feststeht wird noch einmal sehr viel Liebe geschworen, Liebe bewiesen und gekämpft. Immerhin gibt es da noch die Dreiecksgeschichte mit Jacob (Taylor Lautner), dem Werwolf mit den vielen Muskeln, der nach wie vor ein Auge auf Bella geworfen hat und diese nicht so einfach aufgeben will. Außerdem taucht eine Horde Jungvampire auf, als Instrument der Rache von Victoria (Bryce Dallas Howard), jener Vampirin, die nach wie vor um den Verlust ihres Geliebten trauert, den die Cullens vernichten mussten um Bella zu retten. Victoria lässt, zunächst noch im Hintergrund agierend, durch Riley (Xavier Samuel), einem von ihr geschaffenen, ihr völlig hörigen Vampir, die Armee im nahegelegenen Seattle aufbauen, in dessen Straßen es bald zu zahlreichen gewaltsamen Übergriffen durch die ungestümen Neugeborenen kommt. Auch treten die Volturi, jener archaische Vampir-Kontrollrat, wieder auf den Plan, die sicherstellen wollen, dass Bella ihre Ankündigung aus dem vorherigen Teil, Vampir zu werden, auch wirklich wahr macht. Alles spitzt sich auf eine Schlacht in den Wäldern zu. Bella steht im Zentrum aller Handlungen, die Sorge um ihr Wohlergehen bringt Werwölfe und Vampire letztlich aber dazu, ihre uralte Feindschaft abzulegen und gemeinsam die Bedrohung von Außen abzuwehren.



Regisseur David Slade inszeniert alle Szenen wie auch seine Vorgänger Catherine Hardwicke (Twilight – Bis(s) zum Morgengrauen, Dogtown Boys) und Chris Weitz (New Moon – Bis(s) zur Mittagsstunde, Der goldene Kompass) durchaus zielgruppenorientiert, mit einem Minimum an Gewalt und einem gehörigen Schuss Weichzeichner. Alles, was auch nur entfernt ausarten könnte, wird mit gewaltfreier Symbolik gefüllt. In den meisten Fällen wird diese nur angedeutet, nichts stört die Idylle der Traumwelt, wenn Vampire zerrissen werden, zerfallen sie zu silbrigem Stein. Auch wenn der Trailer ein düsteres Kapitel der Twilight Reihe verspricht, so wird Werwolf immer noch zum Schmusetier und Vampir zum zahnlosen Gesellen.

Bella wird letztlich bewusst, dass Entscheidungen auch Konsequenzen haben, ein großer Schritt im Erwachsenwerden wird vollzogen, indem sie erkennt, wie nötig es ist sich über seine Gefühle im Klaren zu sein und auch danach zu handeln. Diese Erkenntnis löst die Dreiecksgeschichte auf und lässt Jacob als besten Freund zurück, in den sie zwar verliebt ist, aber eben nicht so sehr wie in das Wesen, für das sie sich längst entschieden hat, Edward. Damit vollzieht sich die einfache Botschaft des Films, der nichts weiter ist als eine simple Liebesgeschichte um ein Paar, das in einer Welt zusammenkommen will, die dies fast unmöglich macht. Bellas Entscheidung entmystifiziert ihren Partner auf gewisse Weise, sie ist von nun an selbst verantwortlich, bereit sich zu verändern, von nun an wird sie keinen Beschützer mehr brauchen, befindet sich auf Augenhöhe.



In einer weltlichen Erzählung wäre das ein ausreichender Schluss, auf den in knapp 90 Minuten hingearbeitet werden kann, der fantastische Liebesfilm darf sich gern einmal mehr Zeit lassen. Doch schon jetzt steht fest, dass noch ein Buch aussteht und wie wirkliche Fans wissen, noch zwei weitere filmische Groschenromane aus dem Material entstehen werden. Aber allen Ungeduldigen sei gesagt, irgendwann, dann … endlich, tun Bella und Edward ES und man kann sich sicher sein, dass dies nicht ganz so einfach sein wird. Bis dahin lasse man sich in der Traumwelt, in den herrlichen Wäldern im amerikanischen Nordwesten treiben und nehme das Ganze nicht zu ernst, genieße die gelungenen Bilder zweier Liebender auf blumigen Lichtungen und überhöre dabei die Dialoge, an einem regnerischen Sommerabend nicht das Schlechteste wenn man einen Hang zur verklärten Romantik hat.

Twilight: Eclipse - Biss zum Abendrot (The Twilight Saga: Eclipse)
R: David Slade
D: Kristen Stewart, Robert Pattinson, Taylor Lautner, Bryce Dallas Howard
USA, 2010, 124 Min
FSK 12
Concorde Filmverleih
Kinostart: 15.07.2010

Predators

von Dennis Vetter, am 31.7.10



Das 80er Jahre Action Kino ist schon ein kurioses Sammelsurium von schrägen Figuren, skurrilen Plots und vor allem hanebüchenen Dialogen. Dennoch entstanden in dieser Zeit einige Stoffe, die – wenn sie auch teils deutlich in ihrem Zeitkontext verhaftet sind – heute noch funktionieren. Einer der bekanntesten Höhepunkte dieser Kinoära ist wohl der Film Predator von 1987, den Action Experte John McTiernan ein Jahr vor seinem noch erfolgreicheren Blockbuster Die Hard fertig stellte. Das Konzept des Films war simpel: Eine Gruppe von Elitesoldaten um Allround-Kampfmaschine Arnold Schwarzenegger wird in den Dschungel Süd-Amerikas geschickt, um ein Guerillacamp auszuradieren und vermisste amerikanische Soldaten ausfindig zu machen. Während ihrer Mission stoßen die muskelbepackten Tough-Guys auf einen garstigen, außerirdischen Jäger, der es sich aus reiner Schadenfreude zum Ziel gesetzt hat, mit seiner überlegenen Technik und Körperkraft ein Gruppenmitglied nach dem anderen brutal umzubringen.

Ähnlich wie ein Jahr zuvor im Sequel zu Ridley Scotts Alien stand hier die Kombination von Horrorelementen mit der actionlastigen Präsentation einer detailliert ausgearbeiteten Alienspezies im Zentrum des Films. Ein Konzept, das bei beiden Filmen hervorragend funktionierte und überzeugende, sehr stimmungsvolle Szenarien hinterließ. In beiden Fällen wurde durch die überlegenen Gegenspieler in großem Maße die in den 80er Jahren verbreitete Überbetonung von Waffengewalt demontiert und den Figuren blieb als einziger Ausweg ihr Intellekt – was letztenendes in einer Annäherung an die faszinierenden, außerirdischen Gegenparts und in der direkten, körperlichen Konfrontation mündete.

Der Erfolg der beiden Spezies beim Publikum zog im Falle von Predator ein missglücktes und im Falle von Aliens (James Cameron) zwei nicht wirklich gelungene Sequels nach sich. In jüngster Vergangenheit erfuhren die Stoffe eine Wiederbelebung im Rahmen der Aliens vs. Predator-Reihe. Was als Videospiel zahlreiche Möglichkeiten bot und dank großer Sorgfalt hervorragend funktionierte, scheiterte in bisher zwei Verfilmungen des Konzeptes fatal. Denn das Prinzip dieser Leinwandadaptionen ist eher simpel: Man nehme einige Menschen und konfrontiere sie mit möglichst vielen Aliens und Predators, auf das hieraus ein effektgeladenes Actionspektakel entstehe. Insbesondere die Predator-Anhängerschaft wartet somit seit rund 20 Jahren auf eine ernstzunehmende, filmische Fortsetzung des Stoffes, die dem Original gerecht werden kann. Seit einiger Zeit verspricht Predators mit seinem an die Alien-Fortsetzung angelehnten Titel, einem hochinteressanten Cast (u.a. Adrien Brody & Laurence Fishburne), dem ungarischen Regisseur Nimród Antal (Kontroll) sowie Robert Rodriguez als Produzent, diese Lücke zu schließen. Das Resultat ist seit dem 22.07. im Kino zu sehen und recht unerwartet ausgefallen, für einige sicherlich enttäuschend und nicht völlig zufriedenstellend, aber je nach Betrachtungsweise sehr unterhaltsam.


Der Plot des Films bietet zunächst nicht wirklich Überraschungen. Ein Haufen von Söldnern aus aller Herren Länder kracht mit Fallschirmen – und natürlich bis an die Zähne bewaffnet – in ein unbekanntes Walgebiet und geht sich gegenseitig an die Gurgel. Zwischen lautem Schreien, Kugelhagel und aufkommenden Faustkämpfen behält einer sofort die Ruhe und schafft souverän Ordnung. Das Ergebnis: Die zusammengewürfelte Truppe überwindet schnell ihre Verwirrung, beruhigt sich und wird sich darüber klar, dass sich keiner über die Umstände der Situation im Klaren ist. So weit so gut. Die Suche nach Orientierungspunkten steht an, hilft aber spätestens beim Anblick fremder Planeten am Horizont wenig weiter und führt die Zweckgemeinschaft bloß in die Arme wütender, außerirdischer Jagdhunde. Schnell ist also die Grundsituation des Films geklärt. Eine außerirdische Spezies – eine detaillierte Beschreibung erübrigt sich wohl nach den zahlreichen Medienauftritten der Predators – hat sich auf der Erde gnadenlose Jäger und Mörder gesucht, um sie auf einem Dschungelplaneten als Trainings-Beute für die eigenen Krieger auszusetzen. Natürlich kennt ein Gruppenmitglied die Geschehnisse des Originalfilms und so ist bald ein Plan entworfen: Egal wie viele von ihnen da draußen sind, sie sollen sterben!


