Aufgrund eines Steuerstreits zwischen der indonesischen Regierung und den dortigen Vertriebsfirmen von Hollywood-Produktionen sind bereits seit Mitte Februar keine US-Blockbuster mehr in dortigen Kinos zu sehen. Die Regierung wirft den Konzernen vor, über Jahre hinweg Steuern geprellt zu haben und nun mit mehreren Millionen US-Dollar im Zahlungsrückstand zu sein, die rückwirkend eingefordert werden sollen.
Grund hierfür ist eine im Januar neu eingeführte Steuerregelung, die fatale Konsequenzen hätte, aufgrund der anhaltenden Verhandlungen jedoch noch imemr nicht in Kraft treten konnte. Aussagen der Regierung zufolge sei diese Regelung zum Schutz der einheimischen Filmindustrie vor der US-Konkurrenz gedacht. Allein die Ankündigung der Neuregelung führte jedoch dazu, dass auf Beschluss der Motin Picture Association of America (MPAA) hin Paramount Pictures, Sony Pictures Entertainment, Walt Disney Pictures, Twentieth Century Fox Film, Warner Bros. Pictures und Universal Pictures schlichtweg ihre komplette Lieferung verweigerten und somit nun die gesamte Indonesische Kinoindustrie existenziell bedroht ist.
Für die 237 Millionen Einwohner des Landes bedeutet das seit Monaten, neben wenigen Hollywood B-Titeln wie Beastly, Scream 4 oder Limitless vor allem auf einheimische Produktionen angewiesen zu sein, die sich leider oft etwas missglückt zeigen. Bei den thematisch sehr limiterten und dramaturgisch oft mäßig gelösten Streifen, bleiben nach Aussagen des Publikums große Kinoerlebnisse eher verwehrt, das Interesse am Kinobesuch erlischt oftmals schon bei der Betrachtung der Poster. Für Kinobetreiber und deren Angestellte ist dies vernichtend: Umsatzeinbußen von bis zu 70 Prozent gefährden ernsthaft deren Existenz, hinzu kommt eine wachsende Bedrohung durch den derzeit intensiv florierenden Schwarzmarkt, der die Entzugserscheindungen de Publikums aus dunklen Quellen mit kopierten DVDs bedient.
Eine Abänderung des Steuerbeschlusses ist vorraussichtlich nicht vor Ende des Sommers zu erwarten und lässt somit schwer zu kompensierende Folgen für die Zukunft von Indonesiens Kinolandschaft befürchten. Die Regierung, bereits bekannt für einige absurde Steuerentscheidungen der letzten Jahre, scheint zumindest nur schleichend in Gang zu kommen und sich nicht um eine zügige Aussöhnung zu bemühen. In der Bevölkerung werden Anklagen und Hilfeschreie laut, unter anderem in Form von Websites wie dem Blog http://indonesianmoviecrisis.org/about/, in dem ein frustrierter Kinobesucher regelmäßig die neusten Entwicklungen der Indonesischen Filmkrise in die Welt trägt und sie fühlbar frustriert kommentiert.
Ein Mahnmal, das uns an die Notwendigkeit des Hollywood-Übels wohl auf die denkbar zynischste Art und Weise erinnert.
Indonesiens Kinopublikum muss auf Hollywood-Blockbuster verzichten
2011-06-30T23:42:00+02:00
Dennis Vetter
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