DVD: Moon


Moon ist mit Sicherheit einer der meist geschätzten Science-Fiction-Filme des letzten Jahres. Während Duncan Jones nächster Film Source Code (voraussichtlich eine Mischung aus Déja vu und Minority Report) sich fast in den Startlöchern befindet, erschien Moon auf DVD, und wir durften uns die wertvolle Scheibe ansehen.

Zunächst erweist sich Duncan Jones Regiedebut als ein stark von Vorgängern des Genres geprägter Film, deren Aspekte kondensiert und teilweise erweitert in einem beeindruckenden Paket angeboten werden. In einem auf seine funktionale Seite reduzierten Setting à la 2001: A Space Odyssey entfaltet sich eine von Blade Runner und The Island inspirierte und in ihrer philosophischen Dimension weitergeführte Geschichte, deren Mittelpunkt vom einzigen Darsteller Sam Rockwell sehr eindrucksvoll belegt wird.

Einziger Gesprächspartner von Sam Rockwells Charakter während seines dreijährigen Dienstes bei Lunar Enterprises ist Gerty, ein so stark von seinem filmischen Vorgänger HAL geprägter Computer, dass der Zuschauer bis kurz vor Filmende seiner Freundlichkeit nicht vertrauen kann. Drei Jahre dauert Sams Arbeitsvertrag, zwei Wochen davon sind noch übrig. Und ausgerechnet jetzt, kurz vor dem Ende, fängt seine Wahrnehmung an, ihm Streiche zu spielen. Zuerst sieht er eine nicht existierende Frau auf der Station, die zweite Erscheinung führt dazu, dass er einen schwerwiegenden Unfall erleidet.

Damit verlagert sich der Fokus des Films von der Verfolgung der routinierten Arbeit Sams auf einen neuen Konflikt: ein Klon hat Sam bereits ersetzt. Kurz darauf stellt sich heraus, dass Sam selber ein Klon ist. Der Mensch, der ursprünglich Sam Bell war, ist eine längst vergessene Spur, ist der verlorene Urtext, der im Zuge eines viralen Kapitalismus der nahen Zukunft abdanken musste. Moon konfrontiert uns mit einer Gesellschaft von arbeitenden Klonen, durch die Natur ihrer Arbeit stark mit akuten Problemen der Gegenwart verknüpft und implizit umso mehr entlarvend, umso kritischer. Wie in Michael Bays The Island, wird diese Kritik aus der Perspektive dieser Klone ausgeübt, aus dem Blickwinkel des Unterdrückten, des Identitätslosen, der unfreiwilligen Schwindler. Damit trifft Duncan Jones Kritik ein System in seiner Essenz, und Science-Fiction ist die am besten geeignete Plattform dazu: der Mensch wird zur Maschine und umgekehrt, darüber entscheidet die Summe der Teilsysteme.

Begleitet ist diese erste Veröffentlichung der DVD durch zwei Audiokommentare, in welchen Duncan Jones einmal zusammen mit Kameramann Gary Shaw sowie den Designern Gavin Rothery und Tony Noble und einmal mit dem Produzenten Stuart Fenegan mit Informationen zu den jeweiligen Aspekten des Films die schlichten Bilder begleiten.

Moon – Pressespiegel bei film-zeit.de


Moon
R: Duncan Jones
D: Sam Rockwell
Großbritannien, 2009, 93 Min.
Copyright: Koch Media

Veröffentlichung: 28.01.2011
Bildformat: 2.35:1 (16:9)
Sprache: Deutsch, Englisch (DTS 5.1, DD 5.1)
Untertitel: Deutsch
FSK: 12
Extras: Originaltrailer; Audiokommentar mit Regisseur Duncan Jones, Kameramann Gary Shaw sowie den Designern Gavin Rothery und Tony Noble; Audiokommentar von Regisseur Duncan Jones und Produzent Stuart Fenegan