In
Conan – Der Barbar spielte
Arnold Schwarzenegger, der seinen starken österreichischen Akzent und die englische Sprache 1982 so langsam in den Griff bekam, erst seine zweite Hauptrolle. Das Abenteuerepos lebte vom buchstäblich rohen Charme seiner archaischen Hauptfigur, suhlte sich bei den zahlreichen brutalen Kampfszenen genau so stark im Blut der zahlreichen Berserker, wie bei Momenten abseits des Schlachtfeldes in grotesken Absurditäten. Wenn Conan versklavt seine Kindheit tagein tagaus am Mühlrad fristet und zum Hünen reift oder ohne Vorwarnung ein Kamel umhaut, zeugt das von jener albernen Überbetonung eines plakativen Bildes von Männlichkeit, die man von einer Comicadaption nicht anders erwartet. Dazu gesellten sich breite Orchester und düstere Choräle als übergroße Musikuntermalung zur ebenso vergnüglichen, wie bekennend sinnfreien Muskelparade.
Mit
Conan – Der Barbar und dessen schwächerer, aber im Geiste gleichen Fortsetzung
Conan – Der Zerstörer wurde neben einer Ikone ein Mythos der Filmgeschichte geschaffen, der nun von Regisseur
Marcus Nispel demontiert wurde. Die Überführung
seines Conan in den
state of the art des Actionkinos mit schnellen Schnitten, 3D-Technologie und einer auffallend simpel-stringenten Story erscheint dabei zunächst zeitgemäß. Doch galoppiert die Einfallslosigkeit in den immerselben grauen Bildern voll mit verschmiertem Blut und Setbauten aus Holz stets wie ein lästiger Begleiter nebenher.
Die Figur Conan ist in der „Neuinterpretation für eine andere Generation“ – so und nicht als Remake will Nispel
Conan 3D verstanden wissen – auch nicht mehr das wehrlose Kind, das den Doppelmord an seinen Eltern hilflos mit ansehen muss. Er ist schon in jungen Jahren ein wahrhaft barbarischer Kämpfer, der sich gegen feindliche Krieger erwehrt und seinem stolzen Vater deren abgetrennten Köpfe mit nach Hause bringt. Wo
John Milius’ moderner Klassiker des Actionfilms in seiner cartoonesken Stumpfheit Momente absurde Komik produzierte, führt
Marcus Nispel in seinem lauwarmen Remake im Blutrausch den abgebrühten Zynismus der „Killerspiel“-Generation vor Augen. Die bunte Welt des Barbaren-Comics ist der düster-tristen des Hack & Slay-Games gewichen, die jener von Nispels Wikingergemetzel
Pathfinder – Die Fährte des Kriegers auffällig ähnlich ist.

Darin versucht Conan (dargestellt von
Jason Momoa) den Tod seines Vaters (
Ron Perlman) durch den Kriegsherrn Khalar Zym (
Stephen Lang) zu rächen. Dieser will mithilfe des Blutes einer „Reinblütigen“ namens Tamara (
Rachel Nichols) – in die sich Conan natürlich verliebt – aus den Nachfahren der Zauberer von Acheron eine Maske aktivieren, die ihm und seiner Armee Unbesiegbarkeit im Kampf gegen alle anderen Völker im fiktiven Weltreich verleiht. Wehe dem Cineasten, der sich jetzt an
Jäger des verlorenen Schatzes und – auch was die bösen Krieger angeht –
Der Herr der Ringe erinnert fühlt! Denn ihm bleibt die Erkenntnis verwehrt, dass Nispel auch dieses Mal nur Recycling betreibt, auf die Unsitte der schnellen Schnitte in den dadurch unübersichtlichen Actionszenen zurückgreift und Conans Barbarenwelt trotz all der hübschen CGI-Landschaften und aufwändigen Sets nicht verstanden zu haben scheint.
Während Magie im Original mit Schwarzenegger in der archaischen Barbarenwelt noch eine große und plausible Rolle spielte, wird sie in
Conan 3D an den Rand gedrängt und nur dann eingesetzt, wenn im ohnehin uninspirierten Drehbuch gähnende Einfallslosigkeit vorherrscht. Plötzlich tauchen kämpfende „Sandmänner“ auf, die zwar hübsche CGI-Effekte, aber keine Verortung in der Mythenwelt aufweisen. Ebenso gut hätte das Drehbuchtrio eine Attacke im Stil des Films braun oder grau angemalter Schlümpfe implementieren können – verwundert hätte es nicht. Und was Charisma oder Charme sind, hätte der unsympathische Barbarenhüne
Jason Mamoa mal im Schauspielerlexikon nachschlagen sollen. Dort hätte auch gestanden, dass man der zierlichen
Rachel Nichols nicht die plötzliche Wandlung zur wehrhaften Amazone abnimmt und
Rose McGowan als Hexentochter mit Freddy Krueger-Krallen und merkwürdiger Tonsur aussieht, wie aus
Bram Stoker’s Dracula entsprungen.
Marcus Nispel, der es doch nach seinen Neuverfilmungen vom
Texas Chainsaw Massacre und
Freitag, der 13. eigentlich hätte besser wissen müssen, hat sich auch bei der Wiederbelebung von
Conan wieder
gehörig die Finger verbrannt.
Conan 3D - OT:
Conan the Barbarian
R: Marcus Nispel
B: Thomas Dean Donnelly, Joshua Oppenheimer, Sean Hood
K: Thomas Kloss
D: Jason Momoa, Ron Perlman, Rachel Nichols, Stephen Lang, Rose McGowan u.a.
USA 2011, 112 Min.
Verleih: Warner Bros.
Kinostart: 08. September 2011
In
Conan – Der Barbar spielte
Arnold Schwarzenegger, der seinen starken österreichischen Akzent und die englische Sprache 1982 so langsam in den Griff bekam, erst seine zweite Hauptrolle. Das Abenteuerepos lebte vom buchstäblich rohen Charme seiner archaischen Hauptfigur, suhlte sich bei den zahlreichen brutalen Kampfszenen genau so stark im Blut der zahlreichen Berserker, wie bei Momenten abseits des Schlachtfeldes in grotesken Absurditäten. Wenn Conan versklavt seine Kindheit tagein tagaus am Mühlrad fristet und zum Hünen reift oder ohne Vorwarnung ein Kamel umhaut, zeugt das von jener albernen Überbetonung eines plakativen Bildes von Männlichkeit, die man von einer Comicadaption nicht anders erwartet. Dazu gesellten sich breite Orchester und düstere Choräle als übergroße Musikuntermalung zur ebenso vergnüglichen, wie bekennend sinnfreien Muskelparade.
Mit
Conan – Der Barbar und dessen schwächerer, aber im Geiste gleichen Fortsetzung
Conan – Der Zerstörer wurde neben einer Ikone ein Mythos der Filmgeschichte geschaffen, der nun von Regisseur
Marcus Nispel demontiert wurde. Die Überführung
seines Conan in den
state of the art des Actionkinos mit schnellen Schnitten, 3D-Technologie und einer auffallend simpel-stringenten Story erscheint dabei zunächst zeitgemäß. Doch galoppiert die Einfallslosigkeit in den immerselben grauen Bildern voll mit verschmiertem Blut und Setbauten aus Holz stets wie ein lästiger Begleiter nebenher.
Die Figur Conan ist in der „Neuinterpretation für eine andere Generation“ – so und nicht als Remake will Nispel
Conan 3D verstanden wissen – auch nicht mehr das wehrlose Kind, das den Doppelmord an seinen Eltern hilflos mit ansehen muss. Er ist schon in jungen Jahren ein wahrhaft barbarischer Kämpfer, der sich gegen feindliche Krieger erwehrt und seinem stolzen Vater deren abgetrennten Köpfe mit nach Hause bringt. Wo
John Milius’ moderner Klassiker des Actionfilms in seiner cartoonesken Stumpfheit Momente absurde Komik produzierte, führt
Marcus Nispel in seinem lauwarmen Remake im Blutrausch den abgebrühten Zynismus der „Killerspiel“-Generation vor Augen. Die bunte Welt des Barbaren-Comics ist der düster-tristen des Hack & Slay-Games gewichen, die jener von Nispels Wikingergemetzel
Pathfinder – Die Fährte des Kriegers auffällig ähnlich ist.

Darin versucht Conan (dargestellt von
Jason Momoa) den Tod seines Vaters (
Ron Perlman) durch den Kriegsherrn Khalar Zym (
Stephen Lang) zu rächen. Dieser will mithilfe des Blutes einer „Reinblütigen“ namens Tamara (
Rachel Nichols) – in die sich Conan natürlich verliebt – aus den Nachfahren der Zauberer von Acheron eine Maske aktivieren, die ihm und seiner Armee Unbesiegbarkeit im Kampf gegen alle anderen Völker im fiktiven Weltreich verleiht. Wehe dem Cineasten, der sich jetzt an
Jäger des verlorenen Schatzes und – auch was die bösen Krieger angeht –
Der Herr der Ringe erinnert fühlt! Denn ihm bleibt die Erkenntnis verwehrt, dass Nispel auch dieses Mal nur Recycling betreibt, auf die Unsitte der schnellen Schnitte in den dadurch unübersichtlichen Actionszenen zurückgreift und Conans Barbarenwelt trotz all der hübschen CGI-Landschaften und aufwändigen Sets nicht verstanden zu haben scheint.
Während Magie im Original mit Schwarzenegger in der archaischen Barbarenwelt noch eine große und plausible Rolle spielte, wird sie in
Conan 3D an den Rand gedrängt und nur dann eingesetzt, wenn im ohnehin uninspirierten Drehbuch gähnende Einfallslosigkeit vorherrscht. Plötzlich tauchen kämpfende „Sandmänner“ auf, die zwar hübsche CGI-Effekte, aber keine Verortung in der Mythenwelt aufweisen. Ebenso gut hätte das Drehbuchtrio eine Attacke im Stil des Films braun oder grau angemalter Schlümpfe implementieren können – verwundert hätte es nicht. Und was Charisma oder Charme sind, hätte der unsympathische Barbarenhüne
Jason Mamoa mal im Schauspielerlexikon nachschlagen sollen. Dort hätte auch gestanden, dass man der zierlichen
Rachel Nichols nicht die plötzliche Wandlung zur wehrhaften Amazone abnimmt und
Rose McGowan als Hexentochter mit Freddy Krueger-Krallen und merkwürdiger Tonsur aussieht, wie aus
Bram Stoker’s Dracula entsprungen.
Marcus Nispel, der es doch nach seinen Neuverfilmungen vom
Texas Chainsaw Massacre und
Freitag, der 13. eigentlich hätte besser wissen müssen, hat sich auch bei der Wiederbelebung von
Conan wieder
gehörig die Finger verbrannt.
Conan 3D - OT:
Conan the Barbarian
R: Marcus Nispel
B: Thomas Dean Donnelly, Joshua Oppenheimer, Sean Hood
K: Thomas Kloss
D: Jason Momoa, Ron Perlman, Rachel Nichols, Stephen Lang, Rose McGowan u.a.
USA 2011, 112 Min.
Verleih: Warner Bros.
Kinostart: 08. September 2011
Conan 3D