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DVD: Sin Nombre

von Ciprian David, am 31.10.10


Christian Povedas Dokumentarfilm über die zwei großen Gangs in Salvador erregte nicht zuletzt wegen dem mit der Natur der Dreharbeiten verbundenen tragischen Tod des Regisseurs weltweites Interesse. Der Regisseur hielt sich mehrere Monate unter den pandilheiros der Gang Mara 18 mit der Kamera auf, um die Schicksale der Gangmitglieder auf Film festzuhalten.

Auf derselben thematischen Welle reitet Cary Fukunaga Sin Nombre. Nicht nur durch die stilistische Herangehensweise sondert sich der Film von seinem Vorgänger ab, sondern auch durch die Perspektive und durch die thematischen Schwerpunkte. Diesmal in Mexiko spielend und dadurch zusammen mit Povedas Film eine Kartographie der zwei großen Maras durchzeichnend, verfolgt Sin Nombre das Leben einiger Protagonisten aus den Reihen der Mara Salvatrucha.

Die Erzählung widmet sich gleich mehreren Protagonisten und gewährt so Einblicke nicht nur in das Leben von Gangmitgliedern und Kindern, die schon mit zwölf Jahren das Einweisungsritual durchgehen, sondern skizziert auch ein Gesellschaftsportrait der armen Schichten Lateinamerikas, der ehrenhaften Menschen, die von einer Zukunft lediglich in Verbindung mit illegaler Einwanderung in die USA träumen können.

Mit der für Lateinamerika üblichen Lebhaftigkeit untersucht der Film seine Protagonisten anhand der wichtigen Momente ihres Lebens. Erwachsenwerden und die erste Liebe werden nur im Regelsystem der Maras erlebt, die zu einem Ersatz werden, nicht nur für Familie, sondern auf für Gesellschaft. Wie makabere Wächter bewegen sich die Gangmitglieder um einen Güterbahnhof und richten über die Habseligkeiten des Emigrantenflusses. Mit dem Mord eines der Protagonisten an dem lokalen Anführer seiner Mara wird der Ausbruch aus diesem System obligatorisch.

Ein Güterzug wird zum wichtigsten Schauplatz des Films und portraitiert Emigranten auf dem quälenden Weg zur drei Wochen entfernten Grenze. Orte werden negiert, stattdessen wird der Weg in den Vordergrund gestellt: Anhand einer Karte verfolgen die Protagonisten ihren Fortschritt und verlieren nach und nach ihr Ziel aus den Augen. Spätestens die Ankunft des flüchtenden Hauptcharakters signalisiert die Tatsache, dass es kein Ziel gibt, sondern nur der unmögliche Versuch eines Ausbruchs. Die tragisch beendete erste Liebe, Grund für die ursprüngliche Flucht, bekommt auf dem Dach des Güterzugs eine symbolische zweite Chance. Überhaupt arbeitet  Cary Fukunaga sehr schlicht mit Archetypen, daher die Stärke seines Films. Verhältnismäßig viel Zeit nimmt er sich, um diese Reise in den Tod mit dem Inneren des jungen Flüchtlings durch expressive Bilder zu verbinden. Zwischen Gesellschaft und der omnipräsenten Mara, zwischen dem bürgerlichen Namen und den Spitznamen als Gangmitglied eröffnet sich keine weitere Alternative.

Das Ende eines Lebens wird mit dem Kampf um ein neues Leben verbunden, die Widrigkeiten des Weges durch den Traum von diesem neuen Lebens umhüllt. Anders als Poveda lässt Fukunaga einen indirekten Schimmer von Hoffnung am Ende entstehen, die Kernaussage über die Gangs bleibt jedoch beibehalten. Und auch wenn der Blick von Sin Nombre nicht gleichzeitig eine Makroperspektive anstrebt, sondern sich um einzelne Lebenswege konstituiert, ist die synthetisierende Kraft des Films nicht zu übersehen.

Reichlich mit Bonusmaterial ausgestattet, wird der Film auf DVD veröffentlicht. Von einem aufschlussreichen Interview mit dem Regisseur, über einen Audiokommentar, sowie 13 entfallene Szenen wird das Universum des Films ergänzt. Als Special ist noch der Kurzfilm Victoria para Chino eine Belohnung für den Kauf.




Sin Nombre
R: Cary Fukunaga
D: Edgar Flores, Paulina Gaitan, Kristyan Ferrer, Tenoch Huerta Mejía
Mexiko, USA, 2009 (2010), 92 Min.
Prokino

Veröffentlichung: 28.10.2010
Bildformat: 2,35:1 (16:9 anamorph)
Sprache: Deutsch, Spanisch, DTS, DD5.1
Untertitel: Deutsch
Extras: Kurzfilm Victoria para Chino, Audiokommentar mit Regisseur und Produzent, entfallenen Szenen, Interview Cary Fukunaga, deutscher Kinotrailer.
FSK 16



Breaking Bad - Synthese und Kurswechsel

von Ciprian David, am 31.10.10



Mit der siebten Episode ging gestern die erste Staffel von Breaking Bad auf ARTE zu Ende. Und ebenso wie der Protagonist sich anstrengt, die Fehlentscheidungen in seinem Lebens zu reparieren und auf illegalem Weg für seine Familie über den eigenen Tod hinaus zu sorgen, wird diese Episode zum Anlass, die bisherige Handlung, aber auch die Motive und stilistischen Entscheidungen unter die Lupe zu nehmen.

Penetrant geht es gleich in der ersten Szene zur Sache, sowohl auf der diegetischen, als auch auf der Metaebene: während einer Sitzung mit Lehrern, Polizisten und Angehörigen in Walts Schule, die dazu dient, Transparenz in den Fall des Diebstahls aus dem Chemielabor zu bringen, schöpft Walt aus der atmosphärischen Spannung durch den möglicherweise über ihm schwebenden Verdacht sexuelle Energie. Die beeindruckende Mimik von Bryan Cranston ergänzt dermaßen harmonisch seine Handbewegungen zwischen den Beinen seiner Frau, dass seine Antwort auf ihre im Nachhinein gestellte Frage nach der Quelle dieser Energie überflüssig scheint: Weil es gesetzwidrig ist. Ein nur stellenweise in den anderen Episoden zu findender Ansatz wird nun in voller Form vorgestellt: Zwischen Verpflichtungen seiner Familie gegenüber, dem naheliegenden Tod und die Ängste um die sich ihm neu erschließende Welt findet Walt Gefallen an seinem zweiten Leben. Dieses Gefallen wird zum Hauptthema in der Episode und wird später als Diskussionsthema zwischen Walt und Hank um Legalität und Illegalität als Motor der kleinen Verbrechen, die jeder hin und wieder begeht, vorgeschlagen. Diese Idee bekommt sogar einen eigenen Charakter als Versuchskaninchen: Maries Kleptomanie wird zum Nebenthema der Episode und scheint den Anfang einer Reihe von Enthüllungen der Unkorrektheit der anderen Charaktere um Walt herum zu bilden.

