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| Wer lange in einer Wüste lebt, entdeckt, dass vieles eine Fata Morgana ist. (Dark Skies, Staffel 1, Episode 5) |
Je weiter ein Ereignis zurückliegt, umso mehr scheinen sich fließende Grenzen zwischen Realität und Fiktion abzuzeichnen. Insbesondere Medien wie Fernsehen und Film neigen zu modernen Mythen und Legendenbildung, die ein Bild zeichnen von einer Wirklichkeit, die von traditionellen Drehbuchstrategien, dem Was wäre wenn ausgehend ein dauerhaftes Unbehagen schüren. Auf der Leinwand findet das national-globale amerikanische Trauma um die Ermordung John F. Kennedys in Oliver Stones JFK-Tatort Dallas Anfang der 90’er einen ersten Höhepunkt. Mit dem Einzug von digitalen Effekten wie in Robert Zemeckis Forrest Gump, 1994, wurde es erstmals möglich den ungezwungenen Umgang mit Geschichte abzubilden und eine Mischung zwischen Fantasie und Wirklichkeit historischer Ereignisse überzeugend in reale Szenen einzubinden. Im Fernsehen begleiten die X-Akten als herausragende Serie über neun Staffeln den Zuschauer und prägen Fernsehlandschaft sowie das kulturelle Gedächtnis um Verschwörungstheorien nachhaltig. Immer wieder treffen in der medialen, fiktiven Vorstellung der Autoren Wahrheit und Glaube aufeinander. Sie sind bis heute Teil einer anhaltenden Strömung im Zeitgeist und Ausdruck von Sorge und Verwirrung zugleich.
Dark Skies ist eine aufwendige aber kurzlebige Serie der 90’er, die dem Mystery-Trend folgte aber keinen Erfolg verbuchen konnte, an der umkämpften Quoten-Front der Fernsehunterhaltung. Nur eine einzige Staffel wurde produziert, wobei ein Handlungsbogen über ganze fünf geplant war. Möglicherweise war die eigenwillige Mischung der Mystery-Serie aus Fakten, Spekulation und Drama, doch zu fantastisch und unglaubwürdig. Bryce Zabel schuf zusammen mit Brent Friedman ein Spektakel, das sich um eine alternative Aufklärung populärer UFO-Theorien und Verschwörungen bemüht und sie miteinander verbindet. In der Nachbetrachtung stellt sich dabei heraus, dass die gescheiterte Serie doch durchaus einen Blick wert ist. Die Besonderheit von Dark Skies lag nicht bei den Aliens, diese gab es in den 90’ern mit den erfolgreichen SF und Mystery Serien wahrlich genug zu bestaunen. Was die Serie aber absetzen sollte, war ihr Umgang mit Vergangenheit. In der ersten Staffel wurde die Handlung in die 60’er Jahre zwischen Rassenunruhen und Friedensbewegung versetzt, geplant war ein Handlungsverlauf bis zur Jahrtausendwende. Aus TV-geschichtlicher Perspektive zeigt sie sich so als Vorreiter für einen Trend, der heute im zeitgenössischen amerikanischen Fernsehen mit Serien wie Mad Men (AMC) und den kommenden Produktionen Magic City (Starz), Pan Am (ABC) oder The Playboy Club (NBC Universal), schon fast einen Boom in der Serienlandschaft darstellt. Der Subtext allerdings, der die Serie begleitet, ist eben jener der nachhaltig auf eine verunsicherte Mediengesellschaft wirkt, die ihre Realität durch mediale Abbilder wahrnimmt. Das Motiv greift die Urängste einer paranoiden Gesellschaft auf, die sich manipuliert und benutzt sieht. Der Protagonist John Loengard (Eric Close) leitet seine Reise durch die Vorgärten der USA der 60’er Jahre mit den Worten ein: „Die Geschichte wie wir sie kennen ist eine Lüge.“ Damit trifft Dark Skies im Kern auf seine plakativen Fragen medienwirksamer Spekulationen – Wer steckt hinter dem Kennedy-Attentat? Was geschah in Rosswell/New Mexiko?
Die Antworten darauf sind in Loengards seriellem Kosmos geheime globale Mächte, die vor dem Hintergrund des Kalten Krieges ihre Fäden ziehen. Dabei bilden die Motive der einzelnen Folgen eine wilde Kollage aus allgemeingültigen ikonischen Nachbildern der Dekade gesellschaftlichen Umbruchs. Neben Figuren wie James Morrision, Timothy Leary, Howard Hughes oder Harry S. Truman, mischen sich Szenarien wie die Bürgerrechtsbewegung mit außerirdischer Unterwanderung, Jagd auf Aliens in Vietnam oder geheimnisvolle Fernsehexperimente anlässlich eines Beatles-Konzerts in der Ed Sullivan Show. Das monster of the week wird zum historic moment an dem sich die Serie entlang hangelt. Fakten werden unter dem Gesichtspunkt des Mysterygenres mit seinen Science-Fiction-, Fantasy- und Horror-Elementen neu interpretiert und damit zur alternativen Geschichtsstunde und fantastischer Unterhaltung zugleich.