Was nun folgt, kann sich jeder Kenner der bisherigen Filme zum Thema vermutlich in etwa denken und fragt sich weniger was denn passiert, sondern eher wie es passiert. Genau hierin liegt die Besonderheit von Nimród Antals Adaption des Stoffes. Was den Zuschauer erwartet ist der gelungene Versuch, möglichst viele der Stärken des Original-Predators zu übernehmen, jedoch ohne sich dabei der Lächerlichkeit preiszugeben oder in ein sinnfreies Spektakel im Stil der AvP-Reihe zu verfallen. Sein Ausweg aus diesem Dilemma: Er präsentiert Predators mit einem gewaltigen Augenzwinkern. Schon ein Blick auf die zusammengewürfelte Protagonistentruppe, bestehend unter anderem aus einem Yakuza-Killer, der im Anzug durch den Wald stapft, einem mexikanischen Drogengeldeintreiber (unmöglich ernst zu nehmen: Danny Trejo!), einem Serienkiller, einem Ellen Ripley-Verschnitt und natürlich dem völlig überzeichneten Anführer der Truppe (Adrien Brody), die allesamt klischeebeladener kaum sein könnten, entlarvt jeden Ansatz von Ernsthaftigkeit als spöttisch zu belächelnde Illusion. Predators reiht mit großer Freude Plottwists, die absurder kaum sein könnten, drastisch überstilisierte Passagen (Duell auf der Wiese!) und Dialoge, die selbst zu Zeiten des Originals übertrieben gewirkt hätten, ohne Gnade aneinander und macht so bei ironischer Betrachtung mit einem Bier in der Hand einen Heidenspaß.


Zwischen den actiondominierten Passagen des Films, deutet Antal hin und wieder Handlungsmotive an, die das inhaltliche Potenzial des Originals aufgreifen, beispielsweise in dem er die fragwürdige Natur der Protagonisten anspricht. Er belässt diese Motive jedoch stets bei einer kurzen Erwähnung, übersteigert sie bis ins Absurde (Die Ereignisse in der Grube zum Schluss des Films) und spricht ihnen so letztlich jede Bedeutung ab. Predators macht Spaß, ja, vielleicht ist er auch die einzig mögliche Neuauflage der Vorlage im heutigen Kontext. Dennoch geben Antal und Rodriguez hier einen der spannendsten Science Fiction Stoffe der jüngeren Vergangenheit endgültig der Lächerlichkeit preis und werden damit sicherlich so manchen Predator-Fan sehr und vor allem endgültig enttäuschen.

Predators
R: Nimród Antal
D: Adrien Brody, Topher Grace, Alice Braga, Walton Goggins, Oleg Taktarov, Laurence Fishburne, Danny Trejo
USA 2010, 107 Min.
Copyright: 20th Century Fox
Kinostart: 22.07.2010

DVD: My Sassy Girl

von Ciprian David, am 31.7.10


„Koreaner lieben Melodram“ lässt Regisseur Jae-yong Kwak seinen Protagonisten in My Sassy Girl sagen, und die Erfahrung bestätigt diese Aussage für den Rest der Welt: Melodramen befinden sich meistens an der Spitze der Kinocharts. Große Gefühle, Melodramatik und ein originelles Drehbuch machten auch diesen Film zur erfolgreichsten Liebeskomödie Koreas.

Doch was macht My Sassy Girl besonders? In den letzten Jahren haben einige ähnlichen asiatischen Filme die Herzen der westlichen Zuschauer erobert. Filme wie Chan-wook Parks I’m a Cyborg but That’s OK, wie Sion Sonos Love Exposure oder wie Jae-yong Kwaks späterer Film Cyborg She verwenden alle das gleiche Rezept. Ein junges Paar, der Junge noch nicht erwachsen, das Mädchen ein origineller Typ mit Tendenz zur Exzentrik, muss eine Serie von Konflikten überwinden, um schließlich zueinander zu finden. Meistens werden diese Konflikte von einer Reihe von merkwürdigen Ereignissen gerahmt, die teils von der Natur des Mädchens ausgelöst werden, teils durch äußere Ursachen, und durch die der Jungen mehrere Proben zu bestehen hat. Im Kern ein pures Hollywood-Rezept, das vielleicht vom Weg Harrison Fords als Indiana Jones zur goldenen Statue im Tempel am besten in einer Szene synthetisiert wird. Doch in all diesen Filmen schaffen es die Regisseure ihre markante Autorenpatine zu hinterlassen, wodurch sie einen Mehrwert als Teil eines Gesamtwerks des Regisseurs gewinnen. My Sassy Girl war insofern bahnbrechend, als dass er der Wegbereiter für diese anderen Filme war, der Film, der sich traute, verrückt genug zu sein, um zu entzücken, und konventionell genug, um erfolgreich zu sein.

Die Boy meets Girl Geschichte ist in My Sassy Girl eine der Unterjochung des Jungen durch das autoritäre und eigenwillige Mädchen. Wenn beim Kennenlernen der Zufall dafür sorgte, dass er, Kyun-woo (Tae-hyun Cha), sich um sie (Gianna Jun) kümmert, sich für sie prügeln, demütigen oder einsperren lässt, dann machte ihr Charakter diese Art von Geschehnissen zwischen den beiden zum Ritual. Ihr Eigensinn prägt nicht nur ihre Beziehung, sondern auch die Handlung und die Dramaturgie des Films, ihn zu einem unkonventionellen und dadurch umso genießbareren Streifen machend. Passenderweise macht das formelle Gerüst des Films mit: Szenen werden oft elliptisch oder ohne Kausalitätsbezüge aneinandergereiht oder unterbrochen. Die Impulsivität des Mädchens, der Verlauf der Beziehung zwischen den beiden und die Konstruktion des Films unterliegen alle zum großen Teil dem Zufall. Es geht so weit, dass der Zuschauer sich plötzlich in humorvollen Exkursen in im ursprünglichen Film gerahmten Filmen befindet, um über traditionelle asiatische Genres und ihre Kernaussagen vis à vis von Paaren zu schmunzeln, und um dann einen Schnitt weiter wieder vom Humor des eigentlichen Films zu kosten. Doch - dem Zufall soll man eine Brücke bauen – eine neue Ebene macht sich auf, und rahmt den in zwei Hälften plus Verlängerung organisierten Film. Während er sich verliebt, ringt sie damit, den verstorbenen Anderen zu vergessen.

My Sassy Girl ist sicherlich kein schlechter Film, aber er hat seine Schwächen. Trotz aller vermittelten Spontaneität und Frische der Handlungseinfälle, trotz seiner lebensnahen und gleichzeitig phantastischen Umsetzung der Liebesgeschichte, zählt er auch nicht wenige abgenützte Szenen, die ihn einem Teil seines Glanzes berauben. Ebenso schwankt es auch auf der Schauspielebene, zwischen höchstqualitativen Augenblicken und welchen, die als unpassend überzeichnet enttäuschen. Besonders ein Vergleich mit Cyborg She hebt den am Anfang seiner Karriere noch leicht unsicheren Ausdruck von Jae-yong Kwak hervor.
Die um einige Minuten gekürzte Kinofassung des Films erschien bei Splendid Film im Rahmen des Sublabels Amasia. Zu den Extras gehören ein ausführliches, vielmehr zeitfüllendes als informatives Making of und einige kurze Interviews mit dem Regisseur und den Hauptdarstellern.





My Sassy Girl / Yeopgijeogin geunyeo
R: Jae-yong Kwak
D: Tae-hyun Cha, Gianna Jun
Südkorea, 2001, 119 Min.
Splendid Home Entertainment

Veröffentlichung: 25.Juni.2010
Bildformat: 1.78:1 (16:9 Anamorph)
Sprachen: Deutsch DD 5.1, Koreanisch DD 2.0
Untertitel: Deutsch
FSK 12
Extras: Making-of, Interview mit Regisseur und Protagonisten.

DVD: Time of the Gypsies

von Ciprian David, am 30.7.10



Der Film, so wie er mal war, liegt im Sterben - sagt Emir Kusturica und seine Filme sind eine Spritze, die das Weiterleben des Mediums sichert. Schon mit seinen ersten Filmen erlangte er internationale Aufmerksamkeit - spätestens die Oscar-Nominierung für Papa ist auf Dienstreise machte ihn zu einer Weltgröße. Seit Time of the Gypsies zählt Kusturica sogar zu den Regisseuren, die den Preis für die beste Regie in Cannes überreicht bekommen haben.