Die humoristischen Akzente der Episode finden eine Steigerung in Walts und Jesses Aktivitäten als Drogenhersteller. Während sein Geschick als Chemiker ihm neue Möglichkeiten eröffnet, erweist sich Walt als Trafikant äußerst taktlos. Selbstreflexiv lassen die Macher von nun an Walt nach den ehrenvollsten filmischen Regeln des Gangsterfilms dunkle Sonnenbrille und einen urkomischen Hut bei den Übergaben auf einem Autoschrottplatz tragen, oder bunte Skimützen als Tarnung beim Einbruch in eine Chemiefabrik. Die Situationskomik als Hauptmethode zur Erzeugung des Humors wird wunderbar in einer Szene synthetisiert, in welcher Walter und Jesse eine schwere Tonne Chemikalien im Vordergrund des Bildes mühsam mitgehen lassen, während sich der Nachtwächter hoffnungslos aus einer von den beiden kurz zuvor zugeschnürten Dixi-Toilette zu befreien versucht.

Der Stilbruch erfolgt mit der ersten Episode der zweiten Staffel. Zum ersten Mal wird eine Eröffnungssequenz in Schwarz-Weiss gezeigt. Aufnahmen von der Vegetation um Walters Haus, einer Schnecke auf einer Mauer, einem Spielzeugauge im Pool entwickeln eine plastische Dramaturgie der Spannung. Das Auge wird vom Wasser zum Abfluss getragen - die zweite Staffel von Breaking Bad öffnet eine neue Welt. Durch die Eröffnungssequenz bekommt die erste Szene der Episode, die dieselbe wie die letzte der vorigen Episode wiederaufnimmt, eine neue Dimension. Ein Tuco, der unverwechselbar an Frank Booth erinnert, gestärkt durch die Plastizität der Eröffnungssequenz, lädt zu einer Hommage an die Welten von David Lynch ein: die achte Folge wird ein Thriller sein.

Die experimentierfreudige Kamera verlagert die Aufmerksamkeit von den Charakteren auf die Gegenstände. So werden nun Situationen über die Spuren einer Schönheitsmaske auf dem Kühlschrank, über ein zertrümmertes Spielzeugauto, einen Revolver, oder Tucos Auto erklärt. Die Räume gewinnen eine bedrohliche Tiefe, die Szenerie wird meistens dunkel inszeniert, oft mit einem Hang zu künstlerischen Arrangements. Walter wird als Protagonist eines Film Noirs neu vorgestellt. In diesem Zusammenhang bekommt nicht nur der sich mühsam etablierte Humor eine neue, groteske Dimension. Die Charaktere wirken entwurzelt, mit einer tragischen Note verbunden. Die bürgerlichen Familien in Walters Universum sind nun Wohngemeinschaften nicht kommunizierender Individuen.

Der Chemielehrer selbst gehört nun in das dunkle Wunderland der Drogengeschäfte. Dass er ein Fremder in seinem ehemaligen Alltag geworden ist, wird nicht mehr als Problem inszeniert. Sein Leben hat inzwischen ein neues Stadium erreicht. Die neugierigen Blicke werden bestraft, der Spieß wird umgedreht – von nun an dringt das Wunderland in die Vorstadtidylle ein.


Weitere Artikel aus unserer Breaking Bad-Reihe finden Sie hier.
Jeden Samstag werden auf ARTE um 22:00 Uhr zwei Folgen ausgestrahlt.


Plug&Pray

von Simon Frauendorfer, am 31.10.10


Der technische Fortschritt sei nicht aufzuhalten. Die Zukunft des Menschen stehe ausschließlich im Zeichen neuer Errungenschaften auf dem Gebiet der Informationswissenschaften. So strukturiert sich der Diskurs über die vernetzte Zukunft der Erdenbewohner. Die letzten Bastionen des Humanismus bröckeln unter der Last der allgegenwärtigen Technokratie. Maschinen, die alle Abläufe des Alltagslebens erleichtern sollen, Roboter, die ihren Schöpfern immer ähnlicher werden, beflügeln nicht nur die Fantasie zahlreicher Science-Fiction Autoren, sondern auch die Kreativität der Forscher.

Regisseur Jens Schanze gibt in seinem Dokumentarfilm Plug&Pray verschiedenen Positionen zum Thema Robotertechnik und künstliche Intelligenz Artikulationsmöglichkeiten. Ein numerisches Übergewicht erarbeiten sich die Vertreter des undifferenzierten Fortschrittsglaubens, wie Raymond Kurzweil, der früher vor allem durch die Herstellung von Synthesizern bekannt wurde und heute an der Überwindung des biologischen Todes arbeitet. Auf der Gegenseite spricht der ehemalige MIT-Professor für Computer Science Joseph Weizenbaum. Trotz seiner Bedeutung als Pionier des Computerzeitalters steht er der Herrschaft des Maschinellen kritisch gegenüber, denn die Substitution des Menschen durch seine eigenen Erfindungen zeuge vom arroganten Glauben, die eigene Spezies vollständig dechiffriert zu haben.

Das Thema von Plug&Pray ist der ewige Zwiespalt zwischen Fortschritt und Ethik. Der Zuschauer erhält einen Einblick in die zukunftsorientierten Laboratorien dieser Welt, wo euphorische Wissenschaftler auf den verschwommenen Grenzen zwischen Robotik, Biologie, Computertechnik und Entwicklungspsychologie auf dem besten Weg sind, einen neuen Menschen zu erschaffen. Hiroshi Ishiguro, der Leiter des Intelligent Robotics Laboratory an der Universität Osaka in Japan zeigt voller Stolz seinen robotischen Doppelgänger. Giorgio Metta, Professor an der Universität von Genua arbeitet derzeit an der Herstellung eines lernfähigen Roboters in der Gestalt eines dreijährigen Kindes. All diese Projekte erhalten Subventionen, da der Anschluss an den Weltmarkt einen beträchtlichen finanziellen Aufwand voraussetzt. Joseph Weizenbaum bleibt in der Welt der scheinbar unaufhaltsamen Fortentwicklung die mahnende Stimme und wird dabei zu einem der letzten Vertreter kulturkritischer Ansichten stilisiert. Der Verzicht auf die Einbringung weiterer pessimistischer Perspektiven erweckt zeitweise den Eindruck, als kämpfe ein älterer Mann auf verlorenem Posten gegen seine missgeleiteten geistigen Söhne.