Ausgangspunkt ist Washington: John und seine Lebensgefährtin Kimberly Sayers (Megan Ward) sind ein vielversprechendes junges Paar, das einen gemeinsamen Start in die Zukunft wagt. Als Angestellter eines Kongressabgeordneten wird John mit der Aufgabe betraut, nach Projekten zu suchen, die im Regierungshaushalt unnötige Kosten verursachen. Bald schon stößt John auf die mysteriösen Blue Book Akten der US Air Force. Das Projekt Blue Book ist ein Ermittlungsteam des Geheimdienstes der US-Luftwaffe, das zur Sammlung und Auswertung der Sichtungen von UFOs aufgestellt wurde. John macht seine Arbeit zu gut. Konfrontiert mit einem Netz aus Desinformation und ausgemachten Lügen, beginnt er Fragen zu stellen, die Wahrheiten zu Tage fördern sollen. Es soll sich herausstellen, dass Blue Book nicht nur für absonderliche Ereignisse im Luftverkehr steht, sondern handfeste Hintergründe aufweist. Die Ermittlungen lassen darüber hinaus eine noch mysteriösere Organisation auf den Plan treten, Majestic 12. Diese Gruppe steht weitab von öffentlicher Aufmerksamkeit und sorgt hinter den Kulissen dafür, dass die wahren Geheimnisse im Dunkeln bleiben. Loengard bekommt vom Leiter der Geheimorganisation Frank Bach (J.T. Walsh) ein Angebot, das ohne Option eine Wahl zwischen frühzeitigem Ableben oder Mitgliedschaft in der Reihe der MJ12 Agenten bietet. Von diesem Punkt ist Johns Leben nicht mehr wie es war. Für eine kurze Zeit wird er mit Ermittlungen betraut, die mit allerlei unerklärlichen Phänomenen, die mit den Außerirdischen, den Grays, zu tun haben. Von Kornkreisen über Begegnungen jeglicher Art bis hin zu Entführungen, lässt die Serie kaum einen Mythos aus. Bis es zu einem Wendepunkt in der Geschichte dieser fiktiven UFO Ermittlung kommt. Während einer Begehung eines Kornkreises kommt ein Farmer unter fragwürdigen Umständen zu Tode. Seine Autopsie fördert einen fremden Organismus zu Tage, der sich an dessen Gehirn angeheftet hat. Es stellt sich heraus, dass dieser eine extraterrestrische, aggressive Lebensform ist, die im Verlauf der Serie als Hive bekannt werden wird. Von diesem Zeitpunkt ändert sich alles, denn nun ist klar, dass die Außerirdischen nicht nur einfache Besucher sind, sondern die Menschheit sich mit einer Bedrohung konfrontiert sieht, die kaum zu erkennen ist, längst unter ihr wandelt und ihre Schicksalsdrähte zieht.
Im weiteren Serienverlauf wird das Paar zum couple on the run und begibt sich auf eine Art Roadmovie in Serie, immer auf der Suche nach Wahrheit, immer zwischen den Fronten, gejagt von Regierung und Invasoren zugleich. Dabei stellt sich alles in Frage, was die beiden Protagonisten im Vertrauen auf Kennedys New Frontier, mit der Dynamik des Neubeginns überschwänglicher jungendlicher Leichtigkeit und des über sich hinauswachsen erhofft hatten. Ask Not What Your Country Can Do For You… Das scheinhafte Amerika ist das einzige Amerika. Die Abenteuer zwischen Aufbruch und Wertewandel lassen auf einfache aber direkte Art erkennen, was die Menschen der Zeit bewegte – Glaube, Familie, Vertrauen in das System. Die fiktive Bedrohung lässt all das in sich zusammenfallen, um im Verhältnis zwischen Glaube, Wunder und Wissenschaft hinterfragt zu werden. John wird zum obsessiven und paranoiden Jäger, der immer wieder auch durch sein eigenes Handeln Anteil an den Ereignissen dieser Zeit der Veränderung hat, im positiven wie negativen Sinn.
Dark Skies geht dabei wesentlich expliziter vor als der direkte Genrekonkurrent die X-Akten, deren Autoren immer mit der Verrätselung spielen und hinter jedem Geheimnis ein weiteres Geheimnis offenbaren, um den Zuschauer letztich nie mit dem Gefühl der endgültigen Aufklärung zurückzulassen. J.J. Abrams beschreibt diesen Effekt enthusiastisch als Magic Box, die niemals geöffnet wird aber facettenreichen Spekulationen unterworfen ist, solange sie verschlossen bleibt. Wie ernüchternd profan war dann die Auflösung des Inseldramas Lost am Ende – schnödes Schicksal einer TV Dramaturgie, die alles aufklären muss, was sie behauptet. So wirkt Dark Skies nicht nur wie ein Trip durch die Sechziger, sondern ist auch behaftet mit dem Nimbus eines holprigen B-Picture aus dem SF Genre der selbigen Zeit, das sich immer ein wenig zu ernst nimmt und daher mit dem heutigen Blick unfreiwillige Komik produziert. Allerdings wäre bei einer Fortführung den Autoren der Serie erspart geblieben, ihre fantastischen Behauptungen aufzulösen und sie hätten nicht das Schicksal gehabt ihre Zuschauer Woche für Woche mit weiteren Absurditäten bei der Stange zu halten. Wohl ein Grund, weshalb Steven Spielbergs Mini-Serie Taken, die durchaus eine geistige Nachfolge im Konzept zu Dark Skies darstellt, eben nur auf wenige Folgen ausgelegt war. Spannung über Nichtinformation aufrechtzuerhalten gelingt insbesondere im seriellen TV Format nur in wenigen Fällen, ab und an darf es dann doch mal eine handfeste Begegnung der dritten Art sein. Weniger handfest ist die nicht vorhandene Ausstattung der deutschen DVD Box, leider müssen Käufer hier auf alle Extras wie Audiokommentare, Making of usw. verzichten.
Dark Skies – Tödliche Bedrohung
R.: Perry Lang, Thomas J. Wright
D.: Eric Close, J.T. Walsh, Gregory Harrison
B.: Bryce Zabel, Brent Friedman
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Bildseitenformat: 4:3 – 1.33:1
Studio: Ascot Elite Home Entertainment
Produktionsjahr: 1997
Erscheinungstermin: 12. April 2011
Spieldauer: 917 Minuten FSK: 12