Die Konstanten, die sich im Werk des Regisseurs aus Sarajewo immer wieder finden lassen, etablierten Kusturica als einen der repräsentativsten Regisseure Osteuropas. Die von ihm erschaffenen filmischen Welten sind immer ein Kollisionspunkt zwischen einem hartem Realismus, einer phantastischen Welt von Mythen, Legenden und Glauben, und einem oft bis ins Groteske getriebenen Humor. Seine Protagonisten sind meistens Roma, und somit immer Außenseiter. Die von Kusturica porträtierten Roma-Gemeinden lassen sich am besten als Hybriden zwischen Kulturen beschreiben. Oft mehrere Sprachen sprechend, weisen die Protagonisten der Filme eine ausgeprägte Flexibilität in Sachen Kultur und Mentalität auf.

So folgt man in Time of the Gypsies dem jungen Perhan auf eine Reise des Erwachsenwerdens. Eine in auffällig minutiös konstruierten und fotografierten Szenerien erzählte Reise, die, ausgehend von einem kleinen Zigeunerdorf, bis nach Italien geht, durch die harte Realität der Zigeunergemeinden sowie durch mystische Traumwelten. Der inzwischen verstorbene Davor Dujmovic verkörpert in Perhan einen Weisen, der bei seiner Oma (Ljubica Adzovic) aufwächst. Sein Erbe ist ein Teil der magischen Kräfte seiner Großmutter – er kann Metallobjekte telekinetisch steuern, aber mit seinen Eltern verbindet ihn lediglich die Sehnsucht nach dem schönen Bild von der Mutter. Sein Weggefährte ist zunächst ein Truthahn, der ihm auf Schritt und Tritt folgt, und mit dem er imstande ist zu kommunizieren. Auch wenn das Tier im Kochtopf landet, bleibt er bei Perhan in dessen Träume.

Nicht nur Symbole und Träume prägen die Welt, in der Perhan reist, sondern auch die stark konturierten Nebencharaktere. Von seinem Onkel (Husnija Hasimovic), der in der armen Realität als Verlierer haftet und dessen Träume ihren Höhepunkt in der verklärten Vorstellung vom Deutschland der Gastarbeiter erreichen, bis hin zu Ahmed (Bora Todorovic), der Anführer einer Gruppe von Zigeunern, die in Mailand durch Betteln, Diebstahl, Prostitution und Kinderhandel ihr Geld verdienen. Perhan findet in Ahmet einen Vater, dieser in dem Jungen den ersehnten Sohn. Während der Junge durch die Vaterfigur die Welt der Unehrlichkeit kennenlernt, eine Welt, vor der ihn seine Oma früher schützen konnte und gegen welche sich in der Gegenwart des Mannwerdens nur noch Träume aufrichten, lernt Ahmet durch Perhan Ehrlichkeit kennenlernen. Eine Ehrlichkeit, die es aber in der Welt der Zigeuner, in der Welt der Anpassung an die Umwelt, nicht geben kann. So entsteht zwischen den beiden der größte Konflikt ihres Lebens. Dass aber ein Universum bei zwei Charakteren nicht aufhört, beweist die Natur dieses Konflikts: alle Charaktere sind mehr oder weniger Teil davon und beeinflussen die Wendungen in seiner Entwicklung.

Und nach demselben Prinzip schafft es Kusturica anhand von der Geschichte eines Jungen eine ganze Gesellschaft mit seinem Time of the Gypsies zu porträtieren. Eine Gesellschaft, die zwischen zwei Welten haftet, eine, mit der Gott nichts anfangen konnte und sich daher von ihr abgewendet hat, eine, die sich je nach Situation anpasst und modellieren lässt, nur um weiter zu bestehen. Eine Welt der Verlierer, der zusammengebastelten und improvisierten Realitäten und Träumen, der Änderungen und Unstetigkeit ist die Wirklichkeit der Zigeuner bei Kusturica.

Mit der Veröffentlichung dieses Films auf DVD setzt Winkler Film seine engagierte Arbeit fort, die beträchtlich zur Aufbewahrung des filmisch-kulturellen Gedächtnisses in Deutschland beiträgt. Zur Veröffentlichung gehört als Bonusmaterial ein exklusives und ausführliches Interview mit Emir Kusturica, in dem der Regisseur seine Position in der Welt der Filmemacher, seine Ansichten über Filmdreh, Filmsprache, Schauspieler, aber auch seinen Bezug zur Roma-Gemeinschaft und zu einigen seiner Filme erklärt.





Time of the Gypsies / Dom za vesanje
R: Emir Kusturica
D: Davor Dujmovic, Ljubica Adzovic, Bora Todorovic, Husnija Hasimovic
Großbritannien, Italien, Jugoslawien, 1988 (2010), 137 Min.
Winkler Film

Veröffentlichung: 3.Juli.2010
Bildformat: 1,78:1 anamorph (16:9)
Sprachen: Deusch DD2.0 Mono, Romanes DD2.0 Mono
Untertitel: Deutsch
FSK 16
Extras: Trailer, Interview mit dem Regisseur (EmDtU), alternatives Ende.

Inception: Interpretationen und Spekulationen (Spoiler)

von Elisabeth Maurer, am 28.7.10


Dieser Text enthält seiner Natur gemäß Spoiler!

Am Donnerstag startet Inception in den deutschen Kinos. Lange erwartet, ist schon jetzt klar, daß der Film von Christopher Nolan eines der Highlights des Kinojahres 2010 darstellt. In einigen Ländern läuft Inception schon seit einigen Tagen und spätestens seitdem häufen sich im Internet und anderswo die Interpretationsansätze. Denn zu Spekulationen ruft der Film an zahlreichen Stellen auf.

Da mit dem Kinostart auch in Deutschland die Diskussionen entfacht werden, wenn sie nicht ohnehin schon durch Filmkritiken und ähnliches in Gange sind, versucht dieser Artikel, schon bestehende Interpretationsversuche vorzustellen. Natürlich wird kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben und falls jemand andere, selbstverständlich auch eigene Spekulationen teilen möchte, würden wir uns über zahlreiche Kommentare freuen! Dieser Text soll außerdem mehr zur Diskussion anregen anstatt jede Spekulation in jeder ihrer Einzelheiten wiederzugeben.

Es bleibt noch vorab zu sagen, daß zwar immer die Quelle angegeben wird, durch die ich auf die jeweilige Interpretation gestoßen bin, aber natürlich nicht immer klar ist, wer eigentlich Urheber einer Idee zu Inception ist.
Darüber hinaus ist zu empfehlen, sich natürlich erst mit den unterschiedlichen Gedanken zu beschäftigen, nachdem der Film gesehen wurde.



Interpretation 1: Cobb ist am Ende im Limbus

Zu dieser Idee ist keine Quellenangabe notwendig, denn jeder Zuschauer wird sich am Ende des Films zumindest diese eine Frage gestellt haben: Ist das wirklich die Realität? Denn als Cobb am Ende endlich zu seinen kleinen Kindern zurückkehrt, stößt er noch schnell den Kreisel an, der sein Totem ist. Die letzte Einstellung zeigt diesen wie er ins Trudeln gerät, seinen Fall sehen wir aber nicht. Nach den Gesetzen des Films muß sich ein jeder ein Totem aussuchen, dessen Eigenschaften nur er kennt. Cobb orientiert sich an dem Kreisel, der im Traumzustand ewig weiterkreist. Für diese Interpretation spricht, daß Cobbs Kinder an derselben Stelle und scheinbar unverändert sind, seit er sie das letzte Mal vor seiner Flucht aus den USA gesehen hat. Zudem ist Miles plötzlich auch in den USA, den er kurz zuvor noch in Paris traf. Und es kommt nach dem Aufwachen der Gruppe im Flugzeug zu keinem Gespräch mehr. Auch kann die Frage gestellt werden, ob Saito wirklich Cobb durch einen einzigen Anruf von seiner Mordanklage befreien kann.
Selbstverständlich gibt es keine stichhaltigen Beweise für diese Theorie. Auch erscheint diese Lösung des Films irgendwie zu einfach, ein derartiger Schluß unangemessen für die komplex erzählte Geschichte.
Zu bemerken ist, daß Cobb sonst immer sehr genau sein Totem beobachtet, um sich absolut sicher zu sein, daß er nicht träumt. Hier nun läßt er es einfach auf dem Tisch und läuft zu seinen Kindern. Dies heißt, daß die Situation vor allem für den Charakter Cobb die Realität darstellt, daß er das Geschehen nicht in Frage stellt. Mag es für den Zuschauer auch Zweifel geben, für ihn hat sich sein größter Traum erfüllt. Dies beinhaltet, egal wie das Ende interpretiert wird, eine Wandlung des Charakters, der sich von seinen Dämonen befreien konnte und dadurch seine Verbissenheit verliert, sich dem eigentlich Wichtigsten in seinem Leben widmet.

