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Filmfest Hamburg vom 30. September bis 9. Oktober 2010

von Elisabeth Maurer, am 30.9.10


Heute wurde das Filmfest Hamburg mit dem Film Gainsbourg - Der Mann, der die Frauen liebte eröffnet. Noch bis zum 9. Oktober findet das Filmfest statt:
Filmfest Hamburg zeigt in elf Sektionen über 170 nationale und internationale Spielfilme und Dokumentarfilme in deutscher Erstaufführung, Europapremiere oder als Welturaufführung. Das Programmspektrum reicht von cineastisch anspruchsvollen Arthouse-Filmen bis zum innovativen Mainstreamkino, von Roadmovies und Melodramen über Komödien und Western zu Splatterfilmen und Kinderfilmen.
Filmfest Hamburg präsentiert die ersten Produktionen junger deutscher und internationaler Filmemacher ebenso wie die Filme berühmt-berüchtigter Regiegiganten des Kinos und besonderes norddeutsches TV-Filmschaffen.

2010 geht das 18. Filmfest Hamburg mit folgenden Sektionen an den Start:

Nordlichter
Die Sektion „Nordlichter“ ist ein Schaufenster für Spiel- und Dokumentarfilme aus Hamburg und Schleswig Holstein, die einen entscheidenden inhaltlichen oder produktionstechnischen Zusammenhang mit Hamburg und/oder Schleswig-Holstein besitzen. Sie präsentiert Filme, in denen „Nordlichter“ und der Norden eine Rolle spielen und/oder die im Norden gedreht wurden.

Drei Farben Grün
Der Anlass für diese spezielle Sektion ist eine Auszeichnung: Hamburg ist die „Umwelthauptstadt Europa 2011“. Zur Einstimmung zeigt Filmfest Hamburg schon jetzt elf ausgewählte Dokumentarfilme aus acht Ländern zu diesem Thema und beweist, dass Umweltthemen spannend wie ein Krimi sein können.

KUNST!
Hier ist die Ausnahme die Regel. Hier wird Kunst gemacht. Filme von Künstlern, über Künstler, kleine und große Gemälde auf Leinwand.

Agenda
Diese Sektion bildet das Festivalprogramm in seiner ganzen Bandbreite ab. Sie präsentiert ein facettenreiches Spektrum politischer, gesellschaftlicher und sozialer Themen im weitesten Sinne und ihre individuelle filmkünstlerische Umsetzung.
Unter den 51 Filmen dieser Rubrik werden zum Beispiel A Serbian Film, Tuesday, After Christmas, Tamara Drewe, The Extra Man und The Green Wave zu sehen sein.

Vitrina
Das Schaufenster für aktuelle Filmproduktionen aus spanisch- und portugiesischsprachigen Ländern.

Voilà!
Voilà! präsentiert Filme, die entweder aus Frankreich oder aber aus Ländern stammen, die im weitesten Sinne zum französischen Kulturkreis gehören.

eurovisuell
Die Sektion präsentiert die größten Publikumserfolge aus verschiedenen europäischen Ländern: Worüber parlieren die Franzosen? Worüber lachen die Griechen? Wobei gruseln sich die Schweden am liebsten?

Argentinien Deluxe
In dieser Reihe zeigt Filmfest Hamburg Filmklassiker aus einem jährlich wechselnden Land. Deluxe präsentiert Klassiker und Entdeckungen von den 60er-Jahren bis heute. Bisher präsentierte "Deluxe": Türkei, Österreich, Finnland, Belgien, Portugal und Neuseeland.

Strawberry Fields
Genau 50 Jahre ist es her, dass die Beatles ihren ersten Auftritt auf St. Pauli hatten. In der Sektion „Strawberry Fields“ ehrt Filmfest Hamburg 2010 die legendären Pilzköpfe mit fünf Filmen im Kino und einer speziellen Veranstaltung in den Deichtorhallen.

16:9
Fernsehen im Kino. Unter dem Titel „16:9“ werden aktuelle deutsche Fernsehproduktionen präsentiert, die Mehrzahl davon als Welturaufführung.

Michel Kinder- und JugendFilmfest
Die Kinder- und Jugendsektion von Filmfest Hamburg geht in die achte Runde und zeigt deutsche und internationale Spiel- und Animationsfilme.
Weitere Informationen zum Programmablauf, den einzelnen Filmen und dem Rahmenprogramm finden sich auf der Website des Festival.

Sehr empfehlenswert ist der Filmfestblog, der das Festival in Videos und Beiträgen informativ und unterhaltsam begleitet.

Region: Film und Frühstück im Caligari

von Simon Frauendorfer, am 30.9.10


Am Sonntag, 3. Oktober, läuft im Caligari-Kino Das Konzert von Radi Mihaileanu in der deutschen Fassung. Der Film beginnt um 12 Uhr. Zuvor gibt es die Möglichkeit, ein Frühstück zu genießen. Eine Rezension von Elisabeth Maurer gibt es hier.
Am Sonntag, 3.10. läuft nach einem schmackhaften Frühstück im Kino-Foyer (Beginn 11 Uhr) um 12 Uhr die burleske Komödie „Das Konzert“ von Radu Mihaileanu in der deutschen Fassung.

Erzählt wird die Geschichte des Stardirigenten des Bolschoi-Orchesters Andrei Filipov, der in den 80er Jahren unter Breschnev seinen Job verliert, weil er jüdische Musiker beschäftigt. Fortan arbeitet er als Putzmann im Konzertsaal und findet eines Tages eine Einladung an sein früheres Orchester nach Paris. Filipov hat die fixe Idee, „seine“ Mannschaft zusammen zu trommeln und die Einladung auf eigene Faust anzunehmen.










Shahada

von Ciprian David, am 30.9.10



Regiedebut, Abschlussfilm, gleich im Berlinale-Wettbewerb dieses Jahres aufgenommen, Burhan Qurbanis Shahada ist der Film, von dem die meisten jungen deutschen Regietalente träumen. Darüber hinaus ist er ein Film mit poltischer Relevanz, denn er ist, so der Regisseur, ein Beitrag zum deutschen Islam-Diskurs.

Dieser Beitrag ist entsprechend strukturiert: in fünf Kapitel gegliedert, nach den fünf Säulen des Korans, mit dramaturgischem Ausgangspunkt bei der titelgebende Shahada, die Entscheidung für den Weg, verflechtet der Film mehr oder weniger lose drei Geschichten um drei Muslime, die ursprünglich aus Asien und Afrika stammen, aber jetzt in Deutschland leben. Zentral dabei als Verbindung zwischen den Geschichten ist die Kollision zwischen Individuum als Teil einer nicht-muslimischen, sich rasant entwickelnden und vor allem nicht religiösen Gesellschaft und dem durch Religion strukturierten Glauben. Die als Ausgangspunkte der Geschichten festgelegten Konfliktsituationen zwingen die Charaktere, und implizit den Regisseur als politischer Autor zur Stellungnahme, zu Thesen. Hier kommt der Films ins Schwanken: Die Anfangs aufgestellten Positionen werden im Film zunächst durch Gegenpositionen gekontert, mit der Schlussfolgerung, dass am Ende beide Facetten jedes Konflikts negiert, eine allgemeine Versöhnung der Charaktere stattfindet. Mit sich selbst oder mit den Vertretern der anderen Position. So würde Shahada als dokumentarische, unparteiische Bestandsaufnahme, entstanden der Darstellung zuliebe, viel mehr Sinn machen als ein zum Diskurs anregender Film.

Man könnte soweit gehen und behaupten, eine Digitalisierung eines komplexen Phänomens wird durchgeführt, eine Reduktion auf Messbares: Im Mittelpunkt steht für jeden der Hauptcharaktere die Entscheidung, und diese darf nur positiv oder negativ ausfallen, einen Mittelweg gibt es nicht. Und genau dieser Mittelweg wäre vielleicht ein relevanter Beitrag des Regisseurs, wie die eher am Rande thematisierte räumliche Verbindung der Großstadt-Ausgestoßenen verbildlicht. Denn es ist die Gemeinde und ihr Imam, die sich schließlich bemühen, durch Flexibilität in der Einstellung gegenüber diesem Zwang zur Wahl, ihrer Mitglieder ein Gefühl von Zugehörigkeit zu vermitteln. Viel motivierter wirkt dieses Motiv der Gemeinde im Vergleich zu den einzelnen Wendungen und Entwicklungen in den episodischen Erzählsträngen um die Protagonisten.

