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Berlin: "Dokumentarfilm und politische Intervention" im Moviemento

von Marlon Lieber, am 31.10.11

Kaffeeplantage in Guatemala
Das Berliner Moviemento zeigt im November unter dem Titel Dokumentarfilm und politische Intervention eine Reihe von Filmen der deutschen Regisseure Uli Stelzner und Thomas Walther. Die beiden begannen vor 20 Jahren Filme in Guatemala zu drehen, einem Land, das von Militätdiktaturen, Bürgerkrieg, rassistisch motivierter Gewalt gegen die indigene Bevölkerung und Straflosigkeit für die Täter geprägt ist. Entscheidend ist hierbei, dass die Filme nicht nur dokumentieren, sondern auch intervenieren sollen. Die Filmemacher verstehen ihre Arbeit als Teil des Kampfes für Menschenrechte und Meinungsfreiheit. Dass andere dies durchaus auch so sehen, zeigt sich an der Tatsache, dass nach der Premiere des Films Die Zivilisationsbringer Drohungen aus der deutschen Gemeinde in Guatemala kamen und die Regisseure den Film nur mit Bewachung durch Mitarbeiter der UNO aufführen konnten. Das Moviemento zeigt alle Filme, die Stelzner und Walther gemeinsam oder alleine gedreht haben und zusätzlich zwei Filme des guatemaltekischen Filmemachers Sergio Valdés Pedroni. Die Vorführungen werden von zahlreichen Diskussionen in Anwesenheit der Regisseure begleitet.

La isla: Archive einer Tragödie, den Uli Stelzner im Jahr 2009 alleine drehte, handelt vom geheimen Archiv der Policia Nacional, welches 2005 zufällig nach einer Explosion in Guatemala-Stadt gefunden wurde. Es tauchen Millionen Dokumente auf welche die systematische Verfolgung und Ermordung der Bevölkerung Guatemalas durch Polizei und Armee belegen. Die Täter sind bisher größtenteils straflos davongekommen.

Angriff auf den Traum (2007), ebenfalls nur von Stelzner, zeigt die Anstrengungen, die Menschen in Südamerika auf sich nehmen, um in die Vereinigten Staaten zu gelangen. Sie überqueren im Norden Guatemalas die Grenze nach Mexiko und begeben sich auf eine der gefährlichsten Migrationsrouten der Welt. Ein Güterzug soll sie die 4000 km lange Strecke bis in die USA bringen. Stelzner filmte in der Grenzregion.

Der Film Testamento (2003) von Stelzner und Walther handelt vom Rechtsanwalt und Aktivisten Alfonso Bauer Paiz (1928-2011), der sein Leben lang in Guatemala gegen Militärregimes und Korporationen kämpfte. Der Freimaurer und Sozialist arbeitete unter anderem mit Jacobo Árbenz, Che Guevara und Salvador Allende zusammen und kehrte nach 25 Jahren Exil zurück in seine Heimat, um für Freiheit und Demokratie zu kämpfen.

Der oben erwähnte Die Zivilisationsbringer: Deutsche in Guatemala (1998), auch von Stelzner und Walther, erzählt von der deutschen Gemeinde in Guatemala, die es mit Kaffeeanbau zu wohlstand brachte und die auch heute noch die dortige Wirtschaft dominiert. Während die Unternehmer ihre Erfolgsgeschichte erzählen, wird deutlich, dass diese auf Landraub und Ausbeutung der indigenen Bevölkerung beruht.

Die Abenteuer einer Katze: Notizen einer Projektion in Nachkriegszeiten (2000) von Stelzner und Walther behandelt den Konflikt über die Zivilisationsgesellschaft. Der Film, der in Guatemala nach Ende des Bürgerkrieges gezeigt wurde, löste nicht nur Drohungen seitens der deutschen Gemeinde, sondern auch eine breite Debatte aus.

Romper el cerco: Flüchtlinge eines verdeckten Krieges (1994) von Stelzner und Walther erzählt von den Opfern der Verfolgung durch die Armee Guatemalas. Nachdem sich in den 1980er-Jahren indigene Bauern gegen Landraub und Ausbeutung wehrten, antwortete die Armee mit systematischer Verfolgung und Ermordung. Der Film sucht die Opfer auf und gibt ihnen eine Stimme.

Große Teile der indigenen Bevölkerung flohen 1982 vor den Verbrechen der Armee nach Mexiko. Ojalá: Hoffnung auf ein neues Land (1992) von Stelzner und Walther zeigt Bilder aus den Flüchtlingslagern und zeigt den Terror, den die Flüchtlinge noch immer verspüren, aber auch die Hoffnung wieder in die Heimat zurückkehren zu können. Tatsächlich durften erst 1993 die ersten Flüchtlingsfamilien zurück nach Guatemala.

Schließlich werden zwei Filme von Sergio Valdés Pedroni gezeigt, der als Gast der Werkschau anwesend sein wird. Luis und Laura (1998) ist ein Film über den guatemaltekischen Schriftsteller Luis Cardoza y Aragón, der ins mexikanische Exil ging, und Dichterin Laura Pineda, die in Guatemala blieb und Widerstand leistete. Diskurs gegen das Vergessen (2003) stellt sich die Frage, ob das Kino die Vergangenheit eines Volkes retten und den Weg in Zukunft ebnen kann.

Das Programm:


La isla (OmU)
Do., 10.11. 10:30 (in Anwesenheit von Uli Stelzner)
Fr., 11.11. 21:30 (in Anwesenheit von Uli Stelzner)
Mo., 14.11. 10:30 (in Anwesenheit von Uli Stelzner)
Di., 15.11. 22:15
Mi., 16.11. 19:00 (in Anwesenheit von Sergio Valdés, Uli Stelzner und Malte Daniljuk)


Die Zivilisationsbringer (OmeU)
Do., 10.11. 20:00 (in Anwesenheit von Uli Stelzner, Thomas Walther und Sergio Valdés)
So., 13.11. 19:00 (in Anwesenheit von Uli Stelzner, Thomas Walther und Sergio Valdés)
Di., 15.11. 10:30 (in Anwesenheit von Thomas Walther)
Di., 15.11. 19:00 (in Anwesenheit von Thomas Walther und Sergio Valdés)


Angriff auf den Traum (OmU)
Fr., 11.11. 10:30 (in Anwesenheit von Uli Stelzner)
Fr., 11.11. 19:00 (in Anwesenheit von Uli Stelzner und Silke Helfrich)
Sa., 12.11. 21:45 (in Anwesenheit von Uli Stelzner)
Mo., 14.11. 22:00 (in Anwesenheit von Uli Stelzner)

Luis und Laura (OmeU)
Sa., 12.11. 17:00 (in Anwesenheit von Sergio Valdés)

Testamento (OmU)
Sa., 12.11. 19:00 (in Anwesenheit von Uli Stelzner, Thomas Walther und Sergio Valdés)
Mi., 16.11. 10:30 (in Anwesenheit von Thomas Walther)
Mi., 16.11. 21:30 

Diskurs gegen das Vergessen (OmU)
So., 13.11. 16:30 (in Anwesenheit von Sergio Valdés)

Abenteuer einer Katze (OmU)
So., 13.11. 22:15 (in Anwesenheit von Uli Stelzner und Thomas Walther)

Ojalá / Romper el cerco 
Mo., 14.11. 19:00 (in Anwesenheit von Thomas Walther, Sergio Valdés und CAREA)


Moviemento
Kottbusser Damm 22, 10967 Berlin

Hier geht es zur Homepage von Uli Stelzner, wo es das Programm gibt.






 

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