DVD: Eine einfache Geschichte


Eine einfache Geschichte war die letzte Zusammenarbeit zwischen Romy Schneider und ihrem erklärten Lieblingsregisseur Claude Sautet. Sautet porträtierte in seinen Filmen die gehobene Mittelschicht, wobei er als Schauplätze häufig Cafés und Bistros, aber auch die Landsitze, auf die sich die französische Bourgeoisie im Sommer gerne zurückzieht, einsetzte. Anders als seine Kollegen wie etwa Claude Chabrol oder Luis Buñuel macht sich Sautet nicht über die Probleme dieser Leute lustig, sondern zeigt ihre alltäglichen Konflikte auf neutrale Weise. Auch in Eine einfache Geschichte steht die gehobene Mittelschicht mit ihren Alltagsproblemen und zwischenmenschlichen Beziehungen im Mittelpunkt. Konkret geht es um die 39-jährige Marie (Romy Schneider) und ihre Clique, die größtenteils aus ihren Arbeitskollegen besteht. Marie, die geschieden ist und ihren 16-jährigen Sohn alleine großzieht, trennt sich von ihrem Freund, da sie ihn nicht mehr liebt. Sie versucht, ihre Wünsche und Bedürfnisse zu erkennen und zu erfüllen, was ihr vor allem in Liebesdingen nicht immer gelingt. Diese Thematik ist auch über 30 Jahre nach der Entstehung dieses Films noch aktuell. Heutzutage ist eine geschiedene, alleinerziehende Frau keine Seltenheit mehr, in den 70er Jahren war das jedoch sicher anders.

Die Rolle der Marie entwickelten Claude Sautet und der Drehbuchautor Jean-Loup Dabadie speziell für Romy Schneider und ihre ganz besondere „Sprödigkeit“, die Sautet faszinierte. Sautet und Schneider lernten sich bereits 1969 kennen. Der Regisseur sah in der jungen Schauspielerin sofort die ideale Besetzung der Figur Hélène in die Die Dinge des Lebens und konnte sie für die Rolle gewinnen. Diese erste Zusammenarbeit war der Beginn einer intensiven Freundschaft zwischen Romy Schneider und Claude Sautet, die sich positiv auf ihre gemeinsamen Filme auswirkte. Die beiden arbeiteten miteinander an insgesamt fünf Filmen: Die Dinge des Lebens (1970), Das Mädchen und der Kommissar (1971), César und Rosalie (1972), Mado (1976) und Eine einfache Geschichte (1978). Mit Eine einfache Geschichte wollte Sautet erstmals ein Frauenleben nicht aus dem Blickwinkel eines Mannes, sondern aus der Sicht einer Frau erzählen. Durch die enge Zusammenarbeit zwischen der Schauspielerin und dem Regisseur entstand ein Drehbuch, das genau auf Romy Schneider zugeschnitten war. Die Rolle der Marie spiegelt Schneider zufolge all ihre eigenen Probleme und Vorstellungen wider. 1979 wurde sie für ihre schauspielerische Leistung in Eine einfache Geschichte mit einem César ausgezeichnet. Sautet, Dabadie und nicht zuletzt Romy Schneider schaffen eine emanzipierte Frau, die sich nicht um Konventionen zu kümmern scheint. Besonders im Umgang mit ihren Liebhabern ist sie sehr offen und versucht, ihre Unabhängigkeit zu bewahren. Der Film begleitet sie durch einige turbulente Monate, die durch Beziehungs-, Arbeits- und Lebenskrisen geprägt sind.

Eine einfache Geschichte ist kein Film, dessen Handlung sich dem Zuschauer für lange Zeit einprägen wird. Sautet wollte nicht mit einem originellen, unvorhersehbaren Plot beeindrucken, sondern das Leben zeigen, wie es ist – oder sein könnte. Marie und ihre Freunde sind ganz normale Leute, die sich mit Arbeits- und Beziehungsproblemen herumschlagen müssen. Und das ist keineswegs langweilig, sondern bietet dem Zuschauer die Möglichkeit der Identifikation. Das Problem, das gelöst werden muss, ist hier nicht die Fahrt eines herrenlosen Zuges oder das Entschärfen einer Bombe, sondern es gilt, das Leben an sich so gut wie möglich zu meistern. Und das ist – wie wir alle wissen – schon schwierig genug. Gerade durch die enge Zusammenarbeit mit langjährigen Freunden wie Romy Schneider schaffte es Sautet, die alltäglichen Probleme der Mittelschicht authentisch zu zeigen. Eine einfache Geschichte wurde von den Kritikern von Anfang an gelobt. Den Erfolg des Films bezeugen nicht nur Schneiders César, sondern auch eine Oscar-Nominierung 1980 in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“.

Die DVD enthält unter anderem die entfallenen Szenen, die sich von den tatsächlich verwendeten Szenen meist nur durch ein paar Sätze unterscheiden. Dennoch sind die gestrichenen bzw. ersetzten Sätze in vielen Fällen sehr informativ, da sie Details über die Figuren verraten, die sonst im Film nur angedeutet werden.

Einen detaillierten Artikel zur Zusammenarbeit von Romy Schneider und Claude Sautet findet ihr hier.


Eine einfache Geschichte / Une histoire simple
R: Claude Sautet
D: Romy Schneider, Bruno Cremer, Claude Brasseur
F / D 1978, 104 Min.
Copyright: Universum Film
Veröffentlichung: 10.12.2010
FSK 12
Bildformat: 1,66:1
Audio: Deutsch und Französisch Dolby Digital 2.0 (Mono)
Extras: deutsche Untertitel, entfallene Szenen