Trotz der Überlast freudiger Stimmen zur technisierten Zukunft hält Jens Schanze lange Zeit die Balance, die Trennungslinie zwischen den Ansichten aufrecht, eher er sich gegen Ende auf die Seite Weizenbaums schlägt. Was in erster Linie als eine Form der Inkonsequenz interpretiert werden könnte, entfaltet bei näherer Betrachtung seinen ganz eigenen Sinn: Wo die Kritik ausstirbt, entsteht ein gefährliches Vakuum, das gefüllt werden muss, um die Erosion des Menschseins zu verhindern. Die distanzierte Betrachtung aktueller Entwicklungen stellt letztendlich eine Notwendigkeit dar, die weder regressiv noch unangebracht ist, da sie immerhin unreflektierten Fortschrittsdrang mit ethischen Fragen flankiert und ein Stück weit vor völliger Willkür bewahrt.

Auf formaler Ebene orientiert sich Plug&Pray deutlich an den Prämissen des Dokumentarfilms. Interviews und Texttafeln zeugen von einem sehr klassischen Aufbau, wobei auf das allseits beliebte Voice-Over verzichtet wird. Den Standpunkt des Regisseurs in Bezug auf die dargestellten Erfindungen, Thesen und Theorien zu ermitteln, ist aufgrund einer spürbaren Zurückhaltung und eines niemals abwertenden Blicks ein komplexes Unterfangen. Zwar bemerkt man gegen Ende die Hingezogenheit zur kulturkritischen Perspektive, doch aufgezwungen bekommt man als Zuschauer nichts.

Plug&Pray ist ein lohnender Film, der von großer Recherchemühe zeugt und sein Ziel, einen groben Überblick des Diskurses über Technologisierung und künstliche Intelligenz zu verschaffen, auch erreicht. Dabei stellt er wichtige Fragen zur Relation des Menschen zu seinen Schöpfungen und überzeugt dank einer differenzierten Betrachtung ohne apokalyptische Endzeitszenarien oder Lobeshymen auf die wundervolle Welt der Technik. Plug&Play ist eine durchweg optimistische Einstellung; Plug&Pray ein weitaus realistischerer Gegenentwurf, denn kennen wir nicht alle die Tücken des Computer-Zeitalters aus eigener Erfahrung, von unseren eigenen Geräten?




Plug&Pray
R: Jens Schanze
D: Joseph Weizenbaum, Raymond Kurzweil, Giorgio Metta
Deutschland 2010, ca. 91 Min.
FSK: O
Prädikat besonders wertvoll
Copyright: Farbfilm Verleih GmbH

Wettbewerb: Deutscher Jugendvideopreis

von Dana Pastor, am 31.10.10


Aus der Pressemitteilung zum Bundeswettbewerb für Video + Animation:
Jetzt mitmachen beim Deutschen Jugendvideopreis 2011
KJF, Remscheid, September 2010. Chancen für junge Filmtalente: Ab sofort können Videogruppen und Filmemacher bis 25 Jahre beim Deutschen Jugendvideopreis 2011 ihre neuen Produktionen einreichen. Einsendeschluss ist der 15. Januar 2011. Die besten Filme werden mit Preisen im Gesamtwert von 15.000 Euro ausgezeichnet und in Gera auf dem „Bundesfestival Video“ präsentiert. Der Wettbewerb wird vom Bundesjugendministerium gefördert und vom Kinder- und Jugendfilmzentrum in Deutschland (KJF) veranstaltet. Die Teilnahme-Infos gibt es auf www.jugendvideopreis.de.
Gefragt sind alle Themen
Ob Spielfilm, Dokumentation, Musikvideo oder Videokunst – der Wettbewerb ist offen für alle Genres und Umsetzungsformen. Auch bei der Wahl des Themas gibt es keine Einschränkung. Das zusätzliche Sonderthema „grenzenlos“ lässt ganz unterschiedliche Interpretationen zu, etwa zu persönlichen Fragen oder gesellschaftlichen Visionen. „Bei diesem Thema geht es auch um Freiheit, aber umgekehrt auch um Abgrenzung und Ausgrenzung“, so Projektleiter Jan Schmolling.
Auf den Spuren von Pixar & Co
Animationsfilme in allen technischen Spielarten zählen seit seinem Start im Jahre 1988 zum Spektrum des Deutschen Jugendvideopreises. Die beste Produktion wird mit einem Preis von 1.000 Euro ausgezeichnet. Ob als 3D-Animation, Stopptrick oder Machinima-Movie: auch hier kommt es auf die originelle Idee und gekonnte Umsetzung an. Inspirationen gibt es im Katalog „ZOOM“ und der beiliegenden DVD, die 26 Animationsfilme aus den letzten 20 Jahren des Bundeswettbewerbs enthält.
Am Wettbewerb teilnehmen können alle bis 25 Jahre, der nicht im Profibereich tätig sind. Damit alle eine faire Chance haben, werden die Filme in vier Altersgruppen prämiert. Mit bislang 60.000 Teilnehmern zählt der Deutsche Jugendvideopreis zu den populärsten Wettbewerben des Bundes.

Kontakt und Infos:
Kinder- und Jugendfilmzentrum in Deutschland (KJF)
Deutscher Jugendvideopreis
Küppelstein 34
42857 Remscheid
Tel.: 02191-794-257
Fax: 02191-794-230
E-Mail: drees-krampe@kjf.de
www.jugendvideopreis.de
Genaue Angaben zur Ausschreibung gibt es auch hier.