Technisch ist Shahada eine Tour de Force. Die Videooptik lädt ein in die Dynamik des Großstadtgeschehens. Die zersplitterten, leider sehr grob skizzierten Portraits und inneren Konflikte der Protagonisten werden konsequent, auch wenn vielleicht etwas zu eifrig durch die Kamera verbildlicht. Und nicht zuletzt bleibt zu bemerken, dass Carlo Ljubek, Jeremias Acheampog, Maryam Zaree, Marija Skaricic, aber auch alle anderen Nebenrollen eine hervorragende Leistung abgeben und die etwas dürftigen Dialoge und sonstigen Schwäschen im Drehbuch mit Bravur kaschieren. Auch wenn etwas inkonsequent, unsicher und an der für die deutschen Filme definitorischen Überstilisierung leidend, ist Shahada ein sehenswerter, spannender Film, der auf Burhan Qurbanis weitere Arbeiten neugierig macht.



Shahada

R: Burhan Qurbani
D: Carlo Ljubek, Jeremias Acheampog, Maryam Zaree, Marija Skaricic

Deutschland, 2010, 92. Minuten
Copyright: 3 Rosen

Kinostart: 30.09.2010
FSK: 12




A Matter of Size

von Elisabeth Maurer, am 30.9.10

 Copyright: K5 International

Ähnlich wie der vor wenigen Monaten in den deutschen Kinos zu sehende Gordos – Die Gewichtigen widmet sich der israelische Festivalerfolg A Matter of Size, der zum Beispiel 2009 den Publikumspreis beim Karlovy Vary Festival gewann, dem Thema der steigenden Zahl von Übergewichtigen. Die Gründe für die Entwicklung sind sicherlich bei vielen Stellen zu suchen und können bei jedem Menschen andere Ursachen haben, sei es Überfluß, Vereinzelung, Arbeitslosigkeit, Resignation, Unachtsamkeit oder ähnliches. Egal aber ob jemand aufgrund persönlicher Probleme, krankheitsbedingt oder einfach nur, weil er sich beim Essen nicht Zügeln kann, unter Fettleibigkeit leidet, immer wird ihm von Seiten der Dünneren Unverständnis, Mitleid oder im schlimmeren Fall Verachtung entgegenschlagen. Dicksein ist eben ein körperliches Merkmal, das in zumindest heutzutage allgemein als unschön gilt. Ein dicker Mensch wird immer auf sein Äußeres reduziert und erst danach wird vielleicht noch etwas anderes an ihm entdeckt.

In genau dieser Situation befindet sich der 35jährige Herzl (Itzik Cohen). Gerade wurde er sogar aus seiner Diätgruppe hinausgeworfen, weil er immer zu- statt abnimmt, dann verliert auch noch seinen Job als Koch an einer Salatbar, weil er ein schlechtes Aushängeschild für das Restaurant ist. Niedergeschlagen tritt er seine neue Arbeit als Tellerwäscher in einem japanischen Restaurant an. Erstaunlicherweise erlebt er dort unter den ganzen kleinen, schmächtigen Asiaten zum ersten Mal Respekt und Anerkennung für die Stärken, die er nur als Dicker haben kann. Er lernt Sumo kennen. Als er auch noch erfährt, daß sein Chef Kitano (Togo Igawa) früher Sumo-Trainer war, zeigt sich Herzl endlich einmal enthusiastisch und tatkräftig. Denn er entlarvt das System des Abnehmens wie es die Diätgruppe propagiert als Unterdrückung und Lehre vom Selbsthaß, das Sumo hingegen verleiht ihm endlich ein Selbstwertgefühl. So gelingt es ihm auch seine allesamt vollschlanken Freunde Aharon, Sami und Gidi dazu zu überreden, die erste israelische Sumo-Mannschaft zu gründen. Doch damit nicht genug, Herzl traut sich sogar, Zehara (Irit Kaplan) aus der Diätgruppe um ein Rendezvous zu bitten. Über einige äußere Hindernisse und Probleme innerhalb des Teams arbeiten sie auf den ersten Sumo-Wettkampf in Israel zu, dessen Gewinner nach Japan reisen darf um dort an der Meisterschaft teilzunehmen.

Die Geschichte ist zunächst einmal eine typische Sportlergeschichte, wo die Underdogs sich zusammenraufen müssen um am Ende doch zu siegen. Die dahinterstehende Botschaft ist natürlich, daß jeder zu sich stehen soll und seine eigenen Stärken erkennen und einsetzen muß. Großer Pluspunkt des Films ist sein unaufdringlicher, aber mitunter herrlich sarkastischer Humor. Zwar liegt in der Anlage der Geschichte die Gefahr, das Problem der Fettleibigkeit, besonders die damit einhergehenden gesundheitlichen Probleme herunterzuspielen, doch der Film wirkt nie verharmlosend. Auch könnte der Vorwurf entstehen, daß das Sumo die dicken Freunde im Endeffekt doch nur ausstellt. Doch durch die Aufrichtigkeit, mit der der Film seine Personen darstellt, wird dieser Effekt vermindert. So ist eine der besten Szenen des Films als die vier Freunde von ihrem japanischen Meister mitten im Wald nur in ihren knappen Sumo-Gürteln zurückgelassen werden und daraufhin halbnackt über die Landstraßen und quer durch die Stadt ziehen müssen, zunächst einmal lustig auf Kosten der Freunde. Dann jedoch, als in ihren Gesichtern langsam die Scham dem Stolz weicht, daß sie sich endlich einmal wirklich frei in ihren Körpern bewegen können, verwandelt sich auch beim Zuschauer die Belustigung in eine Freude mit den Figuren.

Dennoch bleibt es fraglich, ob die dargestellte Abwanderung der Übergewichtigen, sozusagen in ihr eigenes Terrain, wirklich so glücklich ist in Anbetracht des behandelten Themas. Sicher ist ein permanenter Vergleich der dickeren mit sehr schlanken Menschen, wie es von der Diätgruppenleiterin vorgemacht wird, nicht zuträglich für das Selbstbewußtsein. Aber die Verlegung aufs Sumo bedeutet in letzter Konsequenz eine Trennung von Dicken und Dünnen.

Was allerdings bei A Matter of Size wirklich etwas stört, ist der Konflikt, der um Herzl und Zehara aufgebaut wird. An sich bildet die Entwicklung der Liebesgeschichte einen einfühlsam erzählten Teil der Geschichte, doch wirken ihre Probleme dann doch ein bißchen zu konstruiert und eine derartige Verkomplizierung wäre im Hinblick auf die sonst so temporeich, glaubwürdig und auch einfühlsam dargestellte Geschichte eigentlich auch nicht mehr notwendig gewesen.

Nichtsdestotrotz ist A Matter of Size eine sehr unterhaltsame Komödie mit teilweise sehr gelungenen Dialogen und sympathischen Hauptfiguren und so ist es durchaus verständlich, daß der Film auf den Festivals um Publikumsliebling wurde.
In diesem Zusammenhang ist es auch passend, daß offenbar ein amerikanisches Remake des Films für das nächste Jahr geplant ist. 

A Matter of Size / Sippur Gadol
R: Sharon Maymon, Erez Tadmor
D: Itzik Cohen, Irit Kaplan, Togo Igawa, Dvir Benedek
Israel, Frankreich, Deutschland 2009, 90 Min.
Copyright: K5 Film

Raritäten der Kinowoche vom 30. September bis 6. Oktober

von Elisabeth Maurer, am 29.9.10

 Copyright: Cinema Quadrat Mannheim
CAPITOL Mainz

Zucker und Salz (Tobias Kriele, Martin Broschwitz, 2010)
So., 3.10. um 15 Uhr
Nach dem Sieg der kubanischen Revolution steigen tausende junger Kubanerinnen und Kubaner in das Gebirge der Sierra Maestra, um als Freiwillige die Landbevölkerung zu unterrichten. Angela, Elena, Ana und später María schließen dort eine Freundschaft fürs Leben.
Der Dokumentarfilm „Zucker und Salz“ lässt die vier Damen ihre Lebensgeschichte und insbesondere den Werdegang ihrer bemerkenswerten fünfzigjährigen Freundschaft erzählen; angefangen von ihrem Leben in der Batista-Diktatur, über ihre Arbeit als freiwillige Lehrerinnen und in der Sierra Maestra, ihre Aufbauarbeit mit marginalisierten Frauen in Havanna, ihre Kämpfe mit dem Machismo, ihr Unverständnis gegenüber der Entscheidung ihrer Kinder und Enkel, Kuba zu verlassen, ihre Verbundenheit mit der Revolution, bis hin zu ihrem Vertrauen in die gegenwärtige junge Generation.
PALATIN Mainz

Offside - Frauen im Abseits (Jafar Pahani, 2005)
Mo., 4.10. um 19:30 Uhr
Was ist das für ein Junge, der auf dem Weg ins Fußballstadion inmitten lautstarker, fahnenschwenkender und grölender Fußballfans ganz still in der Ecke eines Kleinbusses sitzt? Es ist gar kein Junge, sondern eine junge Frau, die sich verkleidet hat, um das WM-Qualifikationsspiel Iran – Bahrain zu sehen.
Jafar Panahis liebevolle „Komödie der Emanzipation“ (FAZ) ist zwar Fiktion, jedoch beschreibt der iranische Filmemacher in OFFSIDE die Realität in seiner Heimat: Frauen werden in ihren Rechten beschnitten. Präsident Ahmadinejad hat sich zwar inzwischen für eine Aufhebung des Verbots ausgesprochen. Führende Großayatollahs fordern jedoch mittlerweile die Rücknahme der Entscheidung, da sie „soziale Unsittlichkeiten“ befürchten.
 CALIGARI FILMBÜHNE Wiesbaden

Erklär' mir Liebe (Florian Aigner, 2010)
So., 3.10. um 18 Uhr
Florian Aigner spürt in seinem Dokumentarfilm sensibel und ohne Partei zu ergreifen der Frage nach, welche Fliehkräfte Menschen auseinander treiben.
Vier Elternpaare berichten von der großen Liebe, vom Geschlechterkampf und vom schwierigen Sich-Zusammenraufen als Eltern nach der Trennung. Zurückhaltend und nüchtern führt der Film zwischenmenschliches Leben und Konflikte vor, die jeder kennt und doch selten öffentlich macht.
:IKONEN:-Filmreihe: Fundstücke. Vergessene und übersehene Perlen des Films:
Ghosted (Monika Treut, 2009)
Mo., 4.10. um 20 Uhr
Der erste Spielfilm der Hamburger Ausnahmeregisseurin Monika Treut seit achtzehn Jahren ist ein romantisches Mysterydrama zwischen Taiwan und Deutschland, angesiedelt zwischen den Welten und Kulturen. Wie große Teile Asiens ist auch Taiwan geprägt von einem tief verwurzelten Animismus. Die Welt der Ahnen, der Geister, durchdringt die Welt der Lebenden. Beide Dimensionen können unmerklich ineinander fließen, sich beeinflussen.
Ai-ling besucht ihren Onkel Chen Fu in Hamburg, um mehr über ihren verstorbenen Vater herauszufinden. Fünf Monate später sehen wir die Hamburger Videokünstlerin Sophie Schmitt, die im Rahmen ihrer Installation „Rememberance“ in Taipeh Aufnahmen ihrer zuvor unter mysteriösen Umständen verstorbenen Geliebten Ai-ling präsentiert. Eine Journalistin namens Mei-li führt sie durch ihre Fragen zurück in die gemeinsame Vergangenheit mit Ai-ling vor dem mysteriösen Tod.
GHOSTED erzählt von Reisen und Passagen, von Erkenntnis und Geheimnis, von Leben, Kunst und Erinnerung. Und natürlich von der Liebe und deren schmerzlichem Verlust – vom Melodram bis hin zum Mystery-Thriller und Geisterfilm.
Die Geschichte vom weinenden Kamel (Byambasuren Davaa, Luigi Falorni, 2003)
Di., 5.10. um 18 Uhr
Einer der erfolgreichsten und schönsten deutschen Dokumentarfilme der letzten Jahre wurde von Studenten der HFF München gedreht, der Mongolin Byambasuren Davaa und dem Italiener Luigi Falorni.
Im weiten Süden der Mongolei, in der unwirklichen Landschaft der Wüste Gobi, kommt ein kleines, weißes Kamel zur Welt. Die Mutter, geschwächt und verstört von der schmerzhaften Geburt, verstößt ihr Junges. Ohne die nahrhafte Muttermilch scheint das Kalb, das sich seiner Mutter immer wieder verzweifelt nähert, dem Tod geweiht.
In the Mood for Love (Wong Kar-wai, 2000)
Di., 5.10. um 20 Uhr

Tulpan (Sergey Dvortsevoy, 2008)
Mi., 6.10. um 20 Uhr
Der ehemalige Matrose und zukünftige Hirte Asa stellt sich gemeinsam mit seinem Schwager und seinem besten Freund Boni bei den potenziellen Schwiegereltern vor. Tulpan, das Mädchen um das es bei diesem ungewöhnlichen Bewerbungsgespräch geht, verbirgt sich währenddessen stumm hinter einem Vorhang. Kurz darauf lässt sie durch ihre Eltern ausrichten, dass sie Asa wegen seiner Segelohren nicht heiraten möchte.
MURNAU FILMTHEATER Wiesbaden

Menschen im Hotel:
Viktor und Viktoria (Reinhold Schünzel, 1933)
Fr., 1.10. um 18 Uhr
Die Schauspieler Susanne Lohr und Viktor Hempel haben beide momentan nicht viel Glück. Erstere bekommt keine Stelle, zweiterer sollte im Variete als Damenimitator auftreten, ist aber heiser. Des Geldes wegen einigen sie sich darauf, dass Susanne ihn vertritt - als Viktoria, die sich am Schluss als Mann entpuppt. Dieser Auftritt der Schauspielerin, die einen Mann vortäuscht, der eine Dame imitiert, wird ein großer Erfolg, der jedoch ungeahnte Verwicklungen nach sich zieht…
Mord im Savoy (Gustav Ucicky, 1936)
Mi., 6.10. um 15:30 Uhr
Zur Zeit des zaristischen Russlands kommt es im vornehmen Savoy-Hotel zwischen dem Ehepaar Daschenko zum Streit. Der Ehemann fühlt sich von seiner Gattin betrogen und erschießt sie während einer Auseinandersetzung. Durch Zufall wird der Etagenkellner Andrej in diese dramatische Situation verwickelt, als Täter festgenommen und des Mordes verdächtigt. Bei einem Lokaltermin gelingt ihm die Flucht und er nimmt die Aufklärung des Geschehens selbst in die Hand.
Regisseure zu Gast:
Born to Skate (Sebastian Linda, Christopher Heck, 2010)
Fr., 1.10. um 20 Uhr
An der Hochschule für Medien Darmstadt lernten sich die beiden Filmemacher kennen - auf den ersten Blick passten sie nicht zusammen, doch sie teilten dieselbe Leidenschaft: Das Skateboarden. Und so entschlossen sie sich, als Abschlussarbeit gemeinsam ein Roadmovie zu den Wurzeln des Skateboards zu drehen.
In memoriam Christoph Schlingensief
Das deutsche Kettensägenmassaker (Christoph Schlingensief, 1990)
Mi., 6.10. um 20 Uhr
Am 21. August verstarb einer der streitbarsten Geister der deutschen Kulturszene, der Film- und Theaterregisseur, Autor, Provokateur vom Dienst und Künstler Christoph Schlingensief. Zum Andenken an den oft umstrittenen, ebenso geliebten wie gehassten Künstler, wie es in Deutschland keinen zweiten gab, zeigen wir seinen Film über die erste Stunde der deutschen Wiedervereinigung, der zum Kultfilm avancierte: Die Nachricht von der Maueröffnung versetzt eine westdeutsche Metzgersfamilie in einen hemmungslosen Blutrausch, in dem mehrere DDR-Bürger dahingemetzelt werden.
CINEMA QUADRAT Mannheim

20 Jahre Mauerfall:
Transit (Angela Zumpe, 2009/2010)
Fr., 1.10., Sa., 2.10. und Mi., 6.10. um 19:30 Uhr
Mal andersherum: Mai 1968, in Westberlin toben die Studentenproteste, mittendrin der 21-jährige Reinhard. Er bekennt sich offen zum Sozialismus, auch aus Protest gegen den konservativen Vater, einem evangelischen Pfarrer. Reinhard beschließt in die DDR überzusiedeln. Der Kontakt zur Familie bricht ab. Acht Monate später, im Januar 1969, ist Reinhard tot. Was hat ihn angetrieben? Knapp vier Jahrzehnte später begibt sich die Regisseurin auf die Spurensuche nach ihrem Bruder...
Am 1.10. mit Besuch der Regisseurin!
 Zwei glorreiche Halunken / Il Buono, Il Brutto E Il Cattivo (Sergio Leone, 1966)
Fr., 1.10. und Sa., 2.10. um 21:30 Uhr

Unser täglich Brot (Nikolaus Geyrhalter, 2005)
Di., 5.10. um 19:30 Uhr
Brot ist weit mehr als nur Brot. Es ist seit Jahrtausenden Sinnbild von Nahrung, körperlicher und seelischer Kraft, Lebenskraft "Unser täglich Brot gib uns heute" heißt es in einem Gebet nach Matthäus 6.11, das Millionen von Christen täglich beten. Bewusst hat Regisseur Nikolaus Geyrhalter für seinen Film diesen Titel gewählt, denn er lässt den Kinobesucher Zeuge einer ganz eigenen Schöpfungsgeschichte werden. UNSER TÄGLICH BROT ist eine filmische Meditation über die Welt der industriellen Nahrungsmittelproduktion. Zum Rhythmus von Fließbändern und riesigen Maschinen zeigt der Film Orte, an denen Nahrungsmittel produziert werden: Für Fahrzeuge optimierte, surreale Landschaften; sterile Räume in funktioneller, industrieller Architektur, für logistisch-effiziente Abläufe entwickelt. Eine kühle, industrielle Umgebung, die wenig Raum für Individualität lässt.

