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DVD: Bedways

von Dennis Stormer, am 18.3.11

Bedways ein Film von RP Kahl – Eine filmische Ohrfeige oder zumindest der Versuch aufzurühren, zu verstören, zu rebellieren, zu zerstören. Gleich der Einstieg ist eine ungeschönte Sexszene, jedes Stück Haut der Darsteller ist zu sehen, der sexuelle Akt wird schamlos vor den Augen des Zuschauers begonnen, ein langsames, vorsichtiges Heranführen an das Thema gibt es nicht, gleich zu Beginn wird abgestoßen und distanziert. Dieser Film ist Rebellion und Distanz. Rebellion im Film; Distanz im Weg der Rebellion. 
Ein Film im Film stellt das isolierte Szenario dar; eine Charakterstudie zu Lust, Begehren und Körperlichkeit. Eine Regisseurin (Miriam Mayet) in einer baufälligen leeren Berliner Wohnung, die mit einem jungen Mann (Matthias Faust) und einer jungen Frau (Lana Cooper) einen Film drehen will. Für die Darsteller ist nur klar, dass es um Sex geht, ein Drehbuch wird es vermutlich nicht geben. Um den Inhalt scheint es der Regisseurin aber auch nicht zu gehen. Oder ebenso wenig wie es Kahl um den Inhalt von Bedways zu gehen scheint. Denn vor allem ist Bedways ein Film, der allen millionenschweren Hochglanzfilmproduktionen einen dreckigen Kampf ansagt. 

Um seine Thematik der Suche und Lust auf den Menschen und diesen als Darsteller und Eigeninszenierung zu übertragen, lässt der Regisseur alles Überflüssige weg. In rauschenden Digitalaufnahmen wird der scheiternde Schöpfungsversuch einer Regisseurin durch sieben Teile beschrieben.
Nichts endet, wie es versucht zu kommen oder wie man es erwartet, alles scheint spontan und verzweifelnd in der Selbstsuche der Figuren – einem absoluten Höhepunkt zu enden: Kapitel 6 - Jeder für sich und die Kamera. 
In einer Videokabine wird die suchende Regisseurin dem Publikum serviert. Sie telefoniert, masturbiert, nur sie ist zu sehen, erst über den flimmernden Bildschirm, wie sie sich eine stille Endlosigkeit selbst befriedigt, bis sie ihren Begleiter, außer Atem aus der gegenüberliegenden Kabine in die Dunkelheit zu sich ruft. Ein wunderbar verstörender Punkt von visueller Dramatik, der leere Stuhl, alleingelassen in seiner Kabine, begleitet vom Stöhnen der beiden Darsteller aus der anderen Kabine. 
Es ist ein mitreißendes Bild, dieses hochästhetische Bild eines leeren abgewetzten Ledersessels vor einem flimmernden blauen Bildschirm. Die Kamera ist abgeschaltet und trotzdem wird alles, was vorher schon bis ins Detail auf schmutzigste Weise gezeigt wurde, erzählt. Dieser Bruch funktioniert fantastisch, zu erzählen, ohne zu zeigen und das mit dem Kontrast eines erstmals wirklich poetisch schön gestalteten Bildes.
Man bleibt gefasst sitzen und starrt sekundenlang in die leere Stille. Aber es wirkt auch wie eine Erklärung, es wirkt als sei dieses Bild das Ziel des gesamten Films. 
Es drückt das Gefühl der Leere unübersehbar aus und erzählt zum gleichen Zeitpunkt das unaufhaltsame sexuelle Verlangen und unsere Suche genau danach. Es stellt minimalisiert die gesamte Thematik gegenüber und entgeht von dem einen Film im Film in einen anderen. Beide beobachten sich zuerst, über Bildschirme in ihrer jeweiligen Kabine und geben dann ihrer Lust nach. 
Damit schließt das Bild des leeren Sessels fazitisierend im Nichts, am Anfang ab. 
Dann nach diesem Ende ein weiteres vielleicht überflüssiges selbsterklärendes Ende, eine Reflektion, die alle Schwächen der vorausgegangenen Handlung wieder in Erinnerung ruft. 

Es sind die holprigen und unnatürlichen Dialoge und solche Situationen, die den unglaublichen Mut dieses Werkes immer wieder bremsen und sich nicht ganz in den restlichen authentischen Stil eingliedern lassen. Denn um diesen zu erzeugen, setzt sich Kahl klar ab von hübschen Farbfiltern, Kamerafahrten, ausgeklügelter Beleuchtung, einem fließenden Schnitt und dem üblichen Bildformat in 16:9. Seine Ästhetik ist schmutzig, wie das, was er ohne Umwege zum Ausdruck bringen möchte: Sex! Seine Ausstattung sind unverputzte Wände, ist der verschmutzte Flair Berlins. Seine Hauptdarsteller werden aufs intimste durchleuchtet, realitätsnah, ungeschminkt und mit fettigen Haaren füllen sie ihre Rollen in nahezu perfektem Schauspiel aus. Der unbändige Soundtrack „Flesh Is The Law“ unterstreicht die damit erzeugte Stimmung passend und aufrührend. 

Im Bonus der DVD gibt es neben RP Kahls Trailersammlung auch das Musikvideo von „Flesh Is The Law“, was so rau wirkt als wäre es von Kahl gleich mitgedreht. Als längerer Bonus ist auf der DVD auch noch ein Interview zu finden, in dem Kahl Mayet nahezu im Monlog seine Absichten und Gedanken zur Erschaffung dieses Films schildert.

Bedways - Pressespiegel auf film-zeit.de

 


Bedways
R.: RP Kahl
D.: Miriam Mayer, Lana Cooper, Matthias Faust
D 2010
78 Min
FSK 16
Ton: Stereo
Bild: 4:3
Extras: Trailershow, Musikvideo, Interview


 

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