Entstehen Filmideen in Hollywood aus Leidenschaft und Hingabe? Sicherlich viel zu selten. Der geistige Ursprung vieler Traumfabrik-Erzeugnisse ist vielmehr der Gedanke an maximalen Gewinn. Da wird alles erdenklich Mögliche ausgegraben, was viel Geld verspricht, besonders beliebt sind aktuell alte Kult-Serien und – Figuren, da diese fast schon eine Erfolgs-Garantie bieten, durch eine bestehende Fanbase. Die Schlümpfe – daraus kann man sicherlich finanziell einiges herausholen, dachte sich bestimmt auch Jordan Kerner, als er den Auftrag für ein Drehbuch über die kleinen blauen Geschöpfe gab. Tatsächlich wurde der gleichnamige Film in 2011 ein wirtschaftlicher Erfolg, der aber dennoch nur ein seelenloses Hollywood-Produkt blieb, das von Kritikern und Fans förmlich in den Boden gestampft wurde. Letztere gingen ins Kino, um in nostalgischen Gefühlen und schönen Kindheitserinnerungen schwelgen zu können. Aber um diese wiederzubeleben, müssen vor allem die Drehbuchautoren den Geist der Kultserie erfassen und reproduzieren können – eine zugegebenermaßen schwiergie Aufgabe, die nur selten bewältigt wird. Glücklicherweise bestätigen Ausnahmen hin und wieder die Regel und so kommt es, dass sich alle Fans der Muppets ganz herzlich bei Jason Segel (vielen bekannt als „Marshall“ aus How I Met Your Mother) und Nicholas Stoller bedanken können. Denn das Drehbuch zu Die Muppets entstand nicht als Auftragsarbeit eines x-beliebigen Autors, sondern ist das Ergebnis zweier echter Fans, die ihren Kindheitshelden ein Comeback schenken wollten. Ein Film von Muppets-Fans, über Muppets-Fans für Muppets-Fans, klingt zu schön um wahr zu sein – ist es aber.
Walter (ein neuer Muppet) ist seit seiner Kindheit ein riesiger Muppets-Fan. Zusammen mit seinem Bruder Gary (Jason Segel) und dessen Freundin Mary (Amy Adams) macht er sich auf den Weg nach Los Angeles, um dort die Muppet-Studios zu besichtigen. Durch einen Zufall erfährt Walter, dass der sinistere Ölmagnat Tex Richman (Chris Cooper) das verlassene Theater der Puppen abreißen will, da er dort ein großes Vorkommen des schwazen Goldes vermutet. Mithilfe von Kermit dem Frosch versuchen die drei nun, die alte Truppe wieder zusammenzubringen, für eine letzte Show, die das Theater retten soll.
Vielleicht ist die Behauptung, Segel und Stoller seien selbst große Muppets-Fans, nur eine Marketing-Strategie, mag sich jetzt so mancher fragen. Hat man den Film jedoch gesehen, zweifelt man nicht mehr an diesen Aussagen: Die Wiederbelebung der Muppet-Show mit Fans als Protagonisten als zentrales Ziel der Handlung, Anspielungen auf die ersten Filme, die charmanten Auftritte der Puppen-Charaktere – alles handfeste Indizien, dass hier wirklich mit Leidenschaft gearbeitet wurde. Auch ein Hauch von Sentimentalität ist an einigen Stellen zu spüren, an denen die gute, alte Muppet-Show-Zeit betrauert wird, wie zum Beispiel das lang nicht mehr besuchte Muppet-Museum, das Walter in Los Angeles besichtigt. Umso größer ist anschließend die Freude über das Comeback der Puppen, das clevererweise auf zwei Ebenen stattfindet, denn sowohl in der filmischen Welt als auch in der Realität locken die von Jim Henson erfundenen Figuren wieder Zuschauer an. Überhaupt ist das Werk in vielen Belangen auf einer Metaebene zu verstehen, beispielsweise verhilft Jason Segel den verrückten Puppen schließlich nicht nur in seiner Rolle als Gary zu neuem Ruhm, sondern auch in der Wirklichkeit durch sein Drehbuch.
Was den neuen Muppets-Film besonders sympathisch macht, ist, dass er sich sogar noch weniger ernst nimmt als die vorangegangenen. Mit einer Portion Meta-Humor werden so zum Beispiel die stilistischen Mittel durch den Kakao gezogen und auch die Darsteller bleiben nicht verschont. So etwa als Amy Adams zum Abschluss einer Gesangseinlage scheinbar versucht zu improvisieren, dabei gnadenlos scheitert, damit jedoch beweist, dass sie über sich selbst lachen kann. Auch ernste, emotionale Momente werden stets humorvoll aufgelockert, wie beispielsweise als Gary in eine Sinnkrise stürzt, nachts allein durch den Regen spaziert und die Ballade „Am I a Man or a Muppet“ schmettert. Die Überspitzung der Klischees und der selbstironische Songtext machen die vermeintlich traurige Szene zu einem der humoristischen Höhepunkte. Die Musical-Einlagen sind im Allgemeinen eine weitere große Stärke des Films, denn sie sind liebevoll choreographiert und bieten den einen oder anderen Ohrwurm – nicht umsonst wird der Titel „Life’s a Happy Song“ schon jetzt als Oscar-Favorit gehandelt.
Die Muppets ist eine charmante, liebevoll geschriebene Komödie, die den Geist der Kultfiguren ausgezeichnet ins 21. Jahrhundert transportiert. Daraus kann man einiges lernen, nämlich, dass ein mit Leidenschaft geschriebenes Drehbuch die halbe Miete ist.
Die Muppets – Pressespiegel auf film-zeit.de
Die Muppets/ The Muppets
R: James Bobin
B: Jason Segel, Nicholas Stoller
K: Don Burgess
D: Jason Segel, Amy Adams, Chris Cooper
USA 2011, 103 Min.
Walt Disney Pictures
Kinostart: 19.1.2012
FSK 0
Text: NEGATIV / Fotos: Walt Disney Pictures