Lebanon

von Ciprian David, am 29.9.10


Krieg auf Kammerspiel zu reduzieren ist nicht nur eine Geste, die zu ungeheurer, vielleicht unangenehmer Intimität einlädt, sondern auch ein stilistisches Statement, ein Etikett, das man als Schöpfer seinem Film vom Anfang an hinzufügt, im Vertrauen, dass die eigene Kreation nicht nur dem Vergleich mit den anderen Werke des gleichen Genres würdig ist, sondern auch dem mit den Werken, die das gleiche Etikett tragen. Der Vergleich mit Petersens Das Boot ist unvermeidbar. Aber Lebanon hat gleich mehrere solcher Etiketten und schwebt thematisch in einer beeindruckenden Konstellation von bewährten Filmen: Die vier junge Soldaten im Panzer bringen ihn in Verbindung mit Full Metal Jacket und Jarhead, die persönliche Herangehensweise des Regisseurs Samuel Maoz, der thematisierte Krieg sowie dessen Nationalität mit Waltz with Bashir und der antithetische Umgang mit dem Raum mit The Hurt Locker.

Mit Ausnahme von zwei Einstellungen, die den Anfang und das Ende des Films markieren, spielt der ganze Film in dem Panzer. Ein Sonnenblumenfeld wird in den zwei Einstellungen gezeigt: Anfangs ein Naturbild, die Sonnenblumen durch die Hitze und durch ihre Schwere nach unten gebeugt, und von der Sonne abgewendet. Am Ende das Bild aus der gleichen Perspektive, doch der Panzer ist mitten im Bild, als Symbol des Fremdkörpers. Der Film erzählt den Weg dieses Panzers bis zum Sonnenblumenfeld – aus dem Inneren des Vehikels. Und dieselbe kontrastreiche Sprache, die im Anfang und Ende des Films die Unnatürlichkeit des Krieges verbildlicht, erklärt während des Weges den Krieg als Verfahren.

Eine kleine Gruppe von Menschen wird zum Exponent, zum Stellvertreter einer Welt. Diese Welt selbst wird verformt, an die Perspektive dieser Gruppe angepasst. So entstehen im Film drei separate Räume. Der unmittelbare, berührbare Raum innerhalb des Panzers wird zum Schauplatz der Interaktionen von vier stark gezeichneten und unerfahrenen israelischen Soldaten – das im Film eigentliche Präsens des Krieges. Konzentrisch dazu zeichnet sich die Umwelt des Panzers: Als Symbol der lauernder Todesgefahr und Ziel der voyeuristischen Bedürfnisse des Schützen ist dieser Raum durch die Art des Zugangs der mediale Ort des Films, die Zukunft. Über die auditive Ebene entsteht der dritte Raum, für Organisation und Befehle bestimmt und, als Ort von Politik und Geschichte, das Symbol der Vergangenheit. Die drei Räume sind stetig in Verbindung miteinander, was ihr Funktionieren voraussetzt. Dem Raum der Vergangenheit gehören die Luftangriffe, die Orte im Voraus bombardiert haben, damit sie nun von den Protagonisten gesäubert werden können, ebenso die strukturierenden Befehle und ein Überblick der Kriegstaktik, den die vier Soldaten im Panzer nie haben werden. Zwischen diesem äußeren Raum und dem innersten im Panzer stechen zwei Konstrukte besonders als Gegenparts hervor: Personen und Funktionen. Im Panzer herrschen die Personen, im Raum der Audioebene die Funktionen. Nur im Raum der Zukunft darf es keine Personen oder Funktionen geben: Rollen vermischen sich, Feind und Opfer können nicht auseinander gehalten werden, Mensch und Tier wiederfährt das gleiche Schicksal.

Mit  Lebanon werden keine neuen Bilder erfunden, auch werden keine neuen Ideen vorgestellt. Die beschriebene Welt ist, wie erwähnt, von der Perspektive bedingt: Ganz im Vordergrund die Soldaten, danach die Operationen und im Hintergrund die Politik. Positionen werden höchstens in Form von allgemeingültigen Aussagen eingenommen:  Samuel Maoz verzichtet mit  Lebanon bewusst auf eine Politisierung des Krieges, zugunsten der Erschaffung einer hautnahen, bedrückenden, gleichzeitig realistischen wie stilisierten Darstellung des Krieges. Soldaten und Zivilisten werden in seinem Werk gleichermaßen zu Opfern, das erschaffene Gesamtbild universell, das Spezielle zum momentanen, übertragbaren Erlebnis. Eine Synthese des Kriegsfilms bleibt unterm Strich übrig. Vielleicht eben damit sichert sich  Lebanon eine ehrenhafte Position unter den Filmen, mit denen er sich thematisch in Verbindung bringen lässt.


Lebanon / Levanon
R: Samuel Maoz
D: Yoav Donat, Itay Tiran, Oshri Cohen, Michael Moshonov
Israel, Libanon, Frankreich, 2009, 92 Min.
Copyright: Senator
Kinostart: 14.10.2010
Veröffentlichung: 13. Mai 2011
Bildformat: 16:9 - 1.77:1
Sprache: DD 5.1 Deutsch, Arabisch, Hebräisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Making of, Audiokommentar des Regisseurs, Wendecover
FSK: 16


Empfehlungen für die Kinowoche (30. September)

von Sascha Eggers, am 29.9.10

Der letzte Exorzismus


Und auch diese Woche stellen wir Ihnen wieder die Neuheiten der Kinowoche vor.
Schreiben Sie uns Ihre eigene Meinung zu den Filmen auch gerne als Kommentar.


Highlights:
Adèle und das Geheimnis des Pharaos von Luc Besson
Französischer Abenteuerfilm [zur Rezension von Elisabeth Maurer]


Der letzte Exorzismus von Daniel Stamm
Inszenierte Dokumentation über einen Exorzisten


Die Entbehrlichen von Andreas Arnstedt
Deutsches Familiendrama [zur Rezension von Ciprian David]


Ich - Einfach unverbesserlich von Pierre Coffin und Chris Renaud
Animationsfilm über einen gar nicht so bösen Superschurken [zur Rezension von Ciprian David]



Für Fans:
Das Sandmännchen - Abenteuer im Traumland von Jesper Møller und Sinem Sakaoglu
Animierter Film, basierend auf dem Klassiker des Kinderfernsehens
Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben von Apichatpong Weerasethakul
Ein thailändisches Drama, in dem ein Mann kurz vor seinem Tod eine mystische Reise antritt

Lieber auf die DVD warten:
Hot Tub - Der Whirlpool ... ist 'ne verdammte Zeitmaschine! von Steve Pink
Zeitreise-Buddykomödie [zur Rezension von Christian Alt] 
Shahada von Burhan Qurbani
Drama, das sich mit dem Islam in Deutschland beschäftigt
Veronika beschließt zu sterben von Emily Young
Drama über eine Frau, die nach einem Selbstmordversuch neuen Lebensmut fasst

Nicht anschauen:
Hochzeitspolka von Lars Jessen
In dieser Komödie will ein ehemaliger Punkrocker eine Polin heiraten
Snowman's Land von Tomasz Thomson
Lakonische deutsche Krimikomödie [zur Rezension von Christian Alt]
Transit von Angela Zumpe
Dokumentation über Menschen, die aus der BRD in die DDR ausgewandert sind

Snowman's Land

von Christian Alt, am 28.9.10

Ein verlassener Gebäudekomplex im tiefsten Schnee, von mächtigen Tannen umrandet. Was nach Kubricks Klassiker Shining klingt, ist der Schauplatz von Tomasz Thomsons zweitem Spielfilm Snowman’s Land. Nachdem die schwarze Komödie bereits auf einigen internationalen Festivals lief, ist er nun ab Donnerstag auch in den deutschen Kinos zu sehen.

Als der Auftragskiller Walter (Jürgen Rißmann) aus Versehen den Falschen erschießt, wird er für einige Wochen suspendiert. Da bietet ihm ein Freund einen Job an: Er soll zusammen mit dem Gangster Micky (Thomas Wodianka) die Villa des Ex-Mafiabosses Berger (Reiner Schöne) vor aufständischen Einheimischen schützen und auf Bergers Frau Sibylle(Eva-Katrin Hermann) aufpassen. Als diese durch einen Unfall stirbt, müssen die beiden die Leiche verstecken und ihren Tod vor dem eintreffenden Berger geheim halten.





