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Berlinale 2011 - Panorama: Tomboy

von Nils Fortmann, am 28.2.11


Eine Woche ist die Berlinale nun bereits vergangen und (glücklicherweise) habe ich bereits so manchen Wettbewerbsfilm vergessen. Der französische Film Tomboy hingegen, der in der Rubrik Panorama lief, hält sich tapfer in meinem Gedächtnis, und das hat auch gute Gründe.

Die zehnjährige Laure (Zoé Héran) zieht während der Sommerferien mit ihrer Familie in eine neue Wohnung. Zunächst beobachtet sie die spielenden Nachbarskinder alleine, doch schnell freundet sich ihre neue Nachbarin Lisa mit ihr an. Lisa hält sie auf Grund ihres knabenhaften Aussehens für einen Jungen. Laure stellt sich daraufhin als Mikaël vor. Durch Lisa bekommt "er" Anschluss zu den anderen Nachbarskindern. Mikaël genießt seine neue Geschlechterrolle, zugleich sieht er sich immer neuen Problemen ausgesetzt, diese auch zu erfüllen. Diese meistert er bravourös und mit viel Phantasie: Als die Clique zum Schwimmen verabredet ist, stellt er aus Knete einen Penis her, um die entsprechende Ausbeulung unter der Badehose zu erzeugen. Doch als das Ende der Ferien naht, erscheint es immer unausweichlicher, dass Mikaël wieder zu Laure werden muss...

Wie die Regisseurin Céline Sciamma diese Geschichte erzählt, ist meisterhaft. Der Zuschauer vergisst oftmals, dass Mikaël eigentlich ein Mädchen ist, so sehr taucht der Film in die Welt des Kindes ein. Durch die grandiose Kameraführung schafft es Sciamma zu keiner Zeit das Gefühl eines erwachsenen Blickes aufkommen zu lassen. Die Kamera passt sich dem Blick des Kindes an, zeigt einen Bildkader, der dessen Sichtweise entspricht. Das Schauspiel der Kinder wirkt nie gestellt oder unnatürlich. Ich kenne keinen Film, der besser die Welt eines Zehnjährigen auf die Leinwand gebracht hat.

Der Film schafft es zudem, die ganze Laufzeit über die Spannung zu halten. Die Geschichte wird voller Humor erzählt, dabei lacht man stets aus Verbundenheit zu den Charakteren, nie über sie. Die konsequente Beschränkung auf einen geringen Handlungszeitraum und wenige Schauplätze macht die schwierige Phase der Pubertät umso leichter greifbar. Ein rundum gelungener Film, auch weil er den Wunsch Laures ein Junge zu sein nicht hinterfragt oder gar bewertet. Er lädt dazu ein, den Sinn der Geschlechterrollen zu hinterfragen, die - so wird es beim gezeigten Spiel der Kinder deutlich - sich bereits im frühen Alter festsetzt.

Bei der Berlinale wurde Tomboy mit dem Teddy Jury Award ausgezeichnet und vom Publikum sehr gut aufgenommen.

Tomboy - Pressespiegel bei www.film-zeit.de

Tomboy
R/B: Céline Sciamma
D: Zoé Héran, Sophie Cattani, Mathieu Demy
Frankreich 2011; 84 Min.


 

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