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MySpace für 35 Millionen Dollar verkauft | Google+ am Horizont

von Ciprian David, am 30.6.11

Schon seit geräumiger Zeit war die Social Community MySpace nicht mehr in den Medien. Umso alarmierender ist der Anlass für die letzte Welle: MySpace, vor sechs Jahre noch knapp 600 Millionen Dollar wert, wird nun von Rupert Murdochs News Group für knapp über fünf Prozent dieses Wertes weiterverkauft.

Nach der Gründung von Facebook verschwand die Community immer mehr aus der Öffentlichkeit und wurde hauptsächlich im Zusammenhang mit einigen Wellen von Personalkürzungen erwähnt. Nun ist es definitiv soweit - die Inhaber verabschieden sich von der unprofitablen Plattform.

Die Käufer sind eine wenig bekannte Marketing Firma aus Kalifornien, Specific Media, und der Musiker und Schauspieler Justin Timberlake. Der neue Kurs, der gefahren werden soll, löst sich von einer Konkurrenz mit Facebook, und versucht eine hybride Position zweschen Youtube und Netflix für die Musikbranche zu erhalten: MySpace soll zu einem Ort werden, wo Musikvideos und Shows gestreamt werden, wo Fans in den Dialog mit ihren Musik-Idolen treten können.

Ein Relaunch einer bereits von einem gewissen Image geplagten Community wird warscheinlich nicht einfach sein. Die Strategie, die Musiksparte jedoch online groß zu vertreten, könnte allerdings vielleicht Zukunft haben, zumindest soweit sich die Nutzer in ihrer Mentalität nicht von solchen Orte verabschiedet haben und eine Allzweck-Plattform wie Facebook bevorzugen.





Ironischerweise findet der Verkauf von MySpace zeitgleich mit der Entstehung eines sozialen Netzwerks statt. Google+ ist der Versuch des Internetgiganten, Facebook Konkurrenz zu machen, indem, zusätzlich zu den neuen Vernetzungsfunktionen, die in allen Google-Angeboten in den letzten Tagen implementiert wurden, die Möglichkeit angeboten wird, mit den eigenen Kontakten auf einer Plattform über mehrere Dienste in Verbindung zu bleiben.

Da gibt es die Circles, ähnlich zu den neuen Facebook Groups, in welchen man seine Kontakte gruppieren kann, die Sparks, wo der Tausch von multimedialen Inhalte mit den Bekannten über selbstdefinierte Interessensgebiete erfolgen kann, die Hangouts als eine Gruppen-Videochat-Funktion, das Instant upload, wodurch über Smartphones aufgenommene Inhalte in Google+ hochgeladen werden und das Huddle, ein auf den in den Circles definierten Gruppen von Kontakten basierendes Chatsystem.

Nachdem Wave und Buzz wenig erfolgreich waren, stellt sich natürlich die Frage, ob Google+ (dessen Facebook-Like-Pendant, +1, bereits in der Suchmaschine eingebaut wurde) es schaffen wird, Facebook ernsthaft Konkurrenz zu machen. Google, im Unterschied zu Facebook, funktioniert überhaupt nach einem Prinzip der Ubiquität, das die Idee eines konkreten  Ortes ausgeschlossen hat, so dass eine kulturell geprägte Schwelle im Umgang mit dem neuen Dienst zunächst zu überwinden ist. Außerdem hat Facebook den Vorteil, dass es integrativ konzipiert ist, dass alle Dienste in direkter Verbindung mit der eigenen Pinnwand stehen, während Google bisher auf eine Pluralität setzte, in welcher viele Nutzer überhaupt einen verbindenden Überblick zwischen beispielsweise YouTube, Gmail, Kalender, Buzz, Chat, Maps usw. verloren haben. Dies soll nun durch diesen Fokus auf Personen in Google Mail und durch die +1 Funktion beseitigt werden.

Indonesiens Kinopublikum muss auf Hollywood-Blockbuster verzichten

von Dennis Vetter, am 30.6.11

Aufgrund eines Steuerstreits zwischen der indonesischen Regierung und den dortigen Vertriebsfirmen von Hollywood-Produktionen sind bereits seit Mitte Februar keine US-Blockbuster mehr in dortigen Kinos zu sehen. Die Regierung wirft den Konzernen vor, über Jahre hinweg Steuern geprellt zu haben und nun mit mehreren Millionen US-Dollar im Zahlungsrückstand zu sein, die rückwirkend eingefordert werden sollen.

Grund hierfür ist eine im Januar neu eingeführte Steuerregelung, die fatale Konsequenzen hätte, aufgrund der anhaltenden Verhandlungen jedoch noch imemr nicht in Kraft treten konnte. Aussagen der Regierung zufolge sei diese Regelung zum Schutz der einheimischen Filmindustrie vor der US-Konkurrenz gedacht. Allein die Ankündigung der Neuregelung führte jedoch dazu, dass auf Beschluss der Motin Picture Association of America (MPAA) hin Paramount Pictures, Sony Pictures Entertainment, Walt Disney Pictures, Twentieth Century Fox Film, Warner Bros. Pictures und Universal Pictures schlichtweg ihre komplette Lieferung verweigerten und somit nun die gesamte Indonesische Kinoindustrie existenziell bedroht ist.

Für die 237 Millionen Einwohner des Landes bedeutet das seit Monaten, neben wenigen Hollywood B-Titeln wie Beastly, Scream 4 oder Limitless vor allem auf einheimische Produktionen angewiesen zu sein, die sich leider oft etwas missglückt zeigen. Bei den thematisch sehr limiterten und dramaturgisch oft mäßig gelösten Streifen, bleiben nach Aussagen des Publikums große Kinoerlebnisse eher verwehrt, das Interesse am Kinobesuch erlischt oftmals schon bei der Betrachtung der Poster. Für Kinobetreiber und deren Angestellte ist dies vernichtend: Umsatzeinbußen von bis zu 70 Prozent gefährden ernsthaft deren Existenz, hinzu kommt eine wachsende Bedrohung durch den derzeit intensiv florierenden Schwarzmarkt, der die Entzugserscheindungen de Publikums aus dunklen Quellen mit kopierten DVDs bedient.

Eine Abänderung des Steuerbeschlusses ist vorraussichtlich nicht vor Ende des Sommers zu erwarten und lässt somit schwer zu kompensierende Folgen für die Zukunft von Indonesiens Kinolandschaft befürchten. Die Regierung, bereits bekannt für einige absurde Steuerentscheidungen der letzten Jahre, scheint zumindest nur schleichend in Gang zu kommen und sich nicht um eine zügige Aussöhnung zu bemühen. In der Bevölkerung werden Anklagen und Hilfeschreie laut, unter anderem in Form von Websites wie dem Blog http://indonesianmoviecrisis.org/about/, in dem ein frustrierter Kinobesucher regelmäßig die neusten Entwicklungen der Indonesischen Filmkrise in die Welt trägt und sie fühlbar frustriert kommentiert.

Ein Mahnmal, das uns an die Notwendigkeit des Hollywood-Übels wohl auf die denkbar zynischste Art und Weise erinnert.

Underwater Love – A Pink Musical bald im Kino

von Daphne Knickrehm, am 30.6.11

Japanische Mythologie trifft auf Musik und Sexualität. Underwater Love – A Pink Musical handelt von Asuka (Sawa Masaki), einer Frau, die in einer Fischfabrik arbeitet und im Begriff ist, ihren Chef zu heiraten. In einem See in der Nähe trifft sie jedoch auf ein Kappa, ein japanisches Fabelwesen mit Schwimmhäuten und einem Schnabel. Dieses stellt sich als Aoki (Yoshiro Umezawa) heraus, Asukas ertrunkener Jugendliebe, mit dem sich das aufgeweckt bunte Durcheinander von Liebe, Musik, Sex und Tanz des Films endgültig entfaltet.

Shinji Imaoka hat bei Underwater Love – A Pink Musical Regie geführt und die deutsche Band Stereo Total und Christopher Doyle an der Kamera haben die erste eigene Rapid Eye Movies-Produktion abgerundet.

Underwater Love – A Pink Musical kommt am 27. Oktober in die deutschen Kinos. Hier könnt Ihr den Trailer ansehen.

Underwater Love – A Pink Musical/ Onna No Kappa
R: Shinji Imaoka
B: Christopher Doyle
D: Sawa Masaki, Yoshiro Umezawa, Ai Narita, Mutsuo Yoshioka, Fumio Moriya
Japan, 2011, 87 Min.
Films Boutique
27.10.2011

The American Can - Will Smith will Denzel Washington für sein Hurricane-Drama gewinnen

von Daphne Knickrehm, am 30.6.11

Copyright: Vanessa Lua

Will Smith plant The American Can, einen Film über das erschreckende Überschwemmungsunglück in New Orleans, das durch den Hurricane Katrina hervorgerufen wurde. Anfangs hatte er vorgehabt, die Hauptrolle selbst zu übernehmen, nun sieht es aber so aus, dass er Denzel Washington für sein Projekt gewinnen will.

Der Film wird die verheerenden Ereignisse in und um den American Can Apartment-Komplex und anhand der Schicksale seiner Einwohner nachzeichnen. Als in dem Gebäude das Dach einstürzte, waren die Bewohner zwei Tage lang eingesperrt von den Wassermassen. Es wurden Bemühungen unternommen, Plünderer abzuwehren, den Einwohnern lebenswichtige Medikamente, Wasser und Nahrung zu organisieren und schließlich Retter zu mobilisieren.

In der Dokumentation New Orleans: My Home, My Life, My Love. wurde die Geschichte bereits beleuchtet, nun wird ein Kinofilm daraus, dessen Drehbuch von John Lee Hancock verfasst wurde, der auch die Regie führen soll.

