--

.

Shame - Neuer Trailer zu Sexsucht-Drama mit Michael Fassbender

von Stefan Deutschle, am 30.11.11

Michael Fassbender ergründet
die Abgründe der Sexsucht in Shame
Zu Steve McQueens Sexsucht-Drama Shame ist ein Red Band-Trailer veröffentlicht worden. Michael Fassbender spielt im Film einen New Yorker, der Intimität mit Frauen scheut, aber seine zwanghafte Sucht nach Sex in anonymen Begegnungen stillt. Als seine unberechenbare jüngere Schwester, gespielt von Carey Mulligan, durch ihren Einzug in seine Wohnung Erinnerungen an eine schmerzhafte Vergangenheit aufrührt, gerät Brandons isoliertes Leben außer Kontrolle.

Der Plot von Shame wird nur im ersten Trailer behandelt. Wie schon der unmittelbar zuvor veröffentlichte Trailer arbeitet der Red Band-Trailer ohne den Einsatz von Worten und montiert Impressionen sexueller Erlebnisse um eine zentrale Szene in einem U-Bahn Zug. Die kontrollierte, sparsame Ökonomie von Verlangen und Verführung dient als Ruhepol, der von rastlosen Eroberungen immer wieder durchbrochen wird, und schließlich löst sich auch diese Szene auf in Verwirrung und Verlust.

Steve McQueens Shame startet ab dem 1. März neu im Kino.




Quelle: ComingSoon
Bild: Georges Biard

Dark Horse - Erster Trailer für Todd Solondz- Film mit Christopher Walken

von Stefan Deutschle, am 30.11.11

Dark
Letztes Jahr erschien nach einer längeren Arbeitsunterbrechung Todd Solondz' Life During Wartime, die Pseudo-Fortsetzung zu Happiness. Sein neuester Film Dark Horse ließ nicht solange auf sich warten und weist einen herausragenden Cast auf: Christopher Walken (Catch Me If You Can), Mia Farrow (Glut unter der Asche), Selma Blair (Hellboy 2: Die Goldene Armee), Justin Bartha (The Hangover), Aasif Mandvi (Spider-Man 2), Donna Murphy (The Fountain), Zachary Booth (Der Bieber) und Jordan Gelber (Before The Devil Knows You're Dead).

In Dark Horse verkörpert Jordan Gelber einen Mann in seinen Dreißigern, der noch immer bei seinen Eltern (Christopher Walken und Mia Farrow) wohnt und in der Firma seines Vaters arbeitet. Durch eine übereilte Heirat mit einer flüchtigen Bekannten (Selma Blair) versucht er, seinen Ruf als stilles Wasser zu überwinden. Sie befindet sich dabie an einem ganz ähnlichen Punkt ihres Lebens. Justin Bartha spielt den Bruder des Protagonisten, Zachary Booth seinen Cousin. Aasif Mandvi tritt als der Ex-Freund von Blairs Charakter auf. Donna Murphy schließlich spielt die Skeretärin von Walkens Charakter.

Hier der Trailer zu Todd Solondz' Dark Horse, komplett mit polnischen Untertiteln!






Wem der Schluss zu schnell ging, kann außerdem den nachfolgenden Clip anschauen, vielleicht am besten zuerst, um sich den Witz nicht zu verderben.





Quellen: Indie Wire, Bleeding Cool, NBC Chicago
Bild: Festival Internacional de Cine en Guadelajara

Malina

von Samuel Nerl, am 30.11.11


Malina ist ein Film von Werner Schroeter, dessen Filme sich durch Verwendung von Theater- und Opernelementen auszeichnen. Isabelle Huppert (Die Klavierspielerin), Matthieu Carriere (Für eine Literatur des Krieges, Dschungelcamp 2011) und Can Togay (Holocaust-Mahnmal: Schuhe am Donauufer) spielen die Hauptrollen. Elfriede Jellinek (Die Klavierspielerin) hat das Drehbuch geschrieben, dessen Grundlage der "autobiografische" Roman Malina, der einzige, Ingeborg Bachmanns ist.

Beginnend in der Kindheit der Protagonistin, auf einem mit roten blühenden Blümchen gezierten Balkon Wiens, als der Vater sie, Todesfliegen sitzen in seinem Gesicht, im Zwiestreit, in einem Zustand der Raserei, die gesamte Schuld von sich weisend, mit den Blumentöpfen bewirft; schließlich sie im hilflosen Zustand eines kleinen Kindes packt und über die Brüstung schmeißt. Im Hintergrund ragt finster einer der Wiener Flaktürme hervor. Gepeinigt ist sie von diesem schrecklichen Erlebnis mit ihrem Vater, von dessen Art ihr noch einige begegnen werden. Der Vater in Priesterrobe, der Vater in blutbeschmierter Schlachterschürze, der Vater mit herausfordernder Geste und mit von Bratensoße verschmiertem Mund in SS Uniform.

So durchzieht den Film eine Spanne von geschichtlich ernstzunehmenden Hinweisen bis hin zur inflationären Reproduktion von Psychologismen, die, anstatt den Charakter der Protagonisten zu prägen, den Film geradezu ästhetisieren. Im filmgeschichtlichen Vergleich dazu gibt es 20 Jahre später einen angesagten Film über die Depression, in dem ihre Ursache keinen geschichtlich-familiären Bezug mehr hat, sondern von einer präsenten, ansteigenden Bedrohung ausgeht, die sich als ein hinterlistiger, von der Wissenschaft nicht mehr dechiffrierbarer, mit unglaublich hoher Geschwindigkeit auf die Erde zurasender Planet charakterisiert.


Doch Wissenschaft nützt im Falle Malina auch nichts, wie wir später noch sehen werden, da sich unsere Schriftstellerin an der Quelle der Wissenschaft befindet. Jedoch, das, was im Buch lose Substanz ist, die der Leser deuten muss, wird im Film auf kurze Szenen reduziert:

MALINA / ANIMAL / MÉLANIE / ANIMUS / ANIMA / IVAN / NAIF

Also gibt sie sich völlig der Verarbeitung ihrer Verletzungen, die in ihren Erinnerungen sind, hin, indem sie in ihrer Ungargasse Briefe schreibt, die sie nicht abschickt. Das wiederum belastet die Beziehung zu ihren Mitmenschen, die um sie herum sind, lässt sie gar selbstsüchtig erscheinen. Als ihre Sekretärin einmal zu viel von dem Glück ihrer Verlobung spricht, und dass sie dann und wann keine Zeit hätte, schlägt sie wütend die Tür zu.

Die Protagonistin fühlt sich immer mehr zum Fremden hingezogen, das sie mit dem Märchenhaften in Verbindung bringt, bis sie Ivan begegnet, einem Ungar, und eine Verbindung leidenschaftlicher, körperlicher, chaotischer Art herstellt. Wenn er kommt, kommt es zu einer stürmischen Begegnung, dann verschwindet er wieder; treffen sie sich draußen, droht immer der sofortige Überfahrungstod durch vorbeifahrende Autos. Die banale kalte Wirklichkeit ist nicht konstruiert um Rücksicht auf Menschen zu nehmen. Besonders nicht auf die, die in der Gewalt ihrer Liebe zueinander und die begleitende Ohnmacht der Sprache, über die Vernunft hinaus zu blicken, bemächtigt werden. Doch Ivans Unverständnis gegenüber ihrer Schriften, Schriften über den Tod, und der damit einhergehende Bruch ihres romantischen Sinnes, ihres Vertrauens in die Beziehung, steigert die Beziehung in Hassgefühle zueinander, in gegenseitige Verachtung bis letztendlich Ivan gänzlich von der Bildfläche verschwindet. Ihr anfängliches infantiles Interesse für das Fremde und die daraus entstandenen Erlebnisse, wie zum Beispiel mit Iwan in einer Husarenarmee zu reiten, werden im Laufe der Zeit von einer Vorstellung klassischer Romantik ersetzt. So erlebt sie gegen Ende eine Arie aus Antigone, in der sie ihrem Vater auf ebenbürtige Weise begegnet.

