The Help – Revisionistische Geschichtsschreibung?


Ein “bonbonfarbenes Feelgoodmovie mit großen Ambitionen” nennt Cosima M. Grohmann The Help, der am 8. Dezember in den deutschen Kinos anläuft, bei critic.de (eine Formulierung, die quasi wörtlich in Tobias Nagl Rezension bei Spiegel Online wiederholt wird). Kann ein Film über das Schicksal schwarzer Hausangestellter in den Vereinigten Staaten der 1960er Jahren das Publikum mit einem guten Gefühl zurücklassen? In den Vereinigten Staaten wurde Tate Taylors Film, der auf dem gleichnamigen Bestseller der Autorin Kathryn Stockett basiert, seit dem Erscheinen im August kontrovers diskutiert. (Mit-)Auslöser war ein offener Brief der Association of Black Women Historians (ABWH), in welchem dem Film vorgeworfen wurde, dass er die Erfahrungen schwarzer Hausangestellter verzerre, ignoriere und trivialisiere. Besonders das Leben der schwarzen Gemeinschaft, die beständige Bedrohung der Angestellten durch sexuelle Gewalt seitens ihrer (männlichen) weißen Arbeitgeber und der Aktivismus der Bürgerrechtsbewegung seien in The Help historisch falsch bzw. überhaupt nicht repräsentiert. Daraufhin meldeten sich zahlreiche Autorinnen und Autoren zu Wort, um die Kritik zu teilen oder aber den Film zu rechtfertigen. Es ist wohl zu erwarten, dass diese Diskussion im deutschsprachigen Raum nicht in dieser Form stattfindet, da es hierzulande kaum eine Sensibilität für die stereotype Darstellung Schwarzer in Filmen gibt. Eine Aktivistin wie Noah Sow, die sich (unter anderem) mit der Repräsentation Schwarzer in den Medien beschäftigt, steht hierzulande im Grunde allein auf weiter Flur. Kein Wunder also, wenn The Help in Deutschland nur als eine Art kraftvolles Statement gegen Rassismus mit komödiantischen Einlagen wahrgenommen und die damit verbundene Problematik leicht übersehen wird.

The Help erzählt die Geschichte von Eugenia “Skeeter” Phelan (Emma Stone), einer jungen weißen Frau, die nach dem Studium in ihren Heimatort Jackson, Mississippi zurückkehrt. Eigentlich zieht es sie nach New York City, wo sie Journalistin oder Schriftstellerin werden will, aber zunächst reicht es nur für einen Job beim Lokalblatt: Sie muss die Kolumne mit den Haushaltstipps für eine erkrankte Kollegin übernehmen. Motiviert, wie sie ist, nimmt Skeeter den Job jedoch an. Ihre Mutter, die sie möglichst schnell verheiratet wissen will, und ihre Freundinnen, die im Grunde das Gleiche erwarten, sind zunächst etwas irritiert. Überhaupt diese Freundinnen. Der Club der Frauen scheint die wahre Macht in der Stadt zu besitzen – angeführt von Hilly Holbrook (Bryce Dallas Howard), einer unausstehlichen Rassistin, die versucht eine Initiative durchzubringen, dass Haushalte gesonderte (sprich: segregierte) Toiletten für ihre schwarzen Hausangestellten einrichten müssen – denn Schwarze würden ja andere Krankheiten übertragen. Auf einem Treffen der Damen bittet Skeeter die Angestellte Aibileen (Viola Davis) um Hilfe bei den Haushaltstipps. – Und so nimmt der Film Fahrt auf.

Aibileen arbeitet für Elizabeth (Ahna O’Reilly), eine der Freundinnen Skeeters, von ihr allerdings “Miss Leefolt” genannt und passt auf deren (von der Mutter vernachlässigte) Tochter Mae Mobley auf. Wie sie Skeeter später erzählen wird, hat sie bereits 17 weiße Kinder aufgezogen, während ihr eigener Sohn als junger Mann tödlich verunglückte (und als Schwarzer nicht rechtzeitig einen Arzt finden konnte, der ihn behandelte). Nachdem sich Skeeter Aibileen angenähert hat, beginnt sie sich vor allem für deren Leben als Angestellte zu interessieren und fasst den Plan darüber zu schreiben. Sogar eine Agentin in New York überzeugt sie von ihrem Plan. Allerdings zeigt es sich, dass alles schwieriger ist als geplant. Aibileen und andere Hausangestellte sind vorerst sehr zurückhaltend, da sie wissen, dass die ungeschriebenen Gesetze der Stadt den Kontakt zwischen schwarz und weiß verbieten, wo er über ein Arbeitsverhältnis hinausgeht. Und auch vor ihren weißen Freundinnen muss sie ihren Plan verbergen, da diese keinerlei Verständnis für Skeeters “liberale” Ansichten zeigen.

