Breaking Bad – "The Thirty-Eight Snub" Season 4 Episode 2


Dieser Text enthält Spoiler der vierten Staffel.

“We strictly talkin’ defense here?”

Wenn man die Dramaturgie von  Breaking Bad in ein Diagramm pressen würde, hätte es ganz sicher die Form einer wellenartigen Kurve. Es gibt die großen, staffelübergreifenden Wellen und jene innerhalb der Staffel. Mit der zweiten Episode der vierten Staffel „The Thirty-Eight Snub“ baut sich nun sowohl der Spannungsbogen der gesamten Staffel auf, als auch einer innerhalb der Staffel.

Im Fokus stehen in dieser Folge alle Überlebenden der Nacht im Meth-Labor: Walt, Jesse und Mike. Nach dem überraschenden Mord an Victor könnte allen dreien dasselbe Schicksal drohen, was zu drei verschiedenen Reaktionen auf diese schwebende Bedrohung führt. Während Mike versucht die Nacht so schnell wie möglich zu vergessen, betäubt sich Jesse im wahrsten Sinne des Wortes. Um sich davon abzulenken, dass er Gale erschossen hat, feiert er tagelang wilde Parties in seinem Haus. Als die Party doch irgendwann zu Ende geht, erleben wir – wie schon letzte Woche vermutet – einen tief verstörten Jesse. Zu diesem Zeitpunkt der Serie hat er von allen Hauptcharakteren den besten Charakter und ist innerlich an den Konsequenzen seiner Handlungen zerbrochen; wenn zu diesem Zeitpunkt Moralität überhaupt noch eine Rolle spielt.

Bezeichnete man Breaking Bad schon früher als Neo-Western, wird dieser Genre-Rückgriff in „The Thirty-Eight Snub“ besonders deutlich. Wie Melissa Maerz feststellte, bedient sich die Episode stilistischer Merkmale klassischer Western. Nahaufnahmen von Walts Gesicht, sein Finger am Abzug des titelgebenden Revolvers, eine Dreißig-Meter-Aufsicht, die Walts Schatten riesig erscheinen lässt. Allein der Prolog bedient sich zahlreicher Western-Klischees. Walt kauft sich in einem billigen Motel illegal einen Revolver. Das Licht fällt weich durch die heruntergelassenen Jalousien, während er vor dem Spiegel versucht den Revolver zu ziehen. Zu allem Überfluss wird der Waffenhändler auch noch von Jim Beaver gespielt, der zuvor in der Western-Serie Deadwood Whitney Ellsworth gespielt hat. Dieser fragt Walt, wozu er die Waffe benötige. Wenn er sie nur zur Verteidigung brauche, könne er sich auch legal einen Revolver kaufen. Er stellt die Frage, die sich auch der Zuschauer die ganze Zeit über stellt: “We strictly talkin’ defense here?”

Doch Walt ist kein Gunslinger. Genau wie die letzte Episode durch das Kenny Rogers-Shirt seine Lächerlichkeit zum Vorschein brachte, scheitert er auch in dieser Episode. Eine gewünschte Konfrontation mit Gus – zu der er sich auch in sein alter ego Heisenberg verwandelte – kommt durch einen Telefonanruf von Mike nicht zu Stande. Seine späteren Bemühungen, Mike auf seine Seite zu ziehen, scheitern ebenfalls. Die Kneipe in der Mike sitzt, betritt er mit ernster Miene und einem Revolver im Holster. Wie so oft in Breaking Bad kommt es zu einer Doppeladressierung: Die Figuren sprechen untereinander und meinen darüber hinaus doch den Zuschauer. Schon wie zu Beginn der Folge wird eine Frage stellvertretend für den Zuschauer gestellt: „What the hell was that anyway? A message? He cuts a man’s throat just to send a message?“ Walt wird nach seinem Vorschlag zusammenzuarbeiten von Mike verprügelt. Regisseurin Michelle MacLaren lässt in dieser Szene die Westernzitate zur Westernparodie werden. Billy the Kid wurde als Kenny Rogers entlarvt.

Nachtrag zur letzten Episode: Bei Grantland ist ein interessantes Interview mit Creator  Vince Gilligan zur Staffelpremiere erschienen.


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