Wir freuen uns sehr, Ihen ab sofort neben unseren Fernseh-, Kino-, und DVD-Tipps auch aktuelle Radiotipps präsentieren zu können. Die Tipps werden von Henry aus dem radiohörer-Blog erstellt und uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt.
30.04.
DRK 00.05 - 03.00Uhr Lange Nacht
"Unholde Schwestern"
Eine Lange Nacht über Hexen
Von Beate Ziegs
info
Bayern2 00.05 - 02.00Uhr Nachtsession
"The Meaning of the Song" Inhalte und Deutungen
Mit Alan Bangs
info
DRK 03.05 - 05.00Uhr Tonart
Filmmusik
Moderation: Uwe Golz
WDR3 12.05 - 13.00Uhr WDR 3 Kulturfeature
"Gute Nacht, Doktor!"
Die letzten Tonbänder der Marilyn Monroe
Von Anna Maria Gadebusch und Friedhelm Brebeck
Aufnahme WDR/NDR/SWR 2009
info
WDR3 13.04 - 15.00Uhr WDR 3 Musikpassagen
"Mich dünkt, die Alte spricht im Fieber"
Hexenmusik zur Walpurgisnacht
Der Tanz in den Mai findet heute auf dem Blocksberg statt: Es ist
Walpurgisnacht, und mit Musik über die maliziösen Besenreiterinnen
huldigen die WDR 3 Musikpassagen dem Hochfest der Hexen.
info
WDR3 15.05 - 16.00Uhr WDR 3 Hörspiel
"Alles kommt wieder"
Von Eugen Egner
Regie: Angeli Backhausen
Bayern2 15.05 - 16.45Uhr Hörspiel
"Der Kongress reitet"
Von Roland Topor
Aus dem Französischen von Nikolaus Klocke
Bearbeitung und Regie: Horst H. Vollmer
Produktion: hr/NDR/SDR 1988
SWR2 17.05 - 17.50Uhr SWR2 Zeitgenossen
Jim Rakete, Fotograf,
im Gespräch mit Thomas Friedrich Koch
info
WDR3 18.05 - 00.00Uhr WDR 3
"Creole - Nacht der Musikkulturen"
DRK 18.05 - 19.00Uhr Feature
"Ein Berg, nur aus der Ferne sichtbar"
Armenien, die Türkei und der steinige Weg zum Frieden
Von Daniel Guthmann
Regie: Friederike Wigger
Ton: Bernd Bechtold
RBB/SWR 2010
info
HR2 19.05 - 20.00Uhr Live-Jazz
Anke Helfrich Trio feat. special guest Nils Wogram, JazzBaltica 2010, Salzau, Kleine Scheune, Juli 2010
Am Mikrofon: Matthias Spindler
Nordwestradio 22.05 - 00.00Uhr
Jazzahead! 2011 (I)
DLF 22:05 - 22.50Uhr Atelier neuer Musik
"Neue Kölner Schule?"
Junge Komponisten am Institut
für Neue Musik der Kölner Musikhochschule
Vorgestellt von Rainer Nonnenmann
DLF 23.05 - 00.00Uhr Lange Nacht
"Unholde Schwestern"
Eine Lange Nacht über Hexen
Von Beate Ziegs
info
HR2 23.05 - 00.00Uhr The Artist s Corner
Chris Watson
Vorgestellt von Michael Rüsenberg
Was Walter Tilgner für Deutschland ist, ist Chris Watson im Weltmaßstab – der mutmaßlich beste „Nature Sound Recordist“, also derjenige, dem die besten Naturklang-Aufnahmen gelingen. Legendär ist seine Aufnahme eines schnarchenden Geparden in Afrika, aber auch das schottische Hochland und die britische Ostküste zählen zu seinen Revieren. Watson lebt in Newcastle, seine Aufnahmen sind in Filmen und Radio-Dokumentationen zu hören. Unter seinen eigenen Veröffentlichungen hat der Guardian „Weather Report“ in die „1000 albums to hear before you die“-Liste gewählt.
Bayern2 23.05 - 00.00Uhr Nachtmix
"You say we play"
Das etwas andere Wunschkonzert
Mit Judith Schnaubelt
01.05.
WDR3 00.05 - 06.00Uhr WDR 3 Jazznacht
Phönix voran!
Spontan gesprochenes Wort zum instrumentalen Spiel gab es schon in den Anfangsjahren der afroamerikanischen Musik. Die Einbeziehung von Songtexten durchzieht die gesamte Geschichte des Jazz.
Mit Beat-Poets wie Jack Kerouac begann in den fünfziger Jahren eine bewusste Zusammenführung von Jazz und Lyrik. Zu den Dichtern, die sich bereits früh in Deutschland für solche Veranstaltungsformen interessierten, zählte Peter Rühmkorf, der später in dem Pianisten Michael Naura und dem Vibraphonisten Wolfgang Schlüter kongeniale Mistreiter fand. Joachim-Ernst Berendt initiierte eine ganze Reihe von Produktionen mit Jazz & Lyrik.
Ernst Jandl arbeitete seit den achtziger Jahren mit dem Bandleader Mathias Rüegg und später auch mit der NDR Bigband zusammen. Inzwischen gibt es eine kaum mehr überschaubare Fülle mehr oder weniger geglückter Zusammenführungen von Jazz und Poesie.
Die WDR 3 Jazznacht stellt einige der herausragenden Aufnahmen aus sechs Jahrzehnten vor.
Mit Bert Noglik
info
DRK 00.05 - 01.00Uhr Werkstatt
"Madame Bovary mit Sprechblasen"
Vom unaufhaltsamen Aufstieg der Graphic Novels
Von Renate Maurer
HR2 14.05 - 15.45Uhr Hörspiel
"Cordoba oder die Kunst des Badens"
Hörspiel von Melchior Schedler
Regie: Otto Düben
Musik: Peter Zwetkoff
(SDR 1983)
DLF 15.05 - 16.00Uhr Musikszene
"Mahlers Wirkungsstätten - einst und jetzt"
Spurensuche im Jubiläumsjahr
Von Ullrich Bohn
Bayern2 15.05 - 16.00Uhr radioMitschnitt
"Bobby McFerrin"
Aufnahme des Konzerts vom 27. März 2011 in der Münchner Philharmonie
WDR3 16.05 - 17.45Uhr WDR 3 Musikkulturen
"Maiklänge"
Gitarrenfolk, Songs und Klarinettenspiele
info
SWR2 18.20 - 19.30Uhr SWR2 Hörspiel am Sonntag
"Friedas Schmetterlinge"
Von Ria Endres
Regie: Hans Gerd Krogmann
(Produktion: hr 2010)
info
DRK 18.30 - 20.00Uhr Hörspiel
"Variationen über das Kraepelin-Modell oder
Das semantische Feld des Kaninchenschmorbratens"
Von Davide Carnevali
Aus dem Italienischen von Sabine Heymann
Bearbeitung und Regie: Ulrike Brinkmann
Komposition: zeitblom
Ton: Alexander Brennecke
DKultur/SR 2010
info
Byte.FM 19.00 - 20.00Uhr Soulsearching
mit Michael Rütten
info
Bayern2 19.03 - 20.30Uhr Zündfunk extra
Senses Working Overtime - Songs über Jobs und Arbeit
Von Sabine Gietzelt
SWR2 19.30 - 20.00Uhr SWR2 Mehrspur
"Radio reflektiert"
Mit Wolfram Wessels
info
Byte FM 20.00 - 22.00Uhr Was ist Musik
mit Klaus Walter
Tag der Arbeit:
Hart arbeiten am Funk: J.Rocc, Pete Rock, Rock your body
info
Nordwestradio 20.05 - 22.00Uhr Hörspiel
"Lenz"
nach der gleichnamigen Novelle von Georg Büchner
Hörspielfassung: Helmut Harun
Musik: Klaus Blum, gespielt vom Radio Bremen-Orchester unter Leitung von Siegfried Goslich
Regie: Friedrich Carl Kobbe
Produktion Radio Bremen/BR 1954
DLF 20.05 - 21.00Uhr Freistil
"Echte Männer tanzen nicht"
Erkundungen am Rande der Tanzflächen
Von Beate Berger
SWR 2010
info
Bayern2 20.30 - 21.30Uhr Hörspiel
"Wie schrecklich schwinden unsere Kräfte"
Von Daniil Charms
Aus dem Russischen von Peter Urban
Komposition: Dodo Luther
Bearbeitung und Regie: Fritz Zaugg
Produktion: DRS 1991
Bayern2 21.30 - 22.30Uhr Nachtstudio
"Der rechnende Raum"
Die Philosophie des Computererfinders Konrad Zuse
Von Ralf Homann
Byte.FM 22.00 - 23.00Uhr Dzerzinskis Autopilot
mit Anton Dzerzinski
info
HR2 22.00 - 23.00Uhr Hörspiel
Faust, der Tragödie - dritter Teil (2)
Hörspiel nach Friedrich Theodor Vischer
Bearbeitung: Ludwig Cremer
Regie: Ludwig Cremer
Musik: Hans Martin Majewski
(WDR 1969)
SWR2 23.03 - 00.00Uhr SWR2 Musikpassagen
"Wie ein Adler" Lieder über das Fliegen
Von Gesine Heinrich
info
WDR3 23.05 - 00.00Uhr WDR 3 open: Studio Neue Musik
"Haiku, multipel"
info
Bayern2 23.05 - 00.00Uhr Nachtmix
"Wo sich Folk & House "Gute Nacht" sagen"
Neues von Fleet Foxes und Art Department
Mit Ralf Summer
02.05.
Bayern2 00.05 - 02.00Uhr Nachtsession
"Ladies Night" Musik von Frauen
Mit Till Obermaier-Kotzschmar
info
DRK 00.05 - 01.00Uhr Freispiel
"Mitternachtsshopping"
Hörspiel von Nikola Richter
Regie: Judith Lorentz
Ton: Martin Eichberg
DKultur/SWR 2009
info
DLF 01.05 - 02.00Uhr Klang-Horizonte
Julia Hülsmann Trio (Teil 2/2)
Aufnahme vom 31.3.11 aus dem Jazzclub Karlsruhe
Mit Harald Rehmann
SWR2 15.05 - 16.00Uhr SWR2 Jazztime
"Ein wendiger Virtuose"
Erinnerungen an den Saxofonisten und Flötisten James Moody
Von Bert Noglik
info
SWR2 19.20 - 20.00Uhr SWR2 Dschungel
"Dafür und Dagegen"
Wie sich die jungen Schriftsteller Kubas mit ihrer Regierung auseinander setzen
Von Lena Töpler
info
WDR3 20.05 - 22.00Uhr WDR 3 Konzert
Das Bundesjazzorchester in Konzertaufnahmen der Jahre 2009 und 2010
Mit Karsten Mützelfeldt
Leitung und Kompositionen: Niels Klein (2009) und Marko Lackner (2010)
info
Bayern2 20.30 - 21.30Uhr Hörspiel
"Ick bin nu mal Friseuse"
Von Laila Stieler
Regie: Judith Lorentz
Produktion: rbb 2010
Byte.FM 21.00 - 22.00Uhr Pharmacy
mit Christa Herdering
info
DLF 21.05 - 22.00Uhr Jazz Live
Peter Evans Quintett
Peter Evans: Trompete, Piccolo-Trompete;
Carlos Homs: Piano, Keyboards;
Tom Blancarte: Bass; Jim Black: Schlagzeug;
Sam Pluta: Live-Elektronik
Aufnahme vom 16.10.11 von den Donaueschinger Musiktagen
Mit Nina Polaschegg
info
WDR3 22.00 - 23.00Uhr WDR 3 Jazz
"In The Groove"
Der Organist Richard "Groove" Holmes
Mit Hans W. Ewert
info
SWR2 22.05 - 23.00Uhr SWR2 Essay
"Die Gestik der Zeichen"
Ludwig Wittgenstein und die Musik
Von Ferdinand Zehentreiter
info
DLF 22.05 - 22.50Uhr Rock et cetera
"No Wave Reloaded"
Die amerikanische Band Swans
Von Paul Baskerville
SWR2 23.03 - 00.00Uhr SWR2 JetztMusik
Edgard Varéses "Déserts"
Hans-Peter Jahn im Gespräch mit Ulrich Dibelius
info
WDR3 23.05 - 00.00Uhr WDR 3 open: pop drei
"ich auf der tretmine"
Von Albrecht Kunze
Musik und Realisation: der Autor
info
Bayern2 23.05 - 00.00Uhr Nachtmix
"Musik aus Burundi"
Gast im Studio: Joseph Weiß, Deutscher Botschafter in Burundi
Mit Karl Bruckmaier
Once Upon a Time in Anatolia
In der Oscar und Berlinale Saison sollte Nuri Bilge Ceylans neuester Film nicht untergehen
Faust
Alexander Sokurows Faust thematisiert die Machtlosigkeit in einer unverständlichen Welt
Filmfestival Rotterdam
Übersicht des vielversprechenden Programms des 41. Internationalen Filmfestivals in Rotterdam
Presseschau Games
In unserer wöchentlichen Presseschau stellen wir interessante Texte und News vor, dieses Mal unter anderem mit Star Wars TOR
Radiotipps vom 30.04 bis zum 02.05
von
Christian Alt, am 30.4.11
NC 2011: A Night in Nude: Salvation
von
Ciprian David, am 30.4.11
Ein alter Mann bedroht eine junge Frau, weil sie ihm angeblich noch Geld schulden würde. Er versucht sie zu vergewaltigen, als eine zweite Frau kommt und ihn losreißt. Nun wird die zweite angegriffen. Die erste rennt in die Küche, holt ein Messer und kehrt zurück. Wie ein Tier wird der Mann erstochen, kurz danach im Bad in einer Brühe von Blut, Fleischwürfeln und Knochen verarbeitet. Eine Reise folgt dem ganzen, denn er muss spurlos verschwinden.
In dieser ersten Szene nimmt Takashi Ishii seinen 1993 fertiggestellten Film A Night in Nude wieder auf, demonstriert in rhythmischer Schnittfolge wie ein durchaus ernstes Thema mit Humor garniert werden kann, ohne dass es an Kraft verliert und beweist erneut sein Können bei der Inszenierung des menschlichen Körpers. Was mit dem Opfer geschieht, wiederholt der Film in den folgenden zwei Stunden: Geld, Sex, Femme Fatale, Tod und die dazugehörige Reise sind die Elemente, denen Takashi Ishii durch die Figuren des Films nachgehen wird, im Zeichen des Film Noirs, wie das Standbild zeigt, das dem Filmtitel als Hintergrund dient - Nachts, mitten in der Stadt, doch fern von den Blicken anderer Menschen.
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| In die Duschszene wird Ren zum ersten Mal nackt gezeigt, und ihre Charakterentfaltung angerissen |
Der zweite Betrachter ist Jiro Kurenai (Naoto Takenaka), der zunächst wegen der verlorenen Uhr des Ermordeten am Anfang des Films angeheuerte Ermittler. Wird diese Uhr gefunden, so bekommt er von Ren den Auftrag, eine gewisse Tae zu finden, seit Jahren von Zuhause geflohen, inzwischen spurlos verschwunden. Diese Suche scheint ein Selbstfindungsverfahren von Ren zu sein, doch ist sie schließlich nur ihr narzisstisches Bedürfnis, mit den Augen der Anderen gesehen zu werden. Und jeder, den Jiro auf seiner Suche trifft, wird etwas über Taes erotische Qualitäten zu sagen haben, bis immer deutlicher wird, dass Ren und Tae dieselbe Person sind.
A Night In Nude: Salvation ist ein Film Noir, vor allem ist er aber ein Pinkfilm, so entfaltet sich seine Erzählstrategie hauptsächlich und progressiv auf der visuellen Ebene. Die beiden Charaktere scheinen parallel eine Entwicklung durchzugehen: Ren wird von dem leicht unsicheren Mädchen zur dekadenten Prostituierten, danach zur fatalistisch-bedingten Femme Fatale und Jiro, zunächst als Surrogat von Erzählerstimme und Betrachter eingeführt, wird im ungeschickten Slapstick versinken und sich danach im Verführungsnetz von Ren verlieren. Doch diese Entwicklung findet nicht statt, stattdessen ein systematischer, körperlicher wie charakterlicher Strip der weiblichen Hauptfigur: Jiro ist nur die Vortäuschung einer authentischer Figur, er bleibt ein stellvertretender Zuschauer, der, wie das Publikum, dem Körper und der tragischen Geschichte der Frau verfallen soll, während diese einfach unverändert bleibt, das Mysterium um ihren Charakter wird systematisch, wie ihre Kleidung auch, nach und nach abgelegt wird, bis sie dem Publikum vollkommen nackt angeboten wird. Bezeichnend zieht sie für die ersten Szenen des Films ein weißes Kleid an, in welchem sie sich, bereinigt von allen Geheimnissen, dem Zuschauer darstellt.
Eine eskalierende Reihe von Morden begleitet diese konsequente Strip-Show, die im Vaterkonflikt mit der Psychoanalyse kokettiert und vor allem darunter leidet, dass sie zwei Genres nicht simultan, wie in der Anfangssequenz, sondern aneinandergereiht bedienen möchte.
A Night in Nude: Salvation / Nûdo no yoru: Ai wa oshiminaku ubau
R, B: Takashi Ishii
K: Hiroo Yanagida
D: Harumi Inoue, Machiko Kochi and Hiroko Satô
Japan, 2010, 126 Min.
www.nude-ai.com
Filmreihe mit Gary Cooper und Glenn Ford in der ARD
von
Elisabeth Maurer, am 30.4.11
Gary Copper hätte am 1. Mai seinen 110. Geburtstag gefeiert und ist vor 50 Jahren, am 13. Mai 1961 gestorben. Glenn Ford wäre ebenfalls am 1. Mai 95 Jahre alt geworden. Im Andenken an die Schauspieler veranstaltet die ARD ab Mai eine Filmreihe unter dem Motto Zwei Helden, zwei Typen.
Cooper und Ford gehören zu den bekanntesten und beliebtesten Darstellern des klassischen Hollywoods. Beide spielten in sehr vielen Filmen und den verschiedensten Genres, vor allem jedoch wird ihr Auftreten in Western erinnert.
Coopers Vater war selbst Ranchbesitzer und so lag dem Sohn die Arbeit in der Natur im Blut, einer seiner ersten Jobs war Parkwächter im Yellowstone Nationalpark. Nichtsdestotrotz interessierte es sich seit der Highschool fürs Schauspiel. Seine ersten Rollen hatte er als Komparse in Stummfilmen, ergatterte dann aber schnell Hauptrollen wie in Victor Flemings Western The Virginian (1929). Neben seinen Qualitäten als überlegt handelnder Cowboy hatte Cooper jedoch auch ein großes komödiantisches Talent, was er beispielsweise in der Screwballkomödie Serenade zu dritt (1933) unter der Regie von Ernst Lubitsch oder in Frank Capras Mr. Deeds geht in die Stadt unter Beweis stellen konnte. Sein wohl bekanntester Film ist sicherlich Zwölf Uhr mittags (1952), insgesamt finden sich über 100 Filmrollen in seinem Lebenslauf.
Auch Ford spielte seit der Highschool Theater und wurde 1939 von einem Talentscout für den Film entdeckt. Während des Zweiten Weltkriegs war er Soldat, zurück in den USA konnte er 1946 mit Gilda einen seiner größten Erfolge landen. In seiner ebenfalls über 100 Rollen umfassende Karriere finden sich daneben Film Noirs wie Heißes Eisen / The Big Heat (1953) von Fritz Lang und Western wie 3:10 to Yuma (1957). Fords Privatleben war im Gegensatz zu Coppers eher von Skandalen gezeichnet, seine Schauspielkarriere ging mit dem Abklingen der Hochphase des klassischen Westerns langsam zu Ende, er spielte viel im Fernsehen, war aber auch hin und wieder noch in Kinoerfolgen wie 1978 in Superman als Vater des Titelhelden zu sehen.
Die ARD zeigt nun 16 Filme mit den beiden Schauspielern, beginnend am 2. Mai:
Gary Cooper:
11. Mai 2011, 0.35 Uhr
Lockende Versuchung
USA 1956
12. Mai 2011, 1.20 Uhr
Der Mann aus dem Westen
USA 1958
16. Mai 2011, 0.50 Uhr
Vera Cruz
USA 1954
19. Mai 2011, 1.10 Uhr
Die den Tod nicht fürchten
USA/Großbritannien 1959
21. Mai 2011, 1.35 Uhr
Gegenspionage
USA 1952
28. Mai 2011, 2.30 Uhr
Sergeant York
USA 1941
Glenn Ford:
2. Mai 2011, 10.30 Uhr
Totem
USA 1967
2. Mai 2011, 0.50 Uhr
In Colorado ist der Teufel los
USA 1958
5. Mai 2011, 0.05 Uhr
Duell der Gringos
USA 1966
5. Mai 2011, 2.40 Uhr
Die Saat der Gewalt
USA 1955
6. Mai 2011, 1.20 Uhr
Pulver und Blei
USA 1968
6. Mai 2011, 3.00 Uhr
Die erste Kugel trifft
USA 1956
7. Mai 2011, 1.35 Uhr
Die vier apokalyptischen Reiter
USA 1961
9. Mai 2011, 0.50 Uhr
Nebraska
USA 1964
25. Juni 2011, 0.05 Uhr
Cimarron
USA 1960
25. Juni 2011, 2.20 Uhr
Schlacht um Midway
USA 1975
Quelle: ARD
NC 2011: Gantz
von
Elisabeth Maurer, am 29.4.11
Die Mangaserie Gantz erscheint seit 2000 in Japan, hat eine große Fangemeinde und wurde in einer beliebten Animeserie verarbeitet. 2010 startete die erste von zwei geplanten Realverfilmungen in den japanischen Kinos und traf auf großen Zuspruch, in mehreren anderen Ländern soll der Film ebenfalls vertrieben werden. In Deutschland kann Gantz bei der Nippon Connection gesehen werden.
Die beiden ehemaligen Schulfreunde Kato (Kenichi Matsuyama) und Kei (Kazunari Ninomiya) begegnen sich nach vielen Jahren in einer U-Bahn-Station wieder. Schon dieses erste Wiedersehen verläuft dramatisch und ist von einem moralischen Dilemma beherrscht. Ein Betrunkener ist kurz vor Eintreffen des nächsten Zuges auf die Schienen gefallen, Kato eilt ihm sofort zu Hilfe. Der Student Kei braucht lange, um sich zu entscheiden, greift dann aber doch ein. Die beiden jungen Männer können den Betrunkenen retten, sie selbst werden vom Zug erfasst. Dadurch geraten sie erst recht in eine Welt, die sie mehrfach vor die Entscheidung stellen wird, das Richtige für sie selbst oder die anderen zu tun. In einem leeren Apartment erlangen sie das Bewusstsein wieder. Dort treffen sie mehrere verstörte Menschen an, die ebenfalls glauben, gerade gestorben zu sein. Kurzdarauf erscheint die schöne Kishimoto, die Selbstmord begangen hat. In dem Raum befindet sich außerdem eine große schwarze Kugel, die von den schon länger Anwesenden Gantz genannt wird. Diese gibt plötzlich Kampfausrüstung und eine Mission preis, wenig später befindet sich die Gruppe in einem Vorort. Dort werden sie in einen Kampf mit einem Außerirdischen verwickelt. Wie sich herausstellt, handelt es sich bei den Missionen um Schlachten auf Leben und Tod. Die, die es schaffen, werden von Gantz mit Punkten belohnt. Tagsüber leben die Kämpfer ihr normales Leben weiter, nachts müssen sie im Apartment zu Missionen antreten. Wer es schafft, 100 Punkte zu erlangen, kann entweder für immer entlassen werden oder darf einen während eines Einsatzes Verstorbenen wieder zum Leben erwecken.
Die zunächst von der Gewalt sehr mitgenommenen Freunde lernen langsam das brutale Spiel. Besonders Kei, der schon in der Schule immer der Held sein wollte, findet sogar Gefallen daran. Dabei vernachlässigt er jedoch immer öfter das Wohl der Gruppe, besonders die immer wieder als Ersatz für Verstorbene erscheinenden Neuankömmlinge nutzt er zu seinem Vorteil aus. Kato hingegen bemüht sich darum, dass möglichst alle überleben. So kommt es zum Konflikt zwischen den Freunden, in dem auch Kishimoto eine Rolle spielt.
Die Strategie, so gut wie nichts über die Hintergründe der bösartigen Außerirdischen oder Gantz zu verraten, macht den besonderen Reiz der Geschichte aus. Denn so ergibt sich eine Welt, die zutiefst pessimistisch und hoffnungslos ist. Die Menschen sind Spielbälle, ein glückliches Ende ist eigentlich unmöglich. Zu Beginn lernt Kei für ein Vorstellungsgespräch eine Floskel auswendig, die besagt, für jeden Menschen gebe es einen Plan im Leben und ein jeder würde einen Ort und eine Aufgabe finden, wo er seine Fähigkeiten einsetzen könne. Diese leere Hülle wird für Kei im Laufe des Films zu einem Mantra, dann zu einem Leitspruch. Angesichts des Unglücks, in dem sie sich alle wiederfinden, und der Ausweglosigkeit, kann nur der bei Verstand bleiben, der sich für das Gute entscheidet. Nur so ist dann auch ein Überleben denkbar.
In der größten Schlacht des Films haben die Außerirdischen Macht über einige Götterstatuen ergriffen, den schlimmsten Gegner stellt eine riesenhafte Buddhastatue dar. Neben der Tatsache, dass dies zu einem beeindruckenden Kampfspektakel führt, steht hier aber auch die Erkenntnis, dass der frühere Glaube der Protagonisten, ihre gesamte Weltsicht durch die Erlebnisse zerstört ist. Der Tod oder ein Leben nach dem Tod wären noch vorstellbar, aber dieses Zwischenstadium, dass sie in derselben Unfähigkeit zu einem Einblick in die Geschicke der Welt belässt, sie aber ungeheure Brutalität erleben lässt, stürzt sie in Verzweiflung. Gleichzeitig wissen sie ihr früheres Leben zu schätzen und Hauptziel wird, in dieses zurückzugelangen.
Doch allzu tief wird nicht in eine philosophische Ebene vorgedrungen, im Vordergrund stehen die Action und die Freundschaft zwischen Kato und Kei. Dies, die attraktiven jungen Schauspieler und die allgemein nicht zu düster gehaltene Atmosphäre weisen darauf hin, dass sich der Film besonders an ein jugendliches Publikum richtet. Die gut inszenierten Kampfszenen und die glaubhaften Charaktere werden besonders diese Zuschauer fesseln können, auch wenn der Film insgesamt etwas zu lang geraten ist.
Nippon Connection Spielzeiten:
Samstag, 30.4.2011 um 16:45 Uhr im Festivalzentrum
Samstag, 20.4.2011 um 22 Uhr im Orfeo's Erben
Gantz
R: Shinsuke Sato
B: Yûsuke Watanabe nach dem Manga von Hiroya Oku
K: Taro Kawazu
D: Kenichi Matsuyama, Kazunari Ninomiya, Takayuki Yamada, Natsuna
Japan 2011, 130 Min.
Tiberius Film
Tatort: Neues Frankfurter Ermittlerduo zum Jubiläum
von
Nils Fortmann, am 29.4.11
Am 8. Mai, natürlich im Anschluss an die Tagesschau, wird unter dem Titel Eine bessere Welt der erste Ermittlungsauftrag der neuen Frankfurter Kommissare über die Mattscheiben flimmern. Da die ARD in ihrer Zählung die Beiträge des ORF nicht berücksichtigt, wird Eine bessere Welt eine Jubiläumsfolge darstellen: es kann zu Folge 800 gratuliert werden. Drehbuch und Regie stammen von Lars Kraume, der bereits durch seine Mitarbeit bei Tatort-Folgen und bei der mit Kritikerlob - auch seitens NEGATIV - überschütteten Serie KDD - Kriminaldauerdienst Erfahrungen im Genre gesammelt hat. Mit Nina Kunzendorf und Joachim Król wurden renommierte Schauspieler als neues Ermittlerduo besetzt.
Bei ihrem ersten Fall haben sie es gleich mit einem klassischen Dilemma zu tun: Sven Döring (Justus von Dohnányi) behauptet, die Freundin seines im Koma liegenden Sohnes wolle diesen ermorden. Solange allerdings kein Verbrechen begangen wurde, sind der Polizei die Hände gebunden. Dennoch gehen die Kommissare dem Vorfall nach und Döring selbst kommt ihnen immer zwielichtiger vor. Dieser hingegen beschuldigt die Polizei den Mordversuch zu vertuschen.
Die Dreharbeiten für den zweiten Fall der Ermittler Conny Mey und Frank Steier haben ebenfalls bereits begonnen. Lars Kraume ist erneut für Regie und Buch verantwortlich. Der Arbeitstitel lautet Der Tote im Nachtzug. In weiteren Rollen werden u.a. Benno Fürmann und Inka Friedrich zu sehen sein.
Quelle: ARD
Das Hausmädchen
von
Nils Fortmann, am 29.4.11
Die hübsche Eu-yi (Do-yeon Jeon) stammt aus der unteren Gesellschaftsschicht Koreas. Sie wird von einer sehr reichen Familie angestellt und soll sich um die schwangere Frau des Hauses und deren kleine Tochter kümmern. Doch nicht nur die Tochter ist angetan von ihrem neuen Hausmädchen. Der Hausherr Hoon (Jung-Jae Lee) verführt Eu-yi schließlich und schwängert sie. Noch bevor das Hausmädchen selbst sich seiner Schwangerschaft bewusst ist, erkennen die Hausherrin und ihre Mutter seinen Zustand. Mit allen Mitteln wollen sie die Geburt des Kindes verhindern ...
Das Hausmädchen, das ein Remake eines gleichnamigen Films aus dem Jahr 1960 ist, hätte ein packendes Kammerspiel werden können. Darauf verzichtet der Regisseur Im Sang-soo jedoch; die Geschichte schlägt nicht die zu erwartenden Bahnen ein und entwickelt sich äußerst langsam. Sang-soo brilliert in der Kameraführung und der Mise-en-scène, er schafft schöne Bilder, die kaum dazu geeignet sind, den Zuschauer erschauern zu lassen. Er nutzt die verkantete Kamera nicht als expressionistischen Verfremdungseffekt, auch wenn er auf diese Weise die Todesangst von Eu-yi um sich und um ihr Kind verdeutlichen könnte. Die durch den Kamerakniff entstehende visuelle Kraft ist reiner Selbstzweck. Die Musik fügt sich nahtlos daran an: Die Fähigkeit des Hausherrn Hoon, Beethoven virtuos zu spielen, charakterisiert ihn nicht weiter, aber nett anzuhören ist es allemal. Ebenso wenig unterstützt die eigens komponierte Filmmusik, die ein wenig an In the Mood for Love erinnert, irgendwelche Emotionen. Auch das drastische Ende und der surreale Epilog wecken keinerlei Gefühlsregungen im Zuschauer, sind dennoch Leckerbissen für das Auge.
Das Hausmädchen / Hanyo
R, B: Im Sang-soo
K: Lee Hyung-Deok
D: Do-yeon Jeon, Jung-Jae Lee
Alamode Film
Korea 2010; 107 Min.
FSK: ab 16
Filmstart: 28. April 2011
Das Hausmädchen, das ein Remake eines gleichnamigen Films aus dem Jahr 1960 ist, hätte ein packendes Kammerspiel werden können. Darauf verzichtet der Regisseur Im Sang-soo jedoch; die Geschichte schlägt nicht die zu erwartenden Bahnen ein und entwickelt sich äußerst langsam. Sang-soo brilliert in der Kameraführung und der Mise-en-scène, er schafft schöne Bilder, die kaum dazu geeignet sind, den Zuschauer erschauern zu lassen. Er nutzt die verkantete Kamera nicht als expressionistischen Verfremdungseffekt, auch wenn er auf diese Weise die Todesangst von Eu-yi um sich und um ihr Kind verdeutlichen könnte. Die durch den Kamerakniff entstehende visuelle Kraft ist reiner Selbstzweck. Die Musik fügt sich nahtlos daran an: Die Fähigkeit des Hausherrn Hoon, Beethoven virtuos zu spielen, charakterisiert ihn nicht weiter, aber nett anzuhören ist es allemal. Ebenso wenig unterstützt die eigens komponierte Filmmusik, die ein wenig an In the Mood for Love erinnert, irgendwelche Emotionen. Auch das drastische Ende und der surreale Epilog wecken keinerlei Gefühlsregungen im Zuschauer, sind dennoch Leckerbissen für das Auge.
Ein Thriller im Sinne Hitchcocks oder Chabrols, wie der Verleiher Das Hausmädchen bewirbt, ist der Film keineswegs. Wer einen solchen Psychothriller sehen möchte, wird hier enttäuscht werden. Nur wer den Selbstzweck der ästhetischen Mittel akzeptiert und sich so an den wunderschönen Bildern berauschen lassen kann, kommt auf seine Kosten.
Äußerst störend ist die deutsche Synchronisation, selbst die Schönheit der Bilder leidet darunter. Es ist anmaßend, überhaupt zu versuchen, einen koreanischen Film mit deutscher Sprache zu versehen. Es kann einfach nicht funktionieren, dafür sind die Sprachen in ihren Lippenbewegungen und ihrem Tonfall viel zu verschieden.
Das Hausmädchen - Pressespiegel bei Film-zeit.de
Das Hausmädchen / Hanyo
R, B: Im Sang-soo
K: Lee Hyung-Deok
D: Do-yeon Jeon, Jung-Jae Lee
Alamode Film
Korea 2010; 107 Min.
FSK: ab 16
Filmstart: 28. April 2011
Bridges - eine living graphic novel aus Deutschland
von
Christian Alt, am 29.4.11

Nachdem wir neulich schon das deutsche Independentprojekt 1000 Könige vorstellten, das komplett vor Greenscreen entstanden ist, freuen wir uns, heute ein weiteres Filmprojekt abseits des üblichen Einheitsbreis vorstellen zu können. Bridges heißt das Projekt der jungen Berliner Produktionsfirma Warnuts, welches am 12. Mai in Berlin seine Weltpremiere feiern kann. Der Kurzfilm erzählt die Geschichte eines abgestürzten Rosinenbombers im geteilten Deutschland des Jahres 1948, dessen Pilot Saul Bridges (Gedeon Burkhard) sich in den Nachkriegswirren mit Schieberbanden auseinandersetzen muss.
Neben dem Plot ist aber vor allen Dingen die Ästhetik des Films bemerkenswert: Bridges bezeichnet sich selbst als living graphic novel; die Schauspieler wurden komplett vor einem green screen aufgenommen. Erst in der Post-Production wurden aufwändige, von Hand gezeichnete Hintergründe eingefügt. Also anders als in Comic-Verfilmungen wie Sin City oder 300, in denen die Hintergründe am PC generiert werden. So gelingt es Bridges die Comic-Ästhetik eindrucksvoll auf die Leinwand zu übertragen. Darüber hinaus verströmen Low-Key-Beleuchtung und monochrome Farbgebung den Charme des klassischen film noir.Ebenfalls außergewöhnlich für einen Kurzfilm ist die Besetzung. Neben Gedeon Burkhard und David Gant gehört auch der Schlagzeuger der Punkrockband "Die Ärzte" Bela B. Felsenheimer zum Cast. Felsenheimer ist neben seiner musikalischen Karriere passionierter Comicfan und war einige Jahre Inhaber des Comiverlags Extrem Erfolgreich Enterprises. Auch Regisseur Miguel Pate war bereits bei zahlreichen Hollywoodproduktionen Regieassistent, unter anderem auch bei Inglourious Basterds, wo er zum ersten Mal mit Burkhard zusammenarbeitete.
Nach der Premiere am 12. Mai ist eine internationale Festival-, DVD- und Fernsehauswertung geplant. Arte und der RBB, die auch koproduziert haben, werden Bridges ausstrahlen.
Hier könnt ihr euch den Trailer und einige Filmstills von Bridges ansehen. Auf der offiziellen Facebookseite finden sich darüber hinaus noch einige weitere Trailer und Making-Of’s.
Bridges - a living graphic-novel - official Trailer from Florian Frerichs on Vimeo.


Thor
von
Oliver Schmitt, am 29.4.11
Die Heldengalerie der Marvel Studios umfasst über 5000 Charaktere. Von Spiderman bis Hulk, den X-Men zu den Fantastischen Vier. Zahlreich ist die Reihe derer, die bereits in den Fokus der großen Öffentlichkeit getreten sind und ihre Heldengeschichte im Kinosaal erzählt haben. Spätestens seit Regisseure wie Sam Raimi, Bryan Singer oder Ang Lee den Grundstein eines Golden Age der Leinwand-Adaptionen gelegt haben, sind Superhelden ein fester Bestandteil des Mainstreams. Oft müssen sich die Adaptionen eher auf zentrale Kernelemente ihrerVorlage beschränken. Die Erfolgsformel findet sich im Kino wie in den Comics auf der Basis der originellen Eigenheiten der Marvel Charaktere. Einerseits ist da eine facettenreiche Palette aus geächteten Außenseitern, gebrochenen und falsch verstandenen Helden wider Willen, deren Probleme oft abseits ihres Heldendaseins um ganz alltägliche Probleme kreisen oder in Konflikten aus privatem und öffentlichem Leben erwachsen. Andererseits sind es die plausiblen Weltenzeichnungen, die Fantastisches und Alltägliches glaubhaft verbinden. Dies eröffnete selbst Kinogängern das abenteuerliche Marvel Universum, die niemals zuvor in den bunten Comicseiten geblättert hatten.
Auf dieser Basis wagen die Marvel Studios nun einen weiteren und sehr mutigen Schritt mit einem Helden, der für das große Publikum weit weniger populär sein dürfte als viele seiner Vorgänger. Darüber hinaus ist sein Hintergrund weit entfernt von den sympathischen Heldenzeichnungen eines working class heros wie Wolverine oder einem tollpatschigen Außenseiter wie Peter Parker und dessen Alter Ego Spiderman. Die Zeit der Götterdämmerung ist angebrochen im filmischen Marvel-Kosmos - Thor, der Sohn Odins, der Donnergott, erhält seinen ersten Auftritt. Stan Lee, Larry Lieber und Jack Kirby ersonnen diesen außergewöhnlichen Superhelden 1962 mit einem Debut in Ausgabe 82 der Reihe Journey into Mysterie. Bis heute ist der Gott, der mit dem bürgerlichen Namen Dr. Donald Blake unter den Menschen wandelt, ein fester Bestandteil der Comicwelt. Mit eigenen Heftreihen und als Gründungsmitglied der Avengers und den damit verbunden Einsätzen innerhalb des Heldenensembles avancierte er bald in Fankreisen zu einer der beliebtesten Figuren des Verlags.
Um den kosmischen Abenteuern des mythischen Kämpfers nun auch an der Kinokasse zum nötigen Erfolg zu verhelfen, setzt das Produzententeam um Kevin Feige auf keinen geringeren als Kenneth Branagh. Als Regisseur gilt Branagh vor allem als Spezialist für die filmische Adaption von Shakespeare-Dramen mit Erfolgen wie As You Like It, Hamlet oder Viel Lärm um nichts, um nur einige Beispiele zu nennen. Er selbst bescheinigt sich einen starken Hang zu jenen mythischen Inhalten, die damit einhergehen und auch für die Umsetzung eines Königsdramas im popkulturellen Kontext eine Rolle spielen. Trotzdem mag Zweifel bestehen angesichts der epischen Vorlage, die sich nur mit größter Mühe in ein filmisches Format pressen lassen kann. Denn Thors Abenteuer finden häufig vor dem Hintergrund kosmischer Kriege und vor der Kulisse nordischer Mythologie statt. Sie vermitteln ein Gefühl von übergroßen, pathetischen Sagen. Damit scheinen sie wenig zugänglich und mit wuchtiger Schwere belastet, die solch legendären Erzählungen immer anhaftet. Aber trotzdem mag ein Blick auf dieses Szenario neue Seiten für Heldenfiguren im Marvel-Kosmos eröffnen. Naheliegend ist zunächst die "schneller, höher, weiter"-Attitüde als Voraussetzung des Blockbusterkinos, die nun einmal mehr zutreffen mag. Wenn ein Held unter Superhelden diese Voraussetzung erfüllen kann, dann kann dies nur ein übersteigerter Überheld sein, und den findet man ganz sicher im nordischen Götterpantheon. Branagh führt nun in dieses heikle Setting mit einem Plot, der sich zwar all der gefährlich großen Hintergründe bedient, aber im Kern ganz konzentriert den Protagonisten mit einem fast alltäglichen Konflikt ins Zentrum stellt. Thors origin story ist geprägt durch eine problematische Vater-Sohn-Beziehung mit weitreichenden Folgen. In der Welt der Asen ist solch eine Auseinandersetzung eben nicht nur eine schnöde Familientragödie, sondern es ist ein ausgewachsenes Königsdrama mit allen nötigen Zutaten: königliches Blut, eine Vendetta und Hochmut vor dem Fall - und am Ende bekehrt eine einfache Erdenfrau den angry young man.
Für Odin (Anthony Hopkins), den Gottvater und Herrscher Asgards, ist es an der Zeit, einen Nachfolger zu bestimmen. Seine Wahl fällt auf seinen Sohn Thor (Chris Hemsworth), denn der Prinz verkörpert alle Attribute eines tollkühnen, mutigen und tapferen Kriegers. Doch zu seines Vaters Leidwesen wird dieser auch von jugendlicher Arroganz und Überschwang beherrscht. Thor zeigt wenig Talent für die große Verantwortung eines Königs. Sehr bald schon erweist sich die Sorge Odins als berechtigt, denn sein unbeherrschter Sprössling wird durch seinen ebenso eifersüchtigen wie hinterlistigen Bruder Loki (Tom Hiddleston) in ein Abenteuer verwickelt, dass einen längst beigelegten Krieg mit den Frostriesen aus Jotunheim wiederbelebt. Nur Odin kann die Eskalation der Situation noch einmal besänftigen. Der enttäuschte Vater verbannt den Donnergott von Asgard auf die Erde und nimmt ihm all seine Macht. Der wortwörtliche Heldenfall führt nach New Mexiko, wo eine kleine Forschergruppe unter der Leitung von Jane Foster (Natalie Portman) just in diesem Moment durch die einsamen Weiten des Landstrichs reist. Der scheinbar verwirrte Hüne wird von dem Team mitgenommen. Bald stellen die Forscher fest, dass neben dem Auftauchen des merkwürdigen Fremden noch weitere rätselhafte Dinge in der Wüstenlandschaft vor sich gehen.
Ein sonderbarer Hammer, der dort in einem Krater zu finden ist, sorgt für Aufregung im sonst sehr beschaulichen, ruhigen Städtchen Puente Antiguo. Dann tauchen auch noch Agenten der geheimen Regierungsorganisation S.H.I.E.L.D. (»Strategische Heimat Interventions-, Einsatz- und Logistik-Division«) auf, die die Absturzstelle sichern. Agent Coulson (Clarc Gregg), dessen Gesicht bisher als Vertreter der Organisation aus den Iron Man-Filmen bekannt ist, bekommt nun wesentlich mehr Zeit auf der Leinwand, unter seiner Leitung wird die Operation durchgeführt. Sehr bald geraten die Agenten mit dem gefallenen Göttersohn aneinander, der mit seinem Schicksal hadernd vergebens versucht, sein Machtsymbol, den Hammer Mjöllnir, wieder zu erlangen. Doch bevor dies geschieht, hat Gottvater Odin die Hürde der Bewährung gelegt. Erst muss der überhebliche, zügellose Sohn lernen, seine Kräfte zum Wohl und nach den Regeln Asgards einzusetzen, erst dann darf dieser zurückkehren. Allerdings überschlagen sich während der Abwesenheit Thors auch in Asgard die Ereignisse und es offenbart sich, dass Loki mit geschickten Ränkespiel nun den Thron bestiegen hat und Odins Leben in Gefahr ist. Thor, die einzige Hoffnung auf Rettung der Götterwelt, ist aber bei den Menschen gefangen, denen ebenfalls Gefahr droht. Der gefallene Sohn muss sich nun den Herausforderungen ohne seine Kräfte stellen.
Grelle Effekte sind bei der Ausgestaltung einer Göttersage unvermeidlich, Asgard, die Heimat der Asen, ist voller Mythen und Symbole. Von Yggdrasil, dem Weltenbaum, über Bifröst, der Regenbogenbrücke, bis zur Heimat der Unsterblichen selbst, galt es die Visionen der Comiczeichner filmisch fassbar zu machen. Produktiondesigner Bo Welch wählte einen Look epischer Szenerie aus golden schimmernden Bauwerken, die wie ein gewaltiger Wald archetektonischer Übergrößen wirken. Es werden Erinnerungen an Setdesigns aus den 20er Jahren wach, die ähnlich von Größe und klarer, elegant minimalistischer Bauweise gezeichnet waren. Immer wieder finden sich darin Anklänge nordischer Mythologie, gepaart mit direkten Vorlagen aus der Comicreihe, wie Odins Thron. Trotzdem entwickelte Bo Welch und sein Team einen eigenen Stil der eine konsequente Weiterentwicklung des bereits Bekannten ist, was sich am Observatorium Heimdalls, dem Wächter der Regenbogenbrücke, erkennen lässt. Asgard ist ein Ort, an dem Magie und Wissenschaft miteinander verschmolzen sind, wo gottgleiche Wesen ein privilegiertes Leben führen. Die Bilder machen dies mehr als deutlich. Lange anhaltende Kamerafahrten lassen dem Zuschauer genug Zeit, sich dieser Weite und Größe zu nähern und den Blick darüber schweifen zu lassen. Die Wahl des Drehortes in New Mexiko erweist sich als ebenso wirkungsvolle Taktik. Die Weite der dort vorherrschenden Landschaft kommt der Gestaltung des Films sehr entgegen. Dies lässt irdische mit fantastischen Bildern eine dringend notwendige Kooperation eingehen, um allzu irritierende Brüche zu meiden. Die Weiten der Räume sind das verbindende Element der Welten. Die 3D-Technik, die erstmalig von den Marvel Studios eingesetzt wurde, macht das atemberaubende Raumerlebnis noch überwältigender als es ohnehin schon ist. Doch leider ist auch genau dort ein immer noch ärgerlicher Qualitätsverlust in der Wahrnehmung zu bemerken. Offenbar ist es selbst in ausdrücklich für dreidimensionale Leinwandevents ausgewiesenen Sälen nicht möglich, störende, verwischende Unschärfen im Bild zu umgehen, die immer noch bei schneller Bewegung zu beobachten ist.
Weniger hakelig als die Technik, ist dann aber doch der Gesamteindruck, den die Produktion hinterlässt. Branagh bietet mit der Inszenierung eine gelungene Fassung der Vorlage und bleibt dabei der Marvel-Linie treu. Neben dem Spektakel des Actionkinos erzählt der Film auf unterhaltsame Weise seine zeitlose Geschichte des Generationskonflikts zwischen Vätern und Söhnen. Dabei wirkt er nie zu pathetisch, versprüht einen sympathischen selbstironischen Charme. Das Königsdrama mit dem sexy Helden Thor ist im positiven Sinn unter der Federführung von Kenneth Branagh zu einem erstaunlichen Shakespeare goes Pop geworden. Vieles wurde richtig gemacht, das hätte schiefgehen können. Mit Thor sorgt Marvel zum Auftakt des diesjährigen Blockbusterreigens für eine deutliche Überraschung mit Donnerschlag.
THOR
R.: Kenneth Branagh
D.: Chris Hemsworth, Anthony Hopkins, Natalie Portman, Tom Hiddleston, Rene Russo, Stellan Skarsgard
B.: Ashley Edward Miller, Zack Stentz, Don Payne, J. Michael Straczynski, Mark Protosevich
K.: Haris Zambarloukos
Marvel Studios / Paramount
USA 2011, FSK 12, 115 Min
Auf dieser Basis wagen die Marvel Studios nun einen weiteren und sehr mutigen Schritt mit einem Helden, der für das große Publikum weit weniger populär sein dürfte als viele seiner Vorgänger. Darüber hinaus ist sein Hintergrund weit entfernt von den sympathischen Heldenzeichnungen eines working class heros wie Wolverine oder einem tollpatschigen Außenseiter wie Peter Parker und dessen Alter Ego Spiderman. Die Zeit der Götterdämmerung ist angebrochen im filmischen Marvel-Kosmos - Thor, der Sohn Odins, der Donnergott, erhält seinen ersten Auftritt. Stan Lee, Larry Lieber und Jack Kirby ersonnen diesen außergewöhnlichen Superhelden 1962 mit einem Debut in Ausgabe 82 der Reihe Journey into Mysterie. Bis heute ist der Gott, der mit dem bürgerlichen Namen Dr. Donald Blake unter den Menschen wandelt, ein fester Bestandteil der Comicwelt. Mit eigenen Heftreihen und als Gründungsmitglied der Avengers und den damit verbunden Einsätzen innerhalb des Heldenensembles avancierte er bald in Fankreisen zu einer der beliebtesten Figuren des Verlags.
Um den kosmischen Abenteuern des mythischen Kämpfers nun auch an der Kinokasse zum nötigen Erfolg zu verhelfen, setzt das Produzententeam um Kevin Feige auf keinen geringeren als Kenneth Branagh. Als Regisseur gilt Branagh vor allem als Spezialist für die filmische Adaption von Shakespeare-Dramen mit Erfolgen wie As You Like It, Hamlet oder Viel Lärm um nichts, um nur einige Beispiele zu nennen. Er selbst bescheinigt sich einen starken Hang zu jenen mythischen Inhalten, die damit einhergehen und auch für die Umsetzung eines Königsdramas im popkulturellen Kontext eine Rolle spielen. Trotzdem mag Zweifel bestehen angesichts der epischen Vorlage, die sich nur mit größter Mühe in ein filmisches Format pressen lassen kann. Denn Thors Abenteuer finden häufig vor dem Hintergrund kosmischer Kriege und vor der Kulisse nordischer Mythologie statt. Sie vermitteln ein Gefühl von übergroßen, pathetischen Sagen. Damit scheinen sie wenig zugänglich und mit wuchtiger Schwere belastet, die solch legendären Erzählungen immer anhaftet. Aber trotzdem mag ein Blick auf dieses Szenario neue Seiten für Heldenfiguren im Marvel-Kosmos eröffnen. Naheliegend ist zunächst die "schneller, höher, weiter"-Attitüde als Voraussetzung des Blockbusterkinos, die nun einmal mehr zutreffen mag. Wenn ein Held unter Superhelden diese Voraussetzung erfüllen kann, dann kann dies nur ein übersteigerter Überheld sein, und den findet man ganz sicher im nordischen Götterpantheon. Branagh führt nun in dieses heikle Setting mit einem Plot, der sich zwar all der gefährlich großen Hintergründe bedient, aber im Kern ganz konzentriert den Protagonisten mit einem fast alltäglichen Konflikt ins Zentrum stellt. Thors origin story ist geprägt durch eine problematische Vater-Sohn-Beziehung mit weitreichenden Folgen. In der Welt der Asen ist solch eine Auseinandersetzung eben nicht nur eine schnöde Familientragödie, sondern es ist ein ausgewachsenes Königsdrama mit allen nötigen Zutaten: königliches Blut, eine Vendetta und Hochmut vor dem Fall - und am Ende bekehrt eine einfache Erdenfrau den angry young man.
Für Odin (Anthony Hopkins), den Gottvater und Herrscher Asgards, ist es an der Zeit, einen Nachfolger zu bestimmen. Seine Wahl fällt auf seinen Sohn Thor (Chris Hemsworth), denn der Prinz verkörpert alle Attribute eines tollkühnen, mutigen und tapferen Kriegers. Doch zu seines Vaters Leidwesen wird dieser auch von jugendlicher Arroganz und Überschwang beherrscht. Thor zeigt wenig Talent für die große Verantwortung eines Königs. Sehr bald schon erweist sich die Sorge Odins als berechtigt, denn sein unbeherrschter Sprössling wird durch seinen ebenso eifersüchtigen wie hinterlistigen Bruder Loki (Tom Hiddleston) in ein Abenteuer verwickelt, dass einen längst beigelegten Krieg mit den Frostriesen aus Jotunheim wiederbelebt. Nur Odin kann die Eskalation der Situation noch einmal besänftigen. Der enttäuschte Vater verbannt den Donnergott von Asgard auf die Erde und nimmt ihm all seine Macht. Der wortwörtliche Heldenfall führt nach New Mexiko, wo eine kleine Forschergruppe unter der Leitung von Jane Foster (Natalie Portman) just in diesem Moment durch die einsamen Weiten des Landstrichs reist. Der scheinbar verwirrte Hüne wird von dem Team mitgenommen. Bald stellen die Forscher fest, dass neben dem Auftauchen des merkwürdigen Fremden noch weitere rätselhafte Dinge in der Wüstenlandschaft vor sich gehen.
Ein sonderbarer Hammer, der dort in einem Krater zu finden ist, sorgt für Aufregung im sonst sehr beschaulichen, ruhigen Städtchen Puente Antiguo. Dann tauchen auch noch Agenten der geheimen Regierungsorganisation S.H.I.E.L.D. (»Strategische Heimat Interventions-, Einsatz- und Logistik-Division«) auf, die die Absturzstelle sichern. Agent Coulson (Clarc Gregg), dessen Gesicht bisher als Vertreter der Organisation aus den Iron Man-Filmen bekannt ist, bekommt nun wesentlich mehr Zeit auf der Leinwand, unter seiner Leitung wird die Operation durchgeführt. Sehr bald geraten die Agenten mit dem gefallenen Göttersohn aneinander, der mit seinem Schicksal hadernd vergebens versucht, sein Machtsymbol, den Hammer Mjöllnir, wieder zu erlangen. Doch bevor dies geschieht, hat Gottvater Odin die Hürde der Bewährung gelegt. Erst muss der überhebliche, zügellose Sohn lernen, seine Kräfte zum Wohl und nach den Regeln Asgards einzusetzen, erst dann darf dieser zurückkehren. Allerdings überschlagen sich während der Abwesenheit Thors auch in Asgard die Ereignisse und es offenbart sich, dass Loki mit geschickten Ränkespiel nun den Thron bestiegen hat und Odins Leben in Gefahr ist. Thor, die einzige Hoffnung auf Rettung der Götterwelt, ist aber bei den Menschen gefangen, denen ebenfalls Gefahr droht. Der gefallene Sohn muss sich nun den Herausforderungen ohne seine Kräfte stellen.
Grelle Effekte sind bei der Ausgestaltung einer Göttersage unvermeidlich, Asgard, die Heimat der Asen, ist voller Mythen und Symbole. Von Yggdrasil, dem Weltenbaum, über Bifröst, der Regenbogenbrücke, bis zur Heimat der Unsterblichen selbst, galt es die Visionen der Comiczeichner filmisch fassbar zu machen. Produktiondesigner Bo Welch wählte einen Look epischer Szenerie aus golden schimmernden Bauwerken, die wie ein gewaltiger Wald archetektonischer Übergrößen wirken. Es werden Erinnerungen an Setdesigns aus den 20er Jahren wach, die ähnlich von Größe und klarer, elegant minimalistischer Bauweise gezeichnet waren. Immer wieder finden sich darin Anklänge nordischer Mythologie, gepaart mit direkten Vorlagen aus der Comicreihe, wie Odins Thron. Trotzdem entwickelte Bo Welch und sein Team einen eigenen Stil der eine konsequente Weiterentwicklung des bereits Bekannten ist, was sich am Observatorium Heimdalls, dem Wächter der Regenbogenbrücke, erkennen lässt. Asgard ist ein Ort, an dem Magie und Wissenschaft miteinander verschmolzen sind, wo gottgleiche Wesen ein privilegiertes Leben führen. Die Bilder machen dies mehr als deutlich. Lange anhaltende Kamerafahrten lassen dem Zuschauer genug Zeit, sich dieser Weite und Größe zu nähern und den Blick darüber schweifen zu lassen. Die Wahl des Drehortes in New Mexiko erweist sich als ebenso wirkungsvolle Taktik. Die Weite der dort vorherrschenden Landschaft kommt der Gestaltung des Films sehr entgegen. Dies lässt irdische mit fantastischen Bildern eine dringend notwendige Kooperation eingehen, um allzu irritierende Brüche zu meiden. Die Weiten der Räume sind das verbindende Element der Welten. Die 3D-Technik, die erstmalig von den Marvel Studios eingesetzt wurde, macht das atemberaubende Raumerlebnis noch überwältigender als es ohnehin schon ist. Doch leider ist auch genau dort ein immer noch ärgerlicher Qualitätsverlust in der Wahrnehmung zu bemerken. Offenbar ist es selbst in ausdrücklich für dreidimensionale Leinwandevents ausgewiesenen Sälen nicht möglich, störende, verwischende Unschärfen im Bild zu umgehen, die immer noch bei schneller Bewegung zu beobachten ist.
Weniger hakelig als die Technik, ist dann aber doch der Gesamteindruck, den die Produktion hinterlässt. Branagh bietet mit der Inszenierung eine gelungene Fassung der Vorlage und bleibt dabei der Marvel-Linie treu. Neben dem Spektakel des Actionkinos erzählt der Film auf unterhaltsame Weise seine zeitlose Geschichte des Generationskonflikts zwischen Vätern und Söhnen. Dabei wirkt er nie zu pathetisch, versprüht einen sympathischen selbstironischen Charme. Das Königsdrama mit dem sexy Helden Thor ist im positiven Sinn unter der Federführung von Kenneth Branagh zu einem erstaunlichen Shakespeare goes Pop geworden. Vieles wurde richtig gemacht, das hätte schiefgehen können. Mit Thor sorgt Marvel zum Auftakt des diesjährigen Blockbusterreigens für eine deutliche Überraschung mit Donnerschlag.
Thor - Pressespiegel bei Film-Zeit.de
THOR
R.: Kenneth Branagh
D.: Chris Hemsworth, Anthony Hopkins, Natalie Portman, Tom Hiddleston, Rene Russo, Stellan Skarsgard
B.: Ashley Edward Miller, Zack Stentz, Don Payne, J. Michael Straczynski, Mark Protosevich
K.: Haris Zambarloukos
Marvel Studios / Paramount
USA 2011, FSK 12, 115 Min
Red Riding Hood - Unter dem Wolfsmond
von
Oliver Schmitt, am 29.4.11
Märchenzeit im Horrorgenre ist auf der anhaltenden Welle der Kinoerscheinungen im Bereich fantastischer Film eine erfolgversprechende Formel. In der Debatte um die Extreme in der Erzählhaltung, bezüglich Moral, Anstand, Tabu und Tabubruch im Mainstreamkino, zeigt sich Red Riding Hood von einer klaren Position geprägt, die deutlich in eine bürgerlich konservative Richtung tendiert. Obwohl die Erwartungshaltung hinsichtlich des gestellten Anspruchs weit mehr vermuten lässt. Während das Märchen Rotkäppchen aus verklärten Kindheitstagen von warmen, gefühlsseeligen Erinnerungen begleitet wird, ist die Erzählung bei genauer Betrachtung mit tiefgreifenden Ängsten unterschiedlichster Art gekoppelt. Im Kern geprägt vom sexuellen Erwachen junger Frauen und dem moralischen Rat einer besorgten Mutter, die ihrer Tochter einschärft auf dem Pfad - dem Pfad der Tugend - zu bleiben und sich auf keinen Fall mit Fremden einzulassen, bietet es ausreichend Stoff unterschiedlichster Interpretationsweisen. Ganz nebenbei enthält die Geschichte alles, was das Genre im Drehbuch fordern könnte - von dunklen Nächten auf unheimlichen Waldwegen bis zu dem Körperhorror einer zerfleischten Großmutter. Es kommt auf die Perspektive des Betrachters an, wie er die Dinge sehen will. Wenn also die alte Kindermär in entschärfter Fassung als abendliche Kuschelgeschichte hinnehmbar ist, wie wäre es dann aber, wenn man einen Blick darauf wirft, lange nachdem man aus dem Alter der Märchen heraus ist? Die Regisseurin Catherine Hardwicke geht dieser Frage nach. Sie entwickelt auf den ersten Blick eine seltene Genremischung aus verträumt fantastischen Setting, vor dem Hintergrund einer Dark-Fantasy-Geschichte, mit Thrillerelementen einer Whodunit-Erzählung. Im Zentrum aber steht die romantische Liaison der jungendlichen Protagonisten.
Ein Werwolf ist es, der ein mittelalterliches Dorf bedroht und einmal pro Monat durch geopfertes Vieh milde gestimmt wird. Vor der mittelalterlichen Kulisse verbindet sich dieser Ausgangsstoff mit der wohlbekannten Konstellation einer Liebe, die nicht sein darf. Das vermeintlich tragische Leid der jungen Liebenden wird durch alte traditionsreiche Konventionen hervorgerufen. Valerie (Amanda Seyfried) liebt Peter (Shiloh Fernandez), einen einfachen Holzfäller, den sie schon seit Kindertagen kennt. Sie ist aber an Henry (Max Irons), den Sohn eines reichen Schmieds, versprochen. Während sich die Bewohner des Dorfs in trügerischer Sicherheit wägen und glauben, die Bedrohung vor der Tür in den Griff bekommen zu haben, kommt es zu einem Zwischenfall in einer Wolfsnacht. Lucy, Valeries Schwester, wird Opfer des Wolfes. Dies ruft Pater Solomon auf den Plan (Gary Oldman), der sich mit kirchlichem Segen und mit hartnäckiger Besessenheit auf die Jagd nach Kreaturen der Nacht spezialisiert hat. Er erklärt den Dorfbewohnern, dass jeder verdächtig sei und niemand den Ort verlassen dürfe. Valerie wird von da an mit der Tatsache konfrontiert, dass selbst die nächsten und vertrautesten Menschen, einschließlich ihrer Großmutter (Julie Christie), eine Gefahr sein könnten. Auch Peter ist von Verdachtsmomenten nicht ausgeschlossen. Die heimlichen Fluchtpläne des Paares sind damit zunichte gemacht und alles im Leben der jungen Frau scheint in Frage gestellt.
Hardwickes Versuch mit Red Riding Hood dem bekannten Märchen vom Mädchen mit dem roten Umhang einen neuen Anstrich zu verpassen, geht einen zu durchsichtigen Weg. Was sich zunächst anhört wie das Vorhaben eines Tim Burtons - Bekanntes deutlich gegen den Strich zu bürsten - ist weit von dieser Hoffnung entfernt. Der Zuschauer findet sich sehr schnell in einem mittelalterlich-fantastischen Teenager-Drama wieder. Die Strategie der Inszenierung ist sehr dicht an Hardwickes Vorgänger Twilight - Bis(s) zum Morgengrauen angelehnt. Zwar ohne Vampir, aber dafür mit einem Werwolf, der sich anschickt, der elfenhaften Amanda Seyfried nachzustellen, ist der Handlungsverlauf erstaunlich wenig fokussiert. Zu sehr schwankt der Film zwischen Liebesgeschichte, Thriller und Fantasy-Atmosphäre hin und her. Auch wenn der umtriebige Werwolf sich diesmal nicht als Kuscheltier herausstellt, ist die Bedrohung nur an der Oberfläche wahrnehmbar. Angelegt als innerer Feind wird sein Wirken über weite Strecken der Handlung zu sehr nach außen verlagert und zu einer eher anonymen Gefahr gemacht. Man ist ihm niemals wirklich auf der Spur. Alle Fährten, die das Drehbuch auslegt, erweisen sich als durchschaubar. Dabei mangelt es auch an der nötigen Intensität zwischen den Protagonisten, die trotz ihrer sichtbaren Qualitäten für die Figuren es nicht schaffen, eine leidenschaftliche Beziehung zu vermitteln. Zu sehr hemmt die spannungslose Jagd nach dem Werwolf die Entwicklung. Zu sehr versinkt die Produktion hinter der verklärten Ausstattung des trägen Treibens im mittelalterlichen Dorf. Figuren erstarren in ihren Haltungen und sind nicht mehr als cartoonartige Skizzen, sie sorgen für ebenso wenig Überraschung wie die unattraktive Reißbrettdramaturgie des Drehbuchs.
Red Riding Hood verbirgt trotzdem eine ganze Reihe von Elementen, die für sich gesehen von großer Sorgfalt und reizvollem Schick zeugen. Von der Idee des Stoffs bis zu dem hörenswerten Soundtrack, mit dem alleszerfetzenden Track von Fever Ray - The Wolf, über ein sehenswertes Produktionsdesign, das jedes Bild wie eine Gemälde eines alten holländischen Meisters erscheinen lässt, bis zur Auswahl der Besetzung, weist jede Komponente auf ein vielversprechendes Ergebnis hin. Doch schafft es das Werk nicht, die Dinge im Handlungsverlauf in Einklang zu bringen. Stimmungen werden nur angerissen, Momente werden nicht auf den Punkt gebracht. Der Film schwimmt nur auf der Oberfläche seiner Möglichkeiten. Es ist daher wenig verwunderlich, dass die große Auflösung der Tragödie sehr plump und konstruiert daher kommt. Beim verlassen des Kinosaals beschleicht einen dann unweigerlich das Gefühl, in einem Spin Off der Twilight Saga gewesen zu sein. Nur dass dort in den Wäldern um das Städtchen Forks mehr Lust, Spannung und Leidenschaft zu finden ist, als im märchenhaften Dorf der neusten Rotkäpchen-Adaption. Ein verwirrender Gedanke, wenn man dabei an eine Stephenie Meyers-Verfilmung denkt.
Red Riding Hood - Unter dem Wolfsmond - Pressespiegel bei film-zeit.de
Red Riding Hood
R.: Catherine Hardwicke
D.: Amanda Seyfried, Gary Oldman, Billy Burke, Shiloh Fernandez, Max Irons und Julie Christie
B.: David Leslie Johnson
K.: Mandy Walker
Warner Bros. Pictures Germany
FSK 12 USA 2011 99 Min
Deutscher Filmstart: 21. April 2011
NC 2011: Cold Fish
von
Ciprian David, am 29.4.11
Jeder seiner Filme sei anders, was die Herangehensweise, die Methode und den Stoff betrifft, sagte Sion Sono gestern in einer Videobotschaft, mit welcher er seine Abwesenheit bei dem Festival entschuldigte, und ermunterte das deutsche und europäische Publikum, sich mehrere seiner Filme anzuschauen, um entscheiden zu können, ob sie ihn als Regisseur schätzen oder nicht. Treffende Worte als Einführung in die Retrospektive von Nippon Connection 2011, betreut von Jasper Sharp, dem Herausgeber eines der meist geschätzten Magazine zum japanischen Film, welche seit gestern neun der Filme des Regisseurs zeigt, darunter den zum ersten Mal untertitelten Debütfilm.
Die wahren Ereignisse um einen japanischen Hundezüchter und Serienmörder (58 Menschen sollen ihm zu Opfer gefallen sein) sind die Inspirationsquelle für Sion Sonos letzten Film, Cold Fish. Der Bezug dazu bleibt auf der Ebene der Inspiration, denn der japanische Regisseur bettet das Thema regelrecht in sein Schaffensuniversum ein und erweitert die Wirklichkeit um die Möglichkeiten des Mediums.
Der Hundezüchter wird zum leidenschaftlichen, aufgedrehten, ungeheuren Murata, gespielt vom berühmten japanischen Komiker Denden, zum Fischzüchter und Inhaber eines Fischgeschäfts. Er ist jedoch nur Nebencharakter: Sion Sono führt zwischen Betrachter und Figur einen weiteren Charakter ein, ebenfalls Fischzüchter, den ruhigen, schwachen, etwas desillusionierten Shamoto (Mitsuru Fukikoshi). Dieser ist nicht nur die Hauptfigur, deren Entwicklung und Schicksal der Zuschauer mit regem Interesse verfolgen wird; er ist, obwohl weniger passiv, auch ein Zuschauer der grotesken Taten von Murata. Und, am wichtigsten: Er ist ein jüngerer, unschuldiger, doch durch den auf ihn ausgeübten Druck potenziell ebenso brutal werdender Murata, der, zusammen mit dem Zuschauer, die Gelegenheit bekommt, vom Meister persönlich zu lernen. Und dieser Meister ist zunächst sein absoluter Gegensatz: Ein Mann, der sein Leben selbst in die Hand nimmt, der die anderen sofort durchschaut und dominiert, der sich nicht scheut, menschliche Barrieren verschwinden zu lassen.
Das letztere wird zum Hauptinhalt des Films, denn Sion Sono interessiert die Minutiosität, die ein Mord impliziert, die fast nicht mit dem Akt des Tötens zu tun hat. So ist das Töten allein für Shamoto noch eine Gelegenheit, emotional die Überschreitung der Grenze zwischen Leben und Tod emotional zu erleben. Die wahre Kunst ist die der Entmaterialisierung des toten Körpers. Zusammen mit seiner Frau (Asuka Kurosawa) tranchiert Murata die Körper in kleinen Teile, trennt das Fleich von den Knochen, füttert das erste den Fischen in einem Fluss und verbrennt die Knochen, um die Asche danach zu verstreuen. Die Menschen werden so der Natur wiedergegeben, ihr Verschwinden kann nur noch von der Gesellschaft wahrgenommen werden. Die Verlegung der Bedeutung des Todes vom Moment des Sterbens auf das Verfahren des Verarbeitens der Leichen wird entsprechend mit Sion Sonos Motiv des Glaubens, der Kirche gepaart: Die Toten werden in einer alten Hütte voller christlicher Symbole und Statuen, möglicherweise eine ehemalige Kapelle, verarbeitet, die Leiden des Zeugen Shamotos und seine Verarbeitung der Situation erreichen an diesem Ort ihre Höhepunkte.
Doch ist Cold Fish ein äußerst unterhaltsamer Film. Im Schnitt, im wiederholten, sehr effektiven Einsatz desselben musikalischen Stücks (aus Gustav Mahlers Symphonie Nr. 1 in D Major), vor allem aber im Humor, den die Figurenkonstellation und das Schauspiel der Hauptfiguren erzeugt, ereicht diese Filmwelt der menschlichen Innereien und der Angst, ohne dadurch entschärft zu werden, eine groteske Komik. Eros und Thanatos vermischen sich im Zeichen des Humors untrennbar und erreichen dennoch eine sakrale Dimension, wie die stark von ihrer Faszination für den Tod abhängige sexuelle Bereitschaft der Frau von Murata aufzeigt, und führen das Werk von Sion Sono in der bekannten Tradition der Fülle der Symbole und Möglichkeiten der Auseinandersetzung fort. Cold Fish bezieht nicht eine Position zu den Taten des Serienmörders, ist aber eine filmische Aufarbeitung der möglichen Welten um diese Taten, soweit eine Annäherung möglich ist. Und das diese nur sehr ungenau, subjektiv, von Flüchtigkeit und Weltsicht gepägt sein kann, kommentiert die letzte, ungeahnt starke Einstellung des Films mit Shamotos Tochter.
Cold Fish / Tsumetai nettaigyo
R: Sion Sono
B: Sion Sono, Yoshiki Takahashi
K: Shinya Kimura
D: Makoto Ashikawa, Denden, Mitsuru Fukikoshi
Japan, 2010, 144 Min.
www.coldfish.jp

Die wahren Ereignisse um einen japanischen Hundezüchter und Serienmörder (58 Menschen sollen ihm zu Opfer gefallen sein) sind die Inspirationsquelle für Sion Sonos letzten Film, Cold Fish. Der Bezug dazu bleibt auf der Ebene der Inspiration, denn der japanische Regisseur bettet das Thema regelrecht in sein Schaffensuniversum ein und erweitert die Wirklichkeit um die Möglichkeiten des Mediums.
Der Hundezüchter wird zum leidenschaftlichen, aufgedrehten, ungeheuren Murata, gespielt vom berühmten japanischen Komiker Denden, zum Fischzüchter und Inhaber eines Fischgeschäfts. Er ist jedoch nur Nebencharakter: Sion Sono führt zwischen Betrachter und Figur einen weiteren Charakter ein, ebenfalls Fischzüchter, den ruhigen, schwachen, etwas desillusionierten Shamoto (Mitsuru Fukikoshi). Dieser ist nicht nur die Hauptfigur, deren Entwicklung und Schicksal der Zuschauer mit regem Interesse verfolgen wird; er ist, obwohl weniger passiv, auch ein Zuschauer der grotesken Taten von Murata. Und, am wichtigsten: Er ist ein jüngerer, unschuldiger, doch durch den auf ihn ausgeübten Druck potenziell ebenso brutal werdender Murata, der, zusammen mit dem Zuschauer, die Gelegenheit bekommt, vom Meister persönlich zu lernen. Und dieser Meister ist zunächst sein absoluter Gegensatz: Ein Mann, der sein Leben selbst in die Hand nimmt, der die anderen sofort durchschaut und dominiert, der sich nicht scheut, menschliche Barrieren verschwinden zu lassen.
Das letztere wird zum Hauptinhalt des Films, denn Sion Sono interessiert die Minutiosität, die ein Mord impliziert, die fast nicht mit dem Akt des Tötens zu tun hat. So ist das Töten allein für Shamoto noch eine Gelegenheit, emotional die Überschreitung der Grenze zwischen Leben und Tod emotional zu erleben. Die wahre Kunst ist die der Entmaterialisierung des toten Körpers. Zusammen mit seiner Frau (Asuka Kurosawa) tranchiert Murata die Körper in kleinen Teile, trennt das Fleich von den Knochen, füttert das erste den Fischen in einem Fluss und verbrennt die Knochen, um die Asche danach zu verstreuen. Die Menschen werden so der Natur wiedergegeben, ihr Verschwinden kann nur noch von der Gesellschaft wahrgenommen werden. Die Verlegung der Bedeutung des Todes vom Moment des Sterbens auf das Verfahren des Verarbeitens der Leichen wird entsprechend mit Sion Sonos Motiv des Glaubens, der Kirche gepaart: Die Toten werden in einer alten Hütte voller christlicher Symbole und Statuen, möglicherweise eine ehemalige Kapelle, verarbeitet, die Leiden des Zeugen Shamotos und seine Verarbeitung der Situation erreichen an diesem Ort ihre Höhepunkte.
Doch ist Cold Fish ein äußerst unterhaltsamer Film. Im Schnitt, im wiederholten, sehr effektiven Einsatz desselben musikalischen Stücks (aus Gustav Mahlers Symphonie Nr. 1 in D Major), vor allem aber im Humor, den die Figurenkonstellation und das Schauspiel der Hauptfiguren erzeugt, ereicht diese Filmwelt der menschlichen Innereien und der Angst, ohne dadurch entschärft zu werden, eine groteske Komik. Eros und Thanatos vermischen sich im Zeichen des Humors untrennbar und erreichen dennoch eine sakrale Dimension, wie die stark von ihrer Faszination für den Tod abhängige sexuelle Bereitschaft der Frau von Murata aufzeigt, und führen das Werk von Sion Sono in der bekannten Tradition der Fülle der Symbole und Möglichkeiten der Auseinandersetzung fort. Cold Fish bezieht nicht eine Position zu den Taten des Serienmörders, ist aber eine filmische Aufarbeitung der möglichen Welten um diese Taten, soweit eine Annäherung möglich ist. Und das diese nur sehr ungenau, subjektiv, von Flüchtigkeit und Weltsicht gepägt sein kann, kommentiert die letzte, ungeahnt starke Einstellung des Films mit Shamotos Tochter.
Cold Fish / Tsumetai nettaigyo
R: Sion Sono
B: Sion Sono, Yoshiki Takahashi
K: Shinya Kimura
D: Makoto Ashikawa, Denden, Mitsuru Fukikoshi
Japan, 2010, 144 Min.
www.coldfish.jp
Trailer zu Hara-Kiri: Death of a Samurai von Takashi Miike
von
Elisabeth Maurer, am 29.4.11
Der neue Film von Takashi Miike läuft im Wettbewerb von Cannes. Miike ist einer der meistbeachteten Regisseure des japanischen Gegenwartkinos. In einer Artikelreihe über sein Werk, die Sie hier lesen können, schrieb Ciprian David über seinem Werdegang:
Mit 82 Filmen in nicht einmal 20 Jahren gilt Takashi Miike als einer der produktivsten zeitgenössischen Regisseure. Schon sein Regiedebut (Lady Hunter) ist markant in dieser Hinsicht, denn es entstand in der Vorbereitungsphase seines ersten Regieauftrags (Eyecatch Junction). Anfangs im Bereich des V-Cinema (Filme für den Videomarkt) tätig, bekam Miike um die Jahrtausendwende die Aufmerksamkeit der internationalen Festivals. Zunächst erlangte Audition über das Internationale Film Fest in Rotterdam Weltruhm und wurde ein Festivalliebling, dann ging Dead or Alive auf Festivaltour rund um die Erdkugel. Seine Bedeutung als zeitgenössischer Regisseur festigte Miike zwei Jahre später mit Ichi the Killer und Visitor Q.Weiter führt er über die spezifischen Merkmale von Miikes Filmen aus:
Essenziel in Miikes Werk ist die Kontextualisierung von Gewaltdarstellung und Tabubruch. Da fast alle seine Filme Auftragsarbeiten sind, verpflichten sie sich (auch wenn oft nur vagen) Vorgaben und sollen nicht zuletzt wirtschaftlich erfolgreich sein. Aus diesen Gründen distanzieren sie sich von Kunst-, Experimental- und Avantgardefilmen, was dazu führt, dass die Tabubrüche viel mehr als in diesen Gattungen herausstechen, dass sie sich von der sonst halbwegs auf Genreerwartungen treffenden Handlung absondern, dass sie für ein auf Unterhaltung ausgerichtetes Publikum, wie Kult-Fangemeiden, lediglich zu filmischen Momenten der Gratifikation werden. Dennoch ist die bisher beschriebene Funktionalität der Tabubrüche in der Charakterisierung der Protagonisten und der Filmwelten Miikes nicht zu ignorieren, ebenso wie die Darstellung von Gewalt nicht nur als visuelles Mittel, sonder als Teil eines diskursiven, oft selbstreflexiven Konzepts eingesetzt wird. Die Körper werden bei Miike (milieuentsprechend) zu Karten der thematisierten Welten und der Umgang der Protagonisten damit, ob durch Gewalt oder verschiedenen Formen von sexuellen Praktiken, markieren Koordinaten und Pfade auf diesen Karten.Auch sein neues Werk Hara-Kiri: Death of a Samurai scheint diesen Weg fortzusetzen. Doch bringt er auch einige Neuerungen mit sich, stellt er Miikes ersten 3D-Film dar. Es handelt sich bei dem Film um ein Remake von Masaki Kobayashis Film aus dem Jahr 1962. Hara-Kiri ist der erste Film von Miike, der in das Programm von Cannes aufgenommen wurde. Hier nun kann der erste kurze Trailer gesehen werden:
Quelle: Twitch
Trailer für Transformers: Dark of the Moon
von
Elisabeth Maurer, am 29.4.11
Am 30. Juni startet die mittlerweile dritte Fortsetzung des Transformers-Franchise in den deutschen Kinos. Bisher gab es nur einen kurzen Teaser zu sehen, jetzt wurde der erste Trailer veröffentlicht. In dem wiederum von Michael Bay inszenierten Actionfilm entdecken die Autobots ein Raumschiff von Cybertron auf dem Mond und versuchen es vor den Decepticons zu erreichen. Die Hauptrolle wird wieder von Shia LaBeouf gespielt, an seiner Seite stehen Rosie Huntington-Whiteley, Josh Duhamel und Tyrese Gibson.
Der Trailer verspricht die Fortführung der üblichen Herangehensweise und selbstverständlich den Versuch, noch spektakulärer und bombastischer zu sein und kann hier gesehen werden.
Quelle: Firstshowing Foto: Paramount
Wasser für die Elefanten
von
Elisabeth Maurer, am 29.4.11
Jahrzehntelang schon haben Zirkusse ihre Anziehungskraft auf die ganz großen Massen verloren. Einer der erfolgreichsten Zirkusse in Deutschland ist Flic Flac, ungewöhnlich schwarz-gelb gemustertes Zelt, kein Tiere. In klassischer Version sieht man den Zirkus vielleicht noch beim Zirkusfest von Monte Carlo. Sonst tingeln hauptsächlich mehr als mittelmäßige Kleinzirkusse durch die Provinz, geraten aufgrund ihrer Tierhaltung in die Kritik, und ziehen hauptsächlich kleine Kinder an. Die großen Namen – Knie, Roncalli, Krone – hört man äußerst selten. Das erste Bild von Wasser für die Elefanten zeigt einen solchen großen Zirkus der heutigen Zeit, bezeichnenderweise allerdings nachts, im Regenschauer und verlassen. Der umher wandelnde Alte (Hal Holbrook) wird von einem Mitarbeiter aufgegriffen, der aufgrund seiner Piercings und schwarzen Kleidung auch durchaus ein Roadie bei einer Metalband oder ähnliches sein könnte. Das Büro des Zirkusdirektors entpuppt sich aber als kleines Museum der Zirkusvergangenheit, in dem der alte Mann seine Erinnerungen auspackt.
Diese führen den Film in das Jahr 1931. Schon damals müssen die Zirkusse um ihre Existenz fürchten. Zwei Jahre nach dem ersten Tonfilm und zu Beginn des Goldenen Zeitalters Hollywoods ist der Film endgültig auf dem Weg zum Massenmedium, zeitgleich befindet sich ein anderes Massenmedium, das Radio, auf dem Höhepunkt seiner Beliebtheit. Durch den Siegeszug des Tonfilms verschwanden auch zunehmend die Revuenummern, die bisher Kinovorführungen begleitet hatten und von seiner Herkunft als Jahrmarktsattraktion zeugten. So befindet sich also der Zirkus als Massenattraktion schon im Rückblick in starker Bedrohung. Dennoch kann damals noch ein Vermögen mit einem gut laufenden Zirkus gemacht werden. Das alles führt zu Machtkämpfen zwischen den Zirkusfamilien. Durch das Aufkaufen von Attraktionen bankrotter Zirkusse hat der Zirkus Benzini es unter der Leitung von August Rosenbluth (Christoph Waltz) zu einigem Erfolg geschafft, doch nicht genug um mit den ganz Großen mitzuhalten, und auch nicht ausreichend, die Arbeiter angemessen zu bezahlen und zu behandeln. Zu diesem verschlägt es den jungen Jacob Jankowski (Robert Pattinson), der sein Studium der Veterinärmedizin kurz vor Abschluss aufgrund des Todes seiner Eltern abbrach. Er ist somit ein Exponent für die vielen Entwurzelten und Streuner im Amerika der Wirtschaftskrise. Bei Benzini wird er zunächst einfacher Arbeiter, durch seine besonderen Fähigkeiten im Umgang mit den Tieren gewinnt er jedoch Augusts Vertrauen und wir Tierarzt des Zirkus. Um Benzini den endgültigen Erfolg zu bringen, kauft August die alte Elefantendame Rosie. Sie soll Jacob zusammen mit Augusts Ehefrau Marlena (Reese Witherspoon), die talentierteste Artistin des Zirkus, zu einem Publikumsmagneten machen. Als sich das Tier jedoch sträubt, kommt Augusts bösartige Seite zum Vorschein, die er immer öfter auch im Umgang mit seinen Arbeitern zeigt und die sich auf Jacob und Marlena ausweitet, als sie sich zaghaft ineinander verlieben.
Der Blick zurück auf eine Epoche und auf die letzte Hochphase einer Kunst- und Unterhaltungsform ist ein natürlich ein zutiefst nostalgischer. Die typischen warmen Farben der Bilder, die stets darauf verweisen, dass alles Gesehene längst vergangen ist und wohl auch nur in Form eines wehmütigen Rückblickes wieder aufleben kann, finden sich durchgängig. Obligatorisch für ein solches Period Picture auch die beeindruckenden Kostüme und Ausstattung. Auffällig ist, dass sehr wenig Zirkusattraktionen zu sehen sind. Nur in sehr kurzen Augenblicken und in einer Zeitlupenmontage werden Bilder davon eingefangen. In der Filmgeschichte waren Zirkusfilme zeitweise ein sehr beliebtes Genre, man denke beispielsweise an Duponts Varieté (1925), die Glanzzeit des dänischen Stummfilms in den 1910er Jahren oder auch Cecil B. DeMilles Die größte Schau der Welt. Damals wurden die Kunststücke der Artisten als Spektakel in die Spielfilme eingebaut. Dass Wasser für die Elefanten anders verfährt, trägt der Tatsache Rechnung, dass heute visuelle Spektakel anders erzeugt werden, meist durch bombastische Computereffekte. Echte Stunts verlieren im Filmgeschäft zunehmend ihre Bedeutung. Andererseits wird so auch ausgedrückt, dass die wirkliche Faszination, die Zirkusse haben, weniger auf den einzelnen Nummern, als vielmehr durch die gesamte Atmosphäre der Zirkus entsteht, der auch immer etwas Verruchtes und Geheimnisvolles anhängt, weil die Zirkusleute aus allen Teilen der Welt kommen, oftmals eigenartige Gestalten sind, und nach dem Ende der letzten Vorstellung wieder verschwinden. Besonders diese Stimmung im Zirkus fängt Wasser für die Elefanten durch die Konzentration auf die Lebensumstände der Figuren ein. Zudem unterstreicht die im Mittelpunkt stehende Liebesgeschichte die sehnsüchtig zurückblickende Grundhaltung der Geschichte. Denn wie schon die Einleitung in der Gegenwart klar machte, findet diese große Liebe auch einmal ein Ende und einer bleibt einsam zurück.
Wasser für die Elefanten verzichtet auch darauf, ein umfassendes Porträt der damaligen Gesellschaft zu zeichnen, dieses entwirft er im Kleinen. Getragen wird er somit neben seiner visuellen Schönheit von den Leistungen der Schauspieler. Robert Pattinson kann sich von dem Vampir befreien und liefert eine sehr erwachsene und wohl für viele aufgrund seiner Rollengeschichte überraschend überzeugende Darstellung ab. Auch die Liebesgeschichte zwischen ihm und der um einige Jahre älteren Reese Witherspoon wirkt glaubhaft. Besonders beeindruckt dazu wieder einmal Christoph Waltz, dessen Figur beängstigend zwischen Zorn und Verunsicherung schwankt und somit keinen eindimensionalen Bösewicht abgibt. Die Nostalgie des Films erstreckt sich auch auf das Medium selbst, einerseits auf die Hochphase des alten Hollywoods, aber auch auf das Genre des Melodrams. Als großes Melodram vor historischer Kulisse wäre er in den 1990er Jahren noch typisch gewesen, man denke nur an Titanic oder auch an Legenden der Leidenschaften, heute wirkt Wasser für die Elefanten irgendwie altmodisch. Dennoch wird er sein Publikum finden, seine Wehmut, die gesamte Atmosphäre und die Liebesgeschichte bieten gute Unterhaltung. Der Film als solcher kann daher als Hommage an die Zirkuskunst gesehen werden, präsentiert er eine romantische, exotische, nostalgische Traumwelt. Und so kann wenigstens am Ende des Films ein kleines Element des klassischen Zirkus wiederhergestellt werden.
Wasser für die Elefanten - Pressespiegel bei film-zeit.de
Wasser für die Elefanten / Water for Elephants
R: Francis Lawrence
B: Richard LaGravenese nach dem Roman von Sarah Gruen
K: Rodrigo Prieto
D: Reese Witherspoon, Robert Pattinson, Christoph Waltz, Jim Norton
USA 2011, 114 Min.
20th Centruy Fox
Kinostart: 28.4.2011
FSK: 6
Trailer zu Arirang von Kim Ki-duk
von
Elisabeth Maurer, am 28.4.11
Gerade wurde der erste Trailer zu Hong Sang-soos Drama The Day He Arrives veröffentlicht (hier anzusehen), der bei Cannes im Programm von Un Certain Régard läuft. In derselben Kategorie ist ein weiterer koreanische Regisseur, der international durch Filme wie Frühling, Sommer, Herbst, Winter... und Frühling und Hwal - Der Bogen sehr beachtete Kim Ki-duk, vertreten. Hier können Sie nun den Trailer zu seinem Beitrag Arirang sehen:
Quelle: Twitch









