Neben Aibileen spielt deren Freundin Minny (Octavia Spencer) eine wichtige Rolle. Sie ist auch Hausangestellte, aber, im Gegensatz zur eher vorsichtigen Aibileen, ist sie keineswegs zurückhaltend, was ihr leicht Probleme mit ihren Arbeitgeberinnen einbringt. So wird sie von Hilly gefeuert, nachdem sie ihre Haustoilette benutzt – wohl der ultimative Affront. Hilly sorgt dann auch dafür, dass Minny innerhalb von Jackson keine Arbeit mehr findet und so ist Minny schließlich gezwungen bei der außerhalb lebenden Celia Foote (Jessica Chastain) anzufangen, einer naiven Blondine, die auch von den Frauen der Stadt geschnitten wird. Hier, bei der ebenfalls Ausgeschlossenen, erlebt Minny jedoch Akzeptanz, als sie – die als beste Köchin Jacksons gilt – der in häuslichen Dingen unbegabten Celia das Kochen beibringt.

Nach anfänglicher Zurückhaltung beginnen erst Aibileen und später auch Minny ihre Geschichten zu erzählen und Skeeter schreibt fleißig mit. Als ein einschneidendes Ereignis die schwarze Gemeinde aufrüttelt, beschließen jedoch zahlreiche Hausangestellte mit Skeeter zu reden und diese kann so ihr Buch fertigstellen. Die Veröffentlichung des Buches (unter dem Titel The Help) bringt den Alltag in Jackson gehörig durcheinander.

Bei der Thematik liegt auf der Hand, dass der Film leicht Gefahr läuft das Stereotyp der Mammy zu bedienen. Diese Repräsentation hat ihre Wurzeln in der Sklaverei und den Sklavinnen, die Arbeiten im Haushalt für ihre Besitzer erledigten und oftmals auch deren Kinder aufzogen. Dargestellt wurde sie immer als ihren weißen Besitzern bzw. später ihren Arbeitgebern treu ergeben und zufrieden mit ihrem Schicksal. Zusätzlich waren die Mammies in der Darstellung meist korpulent, mütterlich und sehr religiös, in einem Wort: “de-sexualisiert,” so dass sie keinerlei “Gefahr” für die weiße Familie darstellen konnten. Das Paradebeispiel wäre wohl Hattie McDaniels Rolle in Vom Winde verweht. (Auch in der Werbung wurde der Stereotyp der Mammy gerne verwendet. Hier ein informativer Text über Stereotypen in der Repräsentation von Afro-Amerikanerinnen.) Die Tatsache, dass die Mammy in ihrer Darstellung zufrieden mit ihrer Position war und sich selbst dann, wenn sie die Möglichkeit hatte die Familie zu verlassen und ein eigenes Leben zu führen, dafür entschied bei der Familie zu bleiben, machte es den weißen Arbeitgebern einfach etwaige Skrupel zu unterdrücken.

The Help ist sich dessen nun bewusst und lässt Skeeter an einer Stelle sagen: “Margaret Mitchell glorified the Mammy figure. But no one ever asked the Mammy how she thought about it.” (Margaret Mitchell ist die Autorin von Vom Winde verweht.) Der Film scheint also zu schreien: “Sehr her! Ich weiß, dass ich mich auf gefährliches Gebiet begebe, aber ich werde damit sensibel umgehen.” Nun ist es vielleicht übertrieben festzustellen, dass der Film eine Wiederbelebung der Mammy sei, wie es im offenen Brief der ABWH zu lesen ist. Zwar ist es richtig, dass die Hausangestellten, allen voran Aibileen und Minny, nicht offen rebellieren (wobei Minny dann doch einen Akt des “Widerstands” gegenüber Hilly, die ihr gekündigt hat, vollbringt, der vom Film genüsslich zelebriert wird – der allerdings eher albern ist), doch werden sie gleichermaßen nicht als zufrieden mit der Situation dargestellt. John McWhorter beschäftigt sich beim Magazin The New Republic mit dem Film (unter dem zugegebermaßen ebenso übertriebenen Titel “‘The Help’ Isn’t Racist. Its Critics Are”) und argumentiert, dass man den Film kaum eine Wiederbelebung des Stereotyps der Mammy nennen kann, wenn man ihn mit Vom Winde verweht oder Imitation of Life (1934) vergleicht. (Hier eine Szene aus letzterem, in der eine beispielhafte Mammy zu “bewundern” ist.) Dem Kritikpunkt, dass die Beziehung zwischen Angestellten und den Kindern, die sie erziehen, als zu eng und herzlich dargestellt werde, entgegnet er, dass es durchaus plausibel sei, dass eine schwarze Angestellte den Rassismus der Gesellschaft hassen, aber ein ihr anvertrautes Kind lieben könne. Das Argument ist durchaus nachvollziehbar und, wenn auch der offene Widerstand fehlt, bleiben kleine Gesten, die zeigen, dass Aibileen und Minny ihren Arbeitgeberinnen nicht treu und bedingungslos untergeben sind. Es mag zwar problematischere Szenen geben (beispielsweise das oft wiederholte “You is smart. You is kind. You is impo’tant,” das Aibileen der kleinen Mae Mobley vorspricht), aber liegt das Problem mit The Help wohl eher anderswo.