Kehren wir zum Anfang zurück, wo es eine Szene gibt, die das Vorhergesagte grundiert, ja, die analog zum Wesen des gesamten Films steht. In einer Universitätsvorlesung, in der unsere Schriftstellerin ihren Zuhörern "das Schweigen über die Ästhetik" bei Wittgenstein zu erklären versucht, stützt sie sich auf die beiden populärsten Sprachtheoretiker unserer Zeit, womit die Vaterrolle wieder um einen drastischen Aspekt erweitert ist. Wittgenstein, Heidegger und deren Primat der Sprache. Sie konfrontiert Heidegger und Wittgenstein und schließt, dass ein hoher Begriff der Sprache nicht mehr als bloßes Gerede sei, - Heideggerischer Terminus für einen niederen sprachlichen Begriff - wenn jeder nach Wittgenstein die sprachliche Grenze definiert und somit überschreitet. Die gedankliche Schlussfolgerung der Schriftstellerin ist: Wenn dem so sei, dass sich alles Sprechen nur noch im Modus Heideggers Gerede aufhalte, so kann sich kein Sprechen mehr seiner Berechtigung versichern, dann darf nur noch vor dem Hintergrund des Wissens und des Eingeständnisses seiner eigenen Rechtlosigkeit gesprochen werden. Ohne diesen Schluss als philosophische Wahrheit behaupten zu wollen, hat er doch seine Gültigkeit im Hinblick auf Ivan und unsere Schriftstellerin.

Und auch die Beziehung zu Malina, ihrem Freund und ständigem Mitbewohner ihres materiellen Wohnreichs, steht unter diesem Stern und geht noch darüber hinaus. Denn was die Verbindung mit Malina betrifft, das schafft Schroeter nicht mit filmischen Mitteln und muss Roman-Worte sprechen lassen. So scheint Malina den Grad von Zwischenmenschlichkeit, bis hin zur innerseelischen Unstimmigkeit eines Menschen spielen zu müssen. Nicht dem zum trotz illustriert der Film am Ende eine ganz schöne Auflösung von Raum zu der sowieso schon labilen Zeit und eine Verbindung dessen mit der Seele, wenn man es denn so verstehen mag.

Wenn dann heutzutage Lars von Trier riesige derpressionsbringende Planeten auf die Erde hetzt, während der Mann schon lange dabei ist körperlich wie geistig zu sterben, spielt sich der Kampf der Frau nicht mehr in einem geschichtlichen Umfeld ab. Dann erweitert Trier den Begriff der Seele um eine dramaturgische Komponente, in dem er auf scheinbar äußerst fahrlässige Art und Weise das, was er glaubt die Seele zu meinen, extrahiert und als unbesiegbaren Endgegner darstellt, um so ein multidimensionales Spektrum an Charaktereigenschaften zu erhalten, die letztendlich das sind, was man als originell zu denken glaubt. Auch hier geschieht eine Ästhetisierung, zwar nicht durch den Einsatz romantischer umso mehr auf die Verfilmung spätromantischer Stücke, in der Makrodramatischen Tradition. Das stellt den Vorwurf gegenüber Malina bei weitem in den Schatten.

Resümierend drängt sich aber leider das Urteil auf, dass trotz all der vielen Bezüge zur Hochkultur, ob nun inflationärer, authentischer Einsatz von Zwölftonmusik oder die Opern Oberon und Antigone, der Film nicht einmal im geringsten dem Roman Bachmanns gerecht geworden ist. Dieser komplexe, Geschichte belebende Roman, der mit dem Archetyp der Seele ringt, ist durch den Film nicht ein kleines bisschen interessanter geworden, nicht ein bisschen aufschlussreicher. Die hoch gesetzten Maßstäbe, die das Buch mitbringt, vermag der Film nicht eindeutig zu machen, gleitet in einen Ästhetizismus ab, was dem Zuschauer eine tiefe vorhergehende Beschäftigung abverlangt, was einerseits gut ist, andererseits dem Film ein elitäres Wesen auferlegt, das die weitergehende Beschäftigung mit dem Roman, als auch mit Bachmann im allgemeinen, nicht anregt, da er dem Zuschauer den Appetit verdirbt. Schroeter hat Seelenraub begangen. Malina ist gerade bei Concorde auf DVD und Blu-ray erschienen.




Malina
R: Werner Schroeter
B: Elfriede Jelinek
K: Elfi  Mikesch
D: Isabelle Huppert, Mathieu Carriere, Can Togay
Deutschland / Österreich 1991, ca. 121 Min
Concorde
Bildformat: 1,78:1 (16:9)
Sprache: Französisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonus: Neuer und Original-Kinotrailer, Interview mit Elfriede Jelinek

The Tree of Life, The Artist, Drive unter den Preisträgern des New York Film Critics Circle

von Stefan Deutschle, am 30.11.11

Brad Pitt The Tree of Life
Brad Pitt erhielt den Preis als Bester Hauptdarsteller für seine Rollen in The Tree of Life und Moneyball.





























Der New York Film Critics Circle hat seinen Preis für den Besten Film des Jahres 2011 an Michel Hazanavicius' The Artist verliehen. Hazanavicius wurde zudem als Bester Regisseur geehrt. Meryl Streep gewann den Preis als beste Hauptdarstellerin für ihre Rolle in Die Eiserne Lady. Brad Pitt erhielt den Preis als bester Hauptdarsteller für seine Leistungen in The Tree of Life und Moneyball. Moneyball sicherte außerdem Steven Zaillian und Aaron Sorkin den Preis für das beste Drehbuch, während The Tree of Life auch in den Kategorien Beste Kameraführung (Emmanuel Lubezki) und Beste Nebendarstellerin (Jessica Chastain, die auch für ihre Arbeit in The Help und Take Shelter beachtet wurde), siegreich war. Albert Brooks wurde als Bester Hauptdarsteller für seinen Auftritt in Drive ausgezeichnet.

Die Preise des New York Film Critics Circle gehören zu den Vorboten für die Oscarnominierungen im Januar. Hier nochmal ein Blick auf die sieben Filme, die bei der deutschen Kandidatur für den Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film zur Auswahl standen.

Hier die einzelnen Preise im Überblick:

Bester Film: The Artist, von Michel Hazanavicius, mit Jean Dujardin und Bérénice Bejo, ab dem 26. Januar neu im Kino
Beste Regie: Michel Hazanavicius (The Artist)
Bestes Drehbuch: Steven Zaillian und Aaron Sorkin (Die Kunst zu gewinnen - Moneyball, von Bennett Miller, mit Brad Pitt und Jonah Hill, ab dem 2. Februar neu im Kino)
Beste Kameraführung: Emmanuel Lubezki (The Tree of Life, von Terrence Malick, mit Brad Pitt und Jessica Chastain, seit dem 10. November auf DVD erhältlich)
Bester Hauptdarsteller: Brad Pitt (MoneyballThe Tree of Life)
Beste Hauptdarstellerin: Meryl Streep (Die Eiserne Lady, von Phillida Lloyd, mit Meryl Streep und Jim Broadbent, ab dem 1. März neu im Kino)
Bester Nebendarsteller: Albert Brooks (Drive, von Nicolas Winding Refn, mit Ryan Gosling und Carey Mulligan, ab dem 26. Januar neu im Kino)
Beste Nebendarstellerin: Jessica Chastain (The Tree of LifeThe Help, von Tate Taylor, mit Emma Stone und Viola Davis, ab dem 8. Dezember neu im Kino; Take Shelter, von Jeff Nichols, mit Michael Shannon und Jessica Chastain, ab dem 22. März neu im Kino)
Bester Fremdsprachlicher Film: Nader und Simin - Eine Trennung (Asghar Farhadi, mit Leila Hatami und Peyman Moadi)
Bester Sachfilm: Die Höhle der vergessenen Träume (Werner Herzog)
Bestes Debüt: Margin Call (von J.C. Chandor, mit Kevin Spacey und Paul Bettany)


Quellen: Deadline, MTV

Filmplus - Preise und Gewinner

von Stefan Deutschle, am 30.11.11






















Filmplus, das Forum für Schnitt und Montagekunst in Köln, zeigte vom 25. bis 28. November 16 nominierte Filme in den Kategorien Spielfilm, Dokumentarfilm und Kurzfilm, die in den vollbesetzten Kinosälen des OFF Broadway und des Filmforums im Museum Ludwig in Anwesenheit der beteiligten Cutter vorgeführt wurden. Zudem fungierte Filmplus wieder als Plattform für intensive Diskussionsveranstaltungen, in einer Reihe von Filmgesprächen und Panels zum Themenschwerpunkt "Zeit und Montage," sowie in einem Werkstattgespräch mit der diesjährigen Ehreneditorin Gisela Haller. Den feierlichen Höhepunkt von Filmplus bildete die Verleihung der Schnitt Preise am Abend des 28. Novembers in Anwesenheit von Jürgen Roters (Oberbürgermeister der Stadt Köln), Petra Müller (Geschäftsführerin der Film- und Medienstiftung NRW) und Prof. Dr. Gerhard Pfennig (Geschäftsführer der Stiftung Kulturwerk der VG Bild-Kunst).

