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2011 Monat für Monat: Oktober

von Dennis Vetter, am 31.12.11




Im Oktober sind wir schon angelangt, sowas. Der Countdown läuft, nicht nur beim NEGATIV-Monatsrückblick. Gleich ist Silvester, was auch immer das zu sagen hat. Bezeichnend, dass ich jetzt erst an meinem Text schreibe, der gestern schon hätte erscheinen sollen. Es ist erstaunlich, wie lange der Oktober schon wieder zurückzuliegen scheint, weil seither so viel passiert ist. Kinos, in denen ich mittlerweile mitarbeite, zeigen derzeit rückblickend einige Jahreshighlights, etwa Le Havre, der im September gestartet ist und der nun direkt nach Weihnachten einen riesigen Publikumsansturm auslöste. Texte unseres Magazins finden sich hier und hier. Entweder war das der Drang der Leute nach Kinokultur und die Flucht aus den eigenen vier Wänden in einen etwas größeren Saal. Oder dann doch Aki Kaurismäkis Image und das Renommee des Films – sei es nun gerechtfertigt oder nicht. Ich erinnere mich noch gut an die Debatten um Le Havre und eine Preview, die wir in Mainz präsentiert haben. Kollege Suchsland eckte übrigens nicht nur mit seinen Ansichten zu Halt auf freier Strecke an, wie Ciprian David in seinem Teil des Jahresrückblicks nochmals aufgriff. Spannend, dass Journalismus heute so viel Reaktion hervorrufen kann. Auch Melancholia wird derzeit öfters nochmal gezeigt. Er war damals ab dem 6. Oktober in unseren Kinos. Einen Monat zuvor fand zum Film vermutlich die spannendste Pressevorführung statt seit ich schreibe und der Film brachte mir von allen bisher das allergrößte Ärgernis, keine Zeit für einen Artikel zu haben.

Vor dem Film lief übrigens der schöne Trailer zu Ein Sommer in Haifa, wo ich als Filmvorführer die Schärfe justierte und feststellte, dass auch hier ein NEGATIV-Schriftzug Platz gefunden hat. Dieses Mal ohne Polemik. Verwirrend, wenn man feststellt, dass man nur noch mit Film arbeitet an allen Enden. Und ziemlich motivierend, dass es funktioniert. Danke liebe Leser für die treue Unterstützung! Und danke an alle, die hier mithelfen, das Kino ernst zu nehmen! Aber wo wollte ich hin? Genau, zum Perspektivenwechsel, der nach einigen Monaten auf die gleichen Filme eintritt, für mich ganz persönlich, erst seit Oktober: Einen Film selbst vorzuführen ist der letzte Schritt eines zu Ende Denkens für mich. Das Bild am Textbeginn bringt beides zusammen. Nicht nur schreiben und informieren, nicht nur organisieren und präsentieren, sondern den Film selbst in die Hand nehmen und in den Projektor legen, dem Publikum eine reibungslose Vorführung ermöglichen, ihn schlichtweg zeigen. Einen Film zu zeigen, heißt auch, ihn neu zu entdecken, in seiner Materialität. Das Filmmaterial erinnert ungemein an seine Entstehung und man fühlt sich irgendwie verbunden. Etwas, das man heute erst suchen muss und in seiner sterilen Verbreitung über Plastikscheiben eigentlich gar nicht mehr finden kann. Dafür ist das Kino noch unschätzbar, als Ort der Erinnerung an den Ursprung eines Films, bevor er dann als Konserve im DVD Regal endet, oder Blu-ray, was auch immer.

2011 war ein historisches Jahr. Denn bald ist der 35mm Film verschwunden, vermutlich noch 2012 geht es mit ihm zu Ende. Und damit stirbt ein Teil des Kinos, der es so lange begleitet und definiert hat, der die Menschen geprägt hat, die damit arbeiten, die als Teil dieser unüberschaubaren Vermittlungsindustrie nicht nur ein „Produkt“ bis zum Verbraucher tragen. Heute eine 35mm Rolle in die Hand zu nehmen und dem Geräusch eines der riesenhaft anmutenden Projektoren zu lauschen, fühlt sich etwas museal an, es hat fast etwas Geisterhaftes, weil bald all das, was für einen seit Kindesbeinen zum Kino gehörte, verschwunden sein wird. Allein das Rattern, das man bei kleinen Sälen im Hintergrund hört. Vielleicht wird es ja bald digital eingespielt, für Liebhaber. Die technische Weiterentwicklung, wie die meisten, hat auch etwas Gutes, natürlich. Als Online-Redakteur bin ich ja nun auch bei weitem kein erklärter Feind der Digitalisierung. Bildstrichfehler sind bald im Kino passé, ebenso wie Filmrisse. Unschärfen vielleicht auch, wenn man Glück hat und sich noch jemand schert, hin und wieder nachzukontrollieren. Zumindest muss man nicht bei jedem Film neu aufpassen. Für das Publikum ist die Vorführung reibungsloser. Wenn der Server funktioniert. Wenn der Film einem gewissen Standard entspricht. Denn Filme können nach einer vollständigen Digitalisierung nur noch vermarktet werden, wenn sie sich in das System einfügen. Kein Postweg mehr, vielleicht bei einigen kleinen Kinos, die noch einen DVD-Player als Notlösung stehen haben. Aber das ist ärmlich und betrügt den Filmemacher um die angemessene Präsentation seines Werks. Man darf hoffen, dass auch für kleine, unabhängige Produktionen ohne Verleih faire Vertriebslösungen gefunden werden. Denn wenn nicht, sind sie von vorneherein einem erzwungenen Filter des Verleihsystems unterworfen. Das wäre Diktat und nicht freies Kino.

Abgesehen davon ist mit dem vollständig digitalen Vertrieb natürlich das Besondere, das Handgemachte weg. Natürlich will die Kinoindustrie effektiver werden und hat keine Lust auf dieses umständliche System. Niemand will 20kg Kisten verschicken, wenn ein Film auch einfach online zu verbreiten ist. Das kostet Zeit, Geld, Nerven. Es erfordert fachkundiges Personal. Wer will das schon, ist schließlich nur Kino. Es verhält sich ein wenig so, wie in anderen Bereichen der Konsumgesellschaft, bei anderen Produkten. Durch die technische Verfremdung, den Vertriebsprozess, die Verpackung, geht der Bezug zum Herstellungsprozess verloren, in diesem Fall zum Fotografieren. Man vergisst hinter der digitalen Maske bald, vielleicht schon 2012, dass hinter einem Film eigentlich Einzelbilder stecken, die durch einen Zaubertrick erst wie Bewegung erscheinen. Und was werden das für Leute sein, die im Kino eine Vorführung starten? Ein paar Knöpfe drücken kann nun wirklich jeder. In Multiplexen ist es bereits Standard, dass Filme zentral gestartet werden. Niemand steht hier neben dem Projektor, seelenloses Kino. Unscharfes Bild? Egal. Es bemerkt ja ohnehin niemand. Terrence Malick kommentierte das zum Kinostart von The Tree of Life wundervoll ironisch mit einem Anweisungsschreiben an Filmvorführer. Für alle Fälle.

Über Oktober soll ich noch schreiben? Filmfest Hamburg hatten wir schon. Ein schönes Festival, wie Markus Hauschild das auch in seinem Überblick zu September schreibt. Ein großartiges Gespräch vom Festival wartet immer noch auf seine Veröffentlichung. Ein faux pas, aber auch eine Aufforderung, wieder zu kommen und es vielleicht nächstes Jahr zur kommenden Ausgabe zu bringen. Dann war in Frankfurt das Bodies of Babel Festival, wo Film nur ein kleiner Teil war. Zum ersten mal Flaming Creatures gesehen, einen der bedeutendsten Undergroundfilme der Filmgeschichte. Die einzige 16mm Kopie in Deutschland wurde gezeigt. Ganz hervorragend war das und noch viel besser als erwartet. Der Film, aber auch die Veranstaltung.

Das Oktober-Kino gab es auch noch, ich habe es leider nur selten geschafft. Rund 50 Filme sind in Deutschland gestartet und ich kenne zwei davon, beide hatte ich aber vorher gesehen. Melancholia ist in meiner Topliste 2011 und ich weigere mich sachlich zu begründen warum ich ihn liebe, weil er kein Film ist der eine sachliche Begründung nötig hat. Als ich raus ging, wollte ich nicht reden und hatte später mit einer guten Freundin doch eines der interessantesten Gespräche seit Monaten. Lars von Trier kann das. Tyrannosaur fehlt in meiner Topliste, warum auch immer. An dieser Stelle sei er jetzt nochmals betont. Er ist grandios, über ihn konnte ich damals zum Glück auch einen Text bringen. Ich sah ihn in Rotterdam im Januar und es war großartig, sich fast ein halbes Jahr später wieder an den Eindruck zu erinnern. Gerne gesehen hätte ich Underwater Love – A Pink Musical, weil der Film mit dem Nippon Connection Filmfestival so eng verbunden ist, für das ich arbeite, enger als kaum ein anderer Film. Poliezei, weil er so richtig nach verkopftem Kino klingt. The Future, weil Freunde davon geschwärmt haben und ihn andere furchtbar fanden. Over Your Cities Grass Will Grow, nur wegen dem Titel. Charlotte Rampling: The Look, wegen des Posters, Restless, weil es Gus Van Sant ist, Apollo 18, weil der Trailer so atmosphärisch ist und ich Blair Witch Project noch immer für einen der furchterregendsten Filme halte - und die Wiederaufführung von Jesus Christus Erlöser, weil Kinski einem allen Frust von der Seele redet und damit fast schon seiner Rolle als Märtyrer gerecht wird. Er fluchte Zeit seines Lebens vielleicht nicht für die anderen, aber auf sie und in jedem Fall mehr als sie - so nahm er vielen sicherlich jedes Bedürfnis nach Streit, denn er zeigte, wo es hinführen konnte.

So schlecht war das Kinojahr dann anscheinend gar nicht, wenn man schon in einem Monat so viel Spannendes wiederentdeckt. Das Spannende finden und tatsächlich sehen kann man übrigens nur, wenn man auch ins Kino geht und sich am besten auch mal Überraschen lässt. In Berlin, im Februar dann sei das übrigens jedem geraten. Es sind selten die Filme, die man einschätzen kann, die einem letztlich die interessantesten Stunden im Kinosaal – oder Vorführsaal – bescheren. Und die Presse feiert so einiges, weil es alle lesen wollen. Das kennen wir nur zu gut.

Damit habe ich auch meinen Schuldigkeit für unseren Jahresrückblick getan und wünsche aus meiner Warte allen eine gutes Jahr 2012, nicht nur Freunden und Bekannten, nicht nur Kinofans, und nicht nur unseren Lesern natürlich. Aber hier praktisch dann eben doch nur denen, die diese Zeilen lesen.

Hier finden sich alle Rückblick-Texte. 

Von Menschen und Göttern

von Stefan Karlegger, am 31.12.11






Bei Verfilmungen von wahren Begebenheiten besteht die Gefahr, die Protagonisten nicht nur aufgrund dramaturgischer Erfordernisse, sondern vor lauter Ehrfurcht vor den historischen Persönlichkeiten, diese als romantische Übermenschen zu glorifizieren. Obwohl der französische Orginaltitel Des hommes et des dieux, der auf einen Bibelpsalm anspielt, die Vermutung nahelegt, die Mönche als Heilige - vielleicht sogar als Götter - darzustellen, gelingt dem Regisseur Xavier Beauvois eine gänzlich andere Ausrichtung des Films.

In wenigen Einstellungen, die fast schon dokumentarisch wirken, werden die französischen Mönche als einfache Menschen inmitten einer Gesellschaft gezeigt - als Arzt, als Lehrer oder einfach nur als Freund. Anfänglich deutet nichts darauf hin, dass die Mönche zwischen die Fronten von Terroristen und korrupter Armee geraten könnten. In ruhigen Bildern und beinahe schon statischem Erzähltempo charakterisiert Beauvois den asketischen Lebensalltag seiner Protagnisten. Dazwischen finden sich immer wieder einzelne Einstellungen, die das harmonische Zusammenleben zwischen den christlichen Mönchen und den muslimischen Dorfbewohnern zeigen.


Die Idylle beginnt aber allmählich zu bröckeln. In Algerien kämpfen Terroristen für ­einen islamistischen Staat und gegen eine Regierung, die unter der Bevölkerung gemeinhin als korrupt gilt. Die Gewalttaten häufen sich und kommen dem Kloster beachtlich nahe. Junge islamische Frauen, die im Bus ohne Kopftuch unterwegs sind, ­werden ebenso umgebracht wie nichtmuslimische, kroatische Bauarbeiter. Selbst die muslimischen Dorfbewohner leben in Angst und Schrecken - sie verstehen die eigene Welt nicht mehr, da der Koran dieses Morden nicht predigt. Inmitten dieser Wirren geht es plötzlich um die existenzielle Frage, ob die Mönche Algerien verlassen sollen, wohl wissend, dass eine weitere Eskalation mit den islamischen Fundamentalisten nicht ausbleiben wird. Hier offenbaren sich nun die Ängste der einzelnen Mönche, die nur Menschen und keine Götter sind. Sie haben Angst vor dem Sterben, verstehen teilweise nicht mehr den Sinn und Zweck ihrer Mission ("Ich weiß nicht, ob das noch wahr ist. Ich bete, aber kann nichts mehr hören. Und mir fehlt das Verständnis. Zum Märtyrer werden? Wofür? Für Gott? Um Helden zu sein?").

Die Vögel sind wir, Sie sind der Baum. Wenn Sie fortgehen, wo sollen wir Kraft schöpfen?

Der innere Konflikt der Hauptfiguren wird offengelegt, wenn die Mönche miteinander diskutieren und sich gegenseitig ihre Ängste offen­baren. Letztlich kommt jeder für sich und auch in der Gemeinschaft zu dem Entschluss, ihr Kloster nicht zurückzulassen und ihre noch nicht vollendete Mission weiterzuführen. Ein folgenschwerer Entschluss, wie die Geschichte zeigt. Hier bedient sich der Film zwar dem Heldenmuster, aber bei weitem nicht so, wie man es aus anderen Genres, z.B. dem Western, kennt oder erwartet. Der Tod der Protagonisten wird ausgespart, da bis heute unklar ist, wer letztlich für die Ermordung verantwortlich ist, und steht zeitgleich für die große Anzahl der vielen namenlosen Opfer dieses Konfliktes. Lambert Wilson (Prior Christian) beschreibt die Wichtigkeit des Films, dessen Inhalt nichts an Aktualität verloren hat, wie folgt:

Der Film sagt: Habe keine Angst vor anderen! In einer Zeit, in der alle sagen – insbesondere in Frankreich: Habe Angst vor den Roma! Habe Angst vor den Arabern! Pass auf! Pass auf! Pass auf! Diese Männer zeigen dir, was man mit einer gegensätzlichen Philosophie erreichen kann.

Der Film zeigt eine Möglichkeit, sich dem Dialog zwischen den Völkern und den verschiedenen Weltreligionen zu öffnen und stellt, wie es Beauvois selber sagt, zentrale Werte in den Vordergrund: „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“!

Allerdings leiden die guten Darstellerleistungen des Ensembles etwas unter dem dokumentarischen Erzählstil. Der Film schafft durch seinen episodenhaften Aufbau eine Distanz zu seinen Protagonisten. Der Zuschauer ist sich des Schicksals und der Mission der Mönche zwar durchaus bewusst, fühlt letztlich mit diesen aber nicht wirklich mit. Von Menschen und Göttern erreicht deshalb leider selten sein volles Potential. Die Botschaft des Films, vielleicht sogar eine aktuelle politische Forderung, schwebt über vielen Einstellungen der historischen Erzählung. Vielleicht ist die Botschaft aber auch wichtiger als das Martyrium der Trappisten-Mönche...

Andere Meinungen zu diesem Film haben Ciprian David und Dennis Stormer.



Von Menschen und Göttern - Pressespiegel auf film-zeit.de.

Von Menschen und Göttern / Des hommes et des dieux
R: Xavier Beauvois
B: Etienne Comar, Xavier Beauvois
K: Caroline Champe
D: Lambert Wilson, Michael Lonsdale, Olivier Rabourdin, Philippe Laudenbach, Jacques Herlin, Loïc Pichon, Xavier Maly
Frankreich, 2010, 117 Minuten
NFP marketing & distribution*
Kinostart: 16. Dezember 2010
Bildformat: 16:9 (2,35 : 1)
Sprache: Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch (Optional)
Extras: Dokumentation „Bruder Luc – Der Mönch aus Tibhirine“, eine Bildergalerie, den Kinotrailer, ein Booklet mit vielen Hintergrundinformationen: u.a. mit Texten über „Das Klosterleben der Trappisten“, „Die Ereignisse und die Hintergründe“ und die „Choräle“
FSK: 12

Frohes Jahr 2012!

von Ciprian David, am 31.12.11


Liebe Freunde, Kollegen, Filmenthusiasten und (gelegentliche) Leser,


wir wünschen Euch ein von Erfolgen und Wunscherfüllungen geprägtes Jahr 2012 und freuen uns, gemeinsam mit Euch weiterhin das Beste zu erkunden, was das alte Medium Film zu bieten hat, ob im Kino, auf DVD, Festivals, oder im Fernseher, ob hier oder sonstwo auf der Welt. Wir hoffen, im neuen Jahr mehr auf Videospiele eingehen zu können und unser Spektrum im Bereich der Festivalberichterstattung noch etwas zu erweitern.

Wir danken Euch für die bisherige Unterstützung und nehmen alle Vorschläge und Kommentare zur Verbesserung gerne entgegen. Wenn Euch an NEGATIV was fehlt, schreibt es uns bitte!


Frohes neues Jahr!

Eure NEGATIV-Redaktion




Bild-Copyright: ymmat

Sommer der Gaukler - Regisseur Marcus H. Rosenmüller zwischen Heimatfilm und Weltentheater

von Elisabeth Maurer, am 30.12.11

Regisseur Marcus H. Rosenmüller mit Max von Thun, dem Hauptdarsteller von Sommer der Gaukler
Nachdem das Kinodebüt von Marcus H. Rosenmüller, Wer früher stirbt, ist länger tot, 2006 in den deutschen Kinos startete und bei Publikum und Kritikern überwiegend positiv aufgenommen wurde, hängt Rosenmüller die Einordnung als Heimatfilm-Regisseur an. Doch ist diese Kategorisierung keineswegs herablassend gemeint und auch Rosenmüller selbst scheint wenig Probleme mit ihr zu haben. Jeder seiner mittlerweile acht Kinofilme spielt in Bayern; Rosenmüller stammt aus Oberbayern, den Mittelnamen Heinrich, den er zur Unterscheidung vom Regisseur Marcus O. Rosenmüller nennt, wandelte er im Abspann seines Debüts in „Hausham“, den Namen seines Heimatdorfes um.

Wer jetzt aber bei einem Regisseur, dessen Filme mit seiner bayrischen Heimat in Verbindung stehen, gleich an Alpenkitsch und Papas Kino denkt, liegt bei Rosenmüller falsch. Gleichsam stellen seine Filme genau so wenig eine Abrechnung mit der eigenen Abstammung dar. Irgendwo dazwischen würde sich wohl Rosenmüller selbst sehen. Mehrfach betonte er, dass er in seinen Geschichten einen universellen Charakter sieht, aber auch seine persönliche Weltsicht transportieren möchte. Diese ist von einem liebevollen und auch humorvollen Blick auf die Heimat, aber auch auf das Leben im allgemeinen geprägt, ohne dabei die negativen Seiten zu vernachlässigen. So sind seine Filme allesamt Komödien, jedoch immer auch mit ernsten Untertönen.

Oberbayern in Sommer der Gaukler
Mehr noch wie der konkrete bayrische Schauplatz von Rosenmüllers Filmen steht ein anderer Platz an zentraler Stelle der Geschichten, nämlich der, den man sich im Leben suchen muss. In gewisser Weise sind alle seine Filme vor allem Coming-of-Age-Geschichten. Beim Erwachsenwerden spielt die Abnabelung von der Familie zur Erreichung von Selbständigkeit eine große Rolle, doch gleichzeitig ist es gerade die Akzeptanz der eigenen Herkunft, die einen Erwachsenen ausmacht. Besonders in dieser Hinsicht sind Rosenmüllers Filme Heimatfilme.


In Wer früher stirbt, ist länger tot geht es um den Jungen Sebastian, der, nachdem er erfährt, dass seine Mutter bei seiner Geburt starb, große Angst vor dem Fegefeuer hat und mit seinen vielen Lausbubentaten hadert. Fortan versucht er sich auf verschiedene Arten vor der Strafe zu retten. Was er jedoch im Verlauf des Films finden muss, ist ein Verständnis dafür, wo sich der Lauf der Welt beeinflussen lässt und wo nicht. Die Figuren in Schwere Jungs sind wesentlich älter als Sebastian. Ihr Leben wird bestimmt von einer jahrzehntelangen Fehde zwischen dem Verlierer Gamser und dem erfolgreichen Dorfler, die ihren Anfang bei einem Bobrennen nahm. Bei den Olympischen Winterspielen 1952 treten beide mit einer eigenen Mannschaft für Deutschland an, im Verlauf des Wettkampf müssen sie aber ihre Streitigkeiten beiseite legen, um eine Medaille zu gewinnen. Die richtige Einschätzung der eigenen Rolle im Lebensgefüge und die Wahl des richtigen Weges müssen sie genauso lernen wie Sebastian.

Seinen Weg führte Rosenmüller mit den ersten zweit Teilen einer Trilogie, deren dritter Teil noch in der Planung ist, fort. In den 2007 und 2008 entstandenen Filmen Beste Zeit und Beste Gegend geht es um die Freundinnen Kati und Jo, die nach ihrem Schulabschluss Mitte der 1990er Jahre vor allem von einem träumen: soweit wie möglich weg von Oberbayern zu kommen. Doch lange bevor irgendjemand wirklich die Heimat verlässt in Rosenmüllers Film, findet der Ausbruch in den Figuren selbst statt. Diese müssen mit sich selbst, ihrer Familie und ihrem Umfeld klar kommen.

Für Mathias Kneißl, dessen Lebensgeschichte Rosenmüller in Räuber Kneißl aufnahm, sind die Zwänge seiner Umgebung noch wesentlich stärker. Dem jungen Mann bleibt Ende des 19. Jahrhunderts anscheinend gar nichts anderes übrig wie sich, genau wie der Rest seiner in Armut lebenden Familie, mit Gaunereien über Wasser zu halten. Auch mit einer vergangenen Zeit und erdrückenden Lebensumständen befasst sich Rosenmüller in der Romanverfilmung Die Perlmutterfarbe, deren Erzählung um den Streit zweier Schulklassen deutliche Bezüge zum Nationalsozialismus hat.

Der dieses Jahr in den Kinos gestartete Sommer in Orange hat ebenfalls ein Kind im Zentrum. Die zwölfjährige Lili zieht mit der Bhagwan-Kommune, in der sie mit ihrer Mutter lebt, auf einen Bauernhof in Bayern. Dort gerät das Mädchen zwischen die unterschiedlichen Lebensweisen und kann am Ende nur glücklich werden, weil sich die konservative Dorfgemeinschaft und die teilweise allzu freigeistigen Kommunenmitglieder zu einem Kompromiss zusammenfinden können.

Mozart und Schikaneder in Sommer der Gaukler
In dem seit dem 22. Dezember in den Kinos zu sehenden Historienfilm Sommer der Gaukler nimmt sich Rosenmüller erneut einem bayrischen Mythos an sowie er es schon mit den Bobfahrern in Schwere Jungs und mit dem Volkshelden Kneißl tat. Emanuel Schikaneder lebte Ende des 18. Jahrhunderts und war Schauspieler, Regisseur, Autor und vieles mehr. Noch bevor Schikaneder unter anderem durch sein Libretto für Die Zauberflöte zu Ruhm gelangte, zog er mit seiner Theatertruppe durch Bayern auf dem Weg nach Salzburg, blieb jedoch kurz vor der österreichischen Grenze hängen. In einem Dorf geraten er und seine Freunde in einen Aufstand der dort lebenden Bergleute, gleichzeitig verstrickt sich Schikaneder durch seine ausgelassene Lebensführung in verschiedene Konflikte. Doch kommt er trotzdem zum erhofften Zusammentreffen mit Wolfgang Amadeus Mozart und dem Beginn ihrer Freundschaft und Zusammenarbeit.
In Interviews verglich sich Rosenmüller mehrfach mit Schikaneder, vor allem bewundert er an der historischen Figur den unbändigen Willen und die große Schaffenslust. Dass Rosenmüller diese Eigenschaften auch besitzt, zeigt nicht zuletzt sein relativ großer Output der letzten Jahre. Die bedachte, aber nicht zu schwermütige Erkundung eines zentralen Themas in all seinen Filmen zeugt vor allem aber von einer eigenen Handschrift in der deutschen Filmlandschaft.

Hier findet Ihr weitere Infos zu Sommer der Gaukler.


Gesponserter Artikel.

Millennium-Trilogie von Stieg Larsson im ZDF Montagskino

von Francois Tessmer, am 30.12.11

Rooney Mara als Lisbeth Salander in der Hollywood Neuauflage
Zum Kinostart der Hollywood-Neuverfilmung von Stieg Larssons "Millennium"-Trilogie am 12. Januar, zeigt das ZDF in seinem "Montagskino" die erste Verfilmung der schwedischen Bestsellerreihe.

In der internationalen Koproduktion von 2009 spielt Michael Nyqvist den Enthüllungsjournalisten und Herausgeber der Zeitschrift "Millennium" Mikael Blomkvist. Blomkvist wird von einem einflussreichen Industriellen beauftragt, seine fast seit 40 Jahren auf mysteriöse Weise verschwundene Nichte zu suchen. Zusammen mit der Hackerin Lisbeth Salander (Noomie Rapace), die selbst von einer düsteren Vergangeheit getrieben wird, begibt sich Blomkvist auf die Spurensuche.

Am Montag den 02. Januar wird der erste Teil "Verblendung" um 22.15 ausgestrahlt. Teil zwei "Verdammnis" folgt 09. Januar und der dritte Teil "Vergebung" schließlich am 16. Januar.







Bild: Sony

Ziemlich beste Freunde - ab 05.01.2012 im Kino

von Francois Tessmer, am 30.12.11

Philippe und Driss
Mit Ziemlich beste Freunde bringt Senator Film am 05. Januar die Geschichte einer verrückten und wunderbaren Freundschaft zwischen dem querschnittsgelähmten Philippe (Francois Cluzet) und Ex-Häftling Driss (Omar Sy) ins Kino. Regie führen Eric Tolendano und Olivier Nakache.


Philippe ist reich, adlig, gebildet und hat eine Heerschar von Hausangestellten. Das einzige Problem in seinem Leben besteht darin, dass er vom Hals an abwärts gelähmt ist. Frisch aus dem Gefängnis entlassen kreuzt eines Tages Driss bei ihm auf. Eigentlich nur um einen Stempel für das Arbeitsamt bemüht, lässt Philippe ihn doch bei sich arbeiten - denn Driss unbekümmerte und freche Art hat Philippe neugierig gemacht.

Den Trailer zu Ziemlich beste Freunde gibt es hier.






Bild: Senator

Filme von Mario Mentrup und Volker Sattel gratis zu sehen auf realeyz.tv

von Virgilia Tech, am 30.12.11


Seit knapp schon einem Jahr kann man sich auf dem Video on Demand-Channel bei realeyz.tv des Arsenal-Instituts für Film und Videokunst e.V. überwiegend unkommerzielle Filme anschauen. Hier bietet sich für den Filminteressierten die Möglichkeit deutsche Independent Filme anzuschauen, die sonst vermutlich ungesehen blieben. Bei NEGATIV haben wir bereits von der Plattform berichtet.

Nun kann man auf dieser Plattform auch Filme der Regisseure Mario Mentrup und Volker Sattel, und zwar kostenlos, anschauen. Ich begehre ist ein dramatischer Experimentalfilm, der in Zusammenarbeit der beiden Regisseure entstand. Ein Mann, die Hauptfigur, ist im Auto unterwegs. Er ist müde, still und unauffällig. Als er bei seiner Reise auf einem verlassenen Parkplatz steht, reißt ihn eine unbekannte Streunerin aus dem Schlaf.

Der aktuellste Film von Volker Sattel ist ein Dokumentarfilm mit dem Titel Unter Kontrolle. Es ist ein Film über Atomkraft, in dem die Kontroll-Mechanismen der Atomkraftwerke detailgenau dargestellt werden. Es stellt sich die Frage, ob diese die Menschen auch wirklich vor Katastrophen schützen. Eine ausführliche Besprechung des Films auf NEGATIV findet ihr hier.

Mario Mentrups aktuellstes Projekt ist zutzeit der komödiantische Kurzfilm Ungeschriebene Gesetze von Sven Wegner, in dem er als Darsteller agiert. Es gibt Regeln, an die man sich halten muss. Der Protagonist Tom fragt sich, ob es nicht auch ungeschriebene Gesetze gibt, an die man sich halten sollte, damit es ein glückliches Miteinander von Mann und Frau in der Großstadt möglich ist. Er fertigt Schaubilder in seiner Küche an, mit denen er die selbstgefundenen Regeln an verschiedenen Frauen ausprobiert.

Hier nun der Link, der Euch zu der Plattform führt, auf der Ihr Euch die Filme von Mario Mentrup und Volker Sattel anschauen könnt.

Die Thomaner - bald im Kino

von Christian Weiler, am 30.12.11

Die Thomaner
Im Jahr 2012 feiert der Thomanerchor Leipzig sein 800-jähriges Bestehen über alle politischen und gesellschaftlichen Veränderungen hinweg. Das nahmen die Regisseure Günter Atteln & Paul Smaczny zum Anlass, den Dokumentarfilm Die Thomaner über den weltbekannten und gefeierten Chor zu drehen. Die Produktion des Filmunternehmens NFP wird im Februar 2012 in die Kinos kommen.

Noch heute geht vom Thomanerchor eine gewisse Faszination aus. Der traditionsbewusste Chor kann auf eine lange Vergangenheit zurückblicken, zu seinen berühmtesten Leitern zählte unter anderem Johann Sebastian Bach. Das Ensemble der "ältesten Kulturinstitution Leipzigs" wird weltweit gefeiert. Atteln und Smaczny versuchen dieser Faszination auf den Grund zu gehen und begleiten dafür Mitglieder des Ensembles bei ihrer Arbeit wie auch bei ihren persönlichen Problemen.

Weitere Informationen zum Film gibt es auf seiner Homepage.


Hier könnt ihr euch mit dem Trailer zu Die Thomaner einen ersten Einblick verschaffen.







Foto: NFP Verleih

The Cake is A Lie - Portal 2 und The Stanley Parable

von Christian Alt, am 30.12.11


In Woody Allens Klassiker The Purple Rose of Cairo gibt es kurz nach der Exposition eine wunderbare Szene, die die ganze Magie des Kinos einfängt. Jeff Daniels spielt auf der Leinwand einen Archäologen, der gerade von einer Ausgrabung zurückgekehrt ist. Doch die Leinwandfigur kann sich nicht auf ihre Dialogzeilen konzentrieren; sein Blick schweift immer wieder ab, fixiert eine junge Zuschauerin, die sich den Film schon zum fünften Mal ansieht. Er beschließt ausbrechen, tritt aus der Leindwand und lässt alle anderen Charaktere des Films hinter sich zurück. Zuschauerinnen fallen in Ohnmacht, ihr Weltbild auf den Kopf gestellt und der Film kann ohne seine Hauptfigur nicht weitergehen.



Meine persönlichen Lieblingsspiele hängen eng mit dieser Szene aus Purple Rose of Cairo zusammen, sind sogar ihr Videospielpendant. Die Spiele heißen The Stanley Parable und Portal 2. Ich sollte mich eigentlich nur auf ein Spiel beschränken, doch in diesem Fall war es mir einfach nicht möglich, sind beide doch wie zwei Seiten einer Medaille. Ersteres ist nur eine kleine Mod für Valves Klassiker Half Life 2, doch bietet sie mehr als die meisten Vollpreisspiele des Jahres. Beide reflektieren das Handeln in Videospielen selbst, lassen den Spieler die Illusion von Freiheit am eigenen Leib spüren, die heutzutage durch Schlauch-Shooter wie Call of Duty so allgegenwärtig geworden ist.

The Stanley Parable
Dabei ist das Schreiben über The Stanley Parable äußerst schwierig, jedes überflüssige Wort könnte den Spielspaß und eine einmalige Erfahrung gründlich ruinieren. Doch so viel sei gesagt: Es ist ein narratives Experiment, das mit so gut wie keiner Spielmechanik aufwarten kann. Stattdessen steht die Entscheidungsfreiheit des Spielers im Vordergrund, wird das Spiel doch von einer sanften Erzählerstimme begleitet, die Stanley vorgibt was zu tun ist. Der Spieler entscheidet sich nun für oder gegen den vorgegebenen Pfad - mit unterschiedlichsten Konsequenzen.




Das mag auf den ersten Augenblick wenig spektakulär klingen, besonders wenn man darüber hinaus noch die spartanische Grafik miteinbezieht. Was The Stanley Parable aber so faszinierend und großartig macht, ist, dass hier eine Geschichte erzählt wird, die so in keinem anderen Medium funktionieren würde. The Stanley Parable ist auf ständigen Input des Spielers angewiesen, jemanden also, der ständig Entscheidungen trifft jedoch nie gewinnen kann. Die einzige Möglichkeit The Stanley Parable zu gewinnen, ist es überhaupt nicht zu spielen - ein Ausbruch aus der Realität wie er in Purple Rose of Cairo möglich ist, wird hier vom Spiel unmöglich gemacht. Es persifliert das geringe Maß an Entscheidungsfreiheit moderne AAA-Titel, lässt Bildschirmnachrichten wie "please question nothing" oder "please spend time with your family" erscheinen. Stellenweise erscheint es wie der theoretische Überbau zu Minecraft, ein bitterböser Kommentar auf Game Design-Konventionen der letzten Jahre.

Die philosophische, manchmal auch prätentiöse Aussage des Spiels wird über jeglichen Spielspaß gestellt. Das Meta-Game geht hier genau einen Schritt weiter als das verwandte Portal 2, denn auch hier lässt sich ein Nachdenken über das eigene Medium beobachten - noch dazu mit den wohl schwärzesten Humor seit früher Ron Gilbert-Spiele. Während sich The Stanley Parable auf die Narrativität beschränkt, setzt Portal 2 genau wie der erste Teil der Portal-Reihe auf reine Spielmechanik. Diese wird selbst zum Thema gemacht, der Spieler wird von der Spielwelt als "Testobjekt" bezeichnet, die Welt besteht aus Rätseln, die gleichzeitig auch die Levelstruktur ebnen. Warum man überhaupt die Tests macht ist unklar, auch die eigene Rolle in den merkwürdigen Laboren von Aperture Science - aber das macht auch nichts. Man spielt um die gestellten Aufgaben zu bewältigen. Selten wurde die Grundprämisse beinahe aller Videospiele so gut eingefangen wie hier. Doch genau wie im ersten Teil bleibt es nicht bei simplen Lösungen der Tests. Im Laufe des Spiels erhebt der Spieler sich gegenüber dem Programm (hier personifiziert von GLaDOS, eine künstliche Intelligenz die den Fortschritt des Spielers lakonisch kommentiert), erobert die Welten jenseits der vorgegebenen Pfade zurück, indem man die Welten hinter den Testkammern erkundet . Man gewinnt Portal nicht, wenn man die Aufgaben von GLaDOS löst, sondern selbst die Kontrolle über das Spiel zurückgewinnt. Ein radikaler Gegenentwurf zu gegenwärtigen Konventionen, die Videospiele zu Achternbahnfahrten machen - ein Streamliningprozess, der beispielsweise vielen Spielern von Uncharted 3 sauer aufgestoßen ist. Hier stößt Nathan Drake überall gegen unsichtbare Wände, jeder Fehltritt wird durch einen Kontrollpunkt-Neustart bestraft. Der Spieler von Portal 2 hingegen weiß: "The cake is a lie"

Man möge mich nicht falsch verstehen: Uncharted 3 ist ein tolles Spiel, doch zweifle ich an, dass es überhaupt ein Spiel sein will. All seine Cinematics,die außergewöhnlichen Kameraeinstellungen und der Indiana Jones-Plot schreien förmlich: "Seht mich an, Spiele können auch spannende Geschichten erzählen, ganz wie der Film." Dabei hat das Medium Videospiel solch eine Anbiederung an den Film gar nicht nötig. Valve hat das schon 1998, beim ersten Teil der Half Life-Reihe, verstanden. Die Story wird nicht durch Cut-Scenes erzählt, sondern wird dem Spieler zu jedem Zeitpunkt des Spiels die Kontrolle überlassen. Die ständige Ego-Perspektive erfordert es, eigene, neue Formen des Erzählens zu finden, die nur Videospielen eigen sind. Das vorläufige Ergebnis dieses Prozesses lässt sich in Portal 2 bewundern. Gekonnt lenken die Entwickler durch audio-visuelle Effekte die Wahrnehmung des Spielers immer wieder auf die Highlights der Map - ganz ohne Cut-Scenes. Was so entsteht ist Art von Freiheit, die über die in Spielen wie Call of Duty weit hinausgeht. Spiele wie Portal 2, The Stanley Parable und Minecraft zeigen, dass es im Videospielmarkt Platz für Spiele gibt, die kindliche Entdeckerfreude nicht bestrafen sondern befördern. Dabei ist Portal 2 gar kein Open World-Spiel, dennoch laden die Rätsel dazu ein, sich die Map anzusehen, die Labore von Aperture Science zu entdecken.  Es sind solche Spiele, die es ermöglichen - ganz wie Jeff Daniels in Purple Rose of Cairo - vom vorgefertigten Pfad abzuweichen und hinter die Kulissen zu blicken.

Hier findet Ihr eine Übersicht der besten Videospiele aus 2011.

Ruins - ernstes Melodram als Indiespiel

von Ciprian David, am 29.12.11

Ruins is a game about a dog chasing rabbits through a shadowy, dreamlike landscape.
So die Beschreibung der Entwickler.
Jake Elliott & friends
Ihre Selbstbeschreibung.

Dieses kleine Indiespiel ist ein Fall eines mißverstandenen Spiels aufgrund einer oberflächlichen Berichterstattung. Zwar wurde es mehrfach in Kompilationen von kostenfreien Indispielen empfohlen, aber keiner der Schreiber schien richtig zu wissen warum. Sein mediales Bild ist das eines etwas wohlwollend betrachtetem artsy-fartsy Game in der besagten dreamlike Landschaft, in welcher man es mit einem komischen Energiewesen zu tun hat. Traurig ist, dass all diese Missverständnisse daher kommen, dass keiner der jeweiligen Spielejournalisten mehr als zwei Minuten mit dem Spiel verbracht hat.

Diese Tatsache macht ein bodenloses Fass der Spielekritik auf, auf den ich hier nur summarisch hinweisen möchte: Indiegames sind Kunst und, vor allem, Indiegames sind cool. Das sind die stärksten Bindungen zwischen Indiegames und Gameskritik. Man muss sie mögen, um genauso cool zu sein, und man tut es auch - doch spielen wollen sie dann selbst die Schreiber manchmal nicht.

Ruins enthüllt sich dem Spieler erst nach der dritten Minute genug, dass dieser weiss, worum es im Spiel geht. Weiße Hasen durch eine süßliche Traumlandschaft jagen, mit einer Person über geschriebene Dialogzeilen kommunizieren, Lektionen zu den Ouverturen von Chopin bekommen -in den ersten zwei Minuten scheint das Spiel einen halbwach Zustand unter psychotropen Stoffen wiedergeben zu wollen.
Doch dann kommt es raus: Ruins ist, wenn, dann ein sehr persönliches Spiel. Als Spieler steuert man Agathe, eine Hündin, die aktuell höchstwahrscheinlich unter Anästhesie bei einem Tierarzt träumt.

Kommuniziert wird mit der Herrin. Zwischen den beiden scheint eine sehr starke emotionale Bindung zu existieren. Erzählt wird dabei über die Lebensgeschichte der Hündin, die gleichzeitig eine Geschichte der Beziehung zwischen der Herrin und deren Partner ist. Das Paar – er Pianist (daher Chopin), sie Tischlerin, ist inzwischen geschieden und die Hündin scheint eine der letzten Gemeinsamkeiten zu sein.

Dialoge mit mehreren Antwortoptionen bestimmen den Verlauf des Spiels. Es gibt also mehrere Stränge, die gemeinsam die Story der zwei Figuren ergänzen, so wie in dem Verursacher dieses Textes: The Stanley Parable, den ich gerade eben als Gameplay Video gesehen habe, aufgrund von Christians Text zum besten Spiel des Jahres. Wie Ruins es mit der Story macht, gestaltet The Stanley Parable seine Aussage auch als Summe der spielbaren Möglichkeiten. Zwar möchte The Stanley Parable einen Diskurs über Storytelling und freie Wahl in Spielen aufmachen und Ruins eine Geschichte erzählen, beziehungsweise drei Individuen einem anonymen Spieler bekanntmachen – womit die zwei Spiele sehr unterschiedlich voneinander wären – doch haben sie eine wichtige Gemeinsamkeit. Sie verzichten auf den Anspruch, Spiele sein zu wollen. In Stanley läuft man rum, wo der Erzähler es will oder eben in der entgegengesetzten Richtung, in Ruins macht man aber nichts anders: Das einzig Spielerische daran ist dann doch das angeteaserte chasing rabbits through a shadowy, dreamlike landscape. Und die Hasen werden nach dem fünften Fang zu einer relativ plumpen Metapher einer Traumwelt. Ihre Funktion ist, Dialogzeilen zu generieren, bei jedem Fang. Der Spielmechanismus – sich zwischen jeweils zwei gleichzeitig anwesenden Hasen zu entscheiden und dem gewünschten nachzurennen, ist so durchsichtig, dass allein die Story noch funktional bleibt.

Automatisch entsteht dann die Frage, warum die zwei als Spiele verpackt werden. Eine Vorteil ist jedenfalls die Tatsache, dass sie in jeden anderen Medium als Kitsch rübergekommen wären. Als Spiel jedoch geschieht es nicht, denn als Spiel beschäftigt Ruins zunächst einmal ein auf Interaktivität vorbereitetes Publikum, das sich erst überrascht einleben muss in die nostalgische Stimmung, in die Spielmechanik und in dem Rollenverständnis. Eine Hündin zu spielen und von einer unbekannten Stimme angesprochen zu werden, zuerst einige Male, ohne dass man antworten kann, ist zunächst verwirrend.

So sind es auch andere Teile des Spiels, denn nachdem ich einen Erzählstrang durchgespielt habe, kann ich doch nicht mit Sicherheit garantieren, dass besagte Herrin nicht ein Herr ist und die Story ein Queer-Melodram, wie ich oft beim Spielen dachte. Die starke Zuneigung der Menschen zur Kunst, ihr Bloßlegen der Gefühle und seelischen Zustände bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung eines Schleiers um einige persönliche Ansichten und Positionen - dieses sind alles Motive, die im Queercinema eingesetzt werden, um zu einem Sexualitätsdiskurs beizutragen. Die schiere Tatsache, dass diese Person ihr Geschlecht nicht enthüllt, wird also zu einem großen Fragezeichen. Ebenso verhält es sich mit dem Ort, an dem sich Agathe genau aufhält. Die abstrahierende und gleichzeitig ausgefeilte Grafik schafft es zudem, das Ganze zusätzlich zu verhüllen und die Spielerfahrung ist ein intensives Gefühlsspektakel, das zu einem guten Teil nicht auf dem Bildschirm, sondern im Kopfkino entsteht.

Es mag sein, dass uns die Kompetenz fehlt, mit reifen Stoffen in einem solchen Medium umzugehen, dass Games sogar ihre Grenzen zeigen, wenn es ums Geschichtenerzählen geht. Auf jeden Fall sind die Strukturen einer Gamessprache noch relativ unklar und das macht Erfahrungen wie Ruins sehr spannend.



Topfilme 2011

von NEGATIV, am 29.12.11

Jahr um Jahr wird im Dezember innegehalten. Die vergangenen zwölf Monate werden noch einmal Revue passieren gelassen, das Erfahrene wieder ins Gedächtnis gerufen.

Auch wir wollen wieder die aus unserer Sicht besten Filme des Jahres küren. Die Autoren sollten sich lediglich auf fünf Filme beschränken und konnten ansonsten nur noch eine persönliche Empfehlung vergeben. Natürlich hat nicht jeder jeden Film gesehen, manche Perle konnte nur auf den zahlreichen Festivals der Republik gesichtet werden. Ein Gesamtüberblick über das vielfältige Kinojahr bietet somit nur die Summe der Empfehlungen.

Wir wünschen Ihnen einen guten Rutsch ins Jahr 2012!

Christian Alt:

The Tree of Life
Bridesmaids
Day is Done
Cheyenne - This must be the place
Cassandras Warnung

Empfehlung:
Der Hals der Giraffe von Judith Schalansky. Lakonisch erzählt sie eine darwinistische Geschichte aus der ehemaligen DDR, die viel über das Verhältnis der Deutschen zur Provinz verrät.


Ciprian David:

Aurora
Day is Done
Tournée
The Tree of Life
Portable Life

Toplisten für Filme sind wie Noten; ich hasse beides. Es kann keine Auswahl der besten fünf Filme des Jahres geben, an deren Zuverlässigkeit man glauben darf. Dazu gibt es noch an die zwanzig Filme, die ich unbedingt sehen wollte und nie dazu kam. Zumindest wird das hier dann nicht noch länger. Also, subjektiv, unzuverlässig, und immer vom Augenblick bedingt. Wie sehr diese Form einengt! Ob vor diesem Text, oder als Bestandteil davon, die Platzierung ist so nichtssagend, schaut Euch bei Gelegenheit auch Cold Fish von Sion Sono, Cheyenne von Paolo Sorrentino, Teza von Haile Gerima, La Lisière von Geraldine Bajard und The Turin Horse von Bela Tárr an. Das Jahr war für mich jedoch vor allem durch die Entdeckung der Serien geprägt. Leider pausierend aber ein Muss ist Community, allein um zu wissen, was Serien können. Nur The Wire hält in meiner Wahrnehmung da noch mit. Und nicht zuletzt: Games. Spielt bitte, denn wenn ihr Filme mögt, werdet ihr an Heavy Rain und Uncharted 3 gefallen finden und an der Komplexität von Weltentwürfen wie in Fallout: New Vegas und Skyrim die Limitationen des Films erkennen.


Elisabeth Maurer:

1. The Tree of Life
2. Tournée
3. Meek's Cutoff
4. Die Mühle und das Kreuz
5. Melancholia

Empfehlung:
Community: Cool cool cool! Go Humans! Annie`s boobs! E Pluribuy Anus! Merry Chang-mas! Six seasons and a movie!


Dennis Vetter:

The Turin Horse
Melancholia
Le Vendeur
Vampire
Detachment


Johanna Bieber:


persönliche Empfehlung:


Sarah Böhmer:

1. Another Earth
2. Abrir Puertas y Ventanas 
3. The Tree of Life
4. Perfect Sense 
5. Les yeux de sa mère - His Mother's Eyes 


Simon Born:
1. Pina
2. Melancholia
3. Cold Fish
4. The Guard
5. Super 8






Lars-Christian Daniels:

1.  Planet der Affen: Prevolution
2.  Tom Meets Zizou
3.  Über uns das All
4.  Das Ende des Schweigens - La fin du silence
5.  Fasten auf Italienisch - L'Italien


Planet der Affen: Prevolution oder doch die „Mozart“-Biografie? Letztlich gab der größte Gänsehaut-Moment meines persönlichen Kinojahres den Ausschlag dafür, das nicht nur optisch herausragende Prequel auf Platz 1 meiner Jahrescharts zu wählen. Wenngleich meine Sitznachbarin die Szene eher unfreiwillig komisch fand, lässt mir das erste gesprochene Wort von Caesar auch heute noch einen Schauer über den Rücken laufen. Ansonsten entdeckte ich meine Highlights des Kinojahres vorwiegend auf Festivals: Über uns das All sah ich in Ludwigshafen, La fin du silence und L’Italien auf den Französischen Filmtagen Tübingen-Stuttgart. 2012, dem ich wie kaum einem anderen Kinojahr entgegenfiebere, wird sich das aufgrund der Kinostarts von The HobbitJames Bond 007: Skyfall und The Dark Knight Rises vermutlich ändern.


Catarina Gomes de Almeida:

1. Melancholia
2. Ein Sommer in Haifa
3. Der Gott des Gemetzels
4. Im Weltraum gibt es keine Gefühle
5. I'm Not A F**king Princess


Markus Hauschild:

1. Black Swan
2. Der Gott des Gemetzels
3. Contagion
4. A Dangerous Method
5. Huhn mit Pflaumen


Stefanie Höfling:

The King's Speech
Midnight in Paris
Die Abenteuer von Tim und Struppi
Die Höhle der vergessenen Träume
Jane Eyre

Meine Empfehlung für alle Krimifans, die sich an den Weihnachtsfeiertagen von intelligentem, subtilem, absurden Humor entspannen und amüsieren lassen, ins Paris der Zwanzigerjahre abtauchen, dort Ernest HemingwayGertrude SteinJames JoycePicasso u.a. treffen und einfach großartig und mit Spannung und Niveau unterhalten werden wollen: Maskeraden von Walter Satterthwait, erschienen bei Goldmann.


Leander Ripchinsky:

Rückblick in Paaren:

Perfect Sense / Another Earth
Weltuntergang!

Tomboy  / Les bien-aimés
Ungewöhnlich!

I'm still here  / Road To Nowhere
Meta!

Der Gott des Gemetzels  / Der Name der Leute
Satire!

Mad Circus / Pina
Pathoskitsch!




Oliver Schmitt:

1. The King's Speech
2. Pina
3. 127 Hours
4. The Guard
5. Margin Call

Dabei gibt es 2011 noch so viel mehr das die Leinwand bereicherte und das zu nennen wäre, wie Aronofskys Black Swan oder Terrence Malicks wirklich wunderbarer The Tree of Life oder vielleicht auch ein Sommerblockbuster wie Planet der Affen: Prevolution. Am Rande sei meine verspätete Entdeckung von The West Wing erwähnt, die zwar schon längst beendet ist aber kaum bekannt von einem herzerfrischenden Wortwitz geprägt ist. Wenn es schon um Serien geht dürfte 2011 an Game of Thrones kaum ein Weg vorbeigehen, High Quality-TV trifft auf Fantasy mit einem herrlich komplizierten Figurenkonzept. Wer noch mehr Intrigen, Blut und nackte Körper mag, der sollte Spartacus: Gods of the Arena verfolgen, ein Prequel das seinem gekonnt derben Vorgänger um nichts nachsteht. Und Computerspiele? Dafür ist hier zu wenig Platz bei all den sehenswerten Titeln des Jahrgangs 2011 darum nur ganz kurz meine persönlichen Top 3 - Deus Ex: Human Revolution, Battlefield 3 und Batman: Arkham City.

Utopians - ab nächster Woche im Kino

von Virgilia Tech, am 29.12.11


Am 5. Januar 2012 startet Utopians in den Kinos. Zbigniew Bzymek führte dabei Regie und schrieb auch das Drehbuch. Jim Flechter spielt in Utopians Roger, einen Yogalehrer. Courtney Webster verkörpert die Rolle der Zoe und Lauren Hind spielt ihre Geliebte Maya.

Die Vater-Tochter-Beziehung des Yoga-Lehrers Roger und seiner Tochter Zoe, die frisch aus dem Militärdienst ausgeschiedenen ist, wird belastet durch die Beziehung seiner Tochter mit einer anderen Frau, Maya. Maya leidet unter Schizophrenie. Alle drei wollen eigentlich nichts weiter, als ein Teil der Gesellschaft sein und glücklich leben. Doch trotz aller Bemühungen schaffen sie es nicht, das Leben als Außenseiter hinter sich zu lassen und sich in die Gesellschaft zu integrieren.

Auf NEGATIV haben wir bereits schon einmal über Utopians berichtet.

Um euch die Wartezeit etwas zu verkürzen, könnt ihr euch hier den Trailer anschauen.

Verblendung- Gewinnspiel zum Kinostart

von Virgilia Tech, am 29.12.11


Die Romanverfilmung Verblendung startet am 12. Januar 2012 in den Kinos. Verblendung, die erste von drei Verfilmungen von Stieg Larssons Bestsellerreihe um Lisbeth Salander wird von Columbia Pictures in die Kinos gebracht. Die Trilogie verkaufte sich in insgesamt 48 Ländern etwa 62 Millionen mal. Regie führt dabei David Fincher. Das Drehbuch wurde von Steven Zaillian verfasst. Die männliche Hauptrolle wird von James Bond-Darsteller Daniel Craig gespielt. Die weibliche Hauptrolle übernahm Rooney Mara.

Der Journalist Mikael Blomkvist bekommt den Auftrag etwas über das Verschwinden von Henrik Vangers Nichte herauszufinden. Harriet fehlt seit 40 Jahren. Henrik hatte nie aufgehört nach ihr zu suchen und befürchtet, dass sie einem Gewaltverbrechen zum Opfer fiel. In den Verdacht kommt Henriks eitle Familie. Blomkvist bekommt bei seiner Recherche Unterstützung von der andersartigen Detektivin Lisbeth Salander. Bei ihren Untersuchungen bringen sie so einige interessante Informationen der Familie Vanger ans Tageslicht.



Mehr Informationen zum Film bekommt ihr auf der offiziellen Homepage oder auch auf der Facebook-Seite!

Zum Kinostart von Verblendung am 12. Januar 2012 verlosen wir zwei hochwertige Jahreskalender von Paperblanks (www.paperblanks.com) und zwei originale Filmplakate. Um an unserem Gewinnspiel teilzunehmen, müsst ihr nur die untenstehende Gewinnspielfrage beantworten. Natürlich wünschen wir euch dabei viel Erfolg!

Teilnahmeschluss ist der 16. Januar 2012!

Leider können wir nur Teilnehmer mit Wohnsitz in Deutschland akzeptieren. Mit der Teilnahme am Gewinnspiel akzeptiert ihr automatisch die hier einsehbaren Teilnahmebedingungen.



Bildmaterial: © 2011 CTMG. All Rights Reserved

Sommer der Gaukler - Emanuel Schikaneder im Schatten Mozarts

von Elisabeth Maurer, am 29.12.11

Copyright: Joonast
Viele Arien aus Die Zauberflöte sind beinahe jedem bekannt. Doch denken die meisten in Zusammenhang mit dem Singspiel wohl hauptsächlich an Wolfgang Amadeus Mozart, der die Musik komponierte. Der Name desjenigen, der für das Libretto verantwortlich war, wird hingegen nicht so vielen einfallen. Der Regisseur, Theatermacher, Autor und Schauspieler Emanuel Schikaneder war jedoch zu seiner Zeit eine ebenfalls schillernde Person der Künstlerszene. 1780 traf er erstmals Leopold Mozart und dessen Sohn, elf Jahre später dann feierten sie ihren größten gemeinsamen Erfolg mit der Uraufführung von Die Zauberflöte, in der Schikaneder selbst Papageno verkörperte (siehe Bild).



Max von Thun als Emanuel Schikaneder
Die deutsche Komödie Sommer der Gaukler von Regisseur Marcus H. Rosenmüller nimmt sich nun Schikaneders Person an. Milos Forman zeigte in Amadeus seine zentrale Figur in einem dekadenten höfischen Umfeld, Rosenmüller begibt sich zur Darstellung Schikaneders Geschichte, der von Max von Thun dargestellt wird, in die bayrische Provinz. Denn er stellt die Schwierigkeiten ins Zentrum, die der Künstler zunächst zu überwinden hatte. Dabei will er auch auf die aufgeladene politische Stimmung des ausklingenden 18. Jahrhunderts hinweisen.


Trotzdem geht es wie in Amadeus äußerst ausgelassen zu. Ähnlich wie Schikaneder dafür bekannt ist, dass er seine Stücke sehr prunkvoll und auch burlesk inszenierte, ist der Film possenhaft und mitunter derb. Davon könnt Ihr Euch in dem Trailer überzeugen, den Ihr hier ansehen könnt. Seit dem 22. Dezember ist Sommer der Gaukler in den Kinos zu sehen.

Sommer der Gaukler auf Facebook.


Gesponserter Artikel.

Sonderreihe „50 Jahre Oberhausener Manifest“ bei Max Ophüls Preis 2012

von Christian Weiler, am 29.12.11

Max-Ophüls-Preis 2012
Am 28.02.1962 gaben 26 Filmemacher in einer Pressekonferenz mit dem provokanten Namen "Papas Kino ist tot" den Startschuss für eine neue Ära des Kinos. Denn sie kritisierten das zu der Zeit gängige Genre des Unterhaltungsfilms und machten mit ihrer Forderung nach mehr künstlerischer Freiheit den Weg für den Jungen deutschen Film.

Nächstes Jahr feiert das sogenannte Oberhausener Manifest sein 50-jähriges Jubiläum. Um das zu würdigen, widmet das 33. Filmfestival Max Ophüls Preis 2012 dem Manifest eine eigene Filmreihe, die die Entwicklung des deutschen Autorenkinos beleuchten soll. Ausgewählt wurden hierfür fünf Filme aus den vergangenen fünf Jahrzehnten:

Mit 9 Leben hat die Katze wurde Ula Stöckl 1968 zur Pionierin des deutschen Frauenfilms. In diesem Film beleuchtete sie erstmals die Rollen und Schicksale verschiedener Frauen innerhalb der Gesellschaft der Bundesrepublik.

Der Schriftsteller Peter Handke verfilmte 1978 seinen eigenen Roman und brachte so Die linkshändige Frau auf die Leinwand. Die Geschichte einer Frau die sich von ihrem Mann trennt, doch sich nach diesem anfänglichen Schritt Richtung Freiheit immer mehr isoliert und schließlich alleine ist.

Tevfik Başer brachte 1985 mit seiner Low Budget Produktion 40 qm Deutschland das Leben von Gastarbeitern auf die Leinwand. Der Film erzählt die Geschichte von Turna, der Frau eines enttäuschten türkischen Arbeitsmigranten, der sie von der Welt außerhalb ihrer 40 qm Wohung abschottet. Erst als ihr Mann stirbt, sieht sich Turna mit der deutschen Wirklichkeit außerhalb der Wohnung konfrontiert. Der Film entstand im Zeichen der besseren Verständigung und des Kennenlernens.

Stilles Land von Andreas Dresen von 1992. Im Herbst des Jahres 1989 soll der junge Regisseur Kai in der vom politischen Wandel bisher unbeeindruckten Provinz "Warten auf Godot" inszenieren, doch stößt dabei auf ein sehr zurückhaltendes Ensemble. Erst mit der Zeit kommt die Revolution auch in der Provinz an.

Der jüngste der fünf Filme, Der Wald vor lauter Bäumen von Maren Ade, stammt aus dem Jahr 2003. Er erzählt die Geschichte der idealistischen jungen Lehrerin Melanie, die zum ersten mal in die Stadt zieht um an einer Karlsruher Realschule zu unterrichten. Hier will sie nicht nur ein neues Leben mit neuem Freundeskreis aufbauen sondern auch ihre Arbeitsstelle neu beleben.

Das 33. Filmfestival Max Ophüls Preis 2012 findet vom 16. bis zum 22. Januar in Saarbrücken statt. Genauere Informationen gibt es auf der Homepage des Festivals. Eine Übersicht zur bisherigen NEGATIV-Berichterstattung zum Filmfestival gibt es hier.

Filmische Atmosphären - Band erscheint im Schüren Verlag

von Christian Weiler, am 29.12.11

Filmische Atmosphären - das können Atmosphären sein, die von Filmen mit gewissen Mitteln erzeugt werden und uns in ihren Bann ziehen, das kann aber auch die Atmosphäre eines Open Air Festivals oder eines Duftkinos sein.

In der im Schüren-Verlag erscheinenden Aufsatzsammlung Filmische Atmosphären beschäftigen sich Autoren und Autorinnen mit ebendiesen Themen. Wann und wie erzeugt ein Film eine gewisse Atmosphäre und in welcher Situation kann das Sehen eines Filmes zum atmosphärischen Erlebnis werden? Wie sieht die Atmosphäre im Filmwerk bestimmter Regisseure wie Tom Tykwer, Gus Van Sant oder Jean-Pierre Melville im Speziellen aus? An der Beantwortung dieser und anderen Fragen beteiligen sich insgesamt achtzehn Autoren mit ihren verschiedensten Beiträgen zum Thema. Herausgegeben wird der Band von den Züricher Filmwissenschaftlern Philipp Brunner, Jörg Schweinitz und Margrit Tröhler. In dem Buch sind Beiträge von unter anderem Barbara Flückiger, Hans J. Wulff und Joachim Paech zu lesen.


Foto: Schüren Verlag

 

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