Am 18. März startete zum sechsten Mal der Mannheimer ClipAward. Das Kurzfilmfestival speziell für Low- und No-Budget Produktionen zeigt in den Katakomben des Barockschlosses erstmalig an drei Tagen in insgesamt sieben Sektionen 98 Kurzfilme, Musikvideos, Animationen und Installationen, sorgfältig ausgewählt aus über 250 Einreichungen – ein Festivalrekord. Neben den traditionellen Wettbewerben für Kurzfilm und Musikvideo gibt es dieses Jahr das Festivalprogramm betreffend eine ganze Reihe von Neuerungen. So findet beispielsweise die Internationale Sektion ihre Premiere, ebenso hat es das Festival geschafft, sich einen diesjährigen Schwerpunkt zu setzen: die Perspektive Baltikum, welche speziell der dortigen Kurzfilmlandschaft gewidmet ist.
Das Grand Opening des Festivals ist zugleich eine Retrospektive der vergangenen 5 Jahre voller bunter, abwechslungsreicher Kurzfilmkunst unterschiedlichster Genres. So erklärt beispielsweise in Jacob Lass’ Bademeister Paul, der das Festival eröffnete, der Protagonist Paul, wieso die ersten zehn Sekunden seiner gemischtgeschlechtlichen Begegnungen die wichtigsten sind – wer jetzt mit romantischen oder vielleicht philosophischen Ausführungen rechnet, irrt sich: Paul geht es lediglich um die Optik der weiblichen Schwimmbadbesucherinnen. Deshalb ist er auch jeden Tag im Schwimmbad, obwohl er streng genommen nicht dort arbeitet und eigentlich auch gar nicht schwimmen kann. Der 2008 mit dem Kurzfilmpreis ausgezeichnete Beitrag Antje und wir von Felix Stienz zeigt in 12 Minuten eine wild zusammengeschnittene Collage der Erfahrungen unterschiedlichster Menschen mit ein und derselben Frau – Anje eben. Unter den hervorragenden Improvisationen der Schauspieler fällt besonders Christoph Humnig durch seine originelle Darstellung auf. Im Kurzfilm Clint wird das Beziehungsaus von Clint und Mia durch eine Verkettung wirklich ungünstiger Umstände rund um eine Zigarette gezeigt, in Gusto and the Pumpgun Girl lernt der Zuschauer wie auch Protagonist Gusto selbst, dass Frauen es durchaus ärgerlich finden, wenn man ihre Kleidung verspeist – in Gustos Fall indem ihm in feinster Splatter-Manier die Eingeweide samt gegessener Kleidung herausgeschossen werden.
Neben vielen weiteren bunten Beiträgen wie dem Musikvideo Hi Tiger oder der Animation So fährt der Grünofant Wheelie, die durchaus Kultpotential besitzt, gab es natürlich auch leise Momente wie in Chiara Stricklands Hommage an die unbegrenzte Kraft der Fantasie in Momenten des Schweigens oder in Maria Madeis bildästhetischem Glanzstück Achsensprung.
Beim anschließenden Wettbewerb der Musikvideos ging es erwartungsgemäß genauso abwechslungsreich und experimentierfreudig weiter. Insgesamt wurden vierzehn Filme aus dem No- und Low-Budget Bereich gezeigt, alle mit Produktionskosten zwischen 0 und 1500 Euro, wobei die Grenze von 500 Euro/Minute (Low-Budget) bzw. 50 Euro/Minute (No-Budget) nicht überschritten werden durfte.
Gestartet wurde der Wettbewerb, frisch aufgebrüht und geschnitten, mit der Reise eines Glas Tees durch Mannheim als multikulturelle und vielseitige Stadt. Im Laufe des Wettbewerbs wurde dann etwa auf dem Mond gerappt, man wurde Zeuge unerwarteter Wendungen bei einem Tennis-Doppel oder konnte Sozialstudien jugendlichen Großstadtlebens betrachten. So unterschiedlich wie die verwendete Musik, sind auch die Umsetzungs- und Herangehensweisen der Regisseure.
So kommt Christian Abbels Video zu Punkt.Aus?Ende! als Realaufnahme ohne einen einzigen Schnitt aus, das Musikvideo zu Con of Man von Irem Schwarz hingegen lebt durch seine bildgewaltig inszenierte Ästhetik. In diesem Zusammenhang fällt auch Oliver Koops Beitrag auf, der zeitweise wie ein zum Leben erwecktes Lomographie-Foto wirkt.
Publikumsliebling und somit auch Gewinner des Assistenzpostens bei einem professionellen Videodreh der Medienagentur FAMEFABRIK sind aber das Musikvideo zu Bright Lights und dessen Regisseure Nicolai Hildebrand und Carlo Oppermann.
Deren Werk gleicht einer Hommage an die Langsamkeit und zeigt eine Gartenparty im Flair der Siebziger Jahre. Auch hier findet sich in den ersten beiden Dritteln kein einziger Schnitt, eine choreographische Meisterleistung bei der hohen Anzahl von Schauspielern. Licht und Kamera schaffen eine wunderbare Atmosphäre, gipfelnd in einer psychodelisch anmutenden Unterwasserszene.
Den zweiten Platz belegt Nils Strüven mit HeartWork, einem sehr narrativen Musikvideo, inspiriert und unterlegt mit der Musik des DJs Trentemøller – ein wunderbares Psychogramm über Sehnsucht, Gefühl und Machtlosigkeit im Kontext der Großstadt.
Auf den dritten Platz schaffte es das von Robert Führers inszenierte I Feel Fine. Vor dörfischer Kulisse zeigt sich ein spannendes Rennen der Ass Racers. Lustig, leicht und heiter trinken die mit ihrem Hintern durch Berg und Tal rutschenden Herren Benzin, nehmen Anhalter mit oder versuchen sich auch mal an einer Abkürzung durch den Wald.
Der erste Tag des ClipAward Mannheim hat gezeigt, dass es nicht das Geld oder das filmische Equipment ist, was gute und vor allem kreativ-innovative Filme ausmacht, sondern Inspiration und Herzblut. Man kann gespannt sein, was der zweite Festivaltag zu bieten hat.
Text: Sylvie Wampe/Bilder: Clipaward Mannheim