Highlights der Fernsehwoche 01.11-07.11

von Simon Frauendorfer, am 31.10.10



Montag, 01.11.2010


Familiengrab (Alfred Hitchcock, USA 1975)
Krimi
ARD, 01.50 Uhr

Cliffhanger - Nur die Starken überleben (Renny Harlin, USA 1993)
Action
SAT1, 22.15 Uhr

Jade (William Friedkin, USA 1995)
Erotikthriller
PRO7, 02.40 Uhr

TAGESTIPP  → Eine Frage der Ehre (Rob Reiner, USA 1992)
Thriller
Kabel1, 20.15 Uhr

Lola Montez (Max Ophüls, D./F. 1955)
Drama
ARTE, 20.15 Uhr




Dienstag, 02.11.2010


Face - Abgerechnet wird zum Schluß (Antonia Bird, GB 1997)
Gangsterfilm
BR, 23.20 Uhr

TAGESTIPP  → Der Stellvertreter (Costa-Gavras, D./F. 2002)
Drama
ARTE, 20.15 Uhr

Retrograde - Krieg auf dem Eisplaneten (Christopher Kulikowski, L/USA/F./GB)
Science-Fiction
TELE5, 22.10 Uhr




Mittwoch, 03.11.2010


Sturmhöhe (Jacques Rivette, F. 1985)
Drama
ARD, 00.35 Uhr

TAGESTIPP  → Memento (Christopher Nolan, USA 2000)
Psychothriller
SWR, 23.00 Uhr

Eiskalte Leidenschaft (Phil Joanou, USA 1991)
Thriller
RBB, 23.15 Uhr




Donnerstag, 04.11.2010


TAGESTIPP  → Pat Garrett jagt Billy the Kid (Sam Peckinpah, USA 1972)
Western
ARD, 00.50 Uhr

Der Pakt der Wölfe (Christophe Gans, F. 2001)
Horror
VOX, 21.50 Uhr

Half Nelson (Ryan Fleck, USA 2006)
Drama
WDR, 23.15 Uhr

Plan 9 aus dem Weltall (Edward D. Wood Jr., USA 1956-58)
Science-Fiction
ARTE, 00.30 Uhr




Freitag, 05.11.2010


Vera Cruz (Robert Aldrich, USA 1954)
Western
ARD, 00.30 Uhr

Die erste Kugel trifft (Russell Rouse, USA 1956)
Western
ARD, 02.05 Uhr

TAGESTIPP  → Jarhead - Willkommen im Dreck (Sam Mendes, USA 2005)
Kriegsfilm
RTLII, 22.15 Uhr

Das geheime Leben der Worte (Isabel Coixet, E 2005)
Drama
3SAT, 22.25 Uhr 





Samstag, 06.11.2010


Der Mann aus Laramie (Anthony Mann, USA 1955)
Western
ARD, 23.15 Uhr

TAGESTIPP  → Töte Amigo (Damiano Damiani, I. 1966)
Western
ARD, 01.00 Uhr

Carrie - Des Satans jüngste Tochter (Brian De Palma, USA 1976)
Horror
ZDF, 00.20 Uhr

Karate Tiger (Corey Yuen, HK 1986)
Action
RTLII, 20.15 Uhr

Grizzly (William Girdler, USA 1975)
Horror
Kabel1, 03.15 Uhr

Das dreckige Dutzend (Robert Aldrich, USA 1967)
Kriegsfilm
RBB, 23.15 Uhr




Sonntag, 07.11.2010


Secretary (Steven Shainberg, USA 2002)
Komödie
ARD, 02.00 Uhr

TAGESTIPP  → Cotton Club (Francis Ford Coppola, USA 1984)
Gangsterfilm
TELE5, 00.20 Uhr

Blutmond (Michael Mann, USA 1986)
Psychothriller
Kabel1, 02.55 Uhr



Empfehlungen für die DVD-Woche (01.-07. November 2010)

von Sven Safarow, am 31.10.10




Auftrag Rache, von Martin Campbell (bei Universal Pictures Video)

Mad Mel ist wieder da, wenigstens auf DVD und Blu-ray, mit einem altmodischen Rachestreifen, der unterhält.














The Crazies – Fürchte deinen Nächsten, von Breck Eisner (bei KINOWELT Home Entertainment)

Die Neuverfilmung des Klassikers von George Romero gilt als eines der besseren Remakes.










Eine bizarre, und höchst unterhaltsame Geschichte eines charmanten Betrügers, mit einem bestens aufgelegten Jim Carrey.










Nummer 6, von Patrick McGoohan, u.a. (bei Koch Media Home Entertainment)

Alle Folgen der Kultserie jetzt endlich auf DVD und Blu-ray.











Ein Supercomputer bedroht die Menschheit. Bald von uns rezensiert!

IFF Mannheim-Heidelberg (11. - 21.11.2010)

von Dana Pastor, am 30.10.10

Das Programm für das 59. Internationale Filmfestival Mannheim-Heidelberg steht fest. Laut Pressemitteilung befinden sich unter den Festivalbeiträgen gleich drei Filme, die sich mit dem Krieg in Afghanistan auseinander setzen.
In der Kategorie Internationaler Wettbewerb sind zwei Newcomer Filme vertreten, die die inneren und äußeren Konflikte Afghanistans zum Thema haben. 
ACT OF DISHONOUR ist das Regie-Debut der Schauspielerin Nelofer Pazira, bekannt als Hauptdarstellerin in Mohsen Makhmalbafs Kandahar, Der Film läuft als Deutsche Premiere im Internationalen Wettbewerb des Festivals. Erzählt wird die Geschichte der Afghanin Mena. Sie wird von einem kanadischen Filmteam zu ein paar Auftritten ohne Schleier überredet, was eine Erschütterung des Wertegefüges auslöst. Mena muss die schwerste aller Strafen fürchten. Man darf fragen: Was hat diese Befreiungsaktion eigentlich erreicht?
Das beeindruckende Melodram sät den Zweifel, vor dem sich alle Beteiligten fürchten: Nach mehr als tausend Toten der Eingreifkräfte und Milliarden Kriegskosten - ist irgendwas erreicht worden? Auf der anderen Seite zeigt der Film auch den schrecklichen Furor des Krieges und die Poesie des Neubeginns.
Als Actionfilm mit Autorenhandschrift erzählt der Wettbewerbsbeitrag KANDAHAR BREAK von David Whitney, Großbritannien, von einer Gruppe britischer Minenräumer im Süden von Afghanistan im Jahr 1999. Sie arbeiten in den Diensten des damals herrschenden Talibanregimes. Aber auch das schützt sie nicht vor den drakonischen Gesetzen der islamistischen Gewaltherrschaft, besonders als auch noch Liebe ins Spiel kommt.
Ein frischer spannender Blick auch auf die aktuellen Ereignisse in Afghanistan, der Elemente des Abenteuerfilms nutzt, um die wahren Probleme und die Grundkonflikte der Region zu beschreiben. Mit den Hauptfiguren ist man wie in einem Dokumentarfilm auch ganz nah an der Wirklichkeit. Vier Angehörige der Film-Crew wurden bei den Dreharbeiten angeschossen. Der heiße Atem der großen Weltereignisse durchweht diese Deutsche Premiere und trotzdem ist er immer auf der Höhe seiner lebendigen Figuren. Regisseur Whitney drehte bislang Werbe- und Kurzfilme, dies ist sein erster Spielfilm.
Ein weiterer interessanter Film zum Thema Afghanistan findet sich in der Dokumentar- und Essayfilm-Kategorie Ganz schön wirklich:
Janus Metz Pedersen, Dänemark, zeigt den dokumentarischen Spielfilm ARMADILLO in der Dokumentar-und Essay-Nebenreihe „Ganz schön Wirklich“ als Deutsche Premiere. Die Geschichte folgt einer Einheit dänischer Soldaten in Afghanistan im Camp „Armadillo“. Der harte Einsatz gegen die Taliban lässt die Männer immer mehr verrohen. Die gefährliche Mischung aus Langeweile, Angst und gewalttätigen Ausbrüchen verändern die Männer. Der Krieg macht sie nicht zu Bestien, sondern verschiebt alle Maßstäbe. Aus Sympathieträgern werden zweifelhafte Typen. Markige Sprüche wandeln sich zu zweifelhaften Einsatzbefehlen. Heroismus versinkt im Dreck. Manche wollen trotzdem weitermachen. Andere haben genug vom Krieg. Ein schonungsloses Bild des ganz konkreten Krieges und dessen Folgen.
Die Regisseure der Filme werden während des Festival in Mannheim und Heidelberg zu Gast sein und stehen für Interviews zur Verfügung.
Insgesamt präsentiert das Festival 45 Filme in 6 verschiedenen Kategorien, darunter eine Weltpremiere, drei europäische Premieren und sieben internationale Premieren, ergänzt von 16 Deutschlandpremieren. Nach jeder Filmvorführung in den Reihen Internationaler Wettbewerb und Internationale Entdeckungen finden Podiumsdiskussionen mit Regisseuren und Filmschaffenden statt, die für alle Besucher des Festivals öffentlich sind.

