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Four Lions

von Christian Alt, am 20.4.11




Omar: We have instructions to bring havoc to this bullshit, consumerist, godless, Paki-bashing, Gordon Ramsey „Taste the Difference“ specialty cheddar, torture-endorsing, massarce-sponsoring, „Look-at-me-dancing-pissed-with-my-nob-out“, Sky1 Uncovered, „Who-gives-a-fuck-about-dead-Afghanis?“ Disneyland.


All: Mashallah! Mashallah, brother Omar.


Waj: Fuck mini Babybels.

Man kann den Humor von Chris Morris nicht erklären, das ständige Changieren zwischen Ernst, absurdem Wortwitz und tiefschwarzem Humor entzieht sich jeder Beschreibbarkeit. Elemente, die im vorangestellten Zitat kondensiert zu finden sind. Morris begeht mit Four Lions eine Gratwanderung: Kann islamistischer Terrorismus lustig sein? Ja, er kann.

Im britischen Sheffield leben die Muslime Omar (Riz Ahmed), Waj (Kayvan Novak), Fessal (Adeel Akhtar) und Barry (Nigel Lindsay) – ein cholerischer Spätkonvertit – in ihren vorstädtischen Mittelklassehäusern mit ganz gewöhnlichen Jobs. Was keiner ahnt: Die vier sind eine verdeckte Schläferzelle, die einen großen Bombenanschlag gegen die Ungläubigen planen. Das einzige Problem dabei ist, dass die vier wohl die schlechtesten Terroristen sind, die man sich vorstellen kann.

Four Lions ist auf den ersten Blick zweifelsohne politischer Zündstoff. Für Schlagzeilen sorgte er schon vor mehreren Monaten, als der bayerische CSU-Bundestagsabgeordnete Stephan Mayer sagte, der Film könnte „[...] Öl ins Feuer gießen.“ Daraus entstand eine Zensurdebatte, die, wie Rochus Wolff neulich klarstellte, das Gesagte gehörig aufbauschte. Dabei ist Four Lions überhaupt nicht der Zündstoff, zu dem er gemacht wird. Morris, der neben seiner Regietätigkeit auch als Drehbuchautor wirkte, präsentiert die Helden nicht nur von ihrer offensichtlich blödsinnigen Seite, sondern zeichnet - gerade zum Ende hin - ein tief menschliches Portrait der Selbstmordattentäter. Dabei reiht er eben nicht Gag an Gag, sondern nimmt sich viel Zeit für seine Figuren und lässt immer wieder die Tragikomik des Ganzen durchschimmern. Omar, der Chef der Vereinigung, lebt ein Leben wie in der Bausparvertragwerbung mitsamt liebender Frau, die voll hinter Anschlagsplänen ihres Gatten steht.
Dass er selbst verblendet ist, erkennt er nicht: Seinem Sohn erklärt er den Dschihad beispielsweise mit dem König der Löwen, einer eigentlich zu verteufelnden, konsumistischen Fratze der westlichen Welt.
Morris verurteilt zu keiner Zeit die Taten der Gruppe, befürwortet sie jedoch auch nicht. Er durchbricht die generelle mediale Darstellung der Attentäter und schafft es, Mitleid zu erzeugen, ohne dabei ihre furchtbaren Taten vergessen zu machen.

Dennoch ist Four Lions vor allen Dingen eins: unglaublich komisch. Immer wieder steigert Morris den terroristischen Alltag in bitterböse Absurdität – und kritisiert dabei auch den innenpolitischen Umgang mit Terrorismus im Allgemeinen. Gezeigt wird eine Polizeimacht, die den Anforderungen, die die Selbstmordattentäter an sie stellen nicht gewachsen sind. Ein Umstand, der angesichts der überbordenden Idiotie der Attentäter schwer zu fassen ist. Die umfangreiche Videoüberwachung britischer Straßen und Plätze kann die Anschläge auch nicht abwenden.

Four Lions ist ein furioses Glanzstück der modernen Satire, die auch in ihren ganz leisen Momenten vollends überzeugen kann. Leider hat es der Film nur in wenige deutsche Kinos geschafft. Wer es dennoch schafft ihn sich anzusehen, wird tränenlachend und nachdenklich das Kino verlassen.

Four Lions - Pressespiegel bei film-zeit.de




Four Lions
R: Chris Morris
B: Chris Morris,  Jesse Armstrong, Sam Bain
K: Lol Crawley
D: Riz Ahmed, Kayvan Novak, Adeel Akhtar, Nigel Lindsay
UK 2010 97 Min.
FSK 16
Starttermin: 21.04.2011
Capelight


 

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