Interpretation 2: Cobb träumt seit er das Sedativum bei Yusuf probiert hat

Auf der amerikanischen Seite Cinematical hat Peter Hall eine ähnliche Zusammenstellung von Ideen zu Inception veröffentlicht, durch die ich auf diese Interpretation gestoßen bin und die durchaus nachvollziehbar erscheint.
Das starke Sedativum, das Yusuf seinen Kunden verabreicht, wird vor allem von den Kunden geschätzt, die auf andere Art nicht mehr zum Träumen in der Lage sind. Yusuf äußert die Vermutung, daß auch Cobb dieses Stadium erreicht haben könnte. Nachdem er aufwacht, steht er vor einem Spiegel und läßt sein Totem kreisen. Hinter einem Vorhang sieht er plötzlich die Gestalt seiner Frau Mal. Sonst taucht sie nur in seinen Träumen auf, was ein Hinweis darauf sein könnte, daß er immer noch in einem Traum ist. Auch kann er seine Situation nicht mit Hilfe seines Totems überprüfen, da Saito hereinkommt und Cobb den Kreisel schnell versteckt.
Interessant ist die Idee, da Yusuf bemerkt, daß seine Kunden zu ihm kämen nicht um zu träumen, sondern um endlich aufzuwachen. Cobb würde also auch nur noch in seinen Träumen ein wirkliches Leben führen können.

Interpretation 3: Alles ist Cobbs Traum

Dies ist die von vielen geteilte Idee des Films, zum Beispiel von Devin Faraci auf Chud. Auch die nachfolgen Theorien sind auf dieser begründet. Cobbs Vorname lautet Dom, was für "dominant" stehen kann und unterstreichen könnte, daß er die ganze Zeit über der Träumer und somit Subjekt ist. Einiges in dem Film bleibt unerklärt, so zum Beispiel, wie es überhaupt möglich ist, sich in die Träume anderer hineinzubegeben. Daß wir wenig über die Welt, in der der Film spielt (sie scheint unserer sehr ähnlich zu sein, vielleicht soll sogar der Eindruck erweckt werden, daß heutzutage eine solche Technologie existieren könnte), könnte ein Indiz dafür sein, daß wir in einem Traum sind, wo eben nicht alles erklärt wird und wo wir an Cobbs innerer Welt Teil haben. Auch finden sich Dialogzeilen, die in diese Richtung interpretiert werden können, so zum Beispiel Miles Aufruf an Cobb, in die Realität zurückzukehren.

Interpretation 4: Alle ist Cobbs Traum und Mal versucht ihn zu retten

Wenn der ganze Film aber ein Traum von Cobb ist, was ist dann mit seinem Totem? Schnell erinnert sich der Zuschauer daran, daß dieses zuvor seiner Frau Mal gehörte und er es erst nach ihrem angeblichen Selbstmord an sich nahm. Das heißt, daß sie natürlich alle Eigenschaften des Kreisels kennt. Cobb könnte im Limbus sein und Mal nicht tot, sondern in der Realität, und von dort auch versuchen, ihren Ehemann zu retten. Daher will Mal immer, daß Cobb Selbstmord begeht, denn dies könnte ihn befreien. Cobb selbst soll ja seine Frau damals aus dem Limbus befreit haben. Auch wird gezeigt, daß Mal dort in einem Safe ein Geheimnis ihrer Kindheit versteckt hat. Doch ist dieses nie zu sehen, daher könnte es sich dabei vielleicht auch um Cobbs Vergangenheit handeln. Und er könnte es sein, der in der Traumwelt feststeckt.

Interpretation 5: Alles ist Cobbs Traum und er durchgeht eine Katharsis (Analyse durch Archetypen nach C. G. Jung)

Auf Cinemablend findet sich eine ausführliche Interpretation des Films von Rich Knight, der Inception mit Hilfe der Jungschen Archetypen untersucht. Alle Charaktere sind nur Facetten seiner Selbst und erst am Ende des Traums ist ihm eine Konfrontation mit seinem Konflikt möglich, der zu einer Reinigung führt.
Am besten ist diese Theorie direkt bei Knight nachzulesen, da sie dort recht gut dargelegt wird. Ich nenne nur kurz die Interpretationen der Charaktere, aus der aber auch schon einiges abzulesen ist. In Knights Analyse steht Mal für den Archetyp des Schatten. Dieser stellt eine dunklere Seite der eigenen Persönlichkeit dar. Interessant ist in diesem Zusammenhang natürlich der Vorname von Cobbs Ehefrau, da „mal“ mit „schlecht“ oder „böse“ übersetzt werden kann. Nur die Auseinandersetzung mit seiner eigenen bösen Seite kann die inneren Konflikte lösen. Desweiteren besetzt Arthur den Archetyp des Helden und Saito den des Vaters, beide Figuren besitzen Kompetenzen, die Cobb gern selbst haben würde. Eames ist der Schwindler, der aber den Überblick über die einzelnen Level behält. Fischer steht für das Kind und Ariadne für die Anima, die weibliche Seite des Mannes. Miles ist der Archetyp des weisen alten Mannes und Yusuf das Selbst, die Verbindung von Realität und Traum. Cobbs Traum stellt eine Mission dar, die all diese Archetypen zusammenbringt und sie zu einem Zusammenspiel zwingt.
Denkbar wäre bei dieser Lesart auch, daß Cobbs wahrer Konflikt ein anderer ist, den er nur in dieser Geschichte verpackt, es könnte also gar nicht um den Tod seiner Frau gehen.

Interpretation 6: Alles ist Cobbs Traum und Ariadne seine Therapeutin

Hal Phillips entwirft auf seinem Blog die Idee, daß Ariadne eine Inception bei Cobb durchführt und ihm einen Gedanken einpflanzen will, damit er den Tod seiner Frau bewältigen kann. Ariadne würde in diesem Zusammenhang den Mr. Charles für Cobb spielen. Da sie ihm als Neuling präsentiert wird, muß er nicht mißtrauisch werden. Auffälligerweise ist es immer Ariadne, die sich um Cobbs psychische Konflikte kümmert und nicht sein langjähriger Vertrauter Arthur. Nach dieser Idee wären dann alle Zufälligkeiten wie zum Beispiel der Schuß Mals auf Fischer Teil von Ariadnes Plan. Ihr sehr bedeutungsgeladener Name unterstützt diese Interpretation, ihr Ariadnefaden lotst Cobb aus seiner Traumwelt.

Interpretation 7: Inception als Metapher für Film

Selbstverständlich können mehrere dieser Spekulationen auch zusammengebracht werden, zum Beispiel Version 5 und 6. Diese letzte Idee kann ebenfalls mit allen kombiniert werden und ist wohl ohnehin eine fast zwangsläufige Interpretation zu Nolans Film. Devin Faraci führt in seinem Text auf Chud die Theorie sehr tiefgehend aus, zieht auch Vergleiche zu anderen Filmen wie Inglourious Basterds und 8 1/2. Zwischen Traum und Film wurde schon oft eine Verbindung gezogen. In Inception stellen die Architekten der Traumwelt die Filmemacher dar, die eine Welt für den Zuschauer erschaffen und durch verschiedene Tricks und Ebenen versuchen, ihn immer mehr in ihre Ideen mit hineinzuziehen und ihn aber gleichzeitig nach ihren Vorstellungen zu leiten. In diesem Fall steht Fischer für das Publikum, das sich von der Filmhandlung verführen läßt. Ariadne ist die Drehbuchautorin, Arthur der Produzent, Eames der Schauspieler, Saito der Geldgeber, Yusuf der Techniker und Cobb natürlich der Regisseur. Mals Charakter hingegen steht dann für die persönlichen und künstlerischen Probleme, die der Regisseur mit in seine Arbeit bringt und die ihn auch an ihr hindern können gleichzeitig aber auch anzutreiben vermögen. In dieser Interpretation wird Inception womöglich mitunter zu einem autobiographischen Film.

Wenn überhaupt könnte nur eine eindeutige Äußerung Christopher Nolans die Frage klären, ob eine dieser Interpretationen intendiert war. Womöglich ist ja auch von Beginn an der Film auf Mehrdeutigkeit angelegt, sowie Träume eben auch gleichzeitig Verschiedenes und zur selben Zeit nichts bedeuten können.

Trotzdem ist es spannend und kaum vermeidbar, nach dem Sehen des Films über seine Geschichte zu spekulieren. Wir würden uns freuen, wenn Ihr reichlich kommentiert, Eure eigenen Überlegungen kundtut, sagt welche Interpretation Euch am wahrscheinlichsten erscheint oder die Sammlung durch weitere Webfunde erweitert.

Ebenfalls interessante Artikel finden sich hier (zu den Regeln der Traumwelt und dem Ende) und hier (zum Träumen).

Und hier gehts zu Christian Alts Filmkritik zu Inception und hier zu Sven Safarows kritischem Text zu dem Film.
Dazu gibt es hier eine Videosammlung zum Thema Traum im Film.


