„Filmfest Hamburg? Davon habe ich noch nicht gehört.“ – Diese Reaktion erhielt ich im September vielfach, immer wenn ich erzählte, ich würde von diesem Festival am Ende des Monats berichten. Dabei ist das Filmfest Hamburg mit rund 120 gezeigten Produktionen eines der größten Festivals Deutschlands. In zahlreichen Kategorien wurden Werke aus der ganzen Welt gezeigt, in einer guten Mischung aus Mainstream und Arthouse. Zwar werden auf der Berlinale etwa drei Mal so viele Filme vorgestellt als in der norddeutschen Millionenstadt, jedoch scheint sich das eher positiv auf die Qualität auszuwirken. Wie Christian Alt schon in seinem Rückblick zum Februar darstellte, zeigte das Festival in Berlin auch eine große Auswahl an überflüssigen Produktionen, die scheinbar als Lückenfüller dienten, etwas, dass das Filmfest Hamburg nicht nötig hatte.
Natürlich habe ich in Deutschlands schönster Metropole nicht nur Exzellentes gesehen, besonders in der Kategorie 16:9, in der nationale Fernsehfilme ihre Premiere feierten, gab es einige Tiefpunkte, was wohl auch nicht anders zu erwarten war. So habe ich mental meinen persönlichen Preis für den schlechtesten Film des Jahres an Die Stunde des Wolfes überreicht, der mich mit seiner Synopse ins Kino lockte und dann auf voller Linie enttäuschte. Doch der überwiegende Teil des Programms konnte glücklicherweise überzeugen: Die ambitionierten Arthouse-Produktionen Sleeping Beauty und The other Side of Sleep, die in diesem Jahr auch schon in Cannes liefen, Steven Soderberghs Star-Ensemble-Werk Contagion, die düstere Jane Eyre Verfilmung von Cary Fukunaga, die visuell beeindruckende Parabel Huhn mit Pflaumen, der rasante Norweger-Thriller Headhunters nach Jo Nesbo, um nur einige zu nennen.
Es ist wirklich sehr schade, dass der filmische Fixpunkt der deutschen Medienlandschaft auf die Berlinale beschränkt ist, dies hat mir das Filmfest Hamburg 2011 wieder einmal bestätigt. Mittlerweile gibt es eine große Palette an Festivals in unserem Land, doch nicht einmal die Größeren schaffen es, den Blick von den Festspielen der Hauptstadt wegzulenken, auch wenn sie mit ihrem Programm mehr überzeugen können. Eine wirkliche Chance, diese Missstände zu ändern, hätten wahrscheinlich nur die internationalen Stars, die das Medien-Interesse am wirksamsten lenken können. So tauchte nicht mal eine einzige Person des Prominenten Contagion-Casts bei der Deutschland-Premiere der Produktion auf dem Filmfest Hamburg auf – Hätte es sich um die Berlinale gehandelt, wären sie vermutlich in Scharen auf dem roten Teppich aufgelaufen, wo sich die Reporter in Massen um die besten Plätze bekämpft hätten.
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2011 - Monat für Monat: September
2011-12-18T14:33:00+01:00
Markus Hauschild
2011 - Monat für Monat|Weitblick|





