Dame, König, As, Spion


London, Anfang der 70er Jahre mitten im Kalten Krieg: Der pensionierte Geheimdienstmitarbeiter George Smiley (Gary Oldman) und rechte Hand des ehemaligen Geheimdienstchefs Control (John Hurt) wird reaktiviert. Er soll im Auftrag der Regierung im “Circus”, wie der britische Auslandsgeheimdienst MI6 genannt wird, einen Maulwurf des russischen KGB entlarven. Der mittlerweile verstorbene Control hegte den Verdacht, dass der Doppelagent in der Führungsspitze des “Circus” zu finden ist. Der neue Chef Percy Alleline (Toby Jones), die leitenden Offiziere Bill Haydon (Colin Firth), Roy Bland (Ciaràn Hinds), Toby Esterhase (David Dencik) und auch George Smiley stehen auf Controls Liste. Smiley sichtlich schockiert, dass er von Control verdächtigt wurde, ermittelt ohne persönlichen Zugang zum “Circus” zusammen mit dem jungen Agenten und Chef der “Skalpjäger” Peter Guillam (Benedict Cumberbatch) und dem pensionierten Polizisten Mendel (Roger Lloyd-Pack) fortan in den eigenen Reihen. Viele Spuren verlaufen im Nichts, bis Smiley durch den untergetauchten “Skalpjäger” Ricki Tarr (Tom Hardy) einen entscheidenden Hinweis erhält. Je näher er dem Maulfwurf kommt, desto klarer erkennt Smiley die brillante Strategie seines langjährigen Gegenspielers beim russischen Geheimdienst – Karla. Kann Smiley den Doppelagenten identifizieren und somit seinem alten Feind eine empfindliche Niederlage hinzufügen?

Wer ist der Maulwurf? Percy Alleline / Codename: As (Toby Jones), Toby Esterhase / Codename: Bube (David Dencik), Roy Bland / Codename: Dame (Ciarán Hinds) und Bill Haydon / Codename: König (Colin Firth)

Der erste englischsprachige Spielfilm des schwedischen Regisseurs Tomas Alfredson, der durch seinen Film Låt den rätte komma in für internationales Aufsehen in der Filmwelt sorgte, versammelt ein großartiges Ensemble britischer Spitzenschauspieler in der Romanverfilmung von John le Carrés Bestseller, die wohl bekannteste Geschichte rund um le Carrés Schlüsselfigur, den brillanten wie einsamen Meisterspion George Smiley. Dabei hält sich der Regisseur nicht streng an die Romanvorlage und macht auch kein Remake der siebenteiligen BBC-Serie Tinker, Tailor, Soldier, Spy, mit Sir Alec Guinness in der Hauptrolle, sondern erschafft sein eigenes Werk – eine explizite Vorgabe von John le Carré vor Produktionsbeginn. Die größte Herausforderung für die Drehbuchautoren Bridget O´Connor und Peter Straughan war wohl die Komplexität des Buches. Vereinfacht man den Plot, geht einiges an wichtigen Inhalten der Geschichte verloren, folgt man dagegen jedem Erzählfaden, wird es für einen Kinofilm zu aufwendig. Schließlich hat man im Kino leider nicht die Zeit, den Film in der epischen Breite der BBC-Verfilmung (290 Minuten) zu erzählen. Obwohl die komplexe Handlung ein hohes Maß an Konzentration erfordert, ist es den Autoren gelungen, eine sehr runde Geschichte zu erzählen, die den Erzählkern des Romans vollkommen trifft.

Die Kameraarbeit von Hoyte van Hoytema, der in sehr langen und ruhigen Einstellungen ein sehr atmosphärisches Bild der 70er Jahre zeichnet, und der subtile Schnitt von Dino Jonsäter legen den Rhythmus fest, der den Film zu einem hochspannenden Katz-und-Maus-Spiel macht. Nicht unerwähnt dürfen dabei auch die Szenenbildnerin Maria Djurkovic und die Kostümdesignerin Jaqueline Durran bleiben. Sie erschaffen ein London und die Welt der Meisterspione nicht in den bekannten grellbunten 70er Jahre-Klischees, sondern zeigen in ihrem monochromen Look ein Gefühl für Authentizität. Das Außengebäude des “Circus” wirkt unauffällig und düster, die Außenwelt bleibt ausgeschlossen. Die Führungskräfte sitzen in ihren schalldichten Würfeln, eine Gruppe von älteren Männern in ihren grauen Anzügen, die zwar durch ihre Arbeit vereint sind, aber als Individuen voneinander getrennt sind und ihre Geheimnisse hüten. Sie leben in einem Mikrokosmos voller Lügen und Paranoia und verwalten dabei ständig rauchend und trinkend den Kalten Krieg.

George Smiley (Gary Oldman)

Obwohl der Film sehr aufwendig produziert wurde, hat er doch nicht viel mit den effekt- und actiongeladenen Machwerken des heutigen Kinos gemeinsam. Nichts wirkt hier wie bei 007 oder Ethan Hunt. Der Film zieht seine Spannung hauptsächlich aus den schauspielerischen Leistungen, allen voran Gary Oldmans George Smiley, und die immer wieder auftretenden dramatischen Fragen von Freundschaft, Betrug und Loyalität. Anders als die meisten extrovertierten Charaktere, die Gary Oldman in seiner langen Karriere gespielt hat, besticht seine Darstellung in Dame, König, As, Spion vor allem durch große Subtilität. Smiley muss nicht laut werden und Gewalt anwenden, um die Härte seiner Figur zu beweisen. Man sieht seinem Gesichtsausdruck die dunklen und manipulierenden Seiten seines Schaffens an, seine Stärke, die Schwächen und Anfälligkeiten seiner Gegenspieler zu entlarven – ein Meisterspion. Gleichzeitig erkennt man die Schatten seiner Einsamkeit, seine Melancholie über verlorene Wertvorstellungen und seine privaten Verluste.


Dame, König, As, Spion kommt am 02. Februar in die deutschen Kinos. Vermutlich wird es der Film sehr schwer haben, ein großes Publikum im Kino zu erreichen, was hauptsächlich der narrativen Komplexität und der ruhigen und sehr bedachten Erzählweise geschuldet sein könnte. Diejenigen, die der Film dennoch ins Kino lockt, erwartet ein spannender und hochklassig besetzter Spionagethriller.

Dame König, As, Spion – Pressespiegel bei der film-zeit.de 
 

Dame, König, As, Spion (Tinker Tailor Soldier Spy)
R: Tomas Alfredson
B: Peter Straughan, Bridget O’Connor
K: Hoyte van Hoytema
D: Gary Oldman, Colin Firth, Tom Hardy, John Hurt, Toby Jones, Mark Strong, Benedict Cumberbatch, Ciarán Hinds
Großbritannien / Deutschland, 2011, 127 Minuten
STUDIOCANAL Filmverleih
Kinostart: 02. Februar 2012
FSK 12 Jahre

  • Dietmar Koelzer

    Grausam, langweiliger Film !! In 127 Minuten eine so komplexe Geschichte zu erzählen, muß man können. Alfredson kann es nicht !!