Tinker, Taylor, Soldier, Spy - Trailer

von Ciprian David, am 30.6.11

Tinker, Taylor, Soldier, Spy, der neue Film von Tomas Alfredson (Let the Right One In) verspricht durch diesen Trailer, einer der aufregendsten Politthriller zu sein, die demnächst im Kino zu sehen sind. Eine Rückkehr des Paranoia-Thrillers der Siebziger, in der Tradition von Filmgrößen wie Francis Ford Coppolas The Conversation und Alan J. Pakulas  The Parallax View, basiert der Film auf John le Carrés Bestseller, der bereits als Miniserie Ende der Siebziger verfilmt wurde.

Ein sowjetischer Spion soll sich in den britischen Informationsdienst eingeschlichen haben und muss ausgeschaltet werden. Die Musik, die Kamerapositionierung, die Figuren, die genretypischen Zeilen, die fallen oder als Zwischentitel eingeblendet werden, die Platzierung der Figuren im Raum und das Wechselpiel der Nahaufnahmen und Halbtotalen fügen sich so kompakt und intensiv zusammen, dass man kaum willig ist bis November (bisher der Termin für den deutschen Kinostart, unter dem Alias Dame, König, As, Spion) zu warten.

Zu dem beindruckenden Cast gehören unter anderem Colin Firth, Gary Oldman, Mark Strong und Tom Hardy.

Überzeugt Euch selber!



Quelle: Twitch

Naokos Lächeln

von Ciprian David, am 30.6.11


Watanabe und Kizuki sind beste Freunde und praktisch die ganze Zeit zusammen. Kizukis Freundin, Naoko, ist auch fast immer dabei. In der Schule oder draußen, in der Natur, wird eine spielerische Beziehung zwischen drei Kindern, die bald Erwachsene werden, wunderbar im Raum inszeniert. In den zwei ersten Szenen aus Watanabes Erinnerungen an seine Jugend legt Regisseur Tran Anh Hung den Rahmen für eine hervorragende filmische Umsetzung eines der bekanntesten Romane Japans, Norwegian Wood (Noruwei no mori) von Haruki Murakami. Und wenn einige Facetten des Buches in der filmischen Ausarbeitung nicht übernommen wurden, kann man nur froh sein, denn das, was im Roman am geeignetsten für die Leinwand ist, wurde zu einem niederschmetternden und hochqualitativen Melodram ausgearbeitet.

Immer wieder wird man als Zuschauer mit Filmen konfrontiert, die die Frage aufwerfen, ob ein Regisseur als Filmschaffender oder als Filmemacher wahrzunehmen ist, ob er Filme schöpft oder herstellt, ob die Idee oder die technische Seite ihrer Umsetzung im Vordergrund steht. Tran Anh Hung gehört zur zweiten Kategorie, denn er konstruiert seine Filme, er baut sie auf, dramaturgisch wie inszenatorisch, sowohl als Ganzes wie auch in den einzelnen Szenen. Als ein System von Einstellungen, Kameraperspektiven und Schnittfolgen, die immer auf ihre Struktur verweisen und die Bedeutung dieser Struktur zum Teil der Bedeutung der Geschichte werden lässt. Und in der Verflechtung von Geschichte und strukturellen Merkmalen entsteht die Stimmung, die Naokos Lächeln von der Leinwand auf den Zuschauer ausstrahlen wird, entstehen die Emotionen, die Sehnsüchte und die Gefühle, die Tran Anh Hung aus Haruki Murakamis Roman herausgelesen hat.

Blickt man auf die ersten Szenen des Films, so werden die drei Figuren zuerst als Gruppe gezeigt, dann zu zweit. Naoko und Kizuki im Schwimmbad: Er schwimmt unterwasser in ihre Richtung, umarmt sie, dann wird geschnitten und sie stehen im Becken, sie an seinen Rücken gelehnt, er den Blick in die Ferne. Das Spielerische zwischen den Freunden wird damit sofort aufgehoben. Dann Watanabe und Kizuki, beim Billard spielen. Das Spiel ist also wieder da, doch es wird nicht gezeigt. Nicht die Kugeln werden verfilmt, sondern Kizukis Gesicht, während er diese nacheinander einlocht und gewinnt. Watanabe als Verlierer muss bezahlen. Die Geschichte des Films wird während dieser Abschiedsszene Kizukis an einem Billardtisch komprimiert. Danach bringt sich Kizuki um.

Einige Monate später, als sich Watanabe und Naoko näher kommen, feiern sie gemeinsam ihren 20. Geburtstag. Sie wünscht sich, man würde zwischen 18 und 19 gefangen bleiben, und nie erwachsen werden, nie bereit sein müssen für das Leben, so wie Kizuki nicht bereit war, weiterzuleben, als Erwachsener die Bürde seiner Liebe für Naoko tragen zu müssen. Sie weint, gewaltig, denn sie hat seinen Tod nicht verarbeitet und wird es nie tun. Dann küssen sie, die Energie des Schmerzes wird in sexuelle Energie verwandelt, sie schlafen miteinander. Und sie ist Jungfrau. Warum sie nie mit Kizuki geschlafen hat? Ein Schleier fällt über Naoko, sie verschließt sich nach dieser Frage und versinkt in einem geheimnisvoll tiefen Schlaf. Danach verschwindet sie zunächst aus Watanabes Leben.

Blickt man erneut auf die Filmform, so stellt man fest, dass die Art, wie Tran Anh Hung Naokos Lächeln komponiert, streng im Zeichen des Konflikts zwischen der permanenten Metamorphose und dem Streben nach einer Beständigkeit erfolgt. Naoko bleibt eine Gefangene ihrer selbst, sie ist nicht bereit, die Liebe mit Watanabe zu erleben und seine Anstrengungen, damit sie zueinander finden, treffen nur in einem gemeinsamen, immer aber einsamen Leiden der beiden auf ein Echo. Nach demselben Muster erleidet die unerfüllte Dreiecksbeziehung vom Anfang des Films Transformationen: Sie wird eine andere mit Midoris Ankunft im Leben von Watanabe. Midori, Naokos Gegenpart, das lüsterne Mädchen, das in ihn verliebt ist und den Zugang zu ihm über den Sex sucht. Dann wieder eine neue, als sich Naoko und Watanabe nur in der Gegenwart von Reiko, ihrer Begleiterin im abgelegenen Kurort, sehen dürfen. Die Verflechtung geht einen Schritt weiter, denn Nagawa, Watanabes neuer bester Freund und Hazumi, dessen Partnerin, leben auch in einer gemeinsamen Unerreichbarkeit. Hazumis Schicksal verweist auf ein potentielles Schicksal Watanabes. Hin und her wird zwischen diesen verschiedenen Figurenkonstellationen gesprungen, jedes Mal eine weitere Erklärung für die Konfliktsituation, immer aber im Gewissen, dass einiges verborgen bleibt.

Ganz konsequent bleibt die Kamera beim Erzähler, bei Watanabe. Und sind die Dreiecksbeziehungen der gemeinsame Nenner für die Figurenkonstellationen, ist die Kamerapositionierung dicht an der Hauptfigur die Bindung zwischen den zwei Filmen, die in Naokos Lächeln zu sehen sind. Der erste ist ein Film über die Liebe, über das damit verbundene Leiden. Über die Liebe, wie sie sich Midori vorstellt: Es wird immer nur einer geliebt. Und doch strebt sie nach einer Utopie, nach einer geteilten Liebe mit Watanabe und verdoppelt so das Melodram, das der Junge mit Naoko erlebt. Wie auch Hazumi nie aufgibt, auf die bedingungslose Liebe Nagawas zu warten. Der zweite Film ist ein Film über Sex, ist die Geschichte der Generation, aus welcher der Pink Film in Japan entstanden ist, über die Sehnsucht nach Geschlechtsverkehr, über das physische Leiden in mehreren Formen: als wartender Mann, dem immer wieder mit der Hand nachgeholfen wird, oder als frigide Frau, deren Unmöglichkeit, Liebe auch körperlich zu erwidern, sie zu einer ideellen Gestalt macht, zu einem Ziel der Anbetung. Aber auch über eine sich nach Geschlechtsverkehr sehnenden Frau, nach dem unmittelbaren, exzessiven, rebellierenden Hier und Jetzt, das ebenso unerreichbar ist aufgrund der fehlenden Liebe. Wie Midori Naokos Gegenpart ist in diesem Zusammenhang, ist Nagawa der von Watanabe und alle sind gleichzeitig eins, sie haben das eine und streben nach beidem. Und wäre Watanabe nicht von der Kamera favorisiert und dem Publikum näher gebracht, so wäre er auch ein Nagawa, denn beide sind Getriebene.

Aber es sind seine Erinnerungen, die erzählt werden: Sprunghaft, manchmal in Flashbacks, aber immer assoziativ verbunden. Erinnerungen, die in ihrem Fluss eine subjektive, sich permanent ergänzende Geschichte erzählen, die im Laufe der inzwischen vergangenen Zeit verfälscht, seiner Haltung, seiner Stimmung und seinem Geisteszustand angepasst wurden, verarbeitet, um nun wiedergegeben zu werden. Pathos ist in diesem Kontext fast immer präsent, die erinnerten Augenblicke sind sehr intensiv, der Junge Watanabe wird in einem kosmischen Zusammenhang gestellt, in einem permanenten Spiel mit filmischen Konventionen, so dass die Aufmerksamkeit des Zuschauers gesichert wird.

Einer der aufschlussreichsten Motive für Position Watanabes in einem allgemeinen Kontext ist das Geschriebene zwischen ihm und Naoko: Ihre ersten Treffen nach dem Tod Kizukis sind selbst wie Briefe, wie ein Tauschritual: immer samstags, spazieren wo die Wege hinführen, räumlich immer näher aneinander, doch stets von einer Unmöglichkeit des Zusammenseins umgeben, des Seins, nach dem Tod Kizukis. Ohne Worte, denn was gibt es noch zu sagen, die Blicke, die aber die Notwendigkeit der Kanalisierung der Energie der Trauer andeuten. Der sexuelle Akt dann wie eine Explosion, dann Schlaf, tiefer Schlaf. Nach ihrem Verschwinden kanalisiert er seine Energie auf Arbeit, auf einen zweiten Job, als Sisyphus, Kisten von A nach B schleppend, wartend. Die erste Antwort Naokos, ihr erster Brief, wird zu einer zweiten, wunderbar inszenierten Explosion. Im Proberaum seines Wohnheims ertönt die Popmusik von Morgen während Watanabe, den Brief in der Hand, mit der Kamera den Raum zu einer Tanzfläche der Freude verwandelt. Die Liebe. Er verlässt den Raum, um in der nächsten Einstellung neben einem Wasserfall zu sitzen, ohne T-Shirt, mit seinem Brief, während das Wasser aus der Scheide eines Berges energisch herausströmt. Der Sex. Gleich danach die Verführung, die Annäherung an Midori. Ein Kuss im Zeichen der Exotik, aber auch der Unmöglichkeit, aufgenommen durch die aus Godards Das Verachten und später Wong Kar Wais In the Mood for Love bekannte, so bedeutungsschwangere Kamera. Die Hommage geht weiter: Pop, der Plattenladen in welchem Watanabe arbeitet, Midori nähert sich lasziv dem Tresen auf dem Rhythmus von Cans Deadlock. Danach der zweite Brief: gerissen aus der sexuellen Idylle mit Midori, schleudern die von Naoko geschriebenen Blätter Watanabe in die Natur, zwischen bewaldeten Hängen, auf dem Weg zu ihr, in die absolute Einsamkeit der Natur.

Diese durch die Briefe verursachte örtliche Transzendenz Watanabes wird mit dem letzten Brief einen neuen Kontext bekommen, denn er wird von Reiko geschrieben, von Naokos Begleiterin während ihrem Aufenthalt im Kurort. Von einer Reiko, die seit sieben Jahren keinen Sex mehr hatte, die es aber bald mit ihm tun wird, um dieses in seiner Bedeutung riesiges Konstrukt Sex wieder für sich zu beanspruchen, um ihn zum ultimativen Moment der Transzendenz zu erklären, indem sie ihm gibt, was ihm Naoko nicht geben kann. Für ihn, für Naoko, für sich selber. Eine letzte Dreiecksbeziehung, die keine war, bevor er einen Neuanfang wagen soll.
Diese Transzendenz ist, betrachtet man die Kameraperspektive, den Schnitt, das Spiel mit der Zeit und der Uhrzeit, nur eine Metamorphose, eine, die sich, wie bereits erwähnt, durch den ganzen Film als roter Faden zwischen Liebe und Sex hindurch zieht, als eine dynamische Ökonomie der Energie. Was ist das für ein Film, der für die erste Sexszene eine schräge Einstellung braucht, wie man sie aus Animes kennt, fragt man sich beim Zuschauen, um eine Einstellung weiter diese Frage komplett zu vergessen, weil sie zu einer anderen mutiert. Anderswo: Ein Vater, der in Uruguay seit Jahren lebt, stirbt doch im örtlichen Krankenhaus und der Schmerz seiner Tochter wird zur sexuellen Lust. Dieses Prinzip der Verwandlung, der Neukanalisierung der emotionalen Energie um die Figuren und Bilder des Films steigert sich in Naokos Lächeln zu einer immer intensiveren Spirale der Emotionen, die Handlung, Formelles, Ideelles, Gefühle, Kitsch, Zeitgeist, Lust und Liebe in sich aufsaugt und es dem Zuschauer entgegen schleudert.

Hautnah, intensiv und doch distanziert und undurchschaubar, eben wie Naokos Lächeln im Titel, als Kodierung der von der Hauptfigur unerreichbaren Hauptfigur des Films im Zeichen eines Melodrams. Sogar adäquater als der Originaltitel, geborgt aus dem im Film nur einmal vangespielten Lied der Beatles, wie sonst auch Haruki Murakamis Pop größtenteils weggelassen und höchstens als Teil des Melodrams aufgearbeitet wird. Denn der treffendste Vers für Tran Anh Hungs Film ist doch nur der letzte des Songs: So I lit a fire, isn't it good, norwegian wood. Und, um nochmal auf den Unterschied zwischen Filmemacher und Filmschaffendem zurück zu kommen, Naokos Lächeln ist Tran Anh Hungs The Tree of Life: Erotik statt Gnade, Liebe statt Leben, Konstruktion statt Suche, Metamorphose statt Allegorie.

Naokos Lächeln - Pressespiegel bei film-zeit.de



Naokos Lächeln / Norwegian Wood / Noruwei no mori
R: Tran Anh Hung
B: Tran Anh Hung, Haruki Murakami (Vorlage)
K: Ping Bin Lee
D: Ken'ichi Matsuyama, Rinko Kikuchi, Kiko Mizuhara
Japan, 2010, 133 Min.
Pandora
FSK: 12
Kinostart: 30.06.2011

Disney verfilmt Philip K. Dicks King of the Elves

von Elisabeth Maurer, am 30.6.11

Philip K. Dick, Gemälde von Pete Welsch

Philip K. Dicks (1928-1982) Romane und Kurzgeschichten boten die Vorlage für Filme wie Blade Runner, Total Recall und Minority Report. Disney plant schon seit längerem die Verfilmung The King of Elves, einer Kurzgeschichte Dicks aus dem Jahr 1953, als Animationsfilm. Jetzt erhält das Projekt neues Leben. Michael Markowitz schreibt die Adaption, als Regisseure waren seit einiger Zeit Aaron Blaise und Robert Walker im Gespräch, beide mit viel Erfahrung im Animationsbereich. Kinostart ist für 2013 geplant.

The King of Elves erzählt von Shadrach Jones, der eine Tankstelle an einem verlassenen Highway in Colorado betreibt. Eigenartigerweise stellt der alte Mann fest, dass er trotz des schlecht laufenden Geschäfts genug Geld in der Kasse hat. Da entdeckt er eine Arme von Elfen, die mit ihrem kranken König unterwegs sind und sich zudem im Krieg mit Trollen befinden. Shadrach gewährt ihnen Unterschlupf, ihm erscheint die Situation zunächst jedoch sehr eigenartig. Nachdem der König der Elfen aber stirbt, ernennen sie Shadrach selbst zu ihrem Anführer. Die Geschichte verbreitet sich schnell in dem kleinen Ort, die Bewohner werfen dem Altern allerdings vor, er wolle nur mehr Kunden für seine Tankstelle anlocken. Shadrach hingegen muss sich überlegen, ob er der Rolle des Königs gewachsen ist.

Radiotipps vom 02.07 bis zum 05.07

von Christian Alt, am 30.6.11

02.07

Bayern2 00.05 - 02.00Uhr Nachtsession
"Zen-Funk für präpariertes Klavier"
Moderne Pianisten zwischen Pop, Jazz & Klassik
Mit Florian Fricke
info

DRK 03.05 - 05.00Uhr Filmmusik
Jerry Goldsmith: The Boys from Brazil
Leitung: Jerry Goldsmith
Elmer Bernstein: God's Little Acre (Gottes kleiner Acker)
Leitung: Elmer Bernstein
Moderation: Birgit Kahle

Bayern2 15.05 - 17.00Uhr Hörspiel
"Geschichten aus dem Wienerwald"
Von Ödön von Horváth
Bearbeitung und Regie: Peter M. Preissler
Produktion: BR/ORF 1981

WDR3 15.05 - 16.00Uhr Hörspiel
Hörspielpreis der Kriegsblinden 2011:
"Schicksal, Hauptsache Schicksal"
Von Robert Schoen
info

HR2 18.05 - 20.00Uhr Live-Jazz
Michael Wollny‘s Wunderkammer feat.Tamar Halperin, JazzBaltica 2010, Konzertscheune Salzau, Juli 2010; Michael Wollny [em], Neuer Deutscher Jazzpreis 2011, Alte Feuerwache Mannheim, März 2011; Nils Landgren / Michael Wollny Duo, JazzBaltica 2010, Konzertscheune Salzau, Juli 2010;

DRK 18.05 - 19.00Uhr Feature
"Wer beim Boxen kontert, wird nicht verrückt"
Ernest Hemingway - ein Leben
Von Sibylle Tamin
Regie: Stefan Hardt
Mit: Christian Brückner
Ton: Andreas Brämer
SFB-ORB/DLR Berlin/
WDR 1998
info

DRK 19.05 - 22.00Uhr Konzert
Folk- und Weltmusik im Saaletal
Das 21. TFF Rudolstadt
Live und in Aufzeichnungen
mit ZAZ, Hubert von Goisern, Aurelia, Fjarill, Nicolas Pellerin et les Grands Hurleurs u.v.a.
Moderation: Carsten Beyer
info

DLF 20.05 - 22.00Uhr Hörspiel/Studio LCB
"Der Aufstieg und Fall des Siggi S."
Hörspiel in alemannischer Mundart
Von und mit Oliver Wnuk
Regie: Mark Ginzler
Komposition: Martin Bezzola
SWR Studio Freiburg 2011
info

WDR3 22.00 - 23.00Uhr WDR 3 Jazz
"In Wort und Ton"
Der Musiker und Komponist Heiner Goebbels
Mit Harry Lachner
info

SWR2 22.03 - 23.00Uhr SWR2 aus dem Land: Feature
"Auf dem Wasser zu singen ..."
Das Festival RheinVokal
Von Georg Waßmuth
info

NDRInfo 22.05 – 23.00Uhr Jazz Konzert
Jack DeJohnette Group
Mitschnitt aus dem Rolf-Liebermann-Studio vom Mai 2011
info

DLF 22.05 - 22.50Uhr Atelier neuer Musik
Forum neuer Musik 2011
John Cage
Etudes Australes (1)
Sabine Liebner, Klavier
Aufnahme vom 7.4.11 aus dem Deutschlandfunk
Kammermusiksaal

WDR3 23.05 - 00.00Uhr WDR 3 open: FreiRaum
40. Todestag Louis Armstrong:
"Take it, Satch!"
Von Scat & Tomming
info

Bayern2 23.05 - 00.00Uhr Nachtmix
Mitschnitt The National - Live in Nordirland
Mit Ralf Summer




03.07.




DRK 00.05 - 01.00Uhr Werkstatt
"Ich bin nicht ganz so wie ich scheine"
Täuschen als Gesellschaftsspiel
Von Ursula Gaßmann

HR2 14.05 - 15.30Uhr Hörspiel
"Petersburger Zwillinge"
Joseph Brodsky und Leonid Aronson - Ein Schattenspiel aus der
Geschichte der Leningrader Poesie
Hörspiel von Oleg Jurjew und Olga Martynova
Aus dem Russischen von Elke Erb, Mariana Frisch, Sylvia List, Alexander Nitzberg und Jan Wagner
Regie: Andrea Getto
(hr 2011)
- Ursendung –

Bayern2 15.00 - 16.00Uhr Hörspiel
"MYA"
über die Zukunft des Kapitalismus war alles bekannt
Von Andreas Neumeister
Musik: Lali Puna
Realisation: Andreas Neumeister/Lali Puna
Produktion: BR 2010

DLF 15.05 - 16.00Uhr Musikszene
"Die Zikaden übertönen den Tod"
Hans Werner Henze zum 85. Geburtstag
Von Renate Richter

WDR3 16.05 - 17.45Uhr WDR 3 Musikkulturen
Thüringer TFF-Folkwelt und Duisburger Traumzeit
Zwei deutsche Orte im musikalischen Ausnahmezustand - live
info

Byte.FM 18.00 - 19.00Uhr FreeQuency
Eine Stunde mit Henrik José
info

SWR2 18.20 - 19.08Uhr SWR2 Hörspiel am Sonntag
"Hochzeitsbild"
Hörspiel von Sabine Sten
Regie: Annette Berger
(Produktion: SWR 2000)
info

DRK 18.30 - 20.00Uhr Hörspiel
"Das Kalkwerk"
Von Thomas Bernhard
Hörspielbearbeitung und Regie: Ulrich Gerhardt
Ton: Peter Kainz
DLR Berlin/SWR 2001
info

SWR2 19.08 - 20.00Uhr SWR2 Jazz
Am Piano: Vladislav Sendecki
Von Werner Wunderlich
info

Byte.FM 20.00 - 22.00Uhr Was ist Musik
Booker T. & The MG's revisited
info

Nordwestradio 20.05 - 22.00Uhr Globale Dorfmusik live
Catherine Russell (USA)
Konzertmitschnitt vom 29. März 2011 aus dem Rathaus Stuhr

DLF 20.05 - 21.00Uhr Freistil
"Spaß statt Zukunft"
Jugendkultur im Deutschland der 90er-Jahre
Von Meinhard Stark
RBB/DLF 2011
info

Bayern2 21.03 - 22.00Uhr radioFeature
Scuppies, LOHAS und andere Typen ...
Der formatierte Mensch
Von Wiebke Matyschok
info

HR2 22.00 - 23.00Uhr Hörspiel
"Prof. Sigmund Freud (4)":
Stimulus
Hörspiel von Heiko Martens
Regie und Musik: Christian Hagitte & Simon Bertling
(STIL/hr 2011)
- Ursendung -

Bayern2 22.05 - 23.00Uhr Zündfunk Generator
Orient und kein Ende:
Wie sich unser Bild vom Morgenland ändert und weiter ändern muss
Sendung von Thilo Guschas

DRadioWissen 23.00 - 00.00Uhr Wir machen Lärm
nightflights mit Alan Bangs

SWR2 23.03 - 00.00Uhr SWR2 Musikpassagen
"Creole"
Weltmusik aus Deutschland
Von Luigi Lauer
info

WDR3 23.05 - 00.00Uhr WDR3 open:Studio Neue Musik
Donatoni sur l'escalier
1. Teil
Mit Martin Kaltenecker
info

Bayern2 23.05 - 00.00Uhr Nachtmix
"Genremusik im Wandel"
Von Lo-Fi-Pop bis Soul
Mit Michael Mesbach




04.07.




Byte.FM 00.00 - 01.00Uhr Extended Modulation
mit Me Raabenstein
info

Bayern2 00.05 - 02.00Uhr Nachtsession
"Osterreich gegen den Rest der Welt"
Von Attwenger bis Clara Luzia
Mit Till Obermaier-Kotzschmar
info

DRK 00.05 - 01.00Uhr Freispiel
"Die Frau und anderes"
Hörspiel von Walter Aue
Regie: Robert Matejka
Komposition: Friedrich Scholz
Musiker: RIAS Kammerchor
Ton: Gerd Puhlmann
RIAS Berlin 1974
info

DRK 01.05 - 02.00Uhr Klang-Horizonte
Radikalität statt Samt und Seide:
David Sylvian im 21. Jahrhundert

Mit Michael Engelbrecht

DRK 02.05 - 05.00Uhr Eine Welt Musik
Vom Spielmann - Instrumentale Volksmusik aus Schweden
Moderation: Hans Rempel

SWR2 15.05 - 16.00Uhr SWR2 Jazztime
"Traumwandlerische Interaktionen"
Das Trio-Wunder des Pianisten Bill Evans mit dem
Bassisten Scott LaFaro und dem Schlagzeuger Paul Motian
Von Günther Huesmann
info

Bayern2 20.03 - 21.00Uhr Hörspiel
"MYA"
über die Zukunft des Kapitalismus war alles bekannt
Von Andreas Neumeister
Mit Valerie Trebeljahr und Andreas Neumeister
Musik: Lali Puna
Realisation: Andreas Neumeister/Lali Puna
Produktion: BR 2010

WDR3 20.05 - 22.00Uhr WDR 3 Konzert
"WDR 3 jazz.cologne 2010"
Gunter Hampel European Quartet
Aufnahme aus dem Kleinen Sendesaal des Kölner Funkhauses
info

DLF 21.05 - 22.00Uhr Jazz Live
Miroslav Vitous Group
"Remembering Weather Report"
Aufnahme vom 7.5.11 beim Europa Jazz Festival in
Le Mans, Frankreich
Mit Karl Lippegaus
info

WDR3 22.00 - 23.00Uhr WDR3 Jazz
"A Buck Clayton Jam"
Eine Session mit Woody Herman, Al Cohn, Joe Newman, Trummy Young und Coleman Hawkins
info

SWR2 22.05 - 23.00Uhr SWR2 Essay
"Schöne Fremde, verlorenes Ich ..."
Wenn die Musik an ihre Grenzen stößt
Von Jan Reichow
info

NDRInfo 22.05 - 23.00Uhr Play Jazz
Beitrag über "The Impossible Gentlemen"
Bericht über das Festival JazzBaltica,
das am Wochenende in Salzau statt gefunden hat.

DLF 22.05 - 22.50Uhr Rock et cetera
"Zwischen High und Life"
Der ghanaische Musiker Ebo Taylor
Von Jan Tengeler

SWR2 23.03 - 00.00Uhr SWR2 JetztMusik
"Widerstand zwecklos"
Von Patrick Hahn
info

WDR3 23.05 - 00.00Uhr WDR3 open:pop drei
"Not To Touch The Earth"
Von Tom Noga
Regie: Thomas Leutzbach
info

Bayern2 23.05 - 00.00Uhr Nachtmix
"Dylans Erben"
Ein agnostischer Liederabend
Mit Karl Bruckmaier




05.07.




DRK 00.05 - 01.00Uhr Neue Musik
"Synchronisms"
Der argentinische Komponist Mario Davidovsky
Vorgestellt von Hubert Steins
Autorenproduktion 2011
Der in Argentinien geborene Komponist Mario Davidovsky (*1934) ist eine zentrale Figur für die elektro-akustische Musik Amerikas. Nach Studien bei Aaron Coplan und Milton Babbitt lehrte Davidovsky u.a. am Columbia Princeton Electronic Music Center und bis zu seiner Pensionierung in Harvard. Vor allem sein über die Jahre auf zehn Stücke angewachsener Zyklus "Synchronisms" setzte Maßstäbe für die Verbindung von instrumentaler und elektronischer Komposition.

SWR2 19.20 - 20.00Uhr SWR2 Dschungel
"Versperrte Aussicht"
Tabor Süden und die verschwundene Verkäuferin
Hörspiel von Friedrich Ani
Regie: Ulrich Lampen
info

DRK 19.30 - 20.00Uhr Literatur
"Ansichten der vergänglichen Welt"
Katastrophen in der japanischen Literatur
Von Sabine Grimkowski
info

DLF 20.10 - 21.00Uhr Studiozeit
"Fleisch ist mein Gemüse"
Eine Landjugend mit Musik
Von Heinz Strunk
Bearbeitung und Regie: Annette Berger
WDR/NDR 2005
info

SWR2 21.03 - 22.00Uhr SWR2 Jazz Session
"Höhepunkte vom Montreux Jazz Festival 2010"
Mit dem Duo Billy Cobham/John McLaughlin, Chick Coreas "Freedom Band" und Quincy Jones & the Global Gumbo All-Stars
Am Mikrofon: Reinhard Kager
info

HR2 22.00 - 23.00Uhr Cluster
Introducing: Stefan Prins
Eine Sendung von Michael Rebhahn

NDRInfo 22.05 -23.00Uhr Play Jazz
Bericht über die Eldenaer Jazz Evenings 2011

SWR2 23.03 - 00.00Uhr SWR2 ars acustica
"Code Switching: Sonntags in Hongkong"
Hörstück von Jens Brand
Komposition und Realisation: Jens Brand
(Produktion: WDR 2010)
info



 

Jean-Pierre Jeunet dreht Selected Works of T.S. Spivet und Red Leaves

von Svenja Kalibabky, am 30.6.11

Mit Filmen wie Delicatessen und Die fabelhafte Welt der Amélie konnte sich Regisseur Jean-Pierre Jeunet eine treue Fangemeinde aufbauen, die jedem neu angekündigten Film freudig erregt entgegenblickt. Zwei neue Projekte wurden von Jeunet ins Gespräch gebracht, darunter sein erster englischsprachiger Film seit Alien: Die Wiedergeburt.

The Selected Works of T.S. Spivet:
Dieser Film ist eine Adaption von Reif Larsens gleichnamigem Roman und wird voraussichtlich zuerst gedreht. Der hochbegabte zwölfjährige Kartenzeichner T.S. Spivet erhält einen unerwarteten Anruf, der ihn darüber informiert, dass er den renommierten Baird Award gewonnen hat. Sein bis dato einigermaßen normales Leben wird völlig auf den Kopf gestellt, als er die Ranch seiner Familie in Montana verlässt und sich auf eine abenteuerliche Reise nach Washington, D.C. macht. Hierbei erfährt er von einer geheimnisvollen Geschichte, die seine Vorfahren umgibt und seiner eigenen Rolle in ihr.

Red Leaves:
Auch das zweite Projekt wird die Leinwandadaption einer literarischen Vorlage sein, in diesem Falle von Thomas H. Cooks Red Leaves. Die hier erzählte Geschichte mutet weitaus düsterer und dramatischer an als The Selected Works of T.S. Spivet und beschäftigt sich mit einer Familie, deren Leben aus den Fugen gerät, als der 15-jährige Sohn beschuldigt wird, ein 8-jähriges Mädchen gekidnappt zu haben. Darüber hinaus hat die Familie mit Alkoholismus, Depressionen, plötzlicher Armut und einer tödlichen Krankheit zu kämpfen. Das klingt jetzt nicht unbedingt nach der zuckersüßen Welt einer Amélie Poulain und wir dürfen gespannt sein, wie Jeunet diesen Stoff umsetzen wird...

Foto: Georges Biard

TRON: Legacy : Erster Teil des Webcomics online

von Svenja Kalibabky, am 30.6.11

Für all diejenigen, für die eine wunderbare Computeranimation den kompletten Filmspaß ausmacht, war die TRON-Fortsetzung TRON: Legacy wohl so etwas wie Weihnachten und Geburtstag zusammen. 28 Jahre hat es gedauert, bis TRON-Anhänger tatsächlich mit der Fortsetzung des Science Fiction-Films beglückt wurden. Nun ist der Streifen endlich erschienen und Webdesigner und andere professionelle Nerds schoben Überstunden, um die Fans auch einige Monate nach Kinostart noch bei Laune zu halten. Denn genauso innovativ (in Sachen Computertechnik) wie der erste Teil sollte das Zusatzmaterial zum Sequel TRON: Legacy werden und so beschloss man, das Medium Comic ins Internet zu transportieren.

In aufwendiger und liebevoller Arbeit entstand ein digitaler Comic, der zwar ebenso die Geschichte des Films erzählt, hierbei aber auf eine ganz andere Art wirkt. Der Internet-Comic spielt wie die filmische Fortsetzung 30 Jahre nach dem ersten Teil von TRON. Kevin Flynn ist in einer virtuellen Welt gefangen, sein Sohn irgendwann ebenso. Zusammen versuchen sie zu überleben und überlegen, wie sie wieder in die reale Welt zurückkehren könnten.

Der TRON: Legacy-Webcomic verbindet Videospiel mit dem klassischen Comic, indem der Leser mit der Maus durch die einzelnen Szenen navigiert und nicht einfach auf konventionelle Weise Seiten umblättert. Einzelne Panels fügen sich durch Benutzung der Maus- oder Pfeiltasten zu einem Bild zusammen und der Comic baut sich vor den Augen des Betrachters auf. Zusätzlich erhält der Nutzer bei vielen Zeichnungen Hintergrundinformationen zur Geschichte und den Charakteren des Abenteuers. Sounds und Musik unterstreichen die Atmosphäre des Browser-Comics.

Die rein kommerzielle Ausrichtung und den fehlenden Tiefgang des Sequels lassen wir an dieser Stelle mal beiseite. Auch wenn Disney alleine am TRON-Franchise Unsummen verdient, kann man den Entwicklern des Webcomics keine Geldmache am User vorwerfen. Einzig für die Nutzung auf dem iPad ist eine Gebühr von 3 Euro zu entrichten, die Darstellung auf PCs usw. ist kostenlos. Neben einem Leckerbissen für TRON-Fans stellt der Webcomic jedoch ebenso eine aufwendig produzierte Werbung für das Unternehmen Microsoft bzw. seinen Internet Explorer 9 dar. Anhand des Comics soll nämlich gezeigt werden, wie toll und schnell die neueste Version des Browsers ist. Mit Chrome, Safari, Firefox und Co. lässt sich der Spaß jedoch auch abspielen, interessanterweise jedoch weitaus langsamer.

Die dynamische Darstellung des digitalen Comics wird ermöglicht, da IE9 den Web-Standard HTML5 unterstützt und zudem auf den Grafikchip des Computers zugreift. Dadurch werden Bilder und Klänge flüssig dargestellt und es kommt zu keinen unschönen Verzögerungen.

Der Webcomic bietet eine stimmige Ergänzung zu TRON: Legacy. Etwas zu stimmig vielleicht, denn die Geschichte wird auch diesmal nicht unbedingt besser. Zur freizeitlichen Zerstreuung reicht der digitale Comic jedoch allemal und zeigt, wie man verschiedene Medien interessant miteinander verknüpfen kann. Bislang kann nur der erste Teil der Geschichte online gelesen werden, die weiteren fünf Parts sollen im Winter folgen.


Neugierig gewordene können sich den Webcomic hier ansehen:



Hierbei handelt es sich um einen gesponserten Beitrag.

Immer Drama um Tamara

von Elisabeth Maurer, am 30.6.11

Als eines der Extras auf der jetzt erschienen DVD von Immer Drama um Tamara gibt es eine Aneinanderreihung von Making-of-Aufnahmen verschiedener Takes einer bestimmten Szene relativ zu Beginn des Films. In dieser steigt Tamara Drewe (Gemma Arterton) über einen Gartenzaun. Hört sich vermutlich nicht nach etwas Besonderem an, jedoch handelt es sich dabei tatsächlich um die eindrücklichste und beste Szene im Film. Mit mädchenhafter, aber selbstbewusster Eleganz, einem niedlichen und gleichzeitig aufreizenden Lächeln und sehr knappen Hosen verkörpert die junge Frau den Inbegriff einer Verführerin, ohne dabei aufdringlich zu sein. Regisseur Stephen Frears (The Queen, Gefährliche Liebschaften) stellt hier also eine junge Femme Fatale in den Mittelpunkt im Gegensatz zu Michelle Pfeiffer in seinem letzten Film Chéri, in dem sie eine alternde Kurtisane spielte. Während sich diese ihrer Position und ihrer Wirkung bewusst war, bleibt Tamara seltsam unschuldig, auch wenn sie verführt. Dies liegt daran, dass sie vollkommen neu ist in der Rolle einer begehrten Frau. Denn vor einer selbstbewusstseinssteigernden Nasenoperation war sie verschüchtert und unbeliebt. Jetzt kommt sie als vollkommen andere Tamara in den Ort ihrer Kindheit zurück, kann aber mit ihrer neuen Persönlichkeit noch nicht richtig umgehen. Auf alle anderen wirkt sie jedoch enorm. In dem kleinen englischen Städtchen hat sich in Nachbarschaft zu dem Haus von Tamaras verstorbener Mutter das Ehepaar Hardiment niedergelassen. Nicholas Hardiment (Roger Allam) ist erfolgreicher Krimischriftsteller, seine Frau Beth (Tamsin Greig) unterstützt ihn dabei. Als Nebenerwerb bietet das Paar Schriftstellern ihren Landsitz als Refugium an, was zudem den Vorteil hat, dass Nicholas sich vor diesen aufspielen kann. Die Schriftsteller suchen nach ländlicher Idylle. Eine solche wird in den ersten Einstellungen in ihrem Extremkonzept vorgestellt. In leichter Untersicht ist der schöne junge Farmarbeiter Andy (Luke Evans) mit nackter Brust beim Einschlagen eines hölzernen Weidezaunpfostens zu sehen, beschienen von der goldenen Abendsonne. Gleich darauf wird die kleine Schriftstellergruppe präsentiert, die auf der Farm lebt. Voice-overs verraten die Texte, die sie gerade angesichts jener Idylle verfassen. Außer in der Szene mit der kurzen Hose zeigt sich hier am besten das Potential des Films. Denn alles, was die Zuschauer hören, ist nicht besonders überzeugend, mal unverständlich hölzern, mal sexuell obszön. Die Idylle, die Immer Drama um Tamara zeigt, ist Kitsch, absichtlich, weil die Meinung vertreten wird, dass in der Idylle keine Kunst sondern nur Kitsch entstehen kann. Denn das Pittoreske und Harmonische ist allenfalls Fassade, nur Oberflächlichkeit. Authentizität findet sich im Verborgenen. Herrlich wird dies durch die Figuren zweier Teenagerinnen kommentiert, die sich in dem kleinen Ort schrecklich langweilen und daher allerlei Dummheiten machen, die den Liebesreigen der Erwachsenen unbewusst oder auch absichtlich durcheinander bringen. Tamara, die sich äußerlich zur Perfektion gewandelt hat, bietet einen Katalysator für all die verheimlichten Gelüste der Schriftsteller und anderen Personen. Somit scheint es zu Beginn so, wie wenn sie sich zu einer Muse wandeln könnte, die alle beflügelt. Doch auch hier ist das Schöne zunächst nur Äußerlichkeit, in ihrem Inneren ist Tamara nur verwirrt.


Leider begibt sich der Film im Vorhaben, Tamaras Persönlichkeitsentwicklung zu verfolgen, in eine Thematisierung ihrer Liebesbeziehung zu einem Rockstar, später dann durch eine Affäre zwischen Tamara und Nicholas in ein kompliziertes Liebesgeflecht. Dabei gerät die Schriftstellergruppe teilweise völlig aus dem Blick, was sehr schade ist, da sich in ihrer Charakterisierung ein bissiger Humor entfaltete. Aber vor allem sind die Liebeleien seltsam uninteressant, weil Tamaras Persönlichkeitszeichnung nicht wirklich gelungen ist. Ihre Verwandlung vom Mauerblümchen zur Venus wird leider nur durch ein paar, eher lächerliche und kurze Rückblicke in ihre Jugend präsentiert. Da sich der Zuschauer dadurch nicht richtig in sie einfühlen kann, müssen ihre Handlungen als kopflos und manchmal gar gemein angesehen werden, so dass die Figur trotz Artertons grundsätzlich sympathischer Art nicht liebenswert erscheint. Ein nur sehr schemenhaft angerissener Familienkonflikt kann dem auch keine Abhilfe schaffen.

Das größte Problem beim Schauen des Films ist allerdings, dass die Einführung so komisch ist, dass sich der Zuschauer zwangsläufig in einer Komödie wähnen muss. Auch das Schauspiel und die Musikuntermalung bleiben die gesamte Zeit des Films auf dieser Ebene. Irgendwann wird jedoch klar, dass das Geschehen alles andere als komisch ist, auch Ironie fehlt dann völlig. Doch kippt das Geschehen nicht vollkommen ins Drama, immer wieder gibt es Albernheiten. Frears erklärt selbst in einem Interview im Bonusmaterial, dass er sich fühlte, als inszeniere er eine Komödie und eine Tragödie gleichzeitig. Bedauerlicherweise gelingt es nicht, diese unterschiedlichen Ausrichtungen in Gleichklang zu bringen. In Chéri beispielsweise war dies Frears noch geglückt.


Immer Drama um Tamara basiert auf der gelichnamigen Graphic Novel von Posy Simmonds. Ein sehenswertes Featurette der DVD stellt die Comicbilder mit den Bildern des Films gegenüber. Auffällig ist die reduzierte Art der Zeichnungen im Gegensatz zu der kitschigen Idylle, die Frears entwirft. Vielleicht ist es auch diese Optik, die den Film von vorneherein mit einer derartigen Stimmung belastet, dass sich die Eigenheiten der Geschichte nicht recht entfalten können. Dies und die Konzentration auf eine nicht ganz gelungen ausgestaltete Hauptfigur machen Immer Drama um Tamara leider nur zu einer mittelmäßigen Komödie mit ernsten und absurden Stellen.

Immer Drama um Tamara - Pressespiegel bei film-zeit.de



Immer Drama um Tamara / Tamara Drewe
R: Stephen Frears
B: Moira Buffini nach der Graphic Novel von Posy Simmonds
K: Ben Davis
D: Gemma Arterton, Luke Evans, Roger Allam, Bill Camp
Großbritannien 2010,106 Min.
Vertrieb: Prokino
Veröffentlichung: 20.5.2011
Bildformat: 2,35:1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: Making of, Tamaras Shortwalk, Interviewclips, B-Roll, Vom Comic zum Film, Trailer
FSK: 12



Kinotipps vom 30. Juni

von Isabelle Bastian, am 30.6.11

Auffällig bei den Empfehlungen dieser Kino-Woche: alle Filme vermitteln (bis auf zwei Ausnahmen) auf ihre eigene Art und Weise den Zeitgeist der 1960er Jahre. Dass Nostalgie und Retro-Chic aber keineswegs alleinige Erfolgsgaranten sind, zeigt beispielsweise Tom Hanks mit seiner zweiten Regiearbeit Larry Crowne.

Naokos Lächeln ist die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Haruki Murakami. Die einzigartige Poesie der literarischen Vorlage wird vom Regisseur Tran Angh Hung in zarten, zugleich kraftvollen, magischen Bildern eingefangen und machen den Film sehr sehenswert. Erzählt wird die Geschichte des Studenten Watanabe, der inmitten der Studentenunruhen Ende der 60er in Tokio lebt. Von diesen wird er aber nicht berührt, die Erzählung fokussiert sich auf sein schmerzhaftes Hin- und Hergerissen-Sein zwischen seiner Liebe für die depressive, zerbrechliche Naoko und seinen Gefühlen für die lebensbejahende Midori, vermittelt aber auch ein nostalgisch-melancholisches Porträt der 60er. Ein solches wird ebenfalls in der Dokumentation Rockabilly Ruhrpott vermittelt, die sich mit der Rockabilly-Subkultur beschäftigt und liebevoll ihr Rock-n-Roll Lebensgefühl mitschwingen lässt. Quasi ein Urgestein der Rock-Pop-Musik ist Klaus Voormann, auch als "fünfter Beatle" mehr oder weniger bekannt geworden, dem mit All you need is Klaus – Die Klaus Voormann Story ein filmisches Denkmal gesetzt wird. Im Dokumentarfilm werden wichtige Stationen seines Lebens rekapituliert, zum Beispiel die Zeit, als er die Beatles in ihren „Star Club“ Zeiten in Hamburg kennen lernte, woraufhin sich eine lange, einflussreiche Freundschaft und Zusammenarbeit entwickelte. Voormann designte später u.a. das berühmte Cover des Revolver-Albums, spielte in John Lennons Plastic Ono Band und als Studiomusiker auch mit anderen Künstlern wie Lou Reed und Art Garfunkel. Die Dokumentation von Jörg Bundschuh lässt Voormann selbst zu Wort kommen und über sich erzählen, vermittelt aber auch viel Hintergründiges über Leben und Musik der 1960/70er Jahre durch „Zeitzeugen“ wie Randy Newman, Twiggy, Carly Simon etc. Für Musikliebhaber schon fast ein Muss. Schon bei der Berlinale spaltete Brownian Movement das Publikum. Als "Brownian Movement" wird in der Physik die zufällig erscheinende Bewegung von Molekularteilchen in Flüssigkeiten bezeichnet. Scheinbar zufällig ist auch das Verhalten der Protagonistin Charlotte im gleichnamigen Film der Regisserin Nanouk Leopold. Charlotte hat scheinbar alles im Leben, um zufrieden sein zu können: sie ist als Ärztin erfolgreich, glücklich verheiratet und hat einen kleinen Sohn. Doch sie fängt an, kühlen, lieblosen Sex mit unattraktiven Männern zu haben, mit stark behaarten, mit ziemlich dicken, mit Greisen. Ihr Leben droht deswegen aus den Fugen zu geraten, ihren Job wird sie verlieren, ihre Familie wird vielleicht zerbrechen. Eine Begründung für ihr Verhalten, die wird dem Zuschauer konkret verweigert, der Film wirft Fragen auf, ohne sie zu beantworten. Für viele eine große Stärke des Films, für viele aber auch anstrengend. Ein wunderschöner Kinderfilm ist Mein Freund Knerten, der von einer Freundschaft zwischen einem kleinen Jungen und seiner für ihn zum Leben erwachten Holzfigur in den 60er Jahren erzählt. Das Label Kinderfilm ist allerdings nicht zu eng zu sehen, der Film verlässt auch stellenweise sein kindliches Publikum als Adressaten und spricht direkt ein erwachsenes Publikum an. Ein außergewöhnliches Filmerlebnis ist Vier Leben, ein dokumentarischer, essayistischer Film, der fast komplett ohne Dialoge auskommt und episodisch den Zyklus des Lebens von Mensch (ein alter Ziegenhirt), Tier (seine Ziegen), Pflanze (eine Tanne) und Mineral (die tote Pflanze, die zu Holzkohle wird) ergründet.

The Way Back von Peter Weir (Master and Commander, Die Truman Show) ist ein filmisches Epos, mit beeindruckenden Naturaufnahmen eines Marsches von Strafgefangenen quer durch die sibirische Wüste, bis über den Himalaya. Der Plot ist allerdings nicht immer so fesselnd und weist deutliche Längen auf. Anstrengend klingt zuerst An Ecology of Mind, in welchem Nora Bateson ihren Vater, den Kommunikationsforscher, Systemtheoretiker und Naturphilosophen Gregory Bateson, portraitiert. Dessen Werke übten nachhaltigen Einfluss aus, fanden aber in der breiten Öffentlichkeit wenig Beachtung. Dies könnte sich durch den 60-minütigen Dokumentarfilm vielleicht ändern, denn Bateson bringt ihren Vater als unprätentiösen, humorvollen, inspirierenden Menschen und Wissenschaftler näher. Die britische Komödie Alles koscher! verspricht hingegen einen heiklen Culture-Clash: gläubiger Muslim findet heraus, dass er nicht nur adoptiert wurde, sondern auch gebürtiger Jude ist. Um seinem im Sterben liegenden leiblichen Vater die letzte Ehre zu erweisen, muss Mahmud einen Crash-Kurs in Sachen Judentum belegen… Klingt wie gesagt vielversprechend, kann aber die Erwartungen nur bedingt erfüllen und bleibt eher auf Slapstick-Niveau, statt pointierte Spitzen zu verschießen. Aber als warmherzige Komödie stellenweise ganz gut gelungen.

Larry Crowne, die zweite Regiearbeit von Tom Hanks, war wohl als DIE Vorzeige-Romantic Comedy des Sommers angedacht. Im Film spielt er einen Mittfünfziger, der arbeitslos wird und daraufhin seinen College-Abschluss nachholen will, daraufhin eine verbitterte Lehrerin (Julia Roberts) kennen lernt und sich in die verliebt. Hollywood-Plattitüden in Reinform, vorhersehbar, funktioniert leider gar nicht.

Blue Valentine

von Elisabeth Maurer, am 30.6.11


Ein noch junges Ehepaar mit kleiner Tochter, das einen schweren Tag hinter sich hat, verbringt die Nacht zum 4. Juli in einem Motel, für das sie noch einen Gutschein am Kühlschrank hängen hatten. Einer der wenigen freien Räume an diesem Abend ist der Future Room. Er hat keine Fenster, das Bett kann sich drehen und wird eingerahmt von Raumschiff-Konsolen. Diese sind eindeutig aus Star Trek Das nächste Jahrhundert entlehnt. An diesem Detail lässt sich der Kern von Blue Valentine festmachen. So durchdacht und wegweisend Star Trek immer gewesen sein mag, im Zeitalter von Touch und 3D haftet dieser Vision des 24. Jahrhunderts vor allem ein altertümlicher Charme an. So verhält es sich im Prinzip mit allen Zukunftsentwürfen der Science Fiction. Blue Valentine nun zeigt, dass jede Form der Vorstellung einer Zukunft unerfüllbar bleiben muss. Cindy (Michelle Williams) und Dean (Ryan Gosling) sind seit sechs Jahren verheiratet und leben aneinander vorbei. Während Cindy nach beruflicher Weiterentwicklung strebt, lebt Dean in den Tag hinein und geht anscheinend vollkommen in seiner Rolle als Vater und Ehemann auf. In wenigen Momenten des Alltags offenbart der Film diese unterschiedliche Lebensführung, zum Beispiel beim Frühstück mit der Tochter. Eine Stärke ist, dass der Zuschauer die Figuren und ihre Probleme durchaus klar erkennen kann, sie ihm aber keinesfalls überdeutlich gezeigt werden. Somit besitzt Blue Valentine eine sehr intime Herangehensweise und leidet nicht unter einer zu präsenten Konstruktion der Figuren und ihrer Situation wie es viele Liebesfilme tun.

Parallel zu den Ereignissen dieses Tages wird die Vergangenheit des Paares erzählt, Fokus liegt auf dem Zustandekommen ihrer Beziehung. Schon eine der ersten Einstellungen zeigt ein verlassenes Schaukelpferd im hohen Gras, ein Bild einer schönen, für immer verlorenen und mittlerweile möglicherweise auch revidierten Zeit. Auch am Beginn ihrer Liebe war die Welt für Cindy und Dean nicht rosarot, die Rückblenden verschweigen die damaligen Probleme nicht, doch ist ihre grundsätzliche Stimmung von der beginnenden Liebe gekennzeichnet. Die Rückblenden werden auch direkt als Erinnerungen der Charaktere ausgewiesen. Somit kann die Vergangenheit auch als leicht verklärend, beziehungsweise bruchstückhaft dargestellt verstanden werden, wobei der Alltag weitestgehend ausgeblendet wird, der in der Gegenwart ihre Beziehung dominiert. Trotz der Bruchstückhaftigkeit und dem Umstand, dass manches für den Zuschauer unerklärt bleibt, vollziehen die Rückblenden doch den Anfang der Liebesbeziehung zwischen Cindy und Dean chronologisch nach und zeigen die entscheidenden Momente. Da Erinnerung im Allgemeinen möglicherweise doch stärker sprunghaft abläuft, kann hier erkannt werden, wie Cindy und Dean versuchen, das Geschehene nachträglich in ein System einer kausalen Verknüpfung von Abläufen zu bringen. Dies steht auch in Zusammenhang mit Deans Schicksalsgläubigkeit und thematisiert so eine grundsätzliche Angst vor der Macht des Zufalls in Hinsicht auf die Liebe, die dadurch selbst an Macht verliert. Cindys Oma erklärt ihr einmal, dass sie die große Liebe wohl nie gefunden habe, da Cindys Großvater sie nie wirklich als Person respektiert habe und sie ihn daher nur zu Beginn wirklich geliebt habe. In dieser vielleicht fast unbemerkt bleibenden Bemerkung manifestiert sich die Relation, die alle Gefühle in der Rückschau erhalten, je nachdem wie sich die Vergangenheit in ihrer Zukunft entwickelt hat. Blue Valentine zeigt seine beiden Hauptfiguren schon in der vergangenen Zeitebene als sehr stark mit der Vergangenheit und ihrer Ordnung beschäftigt. Cindys einzige Bezugsperson ist ihre Oma, oft besucht sie sie im Altenheim. Eben dort lernt sie Dean kennen. Dieser ist Umzugshelfer beim Einzug eines alten Mannes. Anstatt dessen Habseligkeiten einfach im Zimmer abzustellen, dekoriert er die Wände mit den Erinnerungen aus den Kisten.

Auf sehr vielen Ebenen des Films und in vielen Details thematisiert Blue Valentine die Gegenwart als Zukunft der Vergangenheit, die Gegenwart in ihrer Verwandlung zur Vergangenheit, die Gegenwart als Ausgangspunkt einer unvorstellbaren Zukunft. Die Gegenwart an sich jedoch stellt sich dar als ein undurchschaubares Chaos. Anders wie in vielen Filmen, die eine Liebesgeschichte ins Zentrum stellen, vermag hier der Zuschauer ebenso wenig wie die Figuren eine Lösung für die Probleme zu erkennen. In der letzten Einstellung ist das Feuerwerk des Nationalfeiertags zu sehen. Hauptsächlich erfüllen die Raketen und Fontänen die Straße mit Nebel, doch hin und wieder blitzen die bunten Funken auf. Die einzelnen Momente des Films sind ein ebenso kurzes Aufblitzen einer Begebenheit in einem Nebel der Gegenwart, deren Bedeutung wirklich erst in einer Rückschau festgelegt wird. Eine Konstruktion einer Gegenwart ist somit nur als Aneinanderreihung von Augenblicken denkbar, ohne Erklärungen.


Regisseur Derek Cianfrance legt mit Blue Valentine nach Brother Tied (1998) seinen zweiten Spielfilm vor. Elf Jahre hat es gedauert, bis er den Film realisieren konnte. Das scheint dem Werk keineswegs geschadet zu haben, ist er doch auf vielschichtigen Ebenen äußerst stimmig durchdacht. Durch die Leistung der beiden Hauptdarsteller wird Blue Valentine zu einem hervorragenden Film und einem authentischen Blick auf die Liebe.

Blue Valentine - Pressespiegel bei film-zeit.de



Blue Valentine
R: Derek Cianfrance
B: Derek Cianfrance, Cami Delavigne, Joey Curtis
K: Andrij Parekh
D: Michelle Williams, Ryan Gosling, Faith Wladyka, John Doman, Mike Vogel
USA 2010, 112 Min.
Senator
Kinostart: 4.8.2011

hell mit dem Förderpreis Deutscher Film ausgezeichnet

von Jan Malm, am 30.6.11



Auf dem Filmfest München wurde Tim Fehlbaums Spielfilm-Debut hell gestern mit dem Förderpreis deutscher Film in der Kategorie Regie geehrt. Wie NEGATIV bereits berichtete, bestand die Jury aus Sibel Kekilli, Ewa Karlström und Hans Steinbichler. Laut ihrem Urteil sei der Film
...ein überragendes Regie-Debüt von großer Dichte und handwerklichem Können.

Nachwuchsregisseur Fehlbaum wurde 1982 in Basel geboren und studierte bis 2009 an der Hochschule für Fernsehen und Film in München.
Sein Film hell präsentiert eine lebensfeindliche Welt nach der Klimakatastrophe, in der eine kleine Gruppe Überlebender um ihr Leben kämpfen muss. Unter anderem spielen Hannah Herzsprung, Lars Eidinger, Stipe Erceg und Angela Winkler in Fehlbaums Debut mit.

Alina Levshin (Kriegerin) und Golo Euler (Kasimir und Karoline) wurden in der Kategorie Schauspiel ausgezeichnet. David Falko Wnendt, der Drehbuchautor und Regisseur des Films Kriegerin, wurde in der Kategorie Drehbuch ausgezeichnet.

An Benjamin Drechsel und Karsten Stöter von der Berliner Firma Rohfilm ging der Preis in der Kategorie Nachwuchsproduzenten für ihren Film Der Fluss war einst ein Mensch.

Festivalleiter Andreas Ströhl kommentierte die Reihe Neue deutsche Kinofilme:
Die jetzt ausgezeichneten Talente haben sich gegen eine enorm große Konkurrenz durchgesetzt. Diese Namen wird man sich merken müssen.

In den fünf Kategorien konkurrierten insgesamt 46 Nachwuchstalente um die mit 60.000 Euro dotierten Preise.

Die Gewinner der einzelnen Kategorien im Überblick:

Förderpreis Deutscher Film REGIE (20.000 Euro):
Tim Fehlbaum für hell
Die Jury:
„hell“ ist ein überragendes Regie-Debüt von großer Dichte und handwerklichem Können. Tim Fehlbaum schafft mit seiner ersten langen Regiearbeit etwas Außergewöhnliches: ein in Deutschland vernachlässigtes Genre mit extremer Stilsicherheit in der Visualität, mit Spannung und starkem Timing zu einem neuen Anfang zu bringen.

Förderpreis Deutscher Film PRODUKTION (20.000 Euro)
Benjamin Drechsel / Karsten Stöter (Rohfilm GmbH) für Der Fluss war einst ein Mensch
Die Jury:
 Was passiert, wenn aus einer einfachen Idee ein besonderer Film wird, beschreibt die Produktion von „Der Fluss war einst ein Mensch“. Die Produzenten Benny Drechsel und Karsten Stöter sind das Risiko eingegangen, unter unabwägbaren Bedingungen in einem afrikanischen Sumpfgebiet zu drehen. Entstanden ist ein sehr stimmungsvoller Film, der unter die Haut geht und mit einfachsten Mitteln von einer völlig fremden Welt erzählt. 

Förderpreis Deutscher Film DREHBUCH (10.000 Euro)
David F. Wnendt für Kriegerin
Die Jury:
Mit einem verstörenden Gewaltausbruch beginnt „Kriegerin“ und zeichnet ab dann, bis in die letzte Faser dramaturgisch durchdacht, authentische und nuancierte Figuren. Bis zum Schluss hält der Film alles was er verspricht. Seinem herausragenden Drehbuch setzt David Falko Wnendt als Krone eine ebenso exzellente Regie darauf. Extremer Mut, null Klischees und die jungen Schauspieler machen „Kriegerin“ in jeder Hinsicht zu einem Ereignis. 

Förderpreis Deutscher Film SCHAUSPIEL WEIBLICH (5.000 Euro)
Alina Levshin für Kriegerin
Die Jury:
Was für ein Auftritt: als Alina Levshin auf der Leinwand auftaucht, scheint nach fünf Minuten alles klar. Scheint ... denn was sich in der Rolle von Marisa und folglich im Gesicht, in der Sprache und in der Körperlichkeit dieses Mädchens entfaltet, ist buchstäblich atemberaubend. Man kann sich an Alina Levshin und dem gesamten Ensemble nicht satt sehen. Alina Levshin ist ein Versprechen für das deutsche Kino.
Förderpreis Deutscher Film SCHAUSPIEL MÄNNLICH (5.000 Euro)
Golo Euler für Kasimir und Karoline
Die Jury:
In dem mitreißenden Film „Kasimir und Karoline“ von Ben von Grafenstein erlebt man mit Golo Euler als Kasimir eine Achterbahn der Gefühle. Trauer, Wut, Glück, Verzweiflung, Liebe, Aggression und Selbstzweifel verkörpert Golo Euler wie selbstverständlich inmitten eines wundervollen Ensembles.

Quellen: Pressemitteilung Filmfest München 2011
Bild: filmfest-muenchen.de

Kinatay

von Dennis Vetter, am 30.6.11



Kinatay ist ein Film, der zutiefst im Kinosaal verwurzelt ist: in seiner Struktur, in seiner Aufteilung nach Licht und Schatten, in Realität und Alptraum.

Alles, was vorher geschah, scheint vergessen, als es nach dem ersten Abschnitt des Films dunkel wird. Ein junger Mann setzt sich zusammen mit Unbekannten in ein Auto. Eine Reise beginnt und führt ans Ende der Stadtgrenze, darüber hinaus, ins Nirgendwo. In der schemenhaft vorbeirauschenden Landschaft verliert er die Orientierung - geografisch, jedoch vor allem mental, durch die Panik, welche das Geschehen bei ihm hervorruft: Eine Prostituierte wird entführt und brutal zusammegeschlagen. Gefesselt und geknebelt wimmert sie die ganze Fahrt über. Das Ziel ist ein unwirklicher Ort, an dem sich Pepoy, Polizeischüler und frisch gebackener Ehemann, durch traumatische Ereignisse für immer verändern wird. Brillante Mendozas Kinatay (wörtl. übersetzt: Schlachtung) lässt den Zuschauer gemeinsam mit seinem Protagonisten eine Grenzerfahrung durchleben und versucht wie viele Filme zuvor, das Kino als Ort der authentischen emotionalen Erfahrungsrealität zu etablieren.

Das Ergebnis mag in seiner Bildsprache und Bedeutungskonstruktion stellenweise etwas überdeutlich sein, wie kritische Pressestimmen bereits vielfach anmerkten. Der Film mag weniger vielschichtig sein als Mendozas bisherige Arbeiten, soziale Kontexte nur am Rande ansprechen, dabei recht trennscharf isoliert und abgetrennt von seinem alptraumhaften Mittelteil. Kinatay ist jedoch in seiner simplen, formelhaften Struktur zweifelsohne sehr durchdacht und wirkungsgewaltig: Der Film irritierte bereits bei der Cannes-Premiere zahlreiche Zuschauer und brachte manche Kritiker in angewiderten Aufruhr. Mendozas Film präsentiert sich als Melange aus Noé'schem Sounddesign, das durch tieftöniges Grollen Unbehagen und körperliches Unwohlsein schafft, sowie einer um Realitätsnähe bemühten Ästhetik der Dokumentation und Konfrontation. Durch die nüchterne und radikal subjektive Inszenierung von Kinatay schafft Mendoza einen konzentrierten Erlebnisraum, der keine Fluchtmöglichkeiten bietet, immer wieder die Konfrontation aufzwingt.



Sehr gelungen ist dabei insbesondere letzterer Punkt, die Art und Weise, wie durch die starke Subjektivierung jeder Blick auf Folter, Mord und Vergewaltigung überzeugend als erzwungener, als nicht goutierbarer Blick kommuniziert wird. Man wird hier nicht Zeuge eines ästhetisch eindrucksvollen Spektakels, sondern erhascht oftmals nur schüchterne, widerwillige Blicke auf das Grauen, bis man es schließlich unabwendbar und ganz nah als kalte Schlachtplatte vorgeworfen bekommt. Wenn das unvermeidbare eintritt, ist der Zuschauer längst mit Pepoy identifiziert und teilt seine tiefe Abscheu und innere Verweigerung gegenüber der Situation, in der er sich befindet, eine Situation, die sein gesamtes Leben und Selbstverständnis für immer zerstört. Anders als bei vergleichbar extremen Filmen generiert Kinatay seine verstörende Kraft nicht alleine durch die Zerstörung des Körpers, sondern nimmt immer wieder Abstand vom Grauen, um den Zuschauer ganz und gar auf seine Hauptfigur zurückzuwerfen und damit gleichermaßen auf die eigene Stellungnahme zum Geschehen. Insbesondere die wiederholten Momente des Zweifelns und der Fluchtmöglichkeit, die Hoffnung auf eine Abwendung vom Abgrund, erzeugen im Zusammenhang mit ihrer fatalen Widerlegung eine einzigartige, in ihrer Unabwendbarkeit geradezu sadistische Intensität.



Wie angesprochen: Kinatay ist ein Film für die Leinwand, für den hermetischen Raum des Kinos. Dass sich nun für die DVD eine große Käuferschaft finden wird, ist zu bezweifeln. In jedem Fall schätzenswert ist es jedoch zweifelsohne, dass die nun verfügbare DVD-Auswertung von Rapideye Movies es möglich macht, Mendozas Skandalfilm auch wiederholt zu erleben. Für alle, die bereit sind, sich mehrfach auf die Tortur einzulassen, sei dabei gesagt: Die Nachhaltigkeit, mit der der Film bei mehrmaligem Sehen immer wieder seine Wirkung entfaltet, wie sich seine verstörende Kraft dabei sogar noch verstärkt und umso zermürbender erlebt werden kann, ist schlichtweg beeindruckend und zählt zu einer unerwarteten Stärke des Werks. Generell macht bei polarisierenden Titeln wie Kinatay die DVD heute gerade für das erste Sehen sehr viel Sinn: Nach der bisher ausgesprochen vielfältigen medialen Auseinandersetzung mit dem Film scheint es mitunter regelrecht notwendig, den ersten Blick nicht alleine gelten zu lassen, mehrfach hinzusehen. Denn leider ist es heute schwieriger denn je, einen Film mit derart starker Medienpräsenz unvoreingenommen, ohne die Last von Erwartungshaltungen, zu erleben. Nicht bloß Werbekampagnen aus Hollywood schaffen verzerrte Bilder, oft tut es auch die Kritik , die bei Titeln wie diesem nur zu häufig versucht, sich selbst zu inszenieren. Sie lässt uns mit überzeugenden Argumenten und ausgefeilten Statements, nicht selten auch mit wütender Polemik, nur zu gerne vergessen, dass das einzige Kriterium beim Erleben eines Films letztlich der Blick nach innen, die Erforschung des eigenen Bewusstseins im Zerrspiegel der Leinwand sein sollte.



Kinatay ist ein Film, der sich gegen Einordnungen sträubt, der weder für ein reguläres Arthaus-Publikum funktioniert, noch für Fans exzessiver Gewalt. Seine Stärke zeigt sich in seiner gelungenen Dialektik aus Konfrontation und zermürbender Reflektion, die beide Gruppen irritierend trifft. Kinatay erschüttert zutiefst, als physisch-sinnliches und gleichermaßen psychisches Erlebnis, affektiv und emotional. Wenn es bei einigen Zuschauern wiederholtes Sehen braucht, um diesen Effekt zu erreichen, ist Kinatay zweifellos ein Film, der dies begrüßt, der ausdauernd genug ist, der nachhaltig genug wirkt und beim wiederholten Sehen außerordentlich wenig von seiner Kraft einbüßt. Dank Rapideye ist ein derartiges Erleben nun für einen weiteren wichtigen Film möglich – ein Punkt, der, ebenfalls wiederholt, gewürdigt werden sollte, als Erinnerung an die Reichhaltigkeit des Kinos – an das Vergnügen oder die Tortur, in jedem Fall an die bewegende Kraft des genauen Blicks.

Eine ausführliche Auseinandersetzung mit Brillante Mendozas Kino und den Leitmotiven seiner Arbeit von Ciprian David findet sich hier.

Kinatay - Pressespiegel auf film-zeit.de.

Kinatay
R: Brillante Mendoza
B: Armando Lao
K: Odyssey Flores
D: Coco Martin, Julio Diaz, Mercedes Cabral, Maria Isabel Lopez, John Regala, Jhong Hilario, Lauren Novero
Frankreich/Philippinen, 2009, 105 Min .
Rapid Eye Movies
Veröffentlichung: 06.05.2011
Bildformat: 16:9 – 1.77:1
Sprache: Tagalog
Untertitel: Deutsch
Extras: Booklet, Trailer
FSK: 18


Captain America: The First Avenger - 3 neue TV-Sptos und Filmbilder

von Elisabeth Maurer, am 30.6.11


Letzte Woche gab es einen zweiten Trailer zur Comicverfilmung Captian America - The Firtst Avenger (hier anzusehen). Der von Joe Johnston (Jumanji, The Wolfman) inszenierte Film startet in Deutschland am 18. August im Verleih von Paramount. Er erzählt wie Steve Rogers (Chris Evans), der für den Militärdienst als körperlich ungeeignet eingestuft wird, freiwillig an einem geheimen Programm teilnimmt, das ihn zu Captain America macht. In weiteren Rollen sind Hugo Weaving, Stanley Tucci und Tommy Lee Jones zu sehen.

Lest hier unser ausführliches Essay über die Marvel-Helden.

Hier gibt es jetzt drei neue Fernsehspots zu Captain America:







Hier noch einige Filmbilder:

Die geheime Prozedur

Nach der Verwandlung

Der amerikansiche Held

Bilder-Copyright: Marvel Entertainement, Paramount

 

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