Dass Lakonie schnell in Langeweile umschlagen kann, zeigte letztes Jahr auch der norwegische Film Nord. Das Setting, dass durch seine Ausweglosigkeit die Konflikte zwischen den Handelnden verschärfen könnte, wird in Snowman’s Land zu wenig genutzt. Die Hermetik führt hier nicht zu den erwarteten Gefühlsausbrüchen, sondern macht den Film zu einem Kammerspiel der Langeweile. Das liegt vor allen Dingen am holprigen Drehbuch, das seine Figuren skizzenhaft nebeneinander stellt. Vor allem den Dialogen mangelt es an Schnelligkeit und Pointierheit. So schleppt der Film sich in seine zweite Hälfte, die durch das Auftreten Bergers – gespielt von einem grandiosen Reiner Schöne – aufgelockert wird. Dieser kurze Spannungsaufbau hält aber nicht lange vor und so stolpert der Film zu seinem faden Finale. Planlos reiht Thomson Zitat an Zitat ohne wirklich zu einer eigenen Filmsprache zu kommen. Die besten Stellen des Films stammen nicht aus seiner eigenen Feder, sondern kommen klar von Kubrick oder Guy Ritchie.

Jürgen Rißmann, der Snowman’s Land in seiner ersten Hauptrolle zu sehen ist, schafft es tatsächlich seiner Figur noch einige interessante Facetten abzugewinnen und ist neben Schöne die beste Besetzung. Thomas Wodlanka spielt den charmanten Trottel zwar stellenweise überzeugend, schafft es dennoch nicht, die Sympathien auf sich zu ziehen. 
So bleibt Snowman’s Land ein missglückter Versuch, einen deutschen Genrebeitrag zu leisten. Die Mischung altbekannter Motive und Zitate führt eben nicht zu einem neuen, überzeugenden Ganzen, sondern zu einem zähflüssigen und im Grunde genommen überflüssigen Film.

Snowman's Land
R: Tomasz Thomson
D: Jürgen Rißmann, Thomas Wodlanka, Reiner Schöne
Deutschland 2010 98 Min
Zorro Film
Kinostart: 30.09.2010

Twelve - der Gewinner

von Christian Alt, am 28.9.10

gewonnen hat:
Udo B. aus Gustavsburg



Spring Break in New York. Während ihre reichen Eltern im Urlaub oder auf Geschäftsreise sind, wollen die gelangweilten Highschool-Kids der Upper East Side exzessiv feiern. Und White Mike (Chace Crawford) versorgt sie mit dem nötigen Stoff. Der 17-Jährige hat nach dem Tod seiner Mutter die High School geschmissen und dealt stattdessen mit Partydrogen. Er selbst rührt das Zeug nicht an, er trinkt noch nicht mal Alkohol. Alle hält er auf Distanz, selbst seine Jugendfreundin Molly (Emma Roberts), obwohl er heimlich in sie verliebt ist. Von seinem Doppelleben ahnt sie nichts. Da bietet ihm sein Dealer Lionel (Curtis Jackson aka 50 Cent) eine neue Droge an: Twelve wirkt wie ein Mix aus Kokain und Ecstasy und macht sofort abhängig. White Mike ist die Sache zu heiß, harte Drogen will er nicht verticken. Doch sein verstrahlter Cousin Charlie (Jeremy Allen White) will sich den Stoff auf eigene Faust besorgen und wird dabei ermordet. Ausgerechnet Mikes bester Freund Hunter (Philip Ettinger) gerät unter Mordverdacht. Währenddessen bereiten sich alle auf die große Geburtstagsfeier von It-Girl Sara (Esti Ginzberg) vor: Es ist die Party, bei der man dabei sein muss. Aber nicht jeder ist erwünscht, und was rauschhaft beginnt, endet in einer Katastrophe…



Wir freuen uns, zum Kinostart am 14.10.2010 von Twelve ein Fanpaket verlosen zu dürfern. Das Paket enthält :

1x Romanvorlage ZWÖLF (www.kiwi-verlag.de)
1x den neuen Roman von Nick McDonell EIN HOHER PREIS (http://www.berlinverlage.com/) 
1x Filmplakat




                                 Einsendeschluss ist der 15.10.2010



 

Wir danken Tobis  für die Unterstützung!

Damit wir die Preise so früh wie möglich an den Gewinner losschicken können, erfragen wir diesmal Eure Anschrift bereits bei der Teilnahme. Leider können nur Teilnehmer mit Wohnsitz in Deutschland akzeptiert werden. Die Daten werden selbstverständlich vertraulich behandelt.

Mit der Teilnahme akzeptiert Ihr automatisch die hier einsehbaren Teilnahmebedingungen

Adèle und das Geheimnis des Pharaos

von Elisabeth Maurer, am 28.9.10


1976 veröffentlichte der französische Comiczeichner Jacques Tardi den ersten Teil seiner mittlerweile zehn Bände umfassenden Reihe über die Abenteuer von Adèle Blanc-Sec. Die ersten zwei Bände sind Grundlage von Luc Bessons Verfilmung, die in Deutschland nun unter dem Titel Adèle und das Geheimnis der Pharaos in die Kinos kommt.

Der frankobelgische Comic war lange Zeit dominierend und stilbildenden zumindest im europäischen Raum. Als Tardi für den Verlag Casterman eine Comicreihe entwerfen sollte und er sich daher intensiv mit den Hauptfiguren anderer Comic-Mehrteiler auseinandersetzte, bemerkte er jedoch, daß sich die Geschichten meistens um Männer drehten. Die berühmteste weibliche Comicfigur Frankreichs war damals Bécassine. Die erste Geschichte über die einfältige Bretonin in Paris erschien 1905. Tardi entschied, daß sein Comic ebenfalls von einer Frau getragen werden sollte, die sich aber stark von dieser Tradition der Frau in der französischen Comiclandschaft abheben sollte. Seine Hauptfigur sollte eine moderne, äußerst selbstbewußte und selbständige Frau sein. Trotzdem ließ er die Comicgeschichte in die Konstruktion seiner Reihe einfließen. Einerseits beschloß er, die Handlung kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs anzusiedeln, der Zeit, die einen der einflußreichsten französischen Comichelden, Arsène Lupin, hervorbrachte. Auf der anderen Seite zeichnete er seiner Hauptperson einen grünen Mantel, der direkt als Hommage an Bécassines Kleidung zu verstehen ist. Somit wurde seine Adèle von Anfang an erdacht als Comicfrau, die es aber mit den größten Männerfiguren aufnehmen kann.

Bécassine-Heft. Copyright: Elisabeth Maurer

Durch die Kombination einer derartigen Frauengestalt mit der Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts ergab sich zudem ein interessantes Spannungsfeld. In ihrer Haltung ist Adèle Blanc-Sec eine Frau der 1970er Jahre oder sogar noch moderner, muß sich aber in einer Welt zurechtfinden, die erst am Anfang einer modernen Lebensweise steht. Dazu kommt, daß Tardi sie zu einer Abenteurerin machte, eine Art Vorläuferin zu Indiana Jones, die ein starkes Interesse an Geschichte hat. Anders als ihre Zeitgenossen, die leicht überfordert versuchen, mit den modernen Entwicklungen mitzuhalten und in ihren kleinen Machtkämpfen verstrickt sind, schafft Adèle weitsichtig die Verbindung zwischen der Antike, der Gegenwart und einer Zukunft zu ziehen. Dies tut sie aber nicht mit lehrerhafter Besserwisserei, sondern eher mit einer gehörigen Portion Sarkasmus und Eigensinn.


Adèle-Comic. Copyright: Edition Moderne

Die mittlerweile zehn Bände, die die Abenteuer von Adèle erzählen, richten sich ausdrücklich an ein erwachsenes Publikum. Oftmals recht verworren werden die Geschichten aufbereitet, nicht selten fehlt zunächst ein klar zu erkennender roter Faden. Hauptaugenmerk liegt auf den allesamt sehr pointiert und exzentrisch dargestellten Figuren, sowie auf der Atmosphäre des Paris zu Zeiten der Belle Epoque.


Schon seit längerem gab es Verhandlungen um die Filmrechte zu Tardis Werk. Zunächst an einen anderen Regisseur vergeben, konnte sich Luc Besson, der schon seit Jahren an dem Stoff interessiert war, letztendlich doch die Rechte für die Verfilmung sichern. Er setzte sich zusammen mit seiner Ehefrau und Produzentin Virginie Besson-Silla, sowie mit Produktionsdesigner Hugues Tissandier auch intensiv mit Jacques Tardi über dessen Vorstellung einer Leinwandadaption des Comics auseinander. Jedoch war es Tardi und Besson beiden wichtig, daß der Film ein eigenständiges Kunstwerk werden sollte. Um eine kinogeeignete Version zu erschaffen, mußten daher selbstverständlich auch Veränderungen an der Geschichte vorgenommen werden. Wesentlicher Unterschied ist eine Rahmenhandlung, die Besson hinzufügte, um Adèles Persönlichkeit besser verständlich zu machen, aber auch damit sie nicht nur schroff und halsstarrig wirkt. Dabei handelt es sich um Adèles Sorge um ihre schwerkranke Schwester. Ihr zu helfen, ist Adèles Hauptantrieb in der Handlung des Films.


Zunächst geht es darum, daß im Naturkundemuseum plötzlich ein Flugsaurier aus einem uralten Ei schlüpft, der daraufhin die Menschen von Paris in Angst und Schrecken versetzt. Inspektor Léonce Caponi (Gilles Lellouche), der sehr bemüht, aber leider etwas stümperhaft vorgeht, und der gefeierte Großwildjäger Justin de Saint-Hubert (Jean-Paul Rouve), der einfach nur ein aufgeblasener Nichtskönner ist, werden mit der Beseitigung des prähistorischen Tieres beauftragt. Adèle (Louise Bourgoin) befindet sich währenddessen noch bei der Ausgrabung eines Pharaonengrabs in Ägypten. Dabei wird sie von ihrem Widersacher Dieuleveult (Mathieu Amalric) gestört, doch gelingt ihr die Flucht samt Mumie. Zurück in ihrer Heimatstadt Paris wird sie sofort in die Vorkommnisse mit dem Pterodaktylus hineingezogen, denn erstaunlicherweise existiert eine für sie sehr wichtige Verbindung zwischen dem Saurier und ihrer ägyptischen Mumie. Durch allerhand Schwierigkeiten mit unfähigen und korrupten Polizisten, heimlichen Verehrern, verrückten Wissenschaftlern und Verbrechern muß sich Adèle daraufhin kämpfen.


Luc Bessons Filme hatten schon mehrmals an zentraler Position eine starke Frauenfigur, so zum Beispiel in Nikita, Das fünfte Element und Johanna von Orleans. Auch dieses Mal gelingt es ihm, unterstützt durch die beachtliche Leistung der noch relativ unbekannten Louise Bourgoin, eine Figur zu erschaffen, die den gesamten Film tragen kann. Noch mehr wie in Tardis Vorlage dreht sich alles um Adèle und so baut Besson ihren Charakter der selbstbewußten, sturen, ideenreichen Frau aus. Im Gegensatz zu einem Comic ist es für einen Film noch entscheidender, daß eine Figur den Rezipienten die ganze Zeit über fesselt und eine Einfühlung ermöglicht. Besson vermag es ebenfalls sehr gut, Adèles Status zwischen allen Epochen auszudrücken. Die Geschichte findet in einer Zeit statt, in der zwei Frauentypen, die Kindfrau und die Femme Fatale, vorherrschend waren. Adèle paßt zu keinem der beiden, befindet sich dazwischen oder vielleicht sogar ganz wo anders. Dies wird nicht zuletzt durch ihre anachronistischen Kostüme ausgedrückt. Auch ihre Verkleidungskünste beweisen, daß sie sich nicht so leicht in eine Rolle einpressen läßt.

Als Beispiel zwei Comicseiten. Copyright: Edition Moderne

In der Inszenierung versucht der Film die Sprunghaftigkeit, die Comics eigen ist, zu imitieren. Die schnellen Schnitte und wechselnden Schauplätze tragen dazu bei, daß die Geschichte temporeich und damit unterhaltsam bleibt. Dies kommt auch dem Humor der Erzählung zugute. Insgesamt läßt sich bemerken, daß der Film wesentlich humorvoller ist als seine Vorlage. Dies ist neben der charismatischen Hauptdarstellerin seine größte Stärke. Es läßt sich hier jedoch in Bessons Ansatz eine Verschiebung bei der Adaption in Richtung Familienunterhaltung erkennen, was bei einigen Fans der Comics Abneigung hervorrufen könnte. Es könnte dem Film auch vorgeworfen werden, daß die hinzugefügte Rahmenhandlung selbst für einen Film mit Fantasyelementen etwas zu unlogisch erscheint und er dadurch fast in die Gefahr gerät, ebenso wie Indiana Jones 4 an seiner phantastischen Auflösung zu scheitern. Doch die Komik und Adèle retten den Film und machen ihn zu einem sehr unterhaltsamen Familienfilm. Es ist noch zu erwähnen, daß der Film sich auch einen schlichtweg nur als französisch zu bezeichnenden Touch bewahrt, durch den einige Figuren und Situationen einen Charme erhalten, der in einer anderen, zum Beispiel amerikanischen, Produktion dieser Art fehlen würde.

Hier der Trailer des Films:


Bei Edition Moderne sind die Comicvorlagen zu erhalten, hier der Band, der die zwei Teile enthält, auf denen der Film basiert.

Adèle und das Geheimnis der Pharaos / Les aventures extraordinaires d'Adèle Blanc-Sec
R: Luc Besson
D: Louise Bourgoin, Mathieu Almaric, Gilles Lellouche
Frankreich 2010, 107 Min.
Copyright: Universum Film
Kinostart: 30.9.2010

eDIT 2010: Feature Film meets Games

von Elisabeth Maurer, am 28.9.10



Unter dem Titel Feature Film meets Games bot die eDIT in der Kategorie Animation eine interessante Veranstaltung mit drei Kurzvorträgen und Podiumsdiskussion an.

Gundolf S. Freyermuth

Zunächst stellte Prof. Dr. Gundolf S. Freyermuth, Dozent an der Internationalen Filmschule Köln und Leiter des Cologne Games Lab, der am Sonntag schon einen sehr interessanten Vortrag über die Entwicklung im Bereich des 3D-Films gehalten hat, seine Überlegungen zur Beziehung zwischen den zwei Medien dar:

Laut Freyermuth stünden alle Medien in Beziehungen zueinander, allerdings sei die der Leitmedien der entsprechenden Epochen eine privilegierte. So sei zum Beispiel beim Übergang von Theater und Film als Leitmedium der Austausch zwischen diesen beiden Medien im Vergleich zu dem mit anderen privilegiert gewesen.

Derzeit sei Film, also lineare Audiovision, das Leitmedium. Die nach Ansicht von Freyermuth etwas ungeschickt als Games bezeichnete nonlineare Audiovision befände sich auf dem Weg zu Leitmedium, daher nun käme es zu einer bevorzugten Beziehung zwischen diesen beiden Medien. Diese Beziehung sie nun durch vier „Ks“ bestimmt:

Konkurrenz: Die Medien konkurrierten um Kunden genauso wie um Talente.

Kollaboration: Es käme zum Austausch von Talenten und Stoffen. Dies zeige sich an den vielen filmischen Spieleadaptionen und den Spielen zu erfolgreichen Filmen.

Konvergenz: Die Annäherung fände technologisch sowie ökonomisch statt. So würden vielfach dieselben Geräte verwendet, um Games oder Filme herzustellen, und dieselben Medienkonglomerate kämen für die Finanzierung von Produkten beider Medien auf. Selbstverständlich würde laut Freyermuth an dieser Stelle die Frage nach dem Ende dieser Konvergenz aufkommen. Viele würden der Utopie einer Verschmelzung beider Medien anhängen, wodurch sich eine Art Mitspielfilme ergeben würden. Freyermuth hingegen hält dies nicht für wahrscheinlich, da beide Medien so unterschiedliche Kunstformen darstellen würden und auch die Rezeptionshaltung eine grundsätzlich andere wäre.

Komplementarität: In Form einer symmetrischen Komplementarität gäbe es einen Bereich, in dem sich die beiden Medien überschnitten, jedoch sei eine vollkommene Deckung undenkbar. Die Alleinstellungsmerkmale der beiden Medien seien die Interaktivität bei den Games und die lineare Narration beim Film.

Nach Ansicht Freyermuths würden die letzten beiden Punkte, also Konvergenz und Komplementarität, die Zukunft der Beziehung zwischen Film und Games bestimmen.

Michael Endres

Als zweites fügte Michael Endres dieser eher theoretischen Betrachtung die Sicht aus der Games-Praxis hinzu. Endres ist Art Production Manager bei Crytek. Für ihn ist es entscheidend, dass schon immer das Anliegen verfolgt worden sei, den Spielen ein Cinema-Feeling zu verleihen. So habe Crytek bei der Produktion des Spiels Crysis 1 viele Motion-Capture-Aufnahmen verwendet und einen Filmanimationskünstler eingebunden. Generell zeige sich in der Branche, dass immer mehr Angestellte aus dem Filmbereich kämen und es gäbe immer mehr Versuche, die Spielengine zur Herstellung von Filmsequenzen zu verwenden. So sei es auch Endres Traum, einmal einen Feature Film auf Grundlage der Engine von Crytek zu produzieren. Seit einem Jahr würden die Bemühungen in diese Richtung intensiver.