Der von der Film- und Medienstiftung NRW mit 7.500 Euro dotierte Schnitt Preis Spielfilm ging an Silke Olthoff für die Montage an Rammbock (Regie: Marvin Kren). Die Jury, bestehend aus Dietrich Brüggemann (Regisseur), Andreas Füser (Stadt Köln), Birgit Gudjonsdottir (Kamerafrau), Robert Gwisdek (Schauspieler) und der Vorjahrespreisträgerin Monika Willi (Editorin, Schnitt Preis für die Montage an Das weiße Band von Michael Haneke), begründete ihre Wahl wie folgt: "Der Schnitt Preis Spielfilm 2011 geht an eine Schnittleistung, die zwei Genres miteinander kombiniert, ohne dass sie sich gegenseitig den Garaus machen. Silke Olthoff gelangen mit der Montage an Rammbock viele Dinge gleichzeitig: Die Zombie-Invasion ist erschreckend glaubwürdig, die Liebesgeschichte geht uns wirklich ans Herz, beide Stränge halten stets die Spannung und steigern sich immer weiter bis zum Finale, nicht zuletzt behält man immer den Überblick über die Topographie eines labyrinthartigen Berliner Hinterhofs. Die Dynamik der Gewalt, die Silke Olthoff schafft, ohne dabei hastig zu werden, ist herausragend und lässt doch Raum für eine Geschichte, die in nur 63 Minuten nichts vermissen lässt."

Der von der Stiftung Kulturwerk der Verwertungsgesellschaft BILD-KUNST mit ebenfalls 7.5000 Euro dotierte Schnitt Preis Dokumentarfilm, ging an Stephan Krumbiegel und Volker Sattel für den Schnitt an Unter Kontrolle (Regie: Volker Sattel in Zusammenarbeit mit Stefan Stefanescu). Der Jury Dokumentarfilm gehörten Christian Frei (Regisseur), Isabel Krolla (Film- und Medienstiftung NRW), Meike Martens (Produzentin), Anja Pohl (Editorin) und Sebastian Stobbe (Dramaturg/Kameramann) an, die ihre Wahl wie folgt begründeten: "Den Editoren gelingt es, einem hoch emotionalisierten Thema klug und unaufgeregt filmischen Raum zu eröffnen. Die Montage verdichtet die Sachlichkeit der Bilder von Alltagsszenen und architektonischen Tableaus zu einem präzisen, emotionalen und im Wortsinn "aufgeladenen" Ganzen. Eine beeindruckende Reflexion über eine vergangene Epoche von Technikgläubigkeit und des Vertrauens, es sei alles unter Kontrolle."

Der Förderpreis Schnitt, dotiert von MMC Independent mit 2.500 Euro und ermöglicht durch das Land NRW sowie die Deutsche Filmakademie, ging an den Züricher Rolf Hellat für die Montage des Kurzfilms I ovo je Beograd (Regie: Corina Schwingruber Ilić). Erstmals konnten sich auch Editoren aus Österreich und der deutschsprachigen Schweiz für den Förderpreis bewerben, über dessen Vergabe die Juries des Schnitt Preis Spielfilm und des Schnitt Preis Dokumentarfilm gemeinsam berieten. Sie würdigten Rolf Hellats Montageleistung wie folgt: "Rolf Hellat komponiert mit lakonisch-liebevollem Blick ein Porträt von Belgrad. Er schafft es, zwischen Protagonisten, Schauplätzen und Stimmungen mit großer Leichtigkeit zu wechseln und zeichnet so mit viel Witz ein facettenreiches Bild von Mentalitäten und Menschen." Eine lobende Erwähnung der Jury ging zudem an Clemens Walter für die Montage des Kurzfilms Chica XX Mujer (Regie: Isabell Šuba): "Der Schnitt von Clemens Walter lässt sich nicht verführen von den im Material liegenden Rhythmen. Die Montage setzt im Sinne einer eigenen Autorenschaft starke Akzente, die eine Wirkmacht entfalten, die Neugier weckt und den Zuschauer herausfordert."

Informationen zu allen Preisträgern und die ausführlichen Jurybegründungen erhalten sie auf der Webseite von Filmplus.

Let Me In - Weitere Clips

von Stefan Deutschle, am 29.11.11

Let Me In

Let Me In von Matt Reeves (Cloverfield) ist ein Remake des schwedischen Kultfilms So finster die Nacht von Thomas Alfredson aus dem Jahre 2008, der auf dem gleichnamigen Roman von John Adjvide Lindquist basiert. Auf dem Toronto International Film Festival umjubelt, kommt Let Me In am 15. Dezember in die deutschen Kinos. Den Trailer zu Let Me In gibt es hier zu sehen.

Der zwölfjährige Owen (Kodi Smit-McPhee) wächst in einer Kleinstadt in den Bergen New Mexicos auf. Der zierliche Junge lebt dort mit seiner Mutter in einem tristen Wohnblock. Freunde hat er keine, in der Schule wird er von Mitschülern terrorisiert. Doch dann zieht ein Mädchen in die Nachbarschaft, das genauso einsam und verloren wirkt. Owen schließt Freundschaft mit Abby (Chloë Moretz), die mit ihrem Vater (Richard Jenkins) allein zu leben scheint und sich immer nur nach Sonnenuntergang sehen lässt. Als in der kleinen Gemeinde blutleere Leichen gefunden werden, keimt in Owen ein erschütternder Verdacht.

Die letzten Clips zu Let Me In widmeten sich der zunehmenden Intimität zwischen den beiden Außenseitern Owen und Abby, die fähig schien, ein bedrohliches und schmerzhaftes Geheimnis einzugrenzen und zu lindern, bis hin zu seinem Ausbruch. Die folgenden beiden Clips zeigen die Gewalt, die außerhalb ihrer Beziehung zueinander auf und durch die Protagonisten wirkt. Diese Gewalt ist geprägt von einer demütigendenden und brutalen Unvermitteltheit und zugleich einer verstörenden Ambivalenz.









Materialien: Filmpressekit

Bal - Honig: Gewinnspiel zum Start der Special Edition

von Catarina Gomes de Almeida, am 29.11.11

bal honig film
Bal - Honig
Semih Kaplanoğlus Filme Yumurta – Ei, Süt – Milch, und Bal – Honig gibt es bereits seit einiger Zeit jeweils einzeln auf DVD zu kaufen. Alle drei Filme handeln von dem Dichter Yusuf. In umgekehrter Chronologie erzählen sie seine Lebensgeschichte. Der erste Film der Reihe, Yumurta – Ei erzählt davon wie der erwachsene, über vierzigjährige Yusuf nach langer Zeit der Abwesenheit in seine kleine Heimatstadt zurückkehrt. Der zweite, Süt – Milch spielt zwanzig Jahre zuvor und erzählt von einem noch jungen Yusuf und seiner aufkeimenden Begeisterung für Literatur und das Phantastische. Ein Yusuf, der zu diesem Zeitpunkt noch lediglich davon träumt einst ein großer Dichter zu sein. Der letzte Teil der Trilogie, Bal – Honig führt den Zuschauer schließlich in die Kindheit Yusufs zurück. Eine Zeit, in welcher er als Junge seinen Vater, einen Imker zu den Bienenstöcken in den Wäldern begleitet und die Geheimnisse der Natur kennenlernt. Eine Rezension zu Bal – Honig findet Ihr hier bei NEGATIV.



Seit kurzem gibt es die Yusuf-Trilogie nun auch als Special Edition, die alle Filme auf drei separaten DVDs mit jeweils eigenständigem Making Of in einer Edition vereint. Anlässlich der Veröffentlichung der Bal - Honig / Yusuf-Trilogie Special Edition verlost NEGATIV zwei Exemplare dieser. Um am Gewinnspiel teilzunehmen müsst Ihr nur die untenstehende Gewinnspielfrage beantworten. Wir wünschen Euch viel Glück dabei!

Teilnahmeschluss ist der 19. Dezember 2011!

Wir danken Piffl Medien für die freundliche Unterstützung!

Leider können nur Teilnehmer mit Wohnsitz in Deutschland akzeptiert werden. Die Daten werden selbstverständlich vertraulich behandelt. Mit der Teilnahme akzeptiert Ihr automatisch die hier einsehbaren Teilnahmebedingungen.



Bildmaterial: Höhne-Presse 

Neu im Kino - Kinotipps vom 01.12.2011

von Sebastian Bauer, am 29.11.11


neu im Kino
Der Filmemacher als Protagonist: Thomas Imbach in Day Is Done


Das Kinojahr 2011 neigt sich dem Ende, die kalte Jahreszeit hält allmählich auch in Deutschland Einzug. Für welche Arbeiten konnten wir uns diese Woche erwärmen, welche lassen unsere Redaktion weitgehend kalt?

Mit Day Is Done gelingt dem Schweizer Filmemacher Thomas Imbach nicht nur ein synästhetisches Porträt der Stadt Zürich, sondern auch ein selbstreflexives, „funkelndes Kaleidoskop seines eigenen Lebens“ und Arbeitens als Filmschaffender, konstatierte unser Autor Christian Alt bereits zur Premiere des Films bei der diesjährigen Berlinale. Kommunikation und Blockade, Nähe und Distanz, Nachricht und Reaktion, Fragment und Gesamtbild – sie alle liefern das Gerüst an Informationen, die sich mittels Anrufbeantworter an Imbach als zentralen Akteur, Künstler und filmisches Subjekt richten und zunehmend konkretisieren. Unbedingt zu empfehlen, da der Autor „mit Day Is Done Großes geleistet hat“ (Hier die Kritik zu Day Is Done).
Ebenso besonders empfehlenswert ist Cary Fukunagas Adaption von Jane Eyre nach dem viktorianischen Roman von Charlotte Brontë, in dem die ungewöhnliche Liebe einer Gouvernante und eines Adeligen von den Schatten der Vergangenheit des Hausherren eingeholt wird. Glaubwürdig, stimmungsvoll und mit einer realistisch geerdeten Schauspielführung legt Jane Eyre anno 2011 endlich den kitschigen Mief ab, der seinen vorherigen filmischen Interpretationen anhaftet, betont NEGATIV-Autor Markus Hauschild.

Auf eine ebenso poetische wie filmisch geglückte Reise in die Natur und zu sich selbst begeben sich eine Frau und ein junger Rucksack-Tourist in Turistas von Alicia Scherson, während London Boulevard (Regie: William Monahan) sehenswerte schwarze Thrillerkost um den komplizierten Neubeginn im Leben eines ehemaligen Sträflings liefert. Zu sehen sind Colin Farrell und Keira Knightley.
Josef Bierbichler sorgte unlängst mit seinem schroffen Heimatroman Mittelreich als Schriftsteller für Furore. In Brand von Thomas Roth agiert er nun als ebensolcher, verliert sich in einer Affäre mit der Krankenpflegerin seiner an Krebs erkrankten Frau und findet sich in einem melodramatischen Puzzle der übergroßen elementaren Konstanten des Lebens von Liebe über Eifersucht bis Tod wieder. Wer die beeindruckende Präsenz Bierbichlers schätzt, erwärmt sich an Brand.
Wem der polarisierende Schauspieler und die verhandelten zwischenmenschlichen Risse und Abgründe die vorweihnachtliche Nestwärme verderben, geht einen Ticketschalter weiter, um sich an den bedeutend glatteren Erscheinungen von Justin Timberlake und Amanda Seyfried zu erfreuen. Im Science Fiction-Thriller In Time - Deine Zeit läuft ab (Regie: Andrew Niccol) müssen die beiden Stars gegen die existenzielle Bedrohung ablaufender Zeit ankämpfen bzw. sich neue Zeitkontingente erkaufen - was in seiner ganzen Plotanlage geradezu wie Weihnachten bzw. Vorweihnachtsstress klingt. Wer in diesem Monat Zeit hat, kann, muss sie aber nicht zwingend für In Time aufwenden.  
Straw Dogs verweist als Remake des gleichnamigen, seinerzeit heiß diskutierten Thriller-Klassikers von Sam Peckinpah auf die 1970er Jahre und sollte zumindest filmhistorisch Interessierte zu einer Neubetrachtung des Stoffs über das Gewaltpotenzial eines in die Enge getriebenen gebildeten Mannes bewegen.
Von der Macht der Musik und ihrer Beschränkung erzählt Wyssozki - Danke, für mein Leben. Piotr Buslow bringt in einer Erzählung den ebenso populären wie einflussreichen russischen Musiker Vladimir Wyssozki auf die Leinwand, dessen Schaffen und Auftritte angesichts der Beschränkungen in der ehemaligen UdSSR nur semilegal verlaufen konnten.
Wo Roland Emmerichs Weltuntergangsvision 2012 zu dick auftrug, spürt der Dokumentarfilm Herz des Himmels, Herz der Erde umso dezenter den Sorgen und Lebensbedingungen der Maya unter dem Vorzeichen deren 2012 endenden Kalenders nach. Laut NEGATIV-Autor Alexander Davydov gelingt ihm so bewegende Porträts menschlicher Schicksale (Hier die Kritik zu Herz des Himmels, Herz der Erde).

Die Darstellung der Identitätskrise einer jungen Immigrantentochter mit türkisch-armenischen Wurzeln in Anduni – Fremde Heimat (Regie: Samira Radsi) enttäuscht hingegen auf ganzer Linie. Der hölzerne, klischeebeladene Umgang mit Einwanderer-Problemen und ein allzu bemühter, lebloser Problemdiskurs verdarb unserem Autor Leander Ripinchsky bereits beim diesjährigen Filmfest Oldenburg die Kinolaune (Hier seine Kritik zu Anduni).
Die Romanadaption Kein Sex ist auch keine Lösung unter der Regie von Torsten Wacker will eine längst überfüllte Lücke für romantische Komödien schließen, während Happy Feet 2 (Regie: George Miller) im Vorfeld angesichts der ungleich spannenderen, unlängst die Boulevard-Nachrichten beherrschenden Story um einen gestrandeten Pinguin gleichen Namens Zweifel an seiner Notwendigkeit schürt.
In die Liste der mit Bedacht zu genießenden Filme reihen sich ab Donnerstag auch Eran Riklis‘ Road-Movie Die Reise des Personalmanagers ein, dessen Titelfigur die Leiche einer Gastarbeiterin auf dem Weg in die Heimat begleitet und laut Presseecho ohne Biss und Überraschungen auskommt. Ein ähnliches Urteil muss sich auch Lutz Konermanns Der Fürsorger gefallen lassen, welcher in Rückblenden die auf Tatsachen basierende Geschichte eines Kinderarztes und Hochstaplers aufbereitet.
Angesichts der die letzten Monate bestimmenden Nachrichten über Angriffe von Haien auf Touristen, verströmt Shark Night 3D beinahe schon eine bissige Aktualität, würde sich Regisseur David R. Ellis nicht erneut an der gewohnt turnusmäßigen Zerfleischung bildschöner Studentenkörper abarbeiten.
Zu den besonderen Empfehlungen der Woche seht Ihr hier die Trailer:



Mein liebster Alptraum - Isabelle Huppert in neuer Komödie aus Frankreich

von Stefan Deutschle, am 29.11.11

Mein liebster Alptraum Isabelle Huppert
Isabelle Huppert in Mein liebster Alptraum

Für ihre neueste Komödie Mein liebster Alptraum (Mon pire cauchemar) hat Anne Fontaine (Coco Chanel - Der Beginn einer Leidenschaft, Das Mädchen aus Monaco) mit Isabelle Huppert (Geheime Staatsaffären), Benoît Poelvoorde (Nichts zu verzollen) und André Dussolier (Kein Sterbenswort) drei der beliebtesten Schauspieler Frankreichs versammelt, die in etwas anderen Szenen einer Beziehung darstellen, was so passieren kann, wenn in einer langjährigen Beziehung die Gefühle erloschen sind und die Partner sich entschließen, für Auffrischung zu sorgen.


Sie (Isabelle Huppert) wohnt zusammen mit ihrem Lebensgefährten (André Dussolier) und dem gemeinsamen Sohn in einem schicken Apartment gegenüber dem Jardin du Luxembourg. Er (Benoît Poelvoorde) lebt alleine mit seinem Sohn in einem Lieferwagen. Sie ist eine renommierte Galeristin. Er lebt von Gelegenheitsarbeiten und der Wohlfahrt. Sie hat sieben Jahre lang an der Universität studiert. Er hat fast sieben Jahre lang im Gefängnis gesessen. Sie duzt den Kultusminister, er ist jedem alkoholischen Getränk zugeneigt. Sie liebt intellektuelle Debatten, er gelegentlichen Sex mit vollbusigen Bettgenossinnen. Sie können den Anblick des jeweils anderen nicht ertragen, aber haben beide heranwachsende Söhne, die trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft die besten Freunde sind. Und so kommen sich auch die Erwachsenen näher, als sie es jemals wollten.

Schauen Sie hier den Trailer zu Mein liebster Alptraum, der ab dem 12. Januar neu im Kino ist.