Mehr Informationen zum Programm und weitere Infos zum Festival finden sie auf der offiziellen Webseite des Festivals.

Die kommenden Tage

von Dominik Eichhorn, am 29.10.10


Das Ende ist absehbar, auch bei Lars Kraumes Inszenierung von Die kommenden Tage. Ohne langes Zutun zeigt er, wie seine Protagonistin Laura (Bernadette Heerwagen) mit ihrem Neugeborenen durch die Weite der schneebedeckten Alpen fährt, durch abgelegene Straßen und holprige Wege an das Ende der Strecke gelangt, um dort vor einer steinernen Mauer zum Erliegen zu kommen. Sprachlos verharrt sie in der scheinbaren Gefangenschaft. Zwanzig Jahre nach dem deutsch-deutschen Mauerfall arbeitet dieser Film mit einer Zukunftsvision, die durch die nahe Vergangenheit nicht willkürlich erscheint: Eine Mauer ist das Ende der Regierungszone, dahinter erwartet uns lediglich Gesetzlosigkeit und Ungewissheit. Erst hier erfährt der Zuschauer, dass man sich im Jahr 2020 befindet, nicht etwa in einem erneuten DDR-Film-Aufwasch.

Badlands Film zeigt sich verantwortlich für dieses Projekt und macht seinem Name wiederum alle Ehre. Bereits mit Matthias Glasners This is Love bildete man den nüchternen Startpunkt der jungen Produktionsfirma. Lars Kraume (Keine Lieder über Liebe) findet hier die optimalen Spielpartner für seine Fiktion. Es ist ein grauer Blick auf die nahe Zukunft und die Auswirkungen der Klimapolitik Europas auf die ganze Welt. Kraume treibt die Europäische Union in den Verfall, holt die RAF-Unruhen zurück in das Gemüt des Zuschauers und lässt durch beiläufige Alltagsanspielungen einen gesamten Staat in Unsicherheit versinken. Ein scheinbar großes Vorhaben, was von vielen Seiten kritisch beäugt werden könnte. Doch der Regisseur und Drehbuchautor lässt seiner filmischen Vorstellung lange Zeit für die Entwicklung und bleibt hierdurch authentisch am Geschehen. Dabei werden „die kommenden Tage“ anhand der Familiengeschichte Laura Kupers erzählt, deren Schwester Cecilia (Johanna Wokalek) im Rausch des aufkommenden Terrorismus mit ihrem Freund Konstantin (August Diehl) in den Untergrund abrutscht und den Gegenpol für die bürgerlich-orientierte Laura darstellt. Das Familienkonstrukt wird durch den kleinen Bruder, der dem Militär beitritt und der zerrütteten Ehe der Eltern abgerundet und findet seine Schicksalsschläge in der fortschreitenden Entwicklung der politischen Lage Europas.

Über zwei Stunden lässt sich Kraume Zeit, um den technischen Fortschritt rund um das Familiengeschehen glaubhaft zu manifestieren. Er verzichtet auf fliegende Autos, zeigt dafür wie ein Computervirus ganz Berlin lahmlegen kann – ein Szenario, das den Ängsten aus 2010 durchaus entspricht. Schlussendlich schwappt der aufkommende vierte Golfkrieg auf Europa über, ganz als ob man es morgen in der Tagespresse lesen könnte. Hier liegt auch die wahre Stärke des Films: Man bemerkt nicht, dass man sich in einer fiktiven Story über unsere gemeinsame Zukunft befindet. Man ist angehalten zu glauben, dass das was uns der Regisseur in bildgewaltigen Großaufnahmen zeigt, wirklich so ablaufen wird. Insbesondere Bernadette Heerwagen agiert hierbei gegen die abstrakte Thematik des Films, da sie ihre Rolle derartig verinnerlicht hat, dass es fast unnötig erscheint, die Dialogsequenzen durch eine ruhig beobachtende Kamera unterstützt zu wissen.

Was den Zuschauer ab dem 4. November in den deutschen Kinos erwartet, ist nicht etwa die waghalsige Zukunftsprognose eines Filmemachers, sondern eine bedachte Abhandlung all der Ängste einer Gesellschaft, die sich in heutigen Bürgerbegehren und sonstigen Umweltdebatten widerspiegeln. Gerade deswegen verlässt der Zuschauer aufgewühlt den Kinosaal, im Bewusstsein all dieser Wahrheiten gewesen zu sein und plötzlich am Ende zusammen mit den Darstellern des Films wieder vor der anfangs erwähnten Mauer zu stehen – doch diesmal ein wenig mehr als nur sprachlos.



Die kommenden Tage
R: Lars Kraume
D: August Diehl, Bernadette Heerwagen, Johanna Wokalek
Deutschland 2010 125 Min.
Verleih: Universal
Kinostart: 4.11.2010
DVD-Veröffentlichung: 5.5.2011
Bildformat: 2.35:1 (Anamorph)
Sprache: DD 5.1 - Deutsch
Untertitel: Englisch, Deutsch für Hörgeschädigte
FSK: 12
Extras: Alternativer Anfang, Alternatives Ende, Making-Of, Hinter den Kulissen, Interviews mit Cast & Crew, Making-Of Special (90 Min.): Die vergangenen Tage, Dokumentation: Die perfekte Droge

Machete

von Oliver Schmitt, am 29.10.10


Eine 20 bis 50 cm lange Stahlklinge ist wesentlicher Bestandteil des traditionellen Arbeitsgerätes der Macheteros auf den Zuckerrohrfeldern. Die Machete ist Alltagsgegenstand, der zumeist auf der südlichen Erdhalbkugel zum Einsatz kommt, immer noch dort, wo moderne Technik nicht erfolgreich angewendet wird. Die wendige ausbalancierte Konstruktion des Werkzeugs macht die Machete zu einer Verlängerung des Unterarms und begünstigt damit kraftvolles Zuschlagen. Damit ist es kaum verwunderlich, dass sie in ihrer Historie mehr als einmal über ihren ursprünglich intendierten Gebrauch hinaus eben auch zu einer Waffe geworden ist, insbesondere an der Seite der aufständischen Landbevölkerung. Darüber hinaus ist die Machete Bestandteil zahlreicher Erzählungen, dort ist sie exotisches Utensil von Helden in Romanen und Filmen, die dem Gegenstand den Hauch von Abenteuer verschaffen. Dieser Mythos aus lateinamerikanischer Revolutionsgeschichte und westlicher Imagination verschmilzt nun in einer Person: Danny Trejo ist Machete und somit Hauptfigur in Robert Rodriguez gleichnamigen neusten Film.

Genauso legendär und übergroß wie die Gerüchte um den Helden in seinem eigenen filmischen Kosmos kommt auch die reale Geschichte um die Entstehung des Films daher und wird in der Fangemeinde längst zu einer Legende der jüngeren Filmgeschichte gemacht. Machete geht zurück auf einen Fake-Trailer, der im Rahmen des Grindhouse-Projektes, das in gemeinsamer Arbeit mit Quentin Tarantino entstand und vor Planet Terror, dem Beitrag von Rodriguez, gezeigt wurde. Die Reaktionen auf den Trailer waren überwältigend und gleichermaßen fordernd - das Publikum wollte offenbar diesen Film. Der 66-jährige Trejo, der schon in zahlreichen Werken Rodriguez als einsilbiger, messerschwingender Mexikaner etabliert wurde, war hartnäckig genug um den geistigen Vater des Helden zu überzeugen, dass Machete ein lohnendes Projekt sein könne. Dem Rolling Stone Magazine gegenüber äußerte Rodriguez, dass die Idee schon während des Castings zu Desperado geboren sei, als Trejo mit seinem Typus des grobschlächtigen Bösewichts überzeugte.

Robert Rodriguez kehrt damit zurück zu seinen Anfängen, die zuletzt mit Irgendwann in Mexiko, die Trilogie um seinen in den neunziger Jahren erdachten namenlosen Helden, den Mariachi (Antonio Banderas), abgeschlossen wurde. Diesmal allerdings tritt er unter ganz anderen Voraussetzung an als in seinem ersten Werk El Mariachi oder dem nachfolgenden Desperado. Hier ging es noch darum einen Heldenmythos mit denWurzeln in spanisch/mexikanischer Tradition zu schaffen, der über bekannte Genremuster transportiert wird. Zu dieser Zeit gab es keine vergleichbare Figur in der Aufmerksamkeit des Mainstreams. Die freche und dynamische Mischung aus Klischee und überhöhten Actionsequenzen überzeugte und wurde Teil der verstärkten Wahrnehmung der lateinamerikanischen Bevölkerungsgruppe in der Popkultur der neunziger Jahre. Antonio Banderas und Salma Hayek begründeten damit den Beginn ihrer erfolgreichen Karrieren, Rodriguez erhielt in begeisterten Fankreisen das Prädikat Kultregisseur, noch vor dem aufsehenerregenden Sin City.
Machete geht ähnliche Wege, erzeugt aber eine Figur, die so ganz anders ist als der schurkische Mariachi, der durch Leichtigkeit und Latino-Charme die Sympathien sammelte. Trejos Spezialagent Machete findet sich in einem völlig anderen Kontext, als gefürchteter Ermittler der mexikanischen Bundespolizei steht er zunächst moralisch auf der richtigen Seite des Gesetzes, auch wenn ihn sein korruptes Umfeld betrügt. Er erinnert durch sein bulliges Äußeres und durch seine knappen One-Liner, They just f****d with the wrong Mexican, mehr an die Hardbodies der achtziger Jahre. Mit Steven Seagal als Gegenspieler ist völlig klar, dass diese Helden nun auch im Mexploitation-Universum von Robert Rodriguez Einzug gehalten haben. Genauso tapsig wie die Vorbilder wirken diese Figuren dann auch, werden stellenweise zu einer wunderbaren Selbstkarikatur. Wenn der Protagonist mit rauer Stimme haucht Machete don't text und damit seine Ablehnung gegen moderne SMS-Dienste zeigt, formuliert er auf banale Weise einen herzerfrischenden, zynischen Kommentar zur Gegenwart. Spätestens damit reiht er sich ganz in die Tradition der einsamen Helden der bunten Achtziger und erreicht die Güte eines I’ll be back, wie ehemals Arnold Schwarzenegger in Camerons Terminator. Machete ist überlebensgroßer Held, ein Mythos von unberührbarem Ausmaß, niemand kann ihm etwas anhaben, er ist unbesiegbar.

