Schon seit geräumiger Zeit war die Social Community MySpace nicht mehr in den Medien. Umso alarmierender ist der Anlass für die letzte Welle: MySpace, vor sechs Jahre noch knapp 600 Millionen Dollar wert, wird nun von Rupert Murdochs News Group für knapp über fünf Prozent dieses Wertes weiterverkauft.
Nach der Gründung von Facebook verschwand die Community immer mehr aus der Öffentlichkeit und wurde hauptsächlich im Zusammenhang mit einigen Wellen von Personalkürzungen erwähnt. Nun ist es definitiv soweit - die Inhaber verabschieden sich von der unprofitablen Plattform.
Die Käufer sind eine wenig bekannte Marketing Firma aus Kalifornien, Specific Media, und der Musiker und Schauspieler Justin Timberlake. Der neue Kurs, der gefahren werden soll, löst sich von einer Konkurrenz mit Facebook, und versucht eine hybride Position zweschen Youtube und Netflix für die Musikbranche zu erhalten: MySpace soll zu einem Ort werden, wo Musikvideos und Shows gestreamt werden, wo Fans in den Dialog mit ihren Musik-Idolen treten können.
Ein Relaunch einer bereits von einem gewissen Image geplagten Community wird warscheinlich nicht einfach sein. Die Strategie, die Musiksparte jedoch online groß zu vertreten, könnte allerdings vielleicht Zukunft haben, zumindest soweit sich die Nutzer in ihrer Mentalität nicht von solchen Orte verabschiedet haben und eine Allzweck-Plattform wie Facebook bevorzugen.
Ironischerweise findet der Verkauf von MySpace zeitgleich mit der Entstehung eines sozialen Netzwerks statt. Google+ ist der Versuch des Internetgiganten, Facebook Konkurrenz zu machen, indem, zusätzlich zu den neuen Vernetzungsfunktionen, die in allen Google-Angeboten in den letzten Tagen implementiert wurden, die Möglichkeit angeboten wird, mit den eigenen Kontakten auf einer Plattform über mehrere Dienste in Verbindung zu bleiben.
Da gibt es die Circles, ähnlich zu den neuen Facebook Groups, in welchen man seine Kontakte gruppieren kann, die Sparks, wo der Tausch von multimedialen Inhalte mit den Bekannten über selbstdefinierte Interessensgebiete erfolgen kann, die Hangouts als eine Gruppen-Videochat-Funktion, das Instant upload, wodurch über Smartphones aufgenommene Inhalte in Google+ hochgeladen werden und das Huddle, ein auf den in den Circles definierten Gruppen von Kontakten basierendes Chatsystem.
Nachdem Wave und Buzz wenig erfolgreich waren, stellt sich natürlich die Frage, ob Google+ (dessen Facebook-Like-Pendant, +1, bereits in der Suchmaschine eingebaut wurde) es schaffen wird, Facebook ernsthaft Konkurrenz zu machen. Google, im Unterschied zu Facebook, funktioniert überhaupt nach einem Prinzip der Ubiquität, das die Idee eines konkreten Ortes ausgeschlossen hat, so dass eine kulturell geprägte Schwelle im Umgang mit dem neuen Dienst zunächst zu überwinden ist. Außerdem hat Facebook den Vorteil, dass es integrativ konzipiert ist, dass alle Dienste in direkter Verbindung mit der eigenen Pinnwand stehen, während Google bisher auf eine Pluralität setzte, in welcher viele Nutzer überhaupt einen verbindenden Überblick zwischen beispielsweise YouTube, Gmail, Kalender, Buzz, Chat, Maps usw. verloren haben. Dies soll nun durch diesen Fokus auf Personen in Google Mail und durch die +1 Funktion beseitigt werden.
MySpace für 35 Millionen Dollar verkauft | Google+ am Horizont
2011-06-30T23:44:00+02:00
Ciprian David
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