Hollywoodfilme, die sich dem Thema der Bürgerrechtsbewegung annehmen (wobei man zugeben muss, dass diese in The Help eher den Hintergrund bildet), scheinen fast notwendigerweise die Rolle Weißer in den Kämpfen für gleiche Rechte in den Vordergrund zu rücken – und können dabei bis zur simplen historischen Fälschung gehen (im Englischen gibt es den passenden Begriff des whitewashing). Beispielsweise erzählt Alan Parkers Film Mississippi Burning (1988) die Geschichte von zwei FBI-Agenten, die den Mord an drei Bürgerrechtlern (zwei davon Weiße!) aufklären sollen. Zurecht wurde an diesem Film kritisiert, dass hier gerade das FBI zum Vorreiter des Kampfes für die Bürgerrechte gemacht wurde, obwohl die Behörde tatsächlich die Bewegung auf’s Schärfste bekämpfte – oder wie es die Schrifstellerin Martha Southgate bei Entertainment Weekly ausdrückt: “J. Edgar Hoover did everything short of shoot Martin Luther King Jr. himself in order to damage or discredit the movement.” Natürlich mag dieses In-den-Mittelpunkt-Rücken von Weißen “Helden” der Bürgerrechtsbewegung finanziellen Zwängen geschuldet sein, entschuldigt wird es dadurch jedoch nicht.

Auch in The Help ist es also eine Weiße, die sich aufmacht, den Rassismus in ihrem Heimatort zu bekämpfen. In Skeeters Zimmer sehen wir im Bücherregal die Klassiker Native Son von Richard Wright (schwarzer Autor) und To Kill a Mockingbird von Harper Lee (weiße Autorin) nebeneinander stehen und dieses Bild gibt den Ton an: Schwarz und weiß trugen gleichsam zur Bürgerrechtsbewegung bei (Auf ähnliche Weise werden die Ermordung des Bürgerrechtsaktivisten Medgar Evers und die des Präsidenten John F. Kennedy im Film zu vergleichbaren Ereignissen, bei denen beider Tod als Verlust eines “Kämpfers für die Sache” betrauert wird. Obwohl Kennedy zweifelsohne eine wichtige Rolle bei der Bürgerrechtsgesetzgebung spielte, ist er allerdings in Punkto Engangement nicht mit Evers zu vergleichen.) Im Film ist es Skeeter, die sich mutig den Vorurteilen gegenüber stellt und für die Unterdrückten einsteht. Aber weshalb keinen Film über schwarze Bürgerrechtsaktivistinnen machen? Southgate drückt auch die Verhältnisse im Kampf für Bürgerrechte elegant aus: “Within the civil rights movement, white people were the help.” So schreibt auch Ann Hornaday in der Washington Post, dass sich The Help (wie The Blind Side vor wenigen Jahren) auf die Person der weißen Wohltäterin konzentriert, obwohl doch zur gleichen Zeit Schwarze selbst dafür kämpften sich als Wählerinnen und Wähler registrieren zu lassen. McWhorter würde vermutlich mit dem Plausibiltätsargument kontern und behaupten, dass es ja trotz allem “realistisch” sei, wenn eine beliebige Hausangestellte nicht in der Bürgerrechtsbewegung aktiv sei. Natürlich mag das sein, aber ein Film, der immer eine narrative Strategie verfolgt, kann sich immer auch anders entscheiden und beispielsweise eine Angestellte – oder auch eine andere Person aus deren Umfeld -, die sich engagiert, in den Mittelpunkt rücken (und die neuere Forschung über die Bürgerrechts- und Black-Power-Bewegung zeigt, dass die lokale Graswurzel-Organisation der Bewegung gerade von der Arbeit von “normalen” Menschen und zumal besonders von Frauen getragen wurde – einen guten Überblick bietet Peniel E. Josephs Waiting ‘Til the Midnight Hour. A Narrative History of Black Power). McWhorter verrät sich in seinem Aufsatz allerdings als Anhänger der traditionellen “Erzählung” der Bürgerrechtsbewegung, welche die Hinwendung zu militanterem – und besonders: exklusiv von Schwarzen kontrollierten – Aktivismus als eine Art “Sündenfall” ansieht und kann wohl daher zufrieden damit sein, dass die schwarzen Angestellten nicht aufsässiger und radikaler gegenüber den Weißen sind.