Raritäten der Kinowoche vom 29. Juli bis zum 4. August

von Elisabeth Maurer, am 28.7.10


Copyright: Cinema Quadrat
MURNAU FILMTHEATER Wiesbaden

Der Florentiner Hut (Wolfgang Liebeneier, 1939)
Fr., 30. Juli um 18 Uhr
Am 30. Juli 1910 wurde Horst Budjuhn in Bromberg geboren, mit 13 kam er nach Berlin. Nach einem Germanistikstudium wurde er Dramaturg und Leiter des Berliner Renaissancetheaters. Den Ausbruch des 2. Weltkriegs erlebte er in Zürich, ab 1944 lebte er in Locarno und arbeitete vor allem als Drehbuchautor. 1978 starb er in Locarno. An dem Tag, an dem er 100 Jahre alt geworden wäre, zeigen wir die vergnügliche Komödie Der Florentiner Hut, zu der Budjuhn gemeinsam mit Bernd Hofmann das Drehbuch schrieb.

Mensch Kotschie (Christoph Schaub, 2009)
Fr., 30. Juli um 20 Uhr
Kurz vor seinem 50. Geburtstag fällt Jürgen Kotschie in ein tiefes Loch und erlebt eine schwere sentimentale Sinnkrise. Der Wahnsinn des Alltags macht ihm ebenso zu schaffen wie der körperliche Niedergang: Gewichtszunahme, Schweißausbrüche, Atemnot… Die Missgeschicke häufen sich in einer sehr vergnüglichen, stilistisch äußerst eigenwilligen Komödie, die für die Sinneskrise Kotschies sehr eigene Bilder und Ideen findet, und die bei aller Ernsthaftigkeit unglaublich vergnüglich unterhält – oder umgekehrt: bei allem Spaß doch nie die Ernsthaftigkeit aus den Augen verliert.
CINEMA QUADRAT Mannheim

Macht und Mißbrauch:
If... (Lindsay Anderson, 1968)
Do., 29. bis Sa., 31. Juli um 21:30 Uhr

SOS - Festival of Performing Arts & Media: 29. – 31. Juli 2010 in Ludwigsburg

von Dennis Vetter, am 28.7.10


Expanded Cinema, die Überschreitung der Leinwand und die Integration filmischer Ausdrucksmittel in andere Kunstformen ist ein aktuell eifrig umforschtes Feld. Zudem herrscht in Zeiten von Youtube und immer kleineren Abspielgeräten eine nahezu allgegenwärtiger Präsenz von Videomaterial, das so immer häufiger zum Gegenstand von Kunstprojekten wird. In Kürze findet in Ludwigsburg das Stage on Screen-Festival statt, welches die Verbindung von Bühne und Video thematisiert und allen Interessierten spannende Einblicke und Performances verspricht:

"Stage on Screen – Screen on Stage" ist eine in dieser Form einmalige Veranstaltung, die Theater, Musik und Medien verbindet.

Unter Federführung der Film- und Medienfestival gGmbH erarbeiten die Akademie für Darstellende Kunst (ADK), die Filmakademie Baden-Württemberg und die Ludwigsburger Schlossfestspiele erstmals gemeinsam ein Festivalprogramm.

Das Festival, das vom 29. – 31. Juli in Ludwigsburg stattfindet, bietet eine spannende Mischung aus Theater, Multimedia, Konzerten und Filmen und erprobt neue Aufführungsformen an der Schnittstelle von Medien und Live-Performance. Unter dem diesjährigen Motto "Music on Screen" werden außerdem herausragende Projekte im Bereich Filmmusik vorgestellt und die Vernetzung der Filmmusik-Szene vorangetrieben.

Bedeutende Künstler aus ganz Europa sind zu Gast: Wim Wenders stellt sein 3D-Projekt, ein Film über die Tanzkünstlerin Pina Bausch und deren einzigartige Choreographie, vor. Irmin Schmidt, Ex-Mitglied der deutschen Kultband Can und namhafter Filmmusiker (Palermo Shooting, Millionenspiel, Messer im Kopf, Deadlock) wird am Samstag, den 31. Juli, mit einer großen Filmmusikgala geehrt. Vertreter der weltbekannten katalanischen Performancegruppe Fura dels Baus stellen am Freitag, den 30. Juli, ihre aufwändige "Nibelungen"-Inszenierung vor.

Aber auch die Studenten der Filmakademie sowie der Akademie für Darstellende Kunst (ADK) sind am Festival aktiv beteiligt. Sie entwickeln exklusiv für das Event crossmediale Aufführungen und Performances und arbeiten dabei erstmalig mit einem Kammerorchester aus Pécs zusammen. Außerdem stellt sich die Filmmusikabteilung der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam-Babelsberg in Ludwigsburg vor.

Der neue Ludwigsburger Akademiehof erlebt seine Premiere als Veranstaltungsort und wird Hauptspielort des SOS – Festival of Performing Arts & Media. Von Donnerstag bis Samstag wird der Akademiehof mit medialen und musikalischen Live-Performances sowie Filmvorführungen bespielt.

Details zum Programm auf der Festivalhomepage.

Empfehlungen für die Kinowoche (29. Juli)

von Sascha Eggers, am 28.7.10



Und auch diese Woche stellen wir Ihnen wieder die Neuheiten der Kinowoche vor.
Schreiben Sie uns Ihre eigene Meinung zu den Filmen auch gerne als Kommentar.


Highlights:
Das Konzert von Radu Mihaileanu
Komödie über ein Orchester


Inception von Christopher Nolan
Intelligente SciFi-Action [zur Kritik von Christian Alt]


Für Fans:
Toy Story 3 von Lee Unkrich
Der neueste Film mit Woody und Buzz aus dem Hause Pixar, diesmal auch in 3D


Rocksteady - The Roots of Reggae von Stascha Bader
Doku über die Anfänge der Reggae-Musik

Lieber auf die DVD warten:
Space Tourists von Christian Frei
Dokumentation über den langsam beginnenden Weltraum-Tourismus

Nicht anschauen:
Renn, wenn du kannst von Dietrich Brüggemann
Tragikomischer deutscher Beziehungsfilm

DVD: Anvil - Die Geschichte einer Freundschaft

von Sascha Eggers, am 28.7.10


Letztes Jahr passierte eine Sensation für Heavy Metal-Fans: die so genannten Big Four gaben erstmals gemeinsam ein paar Konzerte. Bei den Big Four handelt es sich um die vier bekanntesten Thrash Metal-Bands der Welt, die allesamt Anfang der 80er Jahre gegründet wurden: Metallica, Slayer, Anthrax und Megadeth. Mitte der 80er erlebten sie ihren Durchbruch, hatten Charterfolge und füllten die größten Hallen oder sogar Stadien. Bis heute haben diese vier Bands großen Erfolg. Beeinflusst wurden sie alle u.a. von der kanadischen Band Anvil.

Diese brachte ihr erstes Album Hard 'N' Heavy 1981 raus. Vor allem das wilde Auftreten des Frontmannes Steve Kudlow alias Lips und das virtuose Spiel des Schlagzeugers Robb Reiner machten sie schnell in der Szene bekannt und verhalfen ihnen zu einigen großen Auftritten. Doch der große kommerzielle Durchbruch kam nicht und die Band musste von da an wieder in kleinen Clubs auftreten. Aber trotzdem hielten Lips und Reiner an Anvil fest und veröffentlichen seit nunmehr circa 30 Jahren Album für Album, während sie sonst normalen Berufen nachgehen und Familienväter sind.


Als der alte Fan Sacha Gervasi mitbekam, das seine ehemalige Lieblingsband immer noch aktiv ist, aber keinen wirklichen Erfolg hat, fang er an, ihr aktuelles Bandleben zu dokumentieren. Und er bekam einige äußerst schwierige Momente der Bandkarriere vor die Linse, so zum Beispiel eine Europatournee, die Anvils größte seit den Achtzigern sein sollte, bei der sich aber die Missgeschicke häufen und von der die Band ernüchtert zurrückkehrt. Und auch die Aufnahmen zum neuen Album laufen nicht so recht, denn Lips und Reiner haben weder Geld noch eine Plattenfirma.

Zwischen den Szenen aus dem musikalischen Geschehen gibt es viele Einstellungen, die die Bandmitglieder mit ihren Familien zeigen. Diese kommen auch desöfteren zu Wort und geben ihren Blick auf Anvil preis, genau wie einige prominente Musiker, die von der Band beeinflusst wurden, wie z.B. Lars Ulrich (Metallica), Lemmy (Motörhead) oder Slash (Guns'n'Roses). Doch am Interessantesten bleiben die Aussagen von Anvil selber. Immer dann, wenn es einen kleinen Hoffnungsschimmer für die Karriere der Band gibt, und diese darauf restlos euphorisiert sind, zeugen sie von einem beeindruckenden Enthusiasmus, der wohl auch mit einigem an Naivität gepaart ist.

Insofern greift der Untertitel, den der deutsche Verleih dem Film gegeben hat, die Geschichte einer Freundschaft, zu kurz. Ja, der Film zeigt viel über die Freundschaft zwischen Lips und Reiner. Aber es geht es hier viel allgemeiner um Liebe. Um die Liebe zwischen den beiden alten Freunden, die in manchen Szenen wie ein altes Ehepaar wirken, die Liebe zu ihren Familien, aber vor allem um ihre Liebe zur Musik und zu ihrer Band. Anvil - Geschichte einer Freundschaft ist ein ergreifendes Plädoyer, zu dem zu stehen, was man liebt, egal welche Rückschläge man erleiden muss. Auch wenn man mit Heavy Metal, oder Rockmusik im Allgemeinen, nichts anfangen kann, wird man diese Botschaft teilen und von dem Film berührt worden sein, nachdem man ihn gesehen hat.