Neben diesen Helden stellt Rodriguez nun eine politische Dimension, die er bisher in einer solchen Eindeutigkeit nicht verarbeitet hat. Machete bewegt sich in der Welt der dunklen Machenschaften an der Grenze zwischen Mexiko und den USA. Drogenkartelle und korrupte Politiker zertreten unschuldige Einwanderer mit ihren Stiefeln im Staub - das ist die simple Zeile, die den Hintergrund zusammenfasst, der den Film bestimmt. Auf seine eigene Art beschreibt er den zum modernen Kriegsschauplatz gewordenen Landstreifen mit den wirkungsvollen Schauwerten aus Blut, Sex und Gewalt und mit der Ästhetik des siebziger Jahre Exploitation-Films, was eine ungehemmte erzählerische Freiheit bietet, von der der Regisseur nachhaltig gebrauch macht.
So beginnt die eigentliche Handlung auch in diesem Niemandsland mit dem Feldzug gegen Drogenkönig Torrez (Steven Seagal), der im Zuge dessen Machetes Familie tötet. Die Flucht nach Texas lässt die Vergangenheit des Helden nicht ruhen, hier wird er in ein betrügerisches Netz der Verschwörung verwickelt, die der skrupellose Geschäftsmann Booth (Jeff Fahey) ersonnen hat um dem rassistischen Senator John McLaughlin (Robert De Niro) bei einer Wahl den Rücken zu stärken. Machete wird zum Gejagten auf beiden Seiten der Grenze. Er steht nun zwischen den Welten und entkommt nur knapp den Häschern von Booth, sowie einer privaten Grenzarmee unter der Leitung eines brutalen und faschistoiden Anführers (Don Johnson), die gemeinsame Sache mit dem Senator macht. Machete kann nur überleben, wenn er die Verschwörung aufdeckt und seinen Namen reinwäscht. Unerwartete Hilfe bekommt er von der schönen Einwanderungsbeamtin Sartana (Jessica Alba) und der Revoluzzerin Luz (Michelle Rodriguez), die als Ikone Shé schon längst den Widerstand gegen das korrupte System aufgenommen hat. Außerdem ist Machetes Bruder (Cheech Marin) gewillt ihm Unterschlupf zu gewähren. Der bibelfromme Priester ist ein Vertreter seiner Zunft, der sich besser auf Gewehre versteht als auf Bibelsprüche und keinesfalls bereit ist die andere Wange hinzuhalten. Die Entführung der Ehefrau June (Alicia Rachel Marek) seines Gegenspielers Booth und deren drogensüchtiger Tochter April (Lindsay Lohan), die beide nicht mit textilfreien Auftritten geizen, bringt eine Wendung in der Geschichte und letztlich führt ihn der mit Leichen und gebrochenen Herzen gepflasterter Weg zu einer schicksalshaften letzten, großen, epischen Schlacht gegen den alten Erzfeind Torez, der sich als übermächtiger Drahtzieher hinter allem offenbart.

Machete ist eine zynische Rachegeschichte in der Robert Rodriguez grobe und derbe Unterhaltung in den Mittelpunkt setzt. Seine Vision der TexMex Oktoberrevolution produziert mit Danny Trejo einen zwar schwerfälligen Helden, aber, bei aller Spielerei mit den Genrekonventionen, einen erwachseneren Chicano Pastiché mit scharfzüngiger Satire und tagespolitischen Bezug, was eher ungewöhnlich für den Regisseur ist. Trotz des Staraufgebotes und dem größeren Budget zeigt sich Rodriguez einmal mehr als bemerkenswert kreativer Künstler, der den selbstdefinierten Mariachi-Style immer noch beherrscht: Creativity, not money, is used to solve problems. Auch hier ist er maßgeblich an vielen Teilen der Produktion beteiligt, vom Schnitt, dem Skript bis hin zu der Musik, die diesmal aus der Feder der Band Chingón stammt, gegründet von keinem anderen als dem Filmemacher selbst. Machete zeigt mit all seiner chaotischen Gewalt, schmutzigem Sex, schrägem Humor und grotesker Ausstellung des US-amerikanischen Immigrationsproblems eine unkonventionelle und verruchte Seite des amerikanischen Films, die in den letzten Jahren erstaunlich gesellschaftsfähig geworden ist.

MACHETE
R: Robert Rodriguez, Ethan Manquis (Co-Regisseur)
D: Danny Trejo, Robert De Niro, Steven Seagal, Michelle Rodriguez, Jeff Fahey, Cheech Marin, Lindsay Lohan, Don Johnson, Jessica Alba
FSK 18, USA 2010, 105 Min
Sony Pictures Releasing GmbH
Kinostart: 4.11.2010

DVD: Vampire Girl vs. Frankenstein Girl

von Leander Ripchinsky, am 29.10.10

Filme legen durch ihre Namensgebung oft schon ihr sehr spezielles Zielpublikum fest. Dieser Titel sowie die anderen Werke der Regisseure Zombie Self Defense Force, Tokyo Gore Police oder Stacy – Angriff der Zombie-Schulmädchen gehören dazu. Vermarktet werden sie fröhlich als „Horror-Komödie“, wobei die Komödienanteile nur von Splatterfans und die Horroranteile nur von Trashkennern als solche rezipiert werden dürften. Denn die unblutigen Gags (all zu viele gibt es davon nun auch wieder nicht zu sehen) sind nicht wirklich Gags, obwohl die Ideen gar nicht schlecht sind. Vampire Girl vs. Frankenstein Girl nimmt sich japanische Teenagerbewegungen vor und veralbert diese möglichst derbe. Der Trend sich mit dunklem Teint zu schminken, artet in eine Clique aus, die sich einbilden, schwarz zu sein und zwischen den Klischees afrikanischer Eingeborener und amerikanischer Bürgerrechtler samt Obama -Rufen wild hin- und herwechseln. Die Häufung von Selbstmorden unter japanischen Schülern wird durch einen wüsten Club sich ritzender Mädchen repräsentiert, die sich auf einen Wettbewerb in ihrer sonderbaren Disziplin vorbereiten. Ob die schrecklichen Musicaleinlagen und die extrem lahmen, platten Witze als Form der Darstellung wirklich nötig sind darf bezweifelt werden.
Horror entsteht höchstens durch das gruselige Niveau der Schauspieler und des Drehbuchs. Bleiben noch die Effekte, die bei Splatterfilmen essentiell sind und die alles andere in diesem Genre entschuldbar machen zu scheinen. Doch darüber kann sich der deutsche DVD-Nutzer leider nicht wirklich ein Urteil bilden. Die ausschlaggebenden Szenen wurden so zusammengeschnitten, dass die Gewaltszenen wie Videoclips für die superfröhliche Popmusik anmuten, mit der große Teile des Films unterlegt sind. Die drei Minuten und zweiundvierzig Sekunden, die laut Schnittberichte.com entfernt wurden , sorgen neben der Qualifikation für mehrere MTV-Clips dafür, dass „Vampire Girl vs. Frankenstein Girl“ nur mit FSK 16 bewertet wurde. Dass die DVD trotzdem erst mit 18 Jahren erhältlich ist, liegt wohl an den Trailern, die nicht nur beim Ton als Originalversion belassen wurden.

