![]() |
| ¡Vivan las Antipodas! |
Nach dem Ende der Berlinale stehen einige der dort gezeigten Filme schon in den Startlöchern für den Kino-Release. Doch leider sind es nicht gerade die Meisterwerke des Festivals, die uns diese Woche erwarten.
Bei den besonderen Empfehlungen stehen diese Woche zwei Dokumentarfilme russischer Regisseure im Vordergrund. ¡Vivan las Antipodas! von Victor Kossakovsky porträtiert verschiedene Antipoden-Paare, Gebiete, die auf unserem Erdball einander gegenüber liegen. Kossakovsky stellt dabei in atmosphärischen und ästhetischen Bildern grundverschiedene Topographien und Lebensweisen vor, in dem er beispielsweise dem beschaulichen Leben zweier Fuhrmänner in der argentinischen Provinz Entre Rios das hektischen Treiben der Metropole Shanghai gegenüberstellt. “Wer sich für die Vielfalt unserer Erde, ihre Landschaften, Kulturen und Menschen begeistert, der wird sich auch für diesen Film begeistern können.”, hebt NEGATIV-Autorin Catarina Gomes de Almeida den besonderen Wert dieses Films hervor. Hier die gesamte Kritik zu ¡Vivan las Antipodas!.
Der zweite Dokumentarfilm ist Sergej in der Urne von Regisseur Boris Hars-Tschachotin. Der Urenkel des Mikrobiologen und politischen Visionärs Sergei Stepanowitsch Tschachotin begibt sich auf die Spuren seines vor knapp vierzig Jahren verstorbenen Ahnen, dessen Asche sich heute in einer Urne befindet. Dieser hatte nicht nur mit der Erfindung des Strahlenskalpells einen Meilenstein für die moderne Krebsforschung geliefert, sondern war auch Chefideologe der Eisernen Front, der führenden politischen Widerstandsorganisation gegen den Nationalsozialismus in Deutschland Anfang der 30er. Der Kern der Dokumentation umfasst vier Interviews mit Sergejs aus vier verschiedenen Ehen stammenden Söhnen, die ihn in je einem bestimmten Lebensabschnitt begleitet haben. Aus der Verflechtung zahlreicher Erinnerungsfragmente entsteht nicht nur das Portät einer hochinteressanten Persönlichkeit, sondern auch ein allgemeines Zeitbild des 20.Jahrhunderts.
Kommen wir nun zu den etwas weniger gelungen Filmen. Da wäre zunächst der neue, in der Special-Sektion der Berlinale ausgestrahlte Film von Jason Reitman, Young Adult, bei welchem er wieder mit Drehbuchautorin Diablo Cody (Juno) zusammenarbeitete. Es wird die Geschichte der 46-jährigen Mavis Gray (Charlize Theron) erzählt, einer in der Metropole Minneapolis lebenden, erfolglosen Jugendbuchautorin. Als sie hört, dass ihre Beziehung aus High-School-Tagen, der bodenständige Boddy (Patrick Wilson), ein Kind bekommen hat, entschließt sich die unbewusst sehr einsame Mavis in ihr verschlafenes Heimatstädchen Mercury zurückzukehren, um ihn für sich zurückzugewinnen. Obwohl Theron ihre Figur überzeugend verkörpert, leidet Young Adult darunter, wie NEGATIV-Herausgeber Ciprian David anmerkt, thematisch geradezu eine Kopie von Reitmans letztem Film Up in the Air zu sein. Hier die Kritik zu Young Adult.
Der Dokumentarfilm Glücksritterinnen der aus Russland stammenden Yekaterina Fedulova setzt sich mit dem Lebensweg der Regisseurin selbst und dem von fünf ihrer russischen Freundinnen auseinander. Die sechs Frauen kamen aus unterschiedlichen Gründen nach Deutschland, eine entscheidende Triebfeder scheint jedoch der Druck der Mütter gewesen zu sein, die ihre Töchter in der Hoffnung auf ein besseres Leben zu diesem Schritt animierten. Fedulova gelingt es ein einfühlsames Bild von den, vom Versuch der Selbstbestimmung und dem nachhallenden Erwartungsdruck der Eltern gezeichneten Frauen zu zeigen.
Der 3D-Animationsfilm Kleiner starker Panda von Michael Schoemann und Greg Manwaring handelt von dem Pandajungen Manchu, der zufällig herausfindet, dass den Tieren seines Walds eine große Gefahr bevorsteht. Der benachbarte Damm droht zu brechen und als Folge eine Überschwemmung herbeizuführen. Gemeinsam mit seinen Freunden will Manchu die Tiere retten. Das Problem: Als Kinder werden sie von den erwachsenen Tieren nicht ernst genommen. Kleiner starker Panda besticht durch seine liebevoll gezeichneten Bilder und sollte dank seines Plädoyers für den Schutz der Natur auch inhaltlich für seine vorwiegend kindliche Zielgruppe interessant ausfallen.
Wesentlich rabiater geht es hingegen in Safe House zur Sache, mit dem der Schwede Daniel Espinosa sein Hollywood-Regiedebüt gibt. Die Geschichte um den CIA-Agenten Matt Weston (Ryan Reynolds), der einen Spitzel (Denzel Washington) zu einem sicheren Unterschlupf eskortieren muss, dient dabei hauptsächlich als Folie für zahlreiche Actionszenen. Diese sind jedoch sehr gut in Szene gesetzt und die Rasanz des Films zieht den Zuschauer schnell in seinen Bann, so dass die Erwartungen an das Genre voll und ganz erfüllt werden.
Kommen wir nun zu den versprochenen beiden Tiefpunkten der Berlinale: So entpuppt sich In the Land of Blood and Honey, das Regiedebüt von Angelina Jolie über den Bürgerkrieg in Jugoslawien, als erwartungsgemäß politisch korrektes und gleichzeitig auch perspektivisch einseitiges und methodisch äußerst schwaches (Mach-)Werk. Auch Glück, der neue Film von Doris Dörrie, hätte aufgrund seiner Aneinanderreihung von Kitsch- und Pathosszenen wenn überhaupt dann nur “vielleicht als südkoreanische Liebeskomödie funktioniert”, wie Ciprian David ironisch anmerkt. Komplettiert werden die dieswöchigen Enttäuschungen von Ghost Rider: Spirit of Vengeance 3D des Regie-Duos Mark Neveldine und Brian Taylor, der zwar laut NEGATIV-Autor Stefan Karlegger etwas besser als der Vorgänger geraten ist, dennoch nicht wirklich überzeugen kann.
Bildmaterial: Farbfilm Verleih
Hier die Trailer zu unseren besonderen Empfehlungen:


