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46. Werkstatt der Jungen Filmszene: Open-Screen-Night und weitere Highights

von Jan Malm, am 31.5.11

Vom 10. bis 13. Juni findet in Wiesbaden-Naurod die 46. Werkstatt der Jungen Filmszene statt. Es werden 90 Filme gezeigt, welche aus Deutschland, aber auch aus Ungarn, Südkorea, Georgien, Polen, Großbritannien und Österreich kommen, und einen Einblick in die internationale Nachwuchsszene des Films geben.

Im Wilhelm-Kempf-Haus in Wiesbaden-Naurod und am Sonntag Abend in der Caligari FilmBühne in Wiesbaden, werden das ganze Pfingstwochenende Filme in 11 Programmblöcken gezeigt, bei denen die Spanne von Kita-Filmen bis zu Abschlussfilmen von Filmhochschulen reicht.
Im Tagungshaus in Wiesbaden-Naurod treffen sich 140 junge Filmer um sich am kompletten Wochenende auszutauschen und an Workshops teilzunehmen.

Einige Plätze sind noch frei. Es besteht die Möglichkeit sich hier anzumelden!

Doch auch ohne Anmeldung ist es möglich, eigene Filme der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Bei der Open-Screen-Night am 11.6. ab 23 Uhr im Wilhelm-Kempf-Haus in Wiesbaden-Naurod sind ab 23 Uhr alle herzlich eingeladen ihre Filme vorzustellen. Eine gute Möglichkeit ein Feedback über seine Arbeit zu erhalten und andere Werke zu begutachten.

Ob professionell oder hobbymäßig, ob trashig, ernst oder komisch, ob kurz oder lang, jeder Film kann mitgebracht und präsentiert werden!

Den Abschluss bildet der Filmabend am Sonntag:
In der Caligari FilmBühne sind am Sonntag, den 12.6. ab 20 Uhr sieben Filme junger Regisseure zu sehen. Gezeigt werden zwei experimentelle Kurzfilme, zwei kurze Spielfilme, zwei Animationen und eine Dokumentation aus der unkommerziellen, deutschen Nachwuchsfilmszene. Der Dokumentarfilm Zwei Mal Weihnachten zeigt drei Schwestern, die versuchen die Trennung ihrer Eltern zu verarbeiten und mit der neuen Situation zu leben. Der Kurzfilm Der Zusammenhang ist an eine russische Kurzgeschichte aus dem Jahre 1937 angelehnt und thematisiert die zufällige Vernetzung der Lebenswege verschiedener Protagonisten. Vieler der Filme sind bereits auf anderen Festivals gezeigt worden und „...gehören zu dem Interessantesten, was der junge Film hierzulande zurzeit zu bieten hat.“ Nach jedem Film besteht mit den anwesenden Filmemacher die Möglichkeit eines kurzen Publikumsgesprächs.
Eröffnet wird die Veranstaltung von Rita Thies, Kulturdezernentin der hessischen Landeshauptstadt.

Das komplette Programm ist hier einzusehen!

25. Fantasy Filmfest - Erste Filme stehen fest

von Jan Malm, am 31.5.11


Am 16. August 2011 beginnt das 25. Fantasy Filmfest in Berlin. Danach wird es auch in Hamburg, Frankfurt, Köln, Nürnberg, München und Stuttgart stattfinden.
Das Filmfestival kann mittlerweile auf ein 25-jähriges Bestehen zurückblicken, in welchem es bewiesen hat, dass es weit mehr als ein Festival für Horror-, Gore- und Splatterfans ist. Auch Arthaus-Kino ist bereits vertreten. In der Wettbewerbsreihe Fresh Blood wird das Publikum auch in diesem Jahr abstimmen. Neben Four Lions von Chris Morris, dem Gewinner aus dem letzten Jahr, waren District 9 (Neill Blomkamp), JCVD (Mabrouk El Mechri), Ex Drummer (Koen Mortier) und Brick (Rian Johnson) weitere Preisträger aus den Vorjahren.

Auch in diesem Jahr wird wieder ein vielfältiges Programm geboten, bei dem der europäische Genrefilm besonders stark vertreten ist. Neben deutschen Filmen zeigt Frankreich besonders spannende und aufwendig produzierte Horrorthriller.
Israel debütiert in diesem Jahr bei den Genrefilmen.

Die ersten Filme sind bereits bestätigt:

Super (USA) handelt von Frank der, um sein Leben in den Griff zu bekommen, zum Superhelden werden muss. Im französichen Film Point Blank / À Bout Portant muss sich der Krankenpfleger Samuel mit Schwerverbrechern einlassen, um seine entführte Frau zu retten. Einen skrupellosen Mörder von seiner Familie fernzuhalten und gleichzeitig der Gendarmerie zu entkommen sind die Aufgaben, die Franck im Film The Prey / La Proie gestellt werden, welcher ebenfalls aus Frankreich kommt.
Phase 7 / Fase 7 (Argentinien) handelt von einem Pärchen, dass die Apokalypse um sich herum erst sehr spät bemerkt. Mit Rabies / Kalevet präsentiert das Fantasy Filmfest zum ersten mal einen israelischen Slasher-Film. Ein ruhmreicher Krieger, der gegen seinen König und besten Freund aufgehetzt wird, ist Thema des chinesischen „Schwertkampf-Actioners“ The Lost Bladesman / Guan Yun Chang. In Stake Land (USA) will sich eine kleine Gruppe Überlebender aus den vampirverseuchten, verwarlosten Staaten ins vermeintlich sichere Kanada retten. Der deutsche Film Urban Explorer schickt eine Reisegruppe in ein geheimes Berliner Untergrundsystem, in dem es das blanke Grauen erleben wird.

Mehr zum 25. Fantasy Filmfest unter fantasyfilmfest.com

Alle Termine für das 25. Fantasy Filmfest stehen wie folgt:

Berlin - 16. – 24. August

Hamburg - 17. – 24. August

Frankfurt & Köln - 24. – 31. August

Nürnberg - 25. August – 1. September

München - 30. August – 7. September

Stuttgart - 31. August – 7. September

M for Markus, einige Filmstills

von Ciprian David, am 31.5.11




Vor einigen Tagen hatten wir das Vergnügen, Euch den vielversprechenden Trailer eines Abschlussfilms aus der dänischen Filmakademie vorzustellen. Die mit einem Weitwinkelobjektiv aufgenommene, verzerrte Welt um eine Kommissarin, viel näher an Lynchschen Visionen als an Wirklichkeit, oder, wie Christian Alt schrieb, an den Welten von Noé und Cronenberg könnt Ihr anhand einiger Stills aus dem Film bewundern.


Hier also die Bilder aus M for Markus von Ali Abbasi:

Und hier könnt Ihr nochmal den Trailer sehen.











Win Win - ab 21.7. im Kino

von Svenja Kalibabky, am 31.5.11

Mike Flaherty (Paul Giamatti) ist ein recht erfolgloser Anwalt, der sich mit allzu banalen Fällen herumärgern muss. Auch als Coach eines Highschool-Wrestlingteams lässt der Erfolg noch auf sich warten. Eines Tages steht Mikes Enkel Kyle vor der Tür, der von zuhause ausgerissen ist, um seiner drogensüchtigen Mutter zu entkommen. Schnell entdeckt Mike das Wrestling-Talent seines Enkels und will ihn zum neuen Star der Mannschaft machen.
 
Win Win ist der neue Film von Regisseur Thomas McCarthy, der bisher vor allem als Schauspieler gearbeitet hat (u.a. in Good Night and Good Luck und 2012). Neben Hauptdarsteller Paul Giamatti (Sideways, The Illusionist) konnte er für die Nebenrollen Jeffrey Tambor (Arrested Development, Hangover) und Amy Ryan (Gone Baby Gone, Tödliche Entscheidung) gewinnen.






Win Win
R und B: Thomas McCarthy
K: Oliver Bokelberg
D: Paul Giamatti, Amy Ryan, Jeffrey Tambor
USA 2011, 106 Min.
20th Century Fox

Kinostart: 21.07.2011
FSK 0

Fotos: 20th Century Fox

Huacho - Ein Tag im Leben - ab 14.7. im Kino

von Svenja Kalibabky, am 31.5.11

Huacho - Ein Tag im Leben lautet der Name des Debütfilms von Alejandro Fernández Almendras. Unter "huacho" versteht man etwas, das übrig geblieben und unvollständig ist. Übrig geblieben ist auch die Familie aus der chilenischen Provinz, die im Zentrum des Films steht. Sie kann den rapiden Veränderungen der globalisierten Welt nicht standhalten. Die Großmutter verkauft an der Landstraße ihren selbstgemachten Käse und die Tochter ihr geliebtes Kleid, um sich ein Dach über dem Kopf sichern zu können. Und während der Großvater tagein, tagaus auf dem Feld schuftet, hat der Enkel nur Videospiele im Kopf. Alle träumen sie davon, sich einmal etwas Luxus leisten zu können.


Huacho verbindet die vier Geschichten der Familienmitglieder zu einer großen Erzählung. Die Darsteller des Films sind zum größten Teil Laienschauspieler.





Huacho - Ein Tag im Leben / Huacho
R und B: Alejandro Fernández Almendras
K: Inti Briones
D: Alejandra Yañez, Manuel Hernández, Clemira Aguayo, Cornelio Villagrán
Chile 2009, 89 Min. (Spanische Originalfassung mit deutschen Untertiteln)
Kairos Filmverleih
Kinostart: 14.07.2011
FSK 0 

Fotos: Kairos Filmverleih

Vier Leben - ab 30.6. im Kino

von Kim Schönenberg, am 31.5.11


"Es gibt wichtigeres im Leben als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen."
Mahatma Gandhi

Am 30.06. startet das zeitlose Porträt Vier Leben (Originaltitel: Le Quattro Volte) im NFP Filmverleih in den Kinos. Der italienische Regisseur Michelangelo Frammartino (Il Dono) dokumentiert auf bewegende Art den immerwährenden und ungebrochenen Kreislauf des Lebens vor dem Hintergrund der traditionsreichen, malerischen Gegend Kalabrien im südlichen Italien. Dort, wo alles noch eine Seele hat.

Als Auftakt des Dramas dient die Geschichte der letzten Tage des alten, schwerkranken italienischen Ziegenhirten (Giuseppe Fuda), dessen Medizin der Staub des Kirchenbodens ist. Er stirbt, die Ziegen halten Wache an seinem Sterbebett. Doch der Kreislauf geht weiter, denn wir beobachten die Geburt eines kleinen Zickleins, sein behütetes Aufwachsen in der Herde. Eines Tages verliert es sich in den Bergen und sucht Schutz unter einer Tanne. Dieses von den Jahreszeiten unabhängige Gewächs wird aber von den kalabrischen Köhlern nach Tradition zu Kohle verarbeitet.

Michelangelo Frammartino zeigt in Vier Leben, dass es immer ein "Vor-dem-Film" und ein "Nach-dem-Film" gibt, dass nichts, auch nicht der Mensch, in sich abgeschlossen ist, sondern alles in Verbundenheit mit der Natur, dem Vorher und dem Nachher steht.



Vier Leben - Le Quattro Volte
R, B: Michelangelo Frammartino
K: Andrea Locatelli
D: Giuseppe Fuda, Bruno Timpano, Nazareno Timpano
Schweiz/Deutschland/Italien, 2010, 88 Min.
FSK 0
Verleih: NFP marketing & distribution
Quellen: http://www.vier-leben-derfilm.de/#!/home
http://www.nfp.de/cms/front_content.php?changelang=1

Barney's Version - ab 14.7. im Kino

von Svenja Kalibabky, am 31.5.11

Paul Giamatti (Sideways, The Illusionist) mimt in der Tragikomödie Barney's Version den trinkenden, Zigarre rauchenden Barney Panofsky, der in den 1960er Jahren als Künstler in Paris arbeitet, anschließend in die USA reist und dort TV-Produzent wird. Drei Ehen und einen vermeintlichen Mord später, blickt Barney - mittlerweile an Alzheimer erkrankt - auf sein abenteuerliches Leben zurück.

Richard J. Lewis' Adaption Barney’s Version basiert auf dem gleichnamigen Bestseller des kanadischen Schriftstellers Mordecai Richler aus dem Jahr1997. 

An der Seite von Paul Giamatti sind u.a. Dustin Hoffman (als Barneys Vater), Rosamund Pike (Stolz und Vorurteil, Surrogates) und Minnie Driver (Good Will Hunting, Grosse Pointe Blank) zu sehen. Da sowohl die Figur des Barney Panofsky als auch der Autor der Buchvorlage kanadischen Ursprungs sind, überrascht es den ein oder anderen Filmfan vielleicht nicht allzu sehr, im Laufe des Films Cameos von David Cronenberg (Die Fliege, A History of Violence) , Ted Kotcheff (Rambo, Die verwegenen Sieben) und weiteren kanadischen Filmemachern zu sehen.


Paul Giamatti wurde für seine Rolle mit einem Golden Globe ausgezeichnet.



Barney's Version
R: Richard J. Lewis
B: Michael Konyves

K: Guy Dufaux
D: Paul Giamatti, Dustin Hoffman, Minnie Driver, Rosamund Pike
USA 2010, 132 Min.

Universal
Kinostart: 14.07.2011

FSK 6

Fotos: Universal Pictures

Naokos Lächeln: Die Verfilmung von Haruki Murakamis Roman ab 30.06. in den Kinos

von Kim Schönenberg, am 31.5.11


Vielleicht wirkt die Genrebezeichnung "Liebesgeschichte" auf manch einen eher abschreckend, doch Naokos Lächeln (Originaltitel: Norwegian Wood, Noruwei no mori) ist nicht nur vor einem politischen Hintergrund aufgebaut, die Geschichte lebt vom Purismus wahrer Freundschaften und der ersten großen Liebe, den Verwirrungen junger Herzen, Sexualität und Seelenschmerz.

Toru Watanabe (Kenichi Matsuyama) und seine erste große Liebe Naoko (Oscar-Gewinnerin Rinko Kikuchi) haben beide den Verlust des gemeinsamen Freundes Kizuki (Kengo Kora) zu verarbeiten, der sich aus unerfindlichen Gründen umgebracht hat. Vor dem Hintergrund eines politisch bewegten Tokios in den späten 60er Jahren gerät die junge Liebe ins Wanken, als Toru die aufgeschlossene und zu Naoko so gegensätzlich selbstbewusste Midori (Kiko Mizuhara) kennenlernt. Die scheint ihm ein ganz anderes Leben bieten zu können, als die emotional labile und doch ihm zutiefst verbundene Naoko.

Der Debütfilm Der Duft der grünen Papaya des Regisseurs Tran Anh Hung  wurde 1993 mit der Goldenen Kamera in Cannes ausgezeichnet. Mit Naokos Lächeln gelang ihm nun die bildgewaltige und berührende Umsetzung Haruki Murakamis gleichnamigen Bestsellers. Ab 30.06. gibt es ihn über den Pandora Filmverleih bei uns in den Kinos, hier gibt's den Trailer:



Naokos Lächeln - Norwegian Wood - Noruwei no mori
R, B: Tran Anh Hung
basierend auf dem Roman von Haruki Murakami
K: Pin Bing Lee
D: Kenichi Matsuyama, Rinko Kikuchi, Kiko Mizuhara, Reika Kirishima, Kengo Kora, Eriko Hatsune, Tetsuji Tamayama
Japan 2010, 133 Min.
Pandora Filmverleih, www.pandorafilm.com
Quelle: http://naoko.pandorafilm.de/slideshow.html

Brownian Movement: Das Drama ab 30.06. in den Kinos

von Kim Schönenberg, am 31.5.11


Am 30.06. bringt der Verleiher Filmlichter das Beziehungsdrama  Brownian Movement der niederländischen Regisseurin Nanouk Leopold (Guernsey) in die Kinos.

Brownian Movement - eigentlich ein physikalischer Begriff, der das Phänomen plötzlich sichtbarer Teilchenbewegungen beschreibt - ist die Geschichte einer Liebesbeziehung, wie stark oder verletzlich sie sein und machen kann, und wie essenziell zwischenmenschliche Nähe ist.

Der Film erzählt die Geschichte des scheinbar glücklichen, attraktiven Ehepaares Charlotte (Sandra Hüller) und Max (Dragan Bakema). Sie ziehen aus beruflichen Gründen nach Brüssel. Doch die erfolgreiche Ärztin Charlotte beginnt in der neuen Umgebung, mit fremden, unattraktiven Männern zu schlafen - aus vollkommen unerfindlichen Gründen. Als Charlottes Geheimnis auffliegt, kann nicht einmal sie ihrem Ehemann ihr Verhalten erklären. Sie verliert ihre Approbation. Alles, was sich Charlotte und Max aufgebaut haben, scheint durch das, was sie getan hat, langsam zu zerbröckeln. Dem Druck entfliehend, versucht das Paar in Indien, wieder zueinander zu finden.



Brownian Movement
R, B: Nanouk Leopold
K: Frank van den Eeden
D: Sandran Hüller, Dragan Bakema, Sabine Timoteo, Ryan Brodie, Frieda Pittoors
Deutschland/Belgien/Niederlande 2010, 102 Min.
FSK 16
Verleih: Filmlichter
Quelle: www.filmlichter.de

Die Förderpreis-Jury des Münchner Filmfests steht fest

von Rebecca Nicklaus, am 31.5.11



Ab dem 24. Juni findet das Filmfest München, eines der größten Filmfestivals Deutschlands, statt. Neun Tage lang kann sich das filminteressierte Publikum mit einem sowohl nationalen als auch internationalen Programm verwöhnen lassen.

Dabei soll vor allem der filmschaffende Nachwuchs eine Plattform für seine Kunst erhalten. Um die jungen Künstler des deutschen Films zusätzlich zu fördern, findet im Rahmen des Filmfests am 29. Juni die Preisverleihung des Förderpreises Deutscher Film statt. Zuvor werden die Besten der verschiedenen Kategorien (Regie, Drehbuch etc.) aus der Reihe "Neue Deutsche Kinofilme" von einer nun feststehenden Jury ausgewählt und erhalten dann Geldpreise im Wert von insgesamt 60.000 Euro.

Wie nun kürzlich verkündet wurde, bilden Sibel Kekilli, Ewa Karlström und Hans Steinbichler dieses Jahr die Förderpreis-Jury und stellen sich der Qual der Wahl.

Sibel Kekilli hat sich als Schauspielerin in Filmen wie Gegen die Wand (Fatih Akin) schon vor Jahren einen Namen gemacht und wurde für ihre schauspielerischen Leistungen mehrfach ausgezeichnet, unter anderem beim Tribeca Film Festival in New York

Ewa Karlström ist als Produzentin tätig und konnte mit Filmen wie Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit und der Die wilden Kerle-Reihe große Publikumserfolge erzielen.

Hans Steinbichler ist als mehrfach ausgezeichneter Regisseur und selbst Preisträger des Förderpreises Deutscher Film der Dritte im Bunde. Somit stellen sich drei Profis der schwierigen Aufgabe, die Filmschaffenden zu beurteilen. 

Unter den in den letzten Jahren Ausgezeichneten befinden sich namhafte Regisseure und Schauspieler wie Sönke Wortmann, Marcus H. Rosenmüller, Johanna Wokalek und Stipe Erceg.


Text: NEGATIV / Quelle und Foto: Filmfest München Homepage

Streams von Lars von Trier und Co. auf Zentropa

von Svenja Kalibabky, am 31.5.11

Zentropa on Demand bietet seinen Besuchern ab sofort die Möglichkeit, alle Filme der dänischen Produktionsfirma auf dem Computer zu schauen. So stellt Zentropa u.a. die Werke weltbekannter Regisseure wie Lars von Trier (Dancer in the Dark, Antichrist), Thomas Vinterberg (Das Fest, Dear Wendy) oder auch Oscar-Gewinnerin Susanne Bier (In einer besseren Welt) zum Streaming bereit.

Nutzern von Zentropa on Demand wird zudem exklusiver Zugang zu seltenen (nicht auf DVD erschienenen) Kurzfilmen und Bonusmaterial geboten.

Für einen Preis von 3-4 Euro pro Film kann dieser für 36 Stunden gekauft werden. Hierzu ist eine Anmeldung auf der Seite notwendig. Wer die Filme lieber gemütlich vor dem Fernseher genießen möchte, kann dies mit Hilfe eines HDMI-Kabels ohne Probleme tun.

Zentropa hat seit seiner Gründung 1992 mit besonderen Produktionen auf sich aufmerksam gemacht. So leitete es den durchschlagenden Erfolg des Dogma 95-Konzeptes mit ein und will nun als erste Produktionsfirma der Welt mit eigenem Video on Demand-Service die Popularität dänischer Produktionen weiter vorantreiben.

Foto: Rita Molnár

Trailer zu Borowczyk-Porträt Boro in the Box von Bertrand Mandico

von Svenja Kalibabky, am 31.5.11

Schaut man sich den bizarren Trailer des französischen Regisseurs Bertrand Mandico zu Boro in the Box an, kommen einem die Werke Luis Bunuels oder auch Alejandro Jodorowskys in den Sinn. Wirklich am Herzen liegen Mandico jedoch die vergessenen oder unterschätzten Werke von Walerian Borowczyk, dem er bereits eine Retrospektive in Warschau widmete. Mit Boro in the Box folgt nun ein 40-minütiger Film zum Leben und Wirken des polnischen Regisseurs. Gleich zwei Rollen übernimmt hierbei die rumänisch-stämmige Schauspielerin Elina Löwensohn (Schindlers Liste, Die Weisheit der Krokodile).


Im Rahmen der Reihe Quinzaine des Réalisateurs wurde Boro in the Box auf den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2011 gezeigt.

Lesen Sie auch die Rezensionen zu den Borowczyk-Werken Ars Amandi und Unmoralische Engel unseres Autors Simon Frauendorfer.

The Company Men

von Svenja Kalibabky, am 31.5.11


Bobby Walker (Ben Affleck) ist glücklich verheiratet, hat zwei gesunde Kinder, einen großzügig bezahlten Job und ein prächtiges Eigenheim. Zur freizeitlichen Zerstreuung dienen ihm sein Porsche und die Mitgliedschaft im Golf-Club. Kurz gesagt: Bobby lebt den amerikanischen Traum. Doch als das Unternehmen, in dem er beschäftigt ist, auf Grund der wirtschaftlichen Rezession Stellen streicht, trifft es auch ihn. Von einem auf den anderen Tag unerwartet arbeitslos geworden, muss er sich mit der neuen Situation arrangieren. Zunächst reagiert er mit Verdrängung und weigert sich, außer seiner Ehefrau Maggie (Rosemarie DeWitt) jemandem in der Familie zu gestehen, dass seine Zeiten als erfolgreicher Sales-Manager zunächst vorüber sind. Ebenfalls wegrationalisiert werden die beiden weitaus älteren Arbeitskollegen Gene (Tommy Lee Jones) und Phil (Chris Cooper), die beide kurz vor der Rente standen. Im Gegensatz zu Bobby können sie nicht auf die Unterstützung der Familie setzen, da die Ehefrau des einen gedankenlos das Geld ihres Mannes verschleudert, während die Ehefrau des anderen ihrem Gatten gebietet, er möge doch bitte nicht vor Ende seiner bisherigen Arbeitszeit nach Hause kommen – andernfalls könnten die Nachbarn Verdacht schöpfen. Nachdem Bobby auch nach einigen Monaten keine neue Stelle in Aussicht hat und die Ersparnisse zur Neige gehen, muss er wohl oder übel seinen Stolz vergessen und seinem Schwager (Kevin Costner) auf dessen Baustelle zur Hand gehen. Schnell merkt er, dass auch diese Arbeit durchaus erfüllend sein kann.

Die Regie bei The Company Men führt John Wells, für den das Drama über Arbeitslosigkeit und Lebenskrisen sein Spielfilmdebüt darstellt. Ein Unbekannter ist er jedoch nicht - Konnten von ihm produzierte Serien wie The West Wing und Emergency Room bisher 55 Emmys einbringen (und ganze 262 Nominierungen). Mit Ben Affleck, Chris Cooper, Tommy Lee Jones, Kevin Costner und Maria Bello gelang es ihm zudem, für seinen Erstling eine erstaunliche Anzahl hochkarätiger Darsteller zu gewinnen.


Eindrücklich zeigt The Company Men, welch enormen Einfluss Arbeitslosigkeit auf das Selbstwertgefühl des Einzelnen haben kann. Weder Bobby, noch Gene und Pete müssen auf Grund ihrer Kündigung ein Dasein am Existenzminimum fürchten, doch schwindet mit ihren monatlichen Gehaltschecks auch ihr Ego. An einigen Stellen fällt es schwer Mitleid zu haben mit Bobby, weil dieser seine Mitgliedschaft im Golf-Klub der Stadt beenden und seinen Porsche verkaufen muss. Auch dass er bei diversen Vorstellungsgesprächen für seine überzogenen Gehaltsvorstellungen belächelt wird, vermag keine große Sympathie für seine Figur hervorzurufen. Während die erste Hälfte des Films größtenteils bedrückend und freudlos über die Leinwand flimmert, kommen anschließend typische Elemente des amerikanischen Erbauungsfilms nicht zu kurz. Während sich zu Beginn noch über die peinlich anmutenden Methoden von Motivations-Trainern amüsiert wird, wirken einzelne Szenen selbst wie auf Zelluloid gepresste Kapitel literarischer Werke aus der Abteilung Lebenshilfe. Zumindest die Geschichte von Bobby unterscheidet sich letztlich nicht sehr von bisherigen Filmen mit "Tschaka, du schaffst das!"-Charakter. Neu ist, dass die Protagonisten, die uns nicht aufgeben lassen sollen, nicht Angehörige der (unteren) Mittelschicht sind, sondern erfolgsverwöhnte "Best Agers" (abgesehen von Bobby), deren Leben auch ohne Skitrips nach Aspen, 500 Euro teure Steaks und Martini-Mittagessen nicht gänzlich ohne Reiz ist.

Trotz der in einigen Szenen stark durchscheinenden "Du kannst alles schaffen, was du willst"-Botschaft, stellt sich die Frage, ob man dem Film tatsächlich vorwerfen kann, dass er seinem Zuschauer Mut zusprechen will. Gerade für den einen oder anderen Zuschauer, der selbst in irgendeiner Form Opfer der Finanzkrise geworden ist, mag die hoffnungsvolle zweite Hälfte des Films vermutlich sehr entgegenkommend sein. Auch wenn es Verfechtern der "wahren Werte" gehörig gegen den Strich geht - Arbeit bestimmt in unserer modernen Gesellschaft maßgeblich über das Sozialprestige des Einzelnen. Daher ist es keineswegs unverständlich, wenn der plötzlich arbeitslos Gewordene erstmal in eine Sinnkrise stürzt und von einem Gefühl der eigenen Wertlosigkeit geplagt ist. In Zeiten, in denen ein großer Teil der Bevölkerung direkt von Arbeitslosigkeit betroffen ist, schadet es sicherlich nicht, den Zuschauern etwas Mut zu machen, anstatt sie in ihrer eventuellen Trostlosigkeit noch zu bestärken. Das ein oder andere Klischee hätte jedoch vermieden werden können. Zu vorhersehbar ist die Entwicklung von Ben Afflecks Charakter Bobby Walker, der mit seiner Dauerpräsenz überlegenen Schauspielkollegen wie Chris Cooper und Tommy Lee Jones die Möglichkeit raubt, mehr von ihrem Können zu zeigen. Hier hätte Regisseur und Drehbuchautor John Wells mehr Raum für die beiden Nebendarsteller schaffen müssen. Gerade dem leider immer noch maßlos unterschätzten Chris Cooper, der bereits in Filmen wie Adaption. und American Beauty zu brillieren wusste (und auch diesmal nicht enttäuscht), wäre dies zu wünschen gewesen. Manche Geschichten werden zwar angeschnitten, aber nicht ausreichend erzählt. So bleibt das Verhältnis zwischen Phil und seiner Frau undurchsichtig, auch auf den Charakter von Sally Wilcox (Maria Bello), die nicht nur eine Affäre mit Tommy Lee Jones' Charakter Gene unterhält, sondern sich auch für die Kündigung der Mitarbeiter mit verantwortlich zeichnet, wird nicht näher eingegangen.

The Company Men wartet mit einem gut besetzten Cast auf und widmet sich einem aktuellen und schwierigen Thema. Der Film beleuchtet kritisch, wie schnell es mit dem großen Reichtum zu Ende sein kann, wie schnell sich der American Dream in Luft auflöst, wenn die Wirtschaftsblase einmal platzt. Dafür sei John Wells Respekt gezollt. Leider bleibt der Film trotz guter Absicht hinter seinen Möglichkeiten. Unter Betrachtung der bisherigen Produktionen des Regisseurs hätte man sich bei dieser Thematik etwas weniger Emergency Room und dafür mehr The West Wing wünschen können. So sollte Wells während seiner Zusammenarbeit mit The West Wing-Drehbuchautor Aaron Sorkin (The Social Network, Eine Frage der Ehre) doch ein Gefühl dafür entwickelt haben, wann es besser ist, zugunsten der Qualität die Dramatik etwas zurückzuschrauben. Gänzlich frei von Plausibilität ist Wells' Kinodebüt jedoch nicht. Während manch einer durch seine plötzliche Arbeitslosigkeit in ein tiefes Loch fällt, merken andere hingegen recht schnell, dass Autos und Ferienhäuser nicht die Essenz des Lebens sind und lernen, sich wieder aufzurappeln. In dieser Hinsicht leistet The Company Men seinen Beitrag, Angehörigen der zweiten Fraktion Mut zuzusprechen.

The Company Men - Presse-Spiegel bei film-zeit.de


The Company Men
R, B: John Wells
K: Roger Deakins
D: Ben Affleck, Tommy Lee Jones, Chris Cooper, Kevin Costner
USA 2010, 104 Min.
Senator Film
Kinostart: 07.07.2011
FSK 12

Fotos: Central Film

Quartett D'Amour - Liebe, wen du willst

von Isabelle Bastian, am 31.5.11

Quartett D’Amour. So der deutsche Titel des Films. Viererbeziehung. Die Übersteigerung der Menage à trois. Wer in Antony Cordiers Wettbewerbsbeitrag zu den 67. Filmfestspielen von Venedig assoziativ auf viel Sex und Drama schließt, der wartet. Und wartet.

Rachel (Marina Foïs) ist Schmuckdesignerin. Zu Beginn des Films betritt Vincent (Nicolas Duvauchelle) ihr Atelier, er soll Änderungsvorschläge an der Firmen-Homepage besprechen. Erste Komplimente werden ausgetauscht („Sie sollten modeln.“). Die Atmosphäre wirkt nicht erotisch aufgeladen, man plaudert einfach nur ganz offen. Vincent erzählt von seiner Frau Teri (Élodie Bouchez) und seinen Kindern, Rachel erwähnt in einem späteren Telefonat ihren Mann Franck (Roschdy Zem). Die beiden Ehepaare treffen sich, gehen was trinken, sitzen gemütlich im Garten. Später werden Franck und Teri im Wohnzimmer allein sein. Er wird ihren Nacken massieren und Teri dabei küssen. Er wird es Vincent und seiner Frau Rachel danach direkt erzählen. Keine heimliche Affäre beginnt, keine unterschwellige Erotik bei jedem Treffen der Vier, keine Heimlichkeiten, kein Drama. Stattdessen werden ganz einfach die Partner gegenseitig ausgeliehen, denn auch Rachel und Vincent fühlen sich zueinander hingezogen.

Am Anfang dieses Liebes-Quartetts ist alles offen. Erst nach und nach bilden sich Regeln heraus. Wie etwa, dass man in der Gegenwart des einen Partners nicht darüber redet, was mit dem anderen gelaufen ist. Doch wie es eigentlich immer kommen muss, wird die Order der perfekten Vierecksbeziehung nach und nach durch kleine Dissonanzen gestört. Vor allem die Kinder der Vier scheinen unter dem Treiben ihrer Eltern zu leiden, die sich auf ihre Art selbst wie erwachsene Kinder benehmen. Nach und nach scheint die Beziehung nicht mehr zu laufen, das Vierecksspiel muss beendet werden, es schafft nur keiner so richtig.

Doch so deutlich, wie es eben umrissen wurde, tritt das Wesen des Films, das Wesen seiner Figuren eigentlich nie zu Tage. Was macht dieses Viererquartett eigentlich aus? Warum geht man sexuelle Abenteuer ein, wenn man doch scheinbar alles hat im Leben? Ist es der Reiz des Verbotenen? Ist es unerfüllte Lust? Diese motivische Unklarheit liegt zum einen an der Inszenierung der Erotik. Alles ist irgendwie verspielt und leicht, so richtig konkret wird Cordier eigentlich nie. Die Erotik ist die des Andeutens, mal stützt sich Rachels Fuß auf Francks Oberschenkel ab, mal greift sich Vincent Teris Handy aus ihrer engen Hosentasche. Die einzige Annäherung an eine orgiastisch-rauschhafte Szene spielt sich im Landhaus von Rachels Vater ab, in der sich alle Vier nackt im Mehl suhlen und sich lieben. Dabei erinnern die nackten, staubigen Körper doch sehr an die Orgien-Szene in Michelangelo Antonionis Zabriskie Point, man hätte sich bei Quartett D’Amour an dieser Stelle auch gern Pink Floyds psychedelische Musikbegleitung dazu gewünscht, um wenigstens irgendeine Empfindung beim Sehen zu entwickeln. Und sei es nur, dass man die bizarre Schönheit der ineinander verschlungenen Körper bewundert. Stattdessen bleibt der Exzess eher harmlos verspielt und berührt einen weder ästhetisch noch emotional. Dies ist wirklich die essentielle Schwachstelle des Films: Die Empfindungslosigkeit gegenüber den Figuren. 

"Orgien"-Szene aus Quartett D'Amour

Filmisches Vorbild? "Orgien-Szene" aus Zabriskie Point

Cordier versucht, dem Zuschauer bereits zu Beginn ein gewisses Figuren-Verständnis zu transplantieren. In Voice-Overn erzählt Rachel sinngemäß zu Beginn des Films: „Jeder hofft, dass irgendetwas passiert, das für Abwechslung sorgt in seinem Leben.“ Das allein als Begründung wirkt zu glatt, zu einfallslos. Die Paare scheinen auch in der Zweierkonstellation mit sich selbst und mit ihrem Leben zufrieden zu sein. Trister Alltag, sexuelle Routine, nervige Kinder – dies alles konkretisiert Cordier nicht. Der Partnerwechsel vollzieht sich rasch, alle Vier bleiben dabei untereinander nett, höflich und freundlich. Wer auf sexuelle Obsessionen und Eifersuchtsszenen wartet, der wartet vergeblich. So plätschert der Plot vor sich hin. Eifersüchteleien blitzen mal mehr, mal weniger konkret auf, aber man geht nicht auf Konfrontationskurs. Eines Abends erzählt Rachel Teri von ihrer Eifersucht auf sie, mit dem Resultat, dass nun auch beide Frauen miteinander schlafen. Doch der explizite Sex wird wieder ausgespart und bleibt eine vage Imagination. Die einzige Sexszene, an der der Zuschauer detailliert teilhaben darf, spielt sich gegen Ende des Films zwischen Rachel und Vincent ab. Wenig liebevoll, sehr grob, ziemlich unschön anzusehen.

Man wartet eigentlich ständig auf den Big Bang. Irgendwie muss sich doch im Film etwas entzünden, nicht nur in den Figuren, sondern auch im Zuschauer. Doch das Ende der Viererbeziehung, das man so ja schon absehen konnte, kommt auch wieder schleichend, ohne den großen Knall, ohne die großen Emotionen. Hinterher fließen Tränen, in Voice-Overn wird erzählt, wie schwer es den Vier fällt, sich nicht mehr zu sehen, dass die Zeit zu viert das Schönste war, die ihnen in ihrem Leben widerfahren durfte. Doch man glaubt es ihnen nicht. Zu keiner Zeit hat man das Gefühl, bei dieser Liebesgeschichte entweder an etwas unglaublich Schönem, Berührendem oder Zartem teilzuhaben. Oder an etwas Obsessivem, Fesselndem, einer Amour Fou. Einen der beiden Wege einzuschlagen, das hätte dem Film gut getan. Für eine Weile wirkt Quartett D’Amour erfrischend in seiner kindlichen Leichtigkeit, mit der die vier Erwachsenen diese komplizierte Beziehungsform gestalten, ein französisch-frivoles Savoir Vivre schwingt in allem mit, getreu dem deutschen Untertitel des Films: „Liebe, wen du willst.“ Doch auf Dauer ist das leider zu wenig.

Quartett D’Amour – Pressespiegel auf film-zeit.de

Quartett D’Amour – Liebe, wen du willst / Happy Few
R: Antony Cordier
B: Antony Cordier, Julie Peyr
D: Marina Foïs, Élodie Bouchez, Roschdy Zem, Nicolas Duvauchelle
Frankreich 2010, 103 min.
Verleih: Atlas Film Home Entertainment
DVD-Veröffentlichung: 10.06.2011
Bildformat: 1.85:1 (16:9)
Sprache: Deutsch, Franzözisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Originaltrailer, Trailershow, Interviews mit den Darstellern, entfallene Szenen
FSK: 16

The Social Network

von Leander Ripchinsky, am 30.5.11


Hollywood muss es dann doch auch ein bisschen zu viel des Guten vorgekommen sein. Nachdem bei den diesjährigen Oscarnominierten für den besten Film die meisten auf realen Begebenheiten basierten, steht der diesjährige Mega-Blockbustersommer wieder eindeutig im Reich des Fiktiven. Freilich lässt sich in beiden Formen über den Ist-Zustand reden, in welcher besser, da scheiden sich die Geister. David Fincher ergründet im Mainstream Fragestellungen des zeitgenössischen amerikanischen Charakters und der Individualität hauptsächlich mit frei erfundenen Geschichten. Dazu macht er sich, mal mehr, mal weniger erfolgreich, amerikanische Subgenres zu nutze. Mit dem (Psycho-) Thriller erforschte Fincher Individualität und Freiheit (Fight Club), Moral und Sühne (Sieben), den schmalen Grat zwischen Spiel und Ernst, Vertrauen und Erpressung (The Game) und Mechanismen der Angst (Panic Room, Alien 3). Die letzten beiden sind genretechnisch besonders interessant, weil sie auch Variationen des Gefängnisfilms sind, dabei aber vom Eingeschlossensein im eigenen Bewusstsein handeln. Dieses Motiv lässt sich nicht nur auch bei The Social Network leicht herausarbeiten, sondern ist ein Hauptmotiv aller Filme von Fincher. So sehr man dem Gesamtwerk des Regisseurs gespalten gegenüber stehen kann, dass es ihm kontinuierlich gelingt finanziell erfolgreich den Nerv der (Medien-) Zeit zu treffen, bleibt unbestritten.

Möglicherweise lag der Erfolg von The Social Network weniger an der Machart des Films, sondern eher an der Geschichte, die er erzählt. Die passende Hintergrundgeschichte zum Phänomen Facebook, das in aller Munde und im Alltag angekommen ist. Die Genredramaturgie orientiert sich wie schon in Der seltsame Fall des Benjamin Button an den biografischen Bedürfnissen des Protagonisten. Damit verwendet Fincher Versatzstücke des Biopics. Unterlaufen wird das Genre in gewisser Weise dadurch, dass es sich bei Facebook-Gründer Mark Zuckerberg um eine noch junge, lebende und aktuelle Persönlichkeit handelt. Ein Medienstar, der absolut keiner ist und erst durch die Darstellung Jesse Eisenbergs zu einem gemacht wurde. Das Buch der Gesichter bekommt ein Gesicht. Dadurch funktioniert der Film in der nicht-fiktionalen Welt ein wenig wie Facebook-Phänomene selbst. Event benötigt? Hype es dir selbst! Durch die enorme Resonanz des Films beantwortet sich die Welt die Fragen nach Freundschaft und dem Wert von „I-Likes“ ein wenig von selbst. Mit Blick auf den Film selbst muss man leider feststellen, dass das was der Film außerdiegetisch auslöst und der Charakter von dem er handelt interessanter ist, als die 121 Filmminuten selbst.

Trotz seiner packenden Geschichte, seinen Akteuren mit Wiedererkennungswert, seiner intelligenten Dramaturgie, seiner aktuellen Thematik und Wirkungen reicht The Social Network nicht an die stärkeren Werke des Regisseurs heran. Fincher gelingt es nicht dem Zuschauer die Psyche seines kauzigen Protagonisten transparent zu machen. Es bleibt bei Blicken auf die smarte und coole Fassade, die Zuckerberg für sich errichtet. Die kausalen Zusammenhänge, die backstory wound, fallen selbst für Hollywood-Verhältnisse sehr simpel aus. Der Regisseur versäumt es aber vor allem völlig, eine filmische (diegetische) Darstellung für das Phänomen Facebook oder gar das globale Phänomen Internet zu finden. Geschichten, die unweigerlich mit dem neuen Medium verbunden sind, tun sich im Mainstream im Finden eines individuellen Stils relativ schwer. Zwar ist das Internet auch nur ein Medium und erst die Inhalte entscheiden über die Relevanz, aber die Geschwindigkeit, die Gleichzeitigkeit und im Fall von Facebook die Neuartigkeit des „Image Managements“ für den Otto-Normal-Studenten lassen sich durch konventionelle Darstellung kaum würdig visualisieren. Gerade die Relevanz, die die digitale Kontakt- und Profilpflege einnimmt, verlangt nach anders erzählten Geschichten. Gerade weil Fincher es in Fight Club und Sieben durchaus gelingt die Dramaturgien mit dem visuellen Konzept sinnvoll zu ergänzen, darf man diesen Erwartungsmaßstab anlegen. Der aalglatte Schein der Figur Mark Zuckerberg wird zwar auf die Optik übertragen, jedoch nicht reflektiert. Einige schicke Zeitlupen und vorausdeutende bildlich ausgedrückte Metaphern machen noch keinen Kultfilm aus.

In den letzten Jahren gab es bei anderen Regisseuren durchaus einige interessante Lösungsvorschläge zur Darstellung von Internet-Phänomenen, beziehungsweise globaler Interaktivität. Noch vor der Jahrtausendwende fand Ferrara im Cyberpunk einen Ausdruck für die globale Zerrissenheit des Menschen und die damit einhergehenden Bedeutungs- und Werteveränderungen. Auch in Bezug auf Image und die Frage nach der eigentlichen Identität beim Ausleben einer Fassade wurde Christopher Walken in New Rose Hotel wesentlich vielsagender inszeniert als Jesse Eisenberg. Ins letzte Kinojahr zurückblickend findet man neben dem nicht gelungenen 8th Wonderland noch Carlos. Assayas, ohne Frage ein Meister des Kinos über globales Leben, nimmt sich mit dem Terrorismus ein ebenso raumgreifendes Thema vor. Dabei zeigt er ein präzises Gefühl für die jeweils herrschenden Atmosphären seiner wechselnden Szenen, während die Milieus und Figuren bei Fincher wie kalte Figuren in einem wohlgeplanten Schachspiel scheinen. Bei der Darstellung seiner Terroristen nutzt Assayas ebenso Klischees wie Fincher für seine Nerds und verwöhnten Elitestudenten. Der Franzose zeigt aber gleichzeitig, woraus die Klischees erwachsen und die wohlkalkulierte Angst, die sie verbreiten. Sicherlich sind die Ängste der Figur Zuckerberg weiter nach innen gerichtet als bei den Terroristen, im Hollywoodstreifen wird diese Furcht aber nicht spürbar. Fincher verfällt zu sehr dem Reiz und Charme des frechen Genies, ohne dabei zu entlarven wie der Leviathan Facebook größer wird, als ein Einzelner es kontrollieren könnte. Das erschaffene Monster findet zu keiner sichtbaren Form, seine Zerstörung beschränkt sich auf die Freundschaft zwischen Mark Zuckerberg und seinem besten Freund und Facebook-Mitbegründer Saverin. Dass Werte wie Freundschaft, beziehungsweise Friedlichkeit (filmisch) durch das Internet zerstört werden, sollte für Cineasten mit der Kenntnis über bessere Filme wie etwa Demonlover, ebenfalls von Assayas, nichts Neues mehr sein.

The Social Network - Pressespiegel bei film-zeit.de

The Social Network

R.: David Fincher
B: Aaron Sorkin
D.: Jesse Eisenberg, Andrew Garfield, Justin Timberlake, Brenda Song, Rashida Jones, Joseph Mazzello, Rooney Mara, Malese Jow, Armie Hammer, Max Minghella
USA 2010, 121 Min.
Sony Pictures Home Entertainment
Veröffentlichung: 10. März 2011
Bildformat: 16:9
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1),
Türkisch (Dolby Surround)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch

Yuki & Nina: ab 16.06. in den deutschen Kinos

von Kim Schönenberg, am 30.5.11


Am Donnerstag, dem 16.06., startet der japanisch-französische Film Yuki & Nina (2009) des Peripher Filmverleihs in ausgewählten Kinos in Deutschland. Der Film erzählt die Geschichte zweier Mädchen, den besten Freundinnen Yuki (Noe Sampy) und Nina (Arielle Moutel). Als sich Yukis Eltern trennen, soll Yuki mit ihrer Mutter Jun (Tsuyu Shimizu) nach Japan ziehen. Die zwei Freundinnen überlegen, wie die Trennung zu verhindern sei und versuchen sogar, sich mit einem Brief der "Liebesfee" zu helfen. Schließlich kommen die beiden zu dem Entschluss, Reißaus zu nehmen und sich im Wald zu verstecken.

Die beiden Regisseure und Drehbuchautoren Hippolyte Girardot (Stilles Chaos, Lady Chatterley) und Nobuhiro Suwa (Ein perfektes Paar) schildern mit Liebe zum Detail die kleine und doch manchmal so viel größere magische Welt zweier Mädchen. Von den Erwachsenen ins Wanken gebracht, lassen sie sich dennoch nicht ihre Fähigkeit nehmen, zu träumen, sich im Spiel zu verlieren und an das Gute glauben zu können.




Yuki & Nina
R, B: Hippolyte Girardot, Nobuhiro Suwa
K: Josée Deshaies
D: Noe Sampy, Arielle Moutel, Tsuyu Shimizu, Hippolyte Girardot, Marilyne Canto, Jean-Paul Girardot, Koko Mori
Japan / Frankreich 2009, 92 Min
Peripher Filmverleih
www.peripherfilm.de

Essential Killing

von Markus Hauschild, am 30.5.11

Kein Wort, kein Name. Der Protagonist von Essential Killing, Eröffnungsfilm des goEast Filmfestivals 2011, ist ein Taliban, der den ganzen Film über bis zum Abspann anonym bleibt, alles was wir von ihm erfahren, geschieht über Bilder, denn er spricht keinen einzigen Satz. Das ist auch gar nicht nötig, denn es geht um animalische Instinkte, die in Extremsituationen zum Vorschein kommen, wenn es heißt: Töten oder getötet werden. Das war dem polnischen Regisseur Jerzy Skolimowski in seinem Werk wichtig, der laut eigenen Aussagen mit Essential Killing keine gezielt politische Aussage zum Ausdruck bringen wollte. Doch ist es nicht schon allein ein politisches Statement, einen Taliban in den Mittelpunkt eines Films zu stellen, der das Mitgefühl des Zuschauers auf seiner Seite hat?

Drei amerikanische Soldaten tötet Mohammed (Vincent Gallo), die ihn in einer afghanischen Felsenschlucht in die Ecke gedrängt haben. Die Flucht gelingt dem Taliban nicht, er wird gefangen genommen, eingesperrt und zusammengeschlagen. Als Mohammed nach Osteuropa transportiert wird, geschieht ein Unfall, der Afghane kann sich befreien und sich in die schneebedeckten Wälder retten. Nun muss er sich in der eisigen Wildnis beweisen, in der er gegen Hunger, Kälte und seine Verfolger ankämpfen muss.

Die Ankunft im Gefangenenlager erleben wir aus Mohammeds Perspektive: Nur wenig kann er durch die engen Schlitze des Sacks erkennen, der ihm über den Kopf gezogen wurde, sein Gehör ist noch durch die Explosion eines Sprengkörpers betäubt. Bevor er in eine Zelle gesperrt wird, verprügelt ihn einer der Amerikaner. Folter bleibt dem Afghanen erspart, im Gegensatz zu einem Mithäftling, der mit Wasser bis kurz vors Ersticken gequält wird. Bei diesen Szenen, die die menschenunwürdige Behandlung in amerikanischen Kriegsgefangenenlagern zeigen, kann man einen politischen Unterton nicht verleugnen. Skolimowski hält allerdings dagegen, er sieht das gefährdet, worauf er thematisch am meisten Wert gelegt hat: den Kampf ums Überleben mit allen Mitteln. Mohammed ist allein in einem fremden Land und wird gejagt. In den unwirtlichen Wäldern herrscht Winter, dessen unfassbare Kälte er nicht gewöhnt ist, dementsprechend fällt auch die Nahrungssuche unfassbar schwer. Einige Ameisen und etwas Baumrinde reichen zunächst zum Überleben, doch nicht lange. Der Film zeigt hier eine schockierende Situation, in der Mohammed von einer Frau mit Säugling fordert, ihm die Brust zu geben. Es ist dieser Moment, an dem der Film am Eindrucksvollsten zeigt, was ein Mensch alles tun würde, um zu überleben.

Die Morde, die der Taliban begeht, scheinen von Mal zu Mal unbegründeter. Zu Beginn wird er von den Soldaten in die Enge getrieben, es bleibt ihm keine Wahl, entweder er oder sie. Doch mit fortschreitendem Hunger und Schlafmangel entsteht Paranoia. Als Mohammed im Wald von einem Holzfäller entdeckt wird, greift er ihn an, obwohl er ohne Weiteres hätte fliehen können. Auch hier beweist das Drehbuch von Skolimowski und Ewa Piaskowska psychologisches Einfühlungsvermögen, indem es das schwindende Urteilsvermögen des Gejagten beachtet. Die körperliche Erschöpfung lässt auch Mohammeds Gedanken schweifen. So geben uns bruchstückhafte Bilder den einzigen Anhaltspunkt seiner Vergangenheit: Eine Stimme liest Verse des Korans, spricht davon, dass für Allah gekämpft werden muss. Wir sehen eine verschleierte Frau, die auch in den Visionen erscheint, die dem Afghanen zuteil werden, als er unwissentlich zu den falschen Beeren greift. Mehr erfahren wir nicht über den bärtigen Mann, zum Glück, denn auf diese Weise steht nicht Mohammeds Herkunft im Mittelpunkt, sondern seine Menschlichkeit, die er im Laufe von Essential Killing immer mehr aufgeben muss, um nicht zu sterben. So rückt der politische Unterton, der Unterschied zwischen den Nationalitäten und Kulturen, immer weiter in den Hintergrund. Nicht umsonst führt das Drehbuch den Afghanen auf seiner letzten Station in das Haus einer stummen Frau. Selbst wenn Mohammed ihre Landessprache beherrschen würde, könnte er sich mit ihr nicht besser verständigen, das Wort wird nun endgültig überflüssig. Denn zum Überleben braucht man die Sprache nicht.

Die letzten Augenblicke von Essential Killing beweisen noch einmal die Intelligenz des Films, sowie seine visuelle Aussagekraft. Auf einem weißen Pferd versucht sich Mohammed Hilfe zu suchen, denn er ist dem Verbluten nahe. In der nächsten Einstellung ist das Tier nur noch alleine zu sehen, blutbesudelt, auf einem schneebedeckten Hügel. Dieses Bild deutet nicht nur auf subtile Weise auf den Tod hin, sondern steht stellvertretend für den Protagonisten, der sich durch seine Taten schuldig gemacht hat. Das Töten war zwar essentiell für sein Überleben - Trotzdem kann es niemals der richtige Weg sein.

Essential Killing - Kritik von Ciprian David anlässlich der Vorstellung bei goEast 2011
Essential Killing - Pressespiegel auf film-zeit.de


Essential Killing
R: Jerzy Skolimowski
B: Jerzy Skolimowski, Ewa Piaskowska
K: Adam Sikora
D: Vincent Gallo, Emmanuelle Seigner, Zach Cohen
Polen/Norwegen/Irland/Ungarn 2010, 87 Min.
Ascot Elite
Veröffentlichung: 07.06.2011
Bildformat: 1.78:1
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Trailer
FSK 16

Text: NEGATIV / Fotos: Ascot Elite

Die Frau die singt - Das Familiendrama ab 23.06. im Kino

von Kim Schönenberg, am 30.5.11


Vor dem Hintergrund des Bürgerkriegs im Nahen Osten erschüttert das Schicksal der eigenen Mutter in Die Frau die singt - Incendies die Geschwister Jeanne (Mélissa Désormeaux-Poulin) und Simon (Maxim Gaudette). Ber der Eröffnung des Testaments der Mutter Nawal (Lubna Azabal) bekommen die beiden zwei Briefe ausgehändigt, allerdings nicht an sie gerichtet, sondern an den tot geglaubten Vater und den Bruder, von dessen Existenz Jeanne und Simon bis dato nichts wussten. Auf den Spuren der Vergangenheit Nawals, die sich die letzten fünf Jahre ihres Lebens in rätselhaftes Schweigen hüllte, reisen Jeanne und Simon in den Nahen Osten. Sie stoßen auf Ablenung, Hass, rohe Gewalt - und das tragische Schicksal ihrer eigenen Mutter.

Das erfolgreiche Theaterstück Incendies von Wajdi Mouawad wurde vom kanadischen Regisseur Denis Villeneuve zu einer bewegenden Erzählung und persönlichen Dokumentation des Bürgerkriegs verfilmt. Der Film läuft ab 23.06. unter dem Arsenal Filmverleih in den deutschen Kinos.

Die Frau die singt - Incendies - Pressespiegel auf film-zeit.de



Incendies - Die Frau die singt
R: Denis Villeneuve
B: Denis Villeneuve, Wajdi Mouawad, Valérie Beaugrand-Champagne
K: André Turpin
D: Lubna Azabal, Mélissa Désormeaux-Poulin, Maxim Gaudette, Rémy Girard, Abdelghafour Elaaziz
Kanada/Frankreich 2010, 130 Min
FSK 0
Arsenal Filmverleih
www.arsenalfilm.de




Bild: Arsenalfilm

Frankfurt: Im Angesicht des Verbrechens in der Pupille

von Kim Schönenberg, am 30.5.11


Die zehnteilige ARD-Serie Im Angesicht des Verbrechens feierte ihre Premiere auf der Berlinale 2010. Sie wurde als "Bester Mehrteiler" mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. Das Epos des Regisseurs Dominik Graf versucht eine möglichst naturgetreue, detailreiche Zeichnung des komplexen Geflechts aus Polizei, Verbrechen und Familie, welche sich aus den vielen verschiedenen Handlungssträngen der Serie zusammensetzt. Morgen, 31.05., und Dienstag, 01.06., präsentiert die Pupille der Goethe-Universität in Frankfurt/Main die Kriminalreihe in zwei Teilen, am Mittwoch gibt es noch eine Einführung des Graf-Experten Dr. Felix Lenz.

Die Russenmafia erlangt die Überhand in der Berliner Unterwelt. Illegaler Menschen- und Zigarettenhandel, Zwangsprostitution - Der russische "Pate" Mischa (Mišel Matičević) hat sich einen Namen gemacht. Doch der Emporkömmling Andrej (Mark Ivanir) scheint für ihn zunehmend eine Konkurrenz darzustellen. Parallel zu dem sich entfaltenden Bandenkrieg lernen wir das Polizisten-Duo Marek Gorsky (Max Riemelt) und Sven Lottner (Ronald Zehrfeld) kennen, die versuchen, die Drahtzieher hinter den Verbrechen hinter Schloss und Riegel zu bringen. Gorsky ist Sohn lettisch-jüdischer Einwanderer, sein Bruder ist vor zehn Jahren einem bislang ungeklärten Verbrechen zum Opfer gefallen und seine Schwester Stella (Marie Bäumer) ist mit Mischa verheiratet - Er steht zwischen den Fronten. Bei ihrer Suche nach dem flüchtigen Mafioso Sokolov (Georgii Povolotskyi) treffen die beiden Polizisten Gorsky und Lottner auf Jelena (Alina Levshin) und Swetlana (Katja Nesytowa), Zwangsprostituierte ukrainischen Ursprungs. Eine Liebesgeschichte zwischen Jelena und Gorsky bahnt sich an. Gleichzeitig geraten Lottner und Gorsky mit zwei korrupten LKA-Beamten aneinander.

Als roter Faden dieses Vier-Fronten-Krieges zeichnet sich die Suche nach dem Mörder von Gorskys Bruder sowie die Ermittlungen gegen die Mafia ab. Bezeichnend für die Serie sind vor allem die detailgenauen Milieuzeichnungen der neureichen russischen Lebensart, der dazu konträren Schicksale der Opfer der Mafia und die Landschaften Weißrusslands und der Ukraine auf der einen, der kleinbürgerlichen Welt der Berliner Ermittler auf der anderen Seite. Nach sehr guten Kritiken zur Premiere und einer erfolgreichen Uraufführung bei Arte erzielte die Serie schließlich bei der ARD eher enttäuschende Ergebnisse. Nun werden die zehn Teile, in zwei Blöcken zusammengenommen, von der Pupille an der Universität Frankfurt/Main ins Programm aufgenommen, um die Gelegenheit zu bieten, die hochgelobte Serie noch einmal im Zusammenhang erleben zu können.

Bild: Ascot Elite Home Entertainment

The Hobbit: Peter Jackson beantwortet Fan-Fragen

von Svenja Kalibabky, am 30.5.11


Nachdem Herr der Ringe-Regisseur Peter Jackson über seinen Facebook-Account bekannt gegeben hat, 20 Fanfragen zu seinen kommenden The Hobbit-Verfilmungen zu beantworten, kam nun die erste Antwort:


Auf die Frage, ob in The Hobbit auch der Weiße Rat und der Angriff auf Dol Guldur dargestellt werden würde, gab Peter Jackson zu verstehen, dass beides im Film vorkommen werde. Die filmische Umsetzung sei eine Herausforderung, aber dank der vielen Ideen von Alan Lee und John Howe aus dem Art Department keine unmögliche. Auch konnte er sich einen Scherz nicht verkneifen und verwies auf ein besonderes erstes Foto von Gandalf, Elrond und Galadriel.
I'm not going to say just what and when, but I will confirm that both the White Council and Dol Guldur will feature in the movies. And not just in one scene either. Just how to visualise it has been a challenge, but fortunately Alan Lee and John Howe went crazy with ideas, and it should look pretty cool.

In fact to celebrate the start of these 20 questions, I'll show you an exclusive photo of the White Council planning the attack on Dol Guldur! Even if you don't want to be hit with spoilers, you should still take a look. For the first image of Gandalf, Elrond and Galadriel brandishing an array of fearsome Elvish weapons, CLICK HERE!

Another question soon...

Cheers,

Peter J

The Hobbit 1 und 2 werden voraussichtlich im Dezember 2012 und 2013 in den Kinos gezeigt.

Foto: Natasha Baucas

Bulletstorm

von Ciprian David, am 30.5.11

Inwiefern sind Filme geeignet, als Videospiele adaptiert zu werden? Und umgekehrt? Dieses Thema ist eine der zentralen langwierigen Debatten der letzten Jahre in der Welt der Videospiele. Bulletstorm ignoriert diese Debatte und stellt eine neue Frage auf: Habt ihr je Lust gehabt, einen Science-Fiction B-Movie als Spiel zu erleben? Die Antworten aus dem People can Fly Studio sind in diesem Kontext natürlich verfänglich, doch einige bemerkenswerte Aspekte kommen dabei heraus.

Diesen Film möchte man nicht unbedingt sehen. Eine rohe und sehr dröge Hommage an das Genre lädt in eine - vor allem verbal - schonungslose Welt von Söldnern ein, die mehr oder weniger obskure Mordaufträge auf unterschiedlichen Planeten erledigen. Weniger als zehn Minuten nach dem Spielanfang wird in wenigen Zeilen ein Konflikt zwischen Söldnern und Auftraggeber entfacht, woraufhin die streng lineare Geschichte eines, wie eine Stafette zwischen den Figuren weitergegebenes Rachemotivs aufgebaut wird.

Diese Figur möchte man nicht unbedingt spielen. Denn in erster Linie ist Grayson Hunt ein dummer, arroganter Alkoholiker, der optisch ein Kuriosum für die Altersgruppe der Bravo-Leser ausmacht, weiterhin aber nichts. Freundschaft, Kameradschaft oder der schiere Wunsch zu Überleben reihen sich im Verlauf des Spiels als Motivationsfaktoren zur Fortsetzung des Geschehens aneinander, ohne je überzeugend zu wirken. In dieser Hinsicht aber ist Bulletstorm ein Film, und man muss es hinnehmen: Diese Figur gilt es zu spielen, so wie sie vorgestellt wird, und das wird dann auch gemacht. Der Mangel an Identifikationspotenzial zieht sich fast stringent bis zum Ende hindurch, trotz pathetischer Erlebnisse mit Waffenkamerad Cyborg Ishii und trotz der aufkeimenden Freundschaft mit der weiblichen Figur Trishka, denn beides bleibt fade und unmotiviert. Eine erhellende Ironie entsteht stellenweise durch die Tatsache, dass die einzigen Identifikationsmomente mit dem Avatar als Ergebnis von Beleidigungen entstehen, die dieser über sich ergehen lassen muss.

Die Spannung entsteht zwar nur in kleinem Maß auf der filmischen Ebene des Spiels, dennoch sollte sie erwähnt werden, zumal sie immer nach demselben Prinzip erzeugt wird: Unsicherheit. Ishii, dessen Funktionalität von einigen Ersatzteilen eines Gegner-Roboters gesichert wird, pendelt in seiner Anhängerschaft zwischen den zwei Parteien im Spiel, zwar immer schlecht und unnötig pathetisch umgesetzt, dennoch wirksam. Die Beziehung des Avatars zu Trishka ist ebenfalls keine einfache, denn ihr Vater wurde von dessen Söldnertrupp, allerdings im Unwissen um seine Identität, ermordet.

Möchte man dieses Spiel spielen? Strukturell unterscheidet sich Bulletstorm sehr wenig von dem einfachen Aufbau von Plattformspielen, wie es sie vor zwanzig Jahren gab. Gepaart mit der ebenso groben Handlung, muss dies definitiv ausgeglichen werden. Und dabei setzen die Macher auf zwei Elemente: Die Gestaltung der Spielwelt und eine revolutionäre Herangehensweise an das Shooter-Genre. Denn trotz der Linearität lässt Bulletstorm vor den, von unzähligen Gegnern abgelenkten Spieleraugen beeindruckende Ruinenlandschaften vorbeiziehen. Allzugerne würde man immer wieder anhalten, um die abwechslungsreiche und detailliert gestaltete Umwelt zu bewundern, doch ein temporeicher Rhythmus wird schon in der ersten Stunde dermaßen prägnant geprägt, das dies, auch wenn technisch möglich, nicht ausgenutzt wird. So wird alles mit derselben Geschwindigkeit gescannt statt erkundet, mit der ein Michael Bay seine Untergangsszenarios vorstellt, und bleibt somit ein oberflächlicher, ungestillter visueller Reiz.

Was dann doch ganz speziell wird, ist das Töten. Bulletstorm baut auf einem Skillsystem auf, das das kreative Töten der Gegner abfordert. Ob sie nun gegen spitze Objekte aus der Umgebung getreten werden, oder in die Luft befördert, um danach angeschossen zu werden, aus Hubschraubern mit einer Energie-Peitsche herausgezerrt oder von hohen Plattformen geschleudert werden - die Angewiesenheit des Spielers auf sämtliche verfügbaren Waffenarten ist für die Mehrheit der Kampfsituationen aufgehoben. So kann man sich entscheiden, auf die Waffen fast gänzlich zu verzichten, und sich stattdessen die Umgebung als Waffe anzueignen, sich immer neu dem Raum anzupassen, diesen aus der Perspektive der Funktionalität als Waffe wahrzunehmen und zu benützen. Doch auch das wird repetitiv, bemüht man sich nicht stetig, einen Gegner auf die komischste Weise zu erledigen, sodass man immer wieder gerne die Spielgeschwindigkeit mit Hilfe des Scharfschützengewehrs runter schraubt, um mit den steuerbaren abgeschossenen Kugeln die wahnsinnig schnellen Gegner in Zeitlupe zu jagen.

Unterstützt wird man bei alldem von den zwei obengenannten Teammitgliedern, die, nimmt man sich die Zeit sie im Kampf zu beobachten, keine weitere Rolle als Attrappen besitzen und dafür sorgen, dass nicht alle Gegner den eigenen Avatar angreifen. Minutenlang wechseln sie Feuer mit den Gegnern und brechen die Immersion, indem sie den Kampf so gut wie nie vorantreiben.

Was übrig bleibt nach der Geschichte ist der Echo-Modus, eine Apologie der Zahlen, des schnellen und kreativen Tötens der Gegner in diversen Karten als Wettlauf gegen die Zeit. Und auch wenn die bekanntlich um einige Skills und körperliche Grausamkeiten zensierte deutsche Version des Spiels während des Kampagnenmodus nicht allzu sehr unter der Zensur zu leiden scheint, solange einen die sich auflösenden Gegner nicht stören, gibt es bei den Echos zu wenig Abwechslung, als dass man Zeit damit verbringt.





Bulletstorm
Entwickler: People can Fly, Epic Games
Publisher: EA
Plattformen: XBox, PS3, PC

Camp Armadillo

von Ciprian David, am 30.5.11


Fliegende Hubschrauber begleitet von einer stilisierten Tonspur, marschierende Soldaten im idyllischen Nebel der Morgendämmerung, Panzer auf einer Horizontlinie - diese Bilder und die Sehnsucht nach Teamgeist, nach einer Gemeinschaft verführen die jungen dänischen Soldaten dazu, in den Krieg zu ziehen, nach Afghanistan, ins Camp Armadillo.

Sechs Monate lang werden sie bei ihren Patrouillen und in ihrem Alltag von einer außergewöhnlich intimitätsstiftenden Kamera begleitet, bei ihrer Suche nach diesen erträumten Situationen, nach dem Thrill des Krieges. Stattdessen: Langeweile. Macho-Getue. Versuchte Diplomatie mit den Einwohnern, mit den unschuldigen Menschen zwischen ISAF und den Taliban, mit diesen Leidenden. Aussichtslosigkeit in Hinblick auf eine Lösung des Konflikts. Orientierungslosigkeit, Unmöglichkeit, zwischen Einheimischen und Taliban zu unterscheiden. Egoshooter als einzige Form, zum Gefecht zu finden. Beeindruckend wird eine virtuelle Granate über einen Match-Cut mit einer Explosion in der Wirklichkeit verbunden. Ein protokolliertes Leben, von morgens bis abends, jeden Tag gleich.

Und dann passiert es: Ein Gefecht. Es wird geschossen, die Kamera immer dicht dran an den inzwischen zu Männern werdenden Soldaten, orientierungslos wie diese. Verletzte, Feuer aus den eigenen Reihen. Eine Granate. Vier verletzte Taliban, sie werden alle erschossen. Auf diesen Hinrichtungsmoment läuft der Film zu, auf dieses Ende einer monatelangen Suche, auf eine extreme Situation, in welcher Ethik keinen Raum mehr hat.

Und das Gefühl, das Erlebte? Erst im Nachhinein. Als Erinnerung, gedehnt in wiederholten Erzählungen entsteht Orientierung, entsteht eine emotionale Verbindung zum Erlebten, entsteht das Erlebte. So wie davor, in der Vorstellung, doch diesmal als etwas Eigenes. Die meisten von den Soldaten wollen nach dem sechsmonatigen Einsatz zurückkehren - nach Armadillo.

Immer bei der Gruppe war Regisseur Janus Metz Pedersen, zusammen mit seinem Kameramann Lars Skree. So unvorstellbar wie diese Nähe zum Kriegsgeschehen, zum Militär in anderen Ländern ist, so akkurat und unbeteiligt portraitiert der Regisseur in seinem Dokumentarfilm die Faszination sowie die Abgründe des Krieges, zwischen den leuchtenden Augen der Soldaten, den onirischen Bildern und den verwackelten Bildern der Extremsituationen. Camp Armadillo löste heftige politische Diskussionen aus in Dänemark, eben weil er so ungefiltert ehrlich ist. So ehrlich, dass ein weiterer Film dieser Art schwer vorstellbar ist.

Camp Armadillo - Pressespiegel bei film-zeit.de



Camp Armadillo / Armadillo
R: Janus Metz Pedersen
B: (Idee) Kasper Torsting
K: Lars Skree
Denmark, 2010, 106 Min.
Ascot Elite
Veröffentlichung: 10.05.2011
Bildformat: 1,85:1 (16:9) HD
Sprache: DTS-HD Dänisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch
FSK: 16
Extras: Trailershow

 

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