Derzeit sieht Endres es eher für unwahrscheinlich an, dass ihre Engines für fotorealistische Aufnahmen geeignet seien. Wo es aber seiner Meinung nach zu einer guten Zusammenarbeit von Filmproduktion und Games kommen könnte, sie im Bereich der Previewproduction. Viele Filmemacher würden heutzutage noch Standbilder herausgeben, die dann von den Productiondesignern umgesetzt werden müßten. Durch den Einsatz einer Spielengine könnte der Regisseur jedoch direkt und in Echtzeit mit Lichtsetzung und anderen Effekten herum probieren und könnte direkt das sehen, was er später auch erhalten würde. Dies würde den Feedback-Loop und dadurch auch die Kosten bei einer Filmproduktion stark verkleinern.

Philip Weiss

Auch der dritte Vortragende, Philip Weiss, kam als Mitgründer von metricminds aus der Games-Praxis. Der zentrale Bereich seiner Firma liege bei Motion-Capture-Verfahren, nun auch erweitert durch Facial-Performance-Capture. Außerdem liege ein neuer Schwerpunkt bei der Herstellung von Cutscenes.

Weiss wies auf die grundsätzliche Unterscheidung zwischen Realtime und Pre-Rendered hin. Die Spielengine sei immer darauf ausgelegt, dass die Spiele in Echtzeit ablaufen. Daher ermöglichten die Spielengines im Allgemeinen kein Rendern und damit keine Wiederholung eines Ablaufs. Die durch Pre-Rendern hergestellten Filme, seien daher bisher meist besser gewesen, jedoch auch wesentlich teurer und aufwendiger in der Produktion. Für Cutscenes würde zunehmend auf die Verwendung der Spielengine gesetzt. Bei Cutscenes handelt es sich um Minifilme im Game, die es entweder unterbrechen oder fließend in die Handlung eingebaut werden und die der Etablierung einer Welt, der deutlichen Darstellung der Emotionen oder der Ereignisse dienen. Bei der Konzeption einer Cutscene würde sich laut Weiss sehr direkt an Filmen orientiert, da dort schon Mittel für zum Beispiel den Ausdruck von Gefühlen existieren würden. Besonderen Wert würde auch auf das mit „Suspension of Disbelief“ bezeichnetem Prinzip gelegt, also darauf, dass sich der Spieler beziehungsweise Zuschauer vollkommen in die Handlung einfühlen kann. Diese Strategie sei natürlich auch zentral in der Filmerzählung.

Hier als Beispiel der Trailer für die Crysis Fortsetzung Crysis Warhead, den metricminds für Crytek mit der Engine Cryengine 2 produzierte. Schnitte und Farbkorrekturen wurden nachträglich hinzugefügt, der Rest wurde jedoch in-Engine gemacht:

In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurde noch deutlicher die Seite der Filme behandelt. Dabei sei laut Freyermuth zu bemerken, dass die Nonlinearität der Games Einfluß auf die Filmnarration habe. Bei Inception zum Beispiel würde sich deutlich die Konstruktion der Geschichte in Stationen und Levels zeigen, auch würden die Zeit und der Fotorealismus der Welt aufgehoben.

eDIT 2010: Film Lectures Teil 2: Prof. Dr. G. S. Freyermuth über 3D

von Elisabeth Maurer, am 28.9.10


Der zweite Teil der Film Lectures, die sich mit dem Phänomen des 3D-Kinos beschäftigten, wurde von Prof. Dr. Gundolf S. Freyermuth gehalten. Freyermuth lehrt an der Internationalen Filmschule Köln und leitet das Cologne Game Lab, sein Vortrag trug den Titel Jenseits der Linearperspektive – 3D, Touch und der Big Bang der digitalen Bilderwelt.

Freyermuth begann seine Darstellungen mit der Feststellung, dass der Übergang zum digitalen Zeitalter der dritte große Schub in der Geschichte der Moderne wäre, nach Mechanisierung und Renaissance sowie nach Aufklärung und Industrialisierung. Bevor er seine Überlegungen weiter ausführte, stellte er seine fünf Thesen zum Thema seinem Vortrag vornean:

These 1: Der analoge Bildraum ist gekennzeichnet durch Separierung.

These 2: 3D lässt diesen separierten Bildraum explodieren.

These 3:Touch lässt den Bildraum implodieren.

These 4: Wir erleben als Zeitgenossen die Emergenz dieses digitalen Bildraums.

These 5: Die zentralen Kennzeichen dieses digitalen Bildraums sind ziemlich genau gegenteilig zu denen des analogen, nämlich Integration und Immersion.

Die Beweisführung seiner Thesen gliederte Freyermuth in drei Abschnitte:

Status Quo

Jede Entwicklung eines Mediums sei in der Neuzeit durch drei Phasen gekennzeichnet gewesen.

Phase 1: Sie sei gekennzeichnet durch die Experimentierung mit den Möglichkeiten, die das neue Medium anbietet. Als Beispiel können die Versuche mit Hilfsapparaten zur Herstellung eines perspektivschen Eindrucks in den Anfängen der Entwicklung des perspektivischen Tafelbildes in der Renaissance genannt werden.

Phase 2: In der zweiten Entwicklungsstufe fände laut Freyermuth eine Rationalisierung statt, was eine Verbesserung der alten Methoden durch das neue Medium bedeutet.

Phase 3: Die dritte Phase sei bestimmt durch Innovation, erst dann also würde eine Nutzung und Umsetzung des innovativen Potentials des neuen Mediums möglich.

Freyermuth ist der Ansicht, dass sich die digitale Medialität derzeit zu Beginn der dritten Entwicklungsphase befände. Das innovative Potential des neuen Mediums sei dabei durch drei Punkte bestimmt:

Games: Ausprägung einer nonlinearen Audiovisualität.
Touch: Zwischen Nutzer und Medium falle eine Abstraktionsschicht (zum Beispiel durch das Verschwinden der Computermaus) weg.
3D: Es können hyperrealistische Bilder produziert werden.

Rückblick

Bis zur Renaissance habe es laut Freyermuth immer ein direktes Nebeneinander von Bild und Text auf Schrift- und Bildtafeln gegeben. Erst durch die Erfindung des Buchdrucks sei es zu einer Trennung gekommen, da die frühen Buchpressen lange nicht die Einfügung von Bildern erlaubten. Der Text wäre damit auf zu Büchern geordneten Tafeln verblieben, wohingegen sich die Bilder von diesen befreit hätten und zu Tafelbildern mit größerem Format geworden seien. Text wäre durch die Bücher zu etwas Privaterem, Anfassbarem geworden, wohingegen die Bilder sich immer mehr von ihren Rezipienten distanziert hätten, zunächst durch die Vergrößerung, dann durch Rahmung und Verhängung.

Auch bei der Entwicklung der audiovisuellen Medien habe der Fensterblick vorgeherrscht, dies zeigten zum Beispiel der Fernsehkasten der 1960er Jahre. Somit sie der analoge Bildraum gekennzeichnet durch:

Dekontextualisierung: Separierung von anderen Medien und von der Umwelt.
Distanzierung in der Nutzung: Separierung von der Umwelt und den Rezipienten.

Ausblick

Die Krise des analogen Bildraums zeichne sich schon länger ab durch zum Beispiel das Verlangen der Rezipienten nach haptischem Kontakt mit dem Medium, nach einer körperlichen Nähe zum audiovisuell Wahrgenommenen. Ausdruck dieser Sehnsucht sei die Errichtung von Themenparks wie dem Disneyland.

Die Emergenz des digitalen Bildraums sei nun gekennzeichnet durch folgende Punkte:

- Bilder und Text werden wieder verbunden.
- Es fände eine Implosion durch den Einsatz von Touch statt.
- Eine größere Intimität mit dem Medium sei gegeben.
- Es fände gleichzeitig eine Explosion durch die 3D-Technik statt, da die Wand zwischen Zuschauer und Medium aufgehoben würde.

Damit seien die zentralen Eigenschaften des digitalen Bildraums:
- Integration
- Immersion

Somit fände eine Transmedialisierung statt, die Augmentation des Mediums in dieser Form führe zur Auflösung der Trennung zwischen Medium und Realität.

Für Freyermuth ergeben sich aus diesen Überlegungen zwei Perspektiven:
- Einerseits komme es zu einer Beschilderung der Realität. Ähnlich wie die Straßenschilder früher der Realität eine analoge Beschilderung hinzugefügt hätten, würde nun eine digitale Realität auf den Realraum aufgebracht.
- Für den Bildraum hingegen würden sich zwei Entwicklungen abzeichnen:
• Im Bereich der linearen Audiovisualität käme es zu einer Komplementarisierung des Films
• Aus der Verbindung von nonlinearer Audiovisualität und Touch würde die Entwicklung von Holodecks ermöglicht.

Eine Darstellung seiner Überlegungen zu 3D und digitalem Bildraum veröffentlichte Freyermuth in der Septemberausgabe des Magazins Schnitt, den Sie auf der Seite des Magazins nachlesen können.

Hier finden Sie den ersten Teil der eDIT Film Lectures, in dem Georg Seeßlen und Markus Metz sich ebenfalls mit 3D auseinandersetzen.
Freyermuth war noch ein weiteres Mal bei der eDIT diesen Jahres zu Gast und hielt einen Vortrag mit dem Titel Feature Film meets Games.

Region: Filme im Schloss - Me and Orson Welles (OmU)

von Amos Borchert, am 27.9.10

Am Freitag, 1. Oktober, läuft im Schloß Biebrich in Wiesbaden Me and Orson Welles in der untertitelten Originalversion. Los geht´s um 20.00 Uhr.

Filme im Schloß:
Theaterfilm „Me and Orson Welles“ in Erstaufführung
Filme im Schloß (FBW, Ostflügel Schloß Biebrich) zeigt am Freitag, 1. Oktober, um 20 Uhr als Wiesbadener Erstaufführung den britischen Spielfilm „Me and Orson Welles“ („Ich & Orson Welles“) in der untertitelten Originalversion. Richard Linklater („Before Sunrise“, „School of Rock“), vielseitigster und prominentester Independent-Regisseur des englischsprachigen Films, erzählt eine Coming-of-Age-Geschichte aus dem New Yorker Theatermilieu Ende der dreißiger Jahre mit der legendären Inszenierung von Shakespeares „Julius Cäsar“ durch den damals 22jährigen Orson Welles. In dem großartigen Biopic, das Fakten und Fiktion (Roman von Robert Kaplow) mischt, gelingt es dem Regisseur, „eine bisweilen geradezu dokumentarisch anmutende Unmittelbarkeit herzustellen, die präzise den Zeitgeist einfängt“ (epd Film). Die Hauptrollen spielen der Schotte Christian McKay als Welles sowie Mädchenschwarm Zac Efron und Claire Danes.
Karten zum Preis von vier Euro gibt es an der Abendkasse im Biebricher Schloß und im Vorverkauf werktags ab 12 Uhr in der Gaststätte „Ludwig“, Wiesbaden, Wagemannstraße 33. Kartenreservierungen sind unter
www.filme-im-schloss.de sowie Telefon 0611 / 84 07 66 möglich.

Empfehlungen für die DVD-Woche (27. September-03. Oktober 2010)

von Sven Safarow, am 27.9.10


Centurion, von Neil Marshall (bei Constantin Film)

Der neue Film des Fan-Lieblings Marshall ist ein historischer Abenteuerfilm, der in seiner düsteren Grundstimmung ein wenig an Pathfinder und Solomon Kane erinnert.





Solomon Kane, von Michael J. Bassett (bei Constantin Film)

Unser Autor Ciprian David hat Solomon Kane auf dem Fantasy Filmfest 2010 gesehen, und findet: „Mit einem Gespür für Inszenierung portraitiert der Regisseur in sehr schönen Bilder ein angepasst stimmungsvolles England jener Zeit. […] Die Actionszenen sorgen nicht zuletzt durch einen rasanten Schnitt für gute Unterhaltung“.




Ein russischer Sommer, von Michael Hoffman (bei Warner Home Entertainment)

Das letzte Lebensjahr des großen russischen Schriftstellers Tolstoi, Streit um die Rechte an seinem Werk, ein verliebter Sekretär- es passiert viel in diesem period piece voller Dramatik und exzellentem Schauspiel.




Prince of Persia, von Mike Newell (bei Walt Disney)

Die Videospielverfilmung sorgt, wie unser Autor Dennis Vetter findet, „für ein zwar etwas geradliniges und vorhersehbares, aber dafür sehr kurzweiliges, dynamisches und humorvolles Kinoerlebnis“.

DVD: 7 Days (Störkanal #002)

von Dennis Vetter, am 27.9.10


Ein fast unbewohntes Haus, getaucht in graue, ausgewaschene Farbtöne. Eine steril wirkende Küche, ein unaufgeräumtes Wohnzimmer, darin eine alte geplagte Gestalt auf einem abgenutzten Sofa, das wohl seit langer Zeit als Bett dient. Das Schlafzimmer ist mit Brettern verbarrikadiert. Wir befinden uns in der Wohnung des verzweifelten Polizisten Hervé Mercure, der seinen Lebensmut verloren zu haben scheint und sich immer und immer wieder aufs neue mit dem Überwachungsvideo foltert, in dem ein Kleinkrimineller seiner Frau ins Gesicht schießt.7 Days lässt ab dem ersten Moment keine Zweifel daran aufkommen, dass man es mit einem pessimistischen Film zu tun bekommt. Die Eröffnungsbilder sind gleichermaßen Schlüsselbilder des Films, insbesondere das Überwachungsvideo wird mehrfach wiederkehren und repräsentiert die tiefe, lethargische Verzweiflung, die bald nicht nur den Alltag dieses Polizisten prägen wird.

Daniel Grou verhandelt in seinem Film ein weiteres Mal das schwer ergträgliche Thema Blutrache. Kann die Selbstjustiz Erlösung bringen? Eine Antwort wird man nicht erhalten. Der zweite Protagonist des Films, Bruno Hamel, ist Arzt, Ehemann, kein schlechter oder gewalttätiger Mensch. Als er jedoch an einem gewöhnlichen Nachmittag der Polizei begegnet und mit ihr die Leiche seiner vergewaltigten und ermordeten Tochter findet, sieht er als einzig plausible Maßnahme die Entführung Folterung und Ermordung ihres Peinigers. Für sieben Tage hält er ihn gefangen, anschließend will er sich stellen. Ebenso direkt wie die vorherigen Sätze präsentiert sich das Geschehen im Film. Ohne Musik, in harten Bildern, getragen von verzweifelten, fassungslosen Figuren.



Während Bruno Hamel den Verbrecher und gleichermaßen sein eigenes Moralempfinden Stück für Stück zerstört, sucht er mehrfach das Gespräch und wirft im telefonischen Austausch mit seiner Frau und dem verbitterten Mercure wiederholt essenzielle Fragen nach Gerechtigkeit auf. Immer wieder wird dabei die verzweifelte Lage deutlich, in der sich der ehemals glückliche Familienvater befindet. Seine Isolation in einer abgelegenen Waldhütte ist eine Lage, in die er sich ebenso gewaltvoll wie sein Opfer gebracht hat, eine Lage, aus der er keinen plausiblen Ausweg mehr sieht, keine Rückkehr in ein erträgliches Leben. Durch den wiederholten Kontakt nach außen und durch die Einflechtung von medialen Auseinandersetzungen mit dem Vorfall, schafft 7 Days parallel zu seinen harten Gewaltszenen eine gut funktionierende Reflektionsebene zwischen gesellschaftlichen Allgemeinplätzen, Justiz und vor allem der Opferperspektive. Selbst die eindeutige Schuld des Vergewaltigers wird während der ersten extremen Folterakte offen gelassen.

Der Film distanziert sich somit erfolgreich von gängigen Ausschlachtungen der Thematik für das Actionkino, vermeidet geschickt Schwarz-Weiß-Malerei. Ein sehr ambivalentes Ende entlässt den Zuschauer erfreulicherweise in einer dem Thema sehr angemessenen, pessimistischen Stimmung des Nachdenkens, die Weiterdenken fordert und dennoch den zentralen Aspekt des Films auf den Punkt bringt: Jede Form von Gewalt setzt Rationalität letztlich außer Kraft und zerstört Opfer wie Täter gleichermaßen unwiderruflich. Nachdem alles gesagt ist, bleiben Credits ohne Musik.

I-ON New Media nimmt die Romanverfilmung, basierend auf einem Buch des kanadischen Schriftstellers Patrick Senécal, in seine Störkanal-Reihe auf und beschert ihr damit ein formschönes deutsches Release. Fans von extremem Kino abseits von Genrestandards können hier erneut zugreifen und erhalten zum Film wieder ein in die Hülle eingearbeitetes Booklet von Nando Röhner. Zwischentitel wie „Selbstjustiz gefällig?“ stoßen angesichts der ernsten Thematik etwas sauer auf, auch wenn der Text die wesentlichen Aspekte und Inspirationsquellen für ein Publikum ohne Vorwissen sehr verständlich zusammenfasst. Neben dem Booklet liefert die DVD als weitere Goodies leider lediglich den Filmtrailer und eine umfangreiche Trailershow.





7 Days
R: Daniel Grou
D: Claude Legault, Rémy Girard, Martin Dubreuil, Fanny Mallette, Rose-Marie Coallier, Alexandre Goyette
CAN 2010, 106 Min.

Vertrieb: Splendid
Veröffentlichungsdatum: 27.08.2010
Sprache: Deutsch / Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Booklet, Trailer, Trailershow

 

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