Anvil - Die Geschichte einer Freundschaft
(Anvil - The Story Of Anvil)

R: Sacha Gervasi
D: Steve "Lips" Kudlow, Robb Reiner
USA 2008, 78 min.
Copyright: Rapid Eye Movies




Veröffentlichung: 16. Juli 2010
Audio: Englisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,78:1 (16:9)
Extras: Interviews, Deleted Scenes, Audiokommentare, Trailer & Booklet

Ausgequetscht (Extract)

von Oliver Schmitt, am 27.7.10




Mike Judge (Alles Routine, Idiocracy), in den Neunzigern als Vater der bissigen, zynischen Cartoon-Figuren Beavis und Butthead bekannt, setzt mit Ausgequetscht die Tradition der skurrilen Charaktere in seinem Oeuvre fort, die ihr Vorbild, ganz typisch für Judge, im profanen Alltag finden. Die Ansammlung von teilweise herrlich überzogenen Figuren macht ganz klar das Herz des Films aus, der allerdings trotz der bemerkenswerten Besetzung mit bekannten Gesichtern nicht immer zünden will.

Joel Reynolds, gespielt von Jason Bateman (Up in the Air, Juno) ist das glänzende Beispiel eines Musterunternehmers, der einen makellos unspektakulären, aber erfolgreichen Lebenslauf vorweisen kann. Seine ungeheuer belanglose aber gewinnträchtige Geschäftsidee, die außer ihm kaum einer wirklich nachvollziehen kann, hat ihm zu seinem Lebenswerk verholfen: den kleinindustriellen Betrieb Reynolds Extracts. Joel lebt den amerikanischen Traum, mit dazugehöriger Ehefrau Suzie, dargestellt von Kristen Wiig  in einer heimeligen White Fence Idylle.

Sehr schnell erweist sich, dass dieses augenscheinlich perfekte Leben mit zahlreichen Fallstricken versehen ist, die ihm das Leben schwer machen. Allem voran sein frustrierend lauer Beziehungsalltag, sowie ein überaus aufdringlicher Nachbar, der allzu freundlich und nervtötend zum Bingoabend aufruft. Zwischenzeitlich sorgen immer wieder seine Angestellten für Kopfzerbrechen und bringen gehöriges Chaos in den minutiösen Ablauf der modernen Produktionsstätte, zwischen Fließband und Gabelstapler. Genau hier wird die große Sehnsucht in Joels gepeinigter Unternehmerseele deutlich, nichts sehnlicher wünscht er sich als endlich frei zu sein von diesem Erfolgsmonster, das sein Leben einnimmt. Joel scheint nur noch von Funktionalität bestimmt zu sein, ähnlich der Abfüllanlage, die das Herzstück der Firma bildet.

Die Lösung aller Probleme scheint sich bald zu finden, der Verkauf der Firma und damit ein endlich sorgenfreies Leben. Sein zynischer Partner Brian, verkörpert durch J.K. Simmons (Up in the Air, Juno), der sich partout nicht einen einzigen Namen der Angestellten merken will, ermöglicht den Verkauf und eröffnet so das Tor zur Freiheit. Das allerdings noch am selben Tag durch einen schicksalshaften Unfall in der Produktion wieder zugeschlagen wird, bei dem einer der Angestellten einen Hoden verliert. Was bleibt einem gestandenen Amerikaner in solch einer Situation? Ein tiefschürfendes Gespräch mit dem Barmann seines Vertrauens. Dieser findet sich in Joels subversivem Kumpel Dean, besetzt mit Ben Affleck (Dogma, State of Play – Stand der Dinge, Pearl Harbour), mit Bart und Langhaarperücke auf den ersten Blick kaum zu erkennen. Dean beschreibt sich selbst als Unternehmer, Heiler und Spiritualist und ist um zahlreiche unsinnige Ratschläge nicht verlegen. Deans scharfsinniger Analyse nach ist Joel zu angespannt und seine sexuelle Frustration, der zentrale Kern seiner Lebenskrise, sei mit der Wahl der richtigen Droge reparabel.



Die Situation verschärft sich als Cindy, dargestellt von Mila Kunis (The Book of Eli, Nie wieder Sex mit der Ex, Max Payne), auftaucht. Cindy ist der fatale Auslöser einer Reihe irrwitziger Entscheidungen, die Joel unter dem Einfluss einer Droge aus der Sammlung von Dean treffen wird. Cindy entpuppt sich als Trickbetrügerin, die aus dem Unfall Kapital schlagen will und jeden um den Finger wickelt, der ihr bei ihrem Plan von Nutzen sein könnte. Sie ist der Typ Frau, welcher trotz aller deutlich ausgesendeten Warnsignale für einen Vorzeigeehemann zwangsläufig zu einer Venusfalle wird.

Man möchte ihr einfach nicht böse sein, schon gar nicht, wenn der beste Kumpel mit einem völlig verrückten Plan aufwartet um ans Ziel spätpubertärer Männerphantasien zu gelangen. Dean entwirft den aberwitzigen Plan, der Joels Frau ein unmoralisches Angebot durch einen als Poolboy getarnten Gigolo verschaffen soll. Dieser Test soll an den Tag bringen ob Joels Ehefrau immer noch am Ehegelübte festhält und sollte es nicht so sein, so wäre es nur gerecht, wenn Joel mit Cindy einen Seitensprung wagen könnte. Dean, als umtriebiger Unternehmer, hat selbstverständlich ganz uneigennützig einen entsprechenden Kontakt parat, der sich in dem wunderbar minderbemittelten Callboy Brad findet. Joel, im Alkohol und Drogennebel eines zu langen Männergespräch versunken und längst nicht mehr Herr seiner Sinne, stimmt zu und löst damit Ereignisse aus, die sein bisher eher beschauliches Leben zu einer einzigen Katastrophe werden lassen.



Es ist ein Mike Judge Film, der mit einer auffällig verworrenen Geschichte aufwartet, die mit einem niedrigen Budget umgesetzt wurde und vielleicht gerade deshalb von ihren comichaften Typen getragen wird. Auch wenn der Film zunächst etwas verhalten wirkt und sehr langsam sein komödiantisches Potential entfaltet und in manchen Szenen gerne mal im Ansatz verharrt, sorgt er oft genug für ein Schmunzeln, wie im kuriosen Auftritt des KISS Bassisten Gene Simmons, dessen Figur, der Winkeladvokat Joe Adler, durchaus für eine sehenswerte Einlage sorgt. Ausgequetscht ist ein durchweg kurzweiliger Film, der als kleine Produktion abseits des Blockbuster Kinos eine gute Figur macht.

Die freundliche Unterstützung von Kinowelt und Bruno Banani ermöglicht es NEGATIV ein Gewinnspiel zum DVD-Start zu veranstalten. Zu gewinnen gibt es die DVD zum Film sowie zweimal ein hochwertiges Herren-Unterwäscheset! Hier gehts zum Gewinnspiel!



Ausgequetscht (Extract)
R: Mike Judge
D: Jason Bateman, Ben Affleck, Kirsten Wiig, Mila Kunis
USA 2009, 89 Min, Kinowelt
Sprachen/Ton: Englisch, Deutsch 5.1 (DD)
Untertitel: Deutsch
Bildformat: 1,85:1 anamorph
Extras: Erweiterte Szenen, Featurette über den Regisseur Michael Judge, Geschnittene Szene, Trailer, Fotogalerie, Wendecover
DVD im Verkauf ab 15.07.2010, DVD im Verleih ab 01.06.2010
FSK 12

Mother

von Ciprian David, am 27.7.10


Mit der Frage „Wer ist das Monster?“ als Werbeslogan verkauft sich der neueste Film des koreanischen Auteurs Bong Joon-ho in Deutschland. Kontrastierend dazu steht auf dem Plakat der Filmtitel: Mother (Madeo). Soll nun diese Mutter das Monster sein, oder soll der Zuschauer an den vorherigen Film des Regisseurs erinnert werden, den erfolgreichsten koreanischen Film aller Zeiten – The Host(Gwoemul), dessen Handlung von der Erscheinung eines mutierten Raubtiers ausgelöst wurde? Das Monster aus dem Fluss Han bekam wenig Aufmerksamkeit, vor allem was seine Identität betrifft.

Stattdessen portraitierte The Host eine Gesellschaft, die, unter dem Druck einer totalitären, militaristischen Regierung ihr Wesen aus den Augen verlor. Stellenweise von einer kafkaesken Stimmung ähnlich wie bei Terry Gilliams Brazil gekennzeichnet, konzentrierte sich diese Gesellschaft ausschließlich auf politisch-bürokratische Ziele. Aus der Konfrontation zwischen dem mutierten Monster (selber ein Produkt bürokratischer Vorgehensweisen) und dem Monstrum Gesellschaft kommen natürlich die einzelnen Individuen als Verlierer heraus. Bong Joon-ho gruppierte die Protagonisten zu einer Familie, die als Beispielobjekt das Hervortreten eines zweiten Themas ermöglichte, und gleichzeitig die Funktionalität dieses Systems im gegebenen Rahmen untersuchte.