Dass der Film damit die Geschichte der Bürgerrechtsbewegung revidiert, ist deutlich. Eine andere mögliche historische Revision ist bislang in der Kritik noch nicht erwähnt; die Ausgangssituation – Weiße schreibt die Geschichte der unterdrückten Schwarzen auf – erinnert vage an Diskussionen um die sogenannten slave narratives im 19. Jahrhundert. Damals veröffentlichten einige in die Nordstaaten geflohene Sklaven Berichte über den Horror der Sklaverei. Zu den Bekanntesten zählen Frederick Douglass’ A Narrative of the Life of Frederick Douglass, an American Slave (1845) oder Incidents in the Life of a Slave Girl (1861) von Harriet Jacobs. Die Berichte wurden von Abolitionisten aus den Nordstaaten veröffentlicht und, um ihre “Authentizität” zu bezeugen, mit Vorworten von weißen Autoren versehen, die versicherten, dass der Bericht wirklich von der betreffenden Person verfasst wurde, da dies häufig bezweifelt wurde. Der Vorwurf war, dass sich weißte Abolitionisten die Geschichten nur ausdenken würden, um die Institution der Sklaverei in Verruf zu bringen und tatsächlich gab es Fälle, in denen sich herausstellte, dass gewisse slave narratives von weißen Autoren verfasst waren. The Help lässt ebenfalls eine Weiße den Bericht der Hausangestellten verfassen (und auf Wunsch der Verlegerin mit einem persönlichen Bericht “authentifizieren”) und widmet sich nicht der Tatsache, dass es durchaus Vorbilder in der Tradition afro-amerikanischer Selbstzeugnisse gibt. Schließlich hätte Aibileen ihre Geschichte auch selbst aufschreiben können und Skeeter hätte ihr lediglich helfen können einen Verlag zu finden. Doch es ist für The Help nötig, dass es Skeeters Buch ist. 

Denn vieles spricht dafür, den Film weniger als Geschichte über eine Weiße zu sehen, die den unterdrückten Schwarzen hilft (wobei alle Argumente, die darin schon eine revisionistische Geschichtsschreibung erkennen, weiterhin zutreffend bleiben, da dies schließlich der “manifeste” Inhalt des Films ist), sondern vielmehr als coming-of-age-story der weißen Protagonistin selbst, wie es auch im offenen Brief der ABWH zu lesen ist. (“In the end, The Help is not a story about the millions of hardworking and dignified black women who labored in white homes to support their families and communities. Rather, it is the coming-of-age-story of a white protagonist, who uses myths about the lives of black women to make sense of her own.”) Letztendlich erleben wir die Geschichte von Skeeter, die nach der Universität versucht, ihren Lebenstraum, nämlich Schriftstellerin zu werden, zu erfüllen. Tobias Nagl drückt es bei Spiegel Online wie folgt aus: “Wenn Skeeter am Ende etwas gelernt haben dürfte, dann dass ein liberaler Antirassismus, solange er keine Konsequenzen fordert, sogar der Karriere zuträglich sein kann.” Die Unterdrückung der schwarzen Frauen zu beenden (oder realistischer: zu mindern) ist nach dieser Lesart also für Skeeter nicht das Ziel ihrer Arbeit; stattdessen werden die Frauen Mittel zum Zweck für Skeeter, die vermittelt über die Arbeit “erwachsen” wird – einen Job findet und sich Freundinnen und Mutter entgegen stellt.

Hier kommen wir dann aber doch wieder zur stereotypen Darstellung von Schwarzen zurück. Wie Joshua Sperber bei Counterpunch schreibt, ist die Mammy eine Art weibliche Version des Magic Negro, eines (schwarzen) Charakters, dessen Aufgabe ist, es den weißen Charakteren zu ermöglichen Probleme zu lösen (Paradigmatisch: Michael Clarke Duncan in The Green Mile, aber auch Will Smith in Die Legende des Bagger Vance und – leider – Blondin Miguel als Idrissa im ansonsten hervorragenden Le Havre). Betrachtet man Skeeters coming-of-age als “grundlegendes” Motiv des Films, spielen Aibileen und Minny genau diese Rolle. Vor allem Minny erlaubt es auch der von den weißen Frauen ausgeschlossenen Celia ihre Probleme mit Ehemann und Haushalt zu lösen. Tobias Nagl formuliert hart – aber weitgehend zutreffend – “Als Film über Rassismus und die unsichtbaren Privilegien des Weißseins vergeudet “The Help” jedoch sein Potential.” Der Film ist so höchstens ein “bonbonfarbenes” coming-of-age-movie, aber nicht das Statement gegen Rassismus, das er hätte sein können.

Das ist schade, denn der Film hat – als Film – jede Menge Potential. Viola Davis als Aibileen und Octavia Spencer als Minny sind hervorragende Darstellerinnen und im Prinzip ist der Film auch in den Nebenrollen gut besetzt (beispielsweise Sissy Spacek als Hilly Holbrooks abgeschobene Mutter, die sich herrlich über die spätere Demütigung ihrer Tochter freut). Der Film ist mit 146 Minuten zwar (über)lang, wirkt jedoch nicht so, da Tate Taylor als Regisseur eine durchaus gute Arbeit abliefert. Insgesamt ist The Help sehr schön anzuschauen – deswegen vielleicht die häufige Verwendung des Adjektivs “bonbonfarben” -, da die Ausstattung sowohl der Kostüme als auch der Sets sehr gelungen ist. Sieht man von den genannten Problemen der Repräsentation ab, hat der Film noch einige andere Schwächen; die Widersprüchlichkeit der rassistischen Ideologie der Frauen dadurch hervorzuheben, dass sie die schwarze Bevölkerung in den Vereinigten Staaten zwar unterdrücken, aber andererseits Benefizveranstaltungen für afrikanische Kinder abhalten, mag zwar einen unmittelbaren Eindruck machen, ist aber irgendwie platt (und erlaubt es den Zuschauerinnen und Zuschauern sich gegenüber den so offenkundig rassistischen Frauen als überlegen zu fühlen, ohne die eigenen Einstellungen darauf zu hinterfragen, wie Leonard Quart bei Dissent feststellt – nach dem Motto “Rassisten? Das sind die anderen!”). Überhaupt bleibt Rassismus in The Help reduziert auf persönliches Ressentiment und wird praktisch nicht als strukturelles Phänomen gezeigt: Die Frauen, allen voran Hilly Holbrook, sind eben einfach gemein und überhaupt sind sie nicht nur zu Schwarzen gemein, sondern auch zu Celia (alle qualitativen Unterschiede zwischen “Rassen”-Diskriminierung und “Cliquenbildung” verwischend), die lediglich als (leider? glücklicherweise?) zu beschränkt dargestellt wird, um die ungeschriebenen Gesetze der “Rassen”-Trennung zu berherrschen.

So bleibt festzuhalten, dass The Help zwar ein mehr oder weniger gut anzusehender Film ist, jedoch an zahlreichen Stellen problematisch ist. Im Zweifelsfall sollte man ihn sich womöglich ansehen und sich selbst ein Urteil bilden.

Postscriptum: Unangenehm sind die Mitteilungen des Walt Disney Presseservice, in denen für den “Look der 60er zum Nachstylen” und “Lust auf Südstaatenküche” geworben wird. Hier verkommt ein tragisches Kapitel der Geschichte der Vereinigten Staaten endgültig zur Folklore. Wie könnte ein Stylingtipp aussehen? “Ziehen Sie ein bonbonfarbenes Kleid an und das, nein, die kleine Schwarze in der Küche macht fried chicken?” Nein, danke!

The Help – Pressespiegel bei film-zeit.de

The Help
R: Tate Taylor
B: Tate Taylor
D: Emma Stone, Viola Davis, Bryce Dallas Howard, Octavia Spencer, Jessica Chastain, Ahna O’Reilly, Sissy Spacek, Cicely Tyson u.a.
USA, Indien, Vereinigte Arabische Emirate 2011, 146 Min.
Dreamworks
Kinostart: 08.12.2011
FSK: 0

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