Boardwalk Empire: Battle of the Century – Season 2 Episode 9


Schon einige Folgen früher wurde er angekündigt, dann immer wieder kurz angerissen. Diese Woche war es soweit: Der Boxkampf um den Titel, Dempsey gegen Carpentier. Und weil selbst in Filmen über Boxen der Kampf nicht nur im Ring stattfindet, sondern auch im Publikum, wird es in Boardwalk Empire auch so sein. Wir bekommen sogar nichts von den Boxern zu sehen, die Aufmerksamkeit ist komplett dem Publikum gewidmet. Dieses Publikum besteht aus Bürgern von Atlantic City, vor allem aber aus Jimmy und seinem Freund Richard. Und Jimmy ist unruhig, denn, obwohl er seit letzter Folge offiziell zum Machtmensch der Stadt gekürt wurde, reitet er sich weiter in unnötige Probleme rein. Dauerte es für Nucky Jahre, bis er zu dem Punkt kam, sich aufgrund seiner Machtspielchen um sein Leben zu fürchten, scheint die Angst bei Jimmy vom Anfang seiner Karriere an da zu sein. Doch bleiben wir noch ein bisschen beim Boxkampf, ein Anlass, um nochmal auf die Epoche zurückzublicken. Wie erwähnt, sind die Boxer gar nicht zu sehen, denn das Publikum ist überhaupt nicht in der Boxarena. Stattdessen sitzen sie in Atlantic City, in einer medialen Arena. Auf Bänken, wie in der Kirche, und vor ihnen der Priester des zweiten Viertels des 20. Jahrhunderts – das Radio. Gleichzeitig als Quelle der Information da und als Anlass für Show. Eine knapp gekleidete Frau kündigt die Runden an, und nichts anderes ist nötig, um diesen Kampf unter das Volk zu bringen: Das Radio, die Frau und das zahlende Publikum. Und Jimmy ist ein Teil davon, ein Teil des Volkes von Atlantic City, nicht, wie Nucky, ein Teil der Oberschicht, denn er sitzt nicht oben, im Ritz, sondern hier in diesem Raum, mit den anderen Männern, mittendrin. Sein glamouröser Abend in Babettes Supper Club scheint doch eine einmalige Angelegenheit gewesen zu sein, fortan gibt es nur Probleme. Denn mit seinem neuen Titel wechselt Jimmy auch die Partner. Ein witziges Treffen mit George Remus findet statt, Capone natürlich wegen des Humors auch anwesend, Waxy Gordon wird mit ins Boot geholt und Manny Horvitz soll erledigt werden.

Manny, der eigentlich auch mit 5000 Dollar aus den Geschäften entfernt werden könnte, zeigt sich mal wieder von seiner Chuck Norris Seite und lässt sich nicht töten. Er wird zu einer durchaus sympathischen Figur, aufbauend auf der Art wie wir ihn kennengelernt haben: Sein Beil im Kopf des Attentäters ist die Portion Gore, die Boardwalk Empire Episode für Episode liefert, ist ein Symbol der unheimlichen Seite Mannys und eine Ankündigung der Probleme, die sich Jimmy, mit jedem weiteren nicht erfolgreichen, von ihm geplanten Attentat, auf sich zieht. Und da sitzt er, beim Boxkampf, und Menschen drehen sich um, schauen ihn an und wirken bedrohlich.

Wir erinnern uns an Jimmys Gespräch mit Angela in der vorherigen Folge, wie er ihr gegenüber ehrlich, wenn auch knapp, über seine Probleme erzählte – das Gegenteil dieses Gesprächs findet in dieser Folge zwischen der Staatsanwältin Esther Randolph und ihrem Agenten statt. Im Bett, und zwischen Mann und Frau in den Zwanzigern, nicht zwischen Staatsanwältin und Untergeordnetem. Es wird enthüllt, dass Nuckys Vater doppelt begraben wird, einmal in den USA und einmal in Irland, wo sich Nucky gerade befindet. Seine Reise nach Irland ist wieder eine Gelegenheit, den Geist der Zeit zu schildern, denn nie war er mehr ein Amerikaner als bei der Sinn Fein. Seine egoistische Verfolgung finanzieller Ziele steht so sehr im Kontrast zur Ehre der Iren, zu ihren politischen Idealen, dass man immer wieder fast um Nuckys Leben bangen muss. Und sein Plan, die 3000 Thompson Maschinenpistolen gegen Whisky zu tauschen, scheint definitiv ruiniert zu sein, als Nachricht von einem englischen Angebot für einen Waffenstillstand die Iren erreicht. Dann aber dreht sich die Münze, Extremisten lassen den irischen Anführer ermorden, der Deal steht. Und Nucky sieht auf einmal in Owen Sleater, seinem Fahrer und Bodyguard, jemanden, der bereit war, die eigene Vaterfigur innerhalb der politischen Bewegung ohne Gewissensbisse töten zu lassen. Das Attentat auf sein eigenes Leben, neulich hinzugezählt, ist Nuckys Reaktion auf diese unerwartete Wendung doch eine, die uns vielmehr an Margret, an seinen potenziellen Rückzug aus dem Geschäft denken lässt, an Nucky als einen glücklichen Familienmensch.

Margret, zuhause geblieben, hat auch mit einem Aspekt dieser Epoche zu kämpfen, denn bei ihrer kleinen Tochter wird Kinderlähmung diagnostiziert. Sie wird gezwungen, Emliy im Krankenhaus in Quarantäne zu bringen, ihre Spielzeuge zu verbrennen und das abzulegen, was sie bisher konstant positiv charakterisiert hat: Sie fühlt sich, sich selbst gegenüber, als eine schlechte Mutter, die ihre Tochter von sich entfernt hat. Die Szenen um Margaret sind meiner Meinung nach die besten der Episode.

Eine Frage, die für mich immer größer wird mit dieser Folge, ist, wie Nucky wohl seinen irischen Whisky in Atlantic City entladen wird. Ich wäre sehr froh, wenn Ihr dazu Ideen habt, denn in meinen Augen war er zuletzt auf Philadelphia und Waxy Gordon angewiesen, auf die Partnerschaft mit Rothstein, schließlich waren alle seine Transporte von den Gegnern gestoppt oder geraubt worden. Irgendwie bleibt es fragwürdig, wie die Irlandreise alles verändern soll. Und bisher scheint Nucky nicht bereit, wie Jimmy, auch Bodyguards zu bezahlen, die ihn und seine Geschäfte beschützen sollen.

Bis dahin dürfen wir dem Abspann lauschen, diesmal Ausnahmsweise nicht ein Lied, sondern die Fortsetzung der Radioübertragung des Kampfes. Jack Dempsey gewinnt in der vierten Runde durch KO, der schwarze Hintergrund des Abspanns ist unsere Simulation von Radioübertragung.

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