Vereinigt und erprobt wird diese Familie durch die Entführung ihres jüngsten Mitglieds, Hyun Seo. Während sich die Vertreter des Militärs in totalitaristischen Verschwörungsthesen vis-à-vis des Monsters üben und die Rettung des Mädchens immer unmöglicher erscheint, beschließt ihre Familie, es auf eigene Faust mit dem Monster aufzunehmen. So wird im Film, der Reihe nach, jedes Mitglied dieser Familie in der Rettungsaktion einen wichtigen Beitrag leisten, im Mittelpunkt der geistig behinderte Vater des Mädchens, Gang-du (Kang-ho Song, der Protagonist aus Chan-wook Parks Lady Vengeance und Thirst). Und obwohl das Mädchen nicht lebendig aus der Macht des Monsters wiedergewonnen werden kann, und obwohl die Regierung ohne Rücksicht auf die Bevölkerung eine biologische Waffe zur Vernichtung des Monsters einsetzt, konfrontieren die drei am Ende noch lebenden Geschwister das Ungeheuer und besiegen es, mitten in der sie alle vernichtenden Staubwolke der biologischen Waffe.

Obwohl von einer dramaturgischen Linie à la Hollywood gekennzeichnet, vollbringt es der Film, diese Dramaturgie effektiv im eigenen Kulturkreis einzubauen. Das typische Hollywood-Pathos wird durch eine kritische Haltung ersetzt, die, mit einer meisterhaften Eleganz gestaltet, jeden Zuschauer erreicht. So steht im Showdown das Ungeheuer nicht vor den drei Geschwistern wegen seiner eigenen Identität da, sondern weil es ein Produkt und Teil der Regierung dieses Landes ist, dass man mit Bogen und Molotow-Cocktails bekämpft wie jedes andere Teil dieser Regierung, und das sich durch seine Körperlichkeit als angreifbarer und besiegbarer Feind präsentiert.

Der Blick des Films auf die Menschen wird mit Mother noch konzentrierter. Die Familie, in The Host noch eine Gruppe von Individuen, wird nun zu einer kleinen Welt, aus Mutter und Sohn bestehend, im Vordergrund aber die Beziehung der zwei zueinander. Die aus der Perspektive der Familie gesehene Außenwelt rückt auch ein Stück näher: der Raum der Handlung ist ein kleiner Ort, die meisten Personen, mit denen Mutter und Sohn interagieren, sind oder waren nahe Bekannte.

Zwischen Feinfühligkeit und Ironie bewegt sich Regisseur Bong Joon-ho in der Schilderung der Beziehung von Sohn und Mutter. Der Sohn symbolisiert durch seine geistige Behinderung eine Verstümmelung der Gesellschaft, so wie Gang-du in The Host. Während Gang-du unter den Eskapaden seines Vaters zu leiden hatte und laut dessen Erklärung daher nicht genügend Proteine als Kind bekommen hatte, wird die Krankheit von Doon-jo (gespielt von dem in Deutschland durch Brotherhood bekannt gewordenem Bin Won) auf die sehr enge Beziehung zu seiner Mutter zurückgeführt. So eng, dass sie (verkörpert vom langjähriger Fernsehstar Kim Hye-ja) diejenige ist, die nach seinem Unfall blutet. Dass sie ihm pflanzliche Medizin verabreicht während er uriniert, so dass er wie ein aufnahmeunfähiges Gefäß in der Kameraeinstellung dasteht. So eng, dass sie, in einer Lebenskrise zu der Zeit als er fünf Jahre alt war, zusammen mit ihm Selbstmord begehen wollte, sich aber aus finanziellen Gründen nur das billigste Giftmittel geleistet hat. Seither funktioniert Doon-jos Gedächtnis nicht mehr zuverlässig, entwickeln tut er sich auch nicht mehr wie die anderen.

Die Bindung zwischen den beiden wird räumlich gebrochen als Doon-jo wegen des Verdachts auf Mord an einem Schulmädchen eingesperrt wird. Ein Aufeinandertreffen seiner Gedächtnisprobleme mit den brutalen Befragungsmethoden der Polizei und Zeugenaussagen, die ihn als Verdächtiger erscheinen lassen, besiegeln seinen Aufenthalt im Gefängnis. Von nun an ist die Mutter ihres Status als solche beraubt: Sie kann ihren Sohn nicht mehr direkt beschützen und ist auf die Hilfe der anderen angewiesen, um diese Position wieder zu erlangen.

Mother führt nicht nur die Gesellschaftskritik aus The Host fort, durch subtile Ironie den Staat als Präger von politischen Ideen einer ideologielosen Bevölkerung gegenüberstellend, sondern geht weiter und untersucht die Entstehung der gesellschaftlichen Wirklichkeit in diesem Zusammenspiel. Symptomatisch in dieser Hinsicht sind Doon-jos Gedächtnisprobleme, die mehr oder weniger in den Einstellungen und dem Schweigen aller Charakteren wiederspiegelt werden, so dass der Weg der Mutter zur Befreiung ihres Sohnes zu einer Detektivgeschichte wird. Die Gestaltung der Suche nach dem wahren Mörder wird so geschickt dramaturgisch inszeniert, dass der Zuschauer auf der Metaebene in diesem Spiel der verformbaren Realität miteinbezogen wird. Und während Indizien nach und nach verschiedene Charaktere des Films als vermeintliche Täter erscheinen lassen, webt der koreanische Regisseur um Mutter und Sohn ein feines Netz, das ihre Zugehörigkeit zueinander und die Gerechtigkeit ihrer Bemühungen gegen den Gesellschaftsapparat immer mehr zur Angelegenheit des Kinobesuchers selber werden lässt.

Wie unwichtig ist es doch am Ende des Films wer der wahre Mörder ist, wenn Mutter und Sohn im Bewusstsein eines gemeinsamen Gedächtnisses zueinander finden! Und wie schnell dieses Gedächtnis gleich danach demontiert wird. Wer das Monster ist, ist unwichtig, ob Mutter, Sohn, Gesellschaft oder der Zuschauer. Was übrigbleibt, ist der Tanz des Vergessens, gebadet im Licht des Sonnenuntergangs.



Mother/Madeo
R: Bong Joon-ho
D: Kim Hye-ja, Won Bin, Jin Gu, Yoon Jae-Moon
Südkorea, 2009, 128 Min.
©MFA+

Inception

von Christian Alt, am 26.7.10

Begibt man sich auf Spurensuche nach dem Ursprung des Wortes Traum, so führt diese zurück ins Mittelalter. Das mittelhochdeutsche troum fand sich in einer Wortgruppe mit trügen oder auch irreführen und war so mit dem Betrug stark verwandt. Und auch in Christopher Nolans Inception sind Träume stark mit Betrug und Täuschung verbunden.

Dom Cobb (Leonardo DiCaprio) ist der begabteste Gedankendieb der Welt. Er bricht in die Träume anderer ein, täuscht ihr Bewusstsein und stiehlt so geheime Informationen direkt aus ihrem Geist. Doch er wird überall auf der Welt gesucht, der Weg zu seiner Familie ist versperrt. Ein letzter Auftrag für den mächtigen Industrimagnaten Saito (Ken Watanabe) könnte die Rettung für ihn sein. Aber dieses Mal soll er nicht Gedanken stehlen, sondern jemandem einen Gedanken einpflanzen. Dieses Verfahren, Inception genannt, gestaltet sich als zunehmend schwierig, denn auf Cobb warten auch Gefahren aus seinem eigenen Unterbewusstsein.

Inception bedient sich nicht nur inhaltlich, sondern auch visuell und dramturgisch reichlich bei filmischen Vorbildern. Der Plot wirkt wie ein bunter Mix aus Ocean’s Eleven, Matrix und eXistenZ. Diese Entlehnungen bilden aber nur das Grundgerüst und vielleicht auch das Sicherheitsnetz, denn Nolan verflicht diese so kunstvoll und originell, dass es nie aufgesetzt wirkt. Bei Inception fällt vor allen Dingen seine dramaturgische Rafinesse ins Auge, die er zuletzt bei Memento und The Prestige zwar angedeutet hat, aber erst hier erreicht er auf diesem Gebiet eine Beinahe-Perfektion. Nolan verwandelt den menschlichen Geist in einen begehbaren Ort, jede Emotion, jedes Geheimnis kann im Traum räumlich repräsentiert sein. Gerade diese Verräumlichung innerer Vorgänge macht den Film hochinteressant. So liegen Geheimnisse in Safes oder anderen sicheren Orten, die tiefste Erinnerung liegt im Keller. Räume können also förmlich gelesen und dechiffriert werden, was das Setdesign natürlicherweise hochinteressant gestaltet.

Für die Planung und Vorberteitung der Inception im Gehirn des Industrieerben Robert Fischer (Cillian Murphy) nimmt sich Nolan viel Zeit. In aller Ruhe wird in bester Heist-Tradition die Crew zusammengestellt und der Plan entworfen. Neben dem Extraktor (DiCaprio) besteht das Team aus dem Fälscher Eames (Tom Hardy), dem Chemiker Yusuf (Dileep Rao), Cobbs rechter Hand Arthur (Joseph Gordon-Levitt) und der Architektin Ariadne (Ellen Page). Es macht wirklich Spaß zu sehen, wie Nolan diese Berufe einführt und den Zuschauer in die Welt der Ideendiebe zieht. Ariadne, deren Name natürlich für sich spricht, fällt eine besondere Aufgabe zu, denn sie, die einzige Neue, wird lang in das umfassende Regelwerk des Ideendiebstahls eingeführt und mit ihr auch der Zuschauer. Und das ist auch bitter nötig, denn das Regelwerk ist lang und kompliziert. Hat sich Nolan in The Dark Knight gegen Ende des Films in unzähligen plot twists verheddert, geht er dieser Gefahr in Inception gekonnt aus dem Weg. Bis zum Abspann hält die Spannung an – vielleicht auch sogar darüber hinaus. Obwohl der Film als Scifi-Actionthriller beworben wird, finden sich auch viele Elemente eines Psychothrillers in ihm. Trotz der überwiegenden Action schafft es Nolan die emotionalen Konflikte so einzuflechten, dass ein rundes Ganzes entsteht und der Spannungsbogen nicht abreißt. Ohne sich an den bereits jetzt herrschenden Diskussionen in englischsprachigen Foren beteiligen zu wollen, lässt sich doch sagen, dass Sigmund Freud, der Urvater der Traumdeutung, mit Inception wohl seinen Spaß gehabt hätte. Cobbs unbewältigte Probleme liegen tief in seinem Unterbewusstsein und können so auf die besuchten Träume übergreifen und diese infizieren. Ganz nach Freuds Auffassung übermitteln an diesen Stellen Träume Botschaften aus dem tiefsten Kern des Unterbewusstseins.

Inception erzählt aber auch eine Geschichte über die Grenzen der Kreativität. In den von den Architekten geschaffenen Welten, die ähnlich den virtuellen Räumen eines Computerspiels sind, kann die Kreativität frei walten, es gibt keine Beschränkungen -alles was denkbar ist, ist auch möglich. Theoretisch könnten hier die CGI-Abteilungen ansetzen um den Zuschauer mit purer Bildkraft, die sich oft als simple Effekthascherei erweist, außer Kraft zu setzen. Doch Nolan ging schon in The Dark Knight äußerst sparsam mit den Bildern aus dem Computer um und so tut er es auch in Inception. Effekte kommen, wenn sie denn eingesetzt werden, nur als Unterstützung daher und stehen nie für sich alleine.

Aber was wäre so ein großartiger Film ohne Macken. Von denen hat er allerdings so wenig, dass sie den Gesamteindruck nicht trüben können. Da wäre zum einem die fehlende Motivation für die einzelnen Ebenen des Traums. Warum muss ausgerechnet ein Traum in einer weißen Schneelandschaft spielen? Diese Frage wird auch von Eames im Film gestellt, beantwortet wird sie aber nicht. Gerade an dieser Stelle gerät der Film ins Trudeln. Durch den Schnee sind keine Gesichter mehr erkennbar, Handlungen können nur schwer zugeordnet werden und alles droht in einer breiig-weißen Schießerei unterzugehen. Der Film gerät ins Trudeln, fällt aber nicht hin, denn die Sequenz ist nach wenigen Minuten vorüber. Die andere Macke liegt nicht im Film begründet, ist aber dennoch vorhanden. So ist der letzte Film mit Leonardo DiCaprio Shutter Island gewesen. So wie Dom Cobb seine Probleme in die Träume mitschleppt, so schleppt DiCaprio Teddy Daniels mit in Inception, was dem Film nicht unbedingt gut tut. Allerdings kann man sich an den vielen anderen großartigen Jungschauspielern erfreuen, die für den Film eine echte Bereicherung sind. Ellen Page, die mit Juno zum Star der Indieszene avanciert ist, gibt in Inception eine grandiose Figur ab. Auch Joseph Gordon-Levitt, der zuletzt in dem mäßigen Streifen (500) Days of Summer zu sehen war, liefert eine gute schauspielerische Leistung. Hans Zimmer hat für Inception einen grandios-wuchtigen Soundtrack geschrieben, der in vielen Szenen wie das Tüpfelchen auf dem i wirkt.

Alles in allem ist Inception ein fantastischer Film – und das im doppelten Wortsinn. Der ungeheuren Fantasie Nolans und seinen 170 Millionen Dollar Budget scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein. Nie langweilig, nie zu philosophisch, nie zu actiongeladen. Inception ist der bisher beste Blockbuster und einer der besten Filme des Jahres und die Chancen stehen gut, dass er es bleibt.

Hier geht es zu unserer zweiten, weniger wohlwollenden Kritik von Sven Safarow.
Außerdem findet ihr hier eine Diskussion der verschiedenen Interpretationen von Inception sowie eine Videosammlung zum Thema Traum im Film.





Inception
R: Christopher Nolan
D: Leonardo DiCaprio, Ellen Page, Joseph Gordon-Levitt, Tom Hardy
USA 2010, 148 Min.
Verleih: Warner Bros.

Inception: Traum-Raum-Chaos!

von Ciprian David, am 26.7.10


Am 29.7. kommt Inception in die Kinos. Regisseur Christopher Nolan scheint auf Höhenflug zu sein, nach dem Erfolg mit The Dark Knight, und geht einem wichtigen Aspekt des Mediums Film auf die Spur: der Psychoanalyse. Die neue Kunstform und die neue Wissenschaft haben damals, Ende des 19. - Anfang des 20. Jahrhunderts, beide ihre Geburtstunde erlebt.

Wir sammeln anläßlich des Kinostarts Videos und Eindrücke aus Filmen, die Inception thematisch nahestehen, vor allem was die Beschäftigung mit der Grenze zwischen Raum, Traum und Chaos angeht.
Eure Vorschläge zur Ergänzung werden in den Hauptartikel aufgenommen.
Wir sind gespannt auf viele interessante Einfälle!

Schon mit Meliés wurde deutlich, Film und Traum haben etwas gemein, denn seine Filme entfernten sich radikal von der Realitätsnähe der Lumières durch optische Illusionen und Basteleien:



Wenn es aber um die Beseitigung der Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit im Film geht, kommt man keineswegs an David Lynch vorbei, dessen Weg fast durchgehend diese Transgression beinhaltet. Eine Überschreitung, die den Menschen in ein Ur-Chaos katapultiert, wie schon sein Langfilmdebut, Eraserhead, zeigt:



Chaos, Angst, und Psychoanalyse bleiben in Lynchs Werk eng miteinander verknüpft :





Doch Inception geht ganz explizit auf Raummanipulation in Träumen ein, wie dies sonst hauptsächlich aus Dark City bekannt ist:



Dennis Vetter schleudert den eigenwilligen, unvergessbaren Michel Gondry in die Paysage. Wenn es um Traum geht darf er keineswegs unerwähnt bleiben:





Sascha Eggers macht aud die Serien der letzten Jahren aufmerksam, wo auf viel  mit Traum gearbeitet wurde.
z.B. bei den Sopranos (es gab sogar eine Episode, die fast nur von Tony Sopranos Traum handelte):



bei Lost:

bei Six Feet Under (dort wurde es u.a. oft genutzt, um Musicalszenen einzubauen):


aber auch früher haben zum Beispiel die Simpsons Träume benutzt:

Als Wegbereiter nicht zu unterschätzen: Alejandro Amenábars "Abre los Ojos - Open your Eyes" von 1997.
[...]
So viel Traum im Film war vorher selten.
Hollywood hat diesen verstörenden Traum von Film mit "Vanilla Sky" nachzubauen versucht...
Die Schnittmeisterin



Inception besteht aus allen Zutaten, die Film als Kunstform ausmachen. Die Besetzung lässt auch wenig zu wünschen übrig, denn zusätzlich zum mittlerweile zur Psychothriller-Ikone gewordenen Leonardo DiCaprio werden auf der Leinwand noch etliche große Namen aus Hollywood zu sehen sein:
den Oscar®-Nominierten Ken Watanabe (“Last Samurai”), Joseph Gordon-Levitt (“500 Days of Summer”), Oscarpreisträgerin® Marion Cotillard (“La Vie en Rose”), Oscar®-Nominierte Ellen Page (“Juno”), Tom Hardy (“RocknRolla,” “Bronson”), Cillian Murphy (“Batman Begins”), Tom Berenger (“Training Day”), Dileep Rao (“Avatar”) und den zweifachen Oscar®-Gewinner Michael Caine (“Hannah und ihre Schwestern”, “Gottes Werk & Teufels Beitrag”).

So kann man auf Inception nur gespannt sein. Hier schon mal der Trailer:



 

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