Neu im Kino – Kino-Tipps vom 16.02.2012


Im Schatten der auf vollen Touren laufenden Berlinale fällt die Filmauswahl diese Woche erwartungsgemäß nicht besonders üppig aus. Und dennoch können sich unsere Leser wieder auf einige empfehlenswerte Filme freuen.

Besonders empfehlen wollen wir den neuen Film von Steven Spielberg, Gefährten. Darin steht der Hengst Joey im Fokus, welcher vom Farmer Ted (Peter Mullan) bei einer Pferdeauktion ersteigert wird. Sein Sohn Albert (Jeremy Irvine) kümmert sich hingebungsvoll um das edle Tier. Doch zu Beginn des ersten Weltkriegs wird Joey aus Geldnot an die britische Armee verkauft. An der Front wird er während einer langen Odyssee einerseits zu einem stummen Zeitzeugen des Kriegsgrauens mit all seinem Leid und Elend. Gleichzeitig weckt er jedoch auch stets das Gute und Menschliche in seinen wechselnden Besitzern. „Egal, wo er war, brachte er Menschen zu Taten der Gnade und Nächstenliebe. Als er sich im Stacheldraht windet, zeigen alle Soldaten, egal welcher Nation, Mitleid.“, schreibt NEGATIV-Herausgeberin Elisabeth Maurer. Hier können Sie die gesamte Kritik zu Gefährten lesen.

Bei den nicht ganz so gelungen Filmen wollen wir mit Extrem laut und unglaublich nah von Stephen Daldry den Anfang machen, der bei der diesjährigen Berlinale außer Konkurrenz lief. Für den kleinen Oskar (Thomas Horn) wird nichts mehr so sein wie es war, denn sein geliebter Vater (Tom Hanks) kommt bei den Anschlägen des 11. September ums Leben. In der Hoffnung, Antworten für den plötzlichen Tod zu finden, begibt sich Oskar auf eine Reise durch New York, um hinter das Geheimnis eines ihm von seinem Vater hinterlassenen Hausschlüssels zu kommen. Die Begegnungen, die er dabei erlebt, helfen ihm über den Schmerz hinwegzukommen und erwachsen zu werden. Obwohl an einigen Stellen etwas zu konstruiert, wirkt der Film auf eine wohltuende und unpathetische Weise erbaulich. Hier die Kritik zu Extrem laut und unglaublich nah von Elisabeth Maurer.

Auf wesentlich seichtere Unterhaltung zielt dagegen die Bollywood-Produktion Don – The King is Back von Farhan Akhtar ab, die ebenfalls Premiere auf der Berlinale feierte. Das komplett in Berlin gedrehte Sequel, in dem Indiens Superstar Shah Rukh Khan ein weiteres Mal in die Rolle des charismatischen wie größenwahnsinnigen Gangsters Don schlüpft, verzichtet dabei weitgehend auf die für Bollywoodfilme typischen Gesangs- und Tanzeinlagen und konzentriert sich ganz auf Actionszenen. Obwohl er Fans gefallen sollte, ist sich NEGATIV-Autorin Catarina Gomes de Almeida berechtigterweise nicht sicher, ob „ Don – The King Is Back allerdings genug Potenzial hat, um auch das nicht Bollywood begeisterte Publikum sowie allgemein Actionfilm-Fans zu überzeugen.“ Hier die gesamte Kritik zu Don – The King is Back.

Die Dokumentation Die Thomaner von Günter Atteln und Paul Smaczny setzt sich mit dem weltberühmten Leipziger Thomanerchor, der dieses Jahr sein 800 jähriges Jubiläum feiert, auseinander. Die Regisseure konzentrieren sich dabei auf den Alltag der 94 in einem Internat lebenden Knaben und jungen Männer. Innerhalb eines kompletten Schuljahres werden sowohl die extrem ansträngenden Proben, die die Sänger zur absoluten Perfektion und völligen Hingabe für die Musik führen sollen, wie auch die kleinen Freuden während der Freizeit beleuchtet. Insgesamt bietet Die Thomaner einen interessanten Einblick in eine traditionsreiche Gemeinschaft.

Der Kinderfilm Yoko von Franziska Buch handelt von einem gleichnamigen Yeti, der jedoch im Gegensatz zu seinem mythischen Vorbild ein niedliches, kulleräugiges Pelztier darstellt. Vom geldgierigen wie vertrottelten Großwildjäger Thor van Sneider (Tobias Moretti) aus dem Himalaya entführt, kann er schließlich fliehen und landet über Umwege bei der jungen Pia (Jamie Bick). Sie will den neuen Spielgefährten unbedingt behalten und versteckt ihn vor ihrer Familie (darunter Jessica Schwarz als Mutter). Doch auch van Sneider ist dem Yeti weiterhin auf den Fersen. Yoko fällt etwas zu slapstick- und klamaukhaft aus, bietet jedoch insbesondere für die Kleinen einen recht kurzweiligen Spaß.

Aus Polen kommt die Tragikomödie Sommer auf dem Land von Radek Wegrzyn. Darin stirbt die Frau des Konzertpianisten Bogdan (Zbigniew Zamachowski), der mit seiner Familie in seinem Heimatdorf lebt. Um mit der Trauer fertig zu werden, bildet sich Bogdan ein, seine Frau wäre als Kuh wiedergeboren worden und lebt von nun an mit dem Tier zusammen. Doch vor allem seine Tochter Anna (Agata Buzek) ist von der neuen Mutter nicht sonderlich begeistert. Dem Film gelingt es bei allem subtilen Humor dennoch, den tragischen Kern der Erzählung nicht zu kurz kommen zu lassen.

Eroberung 1453 des türkischen Regisseurs Faruk Aksoy beleuchtet die Eroberung von Konstantinopel im Jahr 1453 durch die Osmanen unter Führung von Sultan Mehmed II (Devrim Evin). Die ersten Bilder lassen vermuten, dass der Film zumindest auf visueller Ebene höheren Ansprüchen gerecht werden könnte. Ob die Rekapitulation des historischen Ereignisses hingegen vom Erzählerischen her interessant ausfällt, bleibt abzuwarten.

Kommen wir zum Tiefpunkt dieser Woche, welcher Der Ruf der Wale heißt. Der über die Rettung dreier Grauwale in Alaska erzählende Film von Ken Kwapsis versinkt leider gänzlich in kitschigen und dramatisch überhöhten Szenen.

Hier der Trailer zu unserer besonderen Empfehlung:

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