.

Programmüberblick: Viennale 2011

von Janin Aadam, am 30.9.11


Bald ist es endlich so weit: Die Viennale wird vom 20. Oktober bis 02. November zum 49. Mal stattfinden. Selbst wenn das vollständige Filmprogramm erst am 11. Oktober veröffentlicht wird, sind jetzt schon sensationelle Highlights bekannt. Wie jedes Jahr im Oktober erwartet Filminteressierte ein hervorragendes Programm, das völlig unabhängig von Aktualität und Premierenwahn zusammengestellt ist. Der Vorverkauf startet am 15. Oktober.

Gegründet wurde das Vienna International Film Festival 1960. Die ersten Veranstaltungen liefen noch unter dem Titel Erste Wiener Filmwoche, in der österreichische sowie 18 internationale Filme gezeigt wurden. Internationale Resonanz erhält das Festival auch durch die Tributes.

Über das beliebte Filmfestival äußerte der Direktor der Viennale: „Vielleicht ist dies die Idee der Viennale: jeder Film für sich das lebendige, wilde, blutige Herz eines großen Ungetüms, das den Namen Kino trägt“. Hans Hurch will mit dem Festival somit einerseits einen Entwurf des aktuellen Weltkinos kreieren, andererseits die Individualität der Filme betonen.

Den diesjährigen Festivaltrailer The 3 R’s gestaltete David Lynch. Wir berichteten bereits hier. In seiner Einfachheit hebt sich das Plakat des Festivals von den vorherigen ab: Skizzenhaft ist die Silhouette einer Figur angedeutet. Nach Angaben von Hans Hurch ist dies eine Anlehnung an Kafkas Tagebuchnotizen. Zusammen mit dem Trailer wird dies zu einer runden Sache, wenn man bedenkt, dass Lynch in Interviews Kafka oft als Inspirationsquelle angibt und in der Medienwelt als „Kafka Hollywoods“ bezeichnet wird.

Dieses Jahr wird unter dem Motto "Against All Odds" ein Tribute zu Harry Belafonte stattfinden. Der Musiker, Schauspieler und Politaktivist wird persönlich anwesend sein. Unter anderem wird sein eigens produzierter Film Odds Against Tomorrow gezeigt, in dem er als erster schwarzer Protagonist in einem Film noir zu sehen ist. Fünf weitere Filme mit Belafonte werden von der Dokumentation Sing Your Song über seine Arbeit und sein Leben abgerundet.

Harry Belafonte in Odds Against Tomorrow


Außerdem wird auch der Produzent Jeremy Thomas unter dem Motto "Apart From the Deal" geehrt.

Die im Filmmuseum stattfindende Retrospektive ist dieses Mal der Regisseurin Chantal Akerman gewidmet. Neben Höhepunkten ihres Werks wird auch ihr neuster Film La folie Almayer, eine Verfilmung von Joseph Corads erstem Roman, zu sehen sein.

Besondere Ehre wird auch dem legendären Künstler Genesis P-Orridge mit einem Film, einem Konzert und einer Ausstellung verliehen.

Höhepunkte der Viennale sind neue Filme von Aki Kaurismäki, Lars von Trier, Todd Haynes, Nanni Moretti, Nicolas Winding Refn und vielen mehr. Rund 130 aktuelle Langfilme, darunter Dokumentar- und Spielfilme, werden insgesamt gezeigt. Mit ungefähr 20 Filmen ist das Österreichische Kino dieses Jahr vertreten, davon sind die meisten Filme Weltpremieren.

Dieses Jahr sind wieder einige Hispanoamerikanischen Filme vertreten. Dazu zählt beispielsweise Aitá von José Maria de Orbe. Der Film handelt von einem mysteriösen leerstehenden Haus, das den Zuschauer als Ort der Erinnerungen auf eine poetische Reise entführt. Als besonderen Tipp präsentierte Hans Hurch den Locarno-Sieger Abrir puertas y ventanas von Milagros Mumenthaler. Der Film erzählt von drei Mädchen, die um ihre verstorbene Großmutter trauern.

In der Auswahl der ersten präsentierten Filme lassen sich weitere Highlights finden, wie beispielsweise Drive von Nicolas Winding Refn. Ryan Gosling verkörpert die Rolle des Stuntmans in Hollywood, der als Nebenbeschäftigung Fluchtwagen steuert. Nachdem ein Raubüberfall gescheitert ist, wird ihm ein Auftragskiller auf den Hals gehetzt. In Cannes gewann Nicolas Winding Refn die begehrte Auszeichnung für die Beste Regie. Mit Ryan Gosling und Carey Mulligan ist der Film hervorragend besetzt.

Ryan Gosling und Carey Mulligan in Drive

Mit großer Vorfreude wird außerdem A Dangerous Method von David Cronenberg erwartet. Cronenberg, der sich mit seinen letzten Filmen A History of Violence und Eastern Promises vom Horror alter Tage wegbewegte, gibt mit seinem jüngsten Werk einen Einblick in die Beziehung zwischen Carl Gustav Jung und Sigmund Freud und die damit verbundene Begründung der Psychoanalyse. Wie in den vergangenen beiden Filmen verkörpert Viggo Mortensen auch in diesem eine der Hauptrollen, nämlich Sigmund Freud. Carl Jung wird dargestellt von Micheal Fassbender. In weiteren Rollen sind Keira Knightley und Vincent Cassel zu sehen.

Keira Knightley und Michael Fassbender in A Dangerous Method


Auch Lars von Triers neuster Film Melancholia zählt zu den Highlights der Viennale. Darin feiern Justine und Michael ihre Hochzeit auf einer Party, die von ihrer Schwester organisiert wurde. Doch die Beziehung der beiden wird auf die Probe gestellt, als ein Planet droht, die Erde zu treffen. Neben Kirsten Dunst und Alexander Skarsgård, bekannt aus True Blood, sind sind auch Kiefer Sutherland und Charlotte Gainsbourg zu sehen. In Cannes wurde Kirsten Dunst bereits als Beste Darstellerin prämiert.

Kirsten Dunst in Melancholia

Eine großartige Kate Winslet wird in Todd Haynes' Miniserie Mildred Pierce zu sehen sein. Die TV-Produktion ist eine Adaption von James M. Cains gleichnamigen Film noir von 1945. Eine geschiedene Mutter will darin ein Restaurant eröffnen, was die Beziehung zu ihrer selbstbezogenen Tochter weiter verschlechtert.

Nanni Morettis neuste Tragikomödie Habemus Papam, lateinische Phrase für die Bekanntgabe eines neuen Papstes, thematisiert die Angst eines neugewählten Papstes.

Ulrich Köhler gewann für Schlafkrankheit auf der diesjährigen Berlinale den silbernen Bären für die beste Regie. Der Film handelt von dem Ehepaar Ebbo und Vera Velten, die seit 20 Jahren in Afrika leben. Ebbo leitet ein Schlafkrankheitsprojekt. Als seine Frau nach Deutschland zurückkehren will, steht er vor einer schweren Entscheidung.

Le Havre von Aki Kaurismäki erzählt die Geschichte eines Schuhputzers, der einem Flüchtling hilft. Der Film war für die goldene Palme nominiert.

Le Gamin au vélo von den Brüdern Jean-Pierre und Luc Dardenne konzentriert sich auf einen Jungen auf der Suche nach Zuneigung, nachdem ihn sein Vater ins Heim abgeschoben hat. Das Drama wurde auf dem Filmfest München als Eröffnungsfilm gezeigt.

Werner Herzogs Cave of Forgotten Dreams

Werner Herzogs Dokumentarfilm Cave of Forgotten Dreams thematisiert die Chauvet-Höhlen in Südfrankreich. 1994 wurden dort ungefähr 400 Wandbilder mit gravierten Symbol- und Tierdarstellungen gefunden, die auf 33.000 bis 30.000 v. Chr. zurückreichen. Nach großen Bemühungen ist es Werner Herzog gelungen, dort zu filmen.

Nach der Betrachtung der vielseitigen Programmhighlights kann man wirklich auf die diesjährige Viennale gespannt sein. Zum 50. Jubiläum im nächsten Jahr ist bereits ein Relaunch des Festivals mit umfassenden Aktualisierungen geplant, in dem das Altbewährte durch Verbesserungen ergänzt werden soll.

Weitere Informationen zur Viennale kann man hier finden. Trailer ausgewählter Programmhighlights gibt es nachfolgend zu sehen:

Trailer zu Drive:




Trailer zu A Drangerous Method:



Trailer zu Melancholia:



Trailer zu Mildred Pierce:



Trailer zu Schlafkrankheit:



Trailer zu Le Havre:



Trailer zu Cave of Forgotten Dreams:



Bildmaterial: www.viennale.at


 

NEGATIV - Magazin für Film und Medienkultur Gestaltet von Ciprian David und Christian Alt // Log in