Es heißt, die letzte Diva sei von uns gegangen. Skandale winden sich auch um heutige Stars, schöne Frauen gibt es zuhauf in den Filmen, wenngleich die wenigsten über violette Augen verfügen, und gute Schauspielleistungen finden sich auch in den Blockbusterfilmen. Ikonen, deren Gesichter zu Symbolen der Popkultur werden, die über Jahrzehnte hinweg jedem ein Begriff sind, die die perfekte Mischung aus Exzentrik, Charisma und Begabung besitzen hingegen scheinen wirklich nicht mehr zu existieren. Die möglichen Gründe mögen Veränderungen in der Art, wie ein Star heutzutage aufgebaut wird, der immer raschere Nachschub an jungen Gesichtern, grundsätzliche Umgestaltungen in der Film- und Unterhaltungsindustrie im Allgemeinen, Umorientierungen in der Medienberichterstattung, auch gesellschaftliche Umwälzungen sein. Auf jeden Fall wird mit Elizabeth Taylor eine Ikone beerdigt, womöglich eine der letzten Hollywoods, zumal der weiblichen. Der diesjährigen Oscarverleihung wurde vorgeworfen, sie sei zu nostalgisch, mit Einspielern von Vom Winde verweht und früheren Preisverleihungen. Hollywood jedoch ist immer verbunden mit einer gewissen Nostalgie. Allein der Name Hollywood schon ruft nicht nur Gedanken an das heutige Filmgeschäft hervor, sondern ist zugleich belegt mit Assoziationen zu dem, was Hollywood einmal bedeutete. Und eben an die ganz großen Stars. So wird sich in die Trauer um Elizabeth Taylor auch Wehmut in Hinsicht auf das klassische Hollywood mischen, das durch ihren Tod noch einen Schritt weiter in die jenseitige Welt der Sehnsucht und der Erinnerung verbannt wird. Was auch immer in der Glanzzeit Hollywoods im Argen lag, wie auch immer die Künstler in ihren Freiheiten beschnitten waren, die Ära bis in die 1960er hinein war die absolute Hochphase Hollywoods.
In einigen Filmausschnitten ihrer darstellerischen Höhepunkte möchten wir Elizabeth Taylors Hollywoodkarriere nachverfolgen.
Nach ersten Auftritten als Zehnjährige wurde sie von MGM in Lassie Come Home (1943) besetzt, ihren ersten großen Erfolg feierte Elizabeth Taylor 1944 mit National Velvet:
Weitere Filme als MGMs Vorzeige-Kinderstar folgten, doch schaffte sie den Sprung ins Erwachsenenfach und galt schnell als eine der schönsten Frauen der Welt. Hier ist sie als 22-Jährige in Elephant Walk zu sehen:
1956 spielte sie an der seite von Rock Hudson und James Dean in dem Texas-Epos Giant. Beachtlich wie die junge Elizabeth Taylor Leslie Benedict über mehrere Jahrzehnte hinweg verkörpert. Hier der Schluss des Films:
Ihre erste Oscarnomminierung erhielt Elizabeth Taylor für Raintree County (1957):
Im darauffolgenden Jahr lieferte sie an der Seite von Paul Newman eine ihrer meist gelobtesten Darstellungen in Cat on a Hot Tin Roof:
Auch ihr nächster Film basiert auf einer Vorlage von Tennessee Williams. In Suddenly, Last Summer trat Elizabeth Taylor neben Montgomery Clift und Katherine Hepburn auf:
Für die Rolle eines Callgirls in BUtterfield 8 erhielt Elizabeth Taylor schließlich ihren ersten Oscar:
Nach dem Auslaufen ihres Vertrages mit MGM machte sie drei Jahre lang keinen Film, bis 1963 Cleopatra folgte. Der enorm teure Film brachte Elizabeth Taylor nicht nur eine sehr hohe Gage ein, sondern führte auch zu ihrer schon fünften Ehe mit Richard Burton. Cleopatra an sich war jedoch kein großer Erfolg beschieden.
Mehrere Filme brachten Elizabeth Taylor und Richard Burton im Folgenden zusammen. So The V.I.P.s:
Und ebenso der sehr eindrucksvolle Who’s Afraid of Virginia Woolf?, für den Elizabeth Taylor noch einmal mit dem Oscar ausgezeichnet wurde:
Auf diese Schauspielleistung, die womöglich die beste ihrer gesamten Karriere darstellt, folgte die Shakespeare-Adaption The Taming of the Shrew, ein weiteres Mal an Richard Burtons Seite:
Ende der 1960er wurden ihre Filme weniger erfolgreich bei Kritikern und Publikum. Sehr sehenswert ist aber die Agatha Christie-Verfilmung The Mirror Crack’d mit Rock Hudson:
Danach trat Elizabeth Taylor vor allem in Fernsehproduktionen auf, auch lieh sie Maggie Simpson ihre Stimme als diese ihr erstes Wort sagte:
1994 war sie in The Flintstones noch einmal im Kino zu sehen:
In den letzten Jahrzehnten war Elizabeth Taylor vor allem engagiert für wohltätige Zwecke, besonders im Kampf gegen AIDS. Mag daher hier am Ende die etwas kitschige, aber dennoch berührende Liebeserklärung ihres Mitstreiters und Freundes Michael Jackson stehen:


