Rebelle / War Witch | Berlinale 2012 – Wettbewerb


Rebelle berlinale
Rachel Mwanza in Rebelle.

Rebelle, vom kanadischen Regisseur Kim Nguyen, ist einer jener politischen Filme, die zum Dialog anstiften, aber den Diskurs verbieten. Es geht um den Kongo, um den Bürgerkrieg, es geht um diese nicht nur in Afrika präsenten Rebellen, die für die Demokratie kämpfen, den Weg dahin aber mit jedem Mittel bepflastern. Die Kosten tragen die in diesem Zusammenhang noch als zivil zu sehende Bevölkerung. Geschrieben und produziert wurde der Film, wie der englische Titel es deutlich macht, um die 14-jährige Komona (Rachel Mwanza), eine War-Witch, als ihre Erzählung über den Krieg, gerichtet an ihr noch ungeborenes Kind. Sie betet um die Kraft, dieses lieben zu können und versucht mit ihrer Erzählung, diese für Kind und Zuschauer zunächst interpretierbare Frage der Mutterliebe zu konkretisieren.

Die Antwort ist ganz einfach, sie ist gar keine Mutter. Wenn, dann höchstens in dem Maß, in welchem sie ein Soldat ist. Zu beidem, wie zu einigem anderen im Verlauf der Handlung, wird sie gezwungen. Sie ist ein Kind, und ihre wichtigste Lebensaufgabe ist, ihre Eltern ehrenvoll zu bestatten. Diese musste sie erschießen, im Rahmen ihrer Rekrutierung von den Rebellen. Um diese Aussage zu stärken, wird eine fantastische Ebene des Films erschaffen, und in einem Kontext der Mythologie Afrikas, der Talismane und Heilkräfte, verankert. Komona sieht seit dem Tod ihrer Eltern die Geister von Verstorbenen und diese warnen sie, wann auch immer Gefahr auf sie und ihren Trupp lauert. Dadurch schlägt Regisseur Kim Nguyen Komona als Vertreter eines Menschen vor, der sich auf natürliche und übernatürliche Art dem Krieg entzieht. Dessen Streben nicht politischen Ideen, sondern dem schieren Überleben gilt.

Vieles wird aber auch nebenbei angerissen: Rebelle bietet Raum für eine Liebesgeschichte, für Ausflüge in verschiedene Dörfer und weg vom Krieg, dann zurück. Der Film wird zu einer Schau diverser Grundaspekte des Bürgerkriegs, zu einer Wiederholung vergangener medialen Berichterstattung und zu einem Blick von außen aus auf Afrika und seine Probleme. Dynamisch inszeniert, die Kamera meistens sehr eng an den Gesichtern haftend, suggeriert er eine Intimität, die ja nur filmisch zwischen Macher und Thema existieren kann. Ein Film, der ein Publikum anspricht, ihm manifest diese Bilder Kongos zeigt, welche dann allerdings sinnesentleert sind, bieten sie doch vordergründig dem Zuschauer einen Spiegel seiner eigenen Ignoranz gegenüber den großen politischen Problemen der Welt.

Solche Filme sind immer gegen einen Diskurs, sie sind bloß eine Form der Mediatisierung, denn sie dürfen sich immer auf ihre politische Relevanz berufen, wenn ihre anderen Aspekte angegriffen werden sollen. Dennoch, wie Nino Klingler auch feststellt: besser mit als gar nicht.

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