Bei einer solchen Kaufversion stellt sich schon die Frage nach dem Sinn einer solchen Veröffentlichung. Nicht, dass wir im Angesicht der nahenden nächsten zwanzig Fassungen von Avatar, jeweils um einige Sekunden verändert, von sinnvollen Schnitten umgeben werden. Aber die japanischen Splatter-Trash-Komödien sind alles andere als ein bekanntes Mainstreamprodukt und werden ohnehin nur von eingefleischten, meist gut informierten Fans gekauft. Kombiniert mit der FSK 18 – Freigabe der DVD, scheint das Ganze wie eine böse Willkür der FSK-Stelle oder ein unheimlich schlechtes Vermarktungskonzept. Dann werden gewillte Käufer eben zur UK-Fassung greifen oder den Film gleich vorüberziehen lassen. Das ist vielleicht auch sowieso besser und damit wäre am Ende doch wieder eine Art von Gerechtigkeit hergestellt.


Vampire Girl vs. Frankenstein Girl / Kyûketsu Shôjo tai Shôjo Furanken
R: Yoshihiro Nishimura, Naoyuki Tomomatsu
D: Yukie Kawamura, Takumi Saitô, Eri Otoguro
Japan 2009 84 Min

Vertrieb: Warner

Spiderman - Shattered Dimensions

von Leander Ripchinsky, am 29.10.10


Vier Spiderman sind besser als ein Spiderman! So ist es rund um das Spiel „Spiderman – Shattered Dimensions“ zumindest immer wieder zu lesen gewesen. Von wegen! Wie beim Film scheinen auch Spiele immer verstärkter auf Sequels, beliebte Figuren und Quantität zu setzen. Nicht dass diese Entwicklung wirklich neu wäre, man denke nur an die zahlreichen Gameboy -Umsetzungen von Jump- and Runspielen, die für gerade aktuelle Franchises umgesetzt wurden und dabei eigentlich immer wieder das gleiche Spiel darstellten. Zumindest in dieser Beziehung scheinen die Entwickler einen Schritt weiter gekommen zu sein, immerhin wird pro Spiel ein einigermaßen eigenständiges Konzept erstellt. Spielt man in diesem Titel aber nun vier Spinnenmänner in vier unterschiedlichen Universen – den üblichen New Yorker Peter Parker, den „Ultimate-Spiderman“ im schwarzen Anzug, den futuristischen 2099-Spiderman und einen Noir-Spiderman im New York der 30er Jahre – erwartet man auch vier verschiedene Konzepte. Die Serien sind an Comicserien angelehnt. Das schöne bei den Comics ist, dass sie jeweils eine ganz eigene vision du monde vertreten und dies mit eigenem Zeichen- und Sprachstil umsetzen. Manchmal liegt der Fokus mehr auf der humoristischen Seite Spideys mit seinen flotten Sprüchen, manchmal mehr auf der düsteren Seite – vor allem wenn er den schwarzen Anzug trägt, der auch in dritten Verfilmung durch Sam Raimi Einzug fand – und manchmal liegt das Hauptaugenmerk auf der Optik, wie in der 30er-Reihe.

Lobend hervorzuheben ist erst einmal, dass sich das Spiel überhaupt an Comics orientiert und nicht an den Verfilmungen. Das ist schließlich noch bei keinem (Superhelden-)Spiel erfolgreich gelungen, Batman – Arkham Asylum mal ausgenommen, das sich aber auch nur bedingt an den Nolan-Filmen orientiert. Wenn sich inzwischen etwas gezeigt hat, dann dass gute Spiele den Regeln ihres eigenen Mediums folgen müssen und sich nicht zu eng an Vorbilder klammern dürfen, vergleichbar mit Literaturverfilmungen im Filmsektor. Das Spiel ist nach Levels geordnet, die konsequent mit einem Endgegner enden, auf den man zweimal trifft. Die Wege ihn zu besiegen sind dabei allerdings sehr einseitig und man muss die „richtige“ Methode herausfinden, oder man hat keine Chance. Diese Suche nimmt einem leider die Möglichkeit, sich in Spidey hinein zu versetzen. Dazu wird die Atmosphäre dadurch gestört, dass die Sprüche sich wiederholen, sobald man ein wenig länger braucht. Da der Superheld immer auf lustig getrimmt ist, kann man bald nicht mehr wirklich über die Sprüche lachen und ist nicht nur von den Endgegnern genervt. Die Steuerungen der einzelnen Welten unterscheiden sich kaum und durch die viel zu vorhersehbaren Gegner, wartet man selbst in den Noir-Welten bloß ab, um sich dann auf Knopfdruck eine sich ständig wiederholende Gefangen-Nehm-Sequenz anzuschauen. Das und die langweiligen Levels entlarven die andere Optik dieser Welt schnell als Fangangebot für schnell entschlossene Käufer. Umso überraschender und vielsagend ist es dabei, dass die Levels mit dem an sich unbeeindruckendstem Spiderman und den lächerlichsten Endgegnern, nämlich die in der Zukunft angesiedelten, am meisten Spaß machen zu spielen. Immerhin muss der Spieler sich hier nicht nur roboterartig von A nach B schwingen, sondern bewegt sich (und fällt auch mal für eine Weile spektakulär) durch ein New York mit fliegenden Autos, denen es auszuweichen gilt, um die Gegner schnellstmöglich zu erreichen.

Als Fazit kann man sagen: Ein sehr gutes, mutiges Konzept wurde hier konsequent in den Sand gesetzt. Der Comicbereich ist für Spiele weiterhin sehr interessant und sollte in Zukunft nicht nur von ihren verschiedenen Vertretern, sondern auch in ihren unterschiedlichen Darstellungsweisen bespielbar sein. Wenn man schon auf die Comicgeschichte Bezug nimmt, die Kindern sowieso eher fremd ist, darf man sich ruhig mehr trauen. Sprich: Gewagtere, sich mehr unterscheidende Designs, variablere Steuerungen, unvorhersehbarere Gegner. Die Levels dürften dabei ruhig kürzer sein, schließlich haben uns in der jüngeren Vergangenheit gerade die nicht allzu langen Spiele atmosphärisch überzeugt. In Zeiten von gigantischen, frei begehbaren Open-World-Spielen und dem Anspruch von Spielen als eigenes künstlerisches Medium akzeptiert zu werden, müssen gerade lineare Spiele einfach mehr Stimmung, mehr Charme, mehr Spielwitz, mehr Kreativität und mehr Spielfreude versprühen. Punkt.



Spiderman - Shattered Dimensions
Entwickler: Beenox Inc.
Publisher: Activision
lead animator: Ramiro Bélanger
Drehbuch: Dan Slott  
Plattform: Xbox 360, Wii, PS3
Erscheinungstermin: 09.09.2010

 

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