Materialien: Concorde

Martin Scorsese - 3D in allen zukünftigen Filmen

von Stefan Deutschle, am 29.11.11

Martin Scorsese
Martin Scorsese


Nach seinen Erfahrungen mit Hugo Cabret würde es Martin Scorsese vorziehen, alle seine künftigen Filme in 3D zu drehen. Scorsese glaubt, dass jede Thematik 3D verkraften kann und die Technologie demzufolge nicht auf Fantasy und SciFi-Stoffe wie James Camerons Avatar beschränkt bleiben sollte. Mit Hinweis auf Werner Herzogs und Wim Wenders Gebrauch von Stereoskopie in ihren jeweiligen Dokumentationen Die Höhle der vergessenen Träume und Pina plädiert Martin Scorsese für ein Verständnis der Technologie als Möglichkeit Tiefe als ernsthaftes erzählerisches Element und Werkzeug einzubringen. Scorsese vergleicht die 3D-Technologie mit Technicolor, das für 10-15 Jahre nur für Musicals, Komödien und Western benutzt wurde und nicht für ernsthafte Genres vorgesehen war. Entsprechend glaubt er, dass mit einer Anpassung der Sehgewohnheiten und dem Fortschritt der Technologie 3D die gleiche Akzeptanz und Allgegenwart wie Farbe erlangen kann.



Noch zwei Jahre zuvor hatte Martin Scorsese ausgesagt, kein Interesse an 3D zu haben. Im Vorfeld zu Hugo Cabret schien jedoch das richtige Klima entstanden, zudem bot das Projekt die perfekte Thematik an, sodass Scorsese die Zeit gekommen sah, das Risiko einzugehen. Hugo Cabret basiert auf dem preisgekrönten Kinderbuch von Brian Selznick, Die Entdeckung des Hugo Cabret. Der Film erzählt die Geschichte eines zwölfjährigen Jungen, der in den Mauern eines Bahnhofs im Paris der 1930er Jahre lebt. Asa Butterfield spielt die Hauptrolle, Chloë Moretz ein exzentrisches Mädchen, auf dass er trifft. In weiteren Rollen sind Ben Kingsley, Sacha Baron Cohen, Jude Law, Ray Winstone, Helen McCrory und Christopher Lee zu sehen. Den Trailer zu Hugo Cabret finden Sie hier. Hugo Cabret ist ab dem 9. Februar neu im Kino.



Quelle: Guardian
Bild: David Shankbone

The Descendants mit George Clooney - Neue Featurettes und Spot

von Stefan Deutschle, am 29.11.11

The Descendants
The Descendants mit George Clooney, Shailene Woodley und Amara Miller

















The Descendants ist der neueste Film von Alexander Payne (Sideways). Die Hauptrolle des Matt King spielt George Clooney, in weiteren Rollen sind Shailene WoodleyAmara Miller, Nick Krause, Judy Greer, Matthew Lillard und Beau Bridges zu sehen. Die Tragikomödie basiert auf dem gleichnamigen Roman von Kaui Hart Hemmings, die auch eine Rolle als Matts Sekretärin spielt.

Matt King lebt mit seiner Frau Elizabeth und seinen Töchtern Alexandra und Scottie auf Hawaii. Als seine Frau einen Bootsunfall erleidet, stürzt die zuvor harmonisch erscheinende Familie in eine Krise. Der karriereorientierte Vater muss sich nun um seine Töchter kümmern und erfährt zudem von der Affäre seiner Frau. In dem Versuch, die Vergangenheit aufzuarbeiten, macht sich Matt mit seinen Töchtern auf die Suche nach dem Liebhaber seiner Frau.

In der folgenden Featurette sprechen George Clooney und Alexander Payne über die feine Balance zwischen Komödie und Drama. In einer weiteren Featurette erzählen Regisseur und Cast von den Dreharbeiten. Ein TV-Spot stellt zudem das Lob der Kritik zusammen. Den Trailer zu The Descendants findet ihr hier. The Descendants ist ab dem 26. Januar neu im Kino.














Bild: 20th Century Fox
Filmclips: Trailer Addict

Thomas Imbach: Filme 1 Jahr auf mubi

von Denise Woiwode, am 29.11.11

day is done thomas imbach
Der Schweizer Filmemacher Thomas Imbach begann in den 90er-Jahren Filme zu produzieren. Am Donnerstag den 01.Dezember startet nun sein neuer Film Day ist Done in den deutschen Kinos.

Die Dokumentation zeigt Aufnahmen, die Thomas Imbach von seinem Atelierfenster aus zwischen 1998 und 2010 festgehalten hat. Zu sehen sind die Eindrücke einer Stadt. Unterlegt werden die Bilder mit original Anrufbeantworter-Aufnahmen. Die Anrufer teilen darin verschiedenste Ereignisse und Gefühle mit: Freude und Lachen, aber auch Zorn und Trauer. Durch das Zusammenspiel von Bild und Ton ergibt sich so ein Porträt von einem Mann, ohne dass man ihn jemals sieht.
Die Kritik zum Film Day is Done findet ihr hier.

Der Streaming- Dienst Mubi nimmt sich den Start des Films Day is Done nun zum Anlass, ein ganzes Jahr lang ausgewählte Filme von Thomas Imbach auf ihrer Internetseite zur Verfügung zu stellen. Unter anderem zu sehen sein werden der Dokumentarfilm Well Done (1994), in dem es um den Daten- und Geldfluss durch die Schweiz geht.
Außerdem Happiness Is a Warm Gun (2001), der den Tod der Grünen-Mitbegründerin Petra Kelly thematisiert.
Weitere Filme sind die Dokumentation Ghetto (1997) über eine Gruppe Jugendlicher und der Spielfilm Lenz (2006).

Auf mubi.com findet ihr die Filme von Thomas Imbach.

Day is Done: Neu im Kino ab dem 01.12.2011

Hier seht ihr den Trailer zu Day is Done:

Quelle/Bild: Homepage Day is Done

The Artist - Film-Featurette zum Cannes-Beitrag von Michel Hazanavicius

von Stefan Deutschle, am 29.11.11

The Artist Film
The Artist mit Jean Dujardin und Bérénice Bejo

Der Schwarzweiß-Stummfilm The Artist war Michel Hazanavicius diesjähriger Beitrag in Cannes, wo sein Hauptdarsteller Jean Dujardin den Preis als bester Schauspieler erhielt. Er spielt George Valentin, einen Hollywood-Star, dessen Karriere in den Goldenen Zwanzigern ihren Höhepunkt erreicht. Mit Ankunft des Tonfilms ringt er verzweifelt darum, das Verblassen seines Ruhmes zu bewältigen. In weiteren Rollen sind Bérénice Bejo, James Cromwell, Missi Pyle, John Goodman und Penelope Ann Miller zu sehen. Das folgende Featurette zeigt Interviews mit den Stars des Films, die sich trotz des scheinbaren Wahnwitzes des Konzepts auf die eigentümliche Idee einließen und dank der Vision, die sie Michel Hazanavicius zuschreiben, ihre Erwartungen übertroffen sahen. Sehen Sie hier außerdem den Trailer zu The Artist, der ab dem 26. Januar neu im Kino sein wird.






Featurette: Trailer Addict
Quelle: Daily Cardinal
Bild: Delphi


Dexter - Get Gellar Season 6 Episode 9

von Simon Born, am 29.11.11

Kostproben der Apokalypse: In Get Gellar wird die Welt von Dexter durch allerlei Enthüllungen erschüttert.


Achtung: Dieser Text enthält naturgemäß massive Spoiler!


We are responsible for the partners we choose - Dr. Ross

Apokalypse bedeutet Offenbarung: Gott enthüllt sich dem Menschen in seinem ganzen Wesen und die Welt findet ihr katastrophales Ende. In Get Gellar bringen gleich mehrere Offenbarungen die Welt von Dexter ins Wanken. Dabei spielen das Überdenken von alten und die Entstehung von neuen Partnerschaften eine wesentliche Rolle. In einer fein konstruierten Dramaturgie durchzieht das Leitmotiv der Partnerschaft sämtliche Haupt- und Nebenhandlungen und lässt sie ineinander verschränken. Dexter gewährt dem Zuschauer einen Einblick in seine komplexe, vewobene und in langer Hand vorbereitete Erzählstruktur und offenbart ein überaus angereichertes Spiel mit Symbol und Bedeutung. In einer weiteren Verhandlung von Schein und Sein existiert in Get Gellar schließlich zu jedem Bild ein Komplementärbild, das nicht selten zur Gegenlektüre anregt.

Neue Partnerschaften I: Dexter und Travis
Kommen wir zunächst zur ersten Partnerschaft, die sich nun endgültig neu formiert hat: Dexter und Travis. Die Befreiung Travis' aus den Ketten von Gellar mit einem gezielten Axtschlag von Dexter wird zum metaphorischen Akt der Beziehung. Wie schon in Sins of Omission angekündigt, versucht Dexter Travis aus den Fängen von Professor Gellar, Travis' personalisierten dark passenger, zu befreien - durch einen Akt der Gewalt. In einer imaginativen Konversation mit Harry gesteht Dexter sich selbst ein, Travis nur helfen zu wollen, um eventuell einen Weg zu finden, den eigenen dark passenger in den Griff zu bekommen: Er schenke Travis die zweite Chance auf ein Leben frei von Dunkelheit, die er niemals gehabt habe. Doch bietet die neue Partnerschaft große Herausforderungen, immerhin verbündet er sich mit einem gesuchten Serienkiller, um einen anderen gesuchten Serienkiller zu fangen. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, der doomsday killer hat bereits das passende Opfer für sein nächstes Tableau der sieben Schalen des Zorns gefunden: den Evolutionsbiologen und überzeugten Atheisten Professor Casey, ein entfernter Epigone des leidenschaftlichen Darwinisten Richard Dawkins, der mit populärwissenschaftlichen Werken wie "Der Gottes-Wahn" als Sturmspitze des Neuen Atheismus Religion im Allgemeinen und die Buchreligionen im Besonderen attackierte. Dexter sorgt sich natürlich weniger um das Wohl des selbstgefälligen Religionsfeindes als darum, Gellar zu fassen, bevor es seine Schwester Debra und der Rest der Miami Metro Police tut.

Neue Partnerschaften II: Debra und Dr. Ross
Dexters neue Partnerschaft führt zugleich, auch das wurde in Sins of Omission bereits angedeutet, zur Vernachlässigung einer alten, nämlich die zu seiner Schwester. Im Wettrennen um Gellar sind sie zu Konkurrenten geworden. Während sich Debra in ihren schwierigsten Stunden Dexter geöffnet hat, schließt er sie einmal mehr aus seinem Leben aus - zum Schutz. Würde sie die Wahrheit wissen, Dexters Killer-Natur entdecken, wäre auch ihr Leben ruiniert. Debra fühlt sich allein, die Therapie-Sitzungen mit Dr. Ross geben ihr den Halt, den Dexter ihr zuvor geboten hat. Die Sitzungen mit Dr. Ross bilden zugleich das Rückgrat der Episode - Auf einer übergeordneten Ebene der Metareflexion bieten sie zugleich die psychoanalytischen Deutungsversuche für die symbolgeladenen Bilder und Konfliktkonstellationen der gesamten Folge. In den Sitzungen sprechen Debra und Dr. Ross über Beziehungen. Hinter den Tragödien, die Debra in ihrem Leben (bzw. den letzten Dexter-Staffeln) durchmachen musste, steckt laut Ross ihre Tendenz zu dysfunktionalen Verhältnissen und unerreichbaren Männern: Von ihrem vernachlässigenden Vater Harry über ihren Verlobten Rudy alias Dexters Bruder Brian, der ice truck killer, bis hin zu ihrem Geliebten Agent Lundy, der vor ihren Augen erschossen wurde. We are responsible for the partners we choose, sagt Ross. Damit Debra ihr Leben wieder in den Griff bekommen kann, muss sie erkennen, dass ihre Opferrolle eine Konsequenz ihrer eigenen Entscheidungen ist. Hat sie erst einmal ihre bisherigen Verhaltensstrukturen erkannt und akzeptiert, ist sie bereit dafür, sie zu durchbrechen und neue Wege zu gehen, neue Wege zum Glück.

Alte Partnerschaften revisited I: LaGuerta und Matthews
In einer Verquickung der Erzählstränge verleiten die Worte von Dr. Ross Debra dazu, den geschlossenen Fall der an einer Überdosis verstorbenen Edelprostituierten Jessica wieder neu aufzurollen. Debra will der mysteriösen Person nachzuspüren, die ihre Anwesenheit beim Tod von Jessica unter allen Umständen geheim halten möchte und von LaGuerta gedeckt wird. Es handelt sich dabei - hier bietet uns die Folge ihre erste, ein wenig vorhersehbare Offenbarung - Captain Matthews. Falls bekannt würde, dass er die Person war, die vom Tatort von Jessicas Leiche geflohen ist, wäre seine Karriere am Ende. Zuvor hatte Debra LaGuerta deutlich gemacht, dass sie nicht von diesem Fall abziehen werde und LaGuerta sie feuern müsse, falls sie ein Problem damit habe. LaGuerta befindet sich nun in einer spannenden Situation, ihre Loyalität scheint für den Zuschauer noch nicht geklärt zu sein. Wird sie sich auf die Seite von Matthews stellen, mit dem sie seit Jahren Machtkämpfe ausgefochten hatte, und auf Debras Entlassung hinarbeiten? Oder nutzt sie diese Situation zu ihren Gunsten und entscheidet sich gegen Matthews und für Debra? Immerhin hat sie Matthews bereits einmal erpresst, um ihre Beförderung zum Captain zu bekommen...

Alte Partnerschaften revisited II: Batista und Quinn.
Eine heitere Spiegelung dieses Konfliktes bietet der Handlungstrang zwischen LaGuertas Ex-Mann, Sergeant Angel Batista, und seinem Partner Quinn - der comic relief der Folge. Auch hier hilft ein Cop einem anderen dabei, begangene Fehler der jüngsten Vergangenheit auszuwischen. Sie begeben sich auf die Suche nach Quinns Waffe, die er zusammen mit seinem Handy nach dem Absturz im Strip Club in Sins of Omission verloren hat. Vage Erinnerungen an einen One Night Stand mit einer Stripperin in einem Auto bringen sie dazu, das Handy zuordnen - Falls es noch im Auto der Stripperin ist, kann Quinns Waffe nicht weit sein. Zu Quinns Erschütterung und Batistas Belustigung stellt sich die attraktive, junge Stripperin von gestern jedoch als übergewichtige, ältere Waffelverkäuferin von heute heraus. Auch wenn Quinns Selbstrespekt in der Nacht verloren gegangen zu sein scheint, seine Waffe konnte immerhin gefunden werden.

Komplementärbild I: Der heitere Subplot zwischen Angel & Quinn wird ernst.
Doch wie das so ist in Dexter. Selbst die lustigsten Nebenhandlungen können eine ernsthafte Dramatik entwickeln. So ähnlich auch hier. Auf der Fahrt zurück zum Revier versagt der Motor von Batistas nostalgischen Traumwagen - Symbol für sein zusammenfallendes Glück. Es kommt nämlich zu einem erst mündlichen, dann handgreiflichen Schlagabtausch zwischen Quinn und Batista. Grund dafür: Erbost darüber, von Batista (zurecht) wie ein verantwortungsloses Kind behandelt zu werden, wirft Quinn ihm vor, durch die übermäßige Sorge für Andere sein eigenes, gescheitertes Leben zu verdrängen. Er hält Batista den Spiegel vor´. Drei missglückte Ehen, die letzte mit LaGuerta hat ihn sogar die Beförderung zum Lieutenant gebracht - Etwas, dem Batista bisher erfolgreich aus dem Weg gehen konnte. Nun ist seine in Materialismus geflüchtete Fassade des Glücks zusammen mit seinem Sportwagen zusammengebrochen. In ihrer Verletzbarkeit werden beide verletztend und schlagen aufeinander ein. Die Drohung einer jungen Mutter, sie werde die Polizei rufen, wenn sie nicht mit dem Kämpfen aufhörten, wird zum bösen Weckruf. Nun führen sich beide als irrationale Kinder auf, mit ihrem schlechten Temperament sind sie nicht mehr als Ordnungshüter zu erkennen. Falls sie noch weiter derart über die Stränge schlagen, riskieren sie damit ihre Jobs...

Neue Partnerschaften III: Jamie und Louis
Batistas Fehlverhalten leitet auch gleichzeitig in die nächste Nebenhandlung über. Auch hier trägt der in Sins of Omission angekündigte Konflikt zwischen Batista und dem Praktikanten Louis, der sich mit Batistas Schwester Jamie trifft, erste Früchte. Nach einer ebenfalls unterhaltsamen Szene mit Masuka, in der er seinem Praktikanten Louis auf seine bekannt liebenswürdige Art dazu rät, in Herzensangelegenheiten immer seiner, ähem, Libido zu folgen, lädt Louis Jamie schließlich zu sich nach Hause ein. Eine symbolische Öffnung: Erweist sich doch seine Wohnung als reine Fortress of Nerditude, die gleichermaßen von passionierten Geektum und trauriger Einsamkeit spricht. Jamie kann sich jedoch mit Louis' verschrobenen Sammlerwahn anfreunden, immerhin ist er ehrlich. Es kommt zur intimen Begegnung der beiden - die Love Story scheint perfekt.

Komplementärbild II: Louis' Sammlerfreude wird zum beängstigenden Fetisch.
Tja. Wie gesagt, wie das immer so ist in Dexter. Da glaubt man, endlich einen sympathischenen Charakter wie Louis mit einem liebenswürdigen, aufheiternden Subplot entdeckt zu haben, bis eine einzige Kamerabewegung alles zu nichte macht. Denn während sich Jamie und Louis in seinem Schlafzimmer Zärtlichkeiten austauschen, fährt die Kamera langsam zurück, um immer mehr von Louis' seltsamer Wohnung preiszugeben. Ein netter Augenfang, denkt man sich, bis die Kamera an einer Vitrine hängen bleibt, in der eine Fan-Reliquie der besonderen Art ausgestellt ist: Die Mannequin-Hand des ice truck killers, die zuvor die ehemalige Praktikantin Ryan online versteigerte. Hier ist sie, die zweite Offenbarung der Folge. Sie wirft ein völlig neues Licht auf den Subplot mit Louis: Anscheinend ging es nie wirklich um die Beziehung zwischen Louis und Jamie, sondern immer schon um die Beziehung zwischen Louis und Dexter. In den vergangenen Folgen ist seine Bewunderung für Dexter immer mal wieder betont worden. Wer konnte denn ahnen, dass sich hinter der Fassade des netten Computer-Nerds eine dubiose Obsession verbirgt? Louis repräsentiert eine weitere Spielart des Fanatismus - die maßlose Verehrung. Indem die Kamerafahrt seinen Liebesakt mit Jamie durch eine lange Bewegung mit der ice truck killer-Hand verbindet, wird die Hand symbolisch zum Fetisch aufgeladen. Ist der Sex mit Jamie nur eine Kompensation, eine Ersatzhandlung? Hat er sich Jamie vielleicht nur angenähert, um dem wahren Objekt seiner Begierde, Dexter, näher zu sein?

Alte Partnerschaften revisited III: Travis und Gellar
In der letzten Partnerschaft, die in Get Gellar ausgelotet wird, weist wiederum eine Hand den Weg. Es ist die alte Partnerschaft zwischen Travis und Professor Gellar, zwischen die Dexter gleichsam als falscher Prophet getreten ist. Er bringt Travis von seinem richtigen, gottgewollten Weg ab. Gellar fühlt sich verstoßen und droht auf seinem just reaktivierten Blog mit dem Zorn Gottes - Die Tage des falschen Propheten sind gezählt. Genauso, wie der Zorn der sieben Schalen in Form von Blut des ausgeweideten falschen Propheten Professor Casey - er ist inzwischen dem doomsday killer zum Opfer gefallen - am Tatort auf die Polizisten herabregnet, wird er auch Dexter treffen. Gellars Wirkmächtigkeit wird in dem Menetekel deutlich, dass er zusammen mit Caseys abgetrennten Hand in Travis eigentlich geheimen Unterschlupf hinterlässt.


Dexters Überzeugung, dass Travis ein Leben ohne Gellar führen kann, erweist sich in der Tat als Irrglauben. Als es zum Showdown in der verlassenen Kirche kommt, dem Unterschlupf des doomsday killers, Dexter bereits seinen mit Plastik-Folien ausgelegten Raum vorbereitet und sich auf die Pirsch macht, tritt schließlich die dritte und größte Offenbarung der Episode in Erscheinung. Dexter findet Travis niedergeschlagen im Kirchenraum vor, von Gellar fehlt jede Spur. Er horcht auf, ein unnatürliches Brummen macht auf sich aufmerksam. Es kommt aus dem Boden - genauer - einem versteckten Raum unterhalb der Altarstelle. Dexter steigt hinab. Wie schon bei Louis findet die Enthüllung in einem symbolgeladenen Raum statt. Im Untergeschoss angekommen, kann Dexter die Quelle des Brummens ausmachen - Es ist eine Gefriertruhe. Das Brummen wird lauter. Dexter öffnet die Truhe - und findet Gellar. Jedoch nicht so, wie er es sich erhoffte. Er ist tot. Und das schon eine sehr lange Zeit. Während wir Gellar in der Truhe liegen sehen, erhebt sich im Kirchraum der vermeintlich niedergeschlagene Travis und greift zum Schwert. We are responsible for the partners we choose - In Travis' Fall entfalten die Worte von Dr. Ross erst ihre ironische, wahre Bedeutung.

Komplementärbild III: the tell-tale freezer. Dexter und der Zuschauer bekommen nun zum ersten Mal das wahre Antlitz von Gellar zu sehen - und im Umkehrschluss das von Travis.


Nicht von ungefähr erinnert das verräterische Brummen der Gefriertruhe an die berühmte Gothic-Kurzgeschichte "Das schwatzende Herz" von Edgar Allan Poe. In ihr bringt ein junger Ich-Erzähler einen alten Mann um - nicht aus Hass, nicht aus Gier. Er liebte den Mann, doch konnte er den Anblick eines seiner Augen nicht ertragen, das durch seine Blässe an ein Geieraugen erinnerte. Die Leichenteile des alten Mannes versteckt der Ich-Erzähler unter den Dielen des Fußbodens. Als die Polizei in das Haus tritt, um nach dem rechten zu sehen, kann der junge Mann sie zunächst davon überzeugen, dass der alte Mann verreist sei. Doch ein immer lauter werdendes Pochen unter den Dielen - der Ich-Erzähler macht es als das Pochen des Herzens des Alten aus - treibt den Erzähler schließlich derart in den Wahnsinn, dass er seine Tat laut herausschreit.

Psychoanalytisch lässt sich diese mit Symbolen verdrängter Schuld, Bilder des Unheimlichen und Unbewussten aufgeladene Schauergeschichte wunderbar auseinandernehmen. Auch in Dexter können - die Anwesenheit der Therapeutin Ross macht es deutlich - psychoanalytische Ansätze ihre Anwendung finden. Der Bezug zu Poes Geschichte geschieht in Get Gellar aber vor allem durch die Unzuverlässigkeit der Erzählung: Beide Male ist man konfrontiert mit der Sicht eines schizophrenen Geisteskranken. Bei Poe ist es der Ich-Erzähler, bei Dexter ist es Travis. Schon in früheren Recaps wurde auf die Möglichkeit hingewiesen,dass Gellar nur eine Imagination von Travis sei. Jetzt ist es erwiesen. Die Szenen zwischen ihm und Gellar erweisen sich als mind screens, Vorstellungen eines Wahnsinnigen, die durch das Komplementärbild des toten Gellars wiederum zur Gegenlektüre aufffordern. Wie bereits an früherer Stelle erwähnt, trägt diese Art unzuverlässigen Erzählens die Handschrift des neuen showrunners Scott Buck, der in seinem Drehbuch zu Those Kinds of Things den Zuschauer bereits zu Beginn der Folge und somit der kompletten sechsten Staffel mit einer Unzuverlässigkeit aufs Glatteis geführt hat.

Apokalypse heißt Offenbarung. Die Welt geht unter im Angesicht göttlicher Enthüllung, damit das Reich Gottes beginnen kann. Mit seinen Morden will der doomsday killer das Weltende herbeiführen, um einen frischen Neuanfang wagen zu können. Nach den mitunter katastrophalen Offenbarungen in Get Gellar bleiben viele Fragen offen. Spannungsfragen, in die Zukunft gerichtet: Was wird Dexter mit dem Wissen anfangen, dass Travis der einzige doomsday killer ist? In welche Richtung wird sich der Louis-Charakter entwickeln? Für welche Seite entscheidet sich LaGuerta? Und natürlich Neugierfragen, die zurückschauen: Ist sich Travis bewusst gewesen, dass er sich Gellar die ganze Zeit nur eingebildet hat? Leidet er wirklich unter einer starken Persönlichkeitsspaltung? Wie ist Louis an die ice truck killer-Hand gekommen? Was verbindet ihn mit Dexter? Bei all den Unsicherheiten und Fragezeichen, mit denen uns Get Gellar gekonnt zurücklässt, ist jedoch Eines gewiss: The End Is Nigh.

Hier lesen Sie alles zur sechsten Staffel von Dexter

Juliette Binoche und Bruno Dumont drehen Film über Camille Claudel

von Stefan Deutschle, am 29.11.11


juliette binoche
Juliette Binoche spielt Camille Claudel
Bruno Dumont (La Vie de Jésus, Hadewijch, Hors Satan) ist bekannt dafür, mit Amateurschauspielern zu arbeiten. In seinem nächsten Film wird er jedoch mit Juliette Binoche (zuletzt in Die Liebesfälscher) zusammenarbeiten. In La Créatrice geht es um die wahre Geschichte der Bildhauerin Camille Claudel, die von ihrer Familie in eine Pflegeanstalt gezwungen wurde und für die verbleibenden 30 Jahre ihres Lebens ihre Kunst nicht mehr anrührte.

Das Leben der Camille Claudel ist bereits von Bruno Nuytten in seinem gleichnamigen Debut verfilmt worden, mit Isabelle Adjani und Gérard Depardieu in den Hauptrollen. Der Film wurde für den Oscar nominiert und mit einem Silbernen Bären und dem César für den Besten Film ausgezeichnet. Dennoch sah sich Nuyttens dreistündiges Epos, das sich auf Claudels Beziehung zu Auguste Rodin konzentrierte, Vorwürfen ausgesetzt, zu melodramatisch zu sein. Dumonts kalter, minimalisitischer Stil und eine wahrscheinlich andere Schwerpunktsetzung bei der Filmhandlung lassen ein sehr anderes Werk erwarten.



Quelle: Indie Wire
Bild: Nicolas Genin

Boardwalk Empire Staffel 2 Episode 10 - Georgia Peaches

von Ciprian David, am 29.11.11

boardalk empire zweite staffel
Sorglosigkeit, wie sie die Hauptfiguren in Boardwalk Empire nie erleben werden

Wie kommt der irische Whiskey in die USA? Auf einem legalen Schiff, begleitet von Epochenmusik im Off, an der Küstenwache vorbei. Babettes Supper Club bekommt eine ordentliche Ladung, das Ritz auch seine 400 Kisten, und Jimmy und seine Partner stehen da, mit ihrem George Remus-Destillat und ohne Kunden.

Doch selbst wenn die Geschäfte laufen, heißt das noch lange nicht, dass alles gut ist – das wird uns die Folge dieser Woche an allen ihren Figuren zeigen. Nuckys Anwalt gelingt es nicht, sein Geld wert zu sein und wir bekommen den alten Herren zum letzten Mal beim Rausgehen aus Nuckys neuem Büro zu sehen, dem „Get the fuck out of here“ seines besten Kunden folgend. So ist Nucky auf einmal wieder auf Arnold Rothstein angewiesen und wir auf dessen eisernes Lächeln. (Jedes Mal wenn ich ihn schmunzeln sehe, wird mir aufs Neue deutlich, wie facettenreich Michael Stuhlbarg als Schauspieler ist). Denn dieser, selbst gerade in den historischen Skandal um die White Sox verwickelt, kennt die besten Anwälte, und offensichtlich auch die Welt, viel besser als Nucky. Und erst im Büro des scharfgeistigen Anwalts, zwischen diesem und Rothstein, zeigt Nucky die Grenzen seines Verstandes. Er ist der Mann, der Atlantic City um den Finger wickeln kann - aber eben nur diese Stadt. Und wenn die Probleme größer werden, und das Geld knapp, dann ist die Situation doch etwas zu komplex für den Ex-Kämmerer. Wir erinnern uns an das Treffen zwischen Rothstein, Torrio und Nucky, einige Folgen früher, an Rothsteins Rat für Nuckys Umgang mit dem Attentat an seinem Leben, und erahnen nun, in dieser neuen gemeinsamen Szene der beiden, wie kalkuliert Nucky nie werden kann.

Dafür wird an der emotionalen Seite der Figur geschliffen, denn er darf mal wieder den liebevollen Vater spielen, und das Opfer des eigenen Vaters: Da Margaret ihre Aufmerksamkeit nur noch der an Kinderlähmung erkrankten Emily schenken kann und Teddy rebelliert, darf dieser auf Nuckys Reise nach New York mit dabei sein. Und nicht nur wird seine Rebellion sehr filmisch in einer Entwicklungsabfolge eingereiht, zusammen mit seiner Leidenschaft für Feuer, es wird dabei doppelt gepunktet, denn Nucky bekommt aus dem Munde des Kindes gesagt, er tue schlimme Dinge. Es handelt sich dabei nur um das verbrannte Haus seiner Kindheit, doch der Raum nach oben, sowohl was Nuckys eigentliche schlimme Taten betrifft, wie aber auch die potenzielle Entwicklung des Jungen und die der Beziehung zwischen ihm und Nucky, wird sehr offen und leicht bedrohlich gestaltet.

Wichtig ist, dass der Junge Bewusstsein zeigt und dass Nucky der richtige Mensch ist, um das wahrzunehmen – anders als Margaret, die in Teddys charakterlicher Entwicklung ein Abbild von dessen Vater sieht. Es ist überhaupt ein sehr passender Moment, dies aufzubringen, denn der Sterbefall des Vaters wird gerade immer wichtiger in Esther Randolphs Investigationen für ihren Fall gegen Nucky und es wird nicht mehr lange dauern, bis Margaret, die Staatsanwältin und die Fragen, die dabei zu beantworten sein werden, uns eine große Szene bieten werden. Doch bis dahin wird weiter an Margarets Image gerüttelt. Die Krankheit Emilys ist eine neue Gelegenheit für sie, an sich selbst und ihrem Lebensstil zu zweifeln und, in dieser Angelegenheit auf sich allein gestellt, Refugium in der Kirche zu suchen. Das wird natürlich ausgemerzt und gegen Ende der Folge werden wir Zeugen einer Szene, in welcher Margaret die Mauer zwischen ihrem Privatleben und Gott, diesmal mit viel Bargeld, untermauern kann. Und dies kann sie sogar mit reinem Gewissen tun, denn das System in Form des korrupten Gemeindepfarrer befürtet ihr Handeln.

Die Schatten der Selbstzweifel prallen in dieser Folge wie eine Lawine auf alle Hauptfiguren von Boardwalk Empire  – demonstrativ wird das, mal wieder, um Jimmy inszeniert. Zunächst von den Geldgebern der Stadt aufgrund des Streiks der Schwarzen angegriffen, dabei gleich von seinem Vater einmal mehr beleidigt, dann von seinen Partnern aus Chicago und New York und schließlich nochmal von Angela vorgeführt, steht er so alleine da wie nie zuvor (was natürlich nach seiner Mutter und ihrer indezenten Art des Umgangs mit ihm schreit), als Kontrastbild des sorglosen Mannes, den er durch das Fenster beobachtet und fast ahnen wir seinen Abgang, als er Angela mitteilt, er müsse für einige Tage weg. Sogar eine zärtliche Abschiedsszene gibt es, die zwei finden für das letzte Mal für einen kurzen Moment zueinander, bevor die Portion Blut dieser Woche geliefert wird. Und Angela wird getötet, nicht er, nachdem sei ein letztes Mal ihre Bisexualität ausgelebt hat, von Manny Horvitz, der seinem Rachedurst nachkommt.

Gerade fing ich an zu denken, dass es ein sehr offenes und für alle Figuren einsames Ende der Staffel geben wird, doch lässt dieser Mord ein riesiges Fragezeichen um die letzten zwei Folgen des Jahres entstehen. Denn nun ist Jimmy alleinerziehender Vater, von allen Seiten unter Druck gesetzt, auf seine Mutter angewiesen und mit einem Umschlag Heroin in der Brusttasche. Ob er zur Waffe oder zur Droge greifen wird? Ob Richard an seiner Seite bleibt, oder sich, nach der zerstörten Idylle (denn wir wissen, wie viele Emotionen Richard auf Angie, Jimmy und ihren Sohn projizierte) von ihm abwendet? Ob die Mutter wieder einmal die Löwin sein wird und ob es überhaupt noch zur Konfrontation mit Nucky kommen wird?

Wir hatten jedenfalls eine große Episode, in welcher Steve Buscemi, Michael Pitt und Kelly MacDonald mich begeistert haben, in welcher Chalky White ein Statussymbol bekommt - nicht nur in Art der Verhandlung mit Jimmy, sondern auch durch seinen neuen persönlichen Assisstenten, wie ihn die weißen Machtmänner der Serie haben - und in welcher Eli einmal mehr die Initiative ergreift, sich diesmal ganz gelungen auch als Machtmensch zeigt, um gleich danach im Gefängnis zu landen, tief verwickelt in Esther Randolphs Fall gegen Nucky. Bis nächste Woche!



Hier findet ihr unsere Texte zu den restlichen Folgen von Boardwalk Empire.

 

NEGATIV - Magazin für Film und Medienkultur Gestaltet von Ciprian David und Christian Alt // Log in