--

.

Gewinnspiel zu Exit Through The Gift Shop

von Stefan Tihanyi, am 28.2.11




















Banksy ist ein Phantom. Obwohl (oder gerade weil) seine Kunst Fassaden und Mauern auf der ganzen Welt ziert, weiß niemand, wer hinter dem gefeierten Street Art Künstler eigentlich steckt.
Bis sich ein verrückter Franzose und selbsternannter Dokumentarfilmer namens Thierry Guetta zum Ziel gesetzt hat, Banksy aufzuspüren. Was ihm durch gute Kontakte und ein bisschen Zufall sogar gelingt. Aber dann kommt alles anders als geplant: Banksy dreht den Spieß um und richtet die Kamera auf Guetta. Der wiederum startet nun selbst eine überraschende Karriere als Künstler.




„Ich wollte einen Film machen, der für Street Art das bewirkt, was „Karate Kid“ für den Kampfsport bewirkt hat- ein Film, der jedes Schulkind dazu bewegen würde eine Spraydose in die Hand zu nehmen und loszulegen. Aber wie sich herausstellt, haben wir einen Film gemacht, der für Street Art so viel getan hat, wie der „Der weiße Hai“ für den Wassersport.“ (Banksy)
Eine wahre (?) Geschichte über Kleinkriminalität, Freundschaft und Inkompetenz.

Obwohl Exit Through The Gift Shop den Academy Award für die beste Dokumentation nicht für sich beanspruchen konnte, freuen wir uns sehr über die Auszeichnung mit dem Independent Spirit Award!



Wir freuen uns, insgesamt drei DVDs von Exit Trough The Gift Shop verlosen zu dürfen!

Teilnahmeschluß ist der 22. März!

Wir danken Alamonde Film für die Unterstützung!




Leider können nur Teilnehmer mit Wohnsitz in Deutschland akzeptiert werden. Die Daten werden selbstverständlich vertraulich behandelt.
Mit der Teilnahme akzeptiert Ihr automatisch die
hier einsehbaren Teilnahmebedingungen.

Berlinale 2011 - Panorama: Tomboy

von Nils Fortmann, am 28.2.11


Eine Woche ist die Berlinale nun bereits vergangen und (glücklicherweise) habe ich bereits so manchen Wettbewerbsfilm vergessen. Der französische Film Tomboy hingegen, der in der Rubrik Panorama lief, hält sich tapfer in meinem Gedächtnis, und das hat auch gute Gründe.

Die zehnjährige Laure (Zoé Héran) zieht während der Sommerferien mit ihrer Familie in eine neue Wohnung. Zunächst beobachtet sie die spielenden Nachbarskinder alleine, doch schnell freundet sich ihre neue Nachbarin Lisa mit ihr an. Lisa hält sie auf Grund ihres knabenhaften Aussehens für einen Jungen. Laure stellt sich daraufhin als Mikaël vor. Durch Lisa bekommt "er" Anschluss zu den anderen Nachbarskindern. Mikaël genießt seine neue Geschlechterrolle, zugleich sieht er sich immer neuen Problemen ausgesetzt, diese auch zu erfüllen. Diese meistert er bravourös und mit viel Phantasie: Als die Clique zum Schwimmen verabredet ist, stellt er aus Knete einen Penis her, um die entsprechende Ausbeulung unter der Badehose zu erzeugen. Doch als das Ende der Ferien naht, erscheint es immer unausweichlicher, dass Mikaël wieder zu Laure werden muss...

Wie die Regisseurin Céline Sciamma diese Geschichte erzählt, ist meisterhaft. Der Zuschauer vergisst oftmals, dass Mikaël eigentlich ein Mädchen ist, so sehr taucht der Film in die Welt des Kindes ein. Durch die grandiose Kameraführung schafft es Sciamma zu keiner Zeit das Gefühl eines erwachsenen Blickes aufkommen zu lassen. Die Kamera passt sich dem Blick des Kindes an, zeigt einen Bildkader, der dessen Sichtweise entspricht. Das Schauspiel der Kinder wirkt nie gestellt oder unnatürlich. Ich kenne keinen Film, der besser die Welt eines Zehnjährigen auf die Leinwand gebracht hat.

Der Film schafft es zudem, die ganze Laufzeit über die Spannung zu halten. Die Geschichte wird voller Humor erzählt, dabei lacht man stets aus Verbundenheit zu den Charakteren, nie über sie. Die konsequente Beschränkung auf einen geringen Handlungszeitraum und wenige Schauplätze macht die schwierige Phase der Pubertät umso leichter greifbar. Ein rundum gelungener Film, auch weil er den Wunsch Laures ein Junge zu sein nicht hinterfragt oder gar bewertet. Er lädt dazu ein, den Sinn der Geschlechterrollen zu hinterfragen, die - so wird es beim gezeigten Spiel der Kinder deutlich - sich bereits im frühen Alter festsetzt.

Bei der Berlinale wurde Tomboy mit dem Teddy Jury Award ausgezeichnet und vom Publikum sehr gut aufgenommen.

Tomboy - Pressespiegel bei www.film-zeit.de

Tomboy
R/B: Céline Sciamma
D: Zoé Héran, Sophie Cattani, Mathieu Demy
Frankreich 2011; 84 Min.

Oscars 2011 - die Gewinner

von Ciprian David, am 28.2.11


Copyright: cliff 1066

The King's Speech ist soeben mit dem Oscar für den besten Film ausgezeichnet worden. Keine Überraschungen in den meist mediatisierten Kategorien der Oscars: Colin Firth und Natalie Portman nehmen wie erwartet ihre Auszeichnungen als Hauptdarsteller entgegen. Der Oscar für die beste Regie geht an Tom Hooper für The King's Speech. Ebenso sieht es bei den Nebenrollen aus: Melissa Leo und Christian Bale bestätigen die ersten Eindrücke zur Besetzung von The Fighter. Nach olympischen Maßstäben führen The King's Speech und Inception mit 4 Oscars, gefolgt von The Social Network, belohnt mit 3 Statuen. 

Es folgen die Preise in der Reihenfolge ihrer Verleihung:

Ausstattung: Robert Stromberg und Karen O'Hara für Alice im Wunderland
Kamera: Wally Pfister für Inception
Nebendarstellerin: Melissa Leo für The Fighter
Animierter Kurzfilm: Shaun Tan und Andrew Ruhemann für The Lost Thing
Animationsfilm: Lee Unkrich für Toy Story 3
Adaptiertes Drehbuch: Aaron Sorkin für The Social Network
Drehbuch: David Seidler für The King's Speech
Fremdsprachiger Film: Susanne Bier für In a Better World
Nebendarsteller: Christian Bale für The Fighter
Filmmusik: Trent Reznor und Atticus Ross für The Social Network
Tonmischung: Laura Hirschberg, Gary Rizzo, Ed Novick für Inception
Tonschnitt: Richard King für Inception
Make-Up: Rick Baker und Dave Elsey für Wolfman
Kostüme: Colleen Atwood für Alice im Wunderland
Dokumentarkurzfilm: Karen Goodman und Kirk Simon für Strangers no More
Kurzfilm: Luke Matheny für God of Love
Dokumentarfilm: Charles Ferguson und Audrey Marrs für Inside Job
Visuelle Effekte: Chris Corbould, Andrew Lockley, Pete Bebb und Paul J. Franklin für Inception
Schnitt: Kirk Baxter, Angus Wall für The Social Network
Song: Randy Newman für We Belong Together aus Toy Story 3
Regie: Tom Hooper für The King's Speech
Hauptdarstellerin: Natalie Portman für Black Swan
Hauptdarsteller: Colin Firth für The King's Speech
Bester Film: The King's Speech

Geburtstagsgewinnspiel - Heavy Rain

von Stefan Tihanyi, am 27.2.11


Das interessante Spielkonzept von Heavy Rain, bei dem der Spieler den Ausgang der Story durch sein eigenes Handeln direkt beeinflussen kann, gepaart mit den vielfältigen Bewegungsoptionen von PlayStation Move machen Heavy Rain Move Edition zu einem echten Erlebnis, das sich kein Spielefan entgehen lassen sollte. Der spannende, emotionsgeladene Thriller ist ein fesselndes Videospiel und ein interaktiver Film zugleich. Heavy Rain entführt den Spieler in eine finstere, verregnete und verängstigte Stadt an der Ostküste der USA, in der auf mysteriöse Weise junge Söhne verschwinden. Ein Serienmörder versetzt die Bevölkerung in Angst und Schrecken und es liegt in der Hand des Spielers zu entscheiden, wie weit er gehen wird, um ihn zu finden.


Insgesamt sind vier unterschiedliche Charaktere steuerbar, von denen jeder eine ganz besondere Rolle bei der Lösung des Falles übernimmt. Jeder Charakter hat sein eigenes Schicksal und seine eigenen inneren Dämonen, die es zu bekämpfen gilt. Dabei bestimmt der Spieler die Regeln und trägt letzten Endes mit seinen Entscheidungen und Bewegungen, die Verantwortung für den weiteren Verlauf der Story. Jede neue Entscheidung kann das Geschehen in eine völlig unerwartete Richtung lenken.

Heavy Rain war das erste Videospiel das in unserer Games-Rubrik thematisiert wurde. Sony hat uns drei Exemplare des durch seinen prägnanten filmischen Charakter sehr gelobten Titels zur Verfügung gestellt. Wir möchten uns an dieser Stelle für die gute Zusammenarbeit mit Sony bedanken.

Wir freuen uns insgesamt drei Playstation 3-BluRays von Heavy Rain verlosen zu dürfen!



Teilnahmeschluß ist der 5. März

Die Gewinner werden per Mail direkt benachrichtigt.

Wir bedanken uns bei den Lesern für´s Mitmachen bei den Geburtstagsgewinnspielen und wünschen den Gewinnern viel Spass und gute Unterhaltung mit ihren Preisen! 



Felicitas Kleiner über Filmkritik

von NEGATIV, am 27.2.11

Ein Gespräch mit der deutschen Film- und Theaterwissenschaftlerin Felicitas Kleiner ist heute Inhalt unserer Reihe zur Filmkritik anlässlich des einjährigen Jubiläums von NEGATIV.

Die 1976 geborene Felicitas Kleiner studierte Filmwissenschaft, Theaterwissenschaft und Komparatistik an der Universität Mainz. Im Jahre 2004 promovierte Kleiner mit der Arbeit Scheherazade im Kino. Arabian Nights Adventures aus Hollywood. Seit einem journalistischen Volontariat beim film-dienst, ist sie dort als Redakteurin und Autorin tätig. Auch in anderen Medien setzt sich Kleiner kritisch mit Filmen auseinander.

***

1. Worin sehen Sie ihre Rolle als Filmkritikerin?

Leser über Filme informieren und ihr Seherlebnis und Verständnis von Filmen bereichern und vertiefen. Sie möglichst animieren, sich die guten Filme anzusehen. Einstehen für die Bedeutung des Kinos als Kunst. Soweit möglich seine Vielfalt verteidigen (hier sind vor allem Redakteure gefragt, durch die Auswahl der Filme, über die geschrieben wird).

2. Wie unterscheidet sich diese Rolle heute im Vergleich zu früher, vor dem Internetzeitalter?

An dem, was ich als Aufgabe von Filmkritik ansehe, ändert sich im Internetzeitalter grundsätzlich nichts, aber die Rahmenbedingungen sind andere. Das Internet bietet, anders als der Printmarkt, ein Forum nicht nur für professionelle und redaktionell "gefilterte", sondern auch für nicht-professionelle Filmkritik. Diese Tatsache sehe ich als zweischneidiges Schwert an.
Einerseits: Dass das öffentliche Schreiben über Film kein Privileg einer kleinen Gruppe von Leuten mehr ist, die dafür von einer Zeitung bezahlt werden, sondern dass quasi jeder über Film schreiben kann, ist grundsätzlich eine Bereicherung, weil dadurch (neben einer Menge Unsinn) viele schöne, kluge Texte verfügbar werden, die sonst wohl nie an die Öffentlichkeit kämen. Zudem bietet das Internet neue Freiheiten, was die Form von Filmkritiken angeht (Textlänge, Vernetzung mit Bildern/Filmclips, Links zu weiteren Infos), und eine Plattform auch für Spezialwissen (zu Genres, Länder-Cinematografien etc.), das sich auf dem Printmarkt schwer tut, in Zeiten eines immer größer und unübersichtlicher werdenden Filmmarkts aber nützlich ist. Außerdem profitiert die Filmkritik, wie der Journalismus insgesamt, von den vom Internet bereit gestellten Recherche- und Informationsbeschaffungsmöglichkeiten.
Andererseits: Nach wie vor sehe ich die professionelle und von einer Redaktion im Idealfall "qualitätsgesicherte" Filmkritik (diejenige von Leuten, die sich hauptberuflich intensiv mit dem Kino auseinander setzen) als besonderen Wert an.
Deren wirtschaftliche Basis ist heute wackeliger als früher. Da die Rolle der Printmedien durch die Konkurrenz des Internets prekärer geworden ist, ist es auch die Rolle der bisher weitgehend von diesen Printmedien finanzierten professionellen Filmkritik. Filmkritik als Beruf und Broterwerb auszuüben, ist im Internetzeitalter wohl nicht gerade leichter geworden und könnte auch noch schwerer werden, wenn der Printmarkt weiter einbricht. Zumal auch das Medium Film als Leitmedium an Bedeutung verloren hat und mit der Zahl der Kinogänger auch die Zahl der potenziellen Filmkritik-Leser kleiner wird.

3. Wie schätzen Sie die Bedeutung des Internets als Diskussionsplattform - sowohl für die Leser, als auch für die Kritiker untereinander - ein?

Erfüllt leider bisher nicht die Erwartungen: Ich habe nicht den Eindruck, dass dadurch mehr relevante Debatten zustande kommen als zu früheren Zeiten.

4. Hat das Internet den kritischen Umgang mit Filmen beeinflusst?

Das Internet erleichtert es im Vergleich zu früher enorm, sich umfassend über Filme zu informieren, verschiedene Quellen anzuzapfen und unterschiedliche Meinungen zu vergleichen. Das empfinde ich als Bereicherung. Es stellt sich allerdings an den Leser die Herausforderung, aus dem Über-Angebot die "guten", verlässlichen, relevanten Quellen herauszufiltern.

5. Welche Webseite würden sie unseren Lesern ans Herz legen?

Den Blog von CARGO Film. Als Schaufenster auf die Arbeit der Kritiker-Kollegen Film-Zeit
Und nicht zu vergessen: Werbung in eigener Sache!

Hier finden Sie alle Interviews aus dieser Reihe.

DVD: Verschwörung der Frauen

von Sarina Lacaf, am 27.2.11


Ein absonderlicher Bub mit runden Brillengläsern und kariertem Hemd nummeriert akribisch Tierkadaver und liefert im voice over kontinuierlich Anleitungen zu immer bizarrer anmutenden Spielen. Seine Freundin, ein seilchenspringendes Püppchen, rezitiert in dunkler Nacht im Singsang die Namen von hundert Fixsternen. „Es gibt mehr als hundert. Warum hast du aufgehört?“, wird sie gefragt. Ihre Antwort lautet: „Wenn du erst einmal hundert gezählt hast, sind alle anderen gleich.“ Wiederkehrende Muster und mystische Zahlenspiele spannen ein ebenso komplexes wie verzauberndes Rätselgeflecht in Peter Greenaways Film ueber drei Frauen, Mutter, Tochter und Enkelin, die allesamt den Namen Cissie Colpitts (Joan Plowright, Juliet Stevenson, Joely Richardson) tragen und ihre Ehemänner nach und nach ertränken, um sich derer zu entledigen. Die Rekurrenz der Symbolik erweckt den Eindruck von Geschlossenheit und Universalität, jedoch bleibt jede Hoffnung auf eine Entschlüsselung der parabelhaften Erscheinungen unbefriedigt. Bedeutung wird mit jedem Bild suggeriert, aber niemals tatsächlich vermittelt. So erschafft Greenaway einen undenkbar dichten Kosmos, indem er die eigentliche Geschichte mit unzähligen abstrakten Figuren, pointierten Dialogen und allegorischen Szenarien anreichert.

Auch visuell wird hier die ganze Aufmerksamkeit des Betrachters gefordert. Die märchenhaft artifiziell ausgeleuchtete Landschaft, die mit einer überwältigenden Fülle an Details versehen ist, und die feinsinnige Komposition jeder einzelnen Einstellung machen Verschwörung der Frauen zu einem ästhetischen Meisterwerk, das ein Maximum an postmoderner Oberflächlichkeit, Reizüberflutung und Künstlichkeit erreicht. Dazu ironisiert die Musik von Greenaways Hauskomponisten Michael Nyman, mit dem er unter anderem auch in Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber und Der Kontrakt des Zeichners zusammengearbeitet hat, die Vorkommnisse, die sich im Schnittfeld von Befremdlichkeit, Skurrilität und äußerst makabrem Humor bewegen. So kommen nicht nur die Frauen mit dem Mord an ihren Männern jedesmal wieder davon, weil der Leichenbeschauer Madgett (Bernard Hill) ihren Reizen verfällt und deshalb zu ihren Gunsten attestiert. Auch die als Spiele verpackten Handlungen des Jungen Smut (Jason Edwards) bringen ihn in immer prekärere groteske Situationen rund um die zentralen Motive Sex und Tod, während ein der Diegese übergeordneter Countdown parallel zur Zuspitzung der Ereignisse abläuft. Immer wieder malerisch in den Bildern platzierte, ansteigende Ziffern strukturieren den Film bis hin zu seiner letzten Vollendung, die beim Erreichen der magischen Hundert eintreffen wird.

Peter Greenaways fünfter Spielfilm, dessen englischer Originaltitel Drowning by Numbers der klugen Pfiffigkeit der gesamten Komposition durch sein Wortspiel mit der englischen Variante von „Malen nach Zahlen“ viel eher gerecht wird, wurde 1988 in Cannes zurecht als bester künstlerischer Beitrag geehrt. Allem voran liefert er ein weiteres wundervolles Beispiel Greenaway'scher Verspieltheit und Komplexität. So verstecken sich nicht nur angeblich tatsächlich alle Zahlen des Countdowns von eins bis hundert in richtiger Reihenfolge mal im Bild, mal in den Dialogen der Figuren, sondern es befinden sich laut Greenaway weiterhin genau hundert Gegenstände, die mit einem "S" beginnen, in Smuts Zimmer und hundert, die mit "M" beginnen, in Madgetts. Nach Der Kontrakt des Künstlers erscheint das Zahlenrätsel Verschwörung der Frauen nun als zweiter von Greenaways Filmen in der Arthaus Collection.


Verschwörung der Frauen
R: Peter Greenaway
D: Bernard Hill, Joan Plowright, Juliet Stevenson, Joely Richardson, Jason Edwards, David Morrissey, Bryan Pringle, Trevor Cooper
Grossbritannien / Niederlande 1988, 118 min.
Verleih: Arthaus
Sprachen/Ton: Deutsch Mono DD, Englisch Stereo DD
Untertitel: Deutsch
Extras: Trailer

Die Goldenen Himbeeren / Razzies 2011

von Elisabeth Maurer, am 27.2.11

 Copyright: loneymops
Man mag den Goldenen Himbeeren / Razzies genauso viel Aussagekraft wie den Oscars zuweisen. Doch zu sehen, wie am Vorabend der bekanntesten Filmpreise der Welt seit mittlerweile 31 Jahren die Filme ausgezeichnet werden, die total daneben sind, macht auch deutlich, wie schmal der Grat ist zwischen Topfilm und Flopfilm. Denn oftmals handelt es sich bei den Preisträgern der Razzies nicht unbedingt um Filme, auf die wenig Erwartungen gesetzt wurden, und noch seltener um Filme, die, was die Beliebtheit beim Publikum betrifft, wirklich floppten.

Aus den Reihen der Nominierten konnte sich M. Night Shyalamans Film Die Legende von Aang in den Kategorien schlechtester Film, schlechteste Regie, schlechtestes Drehbuch, schlechtester Nebendarsteller und in der neu eingeführten Kategorie Worst Eye-Gouging Mis-Use of 3-D durchsetzen.

Ein weiteres Werk konnte gleich mehrere Preise einheimsen. Sex and the City 2 wurde als schlechtestes Sequel, für das schlechteste Ensemble und für die schlechteste Schauspielerin ausgezeichnet. Letztere Himbeere konnten sich ebenfalls alle vier Hauptdarstellerinnen teilen.

Ashton Kutcher erhielt für Kiss and Kill die Auszeichnung als schlechtester Schauspieler und Jessica Alba die als schlechteste Nebendarstellerin in gleich vier Filmen: The Killer Inside Me, Valentinstag, Machete und Meine Frau, unsere Kinder und ich.

Natürlich kommen gleich mehrere Filme und Leistungen ins Gedächtnis, die ebenfalls eine Himbeere verdient hätten. Doch scheint dies im Ganzen doch ein ganz guter Überblick über die Filme zu sein, die einen glücklicherweise 2010 nicht ins Kino gelockt haben (von Machete und The Killer Inside Me vielleicht mal abgesehen). Immer öfter nehmen die Gewinner die Preise sogar selbst entgegen. Einige amüsante Videos der vergangenen Preisverleihungen finden sich beim Razziechannel bei Youtube. Auf jeden Fall ist die Ironie, die die Razzies durchgängig ausstrahlen, erfrischend und wappnet gegen den Glamour und die großen Gefühle, die heute Nacht auf uns warten.

BD: Evil

von Ciprian David, am 27.2.11


Evil ist die sechste Blu-Ray Veröffentlichung von MFA Filmdistribution. Nach So finster die Nacht, ebenfalls aus Schweden, ist Evil der zweite Film, dem der deutsche Verleih dies im Rahmen einer Neuauflage (nicht Neustart, wie im Fall der anderen vier bisher kaufbaren Titel) zugesteht. Anlass mag in erster Linie der Kinostart von The Rite sein, dem neuesten Werk des schwedischen Regisseurs Mikael Håfström. Relativ früh im Film wird für den Zuschauer jedoch deutlich, dass dies auch technisch berechtigt ist, denn optisch ist Evil mit der ausgiebigen Beleuchtung, Farbenpracht und der gelegentlichen Weichzeichnung ein typischer Arthouse-Epochenfilm: ein Glamour-Streber.

Als eine Verfilmung des meist verkauften schwedischen Romans, Ondskan von Jan Guillou, ist Evil die Coming-of–Age Geschichte von Erik Ponti (Andreas Wilson), dem von der Gesellschaft eingeprägt wird, dass er ein grundschlechter Mensch sei. Die Fakten (denn die ursprüngliche Geschichte ist wahr) werden dem Zuschauer das Gegenteil beweisen: der junge Erik muss in einer Gesellschaft aufwachsen, welche mit ihrem Erbe nicht umzugehen weiß. Die Story und die Plot-Twists sind relativ platt und geradlinig (was der Autor des autobiographischen Romans in den Extras ausführlich erklären wird – denn die Welt ist eben so): Erik wird täglich von seinem Stiefvater verprügelt, die Umkehrung seiner Peinigung als Gewalt gegenüber anderen bekommen seine Schulkameraden zu spüren und nach kurzer Zeit landet er in einem Internat. Das besondere an dieser Institution ist ihre hierarchische Struktur: während sich die Erwachsenen ausschließlich um das Lehren zu kümmern haben, erziehen und disziplinieren sich die Jungs selber in einem altersabhängigen hierarchischen System. Erik wird ganz unten anfangen müssen, zwei mögliche Pfade stehen ihm bevor.

Was im Film sehr gut funktioniert, und wodurch der Einfachheit der Erzählung dramaturgisch geholfen wird, ist der Umgang mit den Figuren. Es geht weniger um deren Psychologisierung, als vielmehr um Gesellschaftskritik. Sie rücken dermaßen in den Hintergrund der sozialen Mechanismen, dass sie zu karikierten Strichen werden, die die hermetische Welt des Internats dramaturgisch radikal zuspitzen, was vor allem durch die Gestaltung des Hauptcharakters unterstützt wird. Ebenso undurchsichtig wie mitten in der Entstehung wird er zum Zentrum des Films, zur Unbekannten, die den Zuschauer immer wieder überrascht und verunsichert.

Ondskan wurde seinerzeit (2004) aufgrund seiner im ersten Abschnitt beschriebenen Merkmale sowie seiner sozialen Relevanz für den Oscar nominiert. Besonders in Deutschland ist er aber eine interessante Veröffentlichung, denn er thematisiert ein dem Nationalsozialistischen sehr ähnliches Erziehungssystem. Thematisch zwischen Napola und Die Welle gelingt Evil jedoch eine nonchalante Herangehensweise an das Thema: das in jeder Einstellung präsente Bewusstsein, dass es sich um einen Film über den Nationalsozialismus handele, lässt hier auf sich warten, was dem Ganzen hierzulande eine vielleicht lang ersehnte Frische gewährt, die von den deutschen Regisseuren jährlich aufs Neue angestrebt wird. So ist er genauso nah an Systemkritik wie an Erziehungspolitik und könnte ebenso mit Filmen wie 10 ½ oder Dog Pound konkurrieren – eine willkommene Offenheit. Allerdings reiht sich der Film selbst durch die letzten Einstellungen einige Klassen höher ein, das Standbild, über welchem der Abspann läuft, ist eine Kopie desjenigen in Sie küßten und sie schlugen ihn. Ein solches Ende als visuelles Souvenir veranlasst allerdings dazu, dass die Quelle des Zitats über das Gesehene rückwirkend ihren Schatten wirft.




Evil / Ondskan
R: Mikael Håfström
D: Andreas Wilson, Henrik Lundström, Gustaf Skarsgård
Schweden, 2003, 107 Min.
Copyright: MFA Filmdistribution

Veröffentlichung: 18.2.2011
Bildformat: Widescreen (1.85:1 - anamorph)
Sprache: DTS HD Master Audio 5.1 in Deutsch, Schwedisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Trailer, Deleted Scenes, Making Of (24 Min.), Interview mit Jan Guillou (35 Min.), Trailershow
FSK 12

DVD: Gangster´s Paradise

von Janusch Ertler, am 26.2.11

Wir schreiben das Jahr 1994. Südafrika. Soweto. Ein Neuanfang, gleiche Rechte für alle, gleiche Möglichkeiten. Jedenfalls in der Theorie. Denn mit der Apartheit verschwinden weder die sozialen Missstände geschweige denn die Townships. In einem dieser Townships hat Lucky Kunene (Rapulana Seiphemo) zwar die Zusage für ein Wirtschaftsstudium in der Hand, aber kein Stipendium dafür. Also muss sich Lucky auf alternative Art und Weise Geld organisieren, um für seine Uni bezahlen zu können. Er findet einen Job in der Autoindustrie. Was er macht nennt er wirtschaftlich: „Repossession with necessary supplies commissioned by business associates“. In anderen Worten: Bewaffneter Autodiebstahl für Schieberbanden. Die "Uni des Lebens" löst die tatsächlichen Studienwünsche ab, und nach einem gescheiterten Raub auf ein Kaufhaus muss Lucky gezwungenermaßen Soweto verlassen und sein Glück in Johannesburg als Taxifahrer versuchen. Zehn Jahre schafft es Lucky sich damit legal über Wasser zu halten, bis zu dem Tag an dem er fast umgebracht wird. Es ging um eine Taxiroute. Ein Schlag ins Gesicht für Lucky. Und das Prinzip, das er bereits in seiner Kindheit erfahren hat, bestätigt sich jetzt für ihn in einer deutlich existentialistischeren Dimension: Fressen oder gefressen werden. Da der Sozialdarwinismus auch nach der Apartheit noch oder vielleicht umso stärker gilt, ist Lucky zum Handeln gezwungen. Er gründet eine Gang, eine Armee, wie er sie bezeichnet und eine Firma: The Hillbrow Housing Trust. Damit beginnt seine Karriere als Slumlord Hillbrows, des sozial schwächsten Viertels Downtown Johannesburgs. Bezeichnenderweise sind es die heruntergekommenen Highrisebuildings, welche Lucky in der sozialen Nahrungskette emporheben.

Gangster´s Paradise nennt sich der Film, in welchem Regisseur und Drehbuchautor Ralph Ziman durch Lucky Kunene eine interessante Gangsterfigur entwickelt. Denn ein Gangster´s Paradise ist Hillbrow wohl auf jeden Fall. Nur ist unser Protagonist kein Gangster. Sicherlich, ein paar Gewaltdelikte während seiner Jugend gehen auf ihn, aber darüber lässt sich ja hinwegsehen. Ihm blieb ja nichts anders übrig. Nein, was er in Hillbrow macht, um zum Eigentümer eines Immobilienimperiums aufzusteigen, ist legal. Jedenfalls halbwegs. Er zweigt den eigentlichen Hausbesitzern ihre Mieten ab, lässt sie austrocknen und kauft und renoviert anschließend die Gebäude wenn sie unter den Hammer gehen. Ein Robin Hood der sich sein Stück vom Kuchen holt. Was in europäischen Breitengraden undenkbar wäre, ist in einem Land, welches sich noch immer in einem gesellschaftlich, politischem Umschwung befindet, durchaus möglich. „In the new southafrica everybody deserves their entitlement, preferably in this lifetime.“, sagt Lucky beispielsweise über korrupte Cops. Und hier offenbart der Film auch eine sehr subtile und starke Note. Denn abgesehen von ein paar stereotypen Situationen und Figuren unterläuft der Film die Rassismus/Apartheitsfrage. Es ist der Immobilienraub eines Schwarzen, der in der rechtlichen Grauzone weiße Vorstadtbourgeoisie finanziell ruiniert. Es kein Raub, sondern realisierte „land redistribution“. Lucky ist Manager und kein Gangster. Oder etwa doch nicht?


Denn darin liegt auch die dramaturgische Stärke des Films: Er wird uns in einem Backflash erzählt. Wegen Mordes verurteilt erzählt Lucky uns seine Geschichte durch Gitterstäbe hindurch. Oder wohl eher seine Version der Geschichte. Und in dieser Version gibt es nun mal reichlich übles Schicksal, welches zum Handeln gezwungen hat, und es gibt allerhand Gutmütigkeit einer Figur, die eigentlich ein Gangster erster Klasse wäre. Ein Gangster, der nicht hunderte Geliebte hat, sondern seiner Freundin treu ist. Ein Gangster, der den Bruder einer weißen Frau nachts aus einer Hillbrower Drogenhölle schleppt. Ein Gangster, der aufgrund seines Umfeldes gezwungen wird zu handeln, und dabei noch so sympathisch und human wie möglich bleibt. Ein unmöglicher Gangster. Ein Gangster der sogar mit seinem Publikum spielt. Und dennoch nehmen wir es ihm ab. Denn was er macht ist letztlich eine ökonomische Karriere, mit den Mitteln die ihm zur Verfügung standen. Und so wird sie uns auch erzählt.



Gangster´s Paradise - Jerusalema
R: Ralph Ziman
D: Rapula Seiphemo, Robert Hobbs, Kevon Kane, Jafta Mamabolo, Motlatsi Mahloko
Südafrika 2008, 113 Minuten
Copright: Ascot Elite
FSK: 16
Format: 1,35:1 Widescreen
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Making Of, Originaltrailer, Trailershow 

DVD: Mahler auf der Couch

von Christian Alt, am 26.2.11

Arthur Schnitzler, Sigmund Freud, Robert Musil, Arnold Schönberg, Gustav Klimt: Das Wien der Jahrhundertwende war ein beispielloser Versammlungsort für Kunst- und Geistesgrößen der Zeit und machte als „Wiener Moderne“ Epoche. Wien, das seit Joseph Haydn nahezu jedes kompositorische Genie beheimatet hatte, fand in Gustav Mahler einen Komponisten, der die Spätromantik mit atonalen Klängen verband und so als Bindeglied zur neuen Musik in die Geschichte eingegangen ist. Mahler auf der Couch befasst sich allerdings nur am Rande mit seinem Werk, sondern zeigt Gustav Mahler in seiner schwersten Lebenskrise.

Als Mahler (Johannes Silberschneider) die Liebesbriefe des Architekten Walter Gropius (Friedrich Mücke) an seine 19 Jahre jüngere Frau Alma (Barbara Romaner) entdeckt, treiben ihn Eifersucht und Verlustängste an den Rand der Verzweiflung. Im niederländischen Leyden sucht er Sigmund Freud (Karl Markovics) auf, der an ihm seine Psychoanalyse durchführen und ihm helfen soll, seine Eheprobleme zu lösen.

Regisseur Percy Adlon verlässt in Zusammenarbeit mit seinem Sohn Felix die ausgetretenen Pfade des Genres Biopic und sucht abseits vom Genrestandard nach einer eigenen Bildsprache: Die Rückblenden zu Mahlers idyllischen Komponieraufenthalten in den Alpen werden mit Weichzeichnern verklärt, psychoanalytische Sitzungen mit dutch angle (also einem etwas schiefen Bild) im wahrsten Sinne des Wortes verrückt. Dazu kommt der Einsatz von nachgestellten Interviews mit den Akteuren, die den Eindruck des Semi-Dokumentarischen erwecken. Dabei wollen sie vor allen Dingen einer Frage auf den Grund gehen, die auch Gustav Mahler nicht mehr aus dem Kopf geht: Inwiefern trägt er Schuld an dem Ehebruch seiner Gattin?

Die psychoanalytische Sitzung, die wir hier als Film sehen, verhält sich wie eine Mahler-Symphonie. Oberflächlich-kitschige Szenen wechseln mit herausragend schönen - alles scheint von spätromantischem Pathos durchtränkt zu sein. Diese Ambivalenz schlägt sich auch im Spiel der Hauptdarsteller nieder. Vor allem Barbara Romaner als Alma Mahler scheint in jeder Szene zwischen Liebe und unterdrückter Freiheit hin- und hergerissen zu sein.

Aber trotz herausragenden Einzelmomenten, irgendwie scheint Mahler auf der Couch im Ganzen nicht zu funktionieren (wenn man überhaupt diese lächerliche Formulierung bei einem Film über Psychoanalyse strapazieren darf). Nach kurzer Zeit wirken die Kameraexperimente arg manieriert und auch die große Zahl kitschiger Szenen, die man als campy durchgehen lassen kann, fügen sich nicht harmonisch zum Rest. Die private Geschichte aus dem Hause Mahler ist zwar interessant, reicht aber nicht aus, um sich ein Bild über den Komponisten zu machen. Viel zu sehr beißen sich Vater und Sohn Adlon am Boulevardesken fest, ein Bild der Wiener Moderne wird kaum gezeichnet, sondern ihre Akteure auf ihre Prominenz reduziert.


Mahler auf der Couch macht vieles richtig und manches falsch. Eins macht er allerdings in jedem Fall richtig: Er macht Lust auf eine weitere Auseinandersetzung mit diesem genialen Musiker – auch über dessen Verhältnis zu seiner Ehefrau hinaus.


Mahler auf der Couch
R: Percy & Felix Adlon
D: Johannes Silberschneider, Barbara Romaner, Karl Markovics
Deutschland 2010 98 Min.
Verleih: Arthaus
Sprachen/Ton: Deutsch 5.1 DD, Hörfilmfassung für Sehbehinderte
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Extras: Musik machen mit Esa-Pekka Salonen; exklusives Booklet von Percy Adlon; Fotos von den Dreharbeiten; Interview mit Johannes Silberschneider; Presseheft (PDF); Hörfilmfassung für Sehbehinderte; Trailer; Wendecover

Empfehlungen für die DVD-Woche (28.02. - 06.03.2011)

von Stefan Tihanyi, am 26.2.11


Federico Fellini Collection von Federico Fellini (bei ARTHAUS)


Die insgesamt zehn DVDs umfassende Box, welche am 3.3. erscheint, enthält folgende Werke von Federico Fellini:


8 1/2 (1963), Ginger und Fred (1985), Julia und die Geister (1965)
La Strada - Das Lied der Strasse (1954), Der weiße Scheich (1952)
Fellinis Casanova (1976), Die Müßiggänger (1953), Die Schwindler (1955)
Die Nächte der Cabiria (1956), Fellinis Stadt der Frauen (1979)







Dogora von Patrice Leconte (bei Buschproduction)


Patrice Lecontes visuelle Reise durch Kambodscha ist ab dem 4.3. auf DVD erhältlich.












Stichtag von Todd Phillips (bei Warner Home Entertainment)


Die Komödie um einen äusserst schwer einzuhaltenden Termin ist ab dem 4.3. auf DVD und BluRay verfügbar.

TV-Highlights der Woche (28.02. - 06.03.2011)

von Stefan Tihanyi, am 26.2.11

Montag 28.2.

Entgleist (Mikael Håfström, USA / UK 2005)
Thriller
ZDF, 22.15

50 erste Dates (Peter Segal, USA 2004)
Komödie
Sat1, 20.15

Simpatico (Matthew Warchus, USA / UK / FRA 1999)
Drama
NDR, 23.00

Der Diamantencop (Les Mayfield, USA / GER 1999)
Komödie
Kabel1, 20.15


Dienstag 1.3.

Allein gegen die Angst (Martin Eigler, GER 2006)
Drama
3Sat, 20.15

Ein Geheimnis (Claude Miller, FRA 2007)
Drama
rbb, 22.45

Zwischen heute und morgen (Fred Breinsdorfer, GER 2009)
Liebesfilm
ARTE, 22.55

Daddy Cool (Steve Miner, USA / FRA 1994)
Komödie
SuperRTL, 20.15


Mittwoch 2.3.

8 Mile (Curtis Hanson, USA 2002)
Musikdrama
RTL2, 22.15

Wehrlos - Die Tochter des Generals (Simon West, USA 1999)
Thriller
Kabel1, 22.10

Songs from the Southern Seas (Marat Sarulu, FRA / GER / KAZ / RU 2009)
Drama
ARTE, 22.50

4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage (Cristian Mungiu, ROM / BEL 2007)
Drama
3Sat, 22.25


Donnerstag 3.3.

Der Ja-Sager (Peyton Reed, USA / AUS 2008)
Komödie
Sat1, 20.15

Marie Antoinette (Sofia Coppola, USA / FRA / JP 2006)
Drama
ARTE, 20.15

Rocky III - Das Auge des Tigers (Sylvester Stallone, USA 1982)
Action
VOX, 22.35

Die Mumie (Stephen Sommers, USA 1999)
Abenteuer
VOX, 20.15


Freitag 4.3.

Star Wars Episode II - Angriff der Klonkrieger (George Lucas, USA 2002)
Sci-Fi
Pro7, 20.15

Zurück in die Zukunft (Robert Zemeckis, USA 1985)
Komödie
RTL2, 20.15

Anastasia (Gary Goldman, Don Bluth, USA 1997)
Zeichentrick
SuperRTL, 20.15

Palindrome (Todd Solondz, USA 2004)
Komödie
3Sat, 22.25


Samstag 5.3.

Goldfinger (Guy Hamilton, UK 1964)
Agententhriller
ARD, 22.15

Das Kartell (Phillip Noyce, USA 1994)
Thriller
Kabel1, 20.15

Findet Nemo (Andrew Stanton, AUS / USA 2003)
Animation
Sat1, 20.15

Kingpin (Bobby & Peter Farrelly, USA 1996)
Komödie
RTL2, 13.40


Sonntag 6.3.

Das Fenster zum Hof (Alfred Hitchcock, USA 1954)
Thriller
ZDF, 15.10

Mit stahlharter Faust (King Vidor, USA 1955)
Western
ZDF, 13.40

Ace Ventura (Tom Shadyac, USA 1994)
Komödie
Kabel1, 13.35

Antarctica - Gefangen im Eis (Frank Marshall, USA 2006)
Abenteuer
Sat1, 14.00

Chris Fujiwara über Filmkritik

von NEGATIV, am 25.2.11


Im Rahmen unserer Interviewserie anlässlich des einjährigen Jubiläums von NEGATIV veröffentlichen wir heute ein Gespräch mit Multitalent Chris Fujiwara.

Neben seinen hoch angesehenen Monografien, etwa über Jerry Lewis, Otto Preminger oder Jacques Tourneur, ist Fujiwara als Chefredakteur bei der FIPRESCI-Publikation Undercurrent tätig. Die Seite wird von Film Comment als eine der relevantesten zur Filmkritik betitelt. Neben seiner eigenen Onlinepräsenz insanemute.com verfasst er Artikel für Film Comment, Film Quarterly, Cineaste, InterCommunication, Osian's Cinemaya, CinémAction, The Asahi Shimbun, The Boston Phoenix, The Boston Globe, The Village Voice, The Chicago Reader, Film International, Moving Image Source, Senses of Cinema sowie viele weitere Publikationen. Er leistete Beiträge zu einer Vielzahl von Sammelbänden, unterrichtete Film an der Tokyo University, Temple University Japan, Yale University, Emerson College, Rhode Island School of Design sowie am Athénée Français Cultural Center (Tokyo). Weiterhin ist Fujiwara regelmäßig in Juries vertreten, bei internationalen Symposien involviert und arbeitet als Übersetzer.

***

1. How do you consider your role as film critic?

My role as film critic is to see films, think about them, and write about them.

2. How has this role changed with the rise of the internet?

It hasn't.

3. How do you assess the relevance of the internet as a platform for discussion for both readers and critics?

Essential.

4. Do you think the internet has in any form influenced the critical approach towards film?
In general the internet has made writers more aware of the reactions of readers to their work and put them in closer contact with the potential readership for their work. The net effect is that you have groups of like-minded people publishing for one another in sort of a networked support system, or what might be generously called a dialogue. What that has to do with criticism, or even writing, I don't know yet.

I don't think the internet has influenced film criticism in a fundamental way, but it has had some kind of impact by facilitating certain practices that are ancillary to criticism: for example, the possibility of some kind of networked discourse on cinema, with multiple levels of comment and response, or integrating video clips with textual commentary.

5. Which website would you recommend to our readers?

One of the best sites is zines (http://bxzzines.blogspot.com/), which publishes scans of rare 1970s and 1980s French magazines about horror and pornographic cinema. If I had a foundation for supporting internet publishing, our first grant would go to them. And the last grant too, probably.

Hier finden Sie alle Interviews aus dieser Reihe.

Geburtstagsgewinnspiel - Arrebato und Marquis

von Stefan Tihanyi, am 25.2.11

 
Was für ein beschissener Tag! Unzufrieden mit der Arbeit an seinem billigen Horrorfilmchen kommt José (Eusebio Poncela) völlig entnervt nach Hause, wo seine zugedröhnte Freundin Ana (Cecilia Roth) bereits auf ihn wartet – und ein mysteriöses Päckchen von Pedro, einem alten Bekannten, der die Welt scheinbar nur durch den Sucher seiner Kamera wahrnimmt. Der Inhalt des Päckchens: eine Super8-Filmrolle, ein Tonband und ein Wohnungsschlüssel. Als José gelangweilt das Tonband anwirft, holt ihn zunächst die Erinnerung an seinen seltsamen Freund wieder ein. Nach und nach realisiert er jedoch, welch unfassbare Geschichte Pedro ihm da eigentlich gerade erzählt. Ungläubig fällt sein Blick auf Filmrolle und Schlüssel.



Am Vorabend der französischen Revolution: Der Marquis, ein ausgesprochen eloquenter Cocker Spaniel, sitzt wegen unerhörter Entweihung eines Kruzifixes in der Bastille ein. Sein einziger Freund - und zugleich schärfster Kritiker seines Schreibstils - ist das eigene sprechende Sexualorgan namens Colin. Die beiden Vertreiben sich ihre Zeit mit Gesprächen über Kunst, Literatur, Politik und sexuelle Freiheit – und doch dreht sich alles immer nur um die Frage: Wer hört auf wen? Als eines Tages die junge schwangere Kuh Justine in die Nachbarzelle gesperrt wird sieht sich der Marquis plötzlich als Spielball einer politischen Verschwörung, deren Spur bis an den königlichen Hof führt. Von nun an stehen beider Köpfe auf dem Spiel.



Wir möchten uns herzlich für die gute Zusammenarbeit mit Bilstörung bedanken, welche uns anlässlich unseres ersten Geburtstages drei DVDs zur Verfügung gestellt haben!
Wir freuen uns ein Paket mit Marquis und Arrebato und eine Einzel-DVD von Arrebato verlosen zu dürfen!


Teilnahmeschluß ist der 4. März

Die Gewinner werden per Mail direkt benachrichtigt.

Anlässlich des ersten Geburtstages von NEGATIV wird es im Rahmen des Februars zahlreiche Gewinnspiele geben, in diesem Sinne: Stay tuned for more!

DVD: Millennium-Trilogie - Director´s Cut

von Janusch Ertler, am 25.2.11


Der Thrill des Krimis, die Angstlust des gewalttätigen Verbrechens. Sowohl in der Ausführung als auch der Zeugenschaft. Das Grauenvolle mit dem Protagonisten zu durchleben, in der Gewissheit der sicherheitsgebende des Fernsehsessels. Es erscheint, als ob das Publikum in Deutschland ein besonderes Bedürfnis nach eben diesen kriminellen, gewalttätigen Spannungen hat. Aber nur solange das Pensum an Schrecken und Gewalt auch moderat ertragbar bleibt. Paradigmatisch dafür ist die Fülle an Krimiproduktionen, welche beinahe jeden Abend die deutschen Kanäle überflutet. Die Tatortreihe ist das beste Beispiel dafür – da darf die Familie als Wochenendabschluss nochmal kollektiv harmonisch der dunklen Seite unserer Gesellschaft frönen. In diesen Filmen bleibt die Gewalt meistens auf ein Minimum reduziert. Schusswunden gleichen eher Weinflecken und Sozialkritisches wird nicht dramaturgisch oder ästhetisch inszeniert, sondern bekommt meistens durch Stellvertreterdialoge seinen Platz zugewiesen. Einfach zu konsumieren und einfach wieder vergessbar. Primetime muss vermarktbar bleiben. Weshalb das Gut/Böse-Schema auch recht deutlich ausgekehrt ist. Die Ermittler sind freundlich und gleichen zu häufig dem netten Nachbarn von nebenan.

Wie ein Serienkiller schreckt da die Verfilmung der Millennium-Trilogie von Stieg Larsson die eingeschlafene deutsche Fernsehwelt auf. Diese Trilogie hat etwas essentielles, das der braven deutschen Tatortmentalität fehlt: Mut.
Mut zum Extremen, zum Tabu, zur expliziten Gewaltdarstellung, zur Sozialkritik und vor allem: Mut zu einem Protagonistentypus, der den Thrill, die Angstlust, also auch das Genrespezifische, nicht nur auf ein paar Suspense-Momente reduziert, sondern eine viel tiefere Unsicherheit schafft. Dieser Protagonistentyp wird in erster Linie durch die Figur der Hackerin Lisbeth Salander getragen. Mit enormer Intensität verleiht Noomi Rapace ihrer Figur eine Unberechenbarkeit, welche einerseits fasziniert und gleichzeitig ekelt. Eine tiefe Angstlust. Sie ist ein schwedischer postklassischer Rambotyp. Im Stich gelassen von der Gesellschaft versucht sie mit allen Kräften nicht in die Opferrolle zu fallen. Es ist ihr Kampf gegen eine gewalttätige, patriarchalisch organisierte Männerwelt, die Frauen generell und sie an erster Stelle nicht als Menschen, sondern als Ware, als Objekte der eigenen Befriedigung benutzen. Sei es sexuell, sei es psychologisch oder politisch: Es geht um Dominanz und um Macht. Wer dominiert wen und vor allem wie. Oft ist es die direkte körperliche Gewalt, die Lisbeth am eigenen Leib erfahren muss und der Zuschauer mit ihr. Denn die Filme schauen nicht weg, sie zeigen Gewalt in ihrer Form als das, was sie ist: abstoßend. Oft möchte man den Kopf abwenden ob der Brutalität der Bilder, welche durch eine konsequente Kamera zum Hinsehen zwingen. Es wird nicht höflich beiseite geschwenkt - und damit bleibt in diesen Filmen Gewalt ekelhaft. Eine Vergewaltigung bleibt durch ihre explizite Darstellung eine Vergewaltigung und verkommt nicht zu einem handlungsorientierten dramaturgischen Plot Point.

Der patriarchalischen Gewalt, sei sie physischer oder gesellschaftlicher Natur, welche Lisbeth den Film hinüber mehr als ein Mal erfahren muss, begegnet sie durch Selbstjustiz als ihre einzig mögliche Form von Verteidigung. Sie tut dies, indem sie einerseits die gleiche unberechenbare Gewalt gegen ihre Täter richtet und andererseits durch die Macht der Information, bereitgestellt durch das Internet. „Jeder Mensch hat Geheimnisse.“, lässt uns die Hackerin mehrmals wissen. Und ihre Vergangenheit ist das größte Geheimnis von allen.
Genau darin liegt (auch) die tiefe Spannung dieser Filme. Die Angstlust, welche allzu häufig nur mit Suspense- oder Mystery-Momenten assoziiert wird, ist hier sehr viel tiefliegender durch die Unberechenbarkeit und Ambivalenz unserer Protagonistin erzeugt. Zu keinem Zeitpunkt lässt sich erahnen, was Lisbeth machen wird, um sich vor den Bedrohungen ihrer Umwelt zu schützen, geschweige denn, was ihr noch weiteres zustoßen könnte. Ihre Unberechenbarkeit zeigt sich in allen Lebenslagen; während sie mit jemandem schläft genauso wie, wenn sie foltert. Man fürchtet sie; und bangt um sie. Man möchte die Augen abwenden und muss doch hinsehen.


Diese Trilogie inszeniert von Niels Arden Oplev (Teil 1: Verblendung) und Daniel Alfredson (Teil 2: Verdammnis und Teil 3: Vergebung) lässt sich zeitgleich mit der Fernsehausstrahlung auch als Director´s Cut auf DVD erwerben. Von dieser sei jedoch abgeraten, einerseits aufgrund der zusätzlichen Szenen, welche eben genannte Protagonistin in ihrer Rigorosität eher verweichlichen und damit auch die Spannung verwässern. Und andererseits, weil man kaum einen schwedischen „Director´s Cut“ ausschließlich in deutscher Synchronfassung vermarkten kann.


R: Niels Arden Oplev, Daniel Alfredson
D: Noomi Rapace, Michael Nyqvist, Ewa Fröling
Schweden, Dänemark, Deutschland 2009, 529 Min.
Copyright: Infopictures
Format: 1,78:1 (Anamorph)
Ton: Deutsch
Extras: Keine
FSK: 16

Verblendung - Pressespiegel auf film-zeit.de
Verdammnis - Pressespiegel auf film-zeit.de 
Vergebung  - Pressespiegel auf film-zeit.de

Geburtstagsgewinnspiel - 3x3 DVDs aus der Almodovar Edition von Universum Home Entertainment

von Ciprian David, am 24.2.11


Wir freuen uns über die Unterstützung von Universum Film während des letzten Jahres und bedanken uns für die Möglichkeit einer Verlosung anlässlich unseres ersten Geburtstags. Im März veröffentlicht der deutsche Verleih eine Pedro Almodovar Edition auf DVD mit den folgenden Filmen:

Matador (deutsche Erstveröffentlichung)
Sprich mit Ihr - Hable con ella

Wir durften uns drei Titel aussuchen und Ihr habt nun die Gelegenheit, eines der drei Pakete mit Matador, La Mala Educación - Schlechte Erziehung und Labyrinth der Leidenschaften zu gewinnen! Beantwortet einfach die Frage weiter unten!

Teilahmeschluss ist der 3.3.2011


Wir danken Universum Film für die Unterstützung!

Leider können nur Teilnehmer mit Wohnsitz in Deutschland akzeptiert werden. Die Daten werden selbstverständlich vertraulich behandelt.
Mit der Teilnahme akzeptiert Ihr automatisch die hier einsehbaren Teilnahmebedingungen.
Wir wünschen viel Glück!

Anlässlich des ersten Geburtstages von NEGATIV wird es im Rahmen des Februars zahlreiche Gewinnspiele geben, in diesem Sinne: Stay tuned for more!

Dave Kehr über Filmkritik

von NEGATIV, am 24.2.11

Im Rahmen unserer Interviewserie anlässlich des einjährigen Jubiläums von NEGATIV veröffentlichen wir heute ein Gespräch mit dem amerikanischen Filmkritiker Dave Kehr.

Dave Kehr war zuerst für den Chicago Reader (1974-1985) und dann für die Chicago Tribune (1986-1992) tätig. In den frühen 90er Jahren zog er nach New York und schrieb bis 1998 für die New York Daily News eine wöchentliche Kolumne. Der nun, seit bald 30 Jahren als Filmkritiker tätige Kehr ist heute für verschiedene Medien, unter anderem für Film Comment  und die New York Times, tätig. Festangestellt als führender Filmkritiker ist Kehr bei dem Webportal Citysearch.

***

1. How do you consider your role as film critic?

I like to think of myself as a contextualizer, situating a film within a historical, aesthetic and social framework.

2. How has this role changed with the rise of the internet?

The easy access to research material on the internet has made my job easier, and much more pleasant because I now have immediate contact with my readers.

3. How do you assess the relevance of the internet as a platform for discussion for both readers and critics?

This is a huge question! For a short answer, I’d say that the internet has permanently changed the relationship between the writer and the reader, in some ways for the best (it’s much more egalitarian) and in some for the worst (it invites superficial, purely judgmental responses).

4. Do you think the internet has in any form influenced the critical approach to film?

Again, a double edged sword: O the plus side, the internet offers a much more space and a much wider circulation for their work than would have been possible in most print publications; on the negative, the form encourages brief, subjective responses rather than reasoned arguments.

5. Which website would you recommend to our readers?

I’d suggest Film Studies for Free, Girish Shambu, Greenbriar Pictures Shows, and David Thompson and Kristen Bordwell . But there are dozens of fine sites.

Hier finden Sie alle Interviews aus dieser Reihe.

Im Kino ab dem 24. Februar

von Verena Bonnkirch, am 24.2.11



Diese Woche geht es bei den Kinotipps vor allem um eines: Lebensgeschichten. Ob Straßenkinder in Bethlehem, Tänzer, Stricher vom Bahnhof Zoo oder italienische Gangster – jede Geschichte ist einzigartig und bewegend!

Gleich die erste packende Dokumentation ist über die Tänzerin Pina Bausch. Pina ist ein 3D-Film von Wim Wenders über das Ensemble des Tanztheaters Wuppertal und die originellen Inszenierungen der im Sommer 2009 verstorbenen Choreographin Pina Bausch. Faszinierende Bilder und beeindruckender Tanz machen diesen Film so sehenswert. Mit 10 Oscarnominierungen ist True Grit von den Coen Brüdern ebenfalls ganz vorne im Rennen dabei. Und dass Philip Seymour Hoffman nicht nur grandios Schauspielen kann, sondern auch als Regisseur einiges drauf hat, kann er in seinem neuen Film Jack in Love unter Beweis stellen: Ein berührendes Regiedebüt über Zweisamkeit und die Kraft für etwas zu kämpfen. Um Menschen, die sich gefunden hatten, geht es auch in der beeindruckenden Dokumentation Kinder der Steine - Kinder der Mauer. Der Ursprung der Geschichte ist ein Foto, das sechs 10-jährige Jungen zeigt. Aufgenommen ist es in Bethlehem 1989 während des ersten palästinensischen Volksaufstands. Kinder der Steine bringt nun genau diese Jungen von dem Foto wieder zusammen und erzählt ihre bewegenden Geschichten aus Bethlehem – absolut sehenswert! Nach einer ebenfalls wahren Geschichte ist der Film Engel des Bösen gedreht. Er beschreibt das Leben von einem der bekanntesten Gangster Italiens, Renato Vallanzasca – mit neun Jahren schon kriminell und mit Mitte Dreißig berühmt berüchtigt. Die italienische Polizei konnte den Staatsfeind Nr. 1 zwar ein paar Mal festnehmen, seine Anhänger wurden aber immer mehr.

Ein besonderer Dokumentarfilm diese Woche ist auch Rosa von Praunheims Die Jungs vom Bahnhof Zoo. Der Film beschäftigt sich mit der Prostitution, allerdings mit männlichen Prostituierten. So werden die Lebensgeschichten von Strichern aus Rumänien und Bosnien erzählt, die am Bahnhof Zoo in Berlin mit ihrem Körper ihr Geld verdienen. Über die „Grüne Revolution“ geht es in The Green Wave. Grün, die Farbe der Hoffnung und des Islams, symbolisiert die politische Situation im Iran bei den Präsidentschaftswahlen 2009 und die unerwartete Bestätigung von Populist Mahmud Ahmadineschad. Der Film erzählt die Geschichten der Menschen hinter der Revolution. Wer Lust auf 3D hat und dazu noch auf Action in Autos steht, kann sich diese Woche Drive Angry anschauen. Nicolas Cage spielt einen rachesüchtigen Vater, der von der Hölle zurück auf Erden kommt um die Männer zu töten, die seine Enkeltochter gekidnappt hat. Um Fußball geht es in Daniel Brühls neuen Film Der ganz große Traum. Durch Zufall gerät er an eine konservative Schule und mischt dort Schüler ordentlich auf. Die Story ist nicht neu – ein Lehrer, der cooler ist als seine Vorgänger und durch seine besondere Art die Schüler inspiriert. Deswegen ist der Film ganz nett anzuschauen, haut einen aber auch nicht vom Hocker.

Ebenfalls nett, aber konventionell und flach ist Meine erfundene Frau mit Jennifer Aniston und Adam Sandler. Dieser Film kann bei der Qualität der Kinofilme dieser Woche leider nicht mithalten - aber zugegeben, die Konkurrenz ist auch extrem stark. Viel Spaß beim Schauen!


The Stuff that dreams are made of:

Pina von Wim Wenders
Faszinierende Kunst der Choreografin Pina Bausch
Hier die Rezension von Oliver Schmitt



True Grit von Joel und Ethan Coen
Ein U.S. Marshal hilft einem Mädchen auf der Suche nach dem Mörder ihres Vaters.
Hier die Rezension von Ciprian David



Jack in Love von Philip Seymour Hoffman
Bewegende Story und grandioses Regiedebüt über die Zweisamkeit.
Hier die Rezension von Ciprian David



Kinder der Steine - Kinder der Mauer von Robert Krieg und Monika Nolte
Dokumentation über ein Foto und seine Geschichte in Bethlehem

Engel des Bösen - die Geschichte eines Staatsfeindes von Michele Placido
Nach einer wahren Story eines italienischen Gangsters


Well, nobody's perfect:

Die Jungs vom Bahnhof Zoo von Rosa von Praunheim
Dokumentation über männliche Stricker in Berlin

The Green Wave von Ali Samadi Ahadi
Über die politische Situation im Iran bei den Präsidentschaftswahlen 2009

Drive Angry von Patrick Lussier
3D-Action in Autos
Hier die Rezension von Ciprian David

Der ganz große Traum von Sebastian Grobler
Daniel Brühl als Fußballlehrer


Mark it zero:

Meine erfundene Frau von Dennis Dugan
Konventionelle Liebesgeschichte

Raritäten der Kinowoche vom 24. Februar bis 2. März

von Verena Bonnkirch, am 24.2.11

Copyright Cinema Quadrat Mannheim

CALIGARI FILMBÜHNE Wiesbaden

Million Dollar Baby (Clint Eastwood, 2004)
Fr., den 25.02.2011 um 19:00 Uhr

Einführung und Filmgespräch: Dr. Ulrike-Sofie Scholtz

Nach langem Zögern übernimmt Frankie Dunn die Boxausbildung einer jungen Weißen, die sich durch den Sport eine gesellschaftliche Chance erarbeiten will. Er wird der Manager der so hartnäckigen wie begabten Maggie, was schließlich ihren kometenhaften Aufstieg einläutet. Nach einem halben Jahr ist sie bereit, zur Weltmeisterschaft in Las Vegas anzutreten…

Ein nur auf den ersten Blick herkömmlicher Sportfilm, der eine unerwartete Wende nimmt und sich zum ernsten Drama über Leben und Sterben auswächst.

Michelangelo - Das Leben eines Titanen (Curt Oertel, 1940)
Mo., den 28.02.2011 um 18:00 Uhr

Eine spektakuläre Biographie Michelangelos (1475 - 1564), die stark mit den Werken des Künstlers arbeitet.
Regie führte Curt Oertel, der ab 1946 für den Aufbau vieler Wiesbadener Filmorganisationen (wie der FSK, SPIO) mitverantwortlich zeichnete und auch bei der Gründung des Deutschen Filminstituts tatkräftige Unterstützung gab.
Ausgangspunkt des Films ist ein Sonett von Vittoria Colonna, die ihrem Zeitgenossen und Freund Michelangelo ein lyrisches Denkmal setzte, das Curt Oertel ins Filmische übertrug. Der Film fand weltweite Beachtung, besonders auch, weil die Umsetzung des Themas als neue Form der filmischen Geschichtsschreibung gewertet wurde.
Der bekannte Dokumentarfilmer Robert Flaherty schuf aus dem Material ein um ein Drittel kürzeres Dokudrama mit neuen Texten, das den Oscar als bester Dokumentarfilm erhielt.
Wir zeigen in diesem Fall nicht die mit dem Oscar ausgezeichnete Version, sondern Curt Oertels Original!

Wie ein wilder Stier (Raging Bull) (Martin Scorsese, 1979)
Mo., den 28.02.2011 um 20:00 Uhr

Die Robert De Niro-Reihe führen wir diesen Monat mit einem Film fort, der 1981 zwar nicht den Oscar für den besten Film erhielt, wohl aber den für den besten Hauptdarsteller – Robert De Niro, der dieses Jahr auch den Golden Globe für sein Lebenswerk erhielt.
Der große Martin Scorsese hat mit dieser filmischen Biografie des ungeliebten Boxweltmeisters im Mittelgewicht von 1949, Jake La Motta, ein wahrhaftes Meisterwerk geschaffen. Ein detailgenaues Psychogramm eines selbstzerstörerischen und gewalttätigen Menschen im Milieu der italienischen Einwanderer von New York, das zudem intensiv von den sozialen Verhältnissen im damaligen New York erzählt.
Er beschreibt die Atmosphäre offener und latenter Gewalt, die in La Mottas Privatleben fast genauso wie im Ring existiert. La Motta kann nicht zwischen den beiden Welten unterscheiden, sein Boxstil ist praktisch der verlängerte Arm seiner Psyche: Runde um Runde steckt er ein, um dann kurz vor Schluss aufzudrehen, seinen Gegner mit mörderischen Schlägen auf die Bretter zu schicken.

Fausto (Rémy Duchemin, 1992)
Di., den 01.03.2011 um 18:00 Uhr

Dieser zauberhafte französische Film ist eine jener kleinen Filmjuwelen, die durch Mundpropaganda einen gewissen Erfolg haben und ein Kinojahr lang das Publikum faszinieren, dann aber doch nicht so dauerhaft in Erinnerung bleiben wie etwa DIE FABELHAFTE WELT DER AMELIE und CHOCOLAT, sei es, weil sich die Darsteller nicht so dauerhaft als Stars etabliert haben oder ein kleiner Verleih den Film nicht lange im Repertoire halten kann.
Dabei kann man FAUSTO immer wieder sehen und sich verzaubern lassen von der Geschichte des Waisenjungen, der 1965 eine Schneiderlehre in Paris beginnt – und schon bald nicht nur seinen Lehrmeister, sondern auch die Frauen des Viertels mit seinen verrückten Kreationen überrascht und erobert.

Großartige Darsteller voller Spiel- und Lebensfreude verzaubern in einem vergnüglichen Kinomärchen über die Macht des Träumens, die Kraft der Liebe und den Glauben an eine schöne Welt.


CINEMA QUADRAT Mannheim

Deutsche Avantgardefilme der Zwanziger Jahre
Do., den 24.02.2011 um 19:30 Uhr

Mit der Ausstellung „Ré Soupault – Künstlerin im Zentrum der Avantgarde“ würdigt die Kunsthalle die Fotografin, Journalistin und Übersetzerin Ré Soupault. Im Begleitprogramm präsentiert das Cinema Quadrat Klassiker des deutschen und französischen Avantgardefilms aus ihrem Umfeld. Im ersten Teil sind Werke von Viking Eggeling, Werner Graeff, Walter Ruttmann und von Soupaults erstem Ehemann Hans Richter zu sehen. Dazu gibt es Live-Musik vom Tintinambule-Ensemble.

Einführung: Dr. Peter Bär

Ort: Kunsthalle

9. Mannheimer Filmseminar: Pier Paolo Pasolini
Accatone - Wer nie sein Brot mit Tränen aß (Pier Paolo Pasolini, 1961)
Fr., den 25.02.2011 um 19:30 Uhr

Für seinen Debütfilm arbeitete Pasolini mit Laiendarstellern, die er auch an der Drehbuch-Arbeit beteiligte. Nicht zuletzt deswegen gelang ihm mit ACCATTONE eine eindrucksvolle Milieustudie. Im Mittelpunkt steht der junge Vittorio, von allen nur „Accattone“ genannt, was so viel wie „Schmarotzer“ bedeutet. Er lebt in einem armen Viertel Roms und versucht sich als Zuhälter. Als aber seine einzige Hure ausfällt, geht es immer weiter bergab mit ihm. Erst die Begegnung mit der unschuldigen und hübschen Stella scheint daran etwas ändern zu können.

9. Mannheimer Filmseminar: Pier Paolo Pasolini
Teorema - Geometrie der Liebe (Pier Paolo Pasolini, 1967)
Sa., den 26.02.2011 um 14:30 Uhr

Ein Gott inmitten einer bourgeoisen Familie, der Einbruch des Heiligen in eine materialistische Welt – das ist das Theorem, das der Film in fast mathematischen Schritten entwickelt: Ein schöner, schweigsamer junger Mann kommt als geheimnisvoll angekündigter Besuch in eine Mailänder Industriellenfamilie. Er erweckt bei allen Hausbewohnern bisher verdrängte und verborgene Wünsche. Nachdem jeder auf seine Weise die ersehnte Vereinigung mit dem Unbekannten erfahren hat, verschwindet er wieder – und nach seinem Besuch ist nichts mehr wie zuvor.

Art Goes Cinema
Im Schatten der Made (John Bock, Stummfilm)
So., den 27.02.2011 um 19:30 Uhr

Der Film bezieht sich explizit auf den expressionistischen Film DAS KABINETT DES DR. CALIGARI von 1920.

Der interdisziplinär arbeitende Künstler John Bock hat mit IM SCHATTEN DER MADE einen neoexpressionistischen Stummfilm geschaffen, der mit den Klischees des Genres spielt, dabei aber stets irritierende zeitgenössische Akzente zu setzen weiß. Erzählt wird die Erschaffung eines künstlichen Menschen, der sich in eine Frau verliebt und für seine irdischen Sehnsüchte nicht wirklich eine Perspektive zu haben scheint.

Das Thema des Kontrollverlustes durch einen Eingriff in den Körper greift der Künstler John Bock wieder auf: Sein neoexpressionistischer Stummfilm «Im Schatten der Made», der die Caligari-Ästhetik detailgetreu ins Heute überträgt, ist erstmals in Deutschland zu sehen.

Die in Mannheim lebende Bildhauerin Jutta Steudle wird in sein Werk einführen.


MURNAU FILMTHEATER Wiesbaden

Frank Wolff: Mein blaues Cello (Wolfgang Würker, 2010)
Fr., den 25.02.2011 um 18:00 Uhr

Als Frank zehn Jahre alt wird, freundet er sich zum ersten Mal und für immer mit dem Cello an. „Es ist mein Raum.“ Heute ist er auf den großen und kleinen Bühnen Frankfurts zuhause. Mit seinem Cello tanzt Frank Wolff durch Deutschland und manchmal um die halbe Welt. „Ich suche das Weite und komme gerne zurück, um das Erlebte zu verarbeiten und etwas daraus zu machen.“ Frankfurt ist für Frank Wolff die Stadt mit den scharfen Kontrasten, hässlich und gleichzeitig schön.

Gastspiel im Paradies (Karl Hartl, 1938)
Mi., den 02.03.2011 um 15:30 Uhr

Zehn Monate zeigten wir nun „Menschen im Hotel“. Murnaus großartiger Der letzte Mann bildet den Abschluss. Zuvor zeigen wir noch ein Hotel-Lustspiel: Ein Regisseur versucht einer Hotelbesitzerin Geld für ein Theaterstück zu entlocken.

 

NEGATIV - Magazin für Film und Medienkultur Gestaltet von Ciprian David und